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Full text of "Palaeontographica"

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EIARVZARDIZUNIDVEIRS TIUNZGE 


LIBRARY 


OF THE 


MUSEUM OF COMPARATIVE ZOÖLOGY. 


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PALAEONTOGRAPHICA. 


BEIERLEGE 


ZUR 


BF ERCGESELRICHTE DER VORZEIT. 


Herausgegeben 


von 


KARL A. v. ZITTEL, 


Professor in München. 


Unter Mitwirkung von 


Freih. von Fritsch, W. Waagen und W. Branco 


als Vertretern der Deutschen Geologischen Gesellschaft. 


Vierundvierzigster Band. 


Mit 27 Tafeln und zahlreichen Figuren im Text. 


Stuttgart. 
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (E. Koch). 
1 1897. 1898. 


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Erste und zweite Lieferung. 
Juni 1897. 


Philippi, E. Ueber Ischyodus suevicus nov. spec. (Mit Taf. I—-I). 
Leonhard, R. Die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. (Mit Taf. III—VI An 12 Fig. ): 


Dritte und vierte Lieferung, 
Dezember 1897. 
Blanckenhorn, M. Zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. (Mit 
Taf. VO—X und S Fig.) 


Böse, E. Die mittelliasische Brachiopodenfauna der ercnen Norlahren Nebst einem Anhange 
über die Fauna des unteren Dogger im bayrischen Innthale. (Mit Taf. XI—-XV). 


Fünfte und sechste Lieferung. 


Mai 1898. 


Schellwien, E. Die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. Teil II. (Mit Taf. XVU—XXIV). 
Bauer, Fr. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. (Mit Taf. XXV—XXVD). 


Seite 
1—10 
11—70 


71—144 


145—236 


237—282 
2835—328 


Ueber Isehyodus sueviecus nov. sp. 


Ein Beitrag zur Kenntniss der fossilen Holocephalen 


von 


E. Philippi in Tübingen. 


Mit Tafel I, II. 


In den mesozoischen Formationen sind Ueberreste der merkwürdigen Selachierfamilie der Chimären 
nicht all zu selten. Zumeist sind es allerdings isolirte und teilweise recht fragmentäre Zähne, nach denen 
die Aufstellung der zahlreichen Genera und Arten erfolgt ist; zusammenhängende Gebisse sind selten, noch 
seltener Ueberreste des Knorpelskeletes. Das erste vollständige Skelet, dessen Erhaltungszustand allerdings 
recht mangelhaft ist, entdeckte Quenstepr ' auf einer Solenhofener Platte in der Sammlung des Landarztes 
HÄBERLEIN in Pappenheim; dasselbe gelangte später in die Münchner paläontologische Sammlung und wurde 
von WAGNER und eingehender von Rızss® beschrieben. Ausser dem vollständiger erhaltenen Gebiss und 
dem Rückenstachel zeigt. dieses Exemplar nur den Verlauf der Rückenflosse und der Schleimkanäle im 
Körper mit einiger Deutlichkeit. Im Jahre 1862 beschrieb Hermann v. Meyer‘ ein bedeutend besser er- 
haltenes Skelet, ebenfalls aus Solenhofen stammend, das die ungefähren Grössenverhältnisse und die Lage 
der einzelnen Skeletelemente gegeneinander deutlich erkennen lässt, ohne jedoch einen detaillirten Vergleich 
mit recenten Chimären zu gestatten. Theile eines Chimärenschädels bildete ferner EGERToN’ aus dem Lias 
von Lime Regis ab; besonders der Stachel der Rückenflosse und der Stirnstachel sind an seinem Exemplar 
vorzüglich erhalten. Endlich erwähnt Rızss in der bereits eitirten Arbeit, abgesehen von einigen Platten 
mit Fragmenten der Chagrinhaut und der Wirbelsäule, ein weiteres, vollständiges Skelet aus dem Platten- 
kalke von Eichstätt, das nach seiner Beschreibung allerdings mindestens ebenso fragmentär sein dürfte, wie 


! Quenscepr. Petrefactenkunde. 1. Aufl. S. 185. 
? Abhandlungen der mathematisch-physikalischen Klasse der Kgl. Bayerischen Academie der Wissenschaften. IV. Bd. 
2. Abtheilung. S. 286 ff. 
3 Palaeontographica XXXIV. S. 1ff. Daselbst auch Uebersicht der Litteratur über fossile Chimaeren. 
* Palaeontographica VII. S. 14—18. 
5 Quarterly Journal of the Geological Society of London 1871. Vol. XXVIL, 1, S. 275—279. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 1 


E. Philippi, über Ischyodus suevicus. 


D 


das Exemplar der Hägervei’schen Sammlung. Dies ist meines Wissens alles, was über das Knorpelskelet 
fossiler Chimären bisher bekannt geworden ist. 

Bei einer Durchsicht des umfangreichen Materials, welches die Tübinger Universitäts-Sammlung 
aus den Plattenkalken von Nusplingen aufbewahrt, fanden sich einige Ueberreste, welche als der Familie 
der Chimären angehörig bereits von QuEssteor erkannt worden waren, ohne jedoch einer eingehenden Be- 
arbeitung unterzogen worden zu sein‘, und welche sowohl Theile des Knorpelskeletes, wie Zähne in einem 
ganz vorzüglichem Erhaltungszustande aufweisen. Eine genauere Untersuchung dieser Platten, die mir Herr 
Professor Kokex freundlichst zur Bearbeitung überliess, und einiger Stücke des Stuttgarter Kgl. Naturalien- 
cabinets bildet den Inhalt der vorliegenden Arbeit. Es ist mir eine angenehme Pflicht, hier Herrn Professor 
E. Fraas in Stuttgart und Herrn Professor Eımer in Tübingen für Ueberlassung von fossilem und recentem 
Material meinem besten Dank auszusprechen. 

Zur Untersuchung gelangten im ganzen 5 Platten, ausserdem 3 isolirte Zähne und ein Rücken- 
stachel. Platte I zeigt einen vollständig erhaltenen Schädel von der Unterseite, Platte II einen solchen 
noch in Verbindung mit dem Unterkiefer von der Seite, daneben den zum grössten Teil erhaltenen 
Schultergürtel mit den Brustflossen und ein Bruchstück des Rückenstachels. Platte III giebt das Bild eines 
sehr grossen Exemplares von der Bauchseite, von dem besonders schön das Gebiss und Reste des Unter 
kiefers erhalten sind; man gewahrt ferner Theile des Kiemenapparates, der Brustflossen und der Rücken- 
flosse samt dem Stachel. Platte IV stellt ein ebenfalls vorzüglich erhaltenes Gebiss von der Seite dar, 
ausserdem Theile des Schädels, der Rückenflosse und des Stachels. Auf den Platten II und IV ist das 
Gebiss beiderseitig herauspräparirt. Platte V weist ein im Verhältniss zu den übrigen sehr kleines Exemplar 
auf; vom Schädel ist nur wenig erhalten, dagegen ein grosser Teil der Wirbelsäule, die Rückenflosse samt 
Stachel, das Becken und Theile des Schultergürtels und des Kiemenapparates. 

Die Platten I—IV gehören der Tübinger Universitätssammlung, Platte V dem Stuttgarter Kgl. 
Naturaliencabinet an. Auf sämmtlichen Stücken mit Ausnahme von IV ist der Knorpel durch Brauneisen 
imprägnirt; er hebt sich dadurch sehr schön von der umgebenden hellgelben Gesteinsmasse ab und ge- 
stattet vermöge seiner grösseren Härte ein sehr vollständiges Präpariren. Nur auf Platte IV hat der Knorpel 
nahezu Farbe und Härte des Gesteins und unterscheidet sich von diesem nur durch einen matteren, wachs- 
ähnlichen Ton. 


Der Schädel. 
Unterseite. Taf. I, Fig. 1. 


Die Unterseite des Schädels bildet eine zusammenhängende Knorpelmasse von pentagonalem Umriss, 
an der uns die Austrittsöffuung der Chorda dorsalis (70.) und die beiden tiefen Gelenkgruben für den 
Unterkiefer (@.) leicht orientiren. Die Verbindungslinie der Unterkiefergelenke teilt den Schädel in eine 
vordere und hintere Partie, deren Länge sich beim fossilen Schädel fast genau wie 3:2 verhält, während 
sich dieses Verhältnis bei der lebenden Ohimaera monstrosa auf 3:5 stellt. Dies bedeutet also eine starke 
Verlängerung der Ethmoidalregion beim fossilen, eine Erscheinung, welche wohl mit der ungleich mäch- 
tigeren Bezahnung in Verbindung zu setzen ist. 


1! Quessteorn erwähnt diese Funde nur flüchtig in der Petrefactenkunde, 3. Aufl., $. 293 und bildet ebenda, Taf. 23 
zwei (zu Platte III gehörige) vordere Oberzähne ab. 


Der Schädel. 


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Im vordersten Theile des Schädels wird man die nahezu rechteckigen Gruben (Vd. Zg.) zur Auf- 
nahme der vorderen Oberzähne gewahr; sie sind im vorderen Theile tief ausgehöhlt und in der Symphysal- 
gegend durch eine Leiste getrennt; der hintere Theil verflacht sich, die erwähnte Symphysalleiste kommt 
in Weefall und macht einer medianen Vertiefung Platz, Durch einen ziemlich breiten Zwischenraum von 
den vorderen Zahngruben getrennt liegen die etwas weniger scharfen Eindrücke der hinteren Oberzähne 
(H. Zg.), die wie bei der lebenden Ohimaera bis in die Gegend des Unterkiefergelenkes reichen; sie be- 
sitzen ungefähr den Umriss eines rechteckigen Dreiecks, dessen Hypotenuse die äussere Umgrenzung bildet. 
In der Symphysalgegend verläuft eine besonders im vorderen Theile stark vertiefte Furche, die beiderseitig 
von zwei breiten Wülsten begrenzt wird. Die Form der hinteren Vorderzähne weist, wie später zu be- 
sprechen sein wird, darauf hin, dass diese Erhöhungen nicht die Zähne von einander abgrenzten, sondern 
von ihnen umfasst wurden und wesentlich dazu dienten, dieselben stärker zu befestigen. Sehr mächtig sind 
die Gelenkgruben für den Unterkiefer, denn sie besitzen denselben Durchmesser wie das Oceipitalloch, ein 
Verhältnis, das bei Chimaera sich ungefähr wie 2:1 stellt. Im hinteren Theile des Schädels hebt sich eine 
mittlere Partie von ovalem Umriss heraus, die hinten bis an das Occipitalloch reicht; rechts und links 
legen sich an diese in einem Winkel von ca. 70° nach vorn zwei längliche, höckerige Erhebungen an. Ich 
glaube, dass die mittlere Aufwölbung, welche in der Mitte eine flache Furche besitzt, dem Hirn entspricht, 
während in den seitlichen Flügeln wohl das Labyrinth zu suchen ist. Letzterer Auffassung entspricht auch 
die Seitenansicht auf Platte II, wo sich, in gleichem Abstande vom Hinterrand, ebenfalls eine starke, 
höckerige Aufwölbung erkennen lässt, über deren Deutung als Labyrinth hier kaum ein Zweifel entstehen 
kann. Auf beiden Seiten der mittleren, als Hirnkapsel gedeuteten Region sind zwei ovale Löcher zu er- 
kennen, ein grösseres in dem Winkel zwischen Labyrinth und Hirnkapsel und ein kleineres vor dem vorderen 
Ende derselben. Mögiicherweise hat man es hier mit Nervenaustritten zu thun. 


Seitenansicht des Schädels. Taf. I, Fig. 2. 


Wesentlich ergänzt wird das Bild, das wir durch die Unteransicht vom Schädel gewonnen haben, 
durch die Seitenansicht auf Platte II, auf welcher derselbe bis auf ein kleines Stück am oberen Hinter- 
rande vollständig erhalten ist. In seinen Umrissen entspricht der fossile Schädel im allgemeinen dem der 
lebenden Chimären, doch ist die Ethmoidalregion etwas niedriger, die hinteren Theile dagegen sind etwas 
höher, so dass eine Annäherung an ein Rechteck entsteht. Den vordersten Theil des Schädels nimmt, wie 
bei den recenten Formen, die Nasenregion ein; man glaubt hier, verschiedene Knorpelstücke unterscheiden 
zu können, ohne dass es jedoch möglich wäre, ihre Begrenzung gegen einander genau festzustellen. Ich 
muss mich deswegen darauf beschränken, in einem am äussersten Vorderrande des Schädels gelegenem 
Knorpelstücke von dreieckigem Umriss, das von anderen Knorpeltheilen überlagert zu werden scheint, den 
inneren Nasenflügelknorpel (f. bei Jos. MüLzeEr ]. c.) sehen zu wollen. Ueber der Nasenregion bildet der 
Vorderrand zwei Vorsprünge, die vielleicht mit den Schnauzenknorpeln (h. h. ©. MÜLLER) zusammen zu 
bringen sind, welche bei Callorhynchus eine so bedeutende Entwicklung erfahren haben. Die Ethmoidal- 
region ist den recenten Chimären gegenüber erheblich verbreitert; während nämlich der Abstand des Vorder- 
randes vom vorderen Orbitalrand (oberhalb der Nase gemessen) zur Höhe (an der Ecke gemessen, an der 
der nahezu horizontale Scheitelrand in den schräg nach vorn abfallenden Stirnrand übergeht), sich wie 


4 E. Philippi, über Ischyodus suevicus, 


33:47 verhält, ist dieses Verhältniss beim fossilen Cranium wie 83—63. Der obere Rand der Ethmoidal- 
region wölbt sich von der Stirnecke an auf und scheint in der Nähe der Orbitalregion flügelartige Quer- 
fortsätze zu erhalten, wie sie auch bei der lebenden Ohimaera zu beobachten der nach unten gerichtete 
Fortsatz, der wohl theilweise dem Hyomandibulare der übrigen Selachier entspricht und der die Gelenk- 
grube für den Unterkiefer trägt, ist am fossilen Schädel viel stärker entwickelt wie bei den recenten Formen. 
Gegen den Mundrand setzt dieser Fortsatz scharf im rechten Winkel ab, während er bei Chimaera ganz all- 
mählich in diesen übergeht. Die halbkreisförmige Gelenkgrube für den Unterkiefer (G.), die auf Platte I 
so plastisch hervortritt, ist auch hier gut zu beobachten. Besonders tiefgreifend sind die Unterschiede, die 
unsern fossilen Schädel von dem der lebenden Chimären entfernen, in der Orbitalregion. Während nämlich 
beim recenten die kreisrunde Augenhöhle fast die ganze Höhe des Schädels einnimmt, so dass die Ver- 
bindung zwischen der Ethmoidal- und Labyrinthregion nur durch schmale Knorpelbrücken bewerkstelligt 
wird, beträgt beim fossilen Cranium die Höhe der mandelförmigen Augengrube nur ungefähr ‘/s der ge- 
sammten Höhe des Schädels an dieser Stelle. Nach hinten wird sie durch eine hohe Leiste abgeschlossen, 
die aber nicht wie bei Ohimaera in den Oberrand des Schädels übergeht, sondern sich in der oberen und 
unteren Ecke der Augengrube stark verflacht. Die Labyrinth- und Oceipialregion beim fossilen Schädel sind 
entsprechend der Verkürzung der Orbitalregion stark verlängert; sehr plastisch tritt namentlich die Auf- 
wölbung hervor, die bei Chimaera. die Lage der Gehörorgane bezeichnet. Am Hinterende des Schädels 
deutet ein kurzer Fortsatz (P. c.) die Gelenkverbindung mit der Wirbelsäule an: es ist der Fortsatz, den 
J. MüLter mit dem processus condyloideus der höheren Wirbeltiere vergleicht. 


Unterkiefer. Mad. 


Der Unterkiefer ist auf Platte II noch in Verbindung mit dem cranium erhalten; er weicht, wenn 
man von der Verstärkung des Gelenkes absieht, nicht wesentlich von dem der recenten Chimären ab. Die 
starken Gelenkknöpfe (@%.) des Unterkiefers kommen auch auf Platte III, Hinteransicht, zum Vorschein. 


Gebiss. 


Der Zahnbau der fossilen Chimären ist bereits so häufig Gegenstand eingehender Untersuchungen 
gewesen, dass ich von einer genaueren Besprechung desselben an dem Nusplinger Material absehen könnte; 
allein die Notwendigkeit, diese Stücke behufs specifischer Bestimmung mit den ausschliesslich auf Grund 
der Bezahnung aufgestellten Arten zu vergleichen, zwingt mich auch in diesem Punkte auf ein genaueres 
Eingehen. Allerdings ist das Nusplinger Material auch im Punkte der Bezahnung so vollständig erhalten, 
dass es im Stande ist, die bisherigen Kenntnisse in mancher Hinsicht zu ergänzen. 


Unterkieferzahn. 


Platte III zeigt die beiden Unterkieferzähne von der Unterseite noch nahezu in der Lage, die sie 
bei Lebzeiten des Thieres besassen. Beide Zähne sind bis auf die äusserste Spitze erhalten; ihre Gestalt 
- ist ungefähr die eines Rhombus. Von den vier Seiten dieses Rhombus besitzt die Oralseite einen wellen- 


Unterkieferzahn. 5 


förmigen Verlauf durch das Hervortreten zweier schwacher Erhöhungen, denen auf der Innenfläche des 
Zahnes Reibhügel entsprechen. Auf der Aussenfläche bezeichnet eine scharf abgegrenzte Linie die Stelle, 
bis zu welcher der Zahn von Weichteilen begrenzt war, sie verläuft ungefähr von der Mitte des Symphysal- 
randes schräg gegen das erste obere Drittel des dem Oralrande sich anschliessenden Aussenrandes. Unter- 
halb derselben ist die Aussenfläche stumpf und die Haversischen Kanäle treten deutlich hervor, während 
sie oberhalb der Linie von einer ziemlich dicken, stark glänzenden Schicht (Schicht s. bei Rızss) bedeckt werden. 


Auf der Innenseite treten drei Reibhügel sehr deutlich hervor, ein grosser ovaler, etwas vom Oral- 
rande entfernt, und zwei kleinere, nahe dem oberen und unteren Ende des grossen, unmittelbar am Oral- 
rande gelegen. Von diesen beiden Reibhügeln übertrifft der hintere den vorderen bedeutend an Grösse; 
ihre vordere Grenze wird durch die bereits erwähnten Vorsprünge des Oralrandes bezeichnet. Ein vierter 
Reibhügel, von abweichender Structur, unmittelbar am Vorderrande des Zahnens gelegen, ist auf Platte III 
nur angedeutet, tritt jedoch bei einem isolirten Zahne von Schnaitheim Taf. I, Fig. 3 und dem von 
QuEnstEDT als Chimaera Schübleri beschriebenen Zahnfragment sehr deutlich hervor; er soll bei Besprechung 
der Zahnstructur eingehender behandelt werden. 


Da sowohl die generische wie die specifische Bestimmung fossiler Chimären sich vorwiegend auf 
die Form des Unterkieferzahnes stützt, so thut man gut daran, diesbezügliche Betrachtungen an dieser 
Stelle auszuschliessen. Was die generische Stellung der untersuchten Stücke anbelangt, so gehören die 
Unterkieferzähne sämmtlich auf Grund der Beschaffenheit ihrer Symphysalfläche und der Form der Reib- 
hügel der Gattung Ischyodus an. Etwas schwieriger gestaltet sich die Stellungnahme zu den bisher be- 
kannten Arten, da dieselben nicht selten auf Grund von recht ungenügendem Material aufgestellt worden sind. 


Die bisher bekannten oberjurassischen Ischyodus-Arten lassen sich nach der Form des Unterkiefers 
im allgemeinen in zwei Formengruppen unterbringen. Die eine Gruppe enthält die Arten mit stark hervor- 
tretenden Oralhügeln (so nenne ich der Kürze wegen die beiden Erhebungen auf dem Oralrande) und weit 
nach vorn vorspringenden scharfen Schnabel. Der extremste Vertreter dieser Abtheilung ist Ischyodus 
Schübleri, den Rızss wohl mit vollem Recht mit Ischyodus rostratus H. v. Mey. vereinigt. Die andere 
Formenreihe umfasst Unterkieferzähne mit nur schwach wellenförmiger Orallinie und breitem, wenig hervor- 
tretendem Schnabel; ihr typischer Vertreter ist Ischyodus Townsendii Buckt. mit dem Ischyodus Quenstedti 
Wagn. sp. wohl ident sein dürfte; ebenfalls hierher gehört Ischyodus avitus H, v. Mey. sp., der möglicher- 
weise nur ein junges Exemplar von Ischyodus Townsendii Buck. ist. 


Drei von den mir zur Untersuchung vorliegenden Zähnen (die auf Platte III, IV, und ein isolirter 
Zahn von Schnaitheim) nehmen im allgemeinen eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Gruppen ein; 
Oralhügel und Schnabel springen nicht so weit vor, als dies bei Ischyodus Schübleri Qu. sp., dessen Original 
mir vorliegt, der Fall ist; im allgemeinen schliesen sich aber unsere Exemplare viel enger an diese Gruppe 
als an die des Ischyodus Townsendii BuckL. an. Untereinander variiren diese Zähne etwas; das kleinste 
Exemplar auf Platte III zeigt den am stärksten gewellten Oralrand, während bei dem grossten, dem isolirten 
Zahn von Schnaitheim, die Oralhügel fast verschwunden sind; der Unterkieferzahn auf Platte IV nimmt 
sowohl seiner Grösse wie der Form seiner Oralhügel nach eine Mittelstellung ein. Ich möchte diese Unter- 
schiede, da die Form der Zähne in allen übrigen Punkten durchaus mit einander übereinstimmt, für Alters- 
verschiedenheiten ansehen, im Gegensatz zu Rıess. Dieser Forscher nimmt zwar auch ah, dass der Oralrand 


E. Philippi, über Ischyodus suevicus. 


{or} 


des Unterkieferzahns sich mit dem Alter verändert, aber in entgegengesetzter Richtung, so dass aus Formen 
mit schwachwelliger Oralkante sich solche mit deutlich vorspringenden Oralhügeln entwickeln. ' 


Solange nicht gegenteilige Beobachtungen an recentem Material vorliegen, glaube ich, bei der Be- 
schaffenheit der vorliegenden Stücke für meine Ansicht die grössere Wahrscheinlichkeit in Anspruch nehmen 
zu dürfen und bin daher wohl berechtigt, die in Frage kommenden drei Zähne in einer Species zu ver- 
einigen, für die ich den Namen Ischyodus suevicus vorschlage. 


Ein kleines Fragment eines Unterkieferzahnes, ebenfalls von Schnaitheim, mit stark vorspringendem 
Schnabel dürfte wohl zu Ischyodus Schübleri Qu. sp. zu stellen sein. 


Hinterer Oberzahn. 


Auf Platte III, Taf. II, Fig. 2 ist der hintere Oberzahn ebenfalls nahezu vollständig erhalten und macht 
es möglich, die eingehende Darstellung von Rızss in einigen Punkten zu ergänzen. Der hintere Oberzahn be- 
sitzt einen fünfeckigen Umriss; der innere oder Symphysalrand ist gerade oder schwach nach aussen gebogen, 
der Hinterrand, der ungefähr in der Verbindungslinie der beiden Unterkiefergelenke liegt, biegt sich in der 
Mitte etwas nach vorn ein und springt gegen den Aussenrand vor, in derselben Art und Weise, wie dies 
Newron: bei Edaphodon Reediüi Nzwr. auf Taf. 6, Fig. 3 dargestellt hat. Der Aussenrand verläuft unge- 
fähr auf ein Drittel der Länge des ganzen Zahnes dem Symphysalrande parallel (bis Punkt g bei NEwToN) 
dann biegt er im stumpfen Winkel nach vorn um. Auf diesem Theile des Aussenrandes, ungefähr in ?/s 
seiner Länge von der Umbiegungsstelle an gerechnet, macht sich der Vorsprung bemerkbar, an den sich 
auf der Innenseite der äussere Reibhügel anlehnt (dieser Vorsprung ist bei Zdaphodon nur sehr schwach 
entwickelt und fehlt bei manchen Arten, z. B. der oben citirten, ganz). Die an unserem Exemplar etwas 
beschädigte Vorderkante bildet mit der Innenkante einen stumpfen Winkel von ca. 120°. Parallel dem 
Innenrande verlauft auf der Aussenfläche des Zahnes eine tiefe, sich nach hinten verbreiternde Rinne. 
Wenn Rısss (l. c. S. 8) meint, dass diese Vertiefung bei Lebzeiten des Thieres von Weichteilen ausgefüllt 
war, so möchte ich dieselbe lieber mit den leistenförmigen Erhöhungen in Zusammenhang bringen, die auf 
der Unterseite des Schädels zu bemerken sind; es ist darnach sehr wahrscheinlich, dass diese Apparate zur 
‚stärkeren Befestigung des Zahnes dienten. Auf der der Symphysalkante zugewendeten Seite der Rinne 
beobachtete Rızss Austrittsstellen von Gefässen etc.; letztere gelang es mir nicht aufzufinden, wohl aber 
ist eine Verbreiterung der Haversischen Kanäle an dieser Stelle deutlich wahrnehmbar. Die Grenze der 
glänzenden Schicht s fällt zuerst mit der oberen Grenze der Rinne zusammen und verläuft dann parallel 
mit dem vorderen Theile des Aussenrandes nach der Mitte des hinteren, der Symphysalkante parallelen Theils. 
Von den am hinteren Oberzahn beachteten Reibhügeln sind auf Platte III nur der vorderste und ein Theil 
des äusseren, an dem erwähnten Vorsprunge gelegenen, zu bemerken. 


i Rızss 1. c. 8.16 bringt infolgedessen den auf Taf. I, Fig. 6 dargestellten Unterkieferzahn mit stark welligem Oral- 
rande in Verbindung mit dem etwas kleineren Unterkieferzahn von Ischyodus avitus H. v. Mey. sp., Palaeontographica X, T. 12, 
der eine fast glatte Oralkante zeigt. Nach meiner Anschauung dürfte man Zähne wie den von Rızss abgebildeten viel eher 
als Jugendformen etwa der zu dem Nusplinger Material gehörigen Zähne oder nahe verwandter Arten ansehen. 

2 Newron, The chimaeroid fishes of the British eretaceous rocks. Memoirs of the geological survy of the united 
Kingdom, Monograph IV. 


Kiemenapparat. 


-1 


Vorderer Oberzahn. 


Die vorderen Oberzähne besitzen, wie WAGnEr treffend bemerkt, die Form eines halbirten Hufes 
und greifen wie bei Chimaera etwas über die hinteren über. Die Grenze der Schicht s läuft dem Oralrande 
(ab bei Rızss) ungefähr parallel und halbirt den Symphysalrand. Dadurch, dass die Symphysenfläche weit 
in das Innere des Zahnes herabreicht, entsteht zwischen ihr und der Aussenwand eine nach innen sich 
öffnende Ausbuchtung. Reibflächen konnten nicht beobachtet werden. 


Structur der Zähne. 


Ueber die Structur der Zähne liegen einige Beobachtungen nicht vor, ich beschränke mich infolge- 
dessen darauf, das Resultat der sorgfältigen Untersuchungen von Rızss kurz zu recapituliren. Die Haupt- 
masse der Zähne besteht aus Vasodentin, dessen ziemlich weite, anastomosirende Canäle in jedem Zahne 
dem Symphysenrande parallel verlaufen; im Innern des Zahnes und dort, wo er bei Lebzeiten des Thieres 
von Weichtheilen und Knorpel bedeckt war, sind diese Canäle mit blossem Auge bereits deutlich wahrnehm- 
bar. Gegen die Schicht s und die Reibflächen zu werden sie schmäler und die Zahnmasse erscheint noch 
unter der Lupe homogen. Die Oberfläche der bei Lebzeiten des Thieres freien Theile bedeckt die stark 
glänzende Schicht s; sie ist ziemlich complieirt zusammengesetzt und besteht aus echtem Dentin und Vaso- 
dentin, dem sich nach aussen eine unter dem Mikroskop homogen erscheinende, schmelzartige Schicht auf- 
lagert. Die Reibflächen bestehen ebenfalls aus Vasodentin, dessen Canäle sehr eng sind und senkrecht 
gegen die Oberfläche verlaufen; eine Ausnahme macht nur die Schnabelreibflläche des Unterkieferzahnes; 
diese wird nämlich, wie an dem Original von Ischyodus Schübleri Qu. sp. vorzüglich zu beobachten ist, von 
einer Anzahl ziemlich weit auseinanderstehender Lamellen (ich zählte 24) gebildet, die am Hinterrande der 
Reibfläche allmählich in die Structur der übrigen Reibflächen überzugehen scheinen. 


Kiemenapparat. 


Der Kiemenapparat ist auf Platte III zum grossen Theil erhalten, nur der Zungenbeinbogen, von 
dem bei der Lage des Thieres auf Platte III normal der grösste Theil vom Unterkiefer bedeckt sein muss, 
ist durch ganz geringe Fragmente angedeutet. Von den Kiemenbögen fallen am meisten die breiten, kurzen 
unteren Endglieder (Hypobranchialia) Ayp. auf, welche die Copula-Platten der ersten Kiemenbögen theilweise 
verdecken. In einem schmäleren und längeren Knorpelstücke glaube ich das untere Mittelglied cer des 
vierten Bogens zu erkennen. Mit grösserer Sicherheit sind drei lange Knorpelstücke bas von ansehnlicher 
Breite zu identificiren, die auf Platte III den untersten Theil des ganzen Kiemenapparates bilden; man hat 
in ihnen wohl die drei oberen Endglieder (basalia) zu erblicken, die bei O’himaera (noch mehr bei Callorhynchus) 
gegenüber den übrigen Theilen der Kiemenbögen ebenfalls verbreitert sind. Da dieselben nach hinten ge- 
richtet sind, müssen sie, wie dies auf Platte III deutlich zu beobachten ist, bei der Rückenlage des Thieres 
am unteren Ende des ganzen Kiemenapparates unter den unteren Endgliedern zum Vorschein kommen. 
Das mittlere dieser Basalia, das bei Chimaera mit dem Rückgrat durch Bänder verbunden ist, ist wie dort 
zweiköpfig. Zwischen den Basalia liegt die lange, bei Ohimaera in einer scharfen Spitze endigende letzte 
Copulaplatte, die bei unserem Stück etwas beschädigt ist. 

Auf Platte V sind auf der rechten Seite der Wirbelsäule Theile der Kiemenbögen ebenfalls vor- 
handen, ohne uns über Details derselben besonders Aufschlüsse zu geben. 


s E. Philippi, über Ischyodus sueviecus. 


Rückenflosse. 


Bei dem kleinen Exemplar des Stuttgarter Naturaliencabinets auf Platte V ist die Rückenflosse im 
Zusammenhang mit dem übrigen Skelet sehr gut erhalten. Wir begegnen hier denselben Verhältnissen wie 
bei der lebenden Chimaera: der Rückenstachel und die (hier nicht erhaltenen) Flossenstrahlen sitzen einem 
Flossenträger von erheblicher Grösse auf, der seinerseits durch ein starkes Gelenk mit einem massiven 
Knorpelstück verbunden ist, das mit dem Vorderende der Wirbelsäule fest verwachsen ist. 

In ihren Einzelheiten lässt sich die Rückenflosse noch besser an dem grossen Exemplar auf Tafel IV 
studiren. Der Flossenträger besitzt eine keilförmige Gestalt; auf der Seite, die nach oben gekehrt ist, 
verläuft eine starke Längsleiste, die wie bei Ohimaera zur Befestigung des Flossenstachels diente. Besonders 
deutlich tritt das Gelenk hervor, das den Flossenträger mit dem der Wirbelsäule aufsitzenden Theil der- 
Flosse verband. 

Auf Platte III ist der durch die eben erwähnte Leiste leicht kenntliche Flossenträger grossenteils 
durch andere Knorpelstücke verdeckt. 


Rückenstachel. 


Rückenstachel finden sich auf den Platten II, II, IV und V, auf letzterer noch in der ursprüng- 
lichen Lage dem Flossenträger aufsitzend; bezüglich dieses Organes kann ich den Ausführungen von Rızss 
nichts hinzufügen. 


Schultergürtel. 


Die beiden symmetrischen Knorpelspangen, welche auf Platte II sehr deutlich hervortreten, sind 
wohl mit Sicherheit als Theile des Schultergürtels aufzufassen. Wenn, was nicht sehr wahrscheinlich ist, 
das obere, verschmälerte Ende nicht weggebrochen ist, so ist die im Verhältnis zur Länge bedeutende Breite, 
verglichen mit den entsprechenden Theilen von Chimaera, recht auffallend. Eigenthümlich ist es, dass von 
der bei den lebenden Chimären so compacten Ventralplatte so gut wie gar nichts vorhanden ist. Auch 
auf Platte V, wo wohl das vorspringende Stück A einen Teil des Schultergürtels repräsentirt, ist von dieser 
ventralen Platte kaum etwas zu sehen. Ueberreste dieses Stückes dürfen wir wohl in den mit ven be- 
zeichneten Knorpelstücken auf Platte III erblicken, welche im Gegensatz zu den übrigen Skelettheilen sehr 
schlecht erhalten sind. 

Alle diese Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass die ventrale Knorpelplatte, welche die beiden 
Spangen des Schultergürtels miteinander verbindet, entweder nicht in der massiven Form bestand, wie bei 
den lebenden Chimären, oder im Verhältnis zu den übrigen Skeletelementen nur wenig verkalkt war. 


Brustilosse. 


Auf Platte II sind die beiden Brustflossen gut erhalten. Die Basalteile sind im Verhältnis zu den 
Flossenstrahlen ziemlich gross, doch lässt sich Bestimmtes über ihre Form nicht aussagen, da die Abgrenzung 
der einzelnen Theile gegeneinander undeutlich ist. Die Flossenstrahlen sind einfache, wie es scheint, un- 
gegliederte Stäbe von ansehnlicher Breite, die sich nach der Basis der Flosse zu etwas verjüngen. 

Auf Platte III fallen sofort die zahlreichen Flossenstrahlen der Brustflosse auf, die das vordere 
Ende des Rückenstachels theilweise überdecken. Das Knorpelstück von dreieckigem Umriss mi, welches an 


Becken. 8] 


der Basis der Flossenstrahlen liegt, dürfte wohl als das Metapterygium zu deuten sein; es stimmt mit dem 
von Chimaera gut überein, selbst der kurze Fortsatz an der Grenze gegen das Propterygium ist deutlich 
erkennbar. Basaltheile der Brustflosse bedecken die Rückenflosse theilweise, sind aber zu fragmentär, um 
eine bestimmte Deutung zuzulassen. Hingegen sind wohl die beiden Knorpelstücke auf der rechten Seite 
der Platte III ganz sicher als Propterygium und Mesopterygium aufzufassen '. Das als Propterygium ge- 
deutete Stück p besitzt fast genau dieselbe Form wie bei der lebenden Chimaera, selbst die Verdickung am 
Innenrande, dort wo dasselbe an das Metapterygium anschliesst, tritt bei dem fossilen Stück gut hervor. 
Beim Mesopterygium ms bildet der Aussenrand, wie bei Chimaera, mit dem dem Propterygium zugewendeten 
Rande einen rechten Winkel. 


Becken. 


Das Becken ist nur bei dem kleinen Exemplar des Stuttgarter Naturaliencabinets noch erhalten. 
Es zeigt gegenüber dem der lebenden Chimären wesentliche Abweichungen, denn während bei der recenten 
Form nur schmale Knorpelbögen vorhanden sind, die sich nur an der Absatzstelle der Bauchflossen ver- 
breitern, lässt das fossile Exemplar trotz seines fragmentären Zustandes, breite, plattenförmige Knorpel- 
stücke von bedeutendem Umfange erkennen. 


Die Bauchflossen und die hintere Schwanzflosse sind auf Platte V nur schwach angedeutet. 


Eigenthümlicherweise ist die Wirbelsäule nur auf Platte V erhalten, auf sämmtlichen anderen Platten 
findet sich auch nicht eine Spur davon. Die schmalen, sehr zahlreichen Knorpelringe besitzen dieselbe 
Form wie die der recenten Gattungen. 


Die kleinen Ringe der Schleimkanäle finden sich allenthalben auf den Platten zerstreut, aber nir- 
gends mehr im Zusammenhang. 


Schlussbetrachtung. 


Wenn man die Resultate, die sich bei dem Vergleich der Skeletelemente von Ischyodus suevicus 
mit den entsprechenden Theilen der lebenden Chimären ergeben haben, zusammenfasst, so ergibt sich 
ungefähr folgendes Bild. 

Die mesozoische Chimärengattung zeigt in einzelnen Punkten völlige Uebereinstimmung mit der 
lebenden; es haben sich constant erhalten: Rücken und Brustflosse und der Kiemenapparat, in allen anderen 
Theilen ist eine z. Z. sehr starke Reduction der Skeletelemente zu bemerken. Diese ist am auffälligsten 
am Schädel, wo die Länge der vor den Unterkiefergelenken liegenden Partie bei Ischyodus und Chimaera 
sich wie 3:5 verhält; in engem Zusammenhange damit steht wohl auch die starke Reduction das Gebisses, 
das in seinen äusseren Formen sonst ziemlich constant geblieben ist. Auch die hinter den Unterkieferge- 
lenken liegenden Schädeltheile haben durch die starke Vergrösserung der Augenhöhle bei den lebenden 
Formen gegenüber der fossilen eine bedeutende Verkürzung erlitten. Eine weitere, starke Rückbildung ist 
am Becken wahrzunehmen, auch die Knorpelspangen des Schultergürtels haben an Härte und Breite einge- 
büsst. Der einzige Skelettheil, bei dem möglicherweise eine Verstärkung bei den recenten Formen einge- 
treten ist, ist die ventrale Platte des Schultergürtels. 


 Vergl. GEGENBAUR, Untersuchungen zur vergleichenden Anatomie der Wirbelthiere, II. Heft, Taf. 9, Fig. 15. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 2 


10 E. Philippi, über Ischyodus suevicus. 


Die Frage, ob Ischyodus grössere Verwandtschaft zu Ohöimaera oder zu Callorhynchus besitzt, lässt 
sich an der Hand unseres Materials nicht entscheiden; vielleicht hat die Annahme die grösste Wahrschein- 
lichkeit, nach der Ischyodus als gemeinsamer Stammvater der beiden lebenden, nahe verwandten Gattungen 
anzusehen ist. 

Die vorliegenden Untersuchungen sind geeignet, die bereits von anderer Seite ausgesprochene An- 
sicht! zu bestätigen, dass der Stamm der Holocephalen, was Grösse und Bau des Skeletes anbelangt, be- 
reits im Mesozoicum seinen Höhepunkt erreichte, dass die heute lebenden Vertreter nur noch spärliche und 
redueirte Ueberreste dieser Familie darstellen und etwa die Rolle vertreten, die Ceratodus und Protopterus 
bei den Dipnoern spielen. 


! Zırret, Handbuch der Palaeontologie II, S. 107. 


Die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Von 


Dr. Riehard Leonhard. 


Mit Tafel III—V1. 


Die Anregung zu dieser Studie verdanke ich Herrn Professor Dr. FrecH, der mir die Sammlungen 
des Breslauer Mineralogischen Museum bereitwillig zur Verfügung stellte. Sodann war ich bemüht, durch 
eisene Aufsammlungen an Ort und Stelle die Kenntniss der oberschlesischen Kreideformation, zunächst der 
Oppelner Scholle, zu vermehren, wobei ich von Seiten der Herren Direktoren der Oppelner Cementfabriken und 
ihrer Beamten grosses Entgegenkommen fand. Besonderen Dank sage ich noch den Herren kgl. Landmesser 
GrunpEy in Kattowitz und Zahnarzt SchrAmmen in Hildesheim, welche mir ihre reichen Lokalsammlungen zur 
Bearbeitung überliessen. Die Zeichnung der Tafeln und Textfiguren wurde von Dr. LöscHmAnn aus- 
geführt. Im Verlaufe der Arbeit erwies sich auch eine Revision der Fauna der südlicheren, bei Leobschütz 
gelegenen Partieen der Kreideformation als notwendig, umsomehr, als sich bei einer Bereisung des Gebietes 
herausstellte, dass die Aufschlüsse, die F. Roemer die Fossilien geliefert hatten, nicht mehr existirten. 


Die Verbreitung der oberschlesischen Kreidevorkommnisse ist durch die Aufnahmen unter Fer». 
ROEMER erösstentheils durch L. Hatrar untersucht worden‘. Da dieselben, soweit Verfasser sie kennen 
lernen konnte, sich als sehr genau erwiesen, so konnte derselbe von einer kartographischen Darstellung 

hsöand nehmen und seine Aufmerksamkeit ausschliesslich der Gliederung der oberschlesischen Kreide auf 
Grund ihrer Fossilien zuwenden. 

Seit der Aufnahme der geologischen Karte von Oberschlesien ist die Kenntniss der Kreideformation 
nicht wesentlich gefördert worden. Hervorzuheben ist ausser einer bisher übersehenen Bemerkung von 
SCHLÜTER? nur die Darstellung von G. GürrcH in dessen „Erläuterungen zur geologischen Übersichtskarte 
von Schlesien“ °, welcher, auf eine gute Kenntnis der Oppelner Fundpunkte gestützt, manches Neue hinzufügte. 


! Geolog. Karte von Oberschlesien. 1870. 
Palaeontographica XXI, p. 26. 
Breslau 1890. 


oo 


12 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


I. Cenomane Bildungen. 


Ablagerungen cenomanen Alters finden sich in der Gegend von Leobschütz, sowie in der Gegend 
von Oppeln in sandiger Facies entwickelt, als östlichstes Vorkommen dieser für die böhmisch-sächsische 
Facies bezeichnenden petrographischen Beschaffenheit. Dieselben sind Reste einer mächtigen Decke, welche 
der weitgehenden Denudation zum grössten Theile zum Opfer gefallen ist. 


A. Cenoman von Leobschütz. 


Die cenomanen Ablagerungen der Gegend von Leobschütz zeigen in weit zerstreuten Resten nur 
geringe Partieen festen, weissen oder gelblichen Sandsteins; meist ist derselbe in weissen Quarzsand zerfallen. 
Die Verbreitung dieser Partieen bei Nieder-Paulowitz und Matzdorf ist von F. RoEMmER eingehend dargestellt 
worden!. An einigen Stellen konnte die discordante Überlagerung des Culm beobachtet werden. Im 
wesentlichen sind nur Theile der tiefsten, ältesten Glieder des Cenoman erhalten. Versteinerungen im an- 
stehenden Gestein kommen selten vor, finden sich mitunter auch in der Lokalmoräne, und bezeugen so die 
ehemalige weitere Ausdehnung der cenomanen Ablagerungen. 

Eine Revision der von F. RormER beschriebenen Versteinerungen ergab folgende Arten: 


* Inoceramus bohemicus LEONH. Modiola Cottae A. RoEm. 
Exogyra columba Lam. Protocardium Hillanum Sow. 
Ostrea carinata Lan. Cucullaea glabra PARK. 
Pecten acuminatus GEIN. Venus cf. immersa Reuss 
—  membranaceus Nıvss. Rhynchonella cf. compressa Lam. 
—  curvatus GEIN. Pygurus lampas DE LA BECHE 
* —  Nilssoni.GOLDF. Selachierwirbel mit Strahlenwänden. 


B. Cenoman von Oppeln. 


Cenomaner Sandstein und Sand bildet allenthalben das Liegende des Oppelner Kreidemergels, wie 
Bohrungen häufig feststellten. Er ist in dem Groschowitzer Steinbruche bereits mehrmals in der Tiefe an- 
getroffen worden. Ein Bohrloch in der Giesel’schen Portland- Cementfabrik ergab daselbst eine Mächtigkeit 
des Cenoman von 43 m°. Dagegen wurde nach gütiger Mittheilung von Herrn Ingenieur SCHROEDER gele- 
gentlich einer Bohrung an der Rosenberger Chaussee 1 km östlich von Oppeln eine Mächtigkeit des Sandes 
von nur 35 m festgestellt. Als Liegendes dieses Sandes wird graublauer Thon, der wieder von rothem Letten 
unterlagert wird, angegeben. Letztere beiden gehören wahrscheinlich dem Keuper an. Gegen Osten streicht 
der cenomane Sand rasch aus. Zu Tage tritt das Cenoman nur im Südosten von Oppeln, bei Groschowitz, 
wo es in einigen geringen Aufschlüssen sichtbar ist. Die petrographische Beschaffenheit ist derjenigen des 
Leobschützer Cenoman sehr ähnlich. Die Ablagerungen bestehen aus einem feinkörnigen, weissen, seltener 
gelblichen Sandstein, welcher meist in Sand zerfallen ist, und mehr oder weniger glaukonitreich ist. Die 
Unterscheidung in 3 Glieder, zwei Stufen weissen Sandsteins, welche durch eine glaukonitreichere Sandschicht 
getrennt werden, die F. RoEMER versuchte, wird sich kaum halten lassen, da eine Überlagerung derselben 
in ununterbrochener Folge sich nirgends beobachten lässt. Die deutlichsten Aufschlüsse finden sich an der 


! Geol. von Oberschl. p. 329—332. 
? KunıscH, Jahresber. vater]. Gesellsch. f. 1890. II. p. 51. 


Cenoman von Oppeln. 13 


natürlichen Anhöhe des Uferrandes der Oder südlich von Groschowitz. Die Versteinerungen finden sich lose 
oder in glaukonitreichem Sandstein meist in den Sandgruben östlich und südöstlich von Groschowitz, sowie 
bei Grudschütz mit diluvialen Geschieben gemischt, in der Lokalmoräne. Das hier wie überhaupt auf 
dem rechten Oderufer bei Oppeln sehr dünne, nur noch 1—4 m mächtige Diluvium ruht, wie die aus- 
sedehnten Ausschachtungen an der Eisenbahnstrecke nach Gr.-Strehlitz zeigen, durchweg auf weissem, 
cenomanem Sande. Der letztere führt zahlreiche Versteinerungen, deren petrographische Beschaffenheit 
vermuthen lässt, dass sie aus anderen in grosser Nähe befindlichen Schichten herausgewittert sind. Spongien 
von gleicher Beschaffenheit wurden mir durch die Güte des Herrn kgl. Landmesser Gruxper von Lowietzko 
bei Gr.-Strehlitz bekannt; eine derselben konnte als Ohonella Roemeri Gem. bestimmt werden. Der Fund- 
punkt liest nur 14 km von Groschowitz entfernt am Nordrand des Muschelkalkgebirges. Die Funde scheinen 
eine weitere Ausdehnung eines Cenoman anzudeuten. Die meisten Stücke des Oppelner Cenoman sind in 
glaukonitischen Sandstein umgewandelt, einzelne auch in Hornstein. Häufig sind Pflanzenreste, die auf grosse 
Küstennähe hinweisen, am häufigsten jedoch Spongien, welche der Gattung Siphonia angehören. 
Bisher konnten nachgewiesen werden ': 


Siphonia Geinitzi ZırT. Isastraea Sp. 
— fieus GoLDF. Rhynchonella sp. 
*Craticularia ct. vulgata PocTa * Terebratula biplicata SOW. 
* Coelocorypha Sp. Catopygus carinatus GOLDE. 
*Chonella Roemeri GEIN. Acanthoceras Rhotomagense DEFR. 
= — Schrammeni nov. Spec. Turrilites costatus Lan. 
*Astrocoenia decaphylla E. u. H. *Belemnitella sp. (von Kempa) (plena?) 


Zahlreiche Reste sind unbestimmbar. Der Inoceramus, den F. ROEMER aus dem Cenoman anführt, 
stammt bereits aus dem Turon und ist wahrscheinlich zu Brongniarti Sow. gehörig. 

Ein Vergleich des Cenoman von Leobschütz und Oppeln ergiebt eine nicht unbedeutende Ver- 
schiedenheit der Faunen, trotz annähernder Gleichheit der Facies. Wie F. ROEMER vermuthete, sind in 
Leobschütz wesentlich Schichten des unteren Cenoman erhalten, während die Versteinerungen von Groscho- 
witz jüngeren Schichten angehören. Protocardium hillanum Sow., Ostrea carinata Law. und Exogyra co- 
lumba Lam. sind die bezeichnendsten Fossilien der südlichen Ablagerungen und lassen diese als Äquivalent 
des böhmisch-sächsischen Carinatenquaders erkennen. Von den Fossilien aus dem Groschowitzer Sandstein 
weisen Acanthoceras Rotomagense DEFR. und Turrilites costatus Lam. auf die obere Abtheilung des Cenoman 
hin. Sowohl diese beiden Leitfossilien, wie der Catopygus carinatus GoLpr. sind aber der böhmisch-sächsi- 
schen Facies fremd und beweisen eine nähere Verwandtschaft dieser Ablagerungen mit dem Cenoman Nord- 
westdeutschlands.. — Während ferner Exogyra columba in der sächsischen Facies noch in der Brongniarti- 
stufe des Turon, in Böhmen sich noch bis in die Malnitzer Schichte hinein findet, ist dieselbe nur von 
Leobschütz bekannt, steigt aber nicht bis ins Turon hinauf. Wir bemerken hier also eine Differenzirung 
der Faunen der schlesischen und des sächsisch-böhmischen Kreidebucht, welche bereits im oberen Cenoman 
zum Ausdruck kommt. Dass jemals eine unmittelbare Verbindung zwischen beiden Meerestheilen bestand, ist 
unwahrscheinlich. Darauf scheint auch der Mangel jeglichen Deundationsrestes der Kreide in Mittelschlesien 
hinzudeuten. Der zu jener Zeit noch zusammenhängende Complex der mittelschlesischen Gneisschollen schied 
beide Meere, welche nach Norden zu nach dem baltisch-nordwestdeutschen Meere mündeten. 


! Die für den Fundort neuen Arten sind mit * bezeichnet. 


14 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


II. Turone Bildungen. 


Bildungen turonen Alters sind ebenfalls in Oberschlesien in zwei getrennten Gebieten bekannt: es 
gehören hierher die von F. RoEMER zum Cenoman gerechneten Ablagerungen bei Hohndorf und Bladen un- 
weit Leobschütz und die im Oderthale aufgeschlossene Oppelner Scholle, die sich in 4 km langer Erstreckung 
von Gross-Schimnitz bis Gross-Döbern verfolgen lässt. Beide Complexe gehören zusammen und sind in 
mergeliger Facies mit abwechselndem Überwiegen thoniger und kalkiger Schichten entwickelt. Eine Sand- 
steinbildung kommt im oberschlesischen Turon nicht mehr vor. 


A. Turon von Bladen und Hohndorf. 


Die hierher gehörigen Aufschlüsse sind in ihrem: geringen Umfange bereits durch die Arbeiten zur 
geologischen Karte von Oberschlesien meist durch A. Haurar bekannt geworden!. Als Liegendes derselben 
ist nur einmal Culm beobachtet worden, Cenoman dagegen nicht nachgewiesen worden. Das Liegendste 
bildet ein sandiger Mergel am Westausgang vom Bladen. Als jünger ist der Kalkmergel daselbst anzusehen, 
der sich in gleicher petrographischer Beschaffenheit bei Hohndorf wiederfindet. Die Aufschlüsse waren 
geringe Mergelgruben, welche seit vielen Jahren nicht mehr im Betriebe und verschüttet sind. 


Eine Revision der früher gesammelten Stücke ergab nach Fundpunkten geordnet folgende Arten: 


Sandiger Mergel am Westende von Bladen (= Brongniarti-Zone). 


Inoceramus Brongniarti Sow. Rostellaria sp. 
Pecten arcuatus SOW. Turritella Sp. 
—  Dwjardini A. Rorm. Natica Gentii Sow. 
Vola quinquecostata Bow. Emargulina Buchiü Gain. 
Ostrea semiplana Sow. Nautilus sp. 
Exogyra lateralis Niuss. Prionotropis Woolgari MAant. (= Ammonites Rhoto- 
Tellina latistriata LEoxH. magensis ROEMER non DEFR.) 
Mutiella Ringmerensis Mar. var. sudetica. Ptychodus mammillaris As. 
Gastrochaena amphisbaena GOLDF. Odontaspis raphiodon Ac. 
Crassatella vegularis D’ORB. Lamna appendiculata Ac. 


Zahlreiche der aufgeführten Formen sind der gesamten. oberen Kreide gemeinsam und machen es 
erklärlich, dass F. Roemer bei der Altersbestimmung zwischen Senon und Cenoman schwanken konnte. 
Cr. Schröter erklärte bereits 1872 diese Ablagerung für Turon und insbesondere den sandigen Mergel für 
Äquivalent der Brongniarti-Zone ?. 

Beweisend war für ihn mit Recht das Vorkommen des Prionotropis Woolgari Maxr., den F. RoEMER 
als Amm. Rhotomagensis bestimmt hatte. Von den übrigen Formen sind nur Gastrochaena amphisbaena GOLFF. 
und Pecten Dujardini A. Roem. ausschliesslich turonen Alters. Deutlicher charakterisirt ist der Kalkmergel 
von Bladen. 


1 F. Roruer, Geol. von Oberschlesien. p. 337 ff. 
? Cr. Schtürer, Cephalopodend. ob. deutschen Kreide. Palaeontographica XXI, p. 26. 


Turon von Oppeln. 1 


ou 


Kalkmergel an der roten Mühle bei Bladen (= Scaphiten-Zone). 


Leptophragmea sp. cf. fragile. Turritella sexlineata A. Rorm. 
Lima elongata A. Rorn. Helicaulax Buchii Münst. 

= —  pseudocanrdium Beuss Dentalium polygomum Beuss 
Ostrea semiplanı Sow. Toxoceras nodiger F. Roen. 
Cucullaea Passyana D’ORB, Heteroceras Reussiamum GEın. 
Cardium subdinnense D’ORB. Helicoceras ellipticum Manr. 
Siliqgua trumcatula Rauss Scaphites auritus ScHLür. 
Pecten Nilssoni GoLpr. Baculites sp. 

Inoceramus Sp. *Osmeroides Lewesiensis Mar. 


Terebratulina gracilis D’ORB. 
Dikotyledonenblätter weisen auch hier auf grosse Ufernähe der Ablagerungen hin. 
Völlig übereinstimmend mit den angeführten Arten ist die Fauna des 


Kalkmergel von Hohndorf. 


Leptophragma sp. cf. fragzle. Odontaspis raphiodon At. 
Pinna Sp. 5 Lamna appendiculata Ac. 
Inoceramus Brongniarti Dow. Ptychodus mammillaris As. 
Toxoceras nodiger F. Rorm. Osmeroides Lewesiensis Maxr. 


Scaphites auritus ScHLüÜr. 

Der Kalkmergel von Bladen und Hohndorf ist demnach als die gleiche Ablagerung zu betrachten. 
Für seine Altersbestimmung sind die bekannten Cephalopoden Heteroceras Reussianum d’Ore. und Scaphites 
auritus Schuör. massgebend und weisen ihn der Scaphitenzone zu. Die übrigen Arten sind wenig charak- 
teristisch. Auffallend ist das Vorkommen mehrerer Zweischaler und Gastropoden, welche aus dem Oppelner 
Turon noch unbekannt sind. Indes sind bei der mangelhaften Erhaltung dieser Gattungen im Oppelner 
Kalkmergel und der spärlichen Kenntniss der Ablagerungen von Bladen und Hohndorf weitere Schlüsse kaum 
statthaft. 


B. Turon von Oppeln. 


Die Turonscholle von Oppeln, welche durch den jungen Durchbruch der Oder aufgeschlossen sich 
im Oderthale von Gross-Schimnitz bis Gross-Döbern verfolgen lässt, ist der am besten zugängliche und am 
längsten bekannte Theil. Schon A. Rormer‘ führte 1841 von Oppeln 21 Arten auf, welche vermuthlich 
durchweg aus der damals allein aufgeschlossenen Scaphitenzone stammen. 

Gute Aufschlüsse bieten nur die ausgedehnten Steinbrüche bei Oppeln, nördlich von der Stadt, und 
in Königl. Neudorf, südlich von derselben, sowie bei Groschowitz, 3 km südöstlich von derselben. Einer 
Gliederung in paläontologische Horizonte ist die Gleichförmigkeit der petrographischen Beschaffenheit hinder- 
lich. Auch erschwert der Steinbruchsbetrieb ein zonenweises Sammeln der Fossilien. 

Die Erhaltung der Fossilien ist fast durchgängig sehr mangelhaft, insbesondere sind Schalenexem- 
plare von Zweischalern nirgends erhalten. 

Als Liegendes der Oppelner Turonscholle wurde durch Bohrungen mehrfach der cenomane Sand 
nachgewiesen, und zwar in der ganzen Ausdehnung, sowohl nördlich als südlich von der Stadt, und des 
öfteren bei Groschowitz. Die gesammte Mächtigkeit des Turons wurde bei den Bohrungen im Süden von 


! Versteinerungen des norddeutschen Kreidegebirges. 


16 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Oppeln auf ca. 44 m, im Norden der Stadt auf 37 m festgestellt. Hierbei ist die blaue Thonschicht nicht 
in Anrechnung gebracht. Bei einer Bohrung 1 km östlich von der Stadt erwies sich die Mächtigkeit des 
Kalkes als 35 m. Bei weitem geringer stellt sich die Mächtigkeit der turonen Ablagerungen bei Groscho- 
witz, wo nur noch die tiefsten Schichten erhalten sind, welche nahe dem Bahnhof in den ausgedehnten 
Brüchen der Schlesischen Gesellschaft für Portland-Cementfabrikation in Groschowitz abgebaut werden. In 
diesen Brüchen ist bereits mehrfach der mürbe Sand des Cenoman in der Tiefe angetroffen worden. Als 
tiefste aufgeschlossene Schicht liegt concordant über dem Sandstein eine 4—5 m mächtige Schicht zähen 
blauen Thones. Derselbe ist durch Sand verunreinigt, reich an kohlensaurem Kalk und Coneretionen von 
Schwefelkies. Nach dem Hangenden zu wird der Thon kalkreicher und geht in einer Zwischenschicht von 
etwa 0,50 m in reinen Kalkmergel über. 


Diese Thonbank ist bisher nur in Groschowitz anstehend sichtbar; bei den Bohrungen in den Brüchen 
bei Oppeln, besonders jedoch bei Anlage von Brunnen ist dieselbe in letzter Zeit mehrfach nachgewiesen 
worden; wir dürfen daher ihre durchgängige Verbreitung wohl annehmen. Der Thon von Groschowitz ist 
als tiefstes Glied des Turon zu betrachten, da der Wechsel der petrographischen Facies bei concordanter 
Lagerung auf eine durchgreifende Änderung der Bedinguugen des Absatzes hinweist. 


Bisher sind aus dem Thone nur Holz, das auf die grosse Ufernähe schliessen lässt, und nach GürIcH 
auch Fragmente von Inoceramen bekannt geworden. Von letzteren ist mir jedoch nichts bekannt und der 
Thon muss gegenwärtig im allgemeinen als fossilleer angesehen werden. Durch Schlämmen von Thonproben 
gelang es indes, auch hier eine Anzahl von Foraminiferen nachzuweisen. Dieselben sind folgende: 


Cristellaria rotulata Lam. Frondieularia angusta NILss. 
ö — lepida Reuss Nodosaria Sp. 

— ovalis Reuss Haplostiche dentalinoides Reuss 
Frondieularia inversa Rzuss — clavulina REuss 


Auch Globigerinen sind zahlreich vertreten, desgleichen zahlreiche Ostracoden. Durch ihre Be- 
ständigkeit meist durch die gesamte Kreidezeit tragen sie indes nichts zur Altersbestimmung der Zone bei. 


Der Kalkmergel, in welchen der Thon allmählich übergeht, ist in.dem Groschowitzer Bruche nur 
6—7 m mächtig und nur stellenweise von dünnem Diluvium bedeckt. Er ist durch starken Kalkgehalt 
ausgezeichnet und besser als Mergelkalk zu bezeichnen. Einige thonreichere Lagen finden sich auch hier, 
jedoch in geringer Mächtigkeit. Der Gehalt an kohlensaurem Kalk im Mergelkalke von Groschowitz schwankt 
nach Angabe des Herrn Generaldirektor v. Proxpzyxskı zwischen 79 und 88°). Die Lagerung ist fast 
ungestört horizontal; Klüfte und Verrutschungen sind hier seltener als in den der Verwitterung stärker 
anheimgefallenen, weil thonreicheren, jüngeren Schichten bei Oppeln. Der Kalk ist in hohem Grade luft- 
beständig, er zerfällt nicht beim Brechen, so dass hier kein Abraum zurückbleibt. 

Fossilführend sind nur die tiefsten Lagen über der blauen Thonschicht, während sich in den höheren 
fast ausschliesslich, aber in grosser Zahl, die Schalen von Inoceramus Brongniarti Sow., meist in der Varietät 
des annulatus GoLDrF. finden. 


Im ganzen konnte ich aus dem Mergelkalke von Groschowitz folgende Arten nachweisen ': 


! Dieselben sind für den Fundort fast sämtlich neu. 


Turon von 


Membranipora elliptica v. HAGEN 
Stylotrochus Volzi nov. spec. 
Terebrratula semiglobosa SOow. 
Terebratulina striatula Max“. 
_ gracilis SCHLOTH. 
Gastrochaena amphisbaena GOLDF. 
—_ Ostrreae Russ 
Corbula cf. angustata Sow. 
Tnoceramus Brongniarti SOW. 
Spondylus spinosus Sow. 
Ostrea hippopodium Nıuss. 


Oppeln. 17 


Pleurotomaria linearis Mat. 
Micraster breviporus AG. 
Pachydiscus peramplus Manr. 
Ozyrhina Mantelli Ac. 
Odontaspis raphiodon AG. 
Ptychodus mammillaris As. 

_ polygyrus A. 

u latissimus AG. 
Protosphyraena ferox Leıpy 
Pollicipes glaber A. Rorm. 
Polyptychodon interruptus OWEN 


Volwaria tenuis Reuss 

Diese Fauna gehört bereits einem höheren Niveau des Turon an, als dem der Labiatusstufe der 
benachbarten Gegenden. 
noch nie in einem tieferen Niveau nachgewiesen worden, als der Schtürer'schen Zone des Inoceramus 
Brongniarti, der auch hier der einzige Vertreter dieser Gattung ist. Ein In. labiatus Sow., der in Oppeln 
vorkommt, ist mir von Groschowitz nicht bekannt geworden. Auch Terebratulina gracilis ist für die Brong- 
niartizone charakteristisch. Die meisten übrigen Formen sind durch ihre Beständigkeit von keiner Be- 
deutung für die Altersbestimmung. Auch die Bohrgänge von Gastrochaena amphisbaena Goupr. sind durch 
das gesamte Turon verbreitet. 


Insbesondere sind Spondylus spinosus Sow. und Micraster breviporus Ac. bisher 


Wir müssen daher den Kalkmergel von Groschowitz für das Äquivalent der Scunörer’schen Zone 
des Inoceramus Brongniarti halten, charakterisirt durch Micraster breviporus Ac., Spondylus spinosus d’ORB. 
und Terebratulina gracilis Sow. Der Groschowitzer Thon wird demnach in die Stufe des untersten Turon, 
der Zone des Inoceramus labiatus, gerückt. Eine besondere Ausscheidung der Zone des Actinocamaz plenus 
Bramv. ist wohl nicht zu erwarten, da dieselbe nur in einzelnen Gegenden entwickelt ist. 


Die Schichten des Turon bei der Stadt Oppeln selbst sind seit Jahrzehnten durch Steinbrüche auf- 
geschlossen, welche, wie derjenige zu Groschowitz, das Material zu einer ausgedehnten Cementfabrikation liefern. 
Es sind dies im Norden der Stadt die Brüche der Oberschlesischen Portland-Cement-Fabrik vorm. ScHorr- 
LÄNDER und im Süden in Poln.-Neudorf die aneinander grenzenden Steinbrüche der Portland-Cement-Fabrik 
vorm. A. GIEsSEL und der Oppelner Cement-Fabrik vorm. F. W. Grunpmann. Aeltere Brüche in der Nähe 
des Bahnhofs Oppeln sind aufgegeben. 


Die Kenntnis des Oppelner Turon um 1870, zur Zeit der Aufnahme unter F. Rormer, beschränkte 
sich fast ausschliesslich auf die obersten Schichten, so dass von ihm, wie 1872 von SCHLÜTER, nur der 
Scaphitenhorizont mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte. Erst seit dieser Zeit hat der Steinbruchs- 
betrieb in den nördlichen Brüchen die Tiefe von 20 m, in den südlichen stellenweise von 24 m erreicht und 
hat hier die Brongniartizone gut aufgeschlossen. Die Schichten des Oppelner Kalkmergels sind, wie erwähnt, 
durch Verrutschungen stark dislocirt, so dass scheinbar ein verschiedenes Streichen und Fallen zu beobachten 
ist. Im Ganzen lagern auch hier die Schichten horizontal. Ein schwaches Einfallen gegen W., das F. 
ROEMER zu 1—2° annahm, ist mehr aus allgemeinen Gründen wahrscheinlich. 


Die untere Turonstufe (Brongniartizone) wird in den Oppelner Brüchen gegen oben durch zwei 
thonreiche Zwischenlagen abgeschlossen, welche besonders in den südlichen Brüchen sich deutlich hervor- 


heben, aber auch in den allerdings stark verrutschten Lagen der nördlichen Brüche wiederfinden. In den- 
Palaeontographiea. Bd. XLIV. 3 


18 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


selben kommt, wie Gürıcn (Erläuterungen p. 135) hervorhob, Zerebratulina gracilis ScHLOTH. fast aus- 
schliesslich vor. Es wurden in der Brongniartizone in Oppeln von mir nachgewiesen: 


Ventrieulites radiatus Manrt. var. infundibiliformis Spondylus spinosus Dow. 

— angustatus A. Rorm. — striatus SOW. 
Leptophragma fragile A. Rorn. Ostrea hippopodium Nıtss. 
Amphithelion tenue A. Rorn. Gastrochaena amphisbaena GotLDr. 
Plocoscyphia tenwilobata n. Sp. Trigonio cf. parvula Reuss 
Ananchytes ovatus LESKE Pleurotomeria linearis MAnt. 
Micraster breviporus AG. —_ perspectiva Manr. 
Rhynchonella plicatilis Sow. Nautilus vugatus Fr. u. SCHL. 
Terebratula semiglobosa Sow. —  sublaevigatus D’ORn. 
Terebratulina gracilis SCHLOTH. Pachydiscus peramplus Mast. 

‚striatula Manr. Schloenbachia Bravaisiana D’ÜRB. 
Pecten Dujardini A. Roen. Pollicipes glaber A. RoEn. 
Lima Hoperi Manr. Oxyrhina Mantelli As. 


—  Sowerbyi GEIS. 
Tnoceramus Brongniarti Dow. 
— labiatus SCHLOTH. 


Otodus appendiculatus As. 
Ptychodus mammillaris As. 
Plesiosaurid. genus, Phalange. 


Mit Ausnahme des selten frühen Auftretens von Ananchytes ovatus in den mittleren Lagen dieser 
Stufe zeigt diese Fauna nichts Bemerkenswerthes. Sie stimmt mit derjenigen der Brongniartizone SCHLÜTER'S 
überein, deren Namen wir für unsere untere Turonstufe, trotz der Bedeutungslosigkeit des Inoceramnıs 
Brongniarti Sow. für die Abgrenzung derselben, der Einheitlichkeit wegen beibehalten. 

Der am besten bekannte Horizont des Oppelner Turons, der über den thonigen Zwischenlagen mit 
Terebratulina gracilis folgt, ist bereits von F. RoEMER und Cr. Schtürer als Aequivalent des Scaphiten- 
pläners Nordwestdeutschlands erkannt worden. Der Mergel dieser höheren Stufe nimmt an Thongehalt 
etwas zu und wird von zahlreichen thonigen Bänken unterbrochen. Die Verrutschungen, welche es nicht 
erlauben die Zahl der Thonbänke genau anzugeben und dieselben weiter zu verfolgen, sind überaus zahl- 
reich. Eine Analyse, die ich Herrn Direktor MArerxe verdanke, giebt für die zu dieser Stufe gehörigen 
Kalkmergel der Grube der Oberschlesischen Portland-Cement-Fabrik vorm. ScHoTtLÄnder folgende für die 
kalkreicheren Schichten durchschnittlich gültigen Werthe: 


Kieselsäure 672275 
Thonerde er 32h 
Kohlensaure Magnesia. . . 0,8 °), 
Kohlensaurer Kalk . . . . '86,62°), 
Wasser und Alkalien 2,64], 


100,00 °,. 
Diese Werthe reichen nur wenig von der durch Löwıc ausgeführten bei F. Rormer (Oberschles. 
p. 295) mitgetheilten Analyse ab. 
Die Fauna dieser Schichten ist folgende: 


Scaphitenzone: 


Ventrieulites angustatus A. Rom. Leptophragma fragile A. Rorm. 
— radiatus A. RoEn. — glutinatum QUENST. 
— decurrens T. SmiTH Plocoscyphia cavernosa A. Rorn. 


Turon von Oppeln. 19 


Plocoscyphia Roemeri LEONH. 

— nidiformis LEONH. 
Treemabolites megastoma A. RoEN. 
Camerospongia fungiformis GOLDF. 
Amphithelion tenue A. Rorx. 
Phymatella elongata Reuss 
Thecosiphonia nobilis A. RoEn. 
Parasmilia centralis E. u. H. 
Stereocidaris silesiaca SCHLÜr. 

—_ oppoliense n. Sp. 
Gauthieria radiata SORIGN. 
Ananchytes ovatus LEsk. 
Holaster planus Mant. 

Micraster cor testudinarium AG. 
Membranipora confluens Reuss 
Rhymchonella plicatilis Sow. 
Terebratula semiglobata Sow. 


Pecten Nilssoni GoLDF. > 


Lima Hoperi Manr. 
—  Sowerbyi GEın. 
Inoceramus Brongniarti SoW. 
_ labiatus SCHLOTH. 
— latus Sow. 
—_ Cuvieri Sow. 


Tnocerramus Cripsii Mant. var. plana Müsst. 
Spondylus spinosus Sow. 

— latus Sow. 
Gastrochaena amphisbaena GOLDE. 
Pleurotomaria linearis Mant. 

— perspectiva MAnrT. 
Nautilus rugatus Fr. u. ScHL. 

—  sublaevigatus D’ÜRB. 
Rhyncholithus simplex Fr. u. SCHL. 
Desmoceras elypealoides n. SP. 
Pachydiscus peramplus Manr. 
Turrilites saconicus SCHLÜT. 
Helicoceras Reussianum D’ORB. 

— ellipticum Manr. 
Scaphites Geinitzi D’ORB. 

— Lamberti GROSS 

—_ aunitus SCHLÜT. 
Enoploclytia Leachi Reuss 
Oxyrhina Mantelli As. 

Otodus appendiculatus AG. 
Corax falcatus As. 

Ptychodus mammillaris AG. 
Saurocephalus marginatus REuss 


Wahrscheinlich, aber nicht sicher erweisbar, gehören noch folgende Arten der Scaphiten- und 


Cuvierizone von Oppeln an: 
Ventriceulites quincuncialis QUENST. 
— Zippei Reuss 
Plocoscyphia erassilobata n. Sp. 
Cameroptychium patella nov. gen. nov, Spec. 
Doryderma ramosum MANT. 


Phymatella plicata (UENST. 
Crania barbata v. HAGEN 
Aporrhais ef. Reussi Gzıx. 
Hamites cf. bohemicus FrırscH 
Ancyloceras recurvatum n. SP. 


Es ist noch zu erinnern, dass den früheren Autoren nur die obere Abtheilung des Oppelner Kreide- 
mergels bekannt und zugänglich war, so dass wahrscheinlich sämmtliche Arten F. Rormer’s der Scaphiten- 


zone angehören. 


Charakterisirt wird dieselbe hauptsächlich durch ihre Cephalopoden: 


Scaphites Geinitzüi Sow. 
— auritus SCHLÜT. 
= Lamberti Gross 


Heteroceras Reussianum D’ORE. 
Turrilites saxonicus SCHLÜT. 


Im Uebrigen ist, abgesehen von der grösseren Häufigkeit der Hexactinelliden, kein bemerkenswerther 
Unterschied der Fauna von der der Brongniartizone festzustellen. Die Inoceramen sind für die Zonen- 
gliederung im Oppelner Turon überhaupt nicht zu verwenden. Der Inoceramus Brongniarti Sow. findet sich 
auch in der Scaphitenzone mit Ausnahme der obersten Bänke. Der Inoceramus Cwwieri Sow. ist in sämmt- 
lichen Stufen der Scaphitenzone Oppeln’s vertreten. 

Die Zoneneintheilung ScHLürer’s lässt sich daher hier ebensowenig, wie anderwärts z. B. in Böhmen, 
scharf durchführen. Ein besonderer Horizont der Cuvierizone lässt sich nicht abgrenzen; indess ist nicht 
zu verkennen, dass Inoceramus Cuvieri in den obersten Bänken der nördlichen Oppelner Brüche häufiger 
wird. Selbst Formen, die anderwärts nur dem Senon angehören, finden sich bereits in dieser Schichtenfolge. 


20 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


So tritt der Inoceramus Oripsii bereits in der Varietät des I. planus Münst. hier auf. Die Vermuthung 
F. Roemer’s endlich, dass die Schichten von Szezepanowitz am linken Oderufer, dünngeschichtete thonreiche 
Mergel, welche durch ihre Lagerung, als jüngste Parthie der Oppelner Schichtenreihe anzusehen sind, dem 
Cuvieripläner entsprechen, ist, wenn auch nicht sicher zu erweisen, sehr wahrscheinlich. Es finden sich daselbst 
Micraster cor testudinarium, der in Frankreich bereits als Leitfossil des untersten Senon betrachtet wird, und 
Thecosiphonia nobilis A. Rozm., die bisher nur aus der Cuvierikreide Nordwestdeutschlands bekannt ist. 

Ein Vergleich der Fauna des Oppelner Turons mit denjenigen der benachbarten Gegend giebt 
wenig Anhaltspunkte. 

Auf die petrographische Verschiedenheit von der böhmisch-sächsischen Meeresprovinz wurde bereits 
hingewiesen. Eine sandige Facies fehlt dem oberschlesischen Turon; desgleichen ist Exogyra columba, 
dieses charakteristische Fossil der böhmisch-sächsischen Provinz, das daselbst noch in die Brongniartizone 
hinaufsteigt, im oberschlesischen Turon unbekannt. Allerdings ist sich Verfasser wohl bewusst, wie wenig 
dergleichen negative Anzeichen bedeuten ‘und wie ein glücklicher Fund alle sorgfältig erwogenen Hypothesen 
über Verwandtschaften verschiedener Faunen aufhebt. Immerhin scheinen, trotzdem die meisten Fossilien 
des Oppelner Turons auch in der bei weitem reicheren und besser bekannteren böhmisch-sächsischen Provinz 
sich wiederfinden, einige Abweichungen zu bestehen, die eine gewisse Selbständigkeit des schlesischen 
Meeresarmes und einer grösseren Verwandtschaft seiner Fauna mit der norddeutschen und baltischen Ent- 
wickelung erkennen lassen. 

Charakteristisch ist für das Oppelner Turon das frühe Vorkommen des Ananchytes ovatus LESKE, 
welcher aus der böhmisch-sächsischen Facies bisher noch nicht nachgewiesen ist und der sich im Turon 
nur noch in Nordwestdeutschland und Wollin wiederfindet. Desgleichen ist die sonst nur senone (amero- 
spongia fungiformis GOLDF. aus turonen Ablagerungen bisher nur von Wollin bekannt. Mit letzterem Fund- 
punkt hat das oberschlesische Turon fast alle Arten gemeinsam. Die nahe Beziehung beider wurde bereits 


2 


von BEHRENS‘ und Dercke’ gebührend hervorgehoben. 


Einige Oppelner Formen, wie Thecosiphonia nobilis A. Rorm. und Plocoscyphia cavernosa A. RoEm. 
sind bisher nur aus dem Turon Nordwestdeutschlands bekannt. 


Auffallend geringe Uebereinstimmung herrscht dagegen zwischen den Faunen von Oppeln und der 
nahen Löwenberger Bucht, woselbst unter 40 Arten der Brongniartizone, die WILLIGER aufführt, nur 12 
sich wiederfinden, während von 49 Arten des Wolliner Turon 26 mit Oppeln gemeinsam sind. Es ist dem- 
nach wahrscheinlich, dass beide Meerestheile in keinem unmittelbaren Zusammenhange gestanden haben. 


Ein direkter Zusammenhang mit dem polnischen Turon ist nicht anzunehmen. Dasselbe ist nur 
aus dem Gouvern. Lublin mit wenig charakteristischen Formen bekannt’. Eine grössere Ausdehnung nahm 
das polnische Kreidemeer erst im Senon ein, ohne jedoch Schlesien zu berühren ®. 

Das Öppelner Turon zeigt eine überraschende Gleichförmigkeit der Fauna durch alle Stufen. Die- 
selbe ist durch ihren Reichthum an Individuen bei verhältnismässig grosser Armuth an Arten charakterisirt. 


1 G. Bearess, über Kreideablagerungen auf der Insel Wollin. Z. D. G. XXX. 1378, p. 266. 

? Decke, die mesozoischen Formationen der Provinz Pommern. Mitt. des naturw. Ver. Greifswald 1894. 
® SIEMIERADZKI, Sur les faunes fossiles des terrains cretaces de Lublin. Warschau 1886. 

* F. Roruer, Geol. von Oberschlesien. p. 347. 


Turon von Oppeln. 21 


Besonders Micraster breviporus und cor testudinarium, Terebratula semiglobosa, Rhynchonella plicatilis, 
Spondylus spinosus, Pachydiscus peramplus u. A. finden sich in ungeheuren Mengen. 


Was die Facies des Oppelner Turon anbelangt, so weisen die meisten Arten auf eine Ablagerung 
in mässiger Meerestiefe und grosser Küstennähe hin. Vorausgesetzt, dass die Erfahrungen über die Ver- 
theilung der recenten Arten nach Tiefenzonen auf die früheren geologischen Perioden übertragen werden 
dürfen, so weist eine grosse Zahl von Arten auf eine Strandfauna, zum Theil auf die eines Blockstrandes hin. 


Als Bewohner der Hochsee dürfen wir allenfalls die Mehrzahl der Spongien, der Hexactinelliden 
wie der Lithistiden, ansehen. Die Cephalopoden und Selachier dürfen wir nicht mit Sicherheit in bedeutenderer 
Tiefe ansetzen. 


Die zahlreichen Echinoiden, Micraster, Ananchytes, Cidaris etc. weisen auf eine Strandfauna hin. 
Desgleichen gehören derselben die noch heute lebenden Zweischalergeschlechter, wie Arca, Cardium, Venus, 
Spondylus u. A. an. Besonders auf einen Blockstrand lassen die Cirripedier und Serpulae schliessen, des- 
gleichen die zahlreichen Ostreen. Im Grunpmann’schen Bruche fand sich sogar im Kalkmergel eingeschlossen 
ein abgerolltes Quarzitgeschiebe, auf welchem eine Ostrea hippopodium Nıuss. sitzt. Dass ferner der Felsen- 
strand wenigstens zeitweise unmittelbar in der Nähe von Oppeln lag, beweisen die zahlreichen Bohrgänge von 
Gastrochaena amphisbaena GOLDF., die sich im unteren Brongniarti-Kalkmergel von Groschowitz, wie in den 
oberen Lagen der Scaphitenzone von Oppeln finden. Diese grosse Ufernähe wird ferner durch die zahl- 
reichen Reste von Landpflanzen und Holz bewiesen, insbesondere von Baumfarnen, von welchen durch 
StEnzEL Rhizodendron oppoliense eingehender beschrieben wurde. 


Dass die Oppelner Turonscholle nur die wenig mächtigen Uferbildungen eines grösseren Meeresarmes 
darstellt, scheint sich aus der Mächtigkeit desselben Kalkmergels im Bohrloch von Proskau zu ergeben, wo 
nach einer späteren Mittheilung von F. Rormer’ noch bei 212 m die Bohrung im Kalkmergel stehen blieb. 
Von hier aus, als der Mitte des Beckens, wäre der Zusammenhang mit den südlicheren Denudationsresten 
der Gegend von Leobschütz zu suchen. Für diese, die gleichalterigen mergeligen Ablagerungen von Bladen 
und Hohndorf, dürfen wir ähnliche Bedingungen wie für die Oppelner Gegend annehmen. Auch hier weisen 
die Bohrgänge von Gastrochaena und die zahlreichen pflanzlichen Reste auf grosse Ufernähe hin. 


Von jüngeren Ablagerungen der Kreideformation ist im Odergebiete wenig bekannt worden. Hierher 
gehören vor Allem die geringen Spuren eines weichen Sandsteins, die von F. Roemer®? bei Dambrau und 
Sokolnik in geringen Aufschlüssen nachgewiesen wurden. In diesem Sandstein wurden von A. Haurar einige 
sehr schlecht erhaltene fossile Reste gefunden, denen eine strengere Kritik nur die Gattungsbestimmungen 
Baculites und Calkianassa zuerkennen darf. Besonders auf letzterem Fund, eine Scheere, die F. RoEMER 
als ©, Faujasii Desm. bestimmte, gründete sich die Zurechnung der Dambrauer sandigen Ablagerung zum 
Senon, was auch durchaus wahrscheinlich ist. Dem Verfasser war es bei einem Besuche dieser Lokalitäten 
nicht möglich, weitere fossile Reste zu entdecken. 


I G. Snexzer, Beilage zum 63. Jahresbericht der Schles. Gesellsch. für vaterl. Cultur. 1885. 
2 65. Jahresbericht der Schles. Gesellsch. für vaterl. Cultur. 1837. p. 199. 
> Geol. von Oberschlesien. p. 327. 


[S) 
DD 


Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Der Kreideformation wird endlich noch ein weisser Sandstein zugerechnet, der bei Herrnprotsch an 
der Oder, 20 km unterhalb Breslau, unter dem Tertiär erbohrt wurde!. Derselbe wurde in einer Tiefe von 
191 m unter der Oberfläche angetroffen und bis zu 207 m Tiefe verfolgt. Da weit und breit kein Sand- 
stein bekannt ist, so wurde derselbe von RoEMmER für cretacischen Alters gehalten. Ob er als Senon be- 
trachtet werden darf, ist zweifelhaft. Jedenfalls müssen wir uns die Lage des schlesischen Kreidemeeres 
in der Erstreckung der jetzigen Oderebene vorstellen. Der schlesische Meeresarm, der nur geringe Breite 
und mässige Tiefe besass, war nur gegen Norden mit dem baltisch-nordwestdeutschen Meere verbunden. 
Die Differencirung der sonst in der oberen Kreidezeit infolge der gemeinsamen Transgression äusserst cos- 
mopolitischen Fauna vollzog sich zwischen der schlesischen und den benachbarten Meeresbuchten bereits im 
Cenoman und verschärfte sich in der turonen Epoche. Die Abgeschlossenheit dieses Meeresarmes erklärt 
die auffällige Verarmung seimer Fauna zur Genüge. 


! Jahresbericht der Schles. Gesellsch. für vaterl. Cultur für 1891. II. p. 51. 


Palaeontologischer Theil. 


Arten aus dem Cenoman. 


Anthozoa. Hexacoralla. 


Isastraea sp. 
1870. Isastraea spec. F. Rormer. Oberschlesien, p. 292. Taf. 27, Fig. 5. 
Die schlecht erhaltenen Abdrücke von Kelchen mögen wohl dieser Gattung angehören. Eine nähere 
Bestimmung des Stückes (F. Roemer’s Original) ist nicht möglich. 


Fundort: Groschowitz. 


Astrocoenia decaphylla E. u. H. — Taf. III, Fig. 1. 


1854. Astrocoenia decaphylla Reuss. Gosauschichten Wien. Akad p. 94. Taf. 8, Fig. 4—6. 
1870. — _ Duncan. British fossil Corals. p. 29. Tat. 11, Fig. 1—6. 
1887. _ _ Pocra. Anthozoen der böhm. Kreideform. p. 47. Taf. 2, Fig. 6. 


Die polygonalen Kelche sind mit relativ dicken Wänden verwachsen. Die Zahl der Haupt- und 
der Nebensepten beträgt je 10; die letzteren sind klein und erreichen das griffelförmige, durchaus compacte 
Säulchen nicht mehr. Die Calcificationscentren sind wenig zahlreich und unregelmässig vertheilt. 


Das faustgrosse, etwas abgerollte Stück, welchem die abgebildeten Schliffe entnommen sind, stammt 
aus dem Cenoman von Groschowitz. Upper Greensand, Hippuritenmergel der Gosau. 


Spongiae. 
Lithistida Schuipr. 
Chenendopora sp. 
cf. Chenendopora undulata MicHELIn. Iconographie. Taf. 34, Fig. 2; Taf. 40, Fig. 2. 


Das vorliegende Exemplar zeigt die Form der oben angeführten senonen Art. Das Skelet ist 
ist jedoch, wie bei den meisten Stücken des Fundortes, gänzlich zerstört. 


Cenomaner Sandstein von Groschowitz. 


94 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Siphonia Geinitzi ZıTTEL. 
1870. Siphonia piriformis und Siph. sp. F. Rormer. Oberschlesien. p. 292. Taf. 28, Fig. 1, 2. 


1871—75. — _ Gzinızz. Elbthalgeb. I. p. 38. Taf. 9, Fig. 1—14. 
1878. —  Geinitzi Zırter. Studien II. p. 77. 
1384, _ —  Pocra. Spong. Böhm. Kreidef. II. p. 35. 


Schwammkörper sehr variabel, meist walzenförmig, bisweilen auch durch Theilung aus 2 oder 3 
Individuen bestehend. Magenhöhle röhrenförmig, mit reihenweise angeordneten runden Ostien bedeckt. 

In zahlreichen Exemplaren in den Kiesgruben von Groschowitz. Sächsisches und böhmisches Ceno- 
man; noch in den Teplitzer Schichten. 


Siphonia fieus GoLpruss. — Textfigur 1. 
1826—44. Siphonia fieus GoLpruss. Petr. Germ. p. 221. Taf. 65, Fig. 14. 


1878. — —  Quexstepr. Petref. Deutschl. V. p. 412. Taf. 134, Fig. 22; Taf. 135, Fig. 20— 22. 
1878. —_ — Zirttet. Studien II. p. 79. Taf. 9, Fig. 6. 
1884. — — Pocra. Spong. böhm. Kreidef. II. p. 34. Taf. 2, Fig. 6. 


Die Magenhöhle ragt mit einem erhabenen Rande über die Oberfläche hinaus und ist tief eingesenkt. 
Eine etwas ungewöhnliche Form ist in der Textfigur zur Darstellung gebracht. 
Häufig in den Kiesgruben bei Groschowitz, Cenoman und Turon. 


Fig. 1. Siphonia ficus GDr. Fig. 2. Coelocorypha sp. 


Coelocorypha sp. — Textfigur 2. 


Unter diese Gattung stelle ich provisorisch eine der Form nach wohl charakterisirte Spongie aus 
dem Cenoman von Groschowitz. Der Schwammkörper besteht aus zwei Individuen, welche ein flaches Para- 
gaster besitzen. Das Skelet ist nicht erhalten. 


Rhynchonella compressa D’ORE. 95 


Chonella Roemeri Geisıtz. — Textfigur 3. 


1872—75. Cupulospongia Roemeri Gemızz. Elbthalgeb. I. p. 29. 
Taf. 5, Fig. 1—6. 

1877. Chonella Roemeri Zırzer. Stud. über Spong. II. p. 52. 

Der Schwammkörper ist becherförmig und erreicht 
eine Höhe von 10 und einen Durchmesser von 15 cm. Die 
Centralhöhlung ist oval und sehr tief, mit dicker Wand und 
dickem, unregelmässig verbogenem Rande. Beide Seiten besitzen 
ovale, ungleich grosse, unregelmässig vertheilte porenartige 
Oefinungen. 

Cenomaner Sandstein von Groschowitz. Sächsischer 
Carinatenpläner. Fig. 3. Chonella Roemeri Günn. 


Chonella Schrammeni nov. spec. — Taf. III, Fig. 2a, b. 


Der Schwammkörper hat die Gestalt der Ch. Roemeri bei GEinırz (Elbthalgeb. I. Taf. 5, Fig. 6). 
Er ist mit einem kurzen Strunke aufgewachsen und besitzt eine etwas flachere Centralhöhle. Dieselbe ist 
mit dichtgedrängten, polygonalen Poren besetzt, die keinerlei radiale Anordnung zeigen. Auf der Aussen- 
seite ziehen vom Rande aus Längsfurchen herab. Das Skelet ist schlecht erhalten, lässt jedoch die Zu- 
gehörigkeit zur Gattung erkennen. 

Cenoman von Groschowitz. 


Fam. Euretidae ZırTeL. 
Craticularia cf. vulgata Pocta. — Taf. III, Fig. 1. 

1885. Oraticularia vulgata Pocra. Spong. der böhm. Kreideform. I. p. 15, Fig. 3. Taf. I, Fie. 7. 

Die Spongie trägt beiderseits ovale Ostien, die ursprünglich reihenweise angeordnet zu sein scheinen. 
Die Erhaltung in grobem Sandstein lässt indess die Structur nicht mehr erkennen. Die Form ist die der 
Pocra’schen Art. Auf einer unregelmässig gestellten Basis erhebt sich der becherförmige Schwammkörper, 
mit mässig tiefer Magenhöhle. 

Fundort: Cenomaner Sandstein von Groschowitz. Nach PocrA in den cenomanen Korycaner und 
den oberturonen Teplitzer Schichten in Böhmen. 


Brachiopoda. 
Fam. Rhynchonellidae Gray. 


Rhynchonella compressa D’ÜRE. 


1870. Rhumchonella spec. F. Roruer. Oberschlesien. p. 334. 
13872—75. — compressa Gemıtz. Elbthalgeb. I. p. 164. Taf. 36, Fig. 1-30. (cum syn.) 
In den Abdrücken aus dem cenomanen Sandstein von Damasko bei Leobschütz erhalten. Leitfossil 


des Cenoman. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 4 


26 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Rhynchonella spec. 
1570. Rhynchonella spec. F. Rormer. Oberschlesien. p. 293. 


Das Stück aus dem cenomanen Sandstein von Groschowitz erlaubt keine nähere Bestimmung. 


Fam. Terebratulidae Kınc. 
Terebratula biplicata Sow. 
1872—75. Terebratula biplicata Gzinızz. Elbthalgeb. I. p. 151. Taf. 34, Fig. 1—11. cum syn. 


Es liegen nur Steinkerne dieser bekannten Form vor, die einer Varietät zuzutheilen nicht möglich ist. 
* Fundort: Cenomaner. Sandstein von Groschowitz. 


Lamellibranchiatae. 
Fam. Pectinidae Lam. 


Pecten acuminatus Gein. 


1870. Pecten acuminatus F. Roemer. Oberschlesien. p. 333. Taf. 26, Fig. 3. 
1872. _- _ Gzistrz. Elbthalgeb. I. p. 191. Taf. 43, Fig. 16; Taf. 44, Fig. 1. 


Cenomaner Sand von Sabschütz bei Leobschütz. Sächsisches und böhmisches Cenoman, belgische 
Tourtia, Grünsand von Le Mans. 
Pecten virgatus Nırss. 
1889. Pecten virgatus Hotzarrer. Aachen. Mollusk. Palaeontogr. XXXV, p. 229. Taf. 26, Fig. 7—9. cum syn. 


Cenoman von Leobschütz. Die sehr constante Form steigt bis ins Senon hinauf. 


Pecten membranaceus Nınss. 


1370. Pecten membranaceus F. Rormer. Oberschlesien. p. 356. Taf. 39, Fig. 11, 12. 
1872 —75. — — Gzinırz. Elbthalgeb. I. p. 191. Taf. 43, Fig. 8-11. cum syn. 


Sandstein von Leobschütz. Cenoman bis Senon. 


Fam. Pernidae ZıTTEL. 


Inoceramus bohemicus LeoxH. — Taf. V, Fig. 2. 
1826—33. Inoceramus concentrieus GoLpruss. Petref. Germaniae. Taf. 109, Fig. 8. 
1826—33. — propinquus — — —_ Taf. 109, Fig. 9. 
1872 — 75. — striatus Gsinırz. Elbthalgeb. I. p. 210. Taf. 46, Fig. 9—13. 
1893. — —-  Micsart. Z. D. G..G. p. 233. 


Die Kennzeichen, welche kleinere vorliegende Exemplare aus dem Cenoman von Korycan in Böhmen, 
Cudowa in der Grafschaft Glatz und Sabschütz bei Leobschütz in Schlesien zeigen, sind folgende: 

Die Schale ist länglich oval, mässig gewölbt und mit einem kleinen Flügel versehen, dessen oberer 
Rand mit der Axe einen Winkel von 60—70° bildet. Die vordere Seite ist unter dem Wirbel stark ein- 


Modiola Cottae A. Roru. 97 


gedrückt. Der Wirbel der linken Schale ragt über den der rechten vor, ist jedoch weder so stark ausge- 
bildet, noch so spitz, als derjenige der turonen Art Inoceramus striatus GeEmıTz, welche sich aus der be- 
sprochenen ableitet. Die Oberfläche ist von zahlreichen, dicht gedrängten Anwachsstreifen bedeckt, welche 
senkrecht zur Axe verlaufen. Dieselben sind im Ganzen gleich stark; bei älteren Exemplaren bilden sich 
einige (2—3) concentrische Wülste heraus, welche bei der turonen Art stärker ausgebildet sind. 

Die Bezeichnung Inoceramus striatus Mast. ist auf die verschiedensten Arten des Cenoman und 
Turon übertragen worden. SCHLÜTER unterschied mit Recht die cenomane Art Nordwestdeutschlands als 
In. virgatus, während er die sächsisch-böhmischen Vorkommnisse, als in Norddeutschland unbekannt, nicht 
weiter behandelte. Was Reuss unter In. striatus verstand, ist nicht genau nachzuweisen, jedenfalls eine 
oberturone Art; seinen In. propinguus GoLpr. lässt er ebenfalls bis in die untersenonen Priesener Schichten 
aufsteigen. Was endlich Geinırz (Elbthalgeb. II. p. 41) unter In. striatus MAnT. versteht, umfasst mindestens 
zwei, wenn nicht drei verschiedene, cenomane und turone Arten. Die Art aus dem cenomanen Unterquader 
entspricht den Goupruss’schen Abbildungen. Dieselbe ist durchaus auf das Cenoman beschränkt und der 
sudetischen, böhmisch-sächsischen Meeresprovinz eigenthümlich. 


Fam. Ostreidae Lam. 


Exogyra columba Lam. 


1870. Exogyra columba F. Rormer. Oberschlesien. p. 332. Taf. 26, Fig. 1. 
1872— 75. — —  Gemmmz. Elbthalgeb. I. p. 181. Taf. 40, Fig. 4—7. 


Diese für das Cenoman aller Länder charakteristische Form steigt in der sandigen Facies der 
sächsisch-böhmischen Provinz bis in die Brongniarti-Zone des Turon auf. 
In Oberschlesien bisher nur aus dem Sandstein von Nied.-Paulowitz bei Leobschütz bekannt. 


Ostrea Lin. 
Subgen. Alectryonia FISCHER v. WALDH. 


Ostrea carinata Lam. 


1870. Ostrea carinata F. Roeuer. Oberschlesien. p. 333. 
1872—75. — —_ Gemıtz. Elbthalgeb. I. p. 174. Taf. 39, Fig. 6—11. cum syn. 


Auch dieses Leitfossil des Cenoman ist nur aus dem Sandstein der Gegend von Leobschütz bekannt. 


Fam. Mytilidae Lam. 


Modiola Cottae A. Rormkr. 


1870. Modiola cf. lineata F. Rormer. Oberschlesien. p. 333. 
1872—75. Modiola Cottae Geixırz. ‘Elbthalgeb. I. p. 224. Taf. 48, Fig. 4—8. cum syn. 


Die Art gehört zu den beständigsten; sie ist vom Neocom bis ins Senon verbreitet. 
Fundort: Cenomaner Sandstein bei Leobschütz. 


‘ Die Abbildungen aus dem Turon (Elbthalgebirge II. Taf. 13, Fig. 2, 3, 10) kann ich nicht deuten. 


Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Fam. Arcidae Lan. 
Cucullaea Lan. 
Subgen. /donearca ÜonRr. 
Arca glabra Sow. 
1870. Arca Ligeriensis F. Roemer. Oberschlesien. p. 334. 
1872—75. Arca glabra Geinırz. Elbthalgeb. I. p. 251. Taf. 49, Fig. 1-2. 
Wir schliessen uns der Beschreibung von GeısıTz ]. c. an, ohne jedoch seine Synonyme anzuer- 


kennen. Die Schale ist schief oval, ungleichseitig, breiter als hoch. Der Hinterrand bildet mit dem Schloss- 


Die Oberfläche ist schwach concentrisch gestreift. 


rand einen stumpfen Winkel. 
Die Art gehört durchaus dem Cenoman an und ist 


Fundort: Cenomaner Sand von Leobschütz. 
in dieser Stufe in Frankreich und England, wie in der sächsisch-böhmischen Provinz sehr verbreitet. 


Fam. Cardiidae Lam. 


Protocardium Hillanum Sow. 
Oberschlesien. p. 334. Taf. 26, Fig. 3. 


1870. Protocardium Hillanım F. RokEumer. 
1872— 75. _ —_ Geinitz. Elbthalgeb. I. p. 230. Taf. 50, Fig. 11, 12. 
Fundort: Cenomaner Sandstein von Leobschütz. Verwandte Formen dieses Leitfossils des Cenoman 


finden sich noch im Turon von Quedlinburg, den bayrischen Kagerhöhschichten und dem oberen Quader- 


mergel von Kiesslingswalde. 
Fam. Veneridae Gray. 


Venus cf. immersa Rxvss. 


Verst. der böhm. Kreideform. II. p. 20. Taf: 41, Fig. 11. 


Oberschlesien. p. 334. Taf. 26, Fig. 4. 


1845. Venus immersa Reuss. 
Derselbe schliesst sich in der Form 


1870. Cyprina spec. F. RoEuEr. 
Es liegt nur der von F. Rormer abgebildete Steinkern vor. 


durchaus an die Revss’sche Art an. 
Fundort: Cenomaner Sand bei Leobschütz. Nach Reuss im böhmischen Cenoman. 


Echinoidea. 
Unterfamilie: Echinolampinae Lor. 


Catopygus carinatus Ac. 


Oberschlesien. p. 293. Taf. 27, Fig. 3, 4. 


1870. Catopygus carinatus F. RoEMER. 
Geisırz. Elbthalgeb. I. p. Sl. cum syn. 


1872—75. — _ 
Fundort: Cenomaner Sandstein von Groschowitz. Die Art ist nach ScHLüTErR für die tiefste Stufe 
des Cenoman charakteristisch und im Essener Grünsand häufig, desgleichen im französischen und englischen 


Cenoman. Sie fehlt völlig in der böhmisch-sächsischen Provinz. 


Selachiorum gen. 99 


Pygurus lampas ve va Büche. 


1870. Pygurus lampas F. Rosmer. Oberschlesien. p. 335. Taf. 26, Fig. 10. 
1887. - — Novak. Studien an Echinoid. der böhm. Kr. I. ». 36. Taf. 2, Fig. 1. cum syn. 


Fundort: Cenomaner Sandstein von Sabschütz bei Leobschütz. Die Art ist nicht selten im 
böhmisch-sächsischen Cenoman, dem französischen Carentonien und dem Upper Greensand. 


Cephalopoda. 
Ammonoidea. 


 Acanthoceras Rotomagense Derr. 


1870. Ammonites Rotomagensis F. Rosmer. Oberschlesien p. 293. Taf. 27, Fig. 1. 
1871. _ — SCHLÜTER. Ceph. der oberen deutschen Kreide. p. 15. Taf. 6, Fig. 7, 9, 10, 12, 13; 
Taf. 7, Fig. 1—5. cum syn. 

Diese Art, welche sich ausschliesslich im Cenoman findet, ist durch F. RoemEr aus dem Sandstein 
von Groschowitz bekannt geworden. Sie besitzt weite Verbreitung im französischen, englischen und nord- 
westdeutschen Turon, fehlt jedoch durchweg in der sächsisch-böhmisch-bayrischen Provinz. Die Angabe eines 
Exemplares aus dem unterturonen Grünsand von Michelob bei Lauge und Bruper (Palaeontogr. Bd. 33, 
p. 233) erscheint auch nach den Abbildungen als nicht einwandfrei. 


Belemnites sp. 


Ein Bruchstück aus dem cenomanen Sandstein von Kempa bei Oppeln zeigt in Gestalt und Quer- 
schnitt die Merkmale von Belemmites, ohne jedoch eine weitere specifische Bestimmung zu erlauben. 


Turrilites costatus Lam. 


1870. Turrilites costatus F. Roemer. Oberschlesien. p. 293. Taf. 27, Fig. 2. 
1876. — —  ScHtürer. Ceph. der oberen deutschen Kreide. p. 125. Taf. 38, Fig. 1—5. cum syn. 


Die Berippung dieser Art weist auf ihre Abstammung von Acanthoceras hin. 
Fundort: Cenoman von Groschowitz. Die Art ist auf das Cenoman beschränkt, in Deutschland 
selten; in der böhmisch-sächsischen Provinz unbekannt. 


Pisces. 


Selachiorum gen. 
1870. Sphaerulites spec. F. Roruer. Oberschlesien. p. 334. Taf. 26, Fig. 7. 
Das unter obiger Bezeichnung bestimmte Stück ist, wie Gristrz (Elbthalgeb. I, p. 299) bereits 
corrigirt hat, ein Wirbel mit Strahlenrippen, der einem Knorpelfische angehört. 
Fundort: Cenomaner Sand von Sabschütz bei Leobschütz. 


30 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Arten aus dem Turon. 


Rhizopoda. 
Ordn. Foraminifera. 
Fam. Lagenidae Care. 


Cristellaria rotulata Lau. 
1875. Cristellaria rotulata Reuss in Geisızz. Elbthalgeb. II. p. 104. cum syn. 


Die häufigste Foraminifere der oberen Kreideformation. Von Oppeln durch A. Rormer als Robulina 


Oomptoni Sow. beschrieben. 
Häufig im unterturonen Thone von Groschowitz. 


Cristellaria lepida Reuss. 
Cristellaria lepida Reuss 1. c. p. 106. Taf. 23, Fig. 4. 


Mit flacher Nabelscheibe. Im letzten Umgang 5 Kammern. 
Thon von Groschowitz. Turon und Senon. 


Cristellaria ovalis Russ. 
Oristellaria ovalis Reuss ]. c. p. 103. Taf. 22, Fig. 6—11. 


Gault bis Senon. 


Frondicularia inversa Reuss. 
Frondieularia inversa Reuss bei Geinırz. Elbthalgeb. II. p. 94. Taf. 21, Fig. 5—7. 


Thon von Groschowitz. Vom Cenoman bis zum Senon verbreitet. 


Frondicularia angusta Nıuss. 
Frondicularia angusta Reuss bei Gemirz. Elbthalgeb. I. p. 91. 
Schmal lanzettförmig, am oberen Ende zugespitzt, mit kugeliger Embryonalkammer. Die zahl- 


reichen Rippen werden durch eine tiefe Längsfurche geschieden. 
Thon von Groschowitz. Cenoman bis Senon. 


Nodosaria sp. 


Die specifische Bestimmung einer Nodosaria aus dem "Thon von Groschowitz erwies sich als 
schwer möglich. 


Ventrieulites angustatus A. Rorn. 


© 
„m 


Haplostiche dentalinoides Reuss. 
Haplostiche dentalinoides Reuss in Geisızz. Elbthalgeb. II. p. 121. Taf. 24, Fig. 4—6. 


Thon von Groschowitz. Strehlener Pläner, Priesener Schichten. 


Haplostiche celavulina Rauss. 


Haplostiche clavulina Reuss ]l. c. p. 121. Taf. 24, Fig. 7, 8. 


Thon von Groschowitz. Priesener Schichten, Strehlener Pläner. 


Fam. Globigerinidae Carr. 


Globigerina marginata Reuss. 


1345. Rosalina marginata Reuss. Böhm. Kr. I. p. 36. Taf. S, Fig. 54, 74; Taf. 13, Fig. 68. 
1870—72. Globigerina marginata Reuss in Geisızz. Elbthalgeb. II. p. 112. 


Im Kalkmergel von Oppeln. Die Art ist vom Gault bis zum Senon verbreitet. 


Spongiae. 
Hexactinellidae Scuumr. 
Dictyonina Zimt. 

Fam. Ventrieulitidae Tovım. Sur. 


Ventriculites angustatus A. RoEMER. 


Nach Quvensteor’s Vorgange unterscheiden wir unter dieser sehr variablen Art zwei Hauptvarietäten. 
Dieselben werden etwa im gleichen Sinne von Hınpr als verschiedene Arten aufgefasst. 


1) V. angustatus s. str. (— V. aleyonoides MANTELL teste HinDE). 


1841. Scyphia eribrosa A. Roemer. Verst. des Nordd. Kreidegeb. p. 9. Taf. 6, Fig. 2 (Goslar und Oppeln). 
1870. Cylindrospongia angustata F. Rormer. Oberschlesien. p. 309. Taf. 30, Fig. 7, 8 (Oppeln). 
1378. Ventriculites angustatus Quensteor. Petref. Deutschl. V. Taf. 136, Fig. 2—14 (Oppeln. Thale). 


Diese Varietät ist die häufigere in Oppeln und umfasst die eylindrischen Formen mit runden Poren, 
die meist in schrägen Reihen angeordnet sind. 


2) V. amgustatus distortus. 
1841. Scyphia angustata A. Rorner. Nordd. Kreide. p. 8. Taf. 3, Fig. 5. 


13859 —42. — —_ Gemirz. Character. p. 95. Taf. 23, Fig. 9. 
1845—46. — — Reuss. Böhm. Kreide II. p. 74. Taf. 17, Fig. 11. 
1346. — _ Gemıtz. Grundriss. p. 91. Taf. 25, Fig. 20, 21. 


1872—75. Cribrospongia angustata Geixırz. Elbthalgebirge II. p. 1. Taf. 1, Fig. 3 (non 4—6). 
1878. Ventriculites angustatus distortus Quesstepr. Petref. D. V. p. 444. Taf. 136, Fig. 15—20. 
1883. — —_ Hıype. Catalogue. p. 114. Taf. 26, Fig. 3—3b. 


Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


© 
[SS} 


Diese Varietät umfasst die Formen mit unregelmässig verzerrten Poren. Nicht selten in Oppeln 
(Brongniarti- und Scaphiten-Schichten). 

Beide Varietäten finden sich nebeneinander im nordwestdeutschen Turon (Goslar, Pläner von Dörnten 
und Thale, Plänerkalk von Quedlinburg), sowie in den Teplitzer Schichten Böhmens, sowie dem Upper 


Chalk von Südengland. 


Ventriculites radiatus MANTELL. 


Diese von MAntern aufgestellte und abgebildete Art umfasst zahlreiche in den Wachsthumsverhält- 
nissen verschiedene Varietäten, die QuEnsTEDT unterschieden hat und welche vielleicht als Arten zu trennen 
wären. Sicher ist QuEnstepr var. subeylindrica nach Pocra’s Vorzuge als besondere Art abzutrennen. 


1) var. infundibiliformis QUENST. 


1822. Ventriceulites radiatus ManreLL. Geology of Sussex. Taf. 10. 
1826—33. Scyphia Oeynhauseni Goupruss. I. Taf. 65, Fig. 7. 

1837. Scyphia longiporata Puscm Polen’s Palaeont. p. 7. Taf. 2, Fig. 3. 
1852. Ventriculites radiatus Broxn. Lethaea II. Taf. 27, Fig. 18. 

. 1864. Retispongia radiata A. Rorwer. Spongitarien, Palaeontogr. XIII. Taf. 6, Fig. 2. 
1865 —68. Cribrospongia longiporata EıcmwArp. Lethaea Rossica II. p. 89. Taf. 6, Fig. 3. 
1870. KRetispongia radiata F. Roemer. Oberschlesien. Taf. 30, Fig. 2. 

1378. _ —  Beurens. Z. D. G. Ges. Bd. 30. p. 240. 
1886. — —  Sıemmranzkı. Faune fossile du terr. eret. de Lublin, p. 2. 
1839. Ventriculites radiatus Frıc. Teplitzer Schichten. p. 105. Fig. 142. 


Trichterförmig, nach unten in einen Stiel übergehend. Die Falten der Wandung stehen enger zu- 
sammen als bei den übrigen Varietäten. Das Verhalten der Structur von Deckschicht und Steinkern zeigt 
die Abbildung bei Quenstepr, Petrefactenkunde V. Taf..136, Fig. 24. 

Sehr verbreitet im englischen Turon und Senon, den Teplitzer Schichten, Wollin, Kreidemergel von 
Kazimierz a. d. Weichsel und Turon. Kreidemergel von Lysolaje (Gouv. Lublin). Weisse Kreide der Krym. 


2) var. discus Quenst. — Taf. II, Fig. 4. 


1822. Ventrieulites radiatus MAnteır. Sussex. Taf. 14. 

1870. Retispongia radiata F. Rosmer. Oberschlesien. Taf. 32 (schematisch). 

1878. Ventriculites radiatus Qussstepr. Petrefactenk. V. Taf. 156, Fig. 26 (optime). 
1882. _ —_ Pocra. Hexact. p. 33. 


Tellerartig ausgebreitete Form mit Stiel. Osculum tief. Die Dicke des Schwammkörpers betrug 
nur 3—5 mm, wie ein vollständig erhaltenes Exemplar dies zeigt. Das Original F. Roemer’s ist die Unter- 
seite der Spongie mit dem Stielansatz, das Qurxsrepr'sche der Abdruck (Steinkern) der Oberseite. Unsere 
Abbildung zeigt zum ersten Male den Stielansatz deutlich. 

Sussex, böhm. Turon. 


3) var. parapluvius Quenst. — Taf. III, Fig. 3. 
1878. Ventrieulites radiatus Quexsteor. Petrefactenk. V. I. 136, Fig. 29 (schematisch). 
Diese bisher nur von Oppeln bekannte Form ist in sehr formenreicher Ausbildung vorhanden. Der 
an var. infundibiliformis erinnernde untere Theil erweitert sich nach oben trompetenförmig. Die Poren des 
unteren Theiles sind länglich und unregelmässig vertheilt, die der Oberseite sind regelmässig polyedrisch. 


9 


[3%] 
[SS] 


Leptophragma fragile A. Rorn. 


Ventrieulites quincuncialis (WuENST. 


Ventrieulites quwincuncialis Quexsteor. Petref. Deutschlands. V. Tab. 137, Fig. 21. 


Von diesem durch QveExsteor aus Oppeln beschriebenen und abgebildeten Ventrieulites liegt mir 
kein Exemplar vor. 


1878. 


Ventriculites Zippei Reuss. 


Coscinopora Zippei Reuss. Barroıs. Terr. cret. des Ardennes. p. 411. 


1878. Ventrieulites angustatus Quexsteor. Petref. Deutschl. V. p. 443. Taf. 136, Fig. 13 (Oppeln). 


1883. 


— Zippei Pocra. I. p. 32 (woselbst die übrige ältere Literatur). 


Die rhombischen, in schrägen Reihen stehenden Vertiefungen, in welchen die kleinen runden Poren 
liegen, werden von Pocra mit Recht als typisches Merkmal angesehen. 

Selten sowohl in Oppeln wie in den Teplitzer- (Hundorf) und Cuvieri-Schichten (Epiaster-brevis- 
Stufe) der Ardennen (Val-Saint-Pierre). 


1822. 
1878. 
1883. 
1886. 
1889. 


Der eylindrische Schwammkörper nimmt nur wenig an Dicke zu. 
Die äussere Fläche ist durch langgezogene Falten von unregelmässigem 
Verlaufe, die sich öfters gabeln, ausgezeichnet. Skelet nicht erhalten. 
Pocra zieht die von Quensteor (Petref. Deutschl. V. Taf. 136, Fig. 2, 3) von 
Oppeln abgebildete Art zu V. cribrosus PsıwLıps, dessen Abbildung mir 
nicht zugänglich war. Da Hınpe letzteren mit Y. multicostatus A. RoEMER 
identificirt, so bezeichnet V. cribrosus eine andere Art. Die Abbildung 


Ventriceulites decurrens Tovrm. Suite. — Textfigur 4. 


Ventriculites radiatus Manterr. South Downs. Taf. 13, Fig. 4. 
_ — Quenstepr. Petref. Deutschl. V. Tab. 136, Fig. 23. 
—_ decurrens Hınpe. Catalogue. p. 111. 
_ eribrosus Pocra. III. p. 34. 
_ —_ Frıc. Teplitzer Schichten. p. 105. Fig. 149. 


bei Frıc stimmt dagegen mit den vorliegenden Exemplaren überein. Fig. 4. Ventrieulites deeurrens T. Sa. 


Selten im Oppelner Turon. Teplitzer Schichten. Upper Chalk von Südengland. 


1841. 
1864. 
1870. 
1878. 
1885. 
1886. 


Fam. Coseinoporidae Zırr. 


Leptophragma Zırr. 


Leptophragma fragile A. RoEmer. 


Scyphia fragilis A. Roemer. Nordd. Kreide. Taf. 3, Fig. 11 (Oppeln). 
Oribrospongia fragilis A. Rormer. Spongitar. p. 12. : 

—_ — FF. Roruer. Oberschlesien. p. 304. Taf. 31, Fig. 2 (non 2a, 2b). 
Spongites fragilis Quensteor. Petref. Deutschl. V. p. 468. Taf. 137, Fig. 14—17. 
Leptophragma fragilis PocrA. III. p. 34. Taf. 1, Fig. 26. 

Oribrospongia fragilis Sıemiranzeı. Faune fossile du terrain cret. de Lublin. p. 2. 


Palaeontographica. Bd. XLIV. 6) 


34 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Die sehr variable Form schwankt zwischen Trichterform und breiter Schüsselform, welche öfters 
mit einem Stiel aufsitzt. S 


Nicht selten in den Scaphiten-Schichten in Oppeln. Teplitzer Schichten. Turon- von Lysolaje 
(Gouv. Lublin). Upper Chalk. 


Leptophragma glutinatum Quenst. 


1870. Oribrospongia fragüis F. Rormer. Oberschlesien. p. 304. Taf. 31, Fig. 2a, 2b. (Structurbild). 
1378. Scyphia glutinata Quexsteor. Petref. Deutschl. V. p. 465. Taf. 137, Fig. 9—12. 


Diese bisher nur von dem Oppelner (Scaphitenzone) Turon bekannte Art steht Scyphia Murchisoni 
(Goupr. I. Taf. 65, Fig. 8) sehr nahe. Es sind stets nur flache oder wenig gewölbte Bruchstücke vor- 
handen, welche sehr grossen flachen Exemplaren von der Form des Ventrieulites radiatus discus angehören. 
Es war indess bisher noch nicht möglich ein vollständiges Exemplar zu erhalten. Das Gittergewebe ist 
beiderseits verschieden; die Epidermalschicht der Innenseite ist quadratisch und regelmässiger als bei der 
Ausseren. Zu dieser Art gehört das zu L. fragile gestellte Structurbild bei F. Rorumer. 


Maeandrospongidae Zırr. 


Plocosceyphia Rruss em. ZITTEL. 


Obwohl die Gattungsdiagnose, welche ZırTeL (Studien über Spongien, p. 55) nach Reuss gab, etwas 
weit gefasst ist, so folgen wir doch der Einheitlichkeit wegen auch in diesem Punkte der Eintheilung des 
Neubegründers der Spongiologie. Wir unterscheiden nach den Wachsthumsverhältnissen eine Reihe von 
pseudoradiärem Baue und eine solche von unregelmässiger Anlage des Schwammkörpers. Das Skelet, sowie 
die Deckschicht sind, soweit sich dies nachweisen liess, bei sämtlichen Arten übereinstimmend. 


Plocoseyphia cavernosa A. Roemer. — Tai. II, Fig. 7. 


1864. Macandrospongia cavernosa A. RoEMER. Spongitar. p. 52. Taf. 18, Fig. 8. 


Ein echtes Intercanalsystem verbindet alle Oeffnungen zu einem Innenraume. Der Schwammkörper 
besteht aus weiten, labyrinthartig mit einander verwachsenen, unregelmässigen, dünnen Röhren, welche als 
hervorragende Wülste an der Oberfläche ausmünden. Nahe steht unserer Art Pl. labrosa T. SmiTH aus 
dem französisch-englischen Cenoman. Zum Vergleich ist auch Cyrtobolia Morchella Reuss heranzuziehen; 
die Abtrennung eines Genus Cyrtobolia von Plocoscyphia durch Pocra (Spongien d. böhm. Kreidef. I. p. 38) 
auf Grund überzähliger Arme der Kreuzungsknoten scheint nicht stichhaltig, da dergleichen in der Ober- 
flächenschicht der Plocoseyphien z. B. bei tenwilobata sich ebenfalls finden. 


Die Art ist nur in einem Exemplar von Oppeln vorhanden. Dasjenige A. RoEMER’s stammt aus 
der Cuvierikreide von Salzgitter. Ein mit dem beschriebenen übereinstimmendes Exemplar des Breslauer 
Museum’s entstammt einem Diluvialgeschiebe von Strehlen in Schlesien. 


Plocoscyphia crassilobata n. sp. 3 


ey 


Plocoseyphia Roemeri nov. nom. 

1870. Plocoscyphia labyrinthica F. Roeuer. Oberschlesien. p. 309. Taf. 33, Fig. 7, 8. 

1878. Gyrispongia — Quensteor. Petref. Deutschl. V. p. 485. Taf. 138, Fig. 12, 13. 

Diese Art wurde von Fern. Rormer irrthümlich mit der böhmischen Art von Reuvss identificnt, da 
ihm nur unvollständige, stark verquetschte Exemplare vorlagen. Vollständige Exemplare sind von QuEx- 
STEDT ]. c. beschrieben und abgebildet worden. Der Schwammkörper scheint ungestielt gewesen zu sein 
und meist eine längliche, knollige Form besessen zu haben. Die Wände bilden eine unregelmässige Gestalt 
und zeigen zahlreiche, meist blinde Ostien. Ein Paragaster fehlt. Unter der Deckschicht, welche unregel- 
mässige runde Poren aufweist, ist die Gitterstructur der Sechsstrahler erkennbar. 

Die Art ist bisher nur von Oppeln (Scaphitenzone) bekannt. 


Plocoseyphia nidiformis n. sp. — Textfigur 5a, b. 


Structur gleich den vorigen, von diesen nur durch die Wachsthumsverhältnisse verschieden. Der 
Schwammkörper entbehrt der radialen Anlage und ist knollig mit flacher Unterseite. Ein tiefes Paragaster 


Fig. 5a. Plocoseyphia nmidiformis n. sp. Fig. 5b. 


reicht fast bis auf dieselbe herab und ist von den unregelmässigen, complicirten Windungen der Wände 

eingeschlossen. Der allenthalben von der Deckschicht umschlossene Schwammkörper zeigt einige grössere 

runde Oeffnungen an der Oberfläche. 
Turon von Oppeln (Scaphitenzone). 


Plocoscyphia crassilobata n. sp. — Taf. III, Fig. 6. 


Der Schwammkörper ist ungestielt, halbkugelig, in mehrere Lappen getheilt, welche auf einer ca. 
2 mm dieken Schicht enden, mit welcher er möglicher Weise aufgewachsen war. Auf dieser Fläche er- 
heben sich die Röhren, welche äusserlich als S unregelmässige Wülste erscheinen, die durch breite Quer- 


36 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


brücken mehrfach mit einander verbunden sind. Die tiefen Furchen zwischen den einzelnen Lappen reichen 
nicht bis auf die Basis herab. Die Oberfläche zeigt nur die zahlreichen kleinen runden Poren der obersten 
Schicht (Kieselhaut), entbehrt jedoch grösserer Ostien. Zwei Ostien liegen beim Zusammentreffen der Gyren 
am Scheitel, der etwas excentrisch verschoben ist. Das Skelet ist an Bruchstücken erhalten und zeigt 
durchbohrte Sechsstrahler. 

Das abgebildete Exemplar und mehrere Bruchstücke dieser Art stammen aus dem Turon von Oppeln S. 


Plocoscyphia tenuilobata n. sp. — Taf. IV, Fig. la, b. 


Das Original aus dem Turon von Oppeln S. (Brongniartizone) ist bisher Unicum. Der Schwamm- - 
körper zeigt eine ähnliche becherförmige Anlage wie P. crassilobata, indem der Scheitel, von welchem die 
einzelnen Lappen entspringen, etwas excentrisch gelegen ist. Vom Scheitel aus entspringen frei 7 Aeste, 
welche sich noch weiter verzweigen und am Aussenrande die Zahl 19 erreichen. Sie sind durch Querbrücken 
mehrfach unter einander verbunden und tragen zahlreiche kleine Ostien. Der Schwammkörper ist von der- 
selben porösen Kieseldeckschicht überzogen, welche auch die übrigen mir bekannten Plocoscyphien zeigen. 
Wo dieselbe fehlt, wie am Aussenrande unserer Originals, zeigt sich der äusserst complieirte Verlauf der 
Röhren. Das Skelet tritt auf der Innenfläche zu Tage und besteht aus octaedrisch durchbohrten Sechs- 
strahlern. 

Tremabolites megastoma A. RoEMER. 


1841. Manon megastoma A. Rormer. Nordd. Kr. p. 3. Taf. 1, Fig. 9. 

1845 —46. — — Revss. Kr. p. 77. Taf. 20, Fig. 1; Taf. 43, Fig. 9. 

1870,  Camerospongia megastoma F. Rormer. Oberschlesien. p. 307. Taf. 38, Fig. 6. 
1878. Cephalites polystoma Qusssteor. Petref. Deutschl. V. p. 503. Taf. 139, Fig. 8—10. 
1883. Tremabolites megastoma Pocra. I. p. 37. 


Der unregelmässig gestaltete Schwammkörper trägt auf der mit einer glatten Kieselhaut bedeckten 
Oberseite unregelmässig vertheilt ungleich grosse, tiefe, senkrecht abfallende, kreisrunde Oscula mit hervor- 
tretendem Rande. 

Cenoman (Korycaner Schichten) in Böhmen. Turon von Löwenberg. Nicht selten in Oppeln. 
Senon von Peine. Westphälische Quadratenkreide. 


Camerospongia fungiformis Gonpr. — Taf. III, Fig. 3. 


1833. Scyphia fungiformis Goupruss. Taf. 65, Fig. 4. 
1841. Manon monostoma A. Rormer. Nordd. Kr. p. 2. Taf. 1, Fig. 8. 
Scyphia fungiformüs — — —- » 1% 
1852. _ _ Bronx. Leth. geogn. V. p. 570. Taf. 29, Fig. 6a—c. 
1863. Manon megastoma Drescher. Z. D. G. G. Bd. 15, p. 361. 
1864. Camerospongia fungiformis A. RoEmer. Spongitar. p. 5. 
1870. — — F. Rormer. Oberschlesien. p. 305. Taf. 35, Fig. 3—5 (male!). 
1878. Cephalites monostoma Quexsrteor. Petref. Deutschl. V. p. 497. Taf. 139, Fig. 2, 5, 4, 6. 
1878. Camerospongia fungiformis Beurens. Wollin. Z. D. G. Bd. 30. p. 241. 


Sehr häufig, aber meist verdrückt erhalten. Das Osculum ist gross und fällt steil ab. Die Glatze, 
welche das Osculum umgibt, macht nach unten mehreren Gyren Platz, welche, durch tiefe Furchen von ein- 


Amphithelion tenue A. Rorn. 


I 


(3%) 


ander getrennt, nach unten hin convergiren. Es muss hervorgehoben werden, dass ein Stiel bei dieser 
Spongie nicht existirt, obwohl die verunglückte Zeichnung bei F. RozmER, welche wohl auch derjenigen in 
Zırrev’s Handbuch I. p. 182, Fig. 97 zu Grunde liegt, einen solchen angibt. 

Fehlt in der sächsisch-böhmischen Entwickelung mit Ausnahme des Löwenberger Turon. Im oberen 
Turon von Wollin. Sonst nur aus dem Senon der Quadratenkreide Hannovers (Peine) und Westphalens be- 
kannt. Upper Chalk. 


Cameroptychium patella n. sp. — Taf. IV, Fig. 2a, b. 

Bisher ist das Original von Oppeln Unicum. 

Schwammkörper trichterförmig, diekwandig, mit tiefer Centralhöhle. Glatte feinporöse Kieselhaut 
auf die flach abfallende Aussenseite beschränkt. Der Schwammkörper besteht aus unregelmässig ver- 
schlungenen und anastomisirenden Röhren, die von Sechsstrahlern mit wahrscheinlich octaedrisch durch- 
bohrten Kreuzungsknoten gebildet werden. Dieselben ordnen sich in der schüsselförmigen, centralen Ver- 
tiefung zu unregelmässig verzweigten Balkensystemen an, die nach oben zu deutlich durchschimmern. Die 
untere Hälfte der Aussenseite trägt gewundene Rippen. 

Die vorliegende Form lässt sich unschwer auf Öamerospongia zurückführen, ist aber zu abweichend, 
um eine Unterordnung unter diese Gattung zu ermöglichen. Die radiäre Anordnung des Skelets auf der 
Oberseite und die weite Centralhöhle erinnern an Coeloptychium, während die unregelmässigen Gyren der 
Unterseite mit Oamerospongia übereinstimmen. Wir haben es hier vielleicht mit einer seltenen Uebergangs- 
form zwischen (amerospongia und Coeloptychium zu thun, was durch den Namen angedeutet werden soll. 


Lithistida Schar. 
Rhizomoridae Zıtr. 


Amphithelion tenue A. RorueRr. 
1841. Manon tenue A. Rorner. Nordd. Kr. p. 3. Taf. 1, Fig. 7. 


1846. — — Reuss. Böhm. Kr. p. 78. Taf. 20, Fig. 2. 
1864. Chenendopora tenuis A. RorNER Spongit. p. 43. Taf. 15, Fig. 4. 
1870. — —  F. Rormer. Oberschlesien. p. 301. Taf. 31, Fig. 1. 
1878, — — Bearens. Z.D. G. Bd. 30, p. 241. 
1878, = —  Qusssrteor. Petref. Deutschl. V. p. 324, 365, 366. Taf. 131, Fig. 8; Taf. 132, Fig. 46—48. 


1384. Amphithelion tenue Pocra. II. p. 24. 


Schwammkörper dünnwandig, in Lappen getheilt, sehr variabel, aufsitzend oder gestielt. Zahlreiche, 
warzenförmige, kleine Oscula auf Ober- und Unterseite. QuENSTEDT unterscheidet 3 Varietäten, welche sich 
sämtlich in allen Stufen in Oppeln finden (nördl. Brüche): 

1) var. sömplex. Nur eine Centralhöhle vorhanden, Schwammkörper einfach und flach oder gelappt. 

Quznsr. ]. c. V. Taf. 131, Fig. 8. Häufigste Varietät in Oppeln. 
3) var. complex. Mehrere Centralhöhlen vorhanden, Schwammkörper unregelmässig gewölbt. Quexsr. 
l. c. V. p. 365, Taf. 132, Fig.: 46. 

3) var. petiolata. Schwammkörper becherförmig; hohler Stiel. 

Häufig im böhmischen Cenoman (Korycaner Schichten), dem Turon von Wollin und dem oberen 
Pläner von Dörnten. 


Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


S0) 
(02) 


Rhabdomorinidae Raurr. 
Doryderma ramosum Mant. 


1872—75. Spongia ramea Geinırz. Elbtb. II. p. 1. Taf. 1, Fig. 1. 
1878. Spongia ramosa (JuENSTEDT. ]. c. V. p. 400. Taf. 134, Fig. 7, 8. 
1884. Doryderma ramosum PocraA. II. p. 30 (woselbst die übrige Lit.) 


Dieses Gebilde führt Geintrz 1. ec. von Oppeln an. Es ist mir jedoch kein Exemplar derselben 
bekannt geworden, welches mit Sicherheit sich als solches bestimmen liesse. 


Fam. Tetracladina Zımr. 


Phymatella elongata R£vss. 
1845—46. Siphonia elongata Reuss. Böhm. Kr. p. 73. Taf. 45, Fig. 1. 


1870. — — F. Rormer. Oberschlesien. p. 308. Taf. 33, Fig. 1, 2 
1876— 178. _ _ QUENSTEDT. ]. c. V. p. 39. 

1878. Phymatella — Zırter. Studien II. p. 74. 

1884, — — Pocra. II. p. 31. 


Schwammkörper umgekehrt flaschenförmig, langgestielt, mit tiefer Centralhöhle. Oberfläche mit 
unregelmässigen, ovalen Östien. } 

Häufig in Oppeln. Selten in den Teplitzer Schichten (Kutschlin, Hundorf), dem Senon von Qued- 
linburg und Yorkshire. 


Phymatella plicata (uEnst. 
1878. Spongites plicatus Quesszeon. 1. c. V. p. 395. Taf. 134, Fig. 1, 2. 
1376—78, Phymatella plicata Zırrer. Studien II. p. 74. 
1884. = —  Pocra. I. p. 32. 
Der vorigen sehr ähnlich. Oberhalb des Stieles wulstige Anschwellungen, welche durch tiefe, rundum 
gehende Furchen getrennt sind. 
Selten im Oppelner Turon und den Weissenberger Schichten (Leneschitz). 


Thecosiphonia nobilis A. RoEMER. 
1864. Limnorea nobilis A. Roemer. Spongit. Taf. 15, Fig. 1. 


1870. _ —  F. Rorumer. Oberschlesien. Taf. 37, Fig. 16 (male!). 
1878. — —  Quexstepr. ]. c. V. p. 378. Taf. 133, Fig. 8-11 (optime). 
1878. Thecosiphonia nobilis Zıırer. Studien II. p. 84. 

1883. — —  Hmpr. Catalogue. p. 75. Taf. 17, Fig. 3 


Schwamm einfach oder aus mehreren Individuen zusammengesetzt. In letzterem Falle sind sämt- 
liche Individuen durch eine kieselige dichte Deckschicht unter einander verwachsen. QUENSTEDT bezweifelt 
mit Unrecht die Zugehörigkeit des Rormer’schen Originals zu dieser Art. Dasselbe ist allerdings ein 
schlechtes Exemplar und mangelhaft abgebildet. 

Mehrere gute Exemplare liegen mir aus den jüngsten Schichten von Seit und Oppeln vor. 
Sonst nur noch aus dem Cuvieripläner von Dörnten, der Quadratenkreide von Suderode und Upper Chalk 
von Wiltshire. 


Stylotrochus Volzi n. sp. 39 


Anthozoa. 
Hexacoralla Häcker. 
Eusmilinae E. H. 


Parasmilia centralis Maxr. 


1822. Madrepora centralis Mantet. Sussex. Taf. 16, Fig. 2, 4. 


1841. Turbinolia — A. Rormer. Nordd. Kr. p. 26, Taf. 1, Fig. 15. 

1850. Monocarya — Dixon. Sussex. p. 224. Taf. 18, Fig. 1—4, 6, 7. 

1850. Parasmilia — M. Eowarps u. J. Hauer. Monogr. of the British fossil Corals I. p. 47. Taf. 8, Fig. 1. 
1862. E= — pe Fromente. Pal. Franc. VII. p. 210. Taf. 21, Fig. 1. 

1370. _ — F. Roruer. Oberschlesien. p. 310. Taf. 34, Fig. 1. 

1872—75. — —  Gemitz. Elbthalgeb. II. p. 4. Taf. 1, Fig. 10—12. 

1878. — —  Brnrens. Z. D. G. Bd. 30. p. 242. 

1884. —_ —  Pocra. Böhm. Anthoz. p. 43. Fig. 19, 20. 


Nicht ganz selten im Kreidemergel von Oppeln. Es scheinen mehrere Varietäten unter diesem 
Namen zusammengefasst zu sein. Die Oppelner Exemplare zeigen keine wesentlichen Verschiedenheiten. 
Den Querschnitt zeigt Fig. 1. 


Weit verbreitet in der englischen und französischen oberen Kreide, seltener im Turon von Wollin, 
dem Strehlener Plänerkalk, den Teplitzer und Priesener Schichten. 


Fam. Turbinolidae E. H. 
Turbinolia En. u. H. 
Subgenus: Stylotrochus E. DE From. 


Stylotrochus Volzi n. sp. — Taf. V, Fig. 2. 


Es liegt der deutliche Abdruck eines Kelches vor, der mit FRomzxten's Turoner Art Stylotrochus 
arcuatus (Pal. franc. Terr. cret. VII. p. 202, Taf. 8, Fig. 3) annähernd übereinstimmt, ohne sich jedoch 
mit dieser völlig identifieiren zu lassen. Der Kelch ist regelmässig; es sind 12 Hauptsepta vorhanden, von 
denen je zwei sich nach den Pfählchen zu vereinigen. Sie sind durch mehrere schwächere Septa von ein- 
ander geschieden, so dass die Zahl derselben 48 beträgt. Hauptsächlich durch die grössere Zahl dieser 
unterscheidet sich unsere Art von FRoMENTEL's Original. Das Säulchen ist griffelförmig und frei. Duncax! 
zieht Stylotrochus als Unterart zu der sonst erst aus dem Tertiär bekannten Art Turbinolia. 


Fundort: Brongniarti-Kalkmergel von Groschowitz. 


1 Revision of the families and genera of the Madrepora. Journal Linnean Society 1584. p. 19. 


40 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Echinoidea. 
Regulares Desor. 


Cidaridae WRIGHT. 


Stereocidaris silesiaca ScHLür. 
1892. Stereocidaris silesiaca Schröter. Die regul. Echin. der nordd. Kr. p. 102. Taf. 11, Fig. 1—4. 
Das Original Schuörer’s, im Besitze des Breslauer mineralogischen Museums befindlich, ist Unicum. 
(Erhaltungszustand und Verwandtschaftsverhältnisse würden auf Rügen als Ursprungsort hinweisen, zumal 


da das Stück nicht unmittelbar in Oppeln erworben ist.) 
Nach SchLürer von Oppeln aus der Zone der Heteroceras Reussianum (Scaphitenpläner). 


Stereocidaris oppoliensis n. sp. — Taf. V, Fig. 5. 


Einzelne Stacheln von Stereocidaris sind in Oppeln (nördl. Br.) nicht selten. Sie besitzen vier 
Reihen von Knoten und sind nahe verwandt mit Stereocidaris punetillum SORIGN. (SCHLÜTER ]. c. Taf. 13, 
Fig. 12). Sie gehören vielleicht zu St. silesiaca. ‚Ich bezeichne sie vorläufig, bis es gelingt, ihren Zusammen- 
hang festzustellen, nach dem Fundorte als Stereocidaris oppoliensis. 


Diadematidae WRIGHT. 


Gauthieria radiata SorIGNET. 


1862—67. Cyphosoma radiatum Corrsav. Pal. frang. Eehinid. Taf. 1147, Fig. 10—14. 
1872— 75. 2 — Geinırz. Elbthalgeb. II. p. 8. Taf. 2, Fig. 7—10. 
1892. Phymosoma radiatum ScHtürer 1. c. p. 201. 


Nicht häufig im Scaphitenpläner von Oppeln. Sehr verbreitet. Plänerkalk von Strehlen, gesamtes 
böhmisches Turon, Turon von Wollin. Französisches und englisches Turon. 


Irregulares Disor. 


Fam. Holasteridae Lor. 


Ananchytes ovatus Leske. 
1826—33. Ananchytes striatus Gotpruss. I. p. 146. Taf. 44, Fig. 3. 


1853—59. _ vulgaris v’Orsıeny. Pal. franc. VI. p. 62—67. 

1870. — ovata F. Roruer. Oberschlesien. p. 312. Taf. 34, Fig. 2. 

1874. — ovatus Qvenstepr. Echiniden. p. 589—594. Taf. 84, Fig. 53—60; NE a 
1878. —_ striatus Beurens. Wollin Z. D. G. Bd. 30,-p. 248. 


Die Ananchyten, welche sich in Oppeln in grosser Zahl finden, bilden eine Reihe, welche von einer 
sehr runden, halbkugeligen Form bis zu einer sehr spitzen, von ovalem Grundriss sich erstreckt. Die runde 
Varietät, welcher auch F. Rosmer’s Original angehört, ist im Turon im Allgemeinen die häufigere. Sie er- 


Micraster breviporus AG. 41 


scheint in der Litteratur häufig unter den Bezeichnungen striatus und gibbus. Die spitzere Form, von läng- 
licher Gestalt mit Rückenkiel, ist im Senon häufiger und ist öfters als ovatus und regularis bezeichnet worden. 


Sehr häufig in den Oppelner Steinbrüchen, am häufigsten schon in der Brongniartizone. Im Turon 
von Wollin, Brongniarti- und Scaphitenpläner Nordwestdeutschlands. Cuvieri (Epiaster brevis-) Zone des Pariser 
Beckens. Sehr viel verbreiteter im Senon. Fehlt in der böhmisch-sächsischen Facies. 


> 
Holaster planus Manr. 


1822. Spatangus planus Maxserr. Sussex. p. 192. Taf. 17, Fig. 9, 12. 
1853—55. Holaster planus v’Orsıcny. Terr. eret. VI. p. 116. Taf. 821. 


1870. _ — F. Rorser. Oberschlesien. p. 312. Taf. 37, Fig. 1, 2. 
1872 —75. _ —  Gemiumz. Elbthalgeb. II. p. 9. Taf. 3, Fig. 2, 3. 

1878. Spatangus planus (subglobosus) Quenstepr. Echiniden. Taf. 86, Fig. 2—7. 
1878. Holaster — Behrens. Z. D. G. G. Bd. 30, p. 246. Taf. 11, Fig. 1. 
1889. — —  Friıc. Teplitzer Schichten. p. 99, Fig. 128. 


Die Unterscheidung Quexstepr's zwischen H. planus und A. subglobosus ist undurchführbar, da 
eine stetige Entwickelungsreihe vorliegt. Die Oppelner Exemplare, welche meist schlecht erhalten sind, 
finden sich im Scaphitenmergel der südlichen und nördlichen Brüche von Oppeln nicht selten. 


Sehr verbreitet in den Teplitzer Schichten, Strehlener Pläner, dem oberen Turon von Wollin, den 
Brongniarti- und Scaphitenschichten Nordwestdeutschlands; Leitfossil der französisch-englischen Scaphitenzone. 


Fam. Spatangidae Ac. 


Micraster breviporus Ac. 


1840. Micraster breviporus Asassız (aut. GEIN.) 


1850. cor bovis Dıxox. Sussex. p. 342. Taf. 24, Fig. 5, 6. 

1853. _ Borchardi v. Hacexow. in Litt. (aut. GEINITZ). 

1855. — Leskei p’Orzıeny. Pal. franc. Terr. cret. VI. p. 215. Taf. 869. 
1870. _ — F. Roruer. Oberschlesien. p. 310. p.p. Taf. 34, Fig. 3. 
1372—75. — —  Gemıurz. Elbthalgeb. II. p. 13. 

1578. — breviporus Brarens. Wollin. Z. D. G. Bd. 30, p. 2453. 

1889. — _ Frıc. Teplitzer Schichten. p. 99, Fig. 127. 


Micraster breviporus und Micraster cor testudinarium sind die Endglieder einer Reihe, welche sich, 
wie anderwärts, auch im Oppelner Turon ununterbrochen verfolgen lässt. Der Typus des Micraster brevi- 
porus ist jedoch scharf von dem des cor testudinarium zu scheiden. Es unterscheidet sich von letzterem 
durch ovalen, länglichen Grundriss und höheren Querschnitt, vor allem aber durch kürzere Fühlergänge. 
Wie in den Teplitzer Schichten Böhmens findet sich M. breviporus bereits in tieferem Niveau als M. cor 
testudinarium, schon im untersten Kalkmergel von Groschowitz. Sehr häufig im Brongniarti- und Scaphiten- 
pläner von Oppeln. F. RoEMmEr’s Original ist eine wenig characteristische Mittelform. 


Strehlener Pläner, Unteres Turon von Wollin, Teplitzer Schichten, Brongniarti- und Scaphiten- 


schichten Westphalens, Zone des Holaster planus des englisch-französischen Turon. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 


[er] 


42 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Micraster cor testudinarium GoLpr. 


1826— 33. Spatangus cor testudinarium Gouoruss. I. p. 156. Taf. 48, Fig. 5. 
1852. Micraster cor anguinum Bronn. ]. c. V. Taf. 29, Fig. 23. 


1855. _ _ — D’ÖRBIGNY. 1. c. VI. p. 207. Taf. 867 p.p. 

1858. — _ cor testudinarium H£gerr. Bull. Soc. Geol. Fr. 2. ser. t. 16, p. 147. 
1870. — Leskei F. Rormer. Oberschlesien. p. 310 p.p. 

1870. — spec. — _ p- 311. 

1872 —75. — cor testudinarium Geinitz. Elbthalgeb. II. p. 11. Taf. 4, Fig. 1—4. 
1374. — Leskei Quensteor. Echiniden. Taf. 88, Fig. 2—4. 

1889. —  .cor testudinarium Frıc. Teplitzer Schichten. p. 99, Fig. 126. 


Micraster cor testudinarium besitzt einen sehr breiten Umriss und geringe Höhe. Der Scheitel liegt 
wenig vor der Mitte der Schale; die Fühlergänge sind länger als bei M. breviporus. 

Typisch in den Mergeln von Szezepanowitz (F. RoEMER's Micraster spec.). Obere Teplitzer Schichten, 
Strehlener Pläner, Kagerhöhschichten, Cuvieripläner Nordwestdeutschlands, in der französisch-englischen Ent- 
wickelung bezeichnend für die unterste Zone des Senon. 


Vermes. 


Serpula macropus Sow. 
1828. Serpula macropus SoweErgy. Min. Conchology. Taf. 597, Fig. 6. 


1826— 32. — triangularis Gouvruss. ]. c. I. Taf. 70, Fig. 4. 
1872—75. — macropus Geinızz. Elbthalgeb. II. p. 201. Taf. 30, Fig. 10 —12. 
1833. —_ — Frıc. Iserschichten. p. 128, Fig. 115. 


Die Röhre ist im Durchschnitt dreieckig, indem ein scharfer Kiel die Oberseite durchzieht. Ring- 
förmige Verdickungen finden sich in ungleichen Abständen. $. macropus findet sich meist mit der breiten 
Basis auf den Schalen von Inoceramus Brongniarti aufgewachsen. 

Von Oppeln S. Plänerkalk von Strehlen, Iserschichten. Sonst im Senon. 


Serpula gordialis Scar. 
1833. Serpula gordialis Govoruss. 1. c. I. p. 240. Taf. 69, Fig. 7, 8, 10, 11; Taf. 70, Fig. 17, 18; Taf. 71, Fig. 4. 


1846. —_ planorbis Reuss. Böhm. Kr. I. p. 106. Taf. 42, Fig. 19—22. 

1346. —_ gordialis Geinırz. Grundr. p. 251. Taf. 16, Fig. 20—22. 

1346. _ spirographis — — —_ _ — 

1850. _ plexus SowErgy bei Dıxox. Sussex. p. 353. Taf. 28, Fig. 12. 

1872—73. Serpula gordialis Storiczra. Pal. Ind. Cret. Fauna. IV. p. 64. Taf. 29, Fie. 7, 8. 
1872—75. — — Geimirz. Elbthalgeb. I. p. 282. Taf. 63, Fig. 2, 3. II. Taf. 37, Fig. 3, 4. 
1889. — —_ Frıc. Teplitzer Schichten. p. 96, Fig. 122. 

1893. — — Frıc. Priesener Schichten. p. 109. 


Die regelmässige, glatte Schale beginnt mit über einander liegenden Windungen, welche sich in 
sanft gebogenen Röhren fortsetzen. Die Dicke nimmt sehr langsam von 1 bis 2 mm zu. Einzeln oder 
haufenweise. 

Kosmopolitisch in der Jura- und Kreideformation. In Oppeln, von wo sie GEINITz zuerst anführt, 
findet sich diese Serpula meist in den südlichen Brüchen auf Inoceramen. 


Crania barbata v. Hasenow. 43 


Serpula granulata Sow. 


1828. Serpula granulata Sowergy. Min. Conch. Taf. 597, Fig. 7, 8. 


1841. — = A. Rormer. Nordd. Kr. p. 102. 

. 1845. —_ — Reuss. Böhm. Kr. p. 20. Taf. 13, Fig. 96. 
1872—75. — — Gemuzz. Elbthalgeb. II. p. 201. Taf. 37, Fig. 13. 
1889. — _ Frıc. Teplitzer Schichichten. p. 97. 


Die kleine Röhre ist scheibenförmig zusammengerollt, aufgewachsen, nur die Mündung ist auf- 
gerichtet. Die Oberfläche ist mit feinen, erhabenen, gekörnten Linien besetzt. 
Plänerkalk von Strehlen, Teplitzer Schichten von Bilin; sonst Senon. 


Molluscoidea. Bryozoa. 
Ordn. Cheilostomata Busk. 


Hippothoa desiderata Novar. 
1877. Hippothoa desiderata Novar. Bryoz. der böhm. Kr. p. 86. Taf. 2, Fig. 1, 2. 
Oppeln; bisher nur aus den Teplitzer Schichten von Hundorf bekannt. 


Membranipora confluens Russ. 


1846. Escharina confluens Reuss. Böhm. Kr. p. 68. Taf. 15, Fig. 22. 
1872. Membramipora confluens Reuss in Gen. Elbthalgeb. II. Taf. 24, Fig. 14. 
1877. — _ Novax. Bryoz. p- 87. Taf. 2, Fig. 17, 18. 


Ein Exemplar auf Holaster planus aufsitzend. 
Cenoman von Bilin, Turon von Hundorf und Strehlen. 


Membranipora elliptica v. Hac. 


1872. Membranipora elliptica Reuss in Gem. Elbthalgeb. I. p. 101. Taf. 24, Fig. 4, 5; Taf. 25, Fig. 7. 
1877. — —_ Nova. p. 89. Taf. 2, Fig. 11—16. 


Von Groschowitz auf Micraster breviporus, von Oppeln auf Ostrea hippopodium aufsitzend. 
Sehr verbreitet im böhm.-sächsischen Cenoman und Turon; weisse Kreide von Rügen und Frankreich. 


Brachiopoda. 
Inarticulata Hux. 
Fam. Craniidae ForBes. 


Crania barbata v. Hagenow. 
1842, Crania barbata v. Hasznow. N. Jahrb. f. Min. p. 551. Taf. 9, Fig. 2. 


1866. —  Ignabergensis SchLoEngAcH. Palaeontographica XIII. Taf. 3 (40), Fig. 23—25. 
1870, — — F. Rormer. Oborsehlesien. p. 314. Taf. 34, Fig. 4, 5. 
1872—75.— barbata Gzeinızz. Elbthalgeb. II. p. 28. Taf. 8, Fig. 1, 2. 


1889. _ — Friıc. Teplitzer Schichten. p. 87. Fig. 87 (Copie). 


44 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Von Orania Ignabergensis durch die grössere Zahl und Gleichmässigkeit der von dem nahe am 
Hinterrande gelegenen Scheitel ausstrahlenden Linien verschieden. Die beiden von F. RoegmErR unter dem 
vorigen Namen abgebildeten Schalen sind bisher die einzigen Exemplare von Oppeln. Sonst findet sich 
Crania barbata, ebenfalls selten, im Strehlener Pläner, den Teplitzer Schichten (Hundorf), sowie in der se- 
nonen Kreide von Rügen und Möen. 


Articulata Hvx. 
Fam. Rhynehonellidae Grar. 


Rhynchonella plicatilis Sow. 


1868—71. Terebratula octoplicata Quexnstepr. Brachiopoden,. p. 168. Taf. 41, Fig. 55—77. 

1870. Rhynchonella plicatilis F. Rormer. Oberschlesien. p. 313. Taf. 34, Fig. 6, 7. 

1872— 75. — —  Geisırz. Elbthalgeb. II. p. 26. Taf. 7, Fig. 5—15 (woselbst die ältere Literatur). 
1878. — —-  DBenrens. Z. D. G. G. Bd. 50. p. 252. u. ö. 


Diese häufig vorkommende Art findet, sich in mehreren Varietäten: 

1) Rh. plicatilis s. str. Hierher gehören F. Rormer’s Originale. 

2) var. octoplicata — Terebratula octoplicata Quenst. Brachiop. Taf. 41, Fig. 72, 73 (von Oppeln). 

3) var. Mantelliana — Terebratula Mantelliana Sor., in Oppeln selten. 

4) var. pisum = Terebr. cf. pisum QUENSTEDT, Brachiopoden Taf. 41, Fig. 74—76 (von Oppeln). 

Ihr gehört die Mehrzahl der Oppelner Exemplare an. 

In Oppeln in allen Stufen sehr häufig, in Groschowitz noch unbekannt. Unt. Turon von Nieder- 
schlesien, Labiatusschichten Sachsens, Strehlener Plänerkalk, in Böhmen von den Korycaner bis in die Tep- 
litzer Schichten, unteres Turon von Wollin, Scaphitenpläner Westphalens, Zone der Hol. planıs und Zone 
des Epiaster brevis im Pariser Becken u. ö. 


Terebratulidae Kıyc. 


Terebratula semiglobosa Sow. 


1868—71. Terebratula semiglobosa Quesstent. Brachiop. p. 378. Taf. 48, Fig. 49, 51. 


1870. _ — F. Rormer. Oberschlesien. p. 313. Taf. 34, Fig. 9. 
1872— 175. —_ _ Gemizz. Elbthalgeb. II. p. 23. Taf. 7, Fig. 4a, 4b. 
1878. — —_ BeuRrens. 1. c. p. 259. 

1889. —_ _ Frıc. Teplitzer Schichten. p. 87, Fig. 88. 


Sehr variabel und häufig mit 7. carnea Sow. identificirt. Als solche werden flachere Formen be- 
zeichnet, welche deutlich concentrisch gekielt sind. Dieselben bilden in Oppeln etwa '/, der gesammten Menge. 
Eine der häufigsten Arten in den Brongniarti- und Scaphitenschichten von Oppeln, bereits in Groschowitz. 


Sehr verbreitet. Plänerkalk von Strehlen, Teplitzer Schichten, Turon von Wollin, Scaphitenschichten 
Westphalens, oberes Turon von England. 


Pecten cretosus DErFR. 45 


Terebratulina gracilis SchLorn. 


1864—66. Terebratulina gracilis ScuuöngacH. Palaeontographica XII, p. 287 (ältere Lit.) 


1870. — — F. Roruer. Oberschlesien. pp. 314, 343. Taf. 37, Fig. S, 9. 
1372 —75. —_ — Geiz. Elbthalgeb. II. p. 24. Taf. 7, Fig. 18 (cum syn.) 
1878. —_ rigida BeHrens. Wollin. p. 254. 

18339. _ gracilis Frıc. Teplitzer Schichten. p. 88, Fig. 89. 


Diese Art findet sich selten in Brongniarti-Kalkmergel von Groschowitz, häufiger in den gleichaltrigen 
Schichten in Oppeln in meist sehr kleinen, ca. 3 mm hohen Exemplaren, deren Vorkommen sich fast aus- 
schliesslich auf gewisse thonige Bänke, mit welchen die Brongniartizone nach oben abschliesst, in den 
Brüchen südlich und nördlich der Stadt beschränkt. Auch von der Rothen Mühle bei Bladen durch F. 
RoEMmer bekannt. 

Oberer Plänerkalk von Strehlen, Teplitzer Schichten, oberes Turon von Wollin, Leitfossil der Brong- 
niartizone im Pariser Becken; auch in der Scaphitenzone Nordwestdeutschlands und besonders in England. 


Terebratulina striatula Maxr. 


1366. Terebratulina chrysalis ScaLöngacHh. Pal. Studien über Kreide-Brachiop. Taf. 38, Fig. 3. 


1870. — striata F. Rosmer. Oberschlesien. p. 314. Taf. 34, Fig. 8. 

1571. — striatula Quesstepr. Brachiopoden. Taf. 44, Fig. 29, 30. 

1872— 75. —_ —  Gemisz. Elbthalgeb. I. p. 155. Taf. 36, Fig. 39—41 (cum syn.) 
1889. _ chrysalis Frıc. Teplitzer Schichten. p. 88, Fig. 90. 

1893. — —_ — Priesener Schichten. p. 103. 


Nicht ganz selten in Groschowitz und den nördlichen Brüchen von Oppeln, aber meist in kleinen 
Exemplaren. 
Sehr verbreitet im Turon und Senon. 


Mollusca. Lamellibranchiata. 
Anisomyaria Nrum. 
Fam. Peetinidae Lam. 


Pecten Dujardini A. Rorm. 


1834. Pecten ternatus GoLvruss. ]. c. II. p. 52. Taf. 91, Fig. 13. 
1870. —  Dujardini F. Rormer. Oberschlesien. p. 316. Taf. 37, Fig. 5. 
1872—75. Pecten Dujardini Geiz. Elbthalgeb. II. p. 34. Taf. 10, Fig. 10—13 (cum syn.) 


Sandiger Mergel westlich von Bladen. 
Sehr selten in den Brüchen südlich von Oppeln. Sonst sehr verbreitet. 


Pecten cretosus DEFRANCE. 


1870. Pecten cretosus F. Roemer. Oberschlesien. p. 316. Taf. 37, Fig. 6. 
172. —_ — _ Gemmmz. Elbthalgeb. II. p. 34. Taf. 10, Fig. 5, 6 (cum syn.) 


In Oppeln selten. Sonst weit verbreitet. 


46 


Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Pecten Nilssoni GoLDr. 
1834. Pecten Nilssoni GoLvruss. II. p. 76. Taf. 99, Fig. 8. 


1841. — — A. Rormer. Nordd. Kr. p. 50. Taf. 8, Fig. 5. 

1846. —_ — A.E. Reuss. Böhm. Kr. II. p. 26. Taf. 39, Fig. 1—3. 
1872. — —  Gemımz. Elbthalgeb. II. p. 33. Taf. 9, Fig. 15—18. 
1878— 93. — —  Fkıc. Studien böhm. Kreideform. II—V. 

1878. _ — Benrens. Z. D. G. Bd. 30, p. 259. 


Aus den nördlichen und südlichen Brüchen von Oppeln und dem kalkigen Mergel von Bladen. Sehr 


verbreitet im böhmisch-sächsischen Turon. Oberes Turon von Wollin. Sonst Senon. 


Pecten sp. 
1870. Pecten sp. F. Rormer. Oberschlesien. p. 340. 
Die Stücke aus dem sandigen Mergel von Bladen erlauben keine nähere Bestimmung. 


Vola quinquecostata Sow. 


1870. Janira quinquecostata F. Rormer. Oberschlesien. p. 340. 
1872—75. Vola Geinızz. Elbthalgeb. I. p. 201. Taf. 45, Fig. 8, 9. II. Taf. 10, Fig. 17, 18 (cum syn.) 


Im sandigen Mergel von Bladen. 
Die Art ist vom Cenoman bis ins Senon verbreitet. 


Fam. Limidae D’Ore. 


Lima Hoperi Manr. 


1870. Lima Hoperi F. Roermer. Geol. v. Oberschlesien. p. 315. Taf. 34, Fig. 10. 
1872—-75.— -— Gemurz. Elbthalgeb. II. p. 40. Taf. 9, Fig. 11, 12. 


Diese Art ist in Oppeln gegen Rormer’s Angabe sehr selten; sie findet sich jedoch in sehr grossen 


Exemplaren. Nicht selten im böhmisch-sächsischen gesammten Turon; Mergel von Lysolaye (Lublin), Cuvieri- 
zone Nordfrankreichs. Mucronatenschichten von Aachen. 


Lima Sowerbyi Gein. 


1872—77. Lima Sowerbyi Geiz. Elbthalgeb. II. p. 41. Taf. 9, Fig. 15, 14. 
1878. —_ _ Frıc. Weissenberger Schichten. p. 133. Fig. 120. 


Die Schale ist nicht oder nur schwach gestreift, stärker, nur die Form runder und weniger schief, 


als bei L. Hoperi, der Winkel der Seitenkanten sehr stumpf. Diese Art ist von L. Hoperi bestimmt zu 
trennen. Sie besitzt eine bedeutendere Breite und Wölbung als diese. 


Findet sich selten in Oppeln. Kommt im mittleren und oberen Turon Sachsens, den Weissenberger 


und Teplitzer Schichten Böhmens vor. 


Inoceramus Brongniarti Sow. 47 


Lima elongata Sow. 


1570. Lima elongata F. Roener. Oberschlesien. p. 343. Taf. 29, Fig. 1. 
1872— 75. — —  Gemızz. Elbthalgeb. II. p. 40. Taf. 9, Fig. 9—-10 (cum syn.) 


Kalkmergel von Bladen. In Cenoman und Turon weit verbreitet. 


Lima pseudocardium Revss. 


1872—75. Lima pseudocardium Gemwızz. Elbthalgeb. II. p. 204. Taf. 42, Fig. 14, 15. 
1878. _ _ Frıc. Weissenb. und Maln. Schichten. p. 133, Fig. 120. 


Kalkmergel der rothen Mühle bei Bladen. Cenoman und Turon der sächsisch-böhmischen Provinz. 


Fam. Pernidae Zımr. 


Inoceramus GOLDE. 


Da diese Gattung trotz der zahlreichen Behandlung durch mehrere Autoren, darunter ZınteL, Ger- 
sıTz und SCHLÜTER, noch immer der Bestimmung die grössten Schwierigkeiten bereitet, so muss hier näher 
auf dieselbe eingegangen werden. Wir weichen nur wenig von SchLüörer‘! ab, dessen Nomenclatur wir im 
ganzen aufnehmen und nach dessen Vorbilde wir vorzugsweise die trefllichen GoLpruss’schen Abbildungen 
zu Grunde legen. 


Inoceramus Brongniarti Sow. 


Unter diesem Namen sind bereits zahlreiche Varietäten vereinigt worden, die vielleicht später wieder 
als Arten getrennt werden dürften. Allein zahlreiche Uebergänge erschweren die Trennung und rufen den 
Eindruck hervor, dass hier Reihen vorliegen, welche der Entwickelung aus einer Stammform zu verdanken 
sind. Dieselbe stellt sich folgendermassen dar: 


Luz In. Oripsii Max. 
Zone | 
iten- DD 
nn In. Cwieri Sow. In. planus Mäxst. 
Turon In. inaequivalvis SckLür. | | 
Brongniarti- 
Zone In. cordiformis Sow. In. annulatus Gpr. In. alatus Gnr. Im. Brongniarti Sow. In. latus Sow. 
Labiatus- S Be 
Zone 
\ In. striatus Geın. : In. labiatus Sow. 
Cenoman | 
! In. bohemicus 
Gault In. concentricus Park. 


t Palaeontographica XXV. Zur Gattung Inoceramus. 


48 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Als Stammform ist der cenomane Inoceramus bohemicus zu betrachten (s. oben). 
Wir unterscheiden im oberschlesischen Turon folgende Varietäten (Inoc. striatus GEN. p.p. ist auf 
das sächsische Turon beschränkt): 


1) Inoceramus cordiformis Sow. 
_ — Goupruss, Petr. Germ. Taf. 110, Fig. 6b. 


Diese hochgewölbte Varietät characterisirt sich durch den Steilabfall der vorderen Seite und erinnert 


durch die starke Krümmung des schmalen Wirbels der rechten Schale bereits an Inoceramus involutus aus 
dem Emscher. Sie findet sich in Oppeln nicht selten, besonders in der Brongniartizone. 


9) Inoceramus inaequivalvis SCHLÜT. 
— striatus GoLpruss. Petr. Germ. Taf. 112, Fig. 2. 


Diese ungleichklappige Varietät findet sich nicht selten im Oppelner Turon, besonders der Scaphiten- 
zone, sowie in beiden Turonstufen von Bladen. 


2) 


3) Inoceramus alatus GoLpruss. Petr. Germ. Taf. 112, Fig. 3. 


Diese seltene Varietät ist durch einen starken Flügel ausgezeichnet. Die Schale ist mässig gewölbt 
und trägt weniger hohe Falten. Der Wirbel ist spitz. 

Es liegt mir nur ein grosses Exemplar dieser Varietät aus der Brongniartizone von Oppeln S. vor, 
ein kleineres aus der Scaphitenzone von Bladen und die als In. undulatus bezeichneten Jugendexemplare. 


4) Inoceramus annulatus GoLpruss. Petr. Germ. Taf. 110, Fig. 7. 


Diese flache Varietät besitzt nur einen sehr kleinen Flügel; die Falten sind äusserst regelmässig. 
Ihr gehören die meisten Oppelner Exemplare an, darunter die grössten, welche eine Länge bis 40 cm erreichen. 


4) Inoceramus Brongniarti Sow. sensu stricto. 
— — Goupruss. Petr. Germ. Taf. 111, Fig. 3. 

Diese Varietät ist in Oppeln verhältnissmässig selten; sie findet sich noch im Scaphitenmergel, 
sowohl in Oppeln wie in Bladen. 

Unter dem Namen Inoceramus undulatus hat A. Roemer (Nordd. Kreide, p. 63, Taf. S, Fig. 12) 
ein kleines Exemplar aus dem Oppelner Turon abgebildet, das wie die daselbst nicht selten auftretenden mit 
dieser übereinstimmenden Exemplare mit breitem Flügel, über welchen sich die Falten fortsetzen, als Jugend- 
zustände des Inoc. alatus aufzufassen ist. Die Schalen, welche zu dieser Art gehören, sind sehr flach, die 
Wirbel nach dem Flügel zu eingerollt. Möglicherweise stellen sie jedoch nur den Jugendzustand der ganzen 
Art dar, der sich bei var. alatus am besten erhalten hat. 


Inoceramus labiatus SCcHLoTH. 


1822. Inoceramus mytiloides Manzerr. Sussex. Taf. 20, Fig. 2. 
1826—33. — _ Gouoruss. ]. c. Taf. 113, Fig. 4. 
1846, —_ = Revss. Böhm. Kreide. Taf. 37, Fig. 16. 
1870. _ latus F. Roemer. Oberschlesien. Taf. 134, Fig. 12. 


Pinna spec. 49 


Der In. labiatus erscheint in zwei Varietäten, einer schmäleren (mytxloides) und einer breiteren, 


welche schon In. latus Sow. nahe steht. 


In. labiatus findet sich in Oppeln noch im Brongniartimergel und der Scaphitenzone, von wo er 


nur noch aus dem Pariser Becken bekannt ist. 


STROMBECK im Scaphitenpläner Nordwestdeutschlands. 


Brüche (Scaphitenzone), sowie besonders in den 
obersten Bänken der nördlichen Brüche von Oppeln. 


Inoceramus latus Sow. 


Min. Conchol. p. 610. Taf. 582, Fig. 1, 2. 


18520. Imoceramus latus SOWERBY. 
Pal. franc. eret. Acephal. p. 513. Taf. 408, Fig. 1, 2. 


1843. _ — D’/ORBIENY. 


Sehr selten in den höheren Lagen der nördlichen Brüche von Oppeln (Scaphiten-Schichten). Nach 
Französisches und englisches Turon. 


Inoceramus Cuvieri Sow. 


1820. Imnoceramus Cuvieri Sowergy. Min. Conchol. Taf. 441, Fig. 1. 


1322. _ Lamarcki MaxterL. Sussex. Taf. 27, Fig. 1. 
_ Brongniarti — — Taf. 27, Fig. 8. 


Cuvieri GoLpruss. 1. c. Taf. 111, Fig. 1. 


Häufig in den oberen Lagen der südlichen 


Inoceramus Cripsii Mant. — Textfigur 6. 


1322. Inoceramus planus v. Münster bei GoLDruss. 
Taf. 113, Fig. 1a—c. 

Diese sonst nur aus dem Senon von Halden 

bekannte breite, flache Form mit concentrischer 

Streifung, welche SCHLÜTER zu Im. Oripsii zieht, 

liest nur in einem Exemplar von Oppeln vor. 


Fig. 6. Inoceramus Cripsii Mant, t/, d. nat. Gr. 


Fam. Pinnidae Gray. 


Pinna spec. 
1870. Pinna spec. F. RoEmEr. Geol. von Oberschlesien. p. 344. 


Das Stück aus dem (Scaphiten-) Kreidemergel von Hohndorf erlaubt keine nähere Bestimmung. 


Palaeontographica. Ed. XLIYV. 


50 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Fam. Spondylidae Graz. 


Spondylus spinosus Sow. 


1814. Plagiostoma spinosum Sowerey. Min. Conchology I. Taf. 78. 
1870. Spondylus spinosus F. Rormer. Oberschlesien. p. 315. Taf. 34, Fig. 11. 
1875. — —  Gezimumz. Elbthalgeb. II. p. 31. Taf. 9, Fig. 1—3 (Lit.) 


Der häufigste Zweischaler des Oppelner Turon. Bereits im Groschowitzer Kalkmergel. 


Spondylus latus Sow. 
1814. Diauchora lata Sowerey. Min. Conchol. Taf. 80, Fig. 2. 


1822. 2 obligqua Manteiv. Sussex. Taf. 25, Fig. 1; Taf. 26, Fig. 12. 

1834—46. Spondylus lineatus Gororvss ]. c. Taf. 106, Fig. >. 

1850. — latus Dixon. Sussex. Taf. 28, Fig. 30, 31. 

1870. —_ striatus F. Rosmer. Oberschlesien. p. 315. Taf. 37, Fig. 4. 

1872— 75. _ latus Geinızz. Elbthalgeb. I. p. 187. Taf. 42, Fig. 4—6. II. Taf. 8, Fig. 18—21. 


Das Original F. Rormer's, Taf. 37, Fig. 4, ist ein Schalenexemplar; der vorstehende Rand auf der 
Zeichnung gehört der festgewachsenen Unterschale an. 
Nicht selten in den nördlichen Brüchen von Oppeln. 


Spondylus striatus Sow. 


1815. Diauchora striata Sowerey. Min. Conch. Taf. 80, Fig. 1. 
1834—46. Spondylus striatus Gorpruss. 1. c. ‚Taf. 106, Fig. 5. 


1346. — —  Reuss. Böhm. Kreide. II. p. 37. Taf. 40, Fig. 5, 10, 11. 
1870. —_ — F. Rormer. Oberschlesien. p. 315 p.p. Taf. 37, Fig. 3. 
1372—75. Gemirz. Elbthalgeb. I. p. 156. Taf. 42, Fig. 1, 2. 

1878. — —  Bearens. Z.D. G. Ges. XXX. p. 259. 

1878. _ —  Ferıc. Weissenb. Schichten. p. 138. 


Die Wölbung der Schalen dieser Art ist stärker als bei Sp. lafus, ihre grösste Höhe liegt dem 
Rande näher als dem Wirbel. Die Rippen sind minder zahlreich und gröber. 

Selten in Oppeln N. Diese sonst im Cenoman verbreitete Art findet sich auch in den Weissen- 
berger Schichten und dem unteren Turon von Wollin. 


Fam. Ostreidae Lam. 


Exogyra lateralis Nınss. 
1870. Exogyra lateralis F. Rormer. Oberschlesien. p. 341. Taf. 29, Fig. 4, 5. 


1872—75. — —  Geinırz. Elbthalgeb. I. p. 179. Taf. 41, Fig. 283—35. II. Taf. 8, Fig. 15—17. 
1871. —  canaliculata Srouıczka. Cret. Faun. South India, Pelecypoda, p. 463. Taf. 48, Fig. 6—8. 
1887. — = G. Mürter. Jahrb. preuss. geol. Landesanst. p. 402. 

1889. —  lateralis Houzarrer. Aachener Kreide. Palaeontogr. XXXV. p 256. 


Einzelne Klappen dieser verbreiteten Art sind nicht selten. 
Sandiger Mergel westlich von Bladen (unt. Turon). Vom Cenoman bis ins Senon verbreitet. 


Crassatella reeularis D’ORe. 51 


Ostrea semiplana Sow. 


0. Ostrea sulcata F. Roener. Oberschlesien. p. 341. Taf. 29, Fig. >. 
2—75. Ostrea semiplana Gemuz. Elbthalgeb. II. p. 29. Taf. S, Fig. S—-11, cum syn. 
1888. — _ Horzarrer. Moll. der Aachener Kreide. p. 251. Taf. 28, Fig. 5, 6. 


Nicht selten im sandigen Mergel W. von Bladen bei Leobschütz. Cenoman bis Senon. 


Ostrea hippopodium Nızss. 


1870. Ostrea hippopodium F. Rormer. Oberschlesien. p. 317. Taf. 37, Fig. 7. 
1889. _ — Horzaprer. Aachener Kreide. Palaeontogr. XXXV. p. 252. Taf. 29, Fig. 3—7. 


Sehr häufig im Brongniartimergel von Groschowitz und Oppeln. Die Art ist in der ganzen oberen 
Kreide verbreitet. 


Homomyaria. 

Fam. Arcidae Lam. 
Cucullaea Lan. 
Subgenus: Idomearca Üonr. 
Cucullaea glabra Geimutz. 


1872—75. Arca glabra Grmimz. Elbthalgeb. I. p. 251. Taf. 49, Fig. 1-3. — Bladen bei Leobschütz. 


Cucullaea Passyana »’Ore. 
5 1843. Cucullaea Passyana v’OrzBıeny. Pal. france. Terr. cret. Taf. 327, Fig. 1, 2. 


Einige Steinkerne von übereinstimmender Form mit der französischen Art. — Kalkmergel von Bladen. 


Fam. Trigoniidae Lam. 
. Trigonia cf. parvula Reuss. — Textfigur 7. 
1846. Trigonia parvula Reuss. Verst. böhm. Kreidef. II. p. 5. Taf. 41, Fig. 4. 
Ein Steinkern, der mit der Reuss’schen Art in der Form völlig überein- 


stimmt, jedoch die doppelte Grösse besitzt, wurde von mir in der Brongniarti- _. ER: 
Fig.7. Trigonia cf. parvula Reuss. 
Zone von Oppeln 8. gefunden. 


Die Reuss’sche Art stammt aus secundärer Lagerstätte, den Pyropensanden von Trziblitz. 


Fam. Crassatellidae Zımr. 


Crassatella regularis D’Orz. 


1870. Crassatella regularis F. Rormer. Oberschlesien. p. 339. Taf. 29, Fig. 8. 
187275. — — Gemurz. Elbthalgeb. I. p. 225. Taf. 50, Fig. 4, cum syn. 
1878 


— — Frıc. Weissenb. und Malnitzer Schichten. p. 114, Fig. 71. 


529 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Sandiger Mergel von Bladen bei Leobschütz (Brongniartizone). 
Unterer Pläner von Plauen, Plänerkalk von Strehlen, Malnitzer Schichten in Böhmen, senoner Grün- 
sand von Kiesslingwalde, nordfranzösisches Senon. 


Fam. Lucinidae Dssn. 


Mutiella Ringmerensis Manr. var. sudetica. — Taf. er Zu, 


1370. Corbis rotundata F. Roruer. Oberschlesien. p. 340. 

1572—75. Mutiella Ringmerensis Geinızz. Elbthalgeb. II. p. 61. Taf. 16, Fig. 11—13. 

1378. = En Fric. Weissenb. und Maln. Schichten. p. 115, Fig. 75. 

Die von F. Rormer mit Corbis rotundata D’Ore. (Pal. fr. Taf. 280) identifieirten Steinkerne weichen 
von dieser durch stärkere Wölbung der Schale und stark entwickelte Anwachsstreifen ab und erinnern, wie 
Frıc ]. c. hervorhebt, an Corbis cordiformis D’Ore. (Taf. 281, Fig. 1, 2) aus dem französischen Neocom. 
Sie schliessen sich an M. Röngmerensis Gen. an, dessen Gleichstellung mit M. rotundata »'Ore. und M. 
coarctata ZirT. aus der Gosau indessen zu verwerfen ist. Die Exemplare von Bladen sind mit einem Theile 
der böhmischen als Varietät zusammenzufassen, die var. sudetica heisse. 

Sandiger Mergel von Bladen; Unterpläner (Weissenb. und Malnitzer Schichten) von Böhmen. 


Fam. Cardiidae Lam. 


Cardium subdinnense n’Ore. 


1843. Cardium subdinnense D’Orzısny. Terr. cret. p. 35. Taf. 250, Fig. 1—3. 
1370. — - F. Rosmer. Oberschlesien. p. 342. Taf. 29, Fig. 7. 


Turoner Kalkmergel an der rothen Mühle bei Bladen: französisches Turon. 


Fam. Tellinidae Lam. 
Tellina latistriata nov. nom. 

1870. Arcopagia circinalis F. Roruer. Oberschlesien. p. 3. Taf. 29, Fig. 9. 

Die von F. Rormer abgebildete Art stimmt keineswegs mit A. eörcinalis D’OrB. und auch sonst 
mit keiner der bisher bekannten Arten völlig überein. Die Oberfläche ist mit regelmässigen, scharfen, von 
einander weit abstehenden concentrischen Linien bedeckt. Nur ein Theil des hinteren Schalentheiles ist 
mit stärkeren Radialrippen versehen. 


Fam. Solenidae Lam. 


Siliqua truncatula Rauss. 


1846. Leguminaria truncatula Revss. Verst. böhm. Kreideform. Taf.. 36, Fig. 16, 17. 
1370. _ —_ F. Roeser. Oberschlesien. p. 342. 
1378. Siligua — Frıc. Weissenb. und Maln. Schichten. p. 123, Fig. 75. 
1393. = — — Priesener Schichten. p. 97. 


Gastrochgena cf. Ostreae GEN. 53 


Steinkerne aus dem Kalkmergel von Bladen. Weissenberger und Priesener Schichten in Böhmen. 
Zwei Schalen aus dem Kalkmergel von Oppeln. 

Schalen vierseitig, schmal. Die zarten Anwachsstreifen laufen concentrisch dem Hinter- und 
Aussenrande parallel. 


Fam. Myidae Des#. 
Corbula cf. angustata Sow. 
1864. Corbula angustata Zimmer. Bivalven der Gosaugebilde. p. 8. Taf. 1, Fig. Sa—t. 


Zwei kleine Schalen aus dem Kalkmergel von Groschowitz stimmen mit dieser Art nahezu überein. 


Fam. Gastrochaenidae Grar. 
Gastrochaena amphisbaena Gornpruss. — Textfigur 8. 


1526—32. Serpula amphisbaena Goıpruss. ]. c. I. Taf. 70, Fig. 16. 
1545. Serpula amphisbaena Rzuss. Böhm. Kreide. I. Taf. 5, Fig. 29, 32. 


1350. Teredo —_ Dixox. Sussex. Taf. 28, Fig. 35. 

1570. —_ —_ F. Rorwmer, Oberschlesien. p. 317, Taf. 34, 
Fig. 14, 15. 

1571. Gastrochaena aspergilloides Srorıczra. Cret. F. Ind. Taf. 1, Fig. 11. 

1872. — amphisbaena Geinizz. Elbthgeb. I. Taf. 52, Fig. S—12. 

1837. E= — Mütter. Jahrb. pr. geol. L.-A. p. 436. 


Im sandigen Mergel W. von Bladen, sowie nicht selten im 
Kalkmergel von Groschowitz und dem Scaphitenmergel der ÖOppelner 
Brüche. Die Schale des Thieres selbst ist nirgends erhalten, es liegen 
nur Bohrgänge von guter Erhaltung in grosser Menge vor. Dieselben 
sind von Kalkmergel ausgefüllt; ihre Wände sind mit Kalkspath aus- 
gekleidet und tragen in regelmässigen Abständen Ringe. Die Form der 
Gänge ist grösstentheils geradlinig; nur der Beginn der Röhre ist durch 
eine Biegung derselben bezeichnet. Die Dicke der Bohrgänge ist sehr 
verschieden und schwankt zwischen 3—15 mm im Durchmesser. Die 
einzelnen Gänge behalten jedoch ihre Mächtigkeit fast in der ganzen 
Erstreckung gleichmässig bei. Auch hierin ist das Roemer’sche Original 
nicht ganz richtig aufgefasst und gezeichnet; dasselbe besteht aus zwei 
in einander laufenden Bohrgängen von ganz verschiedener Dicke. 

Im Turon sehr verbreitet. Fig. 8. Gastrochaena amphisbaena GoLDpr. 


Gastrochaena cf. Ostreae Gem. 
1872—75. Gastrochaena Ostreae Geinıtz. Elbthalgeb. I. p. 234. Taf. 51, Fig. 11—18. 
Nicht die innere Schale, nur die keulenförmige Röhre, die sich schnell verengt, wurde mir in einem 
Exemplare aus dem Brongniarti-Kalkmergel von Groschowitz bekannt. 
Sonst nur aus dem böhmisch-sächsischen Cenoman bekannt. 


feiner, senkrecht zu ihnen verlaufenden, concentrischer Streifung. 


Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Scaphopoda. 


Dentalium polygonum Revss. 
1845. Dentalium polygonum Reuss. Verstein. böhm. Kreide, p. 41, Taf. 11, Fig. 5. 


1870. == decussatum F. Rormer. Oberschlesien, p. 342, Taf. 29, Fig. 14. 
1875. _ Rotomagense Geisırz. Elbthalgeb. II. p. 179, Taf. 30, Fig. 5. 
1889. E— polygonum Frıc. Priesener Schichten, p. 91, Fig. 101. 


Schwach gebogen, Durchschnitt rund, mit abwechselnd starken und schwachen Längsrippen und 


bildung gezogene Art scheint die gleichen Merkmale zu besitzen. 
Fundort: Kalkmergel an der rothen Mühle bei Bladen. Plänerkalk von Strehlen, Priesener Schichten. 


Spirallinien durchzogen und diese von Anwachslinien durchschnitten. 


Gastropoda. 
Fam. Pleurotomariidae n’Ore. 


Pleurotomaria linearis Manr. 
1822. Trochus linearis MAnterL. Sussex, 'p. 110, Taf. 18, Fig. 16, 17. 


1840. Pleurotomaria distineta Gsinızz. Char. II. p. 46, Taf. 13, Fig. S; Taf. 15, Fig. 18, 19. 


1841—44. _ —  Gorpruss. 1. c. III. p. 75, Taf. 187, Fig. 1. 

1541 —44. = velata — — p. 76, Taf. 187, Fig. 2. 

1841—44. — granulifera — — p- 76, Taf. 187, Fig. 3. 

1845 —46. — Iimearis Geinırz. Grundr. der Verstein. Kreide, p. 355, Taf. 15, Fig. 1. 
1846. — —  Reuss. Böhm. Kreide. I. p. 47. 

1850. - perspectiva Dıxox. Sussex, p. 358, Taf. 27, Fig. 27. 

1870. _ linearis F. Roemer. Oberschlesien, p. 318 p.p. Taf. 35, Fig. 2. 

1872. — —  Geimızz. Elbthalgeb. II. p. 165, Taf. 29, Fig. 10. 

1889. _ —  Feriıc. Teplitzer Schichten, p. 74, Fig. 48. 


Die von GEınıtz zu F. Roemer’s Ab- 


Die sehr niedrige Schale dacht sich gleichmässig und fast eben ab. Die Oberfläche ist von feinen 


Streifung der fiach gewölbten Basis und eine Kante in der Mitte jedes Umganges. 
Häufig im Scaphitenmergel von Oppeln, seltener im Groschowitzer Brongniartikalk. Sehr ver- 


breitet im Turon und Senon. 


Pleurotomaria perspectiva Manr. 


1822. Cirrus perspectivus Masterr. Sussex, p. 194, Taf. 18, Fig. 1221. 
1842. Pleurotomaria perspectiva vD’OÖrBIGNY. Pal. france. Terr. eret. II. p. 255. 


1870. - linearis F. Rormer. Oberschlesien, p. 318 p.p. Taf. 35, Fig. 1. 
1872—74. _ perspectiva Geinırz. Elbthalgeb. II. p. 166, Taf. 29, Fig. 11. 
1889. _ — Frıc. Teplitzer Schichten, p. 74, Fig. 49. 


Das Gewölbe ist höher als bei Pl. linearis, die Basis ebener, der Nabel enger. 


der Oberfläche zeigen keine Körnelung durch Anwachslinien. 
Turon von Oppeln S. Plänerkalk von Strehlen, Teplitzer Schichten, Kreide von Sussex und Kent. 


Charakteristisch ist die concentrische 


Die Spirallinien 


Aporrhais (Lispodesthes) ef. Reussi Grıy. 55 


Fam. Fissurellidae Rısso. 


Emargulina Buchi Geıix. 


1370. Emargulina Buchi F. Rosuer. Oberschlesien, p. 339, Taf. 29, Fig. 13. 
1872—75. — —  Gemızz. Elbthalgeb. I. p. 259, Taf. 58, Fig. 1. 


Brongniartimergel von Bladen; Cenomaner Grünsand von Oberau. 


Fam. Natieidae ForBEs. 


Natieca Gentii Sow. 


1870. Natica canaliculata F. Rormer. Oberschlesien, p. 339, Taf. 29, Fig. 15. 
1872—75. — Gentü Gemuez. Elbthalgeb. I. p. 244, Taf. 54, Fig. 16; Taf. 29, Fig. 12—14, cum syn. 


Wenige Steinkerne liegen aus dem sandigen Mergel von Bladen vor. Die Art ist vom Cenoman 


bis ins Senon verbreitet. 


Fam. Turritellidae Gray. 


Turritella sexlineata A. Roruer. 


1370. Turritella sexlineata F. Rosmer. Oberschlesien, Taf. 29, Fig. 10. 
1388, _ — Horzaprer. Aachener Moll. I. p. 160, Taf. 20, Fig. 21—26, cum syn. 


Das Rorumer'sche Original gehört dem sonst auch als gwingquelineata bezeichneten Stadium an, in 
dem der sechste Gürtel noch fehlt. 


Turoner Kalkmergel von Bladen. Turon und Senon. 


Turritella spec. 
Steinkerne, die zu dieser Art zu rechnen sind, liegen aus dem sandigen Mergel (Brongniartizone) 
von Bladen vor. 
Fam. Aporrhaidae ParLıppr. 
Aporrhais Divvey. 


Subgenus: Zispodesthes WEITE. 


Aporrhais (Lispodesthes) cf. Reussi Grm. — Textfigur 9a, b. 
1540—43. Rostellaria Reussi Geisızz. Char. p. 71, Taf. 18, Fig. 1. 
1345—46. _ — .. Reuss. Böhm. Kreide, p. 45, Taf. 9, Fig. 9. 
1851. —_ Parkinsoni Broxs. Lethaea geoen. 3. Aufl. p. 315, Taf. 321, Fig. 7. 
1812—75. _ Reussi Geinirz. Elbthalgeb. II. p. 169, Taf. 50, Fig. 9—11. 


1393. Aporrhais Reussi Frıc. Priesener Schichten, p. S4, Fig. 76. 


Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


or 
{er} 


Das Original, bisher das einzige Exemplar, von 
Oppeln S. ist stark verstümmelt; die ersten Um- 
gänge und der Flügel fehlen. Die Querrippen sind’ 
kräftig und von einander um mehr als Eigenbreite 
entfernt. Sie stehen senkrecht zur Spindel, treten 
im letzten Umgange stark hervor und vereinigen 
sich nach unten zu rasch. Auf dem letzten Um- 
gange sind deutliche Spirallinien vorhanden. 


Strehlener Pläner, sächsischer Baculitenmergel, 
Teplitzer und Priesener Schichten, Marterberg- 
Schichten bei Passau. 


Fig. 9a. Fig. 9b. 
Aporrhais cf. Reussi Gein. °/, d. nat. Gr. 


Helicaulax Buchi Münstzr. 


1870. Rostellaria cf. Buchi F. Rosmer. Oberschlesien, p. 342. 
1872—75. — —  Gemıtz. Elbthalgeb. II. p. 171, Taf. 30, Fig. 14. 
1378. — —  Frıc. Weissenb. und Malnitzer Schichten, p. 107, Fig. 51. 


Kalkmergel von Bladen. Strehlener Plänerkalk, Malnitzer Schichten, Priesener Schichten (nach 
Reuss), Senon von Haldem. 
Aporrhais spec. 
1870. Rostellaria spec. F. Rormer. Oberschlesien, p. 339, Taf. 29, Fig. 12. 
Ein speeifisch unbestimmbarer Steinkern aus dem Kalkmergel von Bladen. 


Fam. Volutidae Gray. 
Volvaria tenuis Reuss. — Taf. \, Fig. 6. 
1845. YVolvaria tenuwis Reuss. Böhm. Kreide, p. 50, Taf. 9, Fig. 20. 


Die Form ist eylindrisch, eingerollt, oben und unten sich wenig verschmälernd, das Gewinde nicht 
hervortretend. Die Oberfläche ist mit feinen Spirallinien bedeckt, die Spindel trägt vorn drei sehr schiefe 


Querfalten. 
Das Original stammt aus dem unteren Kalkmergel von Groschowitz, Nach Reuss im Plänermergel 


von Luschitz, Priesen und Postelberg (Priesener Schichten). 


Cephalopoda, 
Nautilus rugatus Fritsch und SCHLOENBACH. 


1870. Nautilus elegans F. Roemer. Oberschlesien, p. 319, Taf. 35, Fig. 4. 

1872. — rugatus FRITsSCH und SCHLOENBACH. Cephalop. der böhm. Kreide, p. 23, Taf. 12, Fig. 2. 
1872—75. — -- Geisızz. Elbthalgeb. II. p. 181, Taf. 31, Fig. 16. 

1873. - —  Schtürer. Cephalop. der oberen deutschen Kreide I. p. 173. 


Desmoceras clypealoides n. sp. 57 


Der grössere Theil der Oppelner Nautileen, welche ausserordentlich schlecht erhalten sind, gehört 
zu dieser Art, wie die scharfe Rippung andeutet. Die Originale RoemEr’s waren als N. elegans bestimmt, 
von GEINITZ aber bereits zu rugatus gezogen. 

Brongniarti- und Scaphitenzone. 


Nautilus sublaevigatus D’Ore. 


1573. Nautilus sublaevigatus REDTENBACHER. Cephalopodenfauna der Gosauschichten, p. 95, Taf. 22, Fig. 1. 
13872—75. — — Gzinıtz. Elbthalgeb. II. p. 182, Taf. 32, Fig. 1—3, cum syn. 


Schale glatt, eng genabelt; die Scheidewände sind anfangs schwach gebogen und verlaufen dann 
gerade. Es sind schwächere und dickere Varietäten zu unterscheiden. 

Nicht selten im Turon von Oppeln. Im gesammten sächsischen und böhmischen Turon, den Gosau- 
schichten, dem französischen und englischen Turon, sowie der Arrsaloor-Gruppe in Indien. 


Nautilus spec. 


Die Nautiliden aus dem sandigen Mergel (Brongniartizone) von Bladen sind nicht sicher zu be- 
stimmen. Die allgemeine Form erinnert an N. sublaevigatus D’ORB. 


Rhyncholithus simplex Frırsch und Schnöngach. — Taf. VI, Fig. 1a—c. 
1872. Rhyncholithus simplex Frırsch und SchröngacH. Cephalop. der böhm. Kreide, p. 25, Taf. 11, Fig. 4, 5. 
1872—75. — — Gemutz. Elbthalgeb. II. p. 181, Taf. 35, Fig. 9. 
Ein Oberkiefer, der einem Nautilus angehört, liegt von Oppeln S. vor (Scaphiten-Schichten). 
Nach Frıtsc# in den cenomanen Korycaner-Schichten, nach Gemırz im oberturonen Strehlener 
Plänerkalke. 


Ammonoidea. 
Fam. Desmoceratidae Zımr. 


Desmoceras celypealoides n. sp. — Taf. VI, Fig. 2a, b. 
1872—76. Ammonites cf. clypealis Schtürer. Cephalop. der oberen deutschen Kreide I. (Palaeontogr. XXI), p. 51, 
Taf. 15, Fig. 9—14. 

1393. Muniericeras clypeale GrossouvrRE. Les Ammonites de la craie super. de la France, p. 24. 

Das vorliegende Exemplar, bisher Unicum, aus der Scaphitenzone von Oppeln, steht dem Desmoceras 
elypeale SCHLÜTER aus dem Untersenon des Salzbergs bei Quedlinburg sehr nahe, ohne dass man jedoch 
beide identificiren könnte. Die Umgänge sind sehr schmal, zeigen einen scharfen Rücken und sind durch 
die sichelföürmigen Rippen ausgezeichnet, welche SCHLÜTER nur auf Exemplaren mittleren Alters seiner Art 
wahrnahm und welche deutlicher sind als bei der senonen Art. Zwischen die stärkeren Rippen, welche 
sich in der Mitte theilen, schiebt sich je eine schwächere ein. Es sind 5 Labialwülste vorhanden. Die 


Lobenlinie ist nicht erkennbar. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 8 


58 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation .in Oberschlesien. 


Pachydiscus peramplus Maxr. 


1870. Pachydiscus peramplus F. Rormer. Oberschlesien, p. 319. Taf. 35, Fig. 5. 


1872. — _ SCHLÜTER. Cephalopod. der oberen deutschen Kreide. Palaeontographica XXI. p. 31. 
Taf. 10, Fig. 7—13. 

1372. — 2 Fritsch und ScHhtöngacH. Cephalopod. der böhm. Kreide, p. 38, Taf. 8, Fig. 1—4. 

1872-75. — _ Geisızz. Elbthalgeb. II. p. 189. Taf. 34, Fig. 4-7. 


Diese sehr variable Art erscheint in ihrem Jugendzustande bereits mit kräftigen Rippen. Die aus- 
gewachsenen Exemplare erreichen sehr häufig bis 60 cm im Durchmesser. Das grösste von mir gemessene 
hatte 80 und 90 cm im Durchmesser und 24 cm Nabelweite. Wie weit diese Exemplare zu P. Lewesianus 
MaAnT. zu stellen sind, ist nicht zu entscheiden, da derselbe sich nur durch den steileren Abfall der letzten 
Windung zur Nabelfläche von peramplus unterscheidet und die Lobenlinie bei dem schlechten Erhaltungszustand 


nicht nachgewiesen werden konnte. 
Im gesammten Groschowitzer und Oppelner Turon häufig. Leitfossil des Turon. 


Fam. Prionotropidae Zırr. 


Prionotropis Woolgari Manr. 
1870. Ammonites Rhotomagensis F. ROEMEr. Oberschlesien, p. 339. Taf. 29, Fig. 15. 


1372. == Woolgari SchLüörer. Cephalop. Palaeontogr. Bd. 21. p. 25. Taf. 9, Fig. 1-5; Taf. 12, Fig. 5—6. 

1872. — — Ferırsch und Schtöngaca. Cephalop. der böhm. Kreide, p. 30, T. 2, Taf. 3, Fig. 1—3; 
T. 4, Taf. 14, Fig. 6. 

13872—75. — —  Gemırz. Elbthalgeb. II, p. 184, T. 53. 


Die Bestimmung RoEMmEr's wurde von SCHLÜTER corrigirt. 
Durch Ferv. RoEMER aus dem sandigen Mergel von Bladen in Oberschlesien bekannt. 
‘ Labiatus-Pläner Sachsens. Malnitzer und Weissenberger Schichten Böhmens. Characteristisch für 
den mittleren Brongniarti-Pläner Westfalens. Untere Kreide von Lewes, französisches Turon. 


Schloenbachia Bravaisiana n’Orz. — Taf. V, Fig. 4. 
1540. Ammonites Bravaisianus v’OrgıcnY. Pal. france Terr. cret. I. Cephalop. p. 308, Taf. 91, Fig. 3, 4. 
1872. _ = Frıc und SchröngacHh. Cephalopod. der böhmischen Kreide, p. 29, Taf. 8, Fig. 5; 
Taf. 16, Fig. 1 (male!). 

Der Kiel ist glatt und scharf, die Rippen sind paarweise ungleich, die längeren am Innenrande zu 
kleinen Knoten erhöht. Die geringe Grösse des Ammoniten lässt die Vermuthung zu, dass er den Jugend- 
zustand eines unter anderem Namen bekannten darstellt. 

Das einzige vorliegende Exemplar stammt aus der Brongniartizone des Kalkmergels in Oppeln (N). 

Zuerst aus dem oberturonen Sandstein von Uchaux (Provence) bekannt, sonst nur noch im böhmi- 
schen Unter- und Mittelturon (Weissenberger- und Malnitzer Schichten). 


Helicoceras Reussianum D’ORB. 59 


Ammonitische Nebenformen: 


Bemerkung. In der Benennung der ammonitischen Nebenformen ist vorläufig noch die übliche 
Eintheilung nach Wachsthumserscheinungen beibehalten worden, obwohl die einzelnen Arten dieser künstlichen 
Gattungen, wie schon längst erkannt, aber noch nicht weiter durchgeführt worden ist, ihren Ursprung auf 
die verschiedensten Ammoniten-Geschlechter zurückführen. So dürfte Zurrilites saxonicus auf Stephano- 
ceratiden, insbesondere auf Olcostephamus zurückgehen, während die echten Turriliten, wie 7. costatus, von 
Acanthoceras abzuleiten sind. Auf Hoplites und zwar auf die Gruppe des A. interruptus geht Helicoceras 
Reussianum, sowie Helicoceras ellipticum zurück, während die Arten mit runden, einfachen Rippen (meist 
Hamites) von der Gruppe des Lytoceras fimbriatum abstammen. 


Turrilites saxonicus SCHLÜT. 
1840. Turrilites undulatus Geinızz. Charact. p. 42, Taf. 13, Fig. 1. 


1849. Hamites polyplocus _ Quadersandsteingeb. p. 120 p.p. 

1870. Helicoceras — F. Rormer. Oberschlesien, p. 321, Taf. 36, Fig. 1. 

1872. Turrilites Geinitzi ScuLürer. Cephalop. der oberen deutschen Kreide I. p. 113, Taf. 35, Fig. 10. 
1874. — polyplocus Gemırz. Elbthalgeb. II. p. 195, Taf. 36, Fig. 1, 2. 

„1876. _ saxonicus SCHLÜTER. Cephalopoden II. p. 135. 


1389. Helicoceras polyplocum Frıc. Teplitzer Schichten, p. 71, Fig. 45. 


Bald rechts, bald links gewunden, mit starken, der Längsaxe parallelen, zahlreichen Rippen. Die 
Umgänge, welche nur wenig an Dicke zunehmen, berühren sich mit Ausnahme der letzten freien Windung. 

Die Art steht 7. polyplocum A. RoEMER sehr nahe, welches nach ScHLüTEr ausschliesslich im Senon 
von Westfalen vorkommt. 

Scaphitenzone von Oppeln. Strehlener Plänerkalk. Teplitzer Schichten. 


Helicoceras Reussianum D’ORe. 


1870. Helicoceras annulifer F. Roemer. Oberschlesien, p. 320, Taf. 36, Fig. 2. 


—  Toxoceras spec. — — p. 342. 
1872. Heteroceras Reussianum SCHLÜTER. Cephalop. der oberen deutschen Kreide, p. 109, Taf. 32, Fig. 13—21. 
1872—75. Helicoceras — Gemıtz. Elbthalgeb. II. p. 195, Taf. 35, Fig. 11, 12 (ältere Lit.). 
1878. _ armatus Frıc. Weissenberger und Malnitzer Schichten, p. 102. 
1883. — Reussianum Frıc. Iserschichten, p. 92. 
- 1889. _ —_ —  Teplitzer Schichten, p. 71, Fig. 44. 
1893. — == —  Priesener Schichten, p. 79, Fig. 62. 


Diese Art ist ein echter Helicoceras in dem Sinne, dass die Umgänge einander nicht berühren. 
Die Spirale ist mehr oder weniger weit auseinander gewunden. Die Rippen liegen um mehr als Eigenbreite 
von einander entfernt und tragen bei den älteren Individuen 4 Reihen von Knoten, welche an der Rücken- 
seite in Spitzen auslaufen. Zwischen den starken Rippen liegen 3—5 feinere Falten, die bei jüngeren 
Exemplaren oft fehlen. 


Im Kalkmergel von Bladen bei Leobschütz. Häufig in der Scaphitenzone der mittleren und nördlichen 
Brüche von Oppeln. Leitfossil der Scaphitenzone in der böhmisch-sächsischen und der nordwestdeutschen 
Provinz. In Böhmen von den Weissenberger bis in die Priesener Schichten. 


60 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Helicoceras ellipticum Manr. 


1822. Hamites ellipticus MAnterL. Sussex, p. 122, Taf. 23, Fig. 9. 

1842. — alternans Geinırz. Charact. III. p. 68, Taf. 17, Fig. 36. 

1870. Toxoceras spec. F. Rozmer. Oberschlesien, p. 342. 

1872. Orioceras ellipticum Schtüter. Cephalop. II. p. 164, Taf. 34, Fig. 1, 2. 

1872—75. Helicoceras ellipticum Geisırz. Elbthalgeb. II. p. 194. Taf. 35, Fig. 14, 15. 

Der Querschnitt ist elliptisch, die Dicke nimmt rasch ab: die Querrippen, welche um mehr als 
Eigenbreite gleichmässig von einander abstehen, sind etwas nach innen zu geschweift. An ihrer Rücken- 
grenze erheben sie sich zu Knoten, welche abwechselnd stärker und schwächer sind. 


Nicht selten im Oppelner oberen Turon, sowie im Kalkmergel von Bladen. Strehlener Plänerkalk, 
Priesener Schichten, Scaphitenpläner Nordwestdeutschlands. 


Baculites spec. 
1870. Baculites spec. F. Rormer. Oberschlesien, p. 3 
1870. —_ anceps _ — p- 32: 


Aus dem Turon von Oppeln. 

RoEmer’s Abbildung wurde von GEmITZ zu B. baculoides MAT. gezogen, dessen Art von SCHLÜTER 
zu Bac. bohemicus Frırsch und SCHLÖNBACH gerechnet wird. Dieser ist nach SCHLÜTER der einzige Baculit 
des norddeutschen Turon und findet sich von der Brongniarti- bis in die Cuvierizone. Das Original erlaubt 
indess keine sichere Bestimmung. Baculiten von ähnlich schlechter Erhaltung liegen vor, können aber eben- 
sowenig einer bestimmten Art zugerechnet werden. 


Das oben Gesagte gilt auch von Bruchstücken aus dem Kalkmergel von Bladen. 


Hamites Grundeyi n. sp. — Taf. VI, Fig. 4. 


Das vorliegende Bruchstück aus dem Oppelner Turon zeigt eine starke Biegung, die jedoch in einer 
Ebene verläuft. Die Rippen stehen eng gedrängt, kaum durch Eigenbreite von einander entfernt; bisweilen 
schieben sich schwächere Ripgen ein. Sie verlaufen annähernd senkrecht mit einer ganz geringen Krümmung 
gegen den stärkeren Theil und tragen am Rücken zwei Knotenreihen. 


Ancyloeras oppoliense n. sp. — Taf. VI, Fig. 6a, b. 


Ein Fragment aus dem Oppelner Turon, wahrscheinlich der Scaphitenzone, zeigt den gleichen Quer- 
schnitt wie Aneyloceras Paderbornense Schuür. (Cephalop. der oberen deutschen Kreide II, p. 97, Taf. 30, 
Fig. 1, 2). Von dieser Form unterscheidet sich jedoch die unsere durch die grössere Stärke der Rippen, 
die um etwas mehr als Eigenbreite von einander abstehen und annähernd geradlinig verlaufen, während die 
Rippen der Schtürer'schen Form eng gedrängt stehen und mehr convex verlaufen. Die 4 Knoten, welche 
unser Durchschnitt zeigt, sind jeder der gleichmässig starken Rippen eigen, 


Scaphites auritus Schtür. 61 


Ancyloceras recurvatum n. sp. — Taf. VI, Fig. 5. 


Die Krümmung ist so beträchtlich, dass wir die vorliegenden Stücke zu Ancyloceras stellen. Die 
Rippen sind kräftig, gleichmässig und um etwas mehr als Eigenbreite von einander entfernt. Sie sind stark 
nach rückwärts geschwungen und endigen auf dem Rücken in zwei Knotenreihen. 

Ob die Art mit F. Rormer's Hamites ellipticus Mast. (Oberschlesien, p. 332, Taf. 37, Fig. 10, 11) 
identisch ist, kann ich nicht angeben, da das Original nicht aufgefunden werden konnte. Die schematische 
Zeichnung kann kaum in Betracht gezogen werden. Dieselbe erinnert an Anfangswindungen von Helicoceras 
Reussianum. F. Roemer identificirte die Oppelner Art mit seinen Funden aus dem polnischen Senon (Taf. 39, 
Fig. 6), welche ScHLürEr (Cephalop. p. 97) als Ancyloceras retrorsum Schvür. bestimmte, Die Art aus dem 
Oppelner Turon reicht indess von der senonen beträchtlich ab. 


Toxoceras nodiger F. RormEr. 
1870. Toxoceras nodiger F. Roxmer. Oberschlesien, p. 341, Taf. 29, Fig. 19—21. 


Schtürer (Palaeontographica Bd. XXI, p. 26) vermuthet, dass diese Art mit Helicoceras ellipticum 
Mant. ident sei; sie unterscheidet sich von dieser jedoch durch das engere Zusammenstehen der Rippen; 
ferner sind dieselben schwächer und verlaufen schief nach dem Rücken, Die Biegung, welche unsere Bruch- 
stücke zeigen, machen es wahrscheinlich, dass unsere Art dem Toxoceras-Stadium angehört. 

Kalkmergel von Bladen und Mergel von Hohndorf bei Leobschütz. 


Scaphites Lamberti Grossouvre. — Taf. VI, Fig. 7, 8. 

1893. Scaphites Lamberti Grossouvre. Les Ammonites de la craie superieure de la France. 

1894. —_— cf — Jaun. Einige Beiträge zur Kreide der böhm. Kreideform. Taf. VIII, Fig. 1. 

Schale mit wenigen, starken Rippen, welche sich theilen und in den jüngeren Windungen noch 1—2 
accessorische Rippen zeigen. Der Uebergang zu Scaphites Geinitzi D’Org. ist allmählich. In Fig. 7-ist eine 
Uebergangsform zur Darstellung gebracht worden. 

Im Oppelner Turon ziemlich selten. 


Seaphites Geinitzi D’ORB. 
1870. Scaphites Geinitzi F. Rormer. Oberschlesien, p. 320, Taf. 35, Fig. 6. 
Stark involut. Die Rippen sind eng gedrängt, zahlreich und fein. Nur die wenigsten stärksten 
Rippen erreichen den Nabel. 


In Oppeln häufiger als Scaphites Lamberti in den Schichten über den Thonbänken mit Terebratulina 
gracilis. Leitfossil des oberen Turons. 


Scaphites auritus Schzür. — Taf. VI, Fig. 9. 


1370. Scaphites spec. F. Rormer. Geol. von Oberschlesien, p. 334, Taf. 29, Fig. 17, 18. 
1871. Ammonites Bladensis Scntürer. Cephalopoden, Palaeontogr. Bd. 21, p. 30, Taf. 10, Fig. 5, 6. 
1873. Scaphites auritus E— — _ —  p. 77, Taf. 23, Fig. 7—9. 


623 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Haken stark entwickelt, weiter, offener Nabel, Mundsaum mit scharfem Wulst und Ohren. Die 
ersten Umgänge nur mit wenigen, regelmässigen Rippen oder glatt, auf den späteren nur wenig stärkere 
Falten, welche in der halben Höhe Knoten bilden und weiterhin sich in zahlreiche, gleichmässige, feine 
Rippen auflösen. Meist sind nur die innersten Umgänge erhalten. 

Ferp. ROEMER erkannte zuerst an den von A. Harrar an der rothen Mühle bei Bladen gesammelten 
Stücken die Zugehörigkeit zu Scaphites; seine Abbildung ergänzte das Original etwas zu frei. Cr. ScHLÜüTER 
bestimmte kurz darauf die Bruchstücke des eingerollten Theiles vom gleichen Fundpunkte als Ammonites 
Bladensis, identifieirte dieselben aber später selbst mit vollständigeren Stücken von Oppeln. 

Zahlreiche Bruchstücke im Breslauer Museum. Turon (Scaphitenzone) von Bladen bei Leobschütz 
und Oppeln. Zone des Actinocamas plenus in den Ardennen (nach Barroıs), Scaphitenpläner des Harzes 
(Heiningen, Salzgitter). 

Bemerkung. Eine gleichzeitig mit SCHLÜTER aufgestellte, ebenfalls weitgenabelte Art, welche 
von Fritsch und SchLöngBAacH den gleichen Namen Scaphites auritus erhielt, ist von GROSsoUvRE als Sca- 
phites Fritschi Gross. bezeichnet worden. 


Crustacea. 


Fam. Lepadidae. 


Pollieipes conieus Reuss. — Taf. VI, Fig. 11. 
1845. Pollieipes conicus Reuss. Böhm. Kreide, p. 17, Taf. 5, Fig. 43. 
1872. _ — Gzisirz. Elbthalgeb. II. p. 204. Taf. 37, Fig. 29. 
1889. — —  Fkıc. Teplitzer Schichten, p. 95, Fig. 119 (Copie). 


Von dieser Art kenne ich aus dem Oppelner Turon ein Schildstück (Scutum) und ein Kielstück (Carina). 


Strehlener Piäner, Teplitzer Schichten (Bilin). 


Pollicipes glaber A. Rormer. — Taf. VI, Fig. 10a—c. 


1841. Pollicipes glaber A. Rormer. Nordd. Kreide, p. 104, Taf. 16, Fig. 11. 

1845. —_ —  Revss. Böhm. Kreide, p. 17, Taf. 5, Fig. 45—49; Taf. 13, Fig. 86—91. 

1850. Xiphidium maximum Sowergy bei Dixon. Sussex, p. 353, Taf. 28, Fig. 6—8. 

1870—72, Pollieipes glaber Gzinırz. Elbthalgeb. II. p. 204, Taf. 37, Fig. 26, 27. 

1878. — — DBernrens. Z. D. G. Ges. Bd. 30, p. 250. 

Es liegen von drei verschiedenen Fundorten der Brongniartizone in Oppeln 3 Schildstücke (scutum), 
2 Oberplättchen (Tergum) und 1 Carina vor. 

Nicht selten im Strehlener Plänerkalk, dem gesammten böhmischen Turon und Senon; im Pläner 


von Hildesheim, im oberen Turon von Wollin und dem englischen Upper Chalk. 


Notidanus microdon Ac. 63 


Scalpellum maximum Darwın. 
1370. Scalpellum maximum F. Roruer. Oberschlesien, p. 322, Taf. 37, Fig. 14. 
Die unter dieser Bezeichnung von F. Rormer aus Oppeln beschriebenen 3 Stücke, 2 Carinae und 
1 Tergum, gehören 3 verschiedenen Arten an und zwar das Tergum zu Pollicipes glaber. Nur die kleinere 
Carina (Fig. 14) scheint zu Scalpellum maximum zu gehören. Die Abbildung bei F. ROoEMER ist ungenügend 
und sei daher durch eine Wiedergabe in doppelter Grösse ersetzt. 
Upper Chalk. 


Scalpellum oppoliense Lrox#. — Taf. VI, Fig. 13a, b. 

1870. Scalpellum maximum F. Rosmer. Oberschlesien, p. 322, Taf. 37, Fig. 13. 

Die unter Fig. 13 von F. Roemer aus dem ÖOppelner Kalkmergel abgebildete Carina ist im Durch- 
schnitt durch den steilen Abfall der Seitenwände ausgezeichnet. Die Carina ist trotz des deutlich ausge- 
prägten Kieles sehr flach und verschmälert sich nur schwach. Die Anwachsstreifen sind nur als Querstreifen 
entwickelt und bilden einen stumpfen Winkel. 

Am nächsten steht unsere Art dem Se. simplex Darwın aus dem Lower Greensand, von welchem es 
sich jedoch durch die Form der Seitenwände und’den stumpferen Winkel der Anwachsstreifen unterscheidet. 


Maerura. 


Enoploclytia Leachi Rxuss. 


1854. COlytia Leachi Reuss. Denkschr. der Wiener Acad. d. W. Bd. VI. 
1872—75. Enoploclytia Leachi Geisırz. Elbthalgeb. II. p. 205, cum syn. 


Von dieser Art fanden sich im Oppelner Turon (Scaphitenzone) ein fast vollständiger Cephalothorax 
(rechte Seite), sowie eine schlechter erhaltene, nur noch aus mur und tibia bestehende, linke Scheere. 
Die Art ist im Upper Chalk Südenglands, sowie in allen Stufen des Turons in Böhmen häufig. 


Vertebrata. 
Pisces. Selachii. 
° Fam. Hybodontidae. 
Hybodus dentatus n. sp. — Taf. VI, Fig. 15a, b. 


Zur Gattung Hybodus, welche aus der Kreide nur durch Zähne begründet ist, dürfte ein Ichthyo- 
dorulith von Oppeln S. zu stellen sein. Derselbe zeigt sehr eng zusammenstehende Zähne. 


Fam. Notidanidae. 
Notidanus microdon Ac. 


1872. Notidanus microdon Gemırz. Elbthalgeb. II. p. 210, Taf. 40, Fig. 1, (woselbst die ältere Literatur). 
1878. — _ Fritsch. Reptilien und Fische der böhm. Kreide, p. 12, Fig. 25. 


64 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Diese Zähne, welche aus einem schiefen Hauptzahn und nach der Grösse zu abnehmenden Neben- 


zähnen bestehen, sind in Oppeln selten. 
Auf die Angabe der Verbreitung dieser und der folgenden Arten muss verzichtet werden, da die- 


selben in der gesammten oberen Kreide allenthalben auftreten. 


Fam. Lamnidae. 


Oxyrhina Mantelli Ac. 


1870. Oxyrhina Mantelli F. Roemer. Oberschlesien, p. 323, Taf. 36, Fig. 3—5. 
1894. — — Eastmans. Zur Kenntniss der Gattung Oxyrhina. Palaeontographica Bd. 40 (gesammte 
ältere Literatur). 


EaAsTmann, auf dessen Abhandlung hier verwiesen wird, zeigt an einem Funde, welcher das gesammte 
Gebiss enthält, wie unsicher die Bestimmung der Arten und Gattungen nach einzelnen Zähnen ist. Diese 


eine Art vereinigt die verschiedensten Zahnformen. 
Die meisten der im Oppelner Turon vorkommenden Lamniden-Zähne gehören hierher. 


Odontaspis subulata Ac. 


1843. Lamna subulata Asassız. Rech. sur les poissons fossiles III. p. 296, Taf. 37a, Fig. 5. 
1845—46. — undulata Rruss. Böhm. Kreide I. p. 8, Taf. 3, Fig. 46—48. 


1372. — subulata Geisızz. Elbthalgeb. II. p. 209, Taf. 38, Fig. 29—36. 
1878. —_ = Fritsch. Reptilien und Fische der böhm. Kreide, p. 9, Fig. 15, 16. 
1888. = — Nısırın. Vestiges cretac. en Russie Centr. Taf. 5, Fig. 6, 7. 


Schlanke, flachgewölbte Zähne, welche auf der Innenseite keine oder nur eine undeutliche Streifung 
zeigen. Selten in Oppeln N. 


Odontaspis raphiodon Ac. 


1843. Lamna raphiodon Acassız. Recherches sur les poissons foss. III. Taf. 37, Fig. 11—16. 


1845. Odontaspis — Reuvss. I. p. 7. Taf. 3, Fig. 34—36; Taf. 7, Fig. 15; Taf. 12, Fig. 3. 
1850. — — Dıxox. Sussex, Taf. 30, Fig. 32. 

1872. Lamna _ Geimitz. Elbthalgeb. I. p. 295, Taf. 65, Fig. 9—11. 

1878. —_ _ Fritsch. Reptilien und Fische der böhm. Kreide, p. 10, Fig. 17. 


Characteristisch für die Zähne dieses Namens ist die Streifung der hinteren Fläche. Sie stellen, 
wie Frıc (Priesener Schichten, p. 67) vermuthet, vielleicht die vorderen Zähne derselben Gattung dar, deren 


hintere Zähne wir zu Otodus rechnen. 
Häufig in Groschowitz und Oppeln S., sowie im sandigen Mergel westlich von Bladen und im Kalk- 


Mergel von Hohndorf. 


Lamna appendiculata Ac. 


1870. Otodus appendiculatus F. Roemer. Oberschlesien. p. 323, 343, Taf. 36, Fig. 6. 
1859. Lamna — Zırter. Grundzüge der Palaeontologie, p. 538. 


Diese breiten Zähne sind aus dem sandigen Mergel W. von Bladen, dem Mergel von Hohndorf und 
von Oppeln bekannt, wo sie in allen Brüchen zu den häufigsten Funden zählen. 


Ptychodus polyeyrus Ac. 65 


Corax falcatus Ac. 
1843. Corax falcatus Acassız. Recherches III. p. 226, Taf. 26, Fig. 14; Taf. 26a, Fig. 1—15. 


1846. —  heterodon Reuss. I. p. 3, Taf. 3, Fig. 49—71. 

1872. _ = Gemutz. Elbthalgeb. II. p. 210, Taf. 40, Fig. 2—15. 

1878. — — FrısscHh. Reptilien und Fische, p. 11, Fig. 23, 24. 

1589. —  falcatus WoopwArn. Catalogue of fossil fishes British Museum J. p. 424 (Lit.) 


Zähne kurz dreieckig, die Ränder fein gezähnelt. 

In Oppeln selten. 

Cestracionidarum gen. — Taf. VI, Fig. 16. 

Unter dieser Bezeichnung erwähnen wir eines Stückes von Groschowitz, dessen Zugehörigkeit zu einer 
der bisher aufgestellten Gattungen nicht erwiesen werden kann. Dasselbe dürfte ein Hautschild darstellen, 
und ähnelt den als Petrodus resp. Ostinaspis aus dem Kohlenkalk bekannten Stücken. Unser Hautzahn unter- 
scheidet sich jedoch von diesen durch das Fehlen der knöchernen Basis. Die Grundform der Krone ist kreis- 
rund und trägt eine kegelförmige Spitze, von welcher Furchen und Runzeln radiär nach der Basis verlaufen. 


Spinax major Ac. — Taf. V, Fig. 11. 
1843. Spinax major Acassız. Poiss. fossils III. p. 62, Taf. 10b Fig. S—14. 
1846. — — Reuss. Böhm. Kreide II. p: 101, Taf. 21, Fig. 65. 
1872. — —  Gemıtz. Elbthalgeb. II. p. 211, Taf. 10, Fig. 36—38. 
1878. = — FerımscH. Reptilien und Fische, p 12. 


Der abgebildete Flossenstachel mit undeutlichen Längsfurchen und glänzender Oberfläche zeigt 
schwache, schief zu den Längsfurchen verlaufende Anwachsstreifen. 
Selten in Oppeln; ebenso im Strehlener Plänerkalk, Kreide von Lewes. 


Myliobatidae M. u. H. 
Ptychodus latissimus Ac. 


1870. Ptychodus latissimus F. RoEner. Oberschlesien, p. 323, Taf. 36, Fig. 7. 
1872—75. — —_ Geinitz. Elbthalgeb. II. p. 212, Taf. 40, Fig. 16, 22 (ältere Literatur). 
1878, —_ _ FrırscHh. Reptilien und Fische, p. 15, Fig. 36. 


Im gesammten Oppelner Turon sind diese Pflasterzähne, mit weit auseinander stehenden Falten, häufige. 


Ptychodus »olygyrus Ac. 
1833—42. Piychodus polygyrus Asassız. Recherches III. p. 156, Taf. 25, Fig 4—11; Taf. 25b. Fig. 21—23. 


1542. — _ Gemitz. Charact. III. p. 63, Taf. 17, Fig. 6. 

1850. —— Z— Dıxon. Sussex, p. 363, Taf. 30, Fig. 9; Taf. 31, Fig. 10. 
1852. — _ Kırrısanorr. Kurskisch. Sandst. p. 14, Taf. 13, Fig. 6. 
1872— 75. = — GeEinızz. Elbthalgeb. II. p. 297. 

1878. _ — Fritsch. Reptilien und Fische, p. 14, Fig. 33—35. 

1888. _ _ Nırırıy. Vestiges cretac. dans la Russie Centr. Taf. 5, Fig. 1. 


Zähne breiter als lang, mit S—14 Falten, welche enger zusammenstehen als bei Pf. latissimus und 
steil abfallen. 
Sehr häufig in Groschowitz, woher eine Stufe mit 21 Zähnen dieser Art stammt. Nicht selten im 


übrigen Oppelner Turon. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 9 


66 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Ptychodus mammillaris Ac. 
1870. Ptychodus mammillaris F. Rormer. Oberschlesien, p. 342, Taf. 36, Fig. 8. 


1872—75. — — Grinıtz. Elbthalgeb. I. p. 297, Taf. 64, Fig. 26 (ält. Lit.) II. Taf. 40, Fig. 23—29. 
1878. _ —_ Fritsch. Reptilien und Fische, p. 14, Fig. 33. 
1888, — — Nıkırın. Vestiges cretac. dans la Russie Centrale. Taf. 5, Fig. 2. 


Der Zahn erreicht nie die Grösse der vorigen, der mittlere Theil erhebt sich steil: die Falten auf 
demselben sind sehr variabel. Pf. mammillaris kann nicht mit polygyrus und decurrens vereinigt werden, 
wie MıcHaen (Jahresbericht der Schles. Gesellsch. für vater]. Cultur für 1893, p. 70) vorschlug. Beide 


Arten lassen sich stets unterscheiden und werden getrennt gefunden. Pf. decurrens ist mir aus Oppeln nicht 
bekannt geworden. 


Pt. mammillaris wird sehr häufig im Groschowitzer Kalkmergel, sowie besonders in den nördlichen 


Brüchen von Oppeln gefunden. Sandiger Mergel von Bladen. Kreidemergel von Hohndorf. Im Cenoman 
und Turon häufig. 


Nicht genau bestimmbare Reste. 
Wirbel. 
Knorpelwirbel von Selachiern. 


a) mit Strahlenwänden. 


1862—75. Geinırz. Elbthalgeb. I. Taf. 65, Fig. 34; II, p. 215, Taf. 39, Fig. 5—7. 
1895. Eastman. Palaeontographica Bd. 41, Taf. 18. 


Derartige Wirbel, wie sie durch Eastman von Oxyrhina Mantelli abgebildet wurden, finden sich 
nicht selten im Oppelner Turon. 
b) mit concentrischen und kreisförmigen Wänden. 
1872—75. Geimırz. Elbthalgeb. II. p. 214, Taf. 39, Fig. 1—4 (Lit.). 
Derartige Wirbel führt Gemerz schon von Oppeln an. Dieselben sind jedoch sehr selten. Ihre 
Zugehörigkeit ist noch zweifelhaft. 
Koprolithen. 


Es finden sich im Oppelner Kalkmergel zahlreiche Koprolithen, welche spiralige Anordnung zeigen. 
Sie gleichen denjenigen, welche von Geimerz (Elbthalgeb. II. Taf. 40, Fig. 39—45) abgebildet und daselbst 
zu Macropoma Mantelli gezogen sind. Es dürfte indess zu erwägen sein, ob dieselben nicht eher von den 
grossen Selachiern als von den kleineren Ganoiden herrühren. 


Ganoidei. 
Pyenodonti Lürtken. 


Coelodus complanatus Ac. — Textfgur 10. 


1833. Pycenodus complanatus Asassız. Recherches II. p. 179, Taf. 72a, Fig. 40 —48. 
1843. En Münsteri — — — Taf. 72a, Fig. 26—39. 
1846.. — complanatus Reuss. Böhm. Kreide I. p. 9, Taf. 4, Fig. 27—36. 


Ösmeroides Lewesiensis As. 67 


1872—75. Pyenodus complanatus Geisurz. Elbthgeb. 1. 
p- 301, Taf. 65, Fig. 15—21. 
1878. Pyenodus complanatus FrırscH. Rept. u. Fische, 
p. 21, Taf. 2, Fig. 5. 
Von dieser Art liegt nur eine unvollständige 
Vomerplatte von Oppeln vor. 


Fig. 10a. Ooelodus complanatus As. Fig. 10b. 


Coelodus cretaceus Ac. 
1372—75. Pycenodus cretaceus Grinırz, Elbthalgeb. I. p. 500, Taf. 65, Fig. 12—14 (Lit.). 


Die wenigen vorliegenden Zähne von Oppeln N. (Scaphitenzone) gehören der Hauptreihe des linken 
Kiefers an. 


Ganoideorum ? spec. 
1878. Operculum radiatum Frırsch. Reptilien und Fische, p. 26, Taf. 10, Fig. 9, 
1893. — —_ —_ Priesener Schichten, p. 70, Fig. 39. 


Kiemendeckel mit kräftiger, radialer Streifung, identisch mit den von FrırscH vorläufig zu Semionotus 
gestellten, kommen in Oppeln N. vor. Zusammen mit ihnen wurden auch Knochenreste und Schuppen ge- 
funden, welche mit den bei Frırsch Taf. 10 Fig. 7 abgebildeten übereinstimmen. 


Teleostei. 
Fam. Stratodontidae Cope. 


Enchodus halocyon As. 


1843. Enchodus halocyon Acassız. Recherches V, p. 64, Taf. 25c, Fig. 1—16, 

1846. Spinax rotundatus Rzuss. Böhm. Kreide I. p. 13, Taf. 4, Fig. 12—14. 

1872—75. Enchodus halocyon Geinırz. Elbthalgeb. II. p. 226, Taf. 41, Fig. 5—21. 

1378. — — Fritsch. Reptilien und Fische, p. 32, Taf. 7, Fig. 1—4. 

Die langen, spitzen Zähne des Oberkiefers werden in Oppeln häufig gefunden. Ferner liegt ein 
Wirbel vor, welcher dem von GEınıTz zu dieser Art gestellten (Taf. 41, Fig. 21) entspricht. 


Fam. Salmonidae. 


Osmeroides Lewesiensis Ac. 


1870. Osmeroides Lewesiensis F. RoEmER. Oberschlesien, p. 324, 344. 

1872—75. — = Gemiıtz. Elbthalgeb. II. p. 228, Taf. 45, Fig. 10—14. 

1878. — — FrırscH. Reptilien und Fische, p. 32, Taf. 7, Fig. 5, 6; Taf. 8, Fie. 1. 

Von dieser Art sind nur geringe Reste, meist Schuppen erhalten, die schon F. RoEMER von Oppeln, 
dem Kalkmergel an der rothen Mühle bei Bladen und aus dem Mergel von Hohndorf anführt. 


Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


[op] 
[0 0) 


Fam. Berycidae. 
Beryx Zippei Ac. — Textfigur 11. 


1843. Beryx Zippei Acassız. Poiss. foss. IV. p. 120, Taf. 15, Fig. 2, 
1545. _ — Reuss. Verst. böhm. Kreideform. I. p. 11, T. 1, Taf. 2, Fig. 1. 
1378. — —  Ferırsch. Reptilien u. Fische der böhm. Kreide, p. 41, Taf. 5, Fig. 1 und Holzschnitt Fig. 62. 


Diese bisher nur aus den Weissenberger Schichten Böhmens bekannte und daselbst nicht mehr 
seltene Art wird durch den Fund eines grösseren Bruchstückes im Oppelner Turon um einen neuen Fund- 
punkt bereichert. Das erwähnte Stück, welches unsere Textfigur wiedergiebt, ist im Besitze des Herrn 


Fig. 12. Beryx Zippei As. °/, der nat. Grösse. 


Schrammen in Hildesheim. Der Körper ist nur bis zum Ansatz der Bauchflosse erhalten. Rücken- und 
Schwanzflosse fehlen vollständig. Die Länge vom Aussenrande des Oberkiefers bis zum Ansatz der Bauch- 
flosse beträgt 20 em, die grösste Höhe des Kopfes 12 cm (!). Da die erstere Entfernung nur °/s der Ge- 
sammtlänge an den bisher abgebildeten Exemplaren ausmacht, so wäre unser Exemplar, vollständig erhalten, 
mit ca. 34 cm Länge und 15 cm Höhe das grösste bisher bekannt gewordene. Dasselbe zeigt einige geringe 
Abweichungen von den böhmischen Originalen. Das Oppelner Exemplar ist ein ungewöhnlich hohes; der 
Schädel ist sehr stumpf und höher als lang. Die Dicke des Unterkiefers ist ungewöhnlich gross; sie er- 
reicht am Mundwinkel 4 em. Die Schuppen sind schlecht erhalten. 


Polyptychodon interruptus Ow. 69 


Beryx spec. 


Schuppen, welche dieser Gattung angehören, sind im Oppelner Turon häufig. Sie besitzen den fast 
ovalen Umriss und die regelmässige concentrische Streifung, welche für die Schuppen von B. ornatus Ac. 
als characteristisch angegeben wird. Ob sie dieser oder der vorigen Art angehören ist zweifelhaft. Die 
Zähnelung des Aussenrandes ist durchgängig verloren gegangen. 


Fam. Ichthyodeetidae Croox. 


Saurocephalus marginatus Reuss. — Taf. VI, Fig. 17. 
1845. Spinax marginatus Reuss. Verst. der böhm. Kreideform. I. p. 8, Taf. 4, Fig. 10, 11. 
1872—75. Saurocephalus marginatus Geinırzz. Elbthalgeb. II. p. 226, Taf. 43, Fig. 3—8. 
Die Zähne sind seitlich zusammengedrückt, schwach gebogen. Der Vorderrand ist durchweg scharf- 
kantig, der hintere nur in seinem oberen Theile bis zu der zurückspringenden Ecke. 
Meist nur Bruchstücke aus dem Scaphitenmergel der nördlichen Oppelner Brüche. Strehlener 
Plänerkalk, Teplitzer und Priesener Schichten. 


Fam. Protosphyraenidae. 
Protosphyraena ferox Leıpy. — Taf. V, Fig. 7. 


1822. Tooth of an unknown fish Manrerz. Geology of Sussex, p. 228, Taf. 33, Fig. 7, 9. 

1843. Saurocephalus lanciformis Asassız. Rech. poiss. foss. V. p. 102, Taf. 25e, Fig. 21—29. 
? 21846. — _ Reuss. Verst. der böhm. Kreideform. I. p. 13, Taf. 4, Fig. 67. 
?21872—75. — —_ Gemiıtz. Elbthalgeb. I. p. 225, Taf. 43, Fig. 10. 

1887—90. Protosphyraena ferox Zırrev. Handbuch der Palaeontologie III. p. 263, Fig. 269. 

Der einzige vorliegende Zahn ist 3 cm lang, gerade, konisch, mit gleichmässig zugeschärften Seiten- 
kanten. Die feine Längsstreifung der Oberfläche ist etwas unregelmässig. Er gleicht durch seine sym- 
metrische Form der Fig. 27 bei Acassız. 

Fundort: Kalkmergel von Groschowitz. Upper Chalk von Lewes; Senon von Maestricht und von 
New Yersey. Die von Reuss und GemıTz angeführten Stücke aus dem böhmisch-sächsischen oberen Turon 
sind zweifelhaft. 


Sauropterygia. 


Fam. Plesiosauridae. 


Polyptychodon interruptus Owen. 
1850. Polyptychodon interruptus Owen. Geology of Sussex, p. 378, Taf. 37, Fig. 16, 17. 


1851. — _ — Monograph of British Reptilia Cret. Form. p. 55. Taf. 10, Fig. 7—9; 
Taf. 11, Fig. 1—7. 

1856. —_ — H. v. Meyer. Saurier der Kreideform. Deutschlands. Palaeontographica VI. p. 1ff. 
Taf. 2, Fig. 5—17. 

1868. — —_ Günger. Ostbayrisches Grenzgebirge, p. 751. 

1872—75. — — Geinıtz. Elbthalgeb. II. p. 230. Taf. 43, Fig. 16. 

1878. —_ — FrırscH. Reptilien und Fische der böhm. Kreideform. p. 1. Taf. 1, Fig. 3. 


1883. — = Koren. Reptilien der norddeutschen unteren Kreide. Z. D. G. G. XXXV, p. 789. 


70 Richard Leonhard, die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. 


Die Zähne, auf welche diese Gattung und Art errichtet wurde, finden sich nicht ganz selten im 
Turon von Groschowitz und Oppeln (S. und N.). Die grossen, kegelförmigen Zähne von rundlichem Quer- 
schnitt sind etwas gebogen; die Krone ist von den characteristischen zahlreichen Schmelzleisten bedeckt, 
von denen nur die stärksten die Spitze erreichen. 

Die Art ist räumlich wie zeitlich weit verbreitet. Sie ist bekannt aus dem Hils von Elligserbrink 
und Langelsheim, aus dem Cenoman: im Grünsand von Cambridge, von Essen, von Kelheim und Regens- 
burg, dem unteren Quader von Raspenau und aus dem Cenoman von Kursk. Im Turon ist sie, abgesehen 
von den englischen Vorkommen in Kent und Sussex, selten und bisher nur aus dem Unterturonen Wehlowitzer 
Pläner in Böhmen bekannt. 


Plesiosauridarum gen. — Taf. VII, Fig. 16. 


Es liest ein Knochen aus dem Turon von Oppeln vor, der sich durch seine kurze, gedrungene 
Form, die Concavität der proximalen Fläche und die Rundung des distalen Endes als Phalange eines 
Plesiosauriden kennzeichnet. Zum Vergleich ist die Ruderflosse eines Plesiosauriden aus dem oberen Kreide- 
kalk von Kent, die Owen (Monogr. of British Reptilia, p. 66, Taf. 17) dem Polyptychodon interruptus Ow. 
zuschreibt, heranzuziehen. Die Oppelner Phalange ist durch bedeutendere Grösse und vor allem durch 
schwächere Einschnürung in der Mitte von den englischen verschieden. Im übrigen ist der Bau der gleiche. 


Pythonomorpha. 
Fam. Mosasauridae. 
Liodon anceps Owen. — Taf. V, Fig. 8. 
1550. Liodon anceps Owen bei Dixon. Geology of Sussex, p. 358, Taf. 37, Fig. 10—12; Taf. 38, Fig. 8, 9. 
1851. _ —_ -— Monograph British Reptilia Cret. Form. p. 42, Taf. 9, Fig. 1—6. 
1356. _ — H.v. Meyer. Saurier der Kreide Deutschlands. Palaeontogr. VI. p. 7. Taf. 2, Fig. 18, 19. 


Die Zähne, auf welche die Art begründet ist, werden durch zwei scharfe Kanten in eine glatte 
Aussen- und eine längsgefurchte, convexe Innenseite getheilt. 
Es liegen nur zwei Zähne aus dem Turon von Oppeln S. vor. 


FEB 24 1898 


Zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen 
und Mollusken Syriens. 


Die pliocänen und quartären Süsswasserbildungen im Orontesgebiet in Nord- und Mittelsyrien 
und ihre Beziehung zur heutigen Süsswasserconchylienfauna Syriens 
von 


M. Blanckenhorn in Erlangen. 


Mit Taf. VII—X und S Figuren. 


Einleitung. 


Süsswasserbildungen spielen in Syrien nach ihrer Ausdehnung und Mächtigkeit eine ziemlich unter- 
geordnete Rolle, zumal sie nur in den jüngst vergangenen Perioden, dem oberen Neogen oder Pliocän, dem 
Diluvium und Alluvium zur Ablagerung gekommen zu sein scheinen. Das Interesse, welches sich gleichwohl 
an dieselben knüpft, beruht zunächst auf dem Umstande, dass die Verbreitung und die Lagerungsverhältnisse 
dieser Gebilde manchen Aufschluss über die Zeit und die Art wichtiger Vorgänge in der jüngsten geologischen 
Geschichte des Landes, in der Herausbildung der heutigen Bodenconfiguration zu ertheilen vermögen. Aber 
auch für den Paläontologen bieten die Süsswasser- beziehungsweise Binnensee-Ablagerungen, wie in manchen 
andern Ländern am Mittelmeer so auch in Syrien viel Anziehendes. Denn gerade bei ihnen ist es ja im 
Allgemeinen mehr als sonst die Regel, dass die Schichten eine an Individuen ungeheuer reiche, wenn auch 
an Arten oder Gattungen beschränkte Conchylienfauna beherbergen, so dass, wenn mehrere solcher fossil- 
reichen Lagen über einander aufgeschlossen sind, zu phylogenetischen Betrachtungen über den Zusammen- 
hang einzelner Formen unter einander und mit der jetzigen Lebewelt reichlich Gelegenheit geboten ist. 

Unsere bisherigen Kenntnisse von Süsswasser- oder Binnensee-Ablagerungen in Syrien erscheinen 
ausserordentlich lückenhaft und ergänzungsbedürftig. Sie beschränken sich hauptsächlich auf mehr oder 
weniger ausführliche Mittheilungen von LArrTEr!, Trıstram?, Hurn? und Nöruıne* über die Diluvial- und 


Exploration geologique de la Mer Morte 1877, p. 178. 

The Fauna and Flora of Palestine in Survey of Western Palestine 1884, p. 196—199. 

Mount Sir, Sinai and Western Palestine, p. 99—100 und Memoir on the geology and geography of Arabia Petraea, 
Palestine etc. 1889, p. 80. 


* Ueber die Lagerungsverhältnisse einer quartären Fauna im Gebiete des Jordanthals. Zeitschrift der deutsch. geol. 
Gesellschaft 1886, p. 807, Taf. 23. 


1 
2 
3 


M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


— 
[0] 


Alluvialbildungen des Jordanthals und seiner Seitenthäler und eine Besprechung der Süsswasserpliocänmergel 
von Zahle im Libanon durch O. Fraas!. Die letzteren sind seitdem nicht wieder untersucht worden. Das 
an Fossilien so arme Salzwasserdiluvium des Jordanthals und des Todten Meeres mit seinen verschiedenen 
unterscheidbaren Unterabtheilungen oder Terrassen, sowie die dortigen Bildungen und Ereignisse der Alluvial- 
zeit habe ich selbst vor Kurzem ausführlicher behandelt?. 

Es erscheint nun vor Allem wünschenswert, einmal derartige Studien auszudehnen auf das grosse 
Flussgebiet des Orontes oder Nahr el-“Asi, des längsten und bedeutendsten unter allen syrischen Flussläufen. 
Von fluviatilen oder ehemaligen Binnensee-Absätzen in dessen Umgebung oder Stromgebiet hat man bislang 
noch gar nichts gehört. Und doch sind solche in grosser Mannigfaltigkeit vorhanden und speciell in paläon- 
tologischer und tektonischer Hinsicht ungleich interessanter als die der alten Jordanseen. Meine im Jahr 
1888 unternommene Reise nach Mittel- und Nordsyrien hat mich von dieser Thatsache überzeugt. Da ich 
auf derselben den Orontes an den verschiedensten Stellen seines Laufes 12 mal überschritt, habe ich aus- 
reichend Gelegenheit gehabt, nicht nur die umliegenden Gebirge, sondern auch das Thal seiner ganzen Länge 
nach von der Quelle des Orontes bis zu dessen Mündung in seiner Beschaffenheit kennen zu lernen. 

An die Ergebnisse dieser eigenen Reisestudien und Aufsammlungen bezüglich der Süsswasserbild- 
ungen im Orontesgebiet schliesse ich hier noch die Resultate meiner Untersuchung von Süsswasserkalken 
aus dem Antilibanon nach der Sammlung des Herrn Dr. Drexzr in Wien. Für die freundlichst gewährte 
Frlaubniss zur Bearbeitung der betreffenden Gesteinsstücke spreche ich genanntem Herrn, sowie Herrn Pro- 
fessor Dr. Surss als dem Direktor des geologischen Instituts der Universität Wien meinen wärmsten Dank aus. 


1 Geologisches aus dem Libanon. Württemb. naturwissensch. Jahreshefte 1878, p. 361—363. 
? Die Entstehung und Geschichte des Todten Meeres. Zeitschrift des Deutsch. Pal. Ver. Leipzig, 1390. 


Die geologischen Verhältnisse der pliocänen und quartären Süsswasserbildungen 
in Mittel- und Nordsyrien speciell im Orentesgebiet. 


Pliocäne Ablagerungen. 


Marines Pliocän im Orontesgebiet. 
(Man vergleiche hierzu Taf. VII, Karte von Syrien). 


Bevor wir uns den eigentlichen Süsswasser- oder Festlands-Ablagerungen zuwenden, empfiehlt es 
sich, einige Worte über das marine Pliocän vorauszuschicken, damit wir die einstmalige Ausdehnung des 
Meeres während der verschiedenen Pliocänphasen innerhalb des in Rede stehenden Orontesgebietes von vorn 
herein kennen. 

Wie ich schon früher! eingehend ausgeführt habe, hat während der Pliocänepoche das Mittelmeer 
zweimal die Ufer des heutigen syrischen Festlandes überschritten?, nämlich im Mittelpliocän, der dritten 
Mediterranstufe und im Oberpliocän, der vierten Mediterranstufe im Sinne von Surss. 


Marines Mittelpliocän. 


Das mittelpliocäne Meer erfüllte das ganze untere Orontesthal, indem es von dessen Mündung eine 
Bucht zwischen dem Casius Mons oder Dschebel Akra“ und dem südlichen Amanus Mons oder Dschebel el- 
Ahmar (türkisch = Kyzyl Dagh) aufwärts sandte bis zum Knie des Orontes bei Dschisr el-Hadid. Die im 
N. hiervon gelegene Niederung el-“Amk mit dem heutigen, ca. 90 m über dem Meere gelegenen See Ak 
Deniz muss von den Meeresfluthen der dritten Mediterranstufe bedeckt gewesen sein. Grünliche Mergelsand- 
steine, Mergel und kalkige Conglomerate mit Austern, Dentalien und anderen Conchylien treten in der süd- 
lichen und westlichen Umrandung dieses Beckens ebenso wie in dem flachhügeligen Gebiet am unteren 
Orontes westlich von Antäkije auf. 

Vereinzelt gesellen sich den unbedingt vorherrschenden marinen Mollusken auch Süsswasserformen 
zu, eingeschwemmt durch die von S. und N. einmündenden Bäche. So fand ich in den marinen Sedimenten 
des linken Orontesufers bei dem lieblichen wasserreichen Hain Bet el-Mä, dem alten Daphne, bei Antiochia 
Melanopsis laevigata Lam., auf dem rechten Orontesufer, 1'/), Stunden südwestlich AntäkTje, am Wege nach 
Sueidije Melanopsis cf. Maroccana Cmemn. emend. Boure. und M. minor BLAxck. 


{ BrAncKENHORN: Das marine Pliocän in Syrien. Sitzungsbericht der phys. med. Soc. zu Erlangen. Habilitations- 
schrift 1891. 

? Im Gegensatz zu der veralteten, aber leider immer noch in populären geologischen Lehrbüchern, so in der neuesten 
Auflage von Nrumayr, Erdgeschichte I, 1895, p. 374 und 375 und II, p. 408 geäusserten Ansicht, dass das Pliocänmeer die 
heutige Küste der levantinischen Mittelmeerbucht überhaupt nicht erreicht habe. Ich nehme hier Gelegenheit, gleichzeitig 
darauf hinzuweisen, dass in demselben sonst so sorgfältigen und die meisten Fortschritte der Wissenschaft bietenden Werk, 
Band II, p. 388, auch das von mir in den Denkschriften der Wiener Akademie, d. Wiss. Math. naturw. Cl. 1892 behandelte 
Vorkommen von marinem Miocän in Syrien übersehen worden ist. 

Palaeontographica. Bd. XLIV. 10 


74 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Relativ unbedeutend ist die Meereshöhe, bis zu der die marinen Absätze der alten Bucht ansteigen. 
Als Maximum wurde auf der Casius-Seite bei Bet el-Mä 190 m, am Amanusgebirge sogar nur 128 m ge- 
messen. Soweit die horizontalen Pliocänschichten unterhalb Antäktje auf dem rechten Orontesufer liegen, 
zeigen sie sich weithin bedeckt von einer ausgedehnten Decke eines eigenartigen, grünlichen Eruptivgesteins, 
eines meist olivinfreien Uralitgabbro von Dolerit- oder Andesit-artigem Aussehen '. 

Das mittlere Orontesgebiet oder Rab, wie auch der oberste 
Theil des Thales, die Bekä“a zwischen Antilibanon und Libanon, blieb 


Mm von diesem Meer der dritten Mediterranstufe unbedeckt. Dagegen 
= sprechen mehrere Anzeichen dafür, dass sich einst an der Grenze von 
Nord- und Mittelsyrien an Stelle des heutigen Nahr el-Kebir im N. 

P = Marines Mittelpliocän. = D ESTER RUE Be 
I von Taräbulus ein schmaler Streifen des Pliocänmeeres tief ins Innere 
d — Diluvialkonglomerat. des Landes erstreckt habe. Bei Homs, wo der Mittellauf des Orontes 


beginnt, hatte diese Bucht dann das heutige Orontesthal überschritten. 
Nur ganz unbedeutende Spuren hat leider diese letzte Meeresbedeckung der dritten Mediterranstufe- hinter- 
lassen; sichere Reste nur östlich von dem Brunnen el-Forklus mitten in der palmyrenischen Wüste eine 
Tagereise von Homs entfernt, noch zweifelhafte, d. h. nicht genauer untersuchte bei Arka am Nordende 
des Libanon. Zwischen Homs und der heutigen Meeresküste sind die vielleicht noch in der Tiefe existierenden 
marinen Plioeänschichten von einer mächtigen Basaltmasse, ähnlich wie am unteren ÖOrontes von der er- 
wähnten relativ dünnen Gabbrodecke, verhüllt. 

Zwischen den beiden genannten schmalen, aber tief ins Land eindringenden Meeresbuchten gab es 
zur Mittelpliocänzeit in Syrien noch ein breites aber kürzeres Meeresbecken an der Westseite des Nusairier- 
sebirges oder Dschebel el-“Anserije im S. des Dschebel Akra‘, das Becken von Lädikrje im Flussgebiet des 
(nördlichen) Nahr el-Kebir. Die Fluthen dieses Beckens erreichten den heutigen mittleren Orontes nicht 
mehr, vielmehr stellte sich ihnen das Nusairiergebirge als östliche Grenze entgegen. Meinen Beobachtungen 
zufolge steigt das marine Pliocän hier bis zu Höhen von 130 m, allerhöchstens 200 m über dem heutigen 
Seespiegel empor. Es sind petrefaktenreiche Nulliporenkalke, kalkige Conglomerate und dunkle, wohl- 
geschichtete, grobkörnige, mergelige Sandsteine, welche häufig mit fossilfreien, bräunlichgelben, sandigen 
Mergeln mit vielen weissen Kalkconeretionen wechsellagern. 

An der Küste Mittel- und Südsyriens ist marines Pliocän bis jetzt unbekannt. 


Marines Oberpliocän. 


Marine Schichten des Oberpliocäns oder der vierten Mediterranstufe sind aus Syrien bislang mit 
Sicherheit nur von der Mündung des Orontes nachgewiesen. Es sind dunkelgrüne, mittel- bis grobkörnige 
Sandsteine, wechselnd mit Austernbänken und Conglomeraten, welche in der Umgebung der alten Hafenstadt 


i An der wirklichen Gabbronatur dieses pliocänen Ergussgesteins kann nach der genauen mikroskopischen Unter- 
suchung kein Zweifel sein, trotzdem dieser Fall bis jetzt meines Wissens ohne Analogie ist. In Cypern nimmt wohl BErGEAT 
für dortige Gabbros miocäne Eruptionszeit an, pliocänen noch dazu echt effusiven Gabbro aber hat man meines Wissens 
sonst noch nirgends nachgewiesen. Eine Specialuntersuchung dieses und anderer Eruptivgesteine Syriens und Kleinasiens wird 
demnächst veröffentlicht werden. 


Süsswasserpliocän am unteren Orontes. 


I 
oa 


Seleucia Pieria den dortigen miocänen Lithothamnienkalken discordant auflagern bis zu einer Meereshöhe 
von SO m. Bei der Maulbeerplantage Mreier des armenischen Grossgrundbesitzers Missarrav fand ich in 
diesen Schichten neben zahllosen marinen Conchylien 


wie Ostrea, Modiola costulata, Lithodomus lithophagus, Mi & 


, 3 5 Partie bei Mreier am Gebirgsfluss des Dschebel Müsa. 
Arca Noae, Cardita calyculata var. Seleuciae, Natica BE Sn y 
O. . 


Josephiniana, Cerithium vulgatum und Nassa Se- 


=] ; 
leuciae auch eine eingeschwemmte Süsswasserschnecke DON op 
0 Q Tas OSS 
Melanopsis Lortetiana Loc. ! m a 
Se 


Een T 


Es erscheint noch unsicher, ob und wie re Tee Le 7er 7 

Bas 6 . 6 = m — Klippen des Obermiocänkalks, stellenweise mit vielen 
weit diese marinen Schichten sich längs des unteren e : 

Bohrlöchern von Lithodomen 

‚Orontesthales aufwärts erstreckten. Ich selbst habe op — Oberer Pliocänsandstein, reich an Molluskenschalen. 
sie nur in der Umgebung der deltaförmigen Alluvial- 
ebene bei Seleucia gesehen und möchte mich auch der Ansicht zuneigen, dass sie nicht mehr wie das Mittel- 
pliocän über den Engpass am unteren Orontes hinaus bis in die Ebene von Antiochia reichten. 


Pliocäne Süsswasserbildungen in Syrien. 
(Vergl. Taf. VII, Karte von Syrien). 


Süsswasserpliocän am unteren Orontes. 


Die weite rundliche Niederung el-“Amk, im NO. von Antäk7je, welche noch heute grösstentheils von 
einem See Ak Deniz und ausgedehnten Sümpfen ringsum eingenommen wird, war meiner Ansicht nach schon 
zur Oberpliocänzeit ein grosser Süsswassersee. Er setzte beträchtliche Sedimente ab, nach Aınswortk bis 
zu 90 m Mächtigkeit. Von Fossilien führt Amsworte aus diesen „lacustrine deposits“ Melania (besser 
Melamopsis) costata und aus den höheren Theilen Bulimus labrosus, Paludina und Succinea, sowie schliess- 
lich Helix cariosa an. Der Name Paludina ist hier vermuthlich in seiner alten Lamarer’schen Bedeutung, 
also Bythinia und Hydrobia umfassend, gebraucht, nicht im engeren Sinne der späteren Conchyliologen gleich 
Vivipara Lam. Wäre letzteres der Fall, so bliebe zu beachten, dass die Gattung Vivipara bis jetzt lebend 
noch in keiner Art in Syrien vorgefunden ist, also es sich um eine ausgestorbene Art handeln müsste. Ein 
Schluss auf das Alter des Süsswassersees kann also aus den kurzen Fossilienangaben Aıssworre’s noch nicht 
gezogen werden. Dahingegen ist besonders für den Vergleich mit dem später zu besprechenden Pliocän von 
Dschisr esch-Schurr die Bemerkung Aımsworre’s von Wichtigkeit, dass die Schichten mitunter schwach ge- 
faltet erscheinen, also noch Bewegungen der Erdkruste unterworfen waren. 


Nach SW. verengert sich die sumpfige Niederung el-“Amk zur Ebene im N. von Antiochia, nach 
welcher Seite zugleich der Abfluss des heutigen Sees zum Orontes stattfindet. Folgt man der Darstellung 
ÄINSWORTH’S®, so ändert sich im N. genannter Stadt und am Örontesthal der Charakter der Binnen- 
ablagerung. Es treten blaue Thone mit sandigen und mergelisen Lagen auf, welche zahlreiche Carditen, 


! Früher von mir als M. turcica Parr. citirt. (Das marine Pliocän in Syrien, p. 46). 
? AınswortH: Researches in Assyria, Babylonia and Chaldaea. London 1838, p. 299. 
Sal ep300: 


76 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


echte Meeresbewohner, vermischt mit den bereits seltener gewordenen Süsswasserconchylien, enthalten. Dar- 
nach könnte man sich an dieser Stelle eine ehemalige Flussmündung oder Aestuarium an einer Meeresbucht 
vorstellen, welche sich bis hierher in dem unteren Orontesthal aufwärts erstreckte. Ich selbst habe diese 
Schichten mit gleichmässig gemischter Fauna nicht beobachtet, da ich die Gegend im N. von Antaktje nicht 
kennen lernte. 

Im SW. der Stadt auf dem rechten Flussufer, 6 km unterhalb der Brücke, fand ich allerdings, wie 
oben gesagt, in den Mergeln des zweifellosen Mittelpliocäns zwischen den marinen Muscheln mehrere Melanop- 
siden in ganz derselben Erhaltungsweise, aber nicht eine Spur von Carditen. Letztere sind mir aus dem ganzen 
Mittelpliocän am unteren Orontes und von el-Forklus nicht bekannt, bilden hingegen einen Bestandtheil der 
Fauna meines Oberpliocäns, die ich näher am Meere bei Seleucia Pieria ausbeutete und die unter anderen 
ebenfalls aber ganz vereinzelte Bruchstücke von Melanopsiden aufweist. 

Dass jene Binnenablagerung des “Amk-Beckens keinesfalls dem Mittelpliocän äquivalent ist, geht 
daraus hervor, dass ja, wie oben gesagt, die echte marine Facies des letzteren sich noch nordöstlich Antakrje 
um den Rand dieses Beckens herumzieht und vielleicht sogar noch in derselben Richtung im “Afrinthal eine 
Strecke weit aufwärts reicht. 

Diese Formation von „lacustrine deposits“ soll nun nach Amsworrk westwärts bedeckt werden 
von einem Gerölllager, das oft zu Breccie verfestigt ist und aus Trümmern von Diallagfels, Euphotid 
(— Gabbro), Serpentin, Quarz und Jaspis besteht, die von den benachbarten Bergen herrühren. Es ist diese 
Bildung aller Wahrscheinlichkeit nach identisch mit den altdiluvialen mächtigen Geröll- und Conglomerat- 
massen, welche, wie obige Abbildung Fig. 1 lehrt, die Flussthäler einschliessen und theils der Decke von 
Gabbro, theils dem marinen Mittelpliocän diskordant auflagern. 

Hier bestehen die Gerölle in der That vorherrschend aus dem jungen Gabbro- oder Euphotidgestein 
und älteren Serpentinfelsen, die vielfach Bastit enthalten. Man hätte sich also eventuell noch zur Vervoll- 
ständigung des Bildes nur die oberpliocäne (?) Süsswasserformation (Amsworr#'s) über der Gabbrobecke, 
aber unter dem Diluvialgeröll eingeschaltet zu denken. Obiges Diluvialgeröll enthält übrigens nach meinen 
Untersuchungen ausser vielen noch jetzt lebenden Süsswasserformen auch eine fossile Art (Melanopsis 
bieincta n. sp.), die ich nur aus dem Süsswasserpliocän am mittleren Orontes kenne. Es fällt danach diese 
Ablagerung am Orontes mindestens in sehr frühe Zeiten des Diluviums. 


Süsswasserplioeän im Rab oder mittleren Orontesthal. 


Von grösstem Interesse sind die pliocänen Binnenseeablagerungen am mittleren Orontes zwischen 
Dschisr esch-Schurr und Kalfat Sedschar, über die mir zahlreiche Daten vorliegen. 

Es handelt sich hier um Melanopsiden- und Viviparen-reiche Ablagerungen, für die ich jedenfalls 
pliocänes Alter in Anspruch nehme. Sie besitzen eine unverkennbare Aehnlichkeit mit den fossilreichen 
Paludinenschichten der Levantinischen Stufe (Mittelpliocän) im Osten Europas. Doch sprechen auch einige 
Umstände für ein etwas jüngeres d. h. oberpliocänes Alter, so dass die Schichten dann auch mehr den 
Binnenseeablagerungen der Niederung el-“Amk zeitlich gleichkämen oder wenigstens näherständen. Die Fauna 
enthält theils ausgestorbene, reich verzierte, charakteristische Melanopsiden und Viviparen, die lebhaft an 
die Formen der allerobersten, nicht aber der tieferen Paludinenschichten in Europa erinnern, theils 


Süsswasserpliocän im Räb oder mittleren Orontesthal. 


nn | 


viele noch jetzt lebende Arten der syrischen Flüsse. Das Verhältniss der ausgestorbenen Arten zu den noch 
jetzt lebenden ist 10:7 oder 58:42. Meines Dafürhaltens fällt die Entstehung dieser Ablagerungen in die 
Zeit gegen Ende der Levantinischen oder Mittelplioeänepoche, ja fast schon gegen den Anfang 
des Oberpliocäns, also ungefähr in den Uebergang zwischen beiden. 

Der wichtigste Punkt ist Dschisr esch-Schurr, ein grosses Dorf am Orontes an der Kreuzung der 
wichtigen Karawanenwege Lädik1je Aleppo und Antäktje-Hamä, eine Lokalität, die ich das Glück hatte zwei- 
mal zu besuchen und gründlich zu untersuchen. 

Die tiefsten Lagen dieses Süsswasserpliocäns sah ich auf dem linken Ufer des Orontes im W. ge- 
nannter Ortschaft, da, wo der Weg nach Antäkıje abgeht, in einem zusammenhängenden Profil folgender- 
massen aufgeschlossen. 

Zu unterst steht dicht an der Brücke an: Weisser, marmorartiger Eocänkalk mit dünnästigen 
Lithothamnien-Resten. 

Unmittelbar darüber folgen in diskordanter Auflagerung unter einem Streichen in hora 10 und Ein- 
fallen mit 37 ° nach O. von unten nach oben: 

Profil I. 
1) Grauer Thon (erste Thonbank) mit 
Neritina Karasuna Movss. 
= Orontis n. Sp. 
Hydrobia ? (Bythinella ?) sp. 
Melania tuberculata MüLn. 
Melanopsis minima n. Sp. 
5 vincta n. Sp. 
N multiformis n. sp. (ungemein häufig). 
% binodosa n. Sp., besonders transiens (Uebergang zu multiformis) . . . 1,00 m 
2) Dünne, unbeständige Lage von Mergelsandstein. 
3) Gelbgrauer Thon (zweite Thonbank) mit 
Unio homsensis LEA 
Hydrobia (Pyrgula ?) cf. acutecarinata Nzum. 
Melanopsis binodosa n. sp. typica (ungemein häufig). 


e DICLHEEOEDEUSDE RER En Eee 3,00 m 

As /weighärterewMercelbankeniyas er a ee 0,02 m 
5) Thon ohne Fossilien. 
Ö)plsockererzMerselumits weissengKalkconeretionengen 5 
7) Bräunlichgelber Kalksand, äusserlich weiss infolge Ausschwitzens des Kalkgehalts . 0,20 m 
8) Thon oder Mergel mit Kalkconcretionen, oben ohne dieselben. Eingeschaltet sind 

einzelne sandsteinartige Bänke, die aber mit Salzsäure heftig brausen . . . . . 5,00 m 
S)eBräunlich selber skalkiser# Sandstein Pe 0,30 m 
I)AGrauescharteyMereelbankaucs en Pe ee 1,00 m 
Ka VVeicherzSandsteinnoders Sand er... oe re ? 


Circa 10 m. 


78 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Es lägen hiernach nur aus zwei Thonschichten, also vollkommen isopischen Ablagerungen, Fossilien 
vor, freilich hier in zahlloser Menge, wohlerhalten und in den verschiedensten Altersstadien. Die an Indi- 
viduenzahl vorherrschenden Melanopsiden gehören alle einem einzigen grossen Kreise unter sich blutsver- 
wandter, veränderlicher Formen an, die von einer gemeinsamen Stammform ausgehen. Da die Faunen der 
beiden Petrefaktenbänke in ihrer prozentischen Zusammensetzung durchaus verschieden sind, wenn auch die 
meisten Arten in beiden Schichten vorkommen, so bietet eine genaue Betrachtung und Vergleich derselben 
vom phylogenetischen Standpunkt aus recht interessante Gesichtspunkte. Ich werde darauf später aus- 
führlicher zurückkommen. Hier sei nur noch soviel gesagt, dass sich von der gedachten glattschaligen 
Stammform Melanopsis minima n. sp., die der lebenden Melanopsis minutula Bours. nahekommt, sich zwei 
parallele Reihen ableiten lassen, deren eine schon in der ersten Thonbank mit M. vincta endigt, während 
die andere in M. multiformis und binodosa ausgeprägte Typen besitzt. MM. multiformis herrscht in der tieferen, 
M. binodosa unbedingt in der höheren Bank vor. M. bieinceta ist eine Endform des Multiformis-Zweiges, 
die sich durch Vereinfachung der Skulptur wieder der Stammform, sowie der M. vincta nähert. 


Während das linke Ufer des Orontes, auf dem der Ort Dschisr esch-Schurr selbst liegt, dort relativ 
schnell ansteigt und eine unregelmässig wellige Oberfläche besitzt, ist das rechte Ufer gegenüber tiefer ge- 
legen und viel ebener. Vermuthlich hat dieser Gegensatz unter anderem seinen Grund in postpliocänen 
Störungen, z. B. einer Senkung der Ostseite an einer wenn auch unbedeutenden lokalen Bruchlinie, ungefähr 
an Stelle des Flusses und einer damit verbundenen Schleppung der Schichten auf der stehen gebliebenen 
Scholle, die deren steiles Einfallen nach O. erklärt. 


Fig. 3. 
Querprofil durch das Räb oder mittlere Orontesthal bei Dschisr esch-Schurr. n 
Massstab: 1:100000. Länge: Höhe = 1:5. Gehängeschotter. 
Dschisr esch-Schurr 137—148 m. Mischlamüm. Jüngerer (postplio- 
- n - cäner) Basalt. 
Räb ! 
i Süsswasserpliocän. 
n; >> | Eocän. 
‚Orontes 134m H x N 
i& ST Senon. 
a Mask = zent Base | Cenomanturone Kalke 
rer TEE 58 Nor een is es mit Feuersteinknollen. 


Die Eocänkalke sind auf dem rechten Ufer nicht mehr aufgeschlossen, so dass ein genauer Vergleich 
auch der Pliocänschichten von unten nach oben nicht angäneig ist, zumal dieselben hier etwas anders aus- 
gebildet sind trotz der geringen Entfernung. Direct über dem Flussniveau findet sich auf dem rechten 
Ufer oberhalb der Brücke: 

Profil II: 
1) Weisser Thon mit Kalkconeretionen und nur wenig Fossilien: 
Unmio Homsensis LEA | 
Melanopsis multiformis n. SP. 
binodosa n. sp. var. transiens (ganz vereinzelt). 
DICINELA ME ISPE une ee le ee ee Be a ale 0 ern 


Süsswasserpliocän im Räb oder mittleren Orontesthal. 79 


2) Grobes Conglomerat mit Geröllen von (älterem) Basalt, Feuerstein, Jaspis und 
wenigen Conchylien 
Dreissensia Chantrei Loc. 
Melanopsis div. sp., nur Trümmer derselben Arten wie in der folgenden Schicht . 0,50 m 
3) Muschelkalk (Dreissensia-Bank) mit 
Dreissensia Chantrei Loc. (gemein). 
Melanopsis laevigata Lam. 


MR hiera LET. 
" minor BLANCK. 
" crassitesta n. SP. 
g tramsiens n. Sp. 
" eylindrata n. Sp. 
. oblonga n. SP. 
M hemimorpha n. Sp. 
r sancta LET. 
Neritina Karasuna Mouss. 
5 KONSENS Re Tr ae 0:20 
4) Weisser Melanopsiden-Mergelthon reich an \ 
Melanopsis unicineta n. SP. . 
n bieineta n. Sp. ‘ ce. 3,00 m 
5) Gelbweisser Mergelsand mit Knochenresten, Spuren von Melanopsis und Helix. 
6) Mergel mit weissen Kalkconeretionen. / 


Darüber folgt in ca. 6 m Höhe über dem Flussniveau: 


7) Weisser, knolliger Mergelkalk mit gelben Poren und Wurzelröhrchen auf den Schichtlagen 0,40 m 


ö)pMereelemitsweissen@k@lkconeretionene 00 
)eBraungelblichersMerselsandsteine. 2 er ? 
I0)BMercelemitsweissen@KalkeonGeretionens ? 


11) Decke von (jüngerem) Basalt. 


In diesem Profil sind 5 Petrefaktenbänke von dreierlei Art oder Facies enthalten, zunächst wie im 
I. Profil vom linken Flussufer Thonlager als Absätze aus ruhigen, tieferen Seetheilen mit schlanken, zierlichen, 
fein skulptirten, an der Gehäusespitze nie corrodirten Melanopsidenformen, dann Conglomerate oder kalkige 
Muschelbreceien mit lauter dickschaligen, mehr gedrungenen, wenig verzierten, meist corrodirten Melanopsiden 
und Dreissensien, schliesslich Mergelsande mit Knochenspuren und Helix. Die beiden letzten Facies tragen 
mehr festländischen bezw. Ufercharakter oder sind fluviatil. Wie in ihrer Gesteinsbeschaffenheit haben diese 
verschiedenen Facies auch in ihrer Fauna keine Beziehungen zu einander. Mit den Petrefaktenbänken 1 
und 3 des I. Profils lassen sich nur die Thonlagen 1 und 4 des Il. Profils vergleichen. Die eingeschlossene, 
relativ spärliche Melanopsidenfauna weicht nicht wesentlich von der des linken Ufers ab. Im Allgemeinen 
aber macht sie den Eindruck eines wenig jüngeren Alters. Melanopsis vincta aus Schicht I. 1, die sich 
von der gedachten Stammform der ganzen in Betracht kommenden Gruppe relativ am wenigsten entfernt 


so M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


hat, fehlt in II 1 ganz. Es herrschen H. multiformis und zwar hauptsächlich in vorgerückterem Zustande, bei 
dem die letzten Windungen wieder glatter werden, sowie M. bieincta, die von dieser als Endform sich ableitete. 
Die mit letzterer in I, 3 zusammen vorkommende, charakteristische M. binodosa aber fehlt hier fast ganz; 
sie scheint also nur lokale Verbreitung gehabt zu haben. Ich möchte Schicht H, 1 für eine äquivalente 
Vertretung der Schicht I, 3 halten, besonders mit Berücksichtigung der beiden gemeinsamen M. bicincta. 
Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass, abgesehen von der M. bieineta, sich auf dem linken heutigen 
Ufer bei der grossen Veränderlichkeit der ganzen Formenreihe eine Tendenz zu auffallender Skulptur 
(Knotenbildung bei M. binodosa) bemerkbar machte, während gleichzeitig in der Nähe auf dem rechten 
heutigen Ufer mehr eine Vereinfachung der Skulptur eintrat, was sich auch in den schwachen Knoten der 
dort vereinzelt auftretenden Exemplare von M. binodosa ausspricht. So fand auch auf dem linken Ufer bald eine 
Verdrängung der M. multiformis, welche in schwankender Weise die Mitte zwischen den zwei Tendenzen hält, 
statt, während sie sie sich auf dem rechten Ufer länger hielt. und weiter entwickelte zur M. unicincta. 


Der grösste Gegensatz des Profils II gegen I beruht in dem Auftreten der Conglomerat- und Muschel- 
kalkbank, die wir später weiter aufwärts auf der rechten Seite des Rab oder mittleren Orontesthals bis nach 
Kal‘at el-Mdik hin werden verfolgen können. Man kann dieser Bank in I höchstens die kümmerliche Mergel- 
bank 4 parallelisiren. Im Uebrigen herrscht in den höheren Theilen der Profile einige Uebereinstimmung. 
Schicht 4 und 5 bei II entspricht 5 bei I, II 6—8 mit Kalkconcretionen der Lage I 6, der Sandstein I 9 
demjenigen in I 7; schliesslich II 10 = I 8. Der Basalterguss verhinderte dann bei II auf dem rechten 
Ufer eine weitere Sedimentbildung, während links noch der höhere Theil von 8, sowie 9—11 abgesetzt wurde. 


Das Empordringen dieses (jüngeren) Basalts von Dschisr esch-Schurr an die Oberfläche hängt meinen 
Beobachtungen zufolge zusammen mit dem Aufreissen der grossen Bruchspalten an den Rändern des Rab- 
grabens am Fusse des Plateauabfalls, speciell der rechten Orontesthalseite. Im O. von Dschisr esch-Schurr 
wurde bei dem Dorfe Mischlamüm, am Fusse des östlichen Dschebel el-A‘lä, gerade an der Stelle der 
zweifellos hier vorhandenen Randspalte ein Basalthügel beobachtet, dessen Masse offenbar zusammen mit der 
Basaltdecke im W. am Fluss über dem Pliocän ursprünglich einem Erguss angehörte, wie sie auch noch 
jetzt damit in ununterbrochenem Zusammenhang steht. Der Basalt kam 
also aus der Randspalte, wahrscheinlich unmittelbar nachdem sie aufge- 
rissen. Wäre dieses Ereigniss vor der Ablagerung des Süsswasserpliocäns 
erfolgt, so müsste der Basalt nicht die Decke, sondern die Unterlage jener 
Sedimente bei Dschisr esch-Schurr bilden. 


Fig. 4. 


Noch charakteristischer und unzweideutiger als hier sind die Lagerungs- 
verhältnisse des Pliocäns im W. von Dschisr esch-Schurr am westlichen 
Thalrand. Steigt man auf dem Wege nach Lädikije über die wellige, all- 
mählich ansteigende Räbebene empor, so sieht man zunächst noch pliocäne Mergel den Boden bedecken, 
dann treten Eocänkalke unter ihnen auf, die bis zum Fusse des Dschebel el-Anserijeabfalls anhalten. Der 
Gebirgsfuss selbst wird von jüngerem Geröll und Schotterablagerungen eingenommen, zwischen denen grosse 
abgestürzte Kalkblöcke liegen. - 

Der steile Gebirgsabfall zeigt beim Aufstieg längs eines Trockenthals dicht im N. des zickzack- 
förmigen Karawanenwegs folgende Schichtenwechsel von O. nach W. (vergl. nebenstehendes Profil, Fig. 5)» 


Süsswasserpliocän im Rab oder mittleren Orontesthal. s1 


Den Anfang bildet ein milchweisser, marmorartiger, zum Theil breceienhafter Kalk, der Lithothamnien, 
kleine Nummuliten und Spuren von Gastropoden enthält und dem Eocänkalk von der Brücke bei esch-Schurr 
entspricht. Er streicht in h. 1 und fällt mit 30—60° nach 0. ein. 


Fig. 5. 


Omen Gehängeschotter. 


SS Oberes Süsswasserpliocän. 


se so se2’ 


<eo0000% 


= Nummulitenkalk. 


= Kreidekalk mit Feuersteinknollen. 


Infolge einer Verwerfung (d) in hora 1 stösst er westlich direct an dünnschiefrige, weisse, weiche 
Kalkmergel und helle, lose Mergel mit weissen Kalkeoncretionen. Der Streifen dieser Schichten, welche 
gegen den Berg einfallen, nimmt an Breite etwas über 200 m an der Oberfläche ein. 

Es folgt nun vermittelst der Verwerfung c plötzlich feuersteinführender, kieseliger Kalk der Oberen 
Kreide, der mit 45° gegen W. einfällt. 

Dann treten bei b wieder bis zur Spalte a Neogenschichten auf, weisse, dünnschiefrige Kalkmergel, 
die in h. 2 streichen und mit 30° gegen W. einfallen. Die Verwerfungen c, b und a sind gleichweit, nämlich 
ca. 70 m von einander entfernt. 

Den Schluss des Profils bildet obereretaceischer Kalk, der zuerst mit 45° nach W. einfällt, nach 
oben aber horizontale Lagerung einnimmt und so bis zum oberen Rande des Gebirgsabfalls zur Kante des 
Plateaus anhält. Versteinerungen konnten hier in demselben nicht aufgefunden werden. Er charakterisirt 
sich durch Auftreten von Feuersteinknollen in Schichtlagen. 

Dass die eingesunkenen Streifen zwischen a und b und zwischen ce und d Neogenschichten darstellen, 
dürfte wohl nicht bezweifelt werden. Der Mangel an Versteinerungen an dieser Stelle erschwert freilich 
die Beantwortung der Frage, ob man es mit marinem Miocän, marinem Pliocän oder Süsswasserpliocän zu 
thun hat. Der Gesteinscharakter verweist uns ganz entschieden auf eine der beiden letzten Annahmen. 
Denn lose Mergel mit Kalkconcretionen habe ich nur in marinem und Süsswasserpliocän Nordsyriens wahr- 
genommen, nie aber in dem Oberen Miocän des Nusairiergebirges und Dschebel Akra“ und des im N. auf 
das Nusairiergebirge folgenden Koseirplateaus. Die nächsten sicheren Ablagerungen von marinem Pliocän 
aber, welche ähnliche Bildungen aufweisen, liegen erst im W. des Nusairier Gebirgsrückens am unteren 
Nahr el-Kebir bei Lädikije, wo sie höchstens zu 200 m Meereshöhe emporsteigen, das Gebirge selbst 
(Wasserscheide stets über 200 m) aber nicht überschreiten. Es könnte höchstens die Ansicht Raum ge- 
winnen, dass sich das Pliocänmeer von N. her aus der Niederung el-“Amk, deren Ränder noch marinpliocäne 
Ablagerungen zeigten, längs des Orontesthales bis in die Gegend von Dschisr esch-Schurr erstreckt habe. 
Ich kann hier nur anführen, dass ich bei Dschisr und auf meiner Wanderung stromabwärts wenigstens bis 


Hammäm Scheich “Isa bei Derkusch in der Thalebene wie an den umgebenden Plateauabfällen keine als 
Palaeontographica Bd. XLIV. 11 


M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


[0 0) 
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marines Pliocän sicher zu deutenden Sedimentreste beobachten konnte. Es bleibt also als höchst wahr- 
scheinlich die Annahme übrig, dass jene zwischen Verwerfungen am ÖOstabfall des Nusairiergebirges einge- 
sunkenen lockeren Schichten dem Süsswasserpliocän angehören. In petrographischer Beziehung steht dieser 
Annahme nichts im Wege, denn ganz dieselben Gesteine, Mergel mit weissen Kalkconcretionen, lernten wir 
in den Profilen von Dschisr esch-Schurr noch über den Melanopsidenreichen-Lagen in I 6, 8, II 6, 8, 10 kennen. 

Wendet man sich aus dem Trockenthälchen, welches uns das beschriebene Profil aufschloss, längs 
des Gebirgsabfalls in südlicher Richtung, so gelangt man nach Ueberschreitung des Weges von Lädikrje bald 
in einen ähnlichen kurzen Wasserriss, in welchem sich nunmehr folgender Durchschnitt darbietet. 


Die Verwerfungen e und d sind hier viel näher aufeinander gerückt. An den Wänden des Thal- 
einschnittes lässt sich deutlich die gegen das Gebirge gerichtete Neigung der Spalte d erkennen, welche 
danach mit c unten convergirt. Die oberen Verwerfer b und a sind durch diesen Wasserriss nicht mehr 
aufgeschlossen. Die untere derselben (b) scheint hier beträchtlich hinaufgerückt zu sein, um sich etwas 
weiter südlich mit der fünften a spitzwinklig zu schaaren. So erscheinen die Verhältnisse wenigstens aus 
der Ferne gesehen vom östlichen Orontesufer aus, von wo man deutlich die hellen Pliocänstreifen zwischen 
den Kalken erkennen kann. 

Fig. 7. 
Längsansicht! des Steilabsturzes des Dschebel el-Anserije im W. von Dschisr esch-Schurr, gesehen 
von O©. vom rechten Orontesufer. 


Dschebel el-Anserije. Dschebel el-Koseir. 


a. Obere Kreide (Turon ?). Harter Kieselkalk mit Feuersteinen. 5. Eocänkalk am Fusse des Ge- 

birgsabfalls mit Nummulites und Lithothamnien. c. Miocän des Dschebel el-Koseir. d. Pliocäne 

Süsswasserschichten, theils in der Ebene am Fuss, theils in Schollen am Abhang. e. Gebirgsschotter 
am Fusse des Abhangs. 


Aus diesen Lagerungsverhältnissen geht mit zwingender Nothwendigkeit hervor, dass wenn diese 
eingeklemmten Schichten d wirklich wie ich annehmen zu müssen glaube, oberpliocänen Alters und identisch 
mit denen der Räbebene bei Dschisr esch-Schurr sind, dann jene Spalten im W., zwischen denen das Tertiär 


1 Irrthümlich ist das Thälchen in der Mitte dieses Bildes, unser zweiter Wasserriss, zu weit aufwärts gezeichnet. 
Es endigt nach oben schon in den ersten als a bezeichneten Kreidekalken. 


Süsswasserpliocän im Rab oder mittleren Orontesthal. 8 


[S4} 


einsank, ebenso wie die Randspalte im O. des Räb erst nach Ablagerung des Oberpliocäns aufrissen. Die 
beiden Querprofile der westlichen Thalseite (Fig. 5 und 6), auf deren zweimalige sorgfältige Untersuchung 
auf meiner Hin- und Rückreise ich einen ganzen Tag verwandte, lassen nicht die von Dieser! und Tınmze ® 
in ihren Referaten über meine „Grundzüge der Geologie von Nordsyrien“ geäusserte Vermuthung zu, dass 
Pliocänbildungen dort einfach durch Transgression in jene Höhen vorgedrungen und in die geschilderte un- 
gewöhnliche Lage gekommen seien, ohne dass nachträgliche Dislocation erfolgte. Die Behauptung, dass 
der Beweis für meine Spalten-Hypothese noch nicht stricte geführt sei, darf ich jetzt wenigstens als un- 
berechtigt zurückweisen. 


Unterhalb Dschisr esch-Schurr, wo die Thalebene allmählich zu höherem Niveau emporsteigt, so 
dass der Orontes eine tiefe Rinne in dieselbe eingraben musste, verschwinden die Süsswasserthone und 
Mergel bald und die bisher von ihnen bedeckten Eocänkalke und Marmore nehmen die ganze Oberfläche 
ein. Das Binnenseebecken des Räb fand unterhalb Dschisr esch-Schurr seinen Abschluss nach N. 


Verfolgen wir nun das Auftreten der Pliocänbildung im Räb oberhalb oder südlich von Dschisr 
esch-Schurr. Am Wege nach Kal at el-Mdık treten auf dem rechten Orontesufer unter der ausgedehnten 
Decke von jüngerem Basalt mehrfach harte Kalke und Conglomerate oder auch dünngeschichtete Mergel- 
kalkbänke an die Oberfläche. Etwa 2 Stunden südlich von Dschisr esch-Schurr fand ich darin 

Umio sp. 

Corbieula Hebraica Bourc. 

Neritina Orontis n. Sp. 

Vivipara Apameae n. Sp. h 
Melanopsis eylindrata n. sp. 
Solche Muschelbänke setzen nun fort bis etwa 4 Stunden von Dschisr esch-Schurr entfernt, wo der Weg 
von der Mitte der Thalebene sich dem Östrande derselben nähert. Dort sah ich zuletzt einen harten 
breccienartigen Muschelkalk mit viel Feuerstein- und Hornstein-Fragmenten als Oberflächenbedeckung. Er 
enthielt besonders 

Vivipara Apameae n. sp. 

Neritina Orontis n. Sp. 
In der Nähe des im O. befindlichen steilen Plateauabsturzes, der mit ganz scharfer N-S. Linie die Ebene 
begrenzt, treten in letzterer dieselben grauen Eocändolomite und Kalke zu Tage wie an der östlichen Ge- 
birgswand. Sie sind hier am Rande der Ebene nur von einer dünnen, jüngeren Gesteinskruste überzogen; 
so sah ich bei dem armseligen Dorfe Hauwasch auf dem Eocän 10 em Conglomerat und 10 cm gelblichen 
Sandstein. 


In viel bedeutenderer Mächtigkeit als hier in der Räbebene finden wir dann dieselben Süsswasser- 
ablagerungen auf dem östlichen Plateau, aber nur auf dessen südlicheren, niedriger gelegenen Theilen, die 
wir bei Kal “at el-Mdik ersteigen. 

Der 247 m hohe Bergkegel, auf dem früher die Akropolis von Apamea, heute die Feste Kal ‘at 
el-Mdik liegt, stellt in Wirklichkeit nur ein durch Erosion isolirtes Stück des Plateaus im O., auf dem die 


! PerermAanns Mittheilungen 1892. Litb. N. 234. 
? Verhandlungen d. k. k. geol. Reichsanstalt 1891, p. 188. 


S4 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Ruinen der Stadt Apamea liegen, vor. Nach W. fällt er direct zur breiten Orontesthalebene ab, die am 
Fusse des Kegels ca. 192 m hoch ist. Der Fuss des Burgkegels wie auch der des ganzen Plateauabfalls 
zum Orontes besteht aus dolomitischen Eocänkalken. Darüber folgen im S. und O. der Burg in discordanter 
Lagerung mit Ausfüllung der Unebenheiten des Untergrundes Sandsteinschichten, die mit Kies und Gerölle 
abwechseln und schwach gegen W. geneigt sind. Im NO. konnte ich nur Conglomerat-Gerölle und Kalkstein 
wahrnehmen, im W. herrscht jüngerer Kalkstein vor, der im ganzen mehr die jüngeren Ablagerungen dieses 
Süsswasserschichtenkomplexes zu repräsentiren scheint. Wie der Burghügel zeigt sich auch das ebenso hohe 
Plateau von Apamea mit dem Ruinenfeld (ca. 255 m) von Süsswasserkalken und Conglomeraten weithin be- 
deckt. An einer Stelle der Stadt-Ruinen sah ich anstehend eine rauhe, bröcklige, sandigkalkige Muschel- 
breccie mit Einschlüssen von Eocändolomit und folgenden Süsswasserschnecken : 

Neritina Orontis n. Sp. 

Vivipara Apameae n. sp., häufig. 

Melanopsis Chantrei Loc. | i 

5 cylindrata n. sp. | vereinzelt 

Das relativ niedrige Plateau von Apamea bildet eigentlich nur die südliche Vorterrasse des höheren 
Dschebel Scheich Sabü und der Gebirge von el-Bära, welche im N. und NO. folgen. Ob auch diese höheren 
Plateaus im O. des Räb noch theilweise von pliocänen Binnenseeablagerungen bedeckt sind, muss ich dahin- 
gestellt sein lassen, da ich sie nicht betreten habe, möchte es aber bezweifeln. Vielmehr halte ich die etwa 
von OSO. nach WNW. streichende Grenze zwischen. dem höheren Dschebel el-Bära und dem breiten Vor- 
plateau von Apamea, eine Grenze, die bei ihrer besonderen Richtung nichts mit der Entstehung der nord- 
südlichen Räbspalten zu thun hat, für identisch mit der Grenze des alten pliocänen Süsswassersees. Erst 
2—4 km nördlich von Apamea nahm meiner Ansicht nach diese alte Seegrenze' ebenso wie die des hohen 
Kalkgebirges Dschebel Scheich Säbü eine südnördliche Richtung an. Der spätere postpliocäne Einsturz des 
Räbgrabens vollzog sich von dort an zufällig in gleicher Richtung mit der Erstreckung des Pliocänbeckens. 

Auch südöstlich von Apamea’s Ruinenfeld zeigt sich das von dem sumpfigen Rab durch die östliche 
Rabspalte wohl abgetrennte niedrige Plateau (26 m relativ hoch) auf dem Wege nach Kal “at Sedschar von 
Süsswasserkalken bedeckt, unter denen das Eocän kaum noch zu Tage tritt. 

Vor Kal “at Sedschar verlässt man in mehreren Stufen wieder das Plateau und durchquert das hier 
westöstlich gerichtete Thal des Orontes. Bei Kal “at Sedschar steigen auf beiden Ufern des Orontes wieder 
die eocänen Felsmassen zu einem Plateau von 300 m Meereshöhe auf, durch welches sich oberhalb des Orts 
der Fluss eine tiefe, unzugängliche Schlucht ausgehöblt hat. An dem Steilabfall dieses Plateaus zeigen sich 
im O. der Feste S@dschar die im ganzen dunkel erscheinenden, dolomitisch kalkigen Eocänfelsen oben deutlich 
von einer hellen Kalkmasse bedeckt, welche an Mächtigkeit nach NO. zu wächst. Es sind weissliche, mürbe 
Süsswasserkalke, welche besonders auf dem rechten ÖOrontesufer die Decke des Eocäns bilden bis gegen 
Hamä hin. 

An dem vom Nahr el-“Ası oder Orontes umflossenen Hügel inmitten der Stadt Hamä zeigen sich 
etwas ähnliche Verhältnisse wie am Burgberg von Kal “at el-Mdik. Nur die Basis des Hügels besteht aus 


{! Vergl. hierzu meine geognostische Kartenskizze von Nordsyrien in meinen „Grundzügen der Geologie von Nord- 
syrien.“ Berlin 1891. 


Süsswasserpliocän in Mittelsyrien, Libanon und Antilibanon. S 


oa 


anstehendem, älterem, weisslichem Kalk des unteren Eocäns (?). Darüber folgen theils geschichtete und 
theils schichtungslose lockere Massen in Lehm mit eckigen Gesteinsfragmenten, Breccien und Gerölllagen mit 
Unio-Schalenresten. Im Gegensatz zu dem grösstentheils durch natürliche Vorgänge bewirkten Aufbau des 
Hügels von Kal at el-Mdik ist indessen hier in Hamä sicher das Allermeiste künstlich aufgeschüttet. Es 
liest einer der in Nordsyrien so ausserordentlich häufigen Tells oder künstlichen Hügel vor. Ob hier über 
der Eocänbasis auch noch in geringem Masse an Ort und Stelle verbliebene Reste der natürlichen, früher 
am mittleren Orontes ausgebreiteten Binnenseeablagerung der Pliocänzeit vorliegen, die durch die Erosion 
des Flusses inselartig isolirt wurden, oder ob alles ohne Ausnahme als künstlich zu betrachten ist, ist nicht 
leicht zu entscheiden. 

Weiter oberhalb Hamä habe ich am mittleren Orontes sichere Spuren einer pliocänen Süsswasser- 
bedeckung nicht vorgefunden. Danach möchte ich Hamä vorderhand als den äussersten noch eventuell in 
Frage kommenden Punkt in der südöstlichen Begrenzung des grossen Pliocänbeckens von Nordsyrien an- 
sehen, wie ich das auch auf der geognostischen Kartenskizze von Nordsyrien seinerzeit ausgedrückt habe. 


Süsswasserpliocän in Mittelsyrien, Libanon und Antilibanon. 


An einigen Stellen des Libanon und des Antilibanon existiren Süsswasserablagerungen aus jungtertiärer, 
vermuthlich pliocäner Zeit. Dieselben sind unter allen isomesischen Bildungen Syriens in ihrer Erscheinungs- 
weise und Fauna so einzig, dass ein Vergleich mit anderen sehr erschwert wird. 

0. Fraas' machte zuerst auf jungtertiäre Süsswassermergel am Ostabfall des Libanon aufmerksam, 
die er auf seiner zweiten Orientreise im Jahre 1875 bei Zahle entdeckte. Nach einer ausführlichen brief- 
lichen Mittheilung, die Herr Professor OÖ. Fraas die Liebenswürdigkeit hatte, mir auf meine Bitte zu machen, 
liegt der Hauptfundort, welcher die von ihm angeführten Versteinerungen enthält, in einem Seitenthälchen 
der Bekä ‘a am Bardüni noch oberhalb Zahle, genauer 4 km im NW. dieser Stadt. Ich selbst habe auf 
meiner flüchtigen Reise durch Coelesyrien (Juni 1888) diese Stelle nicht mehr erreicht, ebensowenig wie 
auch Dr. Drexer 1885. Die angeführte Lage dieser Gebilde ist zur Beurtheilung der Frage der Bekä ‘a- 
Spalten von einiger Wichtigkeit. 

Der massgebende, sicherste Fundpunkt jener neogenen Süsswasserschnecken befindet sich also gar 
nicht in der Bekä ‘a, der Grabensenke zwischen Libanon und Antilibanon oder an deren Rande am Fusse 
des Ostabfalls des Libanongebirges, wie Diener es verstanden zu haben scheint, sondern mitten im Li- 
banon selbst. 

Von Fossilien führt FraAs aus den betreffenden lichtgelben Mergeln besonders eine Planorbis und 
eine Litorinella an, die er mit P. cornu Bronxcx. und L. acuta A. Braun identificiren zu können glaubt. 
Ausserdem sollen sich Trümmer von „Lymnaeen und Paludinenschalen“, sowie „Schmitzen von Braunkohlen 
einstellen, wodurch die Mergel „eine“ gewisse „Chokoladenfarbe erhalten.“ Die Fraas’sche Sammlung in 
Stuttgart enthält leider keine Belegstücke eines der von Fraas besuchten derartigen Vorkommnisse jung- 
tertiärer Süsswasserbildungen, wie mir Herr Professor Fraas selbst mittheilte. Doch war ich in der glück- 
lichen Lage eine kleine Probe lichten Mergelkalk mit der Fundortsangabe Zahle der Sammlung des Syrian 
Protestant College der amerikanischen Mission zu Beirüt entnehmen und genauer untersuchen zu können. 


1 Fraas: Geologisches aus dem Libanon. Württemb. naturw. Jahreshefte 1878, p. 361—363. 


s6 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Es fanden sich zwei neue weiter unten beschriebene Arten darin vor, mit denen ich wohl die obigen beiden 
von FraAs näher bezeichneten Schneckenformen vereinigen zu dürfen glaube: 

Planorbis major n. sp. mihi (= F. cornu FrAas). 

Hydrobia Fraasi n. sp. mihi (= Litorinella acuta Fraas). 

„Hinter Kerak Nüch‘“, das an der Strasse von Mu‘allaka nach Bafalbek liegt, soll sich nach Fraas 
„das Vorkommen der Planorbis-Mergel, die an Nerineenfelsen der oberen Kreide sich anlehnen,“ wieder- 
holen, „dessgleichen auf der linken Seite des Litani bei Serain, wo der Yafüfe aus dem Antilibanon her- 
vorkommt.“ 

Diese beiden Punkte! liegen allerdings an dem westlichen und östlichen Gehänge oder Rande der 
Bekä‘a am Fusse der beiderseitigen Gebirge, auffallenderweise genau im OÖ. von dem Hauptfundpunkt im 
Thal des Berdüni. Fraas scheint gerade aus diesen beiden letzten Vorkommnissen zu schliessen, dass 
„wahrscheinlich auch der Untergrund der Bekäa- Niederung lichte, bituminös berührte Süsswassermergel 
führt.“ Dieser hat in den von ihm besuchten Abschnitten der östlichen Bekä ‘a speciell an den Westab- 
hängen der Hügelkette von Medschdel “Andschar, Taijibeh und Breitän ausgesprochene Süsswassermergel 
tertiären Alters nicht angetroffen. Auch ich habe auf meiner allerdings beschleunigten Durchreise durch 
die Bekä “a keine petrefaktenführenden Süsswasserschichten gesehen. Ich möchte mich daher vorläufig der 
Ansicht zuneigen, dass jene von FrAaAs glücklich beobachteten Vorkommnisse auf einen oder besser mehrere 
kleine, local beschränkte, ehemalige Süsswasserseen zurückzuführen seien, nicht aber auf einen grossen Binnensee, 
welcher die ganze Bekä ‘a zwischen Libanon und Antilibanon erfüllte. Die Frage, ob die Bekä ‘a überhaupt zur 
Zeit jener Ablagerungen schon existirte oder nicht, scheint mir am besten dahin beantwortet zu werden, dass 
diese meridionale Depression damals wohl in ihrer ersten Anlage als eine Mulde zwischen zwei” Falten von 
grosser Spannweite, aus denen später Libanon und Antilibanon hervorgingen, theilweise, d. h. wenigstens 
in ihrem mittleren Theil schon vorgebildet war, so dass im W. sich Süsswasserbildungen an die bereits auf- 
gerichteten Kreide- und Eocänschichten diskordant auflagern konnten, dass aber der letzte und eigentliche 
Einbruch des Bekä ‘a-Grabens die Herausbildung seiner heutigen Gestalt doch einer späteren Zeit angehört. 


Die Annahme mehrerer pliocäner Süsswasserseen von geringer Ausdehnung innerhalb Mittelsyriens, 
sowie einer damals noch einförmigeren, weniger zerrissenen Bodenoberfläche findet eine gewisse Stütze in 
dem Auftreten ganz ähnlicher Süsswasserkalke inmitten des Antilibanon, von denen ich in der Diexer’'schen 
Sammlung in Wien genügende Belegstücke, deren noch nirgendwo bisher Erwähnung geschehen ist, fand. 
Nach persönlicher freundlicher Mittheilung des Herrn Dr. Diener sind diese schneckenreichen blauen Kalke 
unweit Asäl el-Ward im O. des Harf Räm el-Kabsch (2376 m) in einer Meereshöhe zwischen 1800 und 
1900 m am Wadi Sahridschi an der grossen sich weithin ziehenden „Störung von Chän Meithlün“®? zwischen 
Libanonkalkstein (Turon) und Wüstenkalkstein (Eocän) gesammelt. Sucht man auf Diexer’s geologischer 
Karte von Mittelsyrien, auf der übrigens die Vorkommnisse von Süsswasserpliocän noch nicht aufgetragen 
sind, diesen Punkt, die Kreuzung der SW.—NO. gerichteten Grenzlinie zwischen Libanonkalkstein und Eocän 
mit dem „Wadi Sahridschi“, so fällt als merkwürdiger, wahrscheinlich nur ganz zufälliger Umstand auf, dass 


! Auf unserer Karte von Syrien, Tafel I, ist der eine Fundpunkt von Kerak Nüh leider übersehen worden. 

? Man vergleiche hierzu Diexers Profil durch den nördlichen Libanon und Antilibanon von der Küste über den 
Cedernpass und Ba‘albek nach Saidnaja in Dirxer’s „Libanon“, p. 71, Fig. 3. 

3 Vergl. Dieser: Libanon, Profil 3 auf p. 71 und 292. 


Süsswasserpliocän in Mittelsyrien, Libanon und Antilibanon. 37 


der Pliocänpunkt im Antilibanon wieder fast genau östlich von den früher genannten Vorkommnissen am 
Jahfufe und Bardüni liegt. Kurz sämmtliche 4 bis jetzt beobachteten Vorkommnisse von pliocänen Süsswasser- 
bildungen in Mittelsyrien reihen sich in einer Linie aneinander, während die ganzen heutigen Strukturlmien 
der Gebirge Mittelsyriens, des Libanon, der Bekä ‘a und des Antilibanon von SSW. nach NNO. verlaufen. 
Auch dieser Umstand könnte immerhin als ein weiterer Beleg für die Unabhängigkeit der pliocänen Binnen- 
seen und ihrer Ablagerungen von der Existenz der Bekä “a geltend gemacht werden. 


Es scheint mir hier am Platze darauf hinzuweisen, dass die marinen Pliocänbildungen des Mittel- 
pliocäns Mittelsyriens eine in gewissem Sinne ähnliche Verbreitung besessen haben müssen. Denn wie ich 
in meiner Abhandlung: „Das marine Pliocän in Syrien“ !, nachwies und auch oben auf Seite 74 kurz bemerkte, 
erstreckte sich damals eine tiefe, schmale Bucht in W-O. Richtung von der Dschüni-Ebene am unteren Nahr 
el-Kebir zwischen dem Libanon im S. und dem Dschebel el-*Anserije im N. hindurch über Homs tief in die 
Palmyrenische Wüste bis zum Brunnen el-Forklus. Diese Meeresbucht war also unserer hypothetischen Kette 
von Süsswasserseen in Mittelsyrien parallel und wie diese senkrecht zur Richtung der Gebirgszüge des 
Libanon und Antilibanon, die damals noch keinenfalls bestanden hatten. 

Die reiche Fauna besagter Kalke setzt sich nach meinen Untersuchungen theils aus den beiden 
schon vom Bardunithal angeführten Arten, theils aus mehreren anderen Formen zusammen. Da trotz der Härte 
des Gesteins die Erhaltung eine relativ gute ist, indem in der Regel auch die Schalensubstanz noch er- 
kennbar ist, so liessen sich die Arten recht wohl bestimmen respective vergleichen: 

Limnaeus palustris MÜLL. var. 
Planorbis major n. Sp. 


5 corneus L. 
R spirorbis L. 
R umbilicatus var. Antilibanensis n. 


Valvata Sauleyi Bourc. 

Pisidium sp. 

Bythinia applanata n. sp. 

Hydrobia Fraasi n. Sp. 
Es konnten hiernach 5 Arten, also über die Hälfte der genau bestimmbaren, direct auf recente Arten be- 
zogen werden, die allerdings theilweise (Planorbis corneus und spirorbis) aus Syrien selbst lebend noch 
nicht eitirt worden sind. Die neue BDythinia-Art habe ich, wenn auch nicht gerade lebend, so doch in den 
jüngsten quartären Schlammabsätzen? des Räb oder mittleren Orontesthals in vielen Exemplaren wieder- 
gefunden. 

Es dürfte hiernach wohl gerechtfertigt erscheinen, die Kalke von Asäl el-Ward höchstens in das 

Pliocän zurückzuversetzen; eine genauere Zeitbestimmung erscheint mir vorderhand zu gewagt. ‘Demselben 
Alter gehören nach der Uebereinstimmung der Fauna zweifelsohne auch die oben erwähnten Vorkommnisse 
von Zahle, Kerak Nuh und am Jahfüfe an. 


{ Sitzungsbericht der Phys. med. Societät in Erlangen. 24. Heft. 1892, p. 20—22. Vergl. auch meine Strukturlinien 
von Syrien in RıcarHoren’s Festschrift. Berlin 1893, p. 158. 
? Vergl. weiter unten. 


ss M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen Mollusken Syriens. 


Quartäre Süsswasserablagerungen und Eluvialbildungen am oberen Orontes. 


Die Süsswasserabsätze der Quartärperiode besitzen im Orontesthal und seiner Umgebung eine im 
Ganzen auffallend geringe Ausdehnung in horizontaler wie in vertikaler Richtung. Jedenfalls spielen sie 
bei Weitem keine so hervorragende Rolle wie die gleichzeitigen Diluvialabsätze (Lisänschichten) im Jordan- 
thale. Eine Eintheilung der im Folgenden zu schildernden @Quartärbildungen nach ihrem Alter erscheint 
noch unthunlich, da es für die meisten Vorkommnisse noch an Anhaltspunkten für eine genaue Alters- 
bestimmung fehlt. Wir werden daher am besten in unserer Disposition rein topographischen Gesichtspunkten 
folgen, indem wir dem Laufe des Orontes in südnördlicher Richtung nachgehen. 


Im obersten Orontesthal, der Bekä ‘a zwischen Libanon und Antilibanon bedecken vor- 
zugsweise Geröllschichten den Boden der breiten Thalsohle. Anzeichen eines grossen, die Bekä ‘a in dilu- 
vialer Zeit erfüllenden Binnensees mit Terrassen und dergl. fehlen. Die diluvialen Schottermassen sind 
fluviatilen Ursprungs und finden sich sowohl in der Thalebene wie auch namentlich als Schuttkegel an den 
Aussängen der Flüsse aus den beiderseitigen Gebirgen aufgeschüttet. Man darf sie nicht verwechseln mit 
älteren Conglomeraten des Eocäns, die theilweise den Untergrund der nördlichen Bekä‘a bilden und in den 
tief eingeschnittenen Wadis z. B. östlich Hörmül unter den jüngeren Bildungen mit steil aufgerichteter 
Lagerung und einem Einfallen unter 30—40° zu Tage treten. Die Trennung dieser Eocän (?)-Bildungen 
von der Diluvialbedeckung ist nicht immer leicht. 

Zwischen Zahle und Mu ‘allaka am Ausgang des Bardünithals beobachtete ich in dem Chaussee- 
einschnitt Conglomerate und Geröllschichten von zusammen mehr als 100 m Mächtigkeit, welche steil auf- 
gerichtet unter 45° nach W. zur Bekä ‘a fallen. Westlich oberhalb dieser Stelle im W. der Stadt Zahle würden 
nach Fraas die oben erwähnten neogenen Süsswassermergel sich „an die fast auf den Kopf gestellten 
Nummulitenbänke anlehnen.“ Es erscheint mir vorläufig zweifelhaft ob diese Conglomerate nur verfestigte 
diluviale Schotteranhäufungen des Bardüni, vielleicht aus einer Zeit der Vergletscherung des hohen Sannın 
sind, wie es Fraas nach seiner mir vorliegenden geologischen Kartenskizze aufgefasst zu haben scheint und 
nicht vielmehr der obersten Abtheilung des Eocäns entsprechen, wie die Conglomerate des nördlichen Anti- 
libanon und der Bekäa. Auf meiner durch Fieberanfälle beschleunigten Rückreise durch diese Gegend 
konnte ich damals diesen Fragen leider nur geringe Aufmerksamkeit widmen. Es wäre wünschenswerth, 
wenn von späteren Reisenden genauere Beobachtungen über die gegenseitigen Beziehungen der eocänen (?), 
geschichteten, versteinerungsleeren Conglomerate, der neogen Süsswassermergel und -Kalke und der diluvialen 
Schottermassen etc. in der Beka‘a und deren Umgebung angestellt würden, sowie eine kartographische 
Fixirung dieser Gebilde vorgenommen würde. 


Die nordsyrische Ebene im 0. des Orontes, zwischen Homs und Hama, zeigt vielfach bis 
über Selemije, mitten in die Wüste hinaus eine oberflächliche Bedeckung aus (diluvialen ?) Süsswasser- 
bildungen, die ihrerseits wieder in eluviale oder subaerische Bildungen übergehen oder von ihnen ver- 
treten werden. Es sind Conglomerate, Breccien, dichter Kalk mit eckigen Gesteinseinschlüssen, mehr poröser 
Kalktuff, helle, kalkige Mergel und Lehm. In Homs sah ich in der Nähe des Kastells in einem alten Stein- 
bruch im Boden der Ebene Kalk, Breccie und Conglomerat wechselnd mit kalkigen Mergelschichten in einer 
Gesammtmächtigkeit von 5 m aufgeschlossen. Der Hügel des Kastells selbst ist‘künstlich durch Aufschüttung 
genannter Gesteinsarten der ebenen Umgegend hervorgerufen. Er besteht, abgesehen von Mauerresten, meist 


Quartäre Süsswasserablagerungen und Eluvialbildungen am Orontes. 89 


aus lockeren Schuttlagen, Lehm mit eckigen Gesteinsfragmenten und hellen mergeligen Lagen. In dem 
Lehm fand ich auf halber Höhe des Hügels 
Melanopsis buccinoidea OL. 
a Chantrei Loc. 
Neritina Orontis n. Sp. 

In der einförmigen, ebenen Wüstenlandschaft im NO. von Homs gewähren ausser Cisternen nur 
einzelne Thaleinschnitte einen Einblick in die Beschaffenheit des Untergrunds. Ein solches Thal oder Thal- 
system wird 3 Stunden von Homs auf dem directen Wege nach Selemije überschritten. Die Thalgehänge 
zeigen sich gebildet von 1 m hohen Felsen aus hartem, tuffartigem Süsswasserkalk. Unter ihm tritt dort 
eine Lage Basalt zu Tage, der selbst von Kreidekalkschichten unterteuft wird. 

Auch an höheren, freieren, d. h. nicht von Quellen oder sonstigen Süsswassern heutzutage oder 
früher heimgesuchten Theilen der Ebene zeigt sich an der Erdoberfläche gewöhnlich harter Kalk. Aber hier 
ist er ganz anderer Entstehung wie derjenige in dem beschriebenen Thal über dem Basalt. Er ist eine 
anogene, subaerische, eluviale Wüstenbildung. Wo kalkhaltige Schichten den Untergrund einnehmen — und 
in der syrischen Wüste ist das abgesehen von den basaltischen Regionen fast immer der Fall auch ohne die 
jüngern Süsswasserkalke — findet man auf der Oberfläche eine sich meist gleich bleibende Kalkkruste bis 
zu 50 cm Dicke, einen unregelmässig bald mehr bald weniger röthlich gefärbten, vorherrschend dichten, 
harten, splitterigen Kalkstein, der zahlreiche eckige Gesteinsfragmente, besonders Feuerstein, Jaspis und 
Basalt, sowie vereinzelte Schalen von Landschnecken, Helix vestalis Parr., einschliesst. Es sind hier also 
die oberflächlich liegenden Trümmer der unter der Kruste anstehenden Gesteine durch ein unreines Kalk- 
bindemittel breccienartig verbunden. Eine chemische Untersuchung dieses Bindemittels ergab bei zwei aus 
der Wüste mitgebrachten Proben, von denen die eine (I) dicht bei Selemije, die andere (II) in der Mitte 
zwischen Selemije und Hama geschlagen wurde, folgendes Resultat: 


1: | II. 
Quarzsand mechanisch gebunden . . | 0,402 0,64 
MO | 3,21 7,25 
AO ne ee 1,04 2,13 
INNE ee 0,8 1,21 
CHR le Yo ee RR 88,42 85,2 
NACITEN SOSE Ey 1,305 1,0 
VIaSSETI er nee 4,23 2,4 
SER ende Spuren Spuren 

99,407 99,83 


Die in Rede stehenden Kalke zeigen keine wirkliche Schichtung, höchstens zonale Anordnung verschiedener 
Färbung und Dichte parallel der welligen oder flachbuckligen Erdoberfläche. Bei der völligen Unabhängig- 
keit vom Relief des Landes, dessen geringeren Unebenheiten sie ziemlich gleichmässig folgen, können sie 
nicht durch oberflächliche Wassermassen katogen abgesetzt sein. Die Kruste verdankt vielmehr ihre Ent- 
stehung der successiven Verdampfung der Wasser, welche die Capillarität des Bodens aus der Grundwasser- 
schicht an die Oberfläche emporsteigen liess. Das Wasser zog hierbei leichtlösliche Bestandtheile wie Kalk 
nach der Oberfläche und setzte sie hier, selbst sofort verdunstend, ab. Es sind also Ausblühungen des Kalk- 


elements aus dem Boden und ihre Bildung, die sich noch heute unverändert fortsetzt, ist gebunden an das 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 12 


90 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Vorhandensein und den schnellen Wechsel von heftigen Regengüssen und rascher Verdunstung bei intensiver 
Sonnenbestrahlung. Die Kruste bekleidet besonders die welligen Erhebungen der Wüste, überhaupt aus- 
gesetzte trockene Stellen, wo die Verdunstung am intensivsten ist. Aus allem geht hervor, dass aus dem 
Vorhandensein von jüngerem Kalk oder Kalkbreccie an der Oberfläche noch nicht auf lacustre oder fluviatile 
Bildungen geschlossen werden kann. Die Ausdehnung der letzteren ist in Folge dieser nachträglichen Ober- 
flächenbildung daher schwer festzustellen. 


Quartär im Rab. 

Die bisher aus dem Räb, d.h. dem grabenartigen, südnördlich gerichteten Theil des Orontesthals 
zwischen Kal‘at Sedscher und Dschisr esch-Schurr, beschriebenen Süsswasserablagerungen sind nicht die 
einzigen und letzten der dortigen Thalebene. Sie bilden freilich überall den Untergrund des Bodens und 
treten über weite Strecken hin entblösst zu Tage. Aber in dem grösseren Theil der Ebene speciell auf 
dem niedrigen, ebenen, rechten Ufer sieht man diese Muschelkalke noch bedeckt von einem allerdings dünnen 
Ueberzug von schwarzem, hartgewordenem Schlamm, einem sehr jungen, lacustren Absatz. Er findet sich 
übrigens nicht nur an tieferen, auch heute noch sumpfigen Stellen, sondern auch an solchen, die niemals 
heute mehr in der nassen Jahreszeit überfluthet werden. 

An dem Bächlein am Dorfe el--Amkije sammelte ich eine Handvoll dieser dort schneckenreichen 
Schlammerde, aus der später beim Schlemmen eine ganz erstaunliche Fülle der verschiedensten Arten zu 
Tage gefördert wurden. 


Pisidium Oasertanum Por. var. Bythinia applanata n. Sp. 
Melanopsis minutula Bourc. e Syriaca n. SP. 
2 minor BLANCK. Succinea putris L.? 
M laevigata Lam. Planorbis contortus L. 
Pyrgula Barroisi Daurz. var. Rabensis m. 5 complanatus L. 
Valvata Saulcyi BourG. 5 Rabensis n. Sp. 
5 cristata MüLL. Ancylus lacustris var. Mogquinianus BoUrc. 


Es ist eigenthümlicherweise eine minutiöse Fauna von lauter kleinen Arten oder nur jugendlichen 
Exemplaren grösserer Arten, eine Fauna, die in ihrer Zusammensetzung mehrfach an diejenige der harten, 
schwarzen Süsswasserkalke vom Antilibanon erinnert. Die noch jetzt lebenden Arten verweisen ganz wie 
auch im Pliocän von Mittelsyrien der Mehrzahl nach weniger auf schnell fliessendes als auf langsam fliessendes 
oder stehendes Gewässer, mögen das nun locale Pfützen, Sümpfe, Gräben oder gar ein grosser, einheitlicher 
Binnensee gewesen sein. Der Schlamm scheint also nicht lediglich von dem Bächlein von “Amkije abgesetzt, 
sondern älterer Entstehung zu sein, als sich hier noch ein grosser, seichter, sumpfiger See befand, der die 
Räbebene bis an deren Ränder bedeckte. 

Es ist hier noch eine Beobachtung anzuführen, die man etwa 's Stunde nördlich von Kal ‘at el- 
Mdik am Ostrand der Ebene machen kann. Die steil sich aus der Ebene erhebende Kalkwand des östlichen 
Gebirges zeigt dicht an ihrem Fusse (etwa '/a—1’ hoch) eine Zeit lang in gleicher Höhe Ausnagung des 
Kalkfelsens, als ob in dieser Höhe einst hier die Wasser eines Sees das Steilufer bespült hätten. Die 
Existenz dieses seichten Sees kann nicht sehr weit zurückliegen, denn sonst wären diese den atmosphärischen 


Quartärbildungen am unteren Orontes. 91 


Einwirkungen ausgesetzten Spuren längst verwischt. Um den Pliocänsee kann es sich nach dem Voraus- 
gegangenen auch kaum handeln, da ja der Einsturz des Räb und die Entstehung der Steilwand erst auf 
diesen folgte. Auch heutzutage sind grosse Theile der Räbebene namentlich an ihrem Ostrande, wo starke 
Quellen austreten, von Sümpfen bedeckt. Zur Zeit der höheren Nieder- 
schläge der Diluvialzeit mussten sich diese Sümpfe ausdehnen und zu einem 
gemeinsamen seichten See verschmelzen. Auffallend ist nur, dass nicht 
mehr Sedimente darin abgesetzt wurden oder erhalten blieben als die wohl 
alles überziehende aber meist dünne Schlammlage. 

Die Fauna stimmt mit der heutigen Süsswasserfauna keineswegs 
überein. Es sind, abgesehen von vier neuen wahrscheinlich ganz ausge- 
storbenen Arten, mehrere charakteristische Schneckenformen mit unzwei- 
deutiger Sicherheit erkannt, deren heutige Verbreitung sich auf Nordasien 
und Europa beschränkt, so Valvata cristata, Succinea putris und vor allem Planorbis contortus und com- 
planatus und Ancylus lacustris var. Moquinianus. Diese Zusammensetzung der Fauna liesse sich am besten 
durch ein damaliges nördliches Klima (der Eiszeit) erklären, doch müsste diese Hypothese durch anderweitige 
ähnliche Beobachtungen bestätigt werden. 


Fig. 8. 


e. Eocäner Marmorkalk. 
s. Pliocäne Süsswasserschichten. 


Quartärbildungen am untern Orontes. 


Am Südende der Stadt Antäkije, dicht am linken Ufer des Nahr el-“Ası, sieht man deutlich in 
diskordanter Lagerung über den am ganzen unteren Orontes verbreiteten marinen Mittelpliocänsandsteinen 
ein Conglomerat fluviatilen Ursprungs, ausserordentlich reich an Schalthierresten: 


Dreissensia Chantrei Loc. Neritina Orontis n. sp. 
Unio Simonis TRISTR. Melamopsis costata On. 
Leguminaia Bourguignati Loc. n hiera LEr. 

5 Mardinensis Lea 5 stephanota Bour. 
Oorbieula Hebraica Bourc. S bieineta n. SP. 


Dieses Conglomerat begleitet den Orontes in seinem ganzen Lauf bis in die Ebene an seiner Mün- 
dung und dieselben Bildungen findet man in mächtiger Entwicklung an sämmtlichen Zuflüssen desselben. 
Die Thalfurchen derjenigen Bäche, die dem Orontes vom Amanus aus zueilen, stellen sich in der Ebene im 
WSW. von Antiochia durchschnittlich m der Weise dar, wie es Profil Fig. 1 auf Seite 74 zeigt. 

Das Conglomerat setzt sich im Wesentlichen aus Geröllen von Serpentin und Gabbro zusammen, 
die durch ein kalkig-sandiges Bindemittel verkittet werden. Mitten zwischen dem Conglomerat treten auch 
dünne, sandige und mergelige Lagen auf. Die Mächtigkeit der ganzen Bildung erreicht 5 m. 

In die niederschlagsreiche Diluvialzeit fällt noch der Absatz der gewaltigen Kalktuffmassen auf dem 
linken Ufer des untern Orontes bei dem idyllischen Bet el-Ma (— Haus des Wassers), auf dem ausser dieser 
Niederlassung noch die Dörfer el-Harbije, Karije, ‘Ain Dscharmuz, Jakto und andere liegen. In Einschnitten 
treten unter dem Kalktuff zuweilen die pliocänen Thone und Mergel heraus. Nach unten geht der Tuff in 
braungelben, kalkigen Lehm mit vielen runden lösskindelartigen Kalkconeretionen über. Eingeschlossen finden 
sich in dem Tuff ausser zahlreichen Stücken fossilreichen marinen Miocänkalks Schalen von Melanopsis 


92 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


laevigata Lam. und minor Branck. Bei dem lieblichen, feuchtgelegenen Bet el-Mä stürzt der noch jetzt 
wasserreiche Giessbach, in viele weisse Adern zertheilt, über die Kalkschuttfelsen in reizenden Kaskaden 
herab, welche zugleich mehrere Mühlen treiben. 

Die dreieckige Ebene an der Mündung des Orontes ist ihrer ganzen Zusammensetzung nach eine 
quartäre Bildung. Schon an den innern Rändern derselben, an dem stufenförmigen Abfall des Plateaus im 
N. des Berges Mär Sim “an zur Küstenebene treten auf den pliocänen versteinerungsleeren Mergelsanden 
mehrfach grobe Schottermassen in grosser Mächtigkeit auf, so am Dorfe “Ain Dscherab. Die Ebene selbst 
besteht aus horizontalen Ablagerungen von Schlamm, Lehm, Sand und Conglomerat. Letzteres herrscht mehr 
am Gebirge, die feineren Sedimente gegen die Küste zu. Diese Schichten enthalten nach AmsswortH marine 
Schalthierreste von Arten, wie sie noch heute die benachbarten Gestade beleben, zugleich mit recenten 
Flussmuscheln vom Orontes und Landschnecken. Es ist hier also eine fluviomarine Bildung. Das Diluvial- 
meer, welches im Gegensatz zu dem oben beschriebenen Meer der Oberpliocänzeit einen viel geringeren 
Stand einnahm, bedeckte doch immer noch theilweise die heutige Deltaebene des Orontes. 


Paläontologisch-zoologischer Theil. 


I. Allgemeine Bemerkungen und Uebersicht. 


Wenn im vorhergehenden geologischen Theil nur von Süsswasserablagerungen der pliocänen und 
pleistocänen Vergangenheit und deren fossiler Conchylienfauna die Rede war, so soll im folgenden Theil 
auch die jetzt lebende reiche Fauna der Süsswasserconchylien berücksichtigt werden, damit die Beziehungen 
der vergangenen und jetzigen Fauna ersichtlicher werden. Von der fossilen Süsswasserfauna Syriens, aus 
der ja nach der Deszendenztheorie die heutige erwachsen wäre, war bisher von Fraas’ und Nöruises' kurzen 
Mittheilungen abgesehen, gar nichts bekannt. Aber auch unsere Kenntniss der lebenden, die sich wesentlich 
auf gelegentliche Aufsammlung einiger Reisender gründet, bedarf noch vielfacher Ergänzung, die hier freilich 
auch nur in geringem Maasse stattfinden kann. Immerhin hoffe ich durch Beschreibung aller von mir ge- 
machten Funde und Zusammenstellung der ganzen bis jetzt bekannt lebenden Süsswasserfauna einige Lücken 
ausfüllen zu können. 

Mein besonderes Augenmerk habe ich auf die Melanopsiden gerichtet, die ja in erster Linie die 
Süsswassermolluskenfauna Syriens vor allen andern Gattungen charakterisiren und zugleich in solcher Arten- 
fülle auftreten, dass man Syrien faunistisch das Land der Melanopsiden nennen könnte. Wir werden unter 
anderem sehen, dass bei den Melanopsidenschalen schon im Pliocän die mannigfachsten Verzweigungsarten 
auftreten, die noch heute zu beobachten sind. . Aber es besteht ein Unterschied. Früher war die Ver- 
änderlichkeit wenigstens mancher Arten in Bezug auf Skulptur anscheinend noch viel grösser als jetzt. 
Damals konnte ein und dieselbe in sich aufs engste blutsverwandte Formengruppe oder gar Spezies die 
mannigfachsten Skulptureigenthümlichkeiten in den verschiedenen Entwicklungen der Individuen ja in ver- 
schiedenen Altersstadien eines und desselben Individuums vereinigt aufweisen, während heute dieselben 
Schaleneigenthümlichkeiten mehr getrennt jede für sich bei unveränderlichen Arten fixirt sind. Ob freilich 
diese so hoch veränderlichen Pliocänformen, wie es die Deszendenztheorie glauben machen könnte, wirklich 
die directen Stammformen der jetzigen Melanopsiden Syriens sind, das ist eine andere schwierige Frage, auf 
die uns erst dann eine immerhin zweifelhafte Antwort möglich sein wird, nachdem wir die ganze fossile und 
heutige Artenfauna jener Gattung kennen gelernt haben. Um da ganz sichere Behauptungen aufstellen zu 
können, bedarf es vor allem noch der Entdeckung einer grösseren Reihe von auf einander folgenden Petre- 
faktenbänken. Es giebt meiner Ansicht nach nirgends auf der Welt, auch in Kroatien-Slavonien und Kos 
nicht, derartige, vollständige, sich an einander reihende Aufschlüsse von isopischen Petrefaktenbänken, die 
dazu nöthig wären, um über die Fortentwicklung von Süsswasserconchylien von der Tertiärzeit bis zur 
heutigen Fauna des betreffenden Landes ganz unanfechtbare Schlüsse zuzulassen. Kleinere vorsichtige Schluss- 
folgerungen lassen sich indessen bereits vielfach und so auch in Syrien über die Entwicklung innerhalb der 


1 Nörume: Ueber die Lagerungsverhältnisse einer quartären Fauna im Gebiete des Jordanthals. Zeitschrift der 
deutsch. geol. Ges. 1886, XXXVIII, p. 807. 


94 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Formenreihen ziehen. Der Zusammenhang der Formenreihen unter einander bleibt hingegen in den meisten 
Fällen ein Räthsel. Ob wir in dieser Beziehung in Syrien einen Schritt weiter kommen und wie weit, wird 
sich aus dem Folgenden ergeben. 


A. Die fossile Pliocän- und Pleistocänfauna von Süsswassermollusken in Mittel- 
und Nordsyrien. 


1. Von pliocänen Süsswasserconchylien liegen mir vor vom Libanon und Antilibanon: 


Pisidium Sp. Planorbis major n. Sp. 

Valvata Sauleyi Boure. = corneus L. 

Bythinia applanata n. Sp. ch spirorbis L. 

Hydrobia Fraasi n. sp. en umbilicatus MÜLL. var. Antilibanensis. 


Limnaeus palustris Mür. var. Antilibanensis n. 


2. Im Pliocän des Räb oder mittleren ÖOrontesthals sammelte ich: 


Dreissensia Chantrei Loc. Melanopsis binodosa n. sp. 
Unio Homsensis Lea. = bieincta n. Sp. 
Corbicula Hebraica Bourc. 2 unicincta n. Sp. 
Neritina Orontis n. SP. n oblonga n. Sp. 

n Karasuna Mouss. M hemimorpha n. Sp. 
Vivipara Apameae n. sp. 9 crassitesta n. Sp. 
Bythinia? oder Hydrobia? (Bythinella ?) sp. ve transitans n. sp. 
Pyrgula ct. acutecarinata NEUM. a minor BLANCK. 
Melania tuberculata MÜLL. n eylindrata n. Sp. 
Melanopsis minima n. Sp. 5 hiera Ler. 

» vincta n. SP. E laevigata Lam. 
> multiformis n. Sp. n Chantrei Loc. 


3. Aus dem Pleistocän Nordsyriens besitze ich folgende fossile Formen: 


Dreissensia Chantrei Loc. Melanopsis minor BLANck. 
Unio Simonis TRISTR. 5 laevigata Lam. 
Leguminaia Bourguignati Loc. % buccinoidea On. 

5 Mardinensis Lra. " bicineta n. Sp. 
Corbicula Hebraica Bourc. n costata OL. 
Pisidium Casertanum Po. var. 5 hiera Lern. 
Neritina Orontis n. Sp. > stephanota Boure. 
Valvata Sauleyi BoUR®. Planorbis contortus L. 

„ cristata MÜLL. ” complanatus L. 
Bythinia applanata n. sp. = Rabensis n. sp. 

F Syriaca n. Sp. Ancylus lacustris var. Moquinianus BOURG. 
Pyrgula Barroisi Daurz. var. Rabensis n. Succinea putris L. 


Melanopsis minutula Boure. 


B. Zur recenten Süsswasserfauna Syriens. 


1. Von der jetzt lebenden Süsswasserconchylienfauna Syriens sammelte ich: In *Ajun Müsa am Berge 
Nebo im Ostjordanland (1894): 
Neritina Anatolica Recı. var. Bellardi Mouss. 
Melanopsis laevigata Lam. 


Zur recenten Süsswasserfauna Syriens. 95 


2. Am Wadi Hesbän östlich Jericho (1894): 
Melanopsis laevigata Lam. 
3. Aus dem See Tiberias bei Tiberias erhielt ich durch Herrn Dr. ToRRAncE zugesandt: 
Neritina Jordani Burı. 
Melania tuberculata MüLn. 
Melanopsis Jordanica Rorn. 
4. In dem Bach von Ba ‘albek sammelte ich (1888): 
Pisidium Casertanum Por. var. 
Bythinia Sidoniensis Mouss. 


5. Im Sande eines verfallenen ausgetrockneten Aquadukts bei Selemije in der nordsyrischen Wüste 
fand ich in halbfossilem Zustande (1888): 


Unio Emesaensis Lea. Melanopsis Jebusitica Ler. 
Neritina Orontis n. sp. 5 Sauleyi Bour@. 
= Karasuna Mouss. a Locardi n. sp. 


Melanopsis buccinoidea Ou. 


6. Im untern Orontes in Antäkije auf einer Sandbank und am Ufer: 


Dreissensia Chantrei Loc. Corbicula Syriaca Boure. 
Unio Homsensis Lea. “ Feliciani Boure. 
„  Simonis 'TRıSTR. Neritina Orontis n. sp. 
„ Zorteti Loc. „ Karasuna Mouss. 
Corbicula fluminalis Müun. Sp. Melanopsis costata OL. 
" crassula Mouss. = Chantrei Loc. 


7. Im Bach von Bet el-Ma: 
Valvata Sauleyi Boure. 
8. Im Hafen von Seleucia Pieria: 


Melanopsis laevigata Lam. 
Pisidium Casertanum Par. ? 


9. Im Kara Sü, einem nördlichen Zufluss des Sees von Antiochia fand ich bei Gülköi Ismak: 


Unio Homsensis Lea. Neritina Karasuna Movss. 
Leguminaia Mardinensis L£aA. Melanopsis stephanota Bourc. 
A Bourguignati Loc. 5 Ohantrei Loc. 


Neritina Orontis n. sp. 5 costata On. 


Il. Beschreibung sämmtlicher von mir (bezw. Herrn Dr. Diener) gesammelten fossilen 
und recenten Süsswassermolluskenschalen Syriens in systematischer Anordnung, 


A. Lamellibranchiata. 


Dreissensia Chantrei Loc. — Taf. VIII, Fig. 1. 
1883. Dreissensia Chantrei Locarv. Malacologie des Lacs de Tiberiade, d’Antioche et d’Homs. Archives du musde 
d’histoire naturelle de Lyon, t. III, p. 261, Taf. 23, Fig. 3—4. 

Länglich dreieckig, stark gewölbt, dünnschalig durchscheinend mit groben, blättrigen Anwachs- 
streifen. Der Oberrand mit dem Ligament ist stets etwas gebogen, besonders vorn, niemals in seiner ganzen 
Länge vollkommen gerade, langgestreckt und geht in sehr stumpfem, zuweilen abgerundetem Winkel in den 
gebogenen Hinterrand über, der genau ebenso lang ist. Ober- und Hinterrand bilden zuweilen einen fast regel- 
mässigen Kreisabschnitt. Der Unterrand geht in den Hinterrand durch ein abgerundetes Eck über, ist meist 
in seiner ganzen Länge eingebogen, seltener fast gerade und nur in der vorderen Hälfte mit leichter Ein- 
buchtung am Byssusausschnitt versehen. Von dem spitzen Wirbel aus läuft auf jeder Klappe ein stumpfer, 
gekrümmter Kiel zur hintern Ecke, welche Hinter- und Unterrand mit einander bilden. In der Nähe des 
Wirbels ist der Kiel stark bogig dem Oberrand genähert, zu dem die Schale hier vollkommen senkrecht 
abfällt. Gegen hinten nähert sich der Kiel dem Unterrande. 

Die Länge der Schalen, d. h. die grösste Erstreckung vom Wirbel zum Hinterrande betrug an 5 


gemessenen Exemplaren: 
25'/ mm, die Breite 11 mm, Dicke 11 mm. 


19 D) ” 2) 8 al 2» ’ 5 
1 d a ” ” ” 6 ” ” 5 ” 
15 D) » » 7 ” » on 
1 2 ” ” ” 5 ” ” 6 » 


Das Innere der Schale entspricht dem bei Dreissensia polymorpha. Die zur Aufnahme des vordern 
Schliessmuskels dienende Septalplatte hat keinen löffelföormigen Fortsatz zur Aufnahme des vordern Byssus- 
muskels, wie die Arten der verwandten Gattung Congeria‘. Wir haben also ebenso wie übrigens in der 
zweiten selteneren syrischen Art D. Bourguignati Loc. eine echte Dreissensia vor uns. 

Die Art zeichnet sich vor andern Dreissensien aus durch ihre beträchtliche Krümmung, die Con- 
cavität der Vorder- bezw. Unterregion, die Länge des gebogenen Oberrandes mit dem Ligament und den 
unmerklichen Uebergang vom Oberrand zum Hinterrand. Sie könnte höchstens mit D. Bourguignati LocArD, 


! Vergl. Opprnneim: Die Gattungen Dreissensia van BExeDen und Congeria Partsch etc. Zeitschrift der deutsch. 
geol. Ges. 1891, p. 923, 959. 


Unio Homsensis Lra. 9m 


l. ec. p. 260, Taf. 235, Fig. 1—2, verwechselt werden, mit der sie nach LocArp wenigstens im See von 
Antiochia gemeinschaftlich vorkommen soll. Doch unterscheidet sich letztgenannte durch mehr gerade ge- 
streckte Form und geringere Wölbung, den dreieckigen, weniger abgerundeten Umriss, geradlinigen Ober- 
rand, geraden Unterrand, schliesslich geringere Breite (fast nur '/s der Länge) und Dicke. 


Vorkommen: Fossil sehr häufig im oberen Süsswasserpliocän von Dschisr esch-Schurr, speciell im 
Dreissensia-Conglomerat und im Diluvium von AntäkTje (7). 
Lebend im See von Antiochia (Ak Deniz) und im Orontes bei Antäklje, 


Unio Homsensis Lea. — Taf. VIII, Fig. 2a und b. 


1869. Unio Homsensis Lea. New Unionidae, Melanidae etc. chiefly of the United States. Journ. Acad. sc. Phila- 
delphia, VI, 3e part, new ser. p. 249, Taf. 29, Fig. 63. 

1883. —_ — Locarp, 1. c. p. 275. 

1889. —_ _ var. major BLANCKENHORN. Beiträge zur Kenntniss der Binnenconchylien-Fauna von Mittel- 
und Nordsyrien. Nachrichtsbl. der Deutsch. Malak. Ges. p. 81. 

Die Definition dieser Art durch Lea, welche später Locaxp, dem keine Exemplare vorlagen, wörtlich 
wiedergab, stützt sich auf Exemplare von höchstens 65 mm Länge und 35 mm Höhe. Da ich selbst sowohl 
kleine Schalen als solche von fast riesigen Dimensionen sammelte, bin ich in der Lage die Beschreibung 
Lra’s zu vervollständigen. 

Grösste Länge 105 mm, Höhe 58 mm, Dicke ca. 30 mm. Schale dick, besonders vorn. Die starke, 
innere, blättrige Schalenschicht ist hellviolett gefärbt; die äussere, prismatische Schicht dünner, fleischfarben 
bis weisslich. Epidermis bräunlich. 

Umriss queroblong, vorn regelmässig gerundet, hinten mit abgestumpftem Winkel, zu dem vom 
Wirbel aus eine starke Wölbung verläuft. Eine seichte Einfurchung zieht sich vom Wirbel zur Mitte des 
Unterrandes, wodurch eine Einbuchtung des letzteren entsteht. Im Innern der Schale entspricht dieser 
Furche ein deutlich markirter vom Wirbel ausgehender Wulst. 

Oberfläche mit concentrischen Anwachsstreifen. Nur auf dem Area-artigen oberen Abfall der Hinter- 
seite, der sich hinter dem Wirbel befindet, nimmt man auf sämmtlichen Exemplaren deutliche, wellige Radial- 
falten wahr, die von der stumpfen Kante schräg nach hinten gegen den Schlossrand verlaufen. Sie reichen 
bis zu einer Entfernung von 40, höchstens 45 mm hinter dem Wirbel, weiter hinten verschwinden sie. Diese 
Radialfalten sind das charakteristischste Kennzeichen der U. Homsensis und auch auf Lea’s Abbildung zu 
erkennen. 

Der Wirbel ist schwach gewölbt, wenig überragend, corrodirt, nur ganz unbedeutend gerunzelt. 

Schloss relativ schwach. Schlossplatte schmal. Linke Schale mit 2 breiten, rechte mit einem hohen 
gekerbten Schlosszahn. Seitenzähne dick, aber nicht hoch. 


Vorkommen: Fossil im Pliocän von Dschisr esch-Schurr auf dem linken Orontesufer in der zweiten 
Melanopsis-Thonbank. 

Lebend im Orontes in AntäkTje (1 kleines Exemplar), im Kara Su, nördlichem Zufluss des Ak Deniz 
zwischen Islahije und Hassanbek bei Gülköi Ismak (4 grosse Exemplare, davon eines abgebildet auf Taf. VIII, 


Fig. 1), nach Locarp im See von Homs. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 13 


98 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Unio Emesaensis Lra. 


1864. Umio Emesaensis Lea. Proceed. Acad. Sc. Philadelphia, p. 286. 
1869. Journ. Acad. Sc. Philadelphia, VI, 3e part, p. 254, Taf. 30, Fig. 68. 


1883. — — Locarn, 1. c. p. 240 und 276. 


Auch von dieser Art liegen mir Bruchstücke grösserer Exemplare vor, als sie Lea abbildete. Er- 
gänzt weisen dieselben hin auf Dimensionen von 70 mm Länge, 41 mm Höhe, 35 mm Dicke. 

Schale dick. Umriss rundlich. Wirbel am Ende des vordersten Drittels der Schalenlänge. Schloss- 
oder Oberrand fast gerade, unter dem Wirbel nur leicht eingekrümmt, bildet mit dem Hinterrand einen 
stumpfen Winkel. Vorderseite gerundet. Unterrand gebogen, geht allmählich in den Vorder- und Hinter- 
rand über. 

Wirbel niedrig, wenig gewölbt, kaum über den Schlossrand vorspringend, zuweilen corrodirt. 

Concentrische Anwachsstreifen auf der ganzen Oberfläche. Am Wirbel starke, wellige Runzeln. 
Vom Wirbel laufen mehrere undeutliche, vertiefte Strahlen zum Hinterrand. 

Schloss sehr dick. Schlossplatte ‘sehr breit. Zähne dick, aber nicht sehr vorragend. Linke Schale 
mit einem grossen, breiten aber niedrigen, dreieckigen Zahn unter dem Wirbel und einem kleinen, schmalen, 
vordern Zahn, welche zusammen eine rauhe, tiefe Grube umgeben. Rechte Schale mit einem hohen, spitzen, 
dreieckigen Zahn. 

Vorkommen: Halbfossil im Alluvialsand eines Aquaducts zwischen Selemije und Hamä (7 Bruch- 


stücke mit Schloss). 
Lebend nach Locarov zahlreich an den Ufern des Sees von Homs, im Orontes und im See von Antiochia. 


Unio Simonis Tkristk. 


1865. Umnio Simonis Trıstram. Proceed. geol. Soc. London, p. 544. 
183. — —  Locarp, l. c. p. 203 und 239, Taf. 20, Fig. 1—6. 


Vorkommen: Fossil im Diluvium von Antäk1je (3 Exemplare). 
Lebend im Orontes in Antäkije (3 Exemplare); ferner im See von Antiochia, Leontes und Jordan. 


Unio Lorteti Loc. 
1883. Umio Lorteti Locanp, 1. c. p. 245, Taf. 21, Fig. 7—9. 


Ein grösseres Exemplar von 26 mm Länge, 34 mm Höhe und 22 mm Dicke. 
Vorkommen: Orontes in Antäkije (1 Exemplar); nach Lea im See von Tiberias. 


Leguminaia Mardinensis Lea sp. 


1864. Monocondylaea Mardinensis Lra. Proceed. Ac. of nat. Sc. Philadelphia, p. 268. — 1869. Journ. Ac. nat. Sc. 
Philadelphia new. ser. VI, part. III, p. 252, Taf. XXX, Fig. 67. 

1865. Leguminaia Mardinensis Coxran. Rem. on the gen. Monoc. and Pseudod., in Amer. Journ., no. 3, juillet p. 253. 

1883. — — Locarv. Ma). des Lacs de Tib., d’Ant. et d’Homs, p. 251, 276. 


Corbieula erassula Movss. sp. 99 


Bei starker Abblätterung der Schale bei fossilen Exemplaren zeiel sich im vorderen Theil der Schale 
zuweilen eine deutliche Radialstreifung. 


Vorkommen: Fossil im Diluvial-Conglomerat am untern Orontes bei Antäkije (6 Exemplare). 
Lebend im Kara Su (10 Exemplare). Seen von Antiochia und Homs. 


Leguminaia Bourguignati Loc. 
1885. Leguminaia Bourguignati Locarp, p. 252, Taf. 19, Fig. 11—13. 


Vorkommen: Fossil im Diluvium von Antäkjje. 
Lebend im Kara Su (4 Exemplare) und See von Antiochia. 


Corbicula fluminalis Mörr. 


1774. Tellina fluminalis MüLLer. Verm. terr. et fluv. hist. II, p. 205, no 390. 
1818. Cyrena orientalis, cor et fwscata Lamarcr. Anim. sans vert. Taf. V, p. 552, no 2—4. 


1823. —  consobrina CaıraupD. Voy. & Meroe, Atlas tome II, Taf. 61, Fig. 10—11 und 1827 tome IV, p. 263. 
1835. _ _ Des#ayes in Lam. Anim. sans vert., II. edition, tome VI, p. 273. 

1853. —  fluminalis Boursuisxar. Cat. rais. moll. Saurcy, Orient, p. 79. 

1861. —  fluviatilis und cor Moussox. Coqu. terr. et fluv. rec. p. Rorz. Vierteljahrsschrift Naturf. Gesellsch. 


Zürich. VI, p. 152—153. 
? Corbiceula fluminalis Jıcreri. Fauna Land- und Süssw.-Moll. Nordostafrika, p. 283, Taf. 11, Fig. 4— 
1879. _ consobrina Bror in CHexsirz. Conch. Cab. p. 160, Taf. 28, Fig. 4—6. 
1883. —_ fluminalis Locarn, 1. c. p. 223, Taf. 22, Fig. 17—18 und p. 256. 
Vorkommen: Lebend im Orontes bei Antäklje (3 Exemplare), ferner in den Seeen von Antiochia, 
Homs und Tiberias; Kuweik, Leontes, Sür, Jaffa, Jordan. 


Corbicula crassula Mouss. sp. 


1854. Oyrena fluviatilis var. crassula Moussox. Cogq. terr. fluv. rapp. Betrarpı en Orient, p. 54, Fig. 12. 

1877. Corbicula erassula Boursvisnar (Ms.). 

1833. = —_ LocarD, p. 258, Taf. 22, Fig. 24—26. 

1889. — fluminalis var. erassula BLANCKENHORN. Nachr. der deutschen Mal. Ges. p. 31. 

Diese Form wie auch die drei folgenden, welche v. Martens! nach persönlicher Mittheilung sämmt- 
lich mit Corbicula fluminalis vereinigt, dürften bei der Beständigkeit ihrer Eigenthümlichkeiten, die Locarno 
klar auseinandergesetzt hat, doch wohl davon zu trennen sein. Sie unterscheiden sich von einander allerdings 
hauptsächlich durch ihre Grösse und Umrissform, Unterschiede, die aber stets wiederkehren, auch da, wo 
man, wie ich’ selbst, mehrere Arten an einem Fundorte in zahlreichen Exemplaren gesellig vereinigt findet. 


Vorkommen: Zusammen mit voriger und den folgenden 2 Arten auf einer Sandbank im Orontes 
in Antäkıje (5 Exemplare); ferner im See von Antiochia und bei Jaffa. 


1 Vergl. auch v. Martens: Vorderasiatische Conchylien nach Hauskxecht’s Sammlungen, p. 37. 


100 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Corbicula Syriaca Bovrc. 


1882. Corbicula Syriaca BöURGUIGNAT (Ms.). 
1883. — — Locarp, p. 223 und 258, Taf. 22, Fig. 22—24. 
1889. — fluminalis var. Syriaca BLANCKENHORN |. c. p. 81. 


Vorkommen: AntäkTje (5 Exemplare), See von Tiberias, Homs und Antiochia. 


Corbicula Feliciani Bovre. 
1882. OCorbicula Feliciani Bour@uisnar (Ms.). 
1883. — u Locarv, p. 257, Taf. 22, Fig. 19—21. 
1889. — fluminalis var. Feliciani Braxck. ]. c. p. 81. 


Vorkommen: Antäkıje am Orontes zusammen mit vorigen (6 Exemplare). 


Corbicula Hebraica Bourc. 
1882. Corbicula Hebraica Boursvisnar (Ms.). 
1883. _ — Locarnp. Taf. 22, Fig. 27—29. 
Vorkommen: Fossil im Pliocän nördlich Kal ‘at el-Mdik und im Diluvial-Conglomerat in Antäktje 
am Orontes (2 Exemplare). 
Lebend nach Locarn im See von Antiochia. 


Pisidium Casertanum Pouı var. 


1791—1827. Pisidium Casertanum Porı. Test. utr. Sucliae, Bd. I, Taf. 16, Fig. 3. 
? Pisidium Cazertanum Mogvin-Tanvox. Hist. Moll. France II, p. 584, Taf. 52, Fig. 16—32, non Porı. 


1853. _ Casertanum Boursvisnart. Ame£nites I, p. 151. 

1873. — fossarinum Cuessın in WesterLunnd. Fauna Moll. Suec. p. 544. 

1974. — Casertanum v. Martens. Vorderasiat. Conchylien, Novitates conchologicae, p. 69. 

1877. — fossarinum Cuessin in Westervuxpd. Fauna Moll. Suec. p. 544. 

1879. _ _ — Fam. der Cycladeen in MArrını-CHeustrz. Syst. Conch. Tab. I. 24, p. 32, Taf. 3, 
Fig. 15—20. 

1884. _ _ — Deutsche Exk. Moll. Fauna, p. 569, Fig. 401. 

1889. —  Casertanum BLANCKENHoRN. Beitr. zur Kenntn. der Binnenconch.-Fauna von Mittel- und Nordsyrien. 


Nachr. der Deutsch. Malakozool. Ges. p. 81. 


Dünnschalig, hornfarbig, glänzend, fein gestreift, rundlich eiförmig, sehr aufgeblasen. Umriss überall 
abgerundet, nirgends gerade oder eckig. Wirbel breit, aber kaum merklich vortretend, normal gestellt. 
Rechte Schale mit 1 kurzen, gebogenen Kardinalzahn und jederseits zwei Seitenzähnen. 

Länge 3 mm, Höhe 2,4 mm, Dicke 1,5 mm. 

Der Name fossarinmum Cuessıw’s hat dem älteren Casertanum unbedingt zu weichen. Ünessin’s 
Namengebung ist hier, wie mir Herr Prof. Dr. Börreer mittheilte, als zu wenig kritisch zu verwerfen. 

Vorkommen: Fossil im Quartärschlamm von el-“Amkije im Räb, nördlich Kal ‘at el-Mdik (7 Ex.). 

Lebend in (?) Seleucia Pieria (1 Exemplar), Ba“albek (5 Exemplare), Damaskus. 


Pisidium sp. 
Vorkommen: Fossil im Pliocänkalk von Harf Ram el-Kabsch im Antilibanon (3 Exemplare). 


Neritina Karasuna Movss. 101 


B. Gastropoda. 


Neritina Orontis n. sp. — Taf. VIII, Fig. 3—5. 


1889. Neritina anatolica v. HausknecHht. BLANCKENHORN, Beitr. zur Kenntn. der Binnenconchyl. von Mittel- und 
Nordsyrien. Nachrichtsbl. Deutsch. Malakozool. Ges. p. 81. non MARTENS. 


Schale klein, so hoch als breit, schief eiförmig bis abgestumpft kegelförmig. Oberfläche mit violetten 
oder violettschwarzen Streifen gezeichnet, welche selten gerade parallel der Mündung, meist ziekzackförmig 
verlaufen, vielfach zusammenfliessen und die weisse Grundfarbe nur als kleine Flecken übrig lassen. Gewinde 
vorstehend, stumpf, meist angenagt, höchstens '/, der Gehäusehöhe einnehmend. Naht stark vertieft, mit 
einspringendem Winkel, bedeutend herabsteigend, aber nicht so schnell wie bei N. Jordani. Letzte Windung 
oben und unten mit stumpfer, abgerundeter, zuweilen wulstartiger Kante, dazwischen in der Mitte abgeflacht 
oder selbst etwas concay; daher erscheint die Schale, von der Seite gesehen, im Längsschnitt dreieckig. 
Mündung birnförmig, hinten zugespitzt. Aussenlippe vorn wohl gebogen, hinten fast geradlinig. Columellar- 
rand nur schwach ausgebuchtet, fast geradlinig, ungezähnelt. Columellarfläche breit, stark gegen die Axe 
geneigt, weiss, hinten scharf begrenzt, die Grenze dem Columellarrand parallel, gegen den unteren Bogen 
oft mit deutlicher Rinne. 

Dimensionen: Höhe 7 mm, grösster Durchmesser (schief zur Axe) 8 mm, Breite 7 mm. Breite 
der Columellarfläche 2'/, mm, Breite der Mündung 3 mm. Zahl der Umgänge 2'/.. Das Gewinde ragt 
höchstens um ?/r der Gehäusehöhe, also 2 mm hervor. 

Verwandtschaft: Diese Form, welche mir von verschiedenen Punkten Nordsyriens aus dem Fluss- 
gebiet des Nahr el-“Ası oder Orontes vorliegt, könnte wohl als Jugendstadium von N. Jordani Sow. ange- 
sehen werden, mit der sie in Gestalt und Farbe so ziemlich übereinstimmt. Die constant geringere Grösse 
sämmtlicher gesammelter Exemplare bei der gleichen Zahl von Windungen wie bei N. Jordani und der Um- 
stand des Fehlens typischer N. Jordani-Formen in ganz Nordsyrien, ferner einige kleinere, freilich nicht 
immer constante Unterschiede, so das geringere Hinabsteigen der meist auffallend vertieften Naht, das 
stärkere Hervortreten des oberen Kiels am letzten Umgang, schliesslich die Rinne hinter der Columellarfläche 
veranlassen mich, die vorliegenden Formen mindestens als kleine, nordsyrische Varietät oder besser als gleich- 
berechtigte Art, welche die N. Jordan: in Nordsyrien vertritt, dieser gegenüberzustellen. Da sie fossil schon im 
Pliocän auftritt, könnte man in ihr sogar den Stammvater der grösseren N. Jordan? des Südens erblicken. 

Vorkommen: Fossil im Pliocän von Dschisr esch-Schurr, untere Thonbank des linken (1 Exemplar) 
und in der Dreissensiaschicht des rechten Ufers (1 Ex.), im Diluvial-Conglomerat am unteren Örontes bei 
Antakıje (1 Ex.); recent in allen Canälen bei Selemije (1 Ex.), im Nahr el-“Ası in Antäktje (2 Ex.) und 
im Kara Su bei Hassanbek (7 Ex.). 


Neritina Karasuna Movuss. — Taf. VIII, Fig. 6—8. 
1843. Neritina Anatolica Rerve. Conch. icon. Fig. 148a non Recrvz 1841. 
1374, —  Karasuna Moussox. Journal de Conchyliologie XXI, p. 34. 
21879. — Anatolica var. B. Hausknechti Martens. Gattung Neritina in MArTısı-CHEmsıTz: Neues System. 


Conchyl. Cab. II, 10, p. 86 non cet. var. 


103 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


1879. Neritina Macrü var.B. Karasıma Marızns. Ibidem, p. 88. 
1889. — —  DBiAnckEnHoRN. Beiträge zur Kenntn. der Binnenconch.-Fauna von Mittel- und Nordsyrien. 
Nachr. der Malak. Ges. p. 81, non Recrvz. 
Schale klein, eiförmig, breiter als hoch; Breite 7 mm, Höhe 6 mm, grösster Durchmesser (schief) 
8 mm. 2—2'/, Windungen, schnell zunehmend, regelmässig gewölbt. Gewinde meist kaum vorstehend. 
Oberfläche mit schwarzen oder violettschwarzen, breiten Zickzackstriemen versehen, die zuweilen zu einer 
dunkelvioletten Grundmasse verschmelzen, aus der sich zerstreut meist dreieckige, weisse Flecken abheben. 


Verwandtschaft: Von der vorigen, mit ihr überall zusammen vorkommenden Art unterscheidet 
sich N. Karasıma leicht durch die abgerundete Form der Umgänge und Aussenlippe, weniger vorragendes 
Gewinde, flachere Naht und geringere Neigung der Columellarfläche gegen das Innere, während die Grösse 
und Färbung ungefähr die gleiche ist. Da ich in Bezug auf den letzten Charakter bei allen von mir ge- 
sammelten (ca. 12) Exemplaren, namentlich auch den fossilen dieselbe Beschaffenheit wahrnahm, nämlich 
schräge, violettschwarze, mehr oder weniger breite Zickzackstreifen und nicht ein einziges rein schwarzes 
Exemplar dazwischen antraf, so halte ich auch diese Eigenschaft für wesentlich und trenne daher N. Kara- 
suna Mouss. von den verwandten aber einfarbig schwarzen Formen N. Maecrii Rzcuvz und N. Michoni Boure. 
Martens (Gattung Neritina 1879, p. 88) hat die drei genannten als Varietäten unter dem Artnamen N. 
Macrii vereinigt. Die eigentliche N. Macrüi sowohl wie N. Michoni sind übrigens auch aus Nordsyrien 
noch nicht bekannt, im Gegensatz zu N. Karasuna, die ScHLÄrLı aus demselben Flüsschen Kara Su, wie 
ich, aufsammelte. Ausser dieser wurde aus Nordsyrien bisher noch eine von Hauskxecar bei Aleppo ge- 
sammelte Form eitirt, die v. Marrens als Varietät Hausknechti an die OLivıer’sche spiral gebänderte N. 
Anatolica Rectuz von Westkleinasien und Saida anschliesst. Da auch diese Aleppenser Form dunkle Zick- 
zackstriemen aufweist, ein sie von N. Karasuma besonders unterscheidendes Merkmal, aber nicht ersichtlich 
ist, möchte ich sie mit der letztgenannten vereinigen. Stücke in der Sammlung des Herrn Prof. BörtsEr 
in Frankfurt aus dem See Tiberias, die derselben Varietät Hausknechti zugehören sollen, unterscheiden sich 
freilich nach BörTtGer durch weniger gewölbte Spindelplatte. 

Vorkommen: N. Karasuna hat wie N. Orontis ihre Hauptverbreitung in Nordsyrien. 

Fossil im Pliocän von Dschisr esch-Schurr am Orontes in der unteren Thonhank des linken Ufers 
(1 Exemplar) und in der Dreissensiaschicht des rechten Orontesufers (10 Exemplare, zur Hälfte mit wohl 
erhaltener Färbung). 

Halbfossil in einem verfallenen Canal bei Selemije in der nordsyrischen Wüste (2 Ex.). 

Lebend im Nahr el-“Ası in Antäklje (1 Ex.) und im Kara Su (1 Ex.). Nach HAUSKNECHT-MARTENS 


auch bei Aleppo und Beirut. 


Neritina Jordani Sow. 


1832. Neritina Jordani Sowergy. Conch. Ill. @. Neritina, Nro. 48, Fig. 49. 


1839. — —  Rorm. Molluse. spec. Diss. inaug. p. 26, Taf. 2, Fig. 14—16. 
1883. Theodoxia — Nocarp. Mal. des Lacs de Tib. Archives du Mus. d’hist. nat. de Lyon III, p. 37. 
1885. — —  Nörtie. Ueber die Lag. ein. quart. Fauna i. G. d. Jord. p. 813, Taf. 23, Fig. 12—13. 


Vorkommen: Fossil im Diluvium des Jordanthals, den sog. Lisanschichten im S. des Sees von Tiberias. 
Lebend in den Seen von Hüle und Tiberias (10 Ex.), Jordan und Jarmük. 


Paludina (sg. Tulotoma) Apameae n. sp. 103 


Neritina Anatolica Recr. var. Bellardii Movss. 


1854. Neritina Bellardii Moussox. Coq. terr. et fluv. de Berrarpı. Mittheil. der naturfr. Ges. in Zürich, Bd. III, 
p. 2, Taf. 1, Fig, 11. 


1374. —_ — Martens. Vorderasiatische Conchylien, p. 34. 

1879, — Anatolica var. A. Bellardii Martens. Gattung Neritina in Marrısı und Cuemsırz. Syst. Conch, 
Cab. p. 86, Taf. 13, Fig. 25—26. 

1884. — Bellardii Trısrrau. Flora and Fauna of Palestine in Survey of West-Palestine, p. 200. 


Grösster Durchmesser 6 mm, kleiner Durchmesser 4 mm, Höhe 5'/’ mm, Columellarrand 3 mm. 
Breite der Columellarfläche 1° mm. 

Halbkugelig. Gewinde vorstehend angefressen. Naht tief, gegen die Mündung zu herabsteigend. — 

Farbe schwarz. Aussenlippe der Mündung bläulich. Columellarfläche bläulich-weiss. Columellarrand 
ohne Zähnchen. Deckel grau, glänzend gestreift, wie Perlmutter schillernd, mit undeutlichem, schwach 
röthlichem Saum. Innenlippe mit schwachem, stumpfem Vorsprung. Zapfen und Rippe gut entwickelt, 
letztere stark aufsteigend. 

Vorkommen: Nur recent: Brumäna im Libanon, Leontes, Damaskus, Jordanquellen, See Tiberias, 
Jabbok, Ajun Müsa (35 Exemplare), Jaffa. 


Valvata Sauleyi Bourc. 


1852. Valvata Sauleyi Bourscısnar. Cat. rais. des Moll. rec. par Saurcy, Taf. 2, Fig. 31—32. 
1894. — — Dautzengere. Liste des Moll. rec. par Barkoıs, Lille, p. 21. 


Vorkommen: Fossil in schwarzem Quartärschlamm am “Ain el-“AmkTje im Räb, gemein (50 Ex.). 
Lebend in Bet el-Mä bei Antäkıje (6 Ex.), Homs, Damaskus, See Tiberias (nach Barroıs). 


Valvata cristata MüLr. 
1774. Valvata eristata Mütter. Verm. hist. II, p. 198. 


1852. —_ — Küster. Gattung Paludina, Valvata in Marrısı-ORemsırz. Syst. Conch. Cab. I, 21, p. 88, 
Taf. 14, Fig. 22—26. 
1884. Gyrorbis — Cuessin. Deutsche Exk. Moll. Fauna, p. 462. 


Durchmesser nur 2 mm. 3 Umgänge. Oberseite flach oder etwas eingesenkt. 
Vorkommen: Fossil häufig (16 Exemplare) im Quartärschlamm des “Ain el-“Amkije zusammen mit 
voriger Art. 


Paludina (sg. Tulotoma) Apameae n. sp. — Taf. VIII, Fig. 9—14 und Taf. X, Fig. 22. 


Gehäuse dickschalig, konisch eiförmig, an der Spitze abgestumpft, ungenabelt. 5—6 seitlich flache 
Windungen. Die ersten 1—2 Windungen sind, wie an Jugendexemplaren oder Embryonen deutlich zu er- 
kennen ist, schwach genabelt, stärker, fast regelmässig gewölbt und ganz glatt oder mit sehr feinen Spiral- 
linien in der Mitte des Umgangs versehen. Der Gehäusewinkel beträgt anfänglich in den ersten 2 Wind- 
ungen ca. 120°. Von der Seite gesehen macht ein solcher Embryo den Eindruck einer kleinen Natica. 


104 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Die zweite oder dritte Windung wird in ihrem oberen Theil flacher und es stellen sich allmählich Spiralreifen 
ein. Zuerst entwickelt sich derjenige, welcher im oberen Theil des Gehäuses noch von dem jeweilig folgen- 
den Umgang verdeckt, erst am letzten Umgang gerade unter der Naht an der Mündung zu Tage tritt. 
Dieser Kiel bildet zugleich die Kante zwischen dem oberen, flachen Theil der Windungen und der Basis, 
ähnlich wie bei Paludina Vucotinovici und Pauli (vergl. PExEckeE'), doch mit dem Unterschiede, dass er 
bei diesen oberhalb der Naht liegt, also auf allen Windungen hervortritt. In der Verlängerung der Naht- 
linie selbst erscheint bei kleinen Exemplaren der P. Apameae zugleich über dem ersten Kiel eine Furche 
und darüber folgt die erste Andeutung eines zweiten Kiels, des tiefsten im oberen, flachen Theil der Wind- 
ungen. Bevor hier dann die übrigen zu Tage treten, sind bereits auf der Basis 6—7 Spiralkiele sichtbar 
geworden. Nach dem Schwanz der Columella zu rücken sie dichter aneinander und verschmelzen fast. Im 
oberen, flachen Theil der Windung scheiden sich endlich über dem bereits existirenden unteren Kiel, der 
dicht über der Naht liegt, 3 oder 4 Kiele aus durch Bildung von zuerst ganz schmalen, später breiten 
Furchen. Auf den letzten Windungen sind die Furchen anderthalbmal so breit als die viereckigen Kiele. 
Der oberste der letzteren ist der stärkste und dickste. Er veranlasst bei ausgewachsenen Exemplaren den 
Eindruck eines schwach treppenförmigen Ansteigens der letzten Windungen. 

Der Gehäusewinkel beträgt bei den späteren, ganz regelmässig wachsenden Windungen in der Regel 
35°, seltener 45°. 

Mündung rundlich wie bei P. Vucotinoviei und Pauli, nur ein wenig mehr nach unten vorgezogen, 
stets niedriger als die Spira. 

Phylogenese der Art: Die an vielen Exemplaren verschiedenster Grösse verfolgte ontogenetische 
Entwicklung lässt darauf schliessen, dass die vorliegende Form als Endglied einer phylogenetischen Ent- 
wicklungsreihe angehört, die ausging von Formen mit regelmässig gewölbten, glatten Umgängen. Später 
flachten sich die Umgänge ab. Auf der gegen die Mündung hin sich zuschärfenden Kante, zwischen Seite und 
Basis des Umgangs, erhob sich bei einer folgenden Mutation des Stammes ein Kiel, dem sich bald ein zweiter 
darüber anlegte. Schliesslich erschienen auch im übrigen Theil des Umgangs auf der Basis und im oberen 
Theil Spiralkiele. 

Es ist dies ganz dieselbe Reihe von Veränderungen, wie sie innerhalb der slavonischen Paludinen- 
Schichten thatsächlich an einer sogenannten Formenreihe von Viviparen von NEUMAYR verfolgt worden ist, 
bei welchen V. Pauli das letzte Glied bildet. Diese Reihe beginnt mit der gewölbten P. Neumayri, der 
P. Fıuchsi und Sadleri mit flacheren Umgängen folgen. P. alta und Herbichi von Arapatak in Siebenbürgen, 
mit spitzerem Gehäusewinkel und Andeutung eines schwachen Längskieles in der Mitte der Windung, stellen 
dann einen Uebergang zu der scharf gekielten P. Vucotinoviei aus den oberen Paludinen-Schichten Slavoniens 
dar, welche ihrerseits nach Prxecke durch unmerkliche Uebergänge mit P. Pauli Brus. verbunden ist. 
P. Pauli, das Endglied dieser Formenreihe, steht unserer syrischen Art ausserordentlich nahe. Speciell die 
Abstumpfung an der Spitze, das Regelmässige im Wachsthum der späteren Windungen stimmen bei beiden 
überein. Als Unterschiede sind anzuführen: Die Glätte der oberen Windungen bei P. Apameae, die grössere 
Flachheit der späteren Windungen an der Seite, während ihre Basis mehr nach unten verlängert erscheint, 


i Beiträge zur Kenntniss der Fauna der Slavonischen Paludinen - Schichten. (Beitr. zur Pal. Oesterr.-Ungarns und 
des Orients. Taf. 11, Fig. 20—21). 


Bythinia Sidoniensis Mouss. 105 


der kleinere Gehäusewinkel, schliesslich die viel geringere Anzahl der Spiralkiele. P. Pauli hat deren 
12—13 schärfere, zwischen denen sich noch auf der Unterseite 1—2, auf der Oberseite 3—4 sehr zarte 
Spirallinien unregelmässig einschieben. 

Vorkommen: Nur fossil in den pliocänen Süsswasser - Conglomeraten des Räb zwischen Dschisr 
esch-Schurr und Kal‘at el-Mdik (20 Ex.) und auf dem Ruinenfeld von Apamea (4 Ex.). 


Bythinia applanata n. sp. — Taf. VII, Fig. 15—16. 

Klein, 4 mm hoch, 2!/s mm breit, verlängert eiförmig. Gewinde kegelförmig. 4 Umgänge, langsam 
zunehmend, fast flach. Letzter Umgang sehr gross, die Hälfte der Gehäusehöhe erreichend. Naht vertieft. 
Mündung oval. Mundränder zusammenhängend, auf der Spindel weit umgeschlagen, eine scharfe Nabelritze 
offen lassend. Deckel kalkig, mit wenigen concentrischen Linien um einen fast centralen Kern. 

Die Exemplare sehen Jugendexemplaren von BDythinia tentaculata ähnlich, doch ist das ganze 
Gehäuse etwas spitzwinkliger und besonders sind die Umgänge flacher, als es bei jener Art die Regel ist. 

Vorkommen: Fossil im schwarzen Pliocänkalk des Antilibanon (3 Ex.) und im quartären Schlamm 
von el-“Amkije im Räb zwischen Kal‘at el-Mdik und Dschisr esch-Schurr (1 Ex.). 


Bythinia Syriaca n. sp. — Taf. VIII, Fig. 17. 


Höhe 4!/; mm, Durchmesser 3 mm. 3!/—4!/ Umgänge, mässig zunehmend, ziemlich gewölbt, 
durch tiefe Naht getrennt. Der letzte Umgang gross, an der Mündung ?/—'/2 der Gehäusehöhe einnehmend. 
Mündung rundlich eiförmig, oben ohne Ecke. Mundsaum scharf, zusammenhängend. Spindelrand kaum 
zurückgeschlagen. Nabelritze deutlich. Deckel weisslich, eiförmig, mit centralem Kern und concentrischen 
Anwachsstreifen. 

Verwandtschaft: Wie die vorige Art an Bythinia tentaculata, so erinnert diese mehr an BD. 
ventricosa Gray. Doch sind, abgesehen von der geringeren Grösse, die Umgänge nicht so regelmässig ge- 
wölbt und der letzte Umgang ist ungleich stärker entwickelt. 

Vorkommen: Quartär von el-‘Amkije, gemein (50 Ex.). 


Bythinia Sidoniensis Mouss. 


1855. Bythinia rubens Boursuisnar. Cat. Moll. terr. et fluy. rec. par De Sauccy, p. 62 (non Mexke). 


1861. —_ — var. Sidoniensis Mousson. (og. terr. et fluv. rec. par Rora, p. 56. 
1891. _ Sidoniensis KoBELT in RossmAzsster’s Iconograph. V, p. 71. 
1894. _ _ DAuTzEnBERG. Liste des moll. terr. et fluv. rec. par Barroıs. Revue biolog. du Nord 


de la France VI, p. 18. 
Höhe 5 mm, Breite 3 mm. 4'/a—5 rundliche Umgänge. Mündung rundlich, eiförmig, neben ihr 
ein feiner Nabelschlitz. 
Wie DAUTZENBERG |]. c. halte auch ich diese Form für verschieden von Bythinia (2!) (Paludina) 
Phialensis Conr. sp. in Lynch, Official Report of the U. St. expedition, p. 229, Taf. 22, Fig. 131, nicht 


aber wegen des bei letzterer deutlicheren Nabels, da die Abbildung CoxrAv’s nur denselben Schlitz zeist 
Palaeontographica. Bd. XLIV, 14 


106 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


wie meine Exemplare von Ba “albek, sondern wegen des geringeren Gehäusewinkels, also schlankerer Gestalt, 
und der viel grösseren Höhe (8 mm) der BD. Phialensis bei der gleichen Zahl (5) von Windungen. 


Vorkommen: Lebend in Saida, Ba ‘albek (20 E.), Damaskus, Phialasee oder Birket er-Räm, “Ain 
el-Musaieh, et-Tell (Furth des Jordan). 


Bythinia ? oder Hydrobia ? (Bythinella ?) sp. — Taf. VIII, Fig. 18. 


Höhe 3 mm. Grösster Durchmesser 1,9—2 mm. Mündung 1,4 mm hoch. (Gehäuse eiförmig zu- 
gespitzt. Gewinde stumpf. 4—5 Umgänge, wenig gewölbt, steil abfallend, unten d.h. dicht über der untern 
Naht mit einer schwachen, stumpfen Kante versehen. Naht tief. Letzter Umgang gross, fast die Hälfte 
der Gehäusehöhe erreichend, oben abgeflacht bis zu der abgestumpften Kante in der Mitte, von da an in 
regelmässiger Wölbung zur untern Spitze abfallend. Mündung nicht verengt wie bei den sonst ähnlichen 
Nematuren, sondern etwas erweitert mit umgeschlagenem Saum, eiförmig, oben mit rechtem Winkel. Ränder 
zusammenhängend. Deckel unbekannt. 

Da mir nur wenige zum Theil fragmentarische Exemplare ohne Deckel vorliegen, unterlasse ich die 
Einführung eines neuen Speciesnamens, zumal das Genus nicht genau feststeht. 


Vorkommen: Untere Thonbank des linken Örontesufers in Dschisr esch-Schurr im dortigen 
Pliocän (4 Exemplare). 


Hydrobia Fraasi n. sp. — Taf. VIII, Fig. 19—23. 


1878. Litorinella acuta Fraas. Geologisches aus dem Libanon, p. 363, non A. Bravn. 


Ziemlich spitz, kegelförmig, am obern Ende abgestumpft, 6 mm hoch, 3 mm breit. 5 wenig ge- 
wölbte Umgänge durch tiefe Naht getrennt. Die Spitze ist immer abgestumpft. Im übrigen aber nehmen 
die (3 letzten) Windungen ganz regelmässig an Breite und Höhe zu, ohne auffälliges Ueberwiegen der 
letzten. Diese nimmt etwa °/ der Gesammthöhe der Schalen ein, während ihre Breite der Hälfte der 
Gehäusehöhe entspricht. \ 

Diese Form, von der bekannten H. oder Litorinella acuta des Miocäns nicht nur durch ihre Grösse, 
sondern auch durch flachere Wölbung der Umgänge augenfällig geschieden, könnte höchstens mit H. obtusa 
Sınpe. sp. aus dem Hochheimer Landschneckenkalk und Kleinkarbener Cerithienkalk in nähere Beziehung 
gebracht werden. Doch wird auch diese nicht höher als 3 mm und der letzte bauchige und schwach ab- 
wärts geneigte Umgang nimmt die Hälfte der Gehäusehöhe ein. 

Vorkommen: Fossil im Pliocänkalk von Zahle im Libanon und Harf Ram el-Kabsch im Anti- 
libanon häufig. 


Hydrobia ? sp. 
32 mm hoch. Das spitz kegelförmige Gehäuse besteht aus 4'/, nur schwach gewölbten, abgeflachten 
Umgängen, deren letzter einen abgerundeten Kiel trägt. Mündung rundlich, viereckig, leider verletzt, daher 


unbestimmt, ob die Ränder deutlich zusammenhängend. 
Diese zierlich schlanke Form erinnert sehr an Hydrobia acutecarinata NEum. aus Slavonischen 


Pyrgula Barroisi Daurz. var. Räbensis, 107 


Paludinen-Schichten, die durch das Auftreten des Kiels sich der Gattung Pyrgula nähert. Bei der syrischen 
ist der Kiel noch wenig auffallend und auch die Seiten der Umgänge nicht so eben. 

Vorkommen: Fossil in der II. Thonbank des Pliocäns auf dem linken Orontesufer bei Dschisr 
esch-Schurr, der Schicht mit Melanopsis binodosa. 


Pyrgula Barroisi Daurz. var. Räbensis. — Taf. VIII, Fig. 24. 
1894. Pyrgula Barroisi Dautzengere. Liste des Moll. fluv. et terr. rec. par Barroıs en Palestine et en Syrie. 
Revue biologique du Nord de la France VI, 1893--1894, p. 18, Fig. 2. 

Das Gehäuse ist kegel- bis thurmförmig, 2'/ı mm hoch, 1'/s mm breit und besteht aus 4!/, Um- 
gängen. Gehäusewinkel ca. 34°. Die beiden ersten Umgänge rundlich, die übrigen an den Seiten voll- 
kommen flach, direct über der untern Naht mit einem scharfen, vorspringenden Kiel, der steil zur Naht 
abfällt, so dass hier ein einspringender, rechter Winkel entsteht. Letzter Umgang an der Mündung 1 mm hoch. 

Mündung oval, birnförmig bis viereckig (rhombisch). An der Aussenseite, wo der Kiel aufsitzt, ein 
stumpfer Winkel, oben ein spitzer, an der Innenseite und unten abgerundet. Innenlippe etwas umgeschlagen. 

PH. DauTzengerg hat 1894 1. ec. die erste Pyrgula-Art aus Syrien (See Tiberias) beschrieben, mit 
der die unsrige mindestens grosse Verwandtschaft zeigt. Immerhin bestehen Unterschiede, welche eine directe 
Identificirung der nordsyrischen Formen mit den palästinensischen zweifelhaft machen. P. Barroisi ist grösser 
(3,2 mm hoch) und vor allem schlanker (2'/, mal so hoch als breit), indem die grösste Breite 1'/, mm bei 
3°/s mm Länge beträgt. Der erste Unterschied liesse sich einfach darauf zurückführen, dass mir nur Jugend- 
exemplare vorliegen, die weniger (4'/,) Windungen als jene von Barroıs im Seegrund gedredschten (7) auf- 
weisen. Die relativ grössere Breite meiner Exemplare beziehungsweise ihr bedeutenderer Gehäusewinkel 
nöthigt mich indessen doch, die nordsyrischen Formen als besondere Varietät von P. Barroisi abzutrennen. 

Beim Vergleich der syrischen mit sonstigen echten Pyrgula-Arten kommen natürlich nur solche mit 
einem Nahtkiel in Betracht: Pyrgula Eugeniae Here. und Nrum. aus den Congerienschichten Siebenbürgens, 
Hydrobia Attica FucHs aus den Mergeln der Levantinischen Stufe von Megara, P. Nodoti Tour. aus dem 
Öberpliocän von Bligny in Frankreich und die in Armenien noch lebende P. Sieversi Börtrc. 

P. Eugeniae' mit 7 Windungen unterscheidet sich durch etwas höhere Lage des Kiels, der sich 
zwischen dem untersten und mittleren Drittel der Windungen erhebt und weniger steil zur unteren Naht 
abfällt, so dass hier ein stumpfer Winkel einspringt. 

Hydrobia Attica® hat bei 6 Umgängen 5 mm Höhe und 2 mm Breite, also die doppelte Grösse. 
Die Umgänge sind leicht gewölbt. Der Kiel wird auf dem letzten Umgang undeutlich oder verschwindet 
bisweilen am ganzen Gehäuse. Mundöffnung oval. 

Pyrgula Nodoti? besitzt bei 9 mm Höhe und 5 mm Breite 7 Umgänge. Im Uebrigen kommt diese 
Art der nur kleineren P. Barroisi am nächsten, ja sie zeigt im allgemeinen Habitus so vollkommene Ueber- 


‘ Hersıcun und NeumAyr: Beitr. zur Kenntn. foss. Binnenfaunen. VII. Die Süsswasserablag. im südöstl. Siebenbürgen 
(Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt. 25. 1875. p. 423, Taf. 17, Fig. 9—11). 

? Fuchs: Denkschr. der Wien. Acad. der Wiss. Bd. 37. 1877. 

® ToOURNOgER: Bull. soc. geol. France. II. ser. t. 23, p. 729. — SANDBERGER: Land- und Süsswasserconch. der Vor- 
welt, p. 745, Taf. 34. Fig. 22. 


108 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


einstimmung mit derselben, dass letztere fast als Jugendzustand der P. Nodot sich deuten liesse, wenn nicht 

in der Sculptur (P. Nodoti hat „starke Anwachsrippchen“ und „zarte Längsgürtel“) Unterschiede beständen. 
P. Sieversi' hat einen stumpferen Gehäusewinkel und ist doppelt so gross als P. Barroisi. 
Vorkommen: Quartärschlamm von el-“Amkije im Räb (5 Exemplare). 


Melania tuberceulata Mürr. sp. 


1774. Nerita tuberculata MÜüLLer. Verm. terr. et fluv. hist., II, p. 191. 
1804. Melamoides fasciolata Ouıvıer. Voy. Emp. Ottom., II, p. 10, Taf. 31, Fig. 7. 
1853. Melania tuberculata Bourcvicnar. Cat. moll. rec. par de Saurcy, p. 65. 


1861. —_ — und Rothiana Movssox. Coq. terr. et fluv. rec. par Rorz, p. 60 und 61. 

1865. —  Rothiana und rubro - punetata Trıstram. Rep. terr, fluv. Moll. Palestine in: Proceed. Zool. Soc. 
London, p. 541 und 561. 

1874. —  tuberculata Bror. Die Melaniaceen, p. 247, Taf. 26, Fig. 11. 

1883. _ — Locarp. Mal. des lacs de Tiberiade etc. p. 31. 

1884. _ — Bourevıenar. Histoire des Melaniens, p. 5. 


Vorkommen: Fossil im Pliocän von Dschisr esch-Schurr, I. Thonbank des linken Orontesufers 
(2 Exemplare), nach Huru in den höchstgelegenen Absätzen des Todten Meeres (ältestes Diluvium), an der 
Quelle Abu Weride im Wädi el-“Araba. 

Recent in der Umgebung des Todten Meeres, im Jordan, See Tiberias (11 Exemplare), Umgebung 
von Sür und Palmyra, fehlt aber heute im ganzen Orontesgebiet. 


Gattung Melanopsis. 


A. Formenreihe der Melanopsis (?sg. Melanosteiren Opp.) vincta n. mut., minima n. m., 
multiformis n. m., binodosa n. m., unicincta n. m. und bicincta n. m. aus dem Pliocän von 
Dschisr esch-Schurr. 


Diese neue Gruppe von zierlich gebauten, thurmförmigen Melanopsiden aus den pliocänen Thon- 
bänken von Dschisr esch-Schurr am Orontes bietet in mehr als einer Hinsicht ein ganz hervorragendes 
Interesse. 

Zunächst liegt von keiner anderen Gruppe der ontogenetische Entwicklungsgang der einzelnen Glieder 
und deren phylogenetischer Zusammenhang durch die einzelnen Schichten hindurch so klar und vollständig 
vor Augen als hier. Der ausserordentliche Fossilienreichthum der verschiedenen über einander folgenden 
Thonbänke an den Ufern des Orontes ermöglichte mir bei meinem zweimaligen Besuche dieser interessanten 
Localität die reichsten Aufsammlungen, so dass ich zum Studium eine herrliche Fülle von Material an 
Melanopsiden in den verschiedensten Altersstadien (viele 100 Exemplare) besitze. Dabei liegen geologische 
Aufzeichnungen über die Schichtenfolge in wünschenswerther Genauigkeit vor. Kurz, es ist hier wieder 
einmal die Möglichkeit und Gelegenheit gegeben zur entwicklungsgeschichtlichen Verfolgung einer Formen- 


1 Börrger: Sechstes Verzeichniss transkaukas. armen. und nordpersischer Mollusken. (Jahrbücher der deutschen 
malakozool. Ges. 8. Jahrg. 1881). 


Gattung Melanopsis. 109 


reihe, wie in den slavonischen Paludinen-Schichten, in denen der Insel Kos und Aetoliens und im Steinheimer 
Süsswassermiocän mit Planorbis multiformis. 

Zweitens sind die hier in Betracht kommenden Formen zum Theil ganz eigenartig und auffallend 
durch die Verschiedenartigkeit des Verhaltens der Windungen in den verschiedenen Alterszuständen ein und 
desselben Individuums wie das in dem Maasse nur bei wenigen slavonischen und griechischen Melanopsiden 
beobachtet wurde. Und diese Wachsthumsstadien, welche ausgewachsene Individuen gurchgemacht haben, 
lassen sich bei dem reichen vorliegenden Material auch an der Hand junger Exemplare von verschiedener 
Grösse ganz genau verfolgen. 

Schliesslich giebt die Entwicklungsgeschichte dieser Formen auch einige Fingerzeige für die Auf- 
hellung der recenten Melanopsidenfauna Syriens, indem wir bereits innerhalb dieser einen zusammenhängenden 
pliocänen Reihe die Haupttypen der heutigen nordsyrischen Melanopsiden vorgebildet erkennen. 
| Der ganze Kreis von Formen zeichnet sich durch mehrere gemeinsame Merkmale aus. Die Gehäuse 
sind alle ungewöhnlich schlank und spitzwinklig (ein wesentlicher Unterschied gegen die Gruppe Melanosteiren 
OppEnHEIM’S oder der Melanopsis Aetolica Nzum. in Mittelgriechenland). Die Schale ist stets glänzend und 
wenig angewittert, die Spitze nur selten corrodirt. Die Zahl der Windungen ist gross. 

Fast sämmtliche Exemplare beginnen mit einem spitz conischen, vollkommen glatten Gewinde von 
2 bis höchstens 5 Umgängen, das bei allen gleich beschaffen ist. Dann erst beim dritten, vierten, fünften 
oder sechsten Umgang stellen sich bei den meisten Individuen Erhabenheiten auf der Schalenoberfläche ein, 
mit der die Verschiedenheiten der Formen anheben. Es zeigt sich theils Sculptur in Radialrichtung, d. h. 
quer gegen die einzelnen Umgänge, theils in Spiral- oder Längsrichtung und zwar tritt zunächst nur eine 
von diesen beiden Arten auf, die Quersculptur oder die Spiralsculptur. Entweder herrscht nun während 
des ganzen weiteren Wachsthums eine dieser beiden Berippungsarten bis zum Schlusse allein vor, oder es 
wechseln beide ab, indem z. B. auf die zuerst vorhandene Quersculptur die Tendenz zu solcher in Spiral- 
richtung folgt, die aber dann doch nicht immer allein das Uebergewicht behält, sondern ab und zu noch 
von Quersculptur unterbrochen wird. 

Solche Verhältnisse hat man in ähnlicher Art bereits kennen gelernt an Melanopsiden-Formen der 
slavonischen und ätolischen Paludinen-Schichten, speciell Melanopsis recurrens Nzum.!, Braueri Neum.? und 
Slavonica Neun.” aus den oberen Paludinen-Schichten Slavoniens und Melanopsis Aetolica Nzum.* von Stamna 
in Mittelgriechenland, welch’ letztere OrpExhem° später durch einen neuen Gruppennamen Melanosteiren 
besonders hervorheben zu müssen glaubte. Alle die genannten theilen mit der in Rede stehenden syrischen 
Formenreihe die Verschiedenheiten in der Ausbildung der einzelnen Windungen. Bei M. recurrens und 
Braueri ist die Embryonalwindung glatt, bei M. Aetolica sollen wenigstens® nach Neumayr die 4 ersten 


1 NeumAyr und Pavr: Die Congerien und Paludinen - Schichten Slavoniens und deren Fauna. Abhandl. der k. k. 
geol. Reichsanstalt Wien. VI, 1875, p. 44, Taf. 8, Fig. 20—21. 

? Neomayr und PaAuvr: p. 43, Taf. 8, Fig. 26—27. 

3 Ibidem, p. 45, Taf. 8, Fig. 25. 

* Denkschr. d. Acad. d. Wiss. Math. nat. Cl. XL, 1880, p. 126, Taf. 6, Fig. 13—17. N. Jahrb. für Min. 1883. II, p. 37 

° Oprexsent: Zeitschrift der deutsch. geol. Ges. 1890, p. 529 und 1891, p. 468, Taf. 27, Fig. 1-6. 

% OppexHeim, der zahlreichere von Pnıtiprson gesammelte Exemplare untersuchte (Zeitschr. der deutsch. geol. Ges. 
1891, Taf. 17, Fig. 1—6), erwähnt p. 469 hiervon nichts. „Die ersten Windungen sind mit auf beiden Endigungen geknoteten 
Längsrippchen“ (hier so viel als Querrippen nach unserer im Anschluss an Zırrer’s und Sremsanw’s Handbuch gewählten 


110 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Windungen glatt sein. Dann folgen bei den 3 genannten Formen Windungen mit Querrippen, bei M. Braueri 
2—4, bei recurrens etwa 4, bei Aetolica 4—7. M. Slavonica schliesst sich in der Unregelmässigkeit des 
Wachsthums an recurrens an, bleibt aber ganz (?) ungerippt. Die letzten Windungen sind bei den 3 slavo- 
nischen Formen wieder glatt. 

Spiralverzierungen werden bei allen slavonischen Melanopsiden, wenn man von der Knotenreihe in 
dieser Richtung unter der Naht bei M. claviger« Neum. absieht, nicht besonders erwähnt, doch kommen sie 
auch dort als aberrante Bildung vor. Ich selbst besitze ein Exemplar von M. recurrens von Malino in 
Slavonien (vergl. Taf. IX, Fig. 1), bei welchem eine deutliche Einschnürung auf der Seite des letzten Um- 
gangs einen obern Wulst von einem untern trennt. Auffallender ist das Auftreten von Spiralsculptur bei 
der griechischen Formenreihe Melanosteiren Orr. Dort zeigen sich wie bei M. clavigera Knoten auf den 
Querrippen, aber an deren beiden Enden in zwei Spiralreihen. Diese Knoten verschmelzen auf den letzten 
Windungen zu wirklichen, kräftigen Kielen, die in ihrem Character freilich noch Schwankungen unterworfen 
sind und streckenweise sich wieder in Knotenreihen auflösen. 

NEUMAYR und PENEcKkeE führen die Formengruppe der M. recurrens und Braueri  entwicklungs- 
geschichtlich zunächst auf Formen mit mittelstarker Berippung zurück, M. lancevata, harpula und Bouei, 
und weiterhin auf einen ungerippten Stammvater. In dem Zurücktreten der Sculptur bei den Endgliedern 
dieser Formenreihe, als deren letztes Schlussglied die wieder ganz von Rippen entblösste M. Slavonica gelten 
kann, sieht Neumayr eine Recurrenz auf die Stammform, einen Atavismus. 

Diese bei den 3 Melanopsiden recurrens, Braueri und Slavonica wahrgenommene Variationsrichtung 
steht im Gegensatz zu den sonst innerhalb anderer Formenreihen von Melanopsiden und sämmtlichen Vivi- 
paren in den Paludinen-Schichten beobachteten Veränderungen. Die allgemeine Regel bei den Süsswasser- 
schnecken des slavonischen Pliocänbeckens ist nämlich eine Verstärkung der Oberflächenverzierungen bei den 
zeitlich auf einander folgenden Mutationen einer und derselben Formenreihe. Und zwar herrscht bei den 
Melanopsiden Querberippung vor, wobei die Rippen sich zuweilen ein- bis dreimal knotig verdicken. Aus 
den verschmelzenden Knoten können nachträglich Spiralwülste hervorgehen. Bei den Viviparen treten hin- 
gegen durchgehend zuerst Spiralkiele oder Wülste auf, welche dann in einzelne Knoten sich auflösen. Quer- 
rippen, die über die Umgänge laufen, sind selten (P. (sg. Tylopoma) avellana NEum.) und stellen sich später 
als die Spiralsculptur ein. Es besteht also hier auch ein durchgreifender Unterschied in der Variations- 
richtung beider Gattungen. Die Seulptur der Oberfläche von P. avellana, welche derjenigen der letzten 
Umgänge bei Melanopsis Conemosiana BorrTte.' und der im folgenden beschriebenen M. unieineta ähnlich 
ist (unter der Naht ein Spiralkiel, darunter Querrippen über die Seiten des Umgangs), ist phylogenetisch 
anders entstanden als bei letztgenannten Formen. Die der P. (Tylopoma) awellana unmittelbar vorhergehende 
Mutation P. oncophora besitzt bereits Spiralsculptur in Gestalt eines Kiels unter der Naht und einer Ein- 
schnürung darunter, dagegen noch keine Querrippen, während die bei jenen beiden Melanopsiden dem aus- 
gewachsenen Zustand vorangehenden Jugendstadien nur geknotete Querrippen und noch ältere Windungen 
einfache -Querrippen aufweisen. 


Bezeichnungsweise) „besetzt“. Unter den mir gütigst von Herrn Dr, Orrexueim zum Vergleich überlassenen Exemplaren von 
M. Aetolica von Stamna sah ich übrigens eins mit sehr wohl erhaltener, nicht corrodirter Spitze, an der die beiden ersten 


Windungen glatt erscheinen. 
1 OPPENHEIM in Zeitschr. der deutsch. geol. Ges. XLIII, 1893, p. 469, Taf. 27, Fig. 7—8. 


Gattung Melanopsis. 111 


Zwischen der Entwicklungsgeschichte der slavonischen und besonders der griechischen Melanopsiden 
nach deren bisheriger Auffassung einerseits und derjenigen der syrischen Formenreihe von Dschisr esch- 
Schurr andererseits besteht nun ein wesentlicher Unterschied. Die Tendenz zu Spiralsculptur stellt sich bei den 
griechisch -slavonischen Formen stets secundär oder nachträglich erst als Folgeerscheinung von vorheriger 
Quersculptur ein. Bei der syrischen Gruppe ist das nicht immer der Fall; vielmehr kann man wenigstens 
an einer Anzahl von Individuen ein alleiniges Auftreten von Spiralsculptur erkennen. Es lassen sich so zwei 
von gemeinsamem Ursprung (glattschaligen Formen) ausstrahlende parallele Reihen konstruiren: 

Bei der ersten derselben fehlt alle Quersculptur auch auf den älteren oder mittleren Umgängen und 
man bemerkt auf den späteren Umgängen nur breite, wulstartige Längsbänder, getrennt durch eine spirale 
Einschnürung. Diese Form (Melanopsis vineta n. f.) würde unter den slavonischen Melanopsiden der M. 
Slavonica NEum. der oberen Paludinen-Schichten am nächsten stehen, von der es heisst, dass alle Umgänge 
(soweit sie nicht corrodirt erscheinen) glatt, d.h. mindestens ohne Quersculptur seien. Nur nimmt Neumayr 
an, dass sie als extreme Variation aus quergerippten Formen durch Recurrenz auf die glatte Urform hervor- 
gegangen sei, nicht direct aus glattschaligen. Bei Dschisr esch-Schurr tritt ihre Parallelform gerade in der 
tiefsten Thonlage zusammen mit quergerippten Melanopsiden auf und es ist hier kaum daran zu zweifeln, 
dass gleichzeitig zwei verschiedene Tendenzen in der Sculpturirung der vorher vorhanden gewesenen glatten 
Urformen sich geltend machten. Während aber die erste Reihe der von Anfang an spiral verzierten Formen 
mit der ersten Thonschicht auch zu erlöschen scheint, setzt sich die zweite Reihe, die schon dort durch 
Individuenzahl unbedingt vorherrschte, noch in höhere Thonlagen fort. Bei dieser formenreicheren Reihe 
weisen die Umgänge zunächst Verzierung in Querrichtung auf, die dann entweder bis zur Mündung allein 
vorherrscht oder nachher von Spiralsculptur theilweise oder ganz abgelöst wird. Innerhalb letzterer Gruppe 
stellen sich auch bei späterem Verschwinden der Querrippen Formen ein (M. bieincta), die der Melanopsis 
vincta der ersten Reihe nahe kommen. Aber diese Annäherung bezieht sich dann nur auf die letzten Um- 
gänge; auf den mittleren sind wie bei M. recurrens und Aetolica noch deutlich die Spuren der Querberippung 
wahrzunehmen. Die hier bei den Endformen aus der Verschmelzung von Knoten der Querrippen ent- 
standenen Spiralkiele sind zudem immer viel ausgesprochener und kräftiger als die direct entstandenen 
Spiralbänder bei der älteren M. vincta. 

In der tiefsten Thonbank des linken Orontesufers, die dicht neben dem Ort Dschisr esch- Schurr 
direct discordant auf Eocän aufruht, lassen sich, wenn man die verschiedenen kleinen Exemplare als Jugend- 
zustände auffasst, im Ganzen nur 3 Arten oder besser Mutationen derselben Formenreihe unterscheiden, 
nämlich eine glattschalige Stammform mit ganz regelmässigen ebenen Windungen auch im ausgewachsenen 
Zustand und neben ihr je ein Vertreter der beiden erwähnten Variationsrichtungen, deren Jugendentwicklung 
indess einer besonders eingehenden Beschreibung zum bessern Verständniss auch der heutigen ganzen 
Melanopsidenfauna Syriens bedarf. 

Die in Rede stehende Formenreihe zeigt nach dem Ausgeführten mindestens die gleiche „schranken- 
lose Variabilität“ der einzelnen Formen, wie solche bei den Gastropoden des kroatisch - slavonischen und 
mittelgriechischen Tertiärbeckens und bei Steinheim beschrieben ist, und, wenn wir von der einen Ausnahme 
Melamopsis vincta absehen, auch dieselbe Variationstendenz. Fragen wir nun nach den Ursachen dieser 
in so verschiedenen Ländern schon beobachteten Erscheinung, so führt deren Allgemeinheit unbedingt zu 
dem Schlusse, dass ihr auch eine gemeinsame innere Ursache zu Grunde liegen muss. Die Mehrzahl 


112 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


der Anhänger der Deszendenztheorie unter den Naturforschern hat ebenso wie Darwın sich darin gefallen, 
für die ganze Umformung der organischen Welt lediglich äussere zufällige oder nur lokal wirkende 
Faktoren als Agens heranzuziehen. So führt NzumarYr in den slavonischen Congerien- und Paludinen- 
Schichten die Ausbildung stark gekielter und geknoteter Typen aus einfachen, glatten Urformen auf die Aus- 
süssung der betreffenden Seebecken und auf die räumliche Verminderung der Wasserfläche zurück. OPPpEn- 
HEIM * hat dagegen im Jahr 1891 bereits mit Recht hervorgehoben, dass wohl die gleichen Resultate in der 
Umprägung von Stamna zu bemerken ist, dass aber für die angeführten Ursachen dort durchaus keine Be- 
lege gegeben sind. Im Gegentheil habe man dort „eher an eine Aussalzung als eine Aussüssung zu denken.“ 
So würden wir mit Neumayr’s Hypothese „zu der Annahme geführt, dass in beiden Fällen contradiktorisch 
entgegengesetzte Faktoren die gleichen Resultate gezeitigt haben, was natürlich sehr unwahrscheinlich‘ ist. 


Die Verhältnisse in Nordsyrien lassen uns noch einen dritten von jenen beiden verschiedenen Fall 
erkennen. Hier kann weder von einer Aussüssung noch einer Versalzung des Beckens im Räb die Rede 
sein, da die jungtertiären Süsswasserablagerungen überall unmittelbar dem Eocän aufliegen, über ihnen aber 
keine marinen oder brackischen Schichten mehr folgen. Die äussern Lebensbedingungen haben also während 
des Pliocäns in dieser Hinsicht gar keine Veränderungen erlitten. Andererseits scheint sich die Ausdehnung 
des Beckens nicht verringert, sondern vergrössert zu haben, da die ältesten Thonbänke nur im Norden dicht 
bei Dschisr esch-Schurr sich vorfanden, das jüngere „‚Dreissensia-Conglomerat‘‘ aber über das ganze Räb 
verbreitet ist. So sprechen die in Syrien beobachteten Erscheinungen mit für die von OPPENHEIM aus- 
gesprochene Annahme, ‚„‚dass die Ursachen, welche an den Ufern der Rhöne, der Sawe, des Achelous“ (und 
des Orontes) ‚dieselben Veränderungen in der organischen Welt hervorzurufen im Stande waren, mehr uni- 
verseller als lokaler Natur waren, dass hier Verhältnisse obwalten, deren Existenz wir wohl constatiren, deren 
Erklärung und ursächliche Begründung wir aber bei dem jetzigen Stande unserer Kenntnisse noch nicht zu 
geben in der Lage sind.‘ 

Aehnlich dachte O0. Börtser 1878°, als er sagte: „„Der Grund zu der auffallenden Variabilität 
(der Formen in den Binnenfaunen in Südamerika und Osteuropa) ist also kein lokaler, sondern ein ganz 
allgemeiner, der sich wahrscheinlich über alle Süss- und Brackwasser-Bewohner aller Zeiten und aller Zonen 
erstrecken dürfte.“ 

An dieser Stelle geziemt es sich auch auf die vorsichtigen Schlussfolgerungen W. WAAGEns hinzu- 
weisen, zu denen dieser Forscher in seiner paläontologischen Musterabhandlung: „Die Formenreihe des 
Ammonites subradiatus“® schon im Jahre 1869 kam: „Der Grund dieser merkwürdigen Erscheinung kann 
also nicht ausserhalb, nicht in der äusseren Umgebung des Ammoniten, er muss im Ammonitenthier selbst 
gesucht werden, hier aber kann er nur in einem dem Organismus innewohnenden Gesetze liegen, nach welchem 
sich derselbe im Laufe der Zeiten verändert. Dieses nun ist ein wesentlicher Punkt, worin ich von den 
Anschauungen Darwın’s abzuweichen mich gezwungen sehe, da er ja allein von den äusseren Umständen 
die Entwicklung der Arten abhängig gemacht hat. Gewiss ist nicht zu leugnen, dass die äusseren Umstände 
diesen Vorgang begünstigten, in vielen Fällen, und ich glaube, dass dies noch häufiger eintrat, denselben 


1 Beiträge zur Kenntniss des Neogen in Griechenland. Zeitschr. der deutsch. geol. Ges. 1891, p. 470. 
? Die Tertiärfauna von Pembas am oberen Maranon. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt Wien, 28. Bd., 1878, p. 504. 
% BEnEcKkE: Geognost. paläont. Beiträge II, p. 239. 


Gattung Melanopsis. 113 


aber auch zu verzögern, zu verhindern oder selbst so sehr zu unterdrücken im Stande waren, dass Rück- 
bildungen hervorgerufen wurden. Allein das Gesetz der Entwicklung, das dem Organismus innewohnte, 
konnte nie vernichtet werden, stets ging das Streben, wenn auch vielleicht nach einer andern Richtung, 
wieder aufwärts zu grösserer Komplizirung der Organe, zu vollkommener Ausbildung der Form. Wie im 
Grossen und Ganzen, so bestätigt sich dies auch im Kleinen und Einzelnen.“ 

„Welches nun das Gesetz selbst sei, sowie die Art und Weise seiner Wirksamkeit zu erkennen, so 
dass wir aus einer gegebenen Grundform schon alle möglichen Umbildungen zu entwickeln im Stande wären, 
das zu ergründen wird noch viele Mühe kosten. Vorderhand müssen wir uns damit begnügen, nur erkannt 
zu haben, dass überhaupt ein im Organismus selbst begründetes Gesetz hier vorliege.“ 

Am gründlichsten legt sich neuerdings in dieser Hinsicht J.G. Vogr', „der Philosoph der Naturforschung‘“, 
gegen die Einseitigkeit vieler Darwinisten ins Zeug. Sein kritischer Standpunkt, wie die darauf aufgebaute 
hochphilosophische Weltanschauung verdienen jedenfalls die allgemeinste Beachtung nicht nur bei den Philo- 
sophen, sondern vor allen auch den Naturforschern. „Wenn man die Darwinisten hört, könnte man glauben, 
die Organismen würden einfach von aussen gestossen, getrieben, gedrückt, geknetet, umgeformt wie eine 
anorganische Masse, es entständen Organismen, wie etwa Berge, Thäler und Landschaften durch die Schie- 
bungen, Hebungen, Senkungen, Abwaschungen, Anschwemmungen etc. der Erdoberflächenmassen, also durch 
den ausschliesslichen Einfluss äusserer Faktoren entstehen.‘ „Die Hauptsache ist die Aufdeckung des 
specifisch organischen treibenden Agens.. Wer da glaubt, dieses Agens in den äusseren Einflüssen oder 
Faktoren finden zu können, wird sich vergeblich abmühen und kann solche Versuche überhaupt nur unter 
vollständiger Verkennung der wirklichen, wunderbaren Beschaffenheit der organischen Welt unternehmen. 
Vor den allereinfachsten organischen Erscheinungen wird unsere ganze menschliche Weisheit zu Schanden. 
Wer an diese Welt der Wunder den jämmerlichen Maassstab physikalischer Gesetzmässigkeit allein an- 
lesen will, der hat von dem Begriff Organismus überhaupt keine blasse Ahnung, in dem hat es noch nicht ein- 
mal gedämmert, mit welchen Problemen er sich zu befassen hat. Gewiss, äussere Bedingungen müssen immer 
gegeben sein, allein damit ist keineswegs gesagt, dass das Leben durch sie allein angeregt, unterhalten und 
geregelt werde. Das Leben fliesst sicherlich aus dem tiefinnern Verhalten der Substanz und ist aller- 
wenigstens abhängig von der Reaktionsweise der Substanz gegen die äusseren Einflüsse. Wir werden bei 
näherer Prüfung unabweislich zu der Ueberzeugung gedrängt, dass das Leben überhaupt nur durch die 
innigste und unaufhörliche Wechselwirkung innerer und äusserer Faktoren bedingt ist.‘“® „‚Wollen wir der 
entscheidenden Frage nach den Ursachen der Variation näher treten, dann müssen wir vor allem uns über 
das Lebensprinzip selbst irgend eine Vorstellung machen können“ u. s. w. — 


Zur besseren Uebersicht des genetischen und zeitlichen Zusammenhangs der einzelnen Mutationen 
der in Rede stehenden Formenreihe möge hier gleich deren sogenannter Stammbaum folgen, wie er sich 
aus dem aufmerksamen Studium der Thonschichten von Dschisr esch-Schurr (vergl. oben) und ihrer reichen 
Fauna ergibt: 


! Die Menschwerdung. Die Entwicklung des Menschen aus der Hauptreihe der Primaten und die Begründung der 
weiten Kluft zwischen Thier und Mensch. Leipzig 1892, p. 52—61. 
2 Vergl. J. G. Vogr: „Das Empfindungsprinzip und die Entstehung des Lebens“, sowie „Das Empfindungsprinzip 
und das Protoplasma auf Grund eines einheitlichen Substanzbegriffs“. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 15 


114 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


II. fossilführende Thonbank auf dem 


bieincta unicincta 
rechten Orontesufer. 


I. Thonbank auf dem rechten Ufer | bicincta binodosa 
und | 


II. Thonbank auf dem linken Ufer. 
multifor mis | 


binodosa 


Be 


I. Thonbank auf dem linken nr Itiformi, 
Orontesufer in Dschisr esch-Schurr. N Ben a 


Melanopsis minima 


Melanopsis minima n. mut. — Taf. IX, Fig. 2—5. 


Höhe des grössten mir vorliegenden Exemplars 6—7 mm, Breite 3 mm. Höhe des letzten Um- 
gangs an der Mündung 3—3'J, mm, der halben Gehäusehöhe gleich. 

Gehäuse spitz kegelförmig. Winkel an der Spitze 35—40°. Spitze nie corrodirt. 8 flache, ganz 
glatte Umgänge, durch eine kaum merkbare Naht geschieden, langsam und durchaus regelmässig zunehmend. 
Letzter Umgang im obern Theil kegelförmig, gegen die Basis mit abgerundeter Kante schnell abfallend. 
Mündung spitz eiförmig, elliptisch, vorn ein wenig verschmälert. Columella unten gedreht. Knotenförmiger 
Callus mässig, stumpfkantig. 

Möglich, ja wahrscheinlich ist es, dass es in älteren, noch unbekannten pliocänen Süsswasserschichten 
Syriens auch noch grössere Exemplare als die beschriebenen von derselben Form und glatten Beschaffenheit 
der Umgänge aber mit einer grösseren Zahl (bis 12) gegeben hat. In der tiefsten Thonbank von Dschisr 
esch-Schurr fand ich sie nicht. Das grösste Exemplar von dort ist Taf. IX, Fig. 5 dargestellt und zählt 
8 glatte Umgänge. Die grösseren Melanopsiden-Individuen dieser Formenreihe haben alle nicht mehr den 
ursprünglichen einförmigen Typus der M. minima bewahrt; die Ausbildung ihrer letzten Umgänge lässt sie 
als den folgenden vorgeschrittenen Mutationen zugehörig erscheinen. 

Verwandtschaft: Diese kleinste mir bekannte Melanopsis-Form oder -Mutation, deren Jugend- 
zustand zusammenfällt mit demjenigen der übrigen Mutationen dieser Formenreihe, könnte in ihrem aus- 
gewachsenen Zustand bei oberflächlicher Betrachtung noch als Brut einer grösseren glattschaligen Melanopsis- 
Art gedeutet werden. Die häufigsten der hierher gehörigen syrischen Arten: M. laevigata, buccinoidea, 
prophetarum, minor besitzen aber einen weit stumpferen Gehäusewinkel, besonders an der meist noch ab- 
gestumpften Spitze. M. laevigata und minor kommen zudem wegen der grösseren Höhe des letzten Umgangs 
ausser Betracht. Die engsten Beziehungen scheinen mir zu M. minutula Bourc., der kleinsten bisher be- 
kannten unter den glatten Melanopsiden Syriens, zu bestehen, die nach Boursvisnar‘ und NörLing ? im 


1 Histoire des Melaniens 1884, p. 92. 
2 Ueber die Lagerungsverhältnisse einer quartären Fauna im Gebiete des Jordanthals. Zeitschrift der deutsch. geol. 


Ges. 1886, p. 816, Taf. 23, Fig. 5. 


Melanopsis vincta n. sp. 115 


ausgewachsenen Zustande mit S—9 Umgängen nur 10, höchstens 12 mm Höhe erreichen würde. In der 
That scheint mir die Annahme gerechtfertigt, dass die lebende M. minutula Bourc. mit der vorliegenden 
pliocänen Mutation (und damit auch dieser ganzen Formenreihe) blutsverwandt, wenn auch keineswegs 
identisch ist. Denn M. mönima unterscheidet sich auch von der letztgenannten Zwergform durch noch 
geringere Grösse trotz des Vorhandenseins derselben Anzahl Umgänge, sowie grössere Schlankheit oder 
geringeren Gehäusewinkel und geringere Höhe des letzten Umgangs. 


Vorkommen: In der tiefsten Thonbank des linken Orontesufers bei Dschisr esch-Sehurr (Pliocän) 
(7 Exemplare). 


Melanopsis vinceta n. mut. — Taf. IX, Fig. 6—7. 


Höhe der ausgewachsenen Individuen 14 mm. 
„ des letzten Umgangs Tan 
2 gl 
Breite » ” b}) 9 la „ 
Schale glänzend, lanzettlich, thurmförmig. 7—8 Umgänge von: verschiedener Beschaffenheit. 


a) Jugendzustand oder Minima-Stadium (6 Exemplare). 

Die ersten 3—5 Umgänge bilden wie bei voriger Mutation einen regelmässigen Kegel mit 35—40° 
an der Spitze, glatten, flachen Seitenflächen und oberflächlicher Naht. Die Spitze ist gewöhnlich lädirt. 
Oberfläche mit feinen Anwachslinien versehen. Höhe dieses Gehäuses 5—6 mm, Breite 2'/,—3 mm. Letzter 
Umgang halb so hoch als das ganze Gehäuse, Innenlippe der Mündung callös, oben mit starker Verdickung. 


b) Ausgewachsener Zustand oder Vincta-Stadium (18 Exemplare). 


Mit dem vierten, fünften oder erst sechsten Umgang beginnen Veränderungen in der Beschaffenheit 
derselben. Der erste derartige abweichende Umgang wird ungleich höher und auch ein wenig breiter als 
die früheren und erhält eine geringe seitliche Wölbung speciell im oberen Theil, so dass die Nahtlinie oben 
deutlicher wird und der Umgang treppenförmig abgesetzt erscheint. Ueber der unteren Naht zeigt sich 
zugleich erst schwach (vergl. Taf. IX, Fig. 6) dann stärker eine Einsenkung oder Schnürung auf dem 
Umgang, welche auf dem jedesmal letzten Umgang ein oberes, breites, erhabenes Spiralband oder Gürtel 
von einem untern trennt. Durch das relativ schnellere Wachsthum der Umgänge in die Breite, wenigstens 
etwa vom vierten an, erscheint das Gehäuse von M. vinceta im Ganzen etwas stumpfwinkliger als das der 
vorigen Mutation. Durch die Zunahme der Umgänge an Höhe aber wird mit der gleichen Zahl derselben 
hier eine bedeutendere Gesammtgrösse des Gehäuses erzeugt als bei der gleichmässig wachsenden kleinen 
Stammform. \ 

Anwachsstreifen sind wohl zu erkennen, aber keine Querberippung. Die Mündung ist vorn gerundet, 
hinten zugespitzt. Innenlippe mit scharf umrandetem Callus, der aber nie so mächtig anschwillt wie bei 
den ähnlichen slavonischen Melanopsiden M. Oroatica und recurrens (vergl. von letzterer die Abbildung auf 
Taf. IX, Fig. 1), vielmehr etwa demjenigen von M. decollata Stou. entspricht. 


Vorkommen: Nur in der I. Thonbank des linken Orontesufers bei Dschisr esch-Schurr zusammen 
mit voriger und folgender Mutation (24 Exemplare). 


116 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Melanopsis multiformis n. mut. — Taf. IX, Fig. S—17. 


Gehäuse von bräunlich-weisser Farbe, verlängert thurmförmig. 10—11 Windungen, die bald durch 
seichte, bald tiefe Nähte von einander getrennt und in verschiedenen Wachsthumsstadien sehr verschieden 
geformt und verziert sind. Spitze nur in sehr wenigen Fällen corrodirt. 


a) Erster Jugendzustand. Minima-Stadium. 
Ganz ebenso wie bei der vorigen Mutation. 5 Umgänge. 


b) Stadium der feinen Berippung. Sauleyi-Jebusitica-aterrima-Stadium (5 Exemplare). 
Taf. IX, Fig. 8. 

Gehäuse 7—8 mm hoch. Letzte Windung 3’,—4'/, mm hoch und 3'/,—4 mm breit. Die spitz 
conische Schale besteht aus 6—6'/, Windungen, deren obere 5—5'/» glatt sind. Die '/—1'/a letzten er- 
scheinen mit zarten, dünnen Querrippen geziert, die durch breitere Zwischenräume geschieden sind. Zuerst 
zeigen sich die Rippen nur im oberen Theil der Windungen wie bei M. Sauleyi Bourg.' und ziehen sich 
später erst tiefer hinab bis zum Rand der Basis, die selbst frei von Rippen bleibt. Die letzte Windung 
trägt 10—11 Rippen. Mündung eiförmig, kurz. 

Eins der mir vorliegenden Exemplare stellt eine vollkommene Zwischenform zwischen M. Sauleyi 
Boure.! und Jebusitica Ler.” dar. Das bauchige, an beiden Enden wenig verlängerte Gehäuse und die 
eiförmige, oben kaum zugespitzte Mündung spricht entschieden mehr für M. Jebusitica, aber die scharfen 
geraden Rippen sind nur kurz und auf den obern Theil der letzten Umgänge beschränkt, was wieder für 
M. Sauleyi charakteristisch ist. ? 

Ein anderes Exemplar hingegen schliesst sich durch seine Berippung und Form ganz an M. aterrima 
Bourg. nach Boursvıgnar's Beschreibung? an. Die feinen Rippen sind nicht gerade, sondern von der Naht 
an schief nach vorn geschwungen und bis über den Basisrand zu verfolgen. Ausserdem ist das Gewinde 
mehr verlängert, spitz. Die Naht ist auch über dem letzten Umgang noch ganz linear. 


c) Hiera-Stadium* mit breiten Rippen und stufenförmigem Gewinde (5 Exemplare). 
Taf. IX, Fig. 9. 


8—10 mm hoch. 6!/—7 Umgänge, die ersten 6 wie bei voriger Form, der letzte halbe oder ganze 
in Folge plötzlicher Verbreiterung namentlich in der oberen Nahtregion stufenförmig abgesetzt, oben mit 
einspringendem Nahtwinkel. Die 11—12 Rippen sind dick, breiter als ihre Zwischenräume; sie beginnen 
mit ihrer ganzen Breite an der oberen Naht und verschmälern sich allmählich nach unten, um in der Mitte 
des Umgangs oder erst an dem gerundeten Basisrand zu verschwinden. Die Umgänge zeigen noch keine 
deutliche spirale Einsenkung in ihrer Mitte, die Rippen haben noch keine knotigen Verdickungen. 


d) Costata-Stadium mit stufenförmig aufsteigenden, in der Mitte eingesenkten Umgängen 
und schwach knotigen Rippen (10 Exemplare). — Taf. IX, Fig. 10—13. 

Höhe 7—13 mm. Letzte Windung 4—6!/a mm hoch, etwas höher als las Gewinde, 5'/s mm breit. 

5 Umgänge glatt, °/ı Umgang Jebusitica-Stadium, '/. Umgang Hiera-Stadium. Von da an macht sich in 


1 Boursvignar: Histoire des Melaniens, p. 127. 

2 Idem ibidem, p. 126 und Nörume 1. c. p. 816, Taf. 23, Fig. 10. 

3 Bovrsuignat: Histoire des Melaniens, p. 127. 

* Nach Melanopsis hiera Ler., einer jetzt in Syrien verbreiteten Art. 


Melanopsis binodosa n. f. 117 


der Mitte der folgenden 1Y,—2 Umgänge eine Einsenkung in Spiralrichtung bemerkbar, wodurch die 10 
bis 12 Rippen in 2 Theile zerlegt werden, einen oberen umgekehrt eiförmigen oder rechtwinklig dreieckigen 
Knoten, der an der Naht verbreitert und mit der Spitze nach unten gerichtet ist, und einen untern, feineren 
Rippentheil, der an der Basiskante anschwillt und dann noch oft bis zur untern Schalenspitze sich hinzieht. 

Die Berippung ist vollkommen identisch mit der von M. costata OLıvıEr, FErussac und Hörnes. 
Der Unterschied von der lebenden Form besteht nur in der Unberipptheit der ersten conisch aufgebauten 
Windungen und dem relativ niedrigeren letzten Umgang und Mündung. Beide Eigenthümlichkeiten sind 
indess schon an der fossilen Form Veränderungen unterworfen. Bald sind 5, bald nur 3 der obern Win- 
dungen ganz glatt und auch in der Grösse der letzten Windung finden Annäherungen an die lebende MY. 
costata statt. 

Einige Exemplare (Fig. 11—12) liegen mir vor, die sich in der grösseren Zahl und Länge und in 
der sonstigen Beschaffenheit der Rippchen mehr an M. Croatica Brus. (= M. costata NEUMAYR non OLIVIER) 
als an M. costata On. anschliessen. 


e). Multiformis-Stadium. Ausgewachsener Zustand. (Etwa 150 Exemplare). — Taf. IX, Fig. 14—17. 


Gehäuse bis 24 mm hoch. Letzter Umgang an der Mündung 10 mm hoch, 9 mm breit. S—10 
Umgänge. 

Die Tendenz nach Verzierung in Spiralrichtung, die schon mit dem vorigen Stadium begonnen hat 
in der Einschnürung der Umgänge und Zerlegung der Rippen in längliche Knoten, treibt weitere Blüthen. 
Die oberen Knoten der Rippen verbreiten sich auf den letzten 2'/),—3 Umgängen seitlich und können so 
auch streckenweise zu einem oberen, kantigen Wulst verschmelzen, oberhalb dessen die Naht und tiefste 
Zone des vorhergehenden Umgangs sich tief einsenkt. Es ist hier ausdrücklich zu betonen, dass dieses 
Aufgehen der oberen Rippentheile in eine gemeinsame Spiralwulst sich bei dieser Art M. multiformis der 
tiefsten Thonbank des linken wie rechten Orontesufers nur unregelmässig, d. h. auf kurze Strecken vor sich 
geht. Es zeigt sich dabei häufig genug die eigenthümiiche Erscheinung, dass eine Gehäuseseite des Indi- 
viduums mehr die Wulstbildung auf allen 2—35 letzten Umgängen zum Ausdruck bringt, während die 
gegenüberliegende Langseite überall Costata- Stadium bis zur Mündung hin bewahrt (vergl. Taf. IX, 
Fig. 16a und b). So wechseln in der Spiralrichtung wulstig ausgebildete Partieen noch mit solchen, die 
deutliche Knoten oder Querrippen tragen. 

Es gibt aber auch ziemlich ausgewachsene Exemplare, bei denen eine Wulstverschmelzung der 
oberen Rippenknoten kaum merklich ist. So liegt mir ein Exemplar von 20 mm Höhe vor, das bis zum 
Schlusse noch das Costata-Stadium beibehält mit 11 etwas unregelmässig vertheilten Rippen auf dem letzten 
Umgang. Dasselbe müsste, wenn nicht die Spitze des Gehäuses anders beschaffen, nämlich glatt wäre, ent- 
schieden zu M. costata Oz. gerechnet werden, bei der alle Windungen gleichmässig berippt sind. Einer 
speeifischen Trennung dieser so sehr costata-artigen fossilen Schalen der ersten Thonbank von Dschisr von 
M. multiformis kann ich indessen nicht zustimmen. Ein Vergleich der Abbildungen wird dies rechtfertigen. 


Melanopsis binodosa n. mut. — Taf. IX, Fig. 18—34. 


Schon in der tiefsten Thonbank des linken wie auch in derjenigen des rechten Flussufers finden 
sich zwischen den zahllosen schlanken, sozusagen auseinandergezogenen Gehäusen der unbedingt vorherrschen- 


118 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


den M. multiformis einzelne Exemplare von gedrungenerer Gestalt. An ihnen ist die unberippte, kegelförmige 
Spitze etwas kürzer, indem sie aus 5—4 glatten Windungen besteht, und die späteren berippten Windungen 
gewinnen besonders in Folge Anschwellens des oberen Knotenwulstes mehr an Breite, während sie zugleich 
an Höhe einbüssen. Während die Zahl der Rippen auf den letzten Windungen der M. multiformis in der 
Regel nicht unter 9 betrug (in den mittleren Jebusitica-, Hiera- und Costata-Stadien sind es mehr, 10—12), 
sinkt dieselbe auf den betreffenden, weniger schlanken Exemplaren der M. binodosa auf 8 bis 6. Die Be- 
schaffenheit dieser Querrippen ist auch eine andere; sie bestehen mehr aus 2 unter einander liegenden 
rundlichen, halbkugeligen Knoten. Die obere Reihe verschmilzt wohl noch zu einer wulstartigen Erhebung, 
geht aber nie völlig in derselben auf. Der letzte Umgang ist in Folge schnellerer Einwärtskrümmung unter 
der gerundeten Basiskante etwas verkürzt. 

Diese charakteristische Form herrscht in der zweiten Thonbank des linken Orontesufers (ca. 200 
Stück); seltener ist sie wie gesagt in der tieferen Melanopsiden - Thonbank des linken und rechten Ufers, 
von wo mir namentlich einzelne den Uebergang zu M. multiformis vermittelnde Zwischenformen vorliegen, 
(Taf. IX, Fig. 18— 19). 


a) Schon die Jugendexemplare unterscheiden sich von denen der vorhergehenden Art. Sie tragen 
auch eine glatte, conische Spitze mit demselben Gehäusewinkel, aber diese ist allerhöchstens halb so hoch 
als bei M. multiformis, indem die 3—4'/g Umgänge langsamer an Höhe zunehmen. Bei ausgewachsenen 
Individuen ist die kurze Spitze noch dazu stets corrodirt, so dass die Gehäuse stumpfer erscheinen, 


b) Nötlingi-Stadium! (5 Exemplare). — Taf. IX, Fig. 20—22. 

Mit dem fünften Umgang etwa beginnen die Unregelmässigkeiten. Der Umgang schwillt schon hier 
merklich an Breite an und ziert sich mit 7—11 (durchschnittlich 10) Rippen, die von Anfang an schärfer 
und höher sind als bei M. multiformis im zweiten oder Jebusitica-Stadium. Die Rippen verlaufen in deut- 
licher Krümmung nach vorn bis zum Rand der Basis. 

c) Costata-Staaium (5 Exemplare). — Taf. IX, Fig. 23—27, 

Auf dem zweiten der gerippten Umgänge verdicken sich die Rippen unter der Naht und in der 
Mitte des Umgangs zu schwachen, länglichen Knoten. Meist treten die oberen Knoten ein wenig früher und 
deutlicher auf als die untere Reihe, mit der die Rippen gewöhnlich wie bei M. costata var. Hörnesi m.” 
endigen. In diesem Falle geht dem Costata-Stadium ein Olavigera-Stadium mit einer oberen Knotenreihe 
entsprechend der Sculptur bei der slavonischen M. celavigera. Nzum. vorher oder vertritt die Stelle des 
Costata Stadiums. 


d) Ausgewachsenes oder Binodosa-Stadium. (Ca. 200 Exemplare). — Taf. IX, Fig. 28—34. 


Auf dem siebenten Umgang, seltener schon auf dem sechsten, senkt sich jetzt die Schale ein. Die 
Knoten, die oberen wie die bei vorhergegangenem Olavigera-Stadium jetzt erst aufkommenden unteren, ent- 
wickeln sich zu kräftigen, rundlichen Höckern, die in zwei ganz gleichmässig ausgebildeten Reihen bis zur 
Mündung anhalten. Sie verschmelzen niemals zu einem gleichförmigen Spiralwulst, wie das bei M. multi- 


1 Nach der recenten M. Nötlingi Bovurs. in Zeitschr. der deutsch. geol. Ges. 1886, p. 817, Taf. 23, Fig. 6 benannt. 
? Vergl. weiter unten. 


Melanopsis unicincta n. f. 119 


formis stellenweise, bei unzcincta regelmässig mit der oberen Knotenreihe der Fall ist und bei der folgen- 
den Mutation bieineta mit beiden Reihen. Die ursprüngliche Quersculptur wird also bei M, binodosa nicht 
vollständig von der Spiralsculptur zurückgedrängt, vielmehr halten sich beide die Wage, nachdem durch ihr 
gleichzeitiges Auftreten die Höcker entstanden sind. 

Die Zahl der Doppelknoten beträgt bei den meisten Exemplaren nur 6 auf einem Umgang. Ge- 
wöhnlich entsprechen sich die Knoten der verschiedenen Umgänge der Lage nach, so dass die 3 letzten 
Umgänge von oben nach unten zusammenhängende Radialknotenreihen aufweisen. während die viertletzte mit 
dem Costata- oder Olavigera-Stadium in Folge seiner zahlreichen knotigen Rippen nicht mehr damit stimmt. 
Bei mehr ausgezogenen Gehäusen sind auf allen 3 letzten Umgängen beide Knotenreihen zu sehen, indem 
auch die tiefere unter der Naht zur Hälfte herausschaut. 


Melanopsis bieineta n. mut. — Taf. IX, Fig. 35—40. 


Diese Form ist hervorgegangen aus schwächer berippten M. multiformis, bei denen die schwache 
Querseulptur bald vollständig durch Spiralsculptur ersetzt wurde, die in Spiralkielen sich äussert. Sie hängt 
trotz dieser letzten Eigenschaften phylogenetisch nicht unmittelbar mit M. vincta zusammen. Denn in der 
Mitte sind wie bei M. multiformis 1—4 Umgänge gerippt. Die Spiralwülste sind nicht wie bei vincta zuerst 
da, sondern gehen deutlich aus der seitlichen Verschmelzung der Knoten der Querrippen hervor und sind 
auch kräftiger ausgebildet als bei jener. 

Der Umstand, dass der tiefere Kiel stets durch den folgenden Umgang verdeckt wird, so dass auf 
dem vorletzten Umgang nur der obere zu Tage tritt, unterscheidet diese Form wesentlich von M. Aetolica 
Neum., bezw. der Formenreihe der Melanosteiren Opp., womit sonst eine gewisse Aehnlichkeit in der Variations- 
richtung unverkennbar ist. 

Noch auffallender ist die äussere Aehnlichkeit unserer Melanopsis mit M. recurrens Neum., welche 
in den oberen Paludinen-Schichten Kroatiens ebenfalls als Endform einer gerippten Formenreihe erscheint. 
Diese Aehnlichkeit wird Jeder ohne Weiteres zugeben, wenn er nur die Abbildung des syrischen Exemplars 
Taf. IX, Fig. 39 vergleicht mit Taf. IX, Fig. 1, einer mir gehörigen Melanopsis recurrens von Malino. Wenn 
nicht der Wulst der Innenlippe bei letzterer doppelt so kräftig und breit wäre, könnte man die beiden in 
der That für dieselbe Art halten. 

Vorkommen: In der zweiten Thonbank des linken Orontesufers (25 Ex.) und der ersten (3 Ex.) 
und zweiten (7 Ex.) des rechten Ufers. 


Melanopsis unieineta n. mut. — Taf. IX, Fig. 41—44, 


Diese Art erscheint ebenfalls als ein directer Nachkomme von M. multöformis, mit der sie die meisten 
Eigenschaften gemein hat. Da sie aber in einer viel höheren Bank liest, in welcher die echte MU. multi- 
formis nicht mehr vorkommt, darf sie nicht als einfaches weiteres Altersstadium aufgefasst werden, sondern 
ist als besondere Mutation unter anderem Namen von ihrem Stammyvater getrennt zu halten. 

Der Unterschied beruht darin, dass die Verschmelzung der oberen Rippentheile in Spiralrichtung 
weitere Fortschritte gemacht hat, indem die letzten 3'/, Umgänge einen ganz regelmässigen, nicht mehr 
kantigen, sondern abgerundeten Wulst tragen. Die Entstehung desselben aus Rippen lässt sich noch oft an 


120 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


rundlichen, knotigen Erhebungen auf dem Wulst in regelmässigen Entfernungen erkennen. Indess fehlen 
tiefe Einschnürungen zwischen diesen rundlichen, sanften Anschwellungen wie bei der älteren M. multiformis. 

Es entsteht die Gefahr, M. unicineta genetisch für eine Uebergangsform von M. multiformis zu 
bieincta zu halten, was sie ja auch der äusseren Form nach in der That ist. Die. geologisch-stratigraphischen 
Befunde beweisen aber mit Bestimmtheit, dass M. unicineta eine spätere selbständige Abzweigung von 
M. multiformis ist, allerdings in derselben Richtung wie vorher bei M. bicincta, also einer Abzweigung, in 
welcher die schon früher in M. bieincta zum Ausdruck gekommene Tendenz sich noch einmal von neuem 
geltend macht, freilich nur mit halbem Erfolg. 

Vorkommen: Nur in der obersten Melanopsiden - Thonbank des rechten Orontesufers bei Dschisr 
esch-Schurr (7 Exemplare) zusammen mit M. bieineta. Während in der tiefsten Thonbank des rechten Ufers 
mit letztgenannter zusammen noch M. multiformis vorkommt, ist in der zweiten Thonbank M. multiformis 
ganz verschwunden beziehungsweise durch M. unicineta ersetzt. Es ist auf dem rechten Orontesufer der 
dem ersten Umwandlungsprozess in M. bieineta entgangene Rest an M. multiformis der zweiten Umwandlung 
in M. unicincta verfallen. 


In den bis jetzt beschriebenen Melanopsiden hat sich uns eine geschlossene Gruppe von phylo- 
genetisch eng mit einander verknüpften, aufs äusserste variablen Mutationen repräsentirt. Ihre ungewöhnliche 
Veränderlichkeit spricht sich auch ontogenetisch in der Entwicklung jedes einzelnen Individuums aus. Die 
verschiedenen Altersstadien der Mutationen konnten nach ihrer Sculptur mit den wichtigsten der jetzt lebenden 
Melanopsidentypen Syriens direct verglichen werden. 

Es entsteht nun die Frage: Ist diese Formenreihe der Pliocänzeit mit den beschriebenen Formen 
abgeschlossen oder hat sie sich weiter entwickelt zu der jetzigen Fauna desselben Orontesgebiets? Ferner 
ist es etwa möglich, dass die bei der Ontogenese jener Formen erkannten Verschiedenheiten nicht nur der 
Spiegel der Verschiedenheit der heutigen zahlreichen Artengruppen darstellen, sondern ihre Ursache ? 
Konnten sich die einzelnen abweichenden Altersstadien einer Mutation erhalten und phylogenetisch in ebenso 
vielen Arten oder gar Artengruppen fixiren, so dass sie jetzt selbständig und unabhängig neben einander 
stehen? Eine definitive Beantwortung dieser Frage wird nicht eher gestattet sein, als bis wir genau wissen, wie 
es eigentlich in der jetzigen Melanopsidenfauna aussieht. Ontogenetisch sind die heutigen Formen jedenfalls 
im Allgemeinen keinem oder doch nur mässigem Wechsel unterworfen. Die gerippten Formen erscheinen 
meistens von der Spitze bis zur Mündung berippt und ohne glattes Gewinde. Die Sculptureigenthümlich- 
keiten sind beständiger und erstrecken sich auf alle Windungen gleichmässig, womöglich bis zum Embryonal- 
stadium. Aber auch da gibt es Ausnahmen, wie wir solche z.B. in M. Sauleyi und Jebusitica sehen werden. 
Bei letzteren wird es sehr wahrscheinlich, dass sie mit dem Sauleyi-Stadium der M. multiformis einen 
genetischen Zusammenhang haben. Das gleiche erscheint mindestens möglich für M. costata und ihre nächsten 
Verwandten, die häufigsten und charakteristischsten unter den heute im Flussgebiet des Orontes lebenden 
Arten, welche wir im Folgenden kennen lernen werden. 

Die aus dem Studium der ersten Melanopsiden-Formenreihe gewonnenen Erfahrungen sollen bei der 
Behandlung der noch übrigen zu besprechenden fossilen und recenten Melanopsiden verwerthet werden. Ich 
habe die letzteren zu Formengruppen zusammengestellt, innerhalb deren eine engere phylogenetische Ver- 
wandtschaft wahrscheinlich wird. Die einzuhaltende Reihenfolge dieser Gruppen ist durch die Ergebnisse 


Melanopsis laevigata Lam. 191 


der Untersuchung über die Entwicklung von M. multiformis ete. bestimmt. Der durch diese Ergebnisse 
wieder bestätigte Satz, dass die glattschaligen Melanopsidenformen (Melanopsis genus sensu stricto) die 
ursprünglicheren sind, gewinnt noch durch den Umstand an Wahrscheinlichkeit, dass im älteren marinen Mittel- 
pliocän Syriens' bis jetzt nur glatte Formen (M. laevigata, minor und Maroccana) gefunden wurden und 
findet auch in der ontogenetischen Entwicklung der heutigen Arten eine weitere Stütze. Ich habe daher 
in der folgenden Behandlung die glatten Arten mehrfach vorangestellt. Von den noch folgenden 7 Formen- 
gruppen, die theilweise nach Art und etwa im Umfange der BourcvignArT'schen Gruppen zusammengestellt 
sind, gehören die ersten 5, nämlich B bis F, zusammen, indem sie als fortlaufende Reihe gedacht werden 
können, entsprechend der Entwicklung innerhalb der einen Formenreihe A oder speciell der vielgestaltigen 
Art M. multiformis. Wie weit dieser zunächst nur vermuthete Zusammenhang der Gruppen B bis F unter 
einander und mit A begründet ist, müssen künftige Untersuchungen lehren. Diese sämmtlichen 5 Formen- 


‚gruppen enthalten lauter Arten mit relativ schlankem, spitzem, dünnschaligem Gehäuse und zuerst glatten, 


dann mehr und mehr verzierten Umgängen. 

Die sechste Gruppe G und die siebente H bilden jede für sich meiner Ansicht nach einen ge- 
schlossenen ganzen Kreis, der in seiner Entwicklung seinen eigenen Weg ging, unabhängig von den Gruppen 
A bis F, und sie stehen so beide den 5 andern zusammen als Parallelbildungen gegenüber. Beide enthalten 
dickschalige Melanopsiden, hauptsächlich diejenigen der pliocänen Conglomerate, Brececien und Muschelkalke 
des Rab. In der sechsten @ finden sich die bauchigen Parallelformen zu den Gruppen B bis F vereinigt. 
Die Gruppe H endlich umschliesst eigenthümliche Melanopsiden mit abgestumpftem Gehäuse, unregelmässiger 
Zunahme der Umgänge und sehr entwickelter Callosität an der Mündung. In G sowohl wie in H lässt sich 
die Entwicklung von glatten zu berippten Formen sehr wohl verfolgen. 

Die Gruppe H verdiente vielleicht unter dem Namen eines besonderen Subgenus den übrigen syri- 
schen Melanopsiden gegenüber gestellt zu werden. Denn diese Formen tragen einige gemeinsame Merkmale, 
abgestumpftes Gewinde, dicke Schale, mächtigen, knotenförmigen Callus, durch welche sie von den gewöhn- 
lichen syrischen oder sonst orientalen Arten abweichen und wie mir scheint eine gewisse Annäherung zu 
einigen in westlichen Mittelmeerländern verbreiteten Arten, M. Gwiraoi, Lorcana, cariosa bekunden. Ob 
dem in der That so ist, müssen erst noch genauere Vergleichsstudien unter Zuhilfenahme fossiler Formen 
feststellen. Vorderhand halte ich es noch nicht für angebracht, die Nomenclatur durch einen neuen Subgenus- 
Namen zu bereichern beziehungsweise die Wissenschaft zu beschweren. Von den bisher für Melanopsiden, 
wenigstens für die lebenden, aufgestellten Subgeneribus haben sich nachher bei genauerer Untersuchung die 
meisten als jedesmal unhaltbar herausgestellt (so z. B. Canthidomus und Lyrcea H. und A. Anams 1858), 
wenn sie nicht in ganz engen Grenzen gehalten wurden. 


B. Melanopsiden mit schlankem, glattem Gehäuse und regelmässigem Wachsthum der 
Umgänge. Melanopsis genus sensu strieto. Bucceinoidiana Bourc. z. Th. 


Melanopsis laevigata Lau. — Taf. X, Fig. 1—2. 


1822. Melanopsis laevigata Lamarcxk. Anim. sans vert. VI, 2, p. 168. 
1823. — buccinoides Färussac. Mon. du genre Mel. M&m. soc. d’hist. nat. I, p. 148 (pars), Taf. 7, Fig. 10. 
(non ÖLIVIER nec cet. aut.). 


! Vergl. oben 8. 73. 
Palaeontographica. Bd. XLIV, 16 


122 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


1839. Melanopsis laevigata Rotes. Moll. spec. Inaug. Din. p. 24. 


1839. — praerosa RossmArssLer. Iconographie der Land- und Süssw.-Moll. II. Bd., Heft IIIT—IV, p. 41, 
Taf. 50, Fig. 677 (non 676) non! Linse. 

1864. _ praemorsa Boursvisnar. Mal. de l’Algerie II, Taf. 16, Fig. 16 und 18 (non! Lixn£.). 

1374. _ praerosa Bror. - Melaniaceen, p. 421 (pars), Taf. 45, Fig. 16 —18. 

1580. — —  Koperr. Icon. VII, p. 14, (pars), Taf. 187, Fig. 1876, 1881—82, 1885—86, 1888—91, 
Taf. 188, Fig. 1892, 1893, 1897 non cet. 

1883. —_ buceinoidea LocarD, 1. c. pars. 

1384. u laevigata Bourevicnar. Histoire des Melaniens, p. 95. 

1886. n— — Nöruing, 1. c. p. 812; Taf. 23, Fig. 3. 

1889. _ praerosa BLANCKENHORN. Beiträge zur Kenntniss der Binnenconch. Nachricht. der deutsch. Mal. 
Ges. 5—6, p. 79. 

1891. — laevigata BLANCKENHORN. Das marine Pliocän in Syrien Sitzungsbericht phys. med. Societät zu 


Erlangen, 24. Heft, 1892, p. 10. 


Gehäuse ei- bis spindelförmig. Schale dick und undurchsichtig, von einer einfarbigen, schwärzlichen, 
glänzenden Epidermis bedeckt. Wenn diese abgewittert ist, erscheint die Spira und der oberste Theil der 
letzten Windung dunkel gelbbraun, der übrige Theil heller. 

Mittlerer Gehäusewinkel 45°. Winkel an der Spitze stumpfer, 50—65°. Spira relativ kurz, an 
der Spitze abgenagt. 6—7 fast ebene Umgänge, langsam zunehmend. Naht oberflächlich, meist deutlich 
markirt, zuweilen etwas rinnenförmig oder fadenförmig gerandet. 

Letzter Umgang an den Seiten flach, nur schwach gewölbt, im untern Theil mehr, allmählich zur 
Columella abfallend. Höhe des letzten Umgangs fast °/s, jedenfalls mehr als die Hälfte der Gehäusehöhe 
erreichend (bei M. praemorsa Lisx& = praerosa L. im Sinne BourGuvıcnAT's (1883) — °/ı der Gehäusehöhe). 
Mundöffnung birnförmig, oben durch einen starken knotenförmigen Callus zu einem tiefen Canal verengert. 
Der äussere Mundsaum reicht an der Basis weit unter die Spitze der Columella hinab. Columella unten 
fast plötzlich nach rechts gedreht, verkürzt. 


Höhe 20—24 mm (bei M. praemorsa Lisnı&t — 13—14 mm nach Bour@vıgnAr). Grösster Durch- 
messer 10—11 mm (bei M. pr. = 8 mm) etwas unterhalb der Mitte der Höhe, aber relativ höher als bei 
M. buceinoidea On., wo er in die untere Hälfte des Gehäuses fällt. 


Vorkommen: M. laevigata ist sowohl fossil wie heutzutage die verbreitetste und häufigste Süss- 
wasserschnecke ganz Syriens, namentlich aber in Nordsyrien, im Gebiet des Orontes, wo M. buceinoidea ' 
bislang lebend noch nicht gefunden worden ist. Es liegen mir Exemplare vor. 

1) Fossil aus dem marinen Mittelpliocän von Bet el-Mä bei Antäkije (1 Ex.), aus dem oberpliocänen 
Muschelkalk (Dreissensiaschicht) von Dschisr esch-Schurr (4 Ex.), des Räb (1 Ex.), dem Süsswasserkalk von 
Böt el-Mä (12 Ex.). Nöruıne fand sie im Diluvium (Lisänschichten) am See Tiberias. 

2) Orontes bei Antäkije (4 Ex.) vergl. Taf. I, Fig. 2, Hafen von Seleucia Pieria (14 Ex.) siehe Taf. I, 
Fig. 1, Kara Sü (2 Ex.). In Palästina fand ich sie an den ‘Ajun Musa am Berge Nebo (6 Ex.) und am 
Wadi Hesbän (13 Ex.). Sonstige Fundorte sind Sadjür Su, Beirüt, Libanon, Ba“albek, Antilibanon, Ebene 
des Bahr Hüle, Wadi el-“Arab und ez-Zahar im Adschlün, “Ain es-Sultäne bei Jericho. 


! M. buceinoidea im Sinne ihres Autors Orıvızr und nach BourevisnAar (Hist. des Mel. p. 86) scheint in Syrien seltener 
und zwar hauptsächlich mehr auf Mittelsyrien (Libanon) und das innere Nordsyrien (Kuweik und Sadjur Su) beschränkt zu sein. 


Melanopsis buceinoidea Or. sp. 123 


Melanopsis buceinoidea Or. sp. 


1804. Melania buccinoidea Orıvier. Voyage dans l’Empire Othomane 1801—1807, I, p. 297 et Atlas Taf. 17, Fig. 8. 
1839. Melanopsis Ferussaci Rorm. Moll. spec. Dissert. p. 24, Taf. 2, Fig. 10. 


1855. _ buccinoidea Moussox. Coq. foss. rec. par Berraroı. (Mitth. der naturf. Ges. Zürich, II, p. 397). 
1864. 2 praemorsa Bourstisnar. Mal. de l’Algerie II, p. 262 pars, Taf. 16, Fig. 17, 19, 20 non cet. 
1377. - praerosa Tourxover. Coq. foss. d’eau douce de File de Rhode. (M&m. de la Soc. g6ol. de France, 
3. ser., tome 1), p. 5l, Taf. 1, Fig. 14. 
1883. _ buccinoidea Locarv. Malac. des Lacs de Tib., d’Ant. et d’Homs. (Archives du Mus. d’hist. nat. 
de Lyon, III, p. 227 und 264 (pars). 

221884. — — Trısırau. The Fauna and Flora of Palestine in Survey of Western, Palestine p. 197. 
18S4. _ _ Boursviexar. Hist. des Melaniens du syst. europ. (Ann. de Malac. Paris II, p. 86). 
1834. — Ferussaci Boursuisnar. Ibidem, p. 98. 

1885. — buccinoides Harr. Quart. Statement. Palest. Expl. Fund, p. 264. 

1586. — buceinoidea Nörtine. Ueber die Lagerungsverhältn. einer quart. Fauna im Gebiet des Jordanthals. 
(Zeitschrift der deutsch. geol, Ges. XXXVII, p. 814, Taf. 23, Fig. 1). 

1889. _ buceinoides Hurr. Memoir on the geology and geography of Arabia Petraea, Palestine etc. Survey 
of Western Palestine, p. 80. 

1889. — buceinoideu BuanckexHorn. Beiträge zur Kenntniss der Binnenconch. in Nordsyrien, p. 87. 


Gehäuse spitz conisch, schlanker als vorige Art, mässig dickschalig, in der Nähe der Mündung 
durchscheinend, meist einfarbig, schwärzlich, röthlich, kastanienbraun, gelbbraun oder grünlich. Der letzte 
Umgang zuweilen im untern Theil mit 1—2 helleren Bändern zwischen dem herrschenden dunklen Farbenton. 
Callus milchweiss bis violett. 


Gewinde regelmässig kegelförmig, spitz; Gehäusewinkel an der Spitze = 50°, nachher durchschnitt- 
lich 45°. Spitze an älteren Exemplaren meist corrodirt. 7—9 flache Umgänge von regelmässigem Wachs- 
thum, getrennt durch eine oberflächliche Naht. 

Letzter Umgang oben flach, nach unten schnell in starker Krümmung zur Columella abfallend und 
direct über derselben zu einer Furche eingesenkt. Die Höhe des letzten Umgangs kommt durchschnitt- 
lich derjenigen der Spira gleich, meist ist sie ein klein wenig grösser, oft aber auch geringer. 

Mundöffnung eiförmig, oben mit einem nur wenig tiefen Canal. Aeusserer Mundrand scharf, an 
der Basis dicht am Schnabel ein wenig unter denselben hinabreichend. Columella in der Mitte stark ge- 
krümmt, verlängert, unten gedreht, Spitze nach aussen gerichtet. Callosität mässie. Die obere knotige 
Verdickung nur schwach und mässig hoch, in Folge dessen der Canal zwischen ihr und dem Aussenrand 
wenig ausgeprägt. 

Höhe des Gehäuses in OLivıer’s typischer Abbildung. 28'/; mm, grösster Durchmesser 11 mm in 
der unteren Hälfte des Gehäuses. Höhe des letzten Umgangs an der Mündung 14!’ mm. 


Vorkommen: Fossil in Palästina in den diluvialen Lisänschichten, im Wadi el-“Arabah am “Ain Abu 
Werideh', in der Umgebung des Todten Meeres (?)° und am Ufer des Sees Tiberias; in Nordsyrien im 
Diluvium von Homs. 


! Butt, 1. c. p. 80. Quart. Stat. P. E. F. 1885, p. 264. 

° Trıstran, 1. c. p. 197. Vergl. dazu Larrer: Exploration geologique de la Mer Morta 1877, p. 178, Anm. 1. — 
Hvrv: Mount. Seir. Sinai a. Western Palestine, p. 162, sowie BLAncKENnHoRN: Entstehung des Todten Meeres. Zeitschrift des 
Deutsch. Paläst. Ver. 1886, p. 41 und 44 Anm. 


124 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Lebend seltener in Gewässern Palästina’s (? Seen von Tiberias und Merom, Jerusalem). Häufig in 
Mittelsyrien (Saida, Nahr el-Kelb, Libanon, Wadi Baradä). In Nordsyrien fehlt die echte typische M. 
buceinoidea im Sinne OLivier’s und BourcvıgnAar's auffallender Weise am Orontes, wo ich sie nur in halb- 
fossilem Zustand aus einem alten Canal von Selemije besitze (2 Ex.); sie wird aber aus dem Innern Nord- 
syriens angeführt vom Kuweik und Sadjür Su, sowie von Biredjik. 


Melanopsis Maroccana CHemn. var. media Boursc. — Taf. X, Fig. 4. 


1795. Buceina Maroccana Cuenmsirz, Conch. Cab., XI, p. 285 (pars), Taf. 210, Fig. 2073—2079 non cet. 
21854. Melanopsis brevis Parreys in Moussox. Coquilles Bervaros, p. 51 (non! SowErsgy). 


1864. _ Maroccana Boursvisnar. Malacol. Algerie, II, p. 257 (pars), Taf. 15, Fig. 12—14. 

1884. — _ — Histoire des Melaniens. Ann. de Malacolosie. Paris II, p. 99. 
?1884. — brevis Bours. Ibidem, p. 100 (non DAUTZENBERG 1894, Revue biol. du Nord de la France IV, p. 341). 
1891. _ cf. Maroccana BLAnckenHuorn. Das marine Pliocän in Syrien, p. 30 (wo genauere Beschreibung), 


Taf. 2, Fig. 5. 
Betreffs des Charakters und der verwandtschaftlichen Beziehungen dieser Art verweise ich auf meine 
eitirte Arbeit. Der von Mousson eingeführte Name M. brevis ist zu vermeiden, da er schon vorher von 


SowErpy für eine fossile tertiäre Art verbraucht war. 
Vorkommen: Fossil im marinen Mittelpliocän am unteren Orontes (1 Ex.). 
Lebend am Bahr el-Hüle, am Leontes, in Ba‘albek, im Libanon und Antilibanon. 


D) 


Melanopsis minutula Bourne. — Taf. X, Fig. 3. 


1884. Melanopsis minutula Bourcvisnar. Histoire des Melaniens, p. 92. 
1886. _ _ Nörring, 1. c. p. 816, Taf. 25, Fig. 5. 


Eine der kleinsten glattschaligen Melanopsiden. Höhe S—10 mm. Breite 3Y’—4 mm. 8—9 langsam 
zunehmende Umgänge. Gewinde spitz. Letzter Umgang höher als die Hälfte des Gehäuses. Mündung 


oben spitzwinklig. 
Vorkommen: Fossil im altalluvialen Flussschotter am untern Jarmük im Ostjordanland, sowie im 


Quartär von “Amkije im Rab (2 Ex.). 
Lebend nach Bovrevıcnar in Bächen Syriens wie in Kleinasien und Algerien. 


C. Kleine spindelförmige Gehäuse mit schwacher unvollkommener Berippung. Sauleyana 
Boure. z. Th. Formengruppe der Melanopsis Sauleyi, Jebusitica, aterrima und faseolaria. 


Aus dieser Gruppe liegen mir nur zwei Vertreter vor: 
Melanopsis Sauleyi Boure. 


1853. Melanopsis Sauleyi Bourcvicnar. Cat. rais. des Moll. terr. et fluv. rec. par DE SauLcy, p. 66, Taf. 2, Fig. 52—53. 


1865. _ —  Trıstram. Report on the terr. a. fluv. Moll. of Palestine in Proc. Zool. Soc. of London, p. 542. 
1374. _ — Brorin Cuemstrz-Martını. Conch. Cab. Melaniaceen. p. 429, Taf. 46, Fig. 10—11 non 12. 
1883. = — LocaArp, p. 287. 

1885. —_ — Horr. Mount Seir, Sinai a. Western Palestine, p. 100, Fig. 12. 


1886. — — Nöruine, p. 816, Taf. 23, Fig. 9 und 9a. 


Melanopsis sancta Ler. 125 


Klein, 10—15 mm (bei Hurn 17 mm) hoch, 4—6 mm breit, spitz kegelförmig. 7 flache, regel- 
mässige Umgänge. Der letzte so gross oder nur wenig grösser als das Gewinde. Die ersten 3—4 Umgänge 
sind wenigstens auf dem mir vorliegenden Exemplar noch glatt und rippenlos ohne corrodirt zu sein. Nach 
BOURGUIGNAT wären Rippen auf allen Umgängen vorhanden, aber in Folge Corrosion der Spitze oft nicht 
sichtbar. 

Die letzten 3 Umgänge tragen im oberen Theil dünne, zarte Querrippen. Der untere Theil (Hälfte) 
des letzten Umgangs ist glatt. 


Vorkommen: Fossil im älteren Diluvium (Lisänschichten) des Wadi el-“Arabah bei “Ain Abu Werideh 
(nach Hurr), im altalluvialen Flussgeröll im Thal des Jarmük (nach Nörume). 

Halbfossil fand ich sie im Sande eines Aquadukts in der Wüste bei Selemije (1 Ex.). Als jetzige 
Verbreitungspunkte werden genannt Artüs, Sultanquelle bei Jericho, eine Quelle in der Ebene des Bahr 
Hüle und der See von Homs. 


Melanopsis Jebusitica Let. — Taf. X, Fig. 5. 

1884. Melanopsis Jebusitica Boursuisnar. Histoire des Melaniens, p. 12. 

1886. E — Nörzins, p. 816, Taf. 23, Fig. 10. 

Gehäuse kegelförmig bauchig, weniger verlängert als M. Sauleyi, 10—11 mm hoch. 6—6}s flach 
gewölbte Umgänge. Die ersten 2—4 Windungen sind ganz glatt, die letzten 3 oder 2 mit je 12—13 Rippen 
versehen. Dieselben sind unter der Naht am dicksten, verlaufen von hier etwas schräg nach vorn, vom letzten 
Umgang bis zum Basisrand, wo sie plötzlich, zuweilen in schwachen Knoten endigen. Die Zwischenräume 
sind breiter als die Rippen selbst. 

Vorkommen: Halbfossil im Sand eines Aquadukts bei Selemije (4 Ex.), nach Nöruise im Alt- 
alluvium des Jarmükthals bei el-Hawijan (Ostjordanland). 

Lebend in der Umgegend von Jericho. 


D. Formengruppe der Melanopsis sancta Ler., Lortetiana Loc. und Turcica Pırr. Schlanke 
Gehäuse mit einfachem, nicht stufenförmig aufsteigendem, oben ein wenig stumpfem Gewinde 
und einfachen, knotenlosen Rippen. 


Melanopsis sancta Lrr. — Taf. X, Fig. 6. 


1850. Melanopsis costata Koszrr. Iconogr. Fig. 1901 (non Orıvızr). 
1884. — sancta BOURGUIGNAT, 1. c. p. 129. 


Gehäuse länglich, oben ein wenig stumpf. 5—8 Umgänge; die obersten 1—3 glatt, stets corrodirt, 
die übrigen gerippt. Auf dem letzten Umgang sind die Rippen auf die obere Hälfte beschränkt. 


Vorkommen: Fossil in der Dreissensia-Schicht bei Dschisr esch-Schurr am Orontes (3 Ex.). 


Lebend in der Elias- und Jeremias-Quelle bei Jericho, im unteren Jordan nahe dessen Mündung 
und im ‘Ain el-Plasa in der Ebene des Bahr el-Hüle. 


126 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Melanopsis Lortetiana Loc. 


1883. Melanopsis Lortetiana Locarno, p. 271, Taf. 23, Fig. 50—51 und 
1884. — _ BOURGUIGNAT, p. 135. 
1891. _ Turcica BLANcKENHORN. Das marine Pliocän in Syrien, p. 46. 


Schlank eiförmig, lanzettlich, mit spitzem Gewinde, oben corrodirt. 7—8 Umgänge mit regelmässigem 
Wachsthum, getrennt durch oberflächliche Naht. Der letzte kleiner als die Hälfte der Gesammthöhe. Die 
2 Embryonalwindungen sind glatt, die andern Umgänge gerippt. Rippen knotenlos über die ganze Seite 
der Umgänge sich erstreckend, nur an der Basis des letzten Umgangs verschwindend. 

Vorkommen: Fossil in der oberpliocänen Dreissensia-Schieht von Dschisr esch-Schurr (2 Ex.) und 
im marinen Oberpliocän von Seleucia Pieria (1 Ex.). 

Lebend im See von Antiochia. : 

Hieran würde sich als Endform dieser Reihe die nur lebend aus Nordsyrien bekannte M. Tureica 
Pırr. (vergl. Mousson und LocArp) anschliessen, bei der die Rippen in gleicher Dicke auch über den letzten 
ganzen Umgang bis zur Columella verlaufen. 


E. Formengruppe mit schwach abgestuftem Gewinde und knotenlosen Rippen. 
Gehäuse schlank. 


Melanopsis hiera Ler. — Taf. X, Fig. 7. 


1874. Melanopsis costata Bror. Melaniaceen, Taf. 46, Fig. 4 non 5—7 (non ÖLIVIER). 


1880. — —  Koszeur. Iconogr. Fig. 1904. 

1883. — — var. curta und gracilis LocarD, p. 267, 288. 

1884. — hiera Bourguisnar. Histoire des Melaniens, p. 121. 

1887. — costata Woopwarn-FiscHer. Manuel de Conchyliologie, Taf. 8, Fig. 30. 


Gewinde schwach stufenförmig. Naht etwas vertieft. Der letzte Umgang etwas höher als das Ge- 
winde. Rippen auf der Spira und im obern Theil des letzten Umgangs ebenso breit wie ihre Zwischenräume, 
gegen die obere Naht hin unmerklich anschwellend, aber ohne besondere knotige Verdickung. Nach unten 
verfeinern sich die Rippen, sind aber meistens bis zur Columella sichtbar. 


Vorkommen: Fossil im Diluvial-Conglomerat von Antäkije (7 Ex.). 
Lebend im Kara Su (2 Ex.), Seeen von Antiochia und Homs, “Ain el-Melläha in der Ebene des 


Bahr el-Hüle. 


Melanopsis stephanota Bourne. — Taf. X, Fig. 8. 


1880. Melanopsis costata (non Orıvıer) Koserr, Fig. 1899 und 1900. 
1884. —_ stephanota Boursuisnar, Hist. p. 75 und 120. 


Gewinde schwach stufenförmig ansteigend. Nähte ausgesprochen. Der letzte Umgang meist 
niedriger als das Gewinde. Rippen knotenlos, aber dick, vorspringend, auf dem letzten Umgang nur in 


dessen oberer Hälfte. 


Melanopsis costata Or. sp. 127 


Vorkommen: Fossil im Diluvium von Antäklje (2 Ex.) und Homs (1 Ex.). Aus dem Diluvial- 
Conglomerat von Antakije liegt mir ein ausgewachsenes Exemplar von 8 Umgängen vor mit thurmförmigem, 
deutlich abgestumpftem Gewinde, auf dessen letztem Umgang die sonst einfach knotenlosen Rippen bereits 
völlig verschwunden sind. 

Lebend im Kara Su (5 Ex.) und in “Aimtab (Sadjur Su). 

Zwischen den beiden letztbeschriebenen Formen ist keine scharfe Grenze vorhanden. Sie stellen 
nur Mutationen einer Entwicklungsreihe dar, zwischen denen auch Uebergangsformen vorliegen. Als weiteres 
und letztes Glied dieser Entwicklungsreihe würde schliesslich theoretisch eine Form folgen, bei der auch 
auf den oberen Umgängen die Rippen verschwunden sind. In diesem glattschaligen Endglied mit mehr oder 
weniger deutlich abgestuftem Gewinde würde diese Formenreihe mit der nächstfolgenden vollständig überein- 
stimmen. Der Unterschied zwischen diesen beiden einander parallelen Formenreihen besteht nämlich wesent- 
lich in der Art der Berippung, die ja bei der Endmutation beider fehlen würde. Ich werde diese glatte, eben- 
falls fossil gefundene Form als Melanopsis Locardi n. sp. im Anschluss an die nächste Gruppe beschrieben. 


F. Formenreihe der Melanopsis costata, Ohantrei und Locardi mit stufenförmigem Gewinde 
und knotigen Rippen. 


Melanopsis costata Or. sp. — Taf. X, Fig. 9—10. 


1804. Melania costata OLıvier. Voyage dans l’Empire Othoman II, p. 294, Taf. 31, Fig. 3. Typus am mittl. Oront. 
1823. Melanopsis costata Ferussac. Mon. des esp. foss. et viv. du genre Mel. (Mem. Soc. d’hist. nat. Paris I, 
p. 155 (pars), Taf. 7, Fig. 14—15, fossile Varietät von Sestos). 


1839. _ —  Rosssassster. Iconographie, p. 41 (pars), Fig. 678 (non 679). 

1874, _ —  Bxror. Die Melaniaceen (Syst. Conch. Cab. von Marrıı und Cuenxızz), p. 426 (pars), 
(non! Taf. 46, Fig. 4—7). 

1877. — — Hörnes. Ein Beitrag zur Kenntniss fossiler Binnenfaunen. Sitzungsber. der Akad. Wiss. 
Math. nat. Cl. Wien. Jahrg. 1876, Bd. 47, 1, p. 20, Fig. 6—7. 

1883. — —  Locarp. Mal. des Lacs de Tiberiade, d’Antioche et d’Homs (Arch. du Mus. d’hist. nat. 
Lyon III), p. 229 und 267. 

1834. _ —  Teıstram. Fauna and Flora of Palestine, p. 199. 

1885. —  Bourevıenar. Histoire des Melaniens (Ann. de Mal. II, p. 139). 

1894, — —  Dauwtzengere. Liste des Moll. terr. et fluv. rec. par Barroıs, Reyue biolog. du Nord de 
la France, Lille VI, 1895—1394. 

non! —_ —  Rors 1893. Moll. sp. p. 25, Taf. 2, Fig. 12—13. 


RossmAssster, 1. c. Fig. 679. 

Neumayr 1869. Slavonische Congerienschichten. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst. Wien 
XIX, Taf. 13, Fig. 2—3 (mit deutlichem oberem Kiel). 

— — —  Fucas 1570. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst. XX, p. 353 (von Radmanest). 

— —_ —  DBarusına 1874. Foss. Binnenmollusken aus Dalmatien, p. 40, Taf. 7, Fig. 9—10. 

—_ _ —  Bror 1874 ]l. c. Taf. 46, Fig. 4-7 (= M. hiera und Jordanica). 

_ —_ — Neumayr und Paun 1875. Cong. und Paludinenschichten Slavoniens (Abh. der geol. Reichs- 

Anstalt Wien VII, 5), Taf. VII, Fig. 11—12. 

_ _ — v. Martens 1877. Vorderas. Conch. Novit. conch. Suppl. X, p. 32. Taf. 5, Fig. 38—40. 

Fuc#s 1877. Jüng. Tertiärb. Griechenlands. Denkschr. der k. Akad. Wiss. Wien, 37. Bd. 
Taf. 2, Fig. 1—12. 

Koserr 1880. Iconographie, Fig. 1899—1906. 

— — — WoopwArp-FiscHher 1887. Manuel de Conchyliologie, p. 703, Taf. 8, Fig. 30, 


128 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Gehäuse oblong, gethürmt, bis 32 mm hoch. Gewinde ausgezogen. Umgänge 6—8, fast cylindrisch, 
treppenförmig abgesetzt. Der letzte Umgang bleibt an der Mündung immer niedriger als die Hälfte der 
Gehäusehöhe, das Verhältniss seiner Höhe zu der Gesammthöhe schwankt zwischen den Extremen 3:7 und 1:2. 

9—12 kräftige Querrippen beginnen an ihrem oberen Ende unter der oberen Naht plötzlich in ihrer 
grössten Breite und Höhe mit einer knotigen Anschwellung und verdünnen sich dann mehr oder weniger 
umgekehrt keulenförmig nach unten bis zur unteren Naht. Der letzte Umgang zeigt hier in der Mitte der 
Seite eine schwache spirale Einschnürung, an der die Rippen am schmalsten und niedrigsten sind. Darunter 
setzen die Rippen etwas undeutlicher als im obersten Drittel des Umgangs bis zur Columella oder nur bis 
zum Basisrand des Gehäuses fort. 

Mundöffnung eiförmig, am oberen Ende mit breiter, tiefer Rinne. Columella gedreht. Innenlippe 
oben mit knotenförmigem Callus. Aussenlippe in der Mitte der Aussenseite etwas eingesenkt. 

Geschichtliches: Diese oft eitirte, vielumstrittene Art, welche auf eine ungenügende Beschreibung 
und Abbildung bei OLıvier ]. c. von einer Schnecke aus dem Canal am mittleren Orontes bei Dschisr esch- 
Schurr? gegründet ist, hat bei späteren Autoren die verschiedenartigste Deutung erfahren. Die Abbildung 
im Atlas Ouıvıer’s lässt 7 deutlich treppenförmig aufsteigende Windungen erkennen, deren obere etwa 10 
dicke, knotenfreie, gerade Querrippen tragen, die in ihrer ganzen Länge gleichbreit erscheinen. Nur am 
letzten Umgang, der in der Mitte der Seite eine fast unmerkliche Einschnürung erkennen lässt, gewinnt es 
nach der undeutlichen Abbildung den Anschein, als ob die etwas welligen Rippen am oberen Ende relativ 
dicker als in der mittleren Zone darunter seien. 

Wie schon Hörnzs hervorhob, stimmen bei Ffrussac, wenn man vom Text (Beschreibung der leben- 
den Art) absieht, die abgebildeten kleinen fossilen Exemplare von Sestos mit stark ausgezogener Spira 
und geringer Höhe des letzten Umgangs (fast nur '/s, genauer °/Jıı der Gehäusehöhe) nicht mehr vollkommen 
mit der Orıvıer’'schen Form, können aber immerhin derselben noch zugerechnet werden. 

Von den beiden Rossmazsster’schen Typen ist die bauchige Varietät mit geraden, ganz knotenlosen 
Rippen, Fig. 679, vom Jordan identisch mit Rorm’s Melanopsis costata var. Jordanica, der wir in Ueberein- 
stimmung mit Mousson, Locard, BOURGUIGNAT und Nöruing besser als bauchige Abänderung der M. hiera 
eigenen Artcharakter zusprechen. In jedem Fall ist sie von M. costata On. zu trennen. -Die schlankere 
Form Fig. 678 bei RossmAzssLer (vom Orontes ?) hingegen zeigt auf allen Umgängen die knotige Verdickung 
der Rippen unter der Naht und die Einschnürung unterhalb des Knotens noch ausgeprägter als Orıvıer’s Typus. 

Dieser Rossmazsster’schen M. costata stehen die von Hörxzs abgebildeten Exemplare des Wiener 
naturhistorischen Hofmuseums nahe, welche Kotschy „auf Schilf des Orontes“ sammelte. Herr Director 
Professor BRAUER in Wien hatte die Güte, mir auf meine Bitte eins der Originale zum Vergleich zu übersenden, 
sowie zwei andere auf der Etiquette von Korschy als „M. aleppensis“ bezeichnete Exemplare, welche ich 
auf Taf. X, Fig. 9 und 10 habe abbilden lassen. An diesen drei Exemplaren ist die obere Knotenreihe 
sehr stark entwickelt, unterhalb der deutlichen Einschnürung zeigt sich eine zweite, schwächere Knotenreihe 
resp. Anschwellung der Rippen, unter der am Rande der Basis die letzteren verschwinden. Bei einem aus- 
gewachsenen Individuum dieser Korscay’schen Exemplare ist die untere Knotenreihe gegen die Mündung 
hin nicht mehr entwickelt und die Rippen werden schon unterhalb der Einschnürung des letzten Umgangs 
ganz undeutlich. 


Nicht bei Aleppo, wie Ferussac es verstanden hat. 


Melanopsis costata Or. sp. 129 


Locarp, der sich auf Cmantre’s Aufsammlungen stützt, beschreibt M. costata von den Seen von 
Tiberias, Homs und Antiochia. Die typischen, vom See Tiberias, waren geziert mit Rippen, veränderlich an 
Zahl, die sich über die ganze Höhe jedes Umgangs erstrecken und an der Naht nur eine leichte An- 
schwellung zeigen. Von einer zweiten tieferen Knotenreihe erwähnt Locarp nichts. Die Zwischenräume 
zwischen den Rippen sollen etwa ebenso breit als die Rippen sein. Vom See von Homs und Antiochia, also 
aus dem Flussgebiet des Örontes, lag Locarn nach p. 267 und 280 nicht mehr der Typus der Art vor, 
sondern nur eine kleinere Varietät mit weniger ausgebildeten Rippen, die zuweilen in der unteren Partie 
des letzten Umgangs verschwinden, und mehr oberflächlicher Naht. 

Bourgvignar' möchte letztere Formen lieber zu M. hiera Ler. ziehen. Die echte M. costata kennt 
auch er nur vom Jordanbecken, namentlich vom See von Tiberias?. Auf diese Weise gelangte er p. 140 
zu der Hypothese, dass „gegenwärtig in Folge klimatologischer Veränderung in der Temperatur des Landes 
die Art M. costata in den Gewässern des Orontes sehr selten geworden“ ist. „Der Typus ist beinahe ver- 
schwunden aus diesem Becken, wo er sich ersetzt findet durch Varietäten oder gar verschiedene Formen.“ 

Auch ich selbst habe im Jahre 1888 im Flussgebiet des Orontes keine lebenden (!)® Formen ge- 
sammelt, die den Abbildungen bei Orıvıer oder Frrussac vollkommen entsprächen. Freilich muss ich be- 
kennen, dass ich nur am unteren Orontes der lebenden (!) Süsswasserfauna besondere Aufmerksamkeit zu- 
gewandt, bei Dschisr esch-Schurr am mittleren Orontes aber speciell die dortigen Bewässerungs-Canäle auf 
der linken Uferseite, aus denen das Original OLıvırr's (]. ec. p. 293) stammt, nicht abgesucht habe, theils 
weil mir damals das Reisewerk Orıvıer’s und die Bedeutung dieses Fundpunktes unbekannt war, theils weil 
meine Aufmerksamkeit vollkommen durch die dortigen interessanten, fossilreichen, pliocänen Süsswasser- 
ablagerungen, die auch M. costata enthalten, in Anspruch genommen war. Erst ein nochmaliger Besuch 
und Prüfung dieses Fundortes wird die Fragen zum Austrag bringen können, ob die echte M. costata s. str. 
noch am Orontes lebt und zweitens, ob mit dem Typus Orıvızr’s auch wirklich die M. costata Fhrussac's 
(ex parte) und Hörnes’ identisch ist. 

Vorläufig kann ich mich nur der Auffassung des ausgezeichnetsten Melanopsidenkenners BoURGUIGNAT an- 
schliessen, der in M. costata RoSSMAESSLER Fig. 678 die echte M. costata erblickt, damit also als wesentliche Merk- 
male der Art eine knotige Anschwellung der Rippen und Einschnürung in der Mitte des letzten Umgangs ansieht. 
Ein allerdings weniger wichtiger Unterschied von der nahestehenden, im Orontesgebiet jetzt viel häufigeren M. 
hiera bleibt dann noch die geringe Höhe des letzten Umgangs, der nie die Hälfte der Gehäusehöhe erreicht. 

Die fossilen Formen aus den Paludinen-Schichten Slavoniens, Siebenbürgens und Griechenlands, 
welche früher von Neumayr, Paun, Fuchs und Brusıya als M. costata angeführt worden sind, können, wie 
Schon SANDBERGER“, Hörnes°, Brusina°, PENEck®R’, BÖTTGER* und zuletzt Oppen#erm® hervorgehoben haben, 


ı Histoire des Melaniens, p. 121. 

° Aus dem Bahr el-Füle wird M. costata neuerdings durch Daurzenger@ ]. c. p. 14 angeführt, der sie in sehr schönen 
variablen Exemplaren durch Barroıs erhielt. 
Fossil liegen mir allerdings solche Exemplare vor. Vergl. weiter unten. 
* Land- und Süsswasser-Conchylien der Vorwelt 1875, p. 689. 
Sitzungsbericht Ak. Wiss, Wien. 74. 1876, p. 20. 
Die Fauna der Cong. von Agram in Kroatien (Beitr. zur Pal. von Oest -Ungarn III, 1884, p. 168), 
Beitr. zur Kenntn. der Fauna der Slav. Palud. (Ibidem IV, 1884, p. 21). 
Neu. Jahrb. für Min. 1884, p. 46. 

° Zeitschr. der deutsch. geol. Ges. 1890, p. 591. 

Palaeontographica. Bd. XLIV. 17 


w 


so u 


03 


130 M. Blanckenkorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


nicht damit identificirt werden. Die slavonische, seit 1884! M. Croatica Brus. genannt, welche ihr übrigens 
recht nahe steht, unterscheidet sich durch zahlreiche und weniger breite Rippen, die stets bis zur Columella 
reichen; die griechischen von Megara durch Anlage zu zwei förmlichen Spiralkielen in der Mitte und dem 
unteren Drittel des letzten Umgangs, eine Eigenthümlichkeit, welche sie der slavonischen M. elavigera NEum. 
nähert, die aber in dem noch jetzt in Syrien lebenden Theil der näheren Verwandtschaft von M. costata OL. 
kaum mehr beobachtet wird. 


Varietäten und deren Vorkommen in Syrien: 


1) Grundform oder Typus, nach Orivıer und RossmAeEssLer (ex parte). Die Mundöffnung 
kommt der Höhe der Spira gleich. Die Rippen verlaufen über den ganzen letzten Umgang bis zur Spindel 
wie bei M. Croatica, sind aber breiter und weniger zahlreich. Nur eine obere Knotenreihe vorhanden. 

Vorkommen: Fossil im Diluvial-Conglomerat von Antäkije am unteren Orontes (2 Exempl.); nach 
Trıstram auch halbfossil in den diluvialen Lisänschichten rings um das Todte Meer. 

Lebend nach OrıvıEr in den Bewässerungs-Canälen am mittleren Orontes, auf dessen linkem Ufer 
in Dschisr esch-Schurr, nach Trıstram, LocAarp und DAUTZENBERG in den Seenn von Hüleh und Tiberias 
und im oberen Jordan. 

3) var. Hörnesi m. Taf. X, Fig. 9—10, vergl. Hörses ]l. c. Fig. 6—7. Höhe der letzten Windung 
ungefähr °/, der Gehäusehöhe. Die Rippen beschränken sich auf dem letzten Umgang auf dessen obere 
zwei Drittel, verschwinden aber an der Basis. In der verlängerten Nahtlinie bei '/, Höhe des letzten Um- 
gangs sind die Rippen schwach. Ueber dieser Zone im obersten Drittel sind sie am stärksten und schwellen 
bis zur oberen Naht an, wo sie mit knotiger Verdickung plötzlich endigen. Eine untere Knotenreihe ist 
meist im zweiten Drittel schwach entwickelt. 


Vorkommen: Fossil im Diluvial-Conglomerat bei Antäkfrje. 

Lebend am unteren Orontes von KorscHy und mir (1) gesammelt, desgleichen im Kara Su, einem nörd- 
lichen Zufluss des Sees von Antiochia (2) und im Sadjür Su bei Aleppo. 

Diese Varietät Hörnesi m. leitet direct über zu der folgenden Locarv’schen Art. Es liegen mir 
hier zahlreiche Uebergänge vor, ja ich möchte fast behaupten, dass im ÖOrontesgebiet die Uebergänge von 
M. costata var. Hörnesi zu M. Ohantrei ebenso häufig sind als M. costata in ihren beiden Mutationen selbst. 
In dieser Zwischenform, Taf. X, Fig. 11, werden die Rippen auch im mittleren Drittel des letzten Umgangs 
undeutlich, sind aber immerhin noch schwach angedeutet. 


Melanopsis Chantrei Loc. — Taf. X, Fig. 11—14. 


1822. Melanopsis costata (non OLıvier) Lamarcr. Hist. nat. des Anim. sans vert. VI, 2, p. 168. 
1827 —_ —  DBru6tiire, Lamancr et Desmayes. Encyclopedie method. Vers, Coquilles, Mollusques et 
Polypiers, tome III, Taf. 458, Fig. 7. 
1833. = —  Dessayes. An. s. vert. 2. edition VIII, p. 489 (non M. costata DrsH. Cog. foss. environs 
de Paris 1824, tome II, p. 122, Taf. 19, Fig. 15—16). 
? — bullio PArREySS ms. 
? — subcostata PARREySS ms; non! D’OrRBIGNy. Prodröme de pal. strat. 1847, p. 301. 


! Der spätere Orrexuerm’sche Name M. pseudocostata Opr. 1890, Zeitschr. der deutsch. geol. Ges., 42. Bd., p. 591, 
ist daher zu streichen. 


Melanopsis Chantrei Loc. en 


" 1874. Melanopsis costata var. bullio Brot, Taf. 46, Fig. 7. 


1880. — —  Koperr. Iconographie XII. p. 17, Fig. 1802—1903. 

1881. = — var. bullio Koserr. Kat. europ. Binnenconchylien, p. 150. 

1883. _ Chantrei LocArp, p. 268, Taf. 23, Fig. 44—47. 

1584. —_ —_ BovurevienAar. Histoire des Melaniens, p. 122. 

1884. = subeostata BOURGUIGNAT, p. 137. 

1889, = Chantrei BLANCKENHORN, p. 79. 

1894. — bullio Dau1zeneere. Liste des Moll. terr. et fluv. rec. par Barroıs. Lille, p. 16. 


Beschreibung: Oblong thurmförmig, 20 mm hoch, 8 mm breit (Bourgvıenar gibt für seine M. 
subeostata 25—30 mm Höhe und 10 mm Durchmesser an). Spira etwas abgestumpft, zuweilen an der Spitze 
eorrodirt. 6—7 Umgänge, flach, stufenförmig ansteigend, getrennt durch eine tiefe Naht. Letzter Umgang 
ungefähr ebenso hoch oder wenig grösser als die Hälfte der Gehäusehöhe, 


9—11 breite, hohe Rippen von unregelmässig eckiger Gestalt auf sämmtlichen Umgängen, auf dem 
letzten nur in dessen oberem Theil. Die grösste Breite der Rippen befindet sich oben wenig unter der Naht 
im Beginn des Steilabfalls des Umgangs. Sehr oft bilden sich hier am oberen Ende der Rippen förmliche 
in Spiralrichtung gestreckte Knötchen aus, die seltener miteinander zu einem wellig auf und nieder gehen- 
den Spiralkiel sich verbinden. Von diesen ganz oben gelegenen kürzeren Knötchen schnürt sich durch eine 
unmerkliche Einsattelung der Rippen ein tieferer, längerer Theil der letzteren ab, den man als zweite Reihe 
von Knoten, die aber in senkrechter (Radial-) Richtung gestreckt sind, auffassen kann. Die auf diese Weise 
oft zweiknotigen Rippen entsprechen im ganzen nur dem oberen, knotenförmig angeschwollenen Theil der 
Rippen bei M. costata. Der untere, bauchig angeschwollene Theil des letzten Umgangs ist glatt. 


Stellenweise werden die Rippen so breit, dass sie auf ihrer ganzen Länge quer mit einander ver- 
schmelzen zu einem breiten Spiralwulst. Diese stets nur auf kleinere Partieen des Gehäuses beschränkte 
Verschmelzung wurde aber nur innerhalb der beiden letzten Windungen wahrgenommen. 

Der obere grobberippte Theil der Umgänge ist in der Regel braun gefärbt, darunter folgt in der 
Nahtgegend ein helles Band und im unteren Theil des letzten Umgangs noch 2 braune Bänder. Das letzte 
reicht bis zu dem Wulst, der die Columella umzieht. 

Mündung eiförmig, oben mit Rinne. Knotenförmige Verdickung des Callus meist schwach und 
schmal, nur bei sehr grobgerippten Formen zuweilen stärker. 


Verwandtschaft: Was zunächst die richtige Benennung der beschriebenen Art betrifft, so hat 
schon BouURGUIGNAT 1884, p. 123 den älteren Manuskriptnamen M. bullio Parr. als entgegen allen Regeln 
der Nomenclatur gebildet zurückgewiesen. BOURGUIGNAT führt ausser der Locarn’schen Art noch M. sub- 
costata Parr. als häufige Form des Orontesgebiets auf. Da abgesehen von der beträchtlicheren Grösse 
(30 mm) von BourGuIGnAT kein sie von M. Ohantrei unterscheidendes Merkmal angeführt wird, die hervor- 
gehobenen Eigenschaften sonst aber auch auf letztgenannte passen, so habe ich besonders in Anbetracht der 
gleichen Verbreitung beide Arten BoursuvignAr's vereinigt. Der Name subcostata hätte nun freilich als der 
ältere den Vorzug, ist aber abgesehen davon, dass er ursprünglich ebenfalls nur im Manuskript angewandt 
ist, aus dem Grunde zu vermeiden, weil bereits 1347 p’Orzıcny |. c. eine fossile Art des unteren Eocäns 
des Pariser Beckens (= M. costata Desmayes 1524, Taf. 19, Fig. 15—16) so benannt hat. 

Die nahe Namensverwandtschaft der M. Chantrei mit M. costata Or. zeigt sich in dem Umstand, 
dass junge Individuen derselben mit erst 3—5 Umgängen von M. costata schwer zu unterscheiden sind, 


132 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


indem hier fast immer die Rippen auf dem letzten Umgange noch tiefer hinablaufen bis zur Basis und an deren 
Rande im mittleren Drittel der Umgangshöhe sich in einem schwachen Knoten erheben. So bieten sie un- 
gefähr ein Bild wie M. costata bei Fürussac, Monogr. Taf. 17, Fig. 15, nur dass im Gegensatz zu dieser 
wie zur typischen M. costata der letzte Umgang an Höhe die Hälfte der Gehäusehöhe übertrifft. Bei aus- 
gewachsenen Individuen von M. Chantrei habe ich dieses Herablaufen der Rippen bis zum Basisrand oder 
zur Columella fast nie beobachten können. Man könnte vielleicht die erwähnte Abweichung jener jungen 
Exemplare dadurch erklären, dass man sie direct für Brut von M. costata ausgibt. Doch steht diesem Aus- 
weg der Umstand entgegen, dass ich an jenem Fundort nie ausgewachsene Exemplare der typischen M. 
costata Or. und Rossm. gefunden habe, ebensowenig anders geartete junge Individuen von M. Chantrei, 
sondern ausser den beschriebenen nur zahlreiche ausgewachsene Individuen der letzten Art. 

Die Schlussfolgerung, dass M. Ohantrei von einer vollständig gerippten Art (M. costata) abstammt 
und sich nur die Beschaffenheit der Vorfahren ontogenetisch, d. h. in der Entwicklung der Individuen bei 
M. Chantrei wiederholt, ist daher nicht zu umgehen. Es liegt also hier in der weiteren Stammesentwicklung 
ein Rückschritt zur einfachen nicht komplieirten glatten Form vor, die allem Anschein nach überall der Aus- 
gangspunkt für alle komplieirter sculpturirten war, also eine Recurrenz auf die Urform oder ein Atavismus. 

Varietäten: Indem ich als Typus der M. Ohantrei die in der Iconographie Fig. 1902—1903, bei 
Bror Taf. 46, Fig. 7 und Locarp abgebildete Form ansehe, trenne ich als Spielart binodosa solche ab, wo 
sich bei den rippenförmigen dicken Knoten eine Anlage zur Theilung in zwei Knötchen zeigt, deren oberer 
in Spiralrichtung gestreckt ist (siehe Taf. X, Fig. 13—14). 

Vorkommen: M. Ohantrei ist die häufigste gerippte Melanopsidenform im Flüsschen Kara Sü, dem 
nördlichen Zufluss des Sees von Antiochia, wie auch in diesem See (Ak Deniz) selbst. Auch im Örontes 
bei Antäklje ist sie sehr verbreitet. 

Fossil fand ich sie ganz vereinzelt im Oberpliocän von Dschisr esch-Schurr in der dortigen Dreis- 
sensiaschicht, häufig im Diluvial-Conglomerat von Antäktije und Homs. 

Neben typischen Exemplaren dieser Art fand ich fossil bei Homs und lebend im Kara Su Formen, 
bei denen die Rippen auf dem letzten Umgang noch weiter verschwinden und blos noch leichte unmerkliche 
Knötchen an der oberen stumpfen Kante des treppenförmig abgesetzten Umgangs unter der Naht erkennbar 
sind oder auch diese ganz fehlen, während die Windungen der Spira noch mehr oder weniger dick gerippt 
erscheinen, Deutlich lässt sich an diesen Exemplaren verfolgen, dass die Tendenz zum Glattwerden der 
Umgänge von der Mündung ausgeht und sich erst allmählich bei den älteren Windungen geltend macht. 

Ein charakteristisches Exemplar von Homs zeigt nur die oberen Windungen noch mit dicken Rippen 
geziert, bereits auf dem vorletzten verschmelzen diese zu einem breiten Wulst, der sich mehr und mehr 
verflacht. Der letzte Umgang ist auf der Seite flach und glatt, in der Mitte unmerklich eingesenkt, und 
oben unter der Naht mit einer stumpfen, wulstigen Kante an Stelle des Wulstes des vorletzten Umganges 
versehen. Dieses Exemplar leitet direct über zu folgender Mutation, der Endform dieser Reihe: 


Melanopsis Locardi n. sp. — Taf. X, Fig. 15. 


1874. Melanopsis Sauleyi var. ß Bror ]. c. p. 429, Taf. 46, Fig. 12. 
1883, — Chantrei var. laevigata LocArD, p. 269, Taf. 23, Fig. 43—49. 


Eiförmig oblong. 6 Umgänge, seitlich abgeflacht, stufenförmig aufsteigend mit einer abgestumpften 
Kante unter der Naht, glatt; nur Anwachsstreifen sehr deutlich ausgeprägt. Mündung eiförmig. Callus der 


Melanopsis minor Brasck. 133 


Innenlippe schmal, am obern Ende kaum knotenförmig. Columella gebogen, von einem schwachen kamm- 
artigen Wulst begleitet. Obere Umgänge mit einem, der letzte mit drei dunklen Bändern geziert genau 
entsprechend denen von M. COhantrei. 


Verwandtschaft: Locarnp hat diese glatte Form als Varietät noch zu M. Chantrei gezogen und 
damit ihre Stammesverwandtschaft richtig erkannt. Es ist aber wohl kaum mit den Grundsätzen, die heut- 
zutage bei den Artumgrenzungen obwalten, in Einklang zu bringen, dass man eine grob gerippte und eine 
ganz glatte Form unter einem Namen vereinigt. 


Vorkommen: Lebend im See von Antiochia. Halbfossil bei Selemije (1 Ex.). 


-G. Formengruppe der Melanopsis minor Buanck., prophetarum Bourc., crassitesta n. Sp., 
transiens n. Sp., ovum Bourc. und Jordanica Rorm mit bauchigem, meist ziemlich dick- 
schaligem Gehäuse und regelmässigem Wachsthum der Umgänge. 


Melanopsis minor Branck. — Taf. X, Fig. 16—17. 
1883. Melanopsis prophetarum Locarv, p. 265, Taf. 23, Fig. 52—55 (non BourGvienan). 
1884, — — var. minor BourevısnAr. Histoire des Melaniens, p. 99. 
1891. — minor BLANCKENHORN. Das marine Pliocän in Syrien, p. 29, Taf. 2, Fig. 4. 
21894. —— brevis DaunzenBerG, Liste des Moll. terr. et fluv. rec. par Barroıs en Palestine et Syrie. Revue 


biolog. du nord de la France VI, 9, p. 341 (non! Sowersy nec Mouss.). 


Klein, spindelförmig, bauchig. Grösster Durchmesser in der Mitte der Gehäusehöhe. Schale un- 
durchsichtig. Spira kurz, regelmässig spitz kegelförmig, meist nicht corrodirt. Winkel an der Spitze 55—70°. 

Umgänge 4'—6, ganz eben oder nur schwach gewölbt. Naht fast unmerkbar oder nur wenig 
vertieft. Letzter Umgang sehr gross, bauchig, °/;—*/ı der Gehäusehöhe erreichend, oben flach, in der Mitte 
und unten regelmässig gewölbt. Sieht man bei ausgewachsenen Individuen gegen die Mündung, so erscheint 
links wie bei einer Spindel die grösste Aufwölbung der Schale in der Mitte der Längsausdehnung. Dieser 
Umstand ist charakteristisch. 

Mündung oval, oben mit tiefem Canal. Spindel am Schnabelende gegen aussen gekrümmt, abge- 
stumpft. Der untere Rand der Mündung reicht noch unter das Spindelende hinab, dann geht er in leichtem 
Bogen in den Aussenrand über. Callosität kräftig, oben verdickt. 

Höhe 7—12 (bei Locarn 16) mm, Breite 4—6'/: (bei Loc. 8) mm, Mündung 5—8!/» (bei Loc. 10) 
mm hoch. 

Verwandtschaft: Diese Form könnte allenfalls für eine bauchige, zwerghafte Varietät der M. 
laevigata Lam. oder buccönoidea OL. oder für einen Jugendzustand von der ebenfalls bauchigen M. prophe- 
tarum Bourg. gehalten werden. Dem gegenüber sei hervorgehoben, dass wenigstens sämmtliche von ver- 
schiedenen Punkten mir vorliegenden Exemplare theilweise schon bei 10 mm Höhe dieselbe Anzahl (6) 
Windungen erkennen lassen, wie sie M. prophetarum nach BouRGuIenAT erst in ausgewachsenem Zustande 
(20—22 mm Höhe) besitzen soll. Da letztere Art bis jetzt aus Nordsyrien nicht bekannt geworden ist, 
könnte die vorliegende Form immerhin als lokaler, fossiler wie lebender Vertreter derselben im Örontesgebiet 
aufgefasst werden. 


134 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Von den nahestehenden Zwergformen M. Saharica Bours. und sphaeroiden Bourg. aus der Gruppe 
der Praemorsiana Bourc., die beide lebend im Orontesgebiet aufgeführt werden, unterscheidet sich M. minor 
durch grössere Zahl der Windungen, stärkeres Hervortreten der selten corrodirten Spira, regelmässigere 
conische Zuspitzung der oberen Hälfte des Gehäuses und grössere Flachheit im oberen Theil der letzten 
Windung; von M. minutula Bourg. andererseits durch bauchigeres Gehäuse, relativ geringere Zahl der 
Windungen (bei M. minutula 8—9), kürzere Spira und grössere Höhe des letzten Umgangs. 


Varietäten und Vorkommen: Unter den mir vorliegenden Exemplaren von verschiedenen Fund- 
orten lassen sich zwei Varietäten unterscheiden: 


A. Umgänge ganz flach. Spira genau kegelförmig. Naht kaum merkbar. 

1, häufig im marinen Mittelpliocän (dritte Mediterranstufe) am unteren Orontes, 7 km südwestlich 
Antäkije, zusammen mit echt marinen Küstenconchylien (8 Ex.). Farbe nicht erhalten. Vergl. Taf. X, Fig. 16. 

3, vereinzelt im diluvialen Süsswasserkaik von Bet el-Mä neben Melanopsis laevigata (1 Ex.). Fär- 
bung ebenso wie bei M. laevigata gelbbraun in 2 Tönen: Gewinde und oberes Drittel des letzten Umgangs 
dunkelbraun, der übrige Theil des letzten Umgangs heller, gelblich gefärbt. Feine, unregelmässige, dunkle 
Anwachslinien. 


B. Umgänge flach gewölbt. Naht deutlicher, ein wenig vertieft: 

1, fossil im pliocänen Dreissensia-Muschelkalk und Conglomerat bei Dschisr esch-Schurr (5 Ex). 
Gelbbraune Farbe der Schale nur auf der Spira und im oberen Theil der letzten Windung als breites Band 
erkennbar. 

2, fossil im quartären Schlamm des Räb bei el-“Amkije. Dunkelbraune, gleichmässig vertheilte 
Epidermis noch in Spuren vorhanden. Darunter zeigt die Spira, das obere und untere Drittel der letzten 
Windung, einen gelbbraunen Ton mit zahlreichen, in regelmässiger Entfernung folgenden Anwachsstreifen. 
In der Mitte des letzten Umgangs breites, helles Spiralband, das an der Mündung direct unter der Naht 
hervortritt (2). Taf. X, Fig. 17. 

3, lebend nach Locarp im See von Antiochia. Farbe grünlichbraun mit 2 breiten, dunklen Spiral- 
streifen, die durch regelmässige, dunklere Anwachsstreifen wie bei B2 modifieirt werden. 


Anmerkung: Die bei der Varietät B durch die Färbung auffallenden, ganz regelmässigen Anwachs- 
streifen scheinen mir insofern beachtenswerth, als man sie vielleicht mit dem späteren Auftreten von Quer- 
rippen genetisch in Verbindung bringen kann. 

DAUTZENBERG |]. c. gibt noch als Fundorte seiner M. brevis Parr., die er als identisch mit M. pro- 
phetarum Loc. hinstellt, an: “Ain el-Min, Nahr el-Lebueh und Sultansquelle bei Jericho. Der PArrzyss’sche 
Name M. brevis ist besser ganz einzuziehen, da er einerseits schon für eine tertiäre Art durch SOwERBY 
vergeben ist, andererseits auch zu Verwechslung mit der neukaledonischen M. brevis MoRELET Anlass gibt. 


Melanopsis cerassitesta n. sp. — Taf. X, Fig. 18. 


Schale kräftig. Eiförmig, bauchig. Höhe 19 mm. Spira kurz, stumpf, Spitze meist corrodirt. 
5 flach gewölbte Umgänge, getrennt durch eine vertiefte Naht, unter der die Umgänge eine stumpfe, ab- 
gerundete Kante bilden, von der sie schräg zur Naht abfallen. Umgänge oberflächlich rauh, mit groben, 


Melanopsis Jordanica Rorn. 135 


unregelmässigen Anwachsstreifen versehen. Zuweilen zeigt sich gegen die Mündung zu Ansatz zu groben 
Rippen, die zuerst an der oberen Kante erscheinen. 

Letzter Umgang gross, bauchig, an der Mündung 11 mm breit, 12 mm hoch, also fast °/s der 
Gehäusehöhe erreichend, oben durch den plötzlich dick anschwellenden Callus der Innenlippe fast geschlossen, 
unten mit tiefer Canalrinne. 

Verwandtschaft: Nahe steht diese Form der M. prophetarum Boure. (non Locarp) (= M. prae- 
rosa ROSSMAESSLER, Iconographie, Fig. 676, 1879—1880 und 1894 = M. prophetarum Nöruina 1. c. Taf. 23: 
Fig. 2). Sie unterscheidet sich wesentlich durch die diekere Schale, die vertiefte Naht beziehungsweise die 
obere stumpfe Kante der Windungen. Nicht unwahrscheinlich ist übrigens, dass M. crassitesta sich aus 
einer rein kegelförmigen, glatten Mutation wie M. prophetarum oder M. minor entwickelt hat. M. minor, 
die bei Dschisr esch-Schurr mit ihr zusammen vorkommt, bleibt, abgesehen von denselben Unterschieden, 
bei der gleichen Anzahl Umgänge viel kleiner und ist oberflächlich ganz glatt ohne alle Rauhigkeiten. 

Ich halte die beschriebene Art und nicht M. prophetarum für die unmittelbare Stammform der 
gerippten, bauchigen M. ovum und Jordanica, theils weil hier die Oberfläche der Umgänge rauh und zu 
Unebenheiten geneigt ist, theils wegen des Vorhandenseins einer oberen stumpfen Nahtkante, also schwacher 
Abstufung der Umgänge, was in vielen Fällen dem Auftreten von Rippen vorausgeht, beziehungsweise das- 
selbe begünstigt. 

Vorkommen: Nur fossil in der pliocänen Dreissensiaschicht von Dschisr esch-Schurr (7 Ex.). 


Melanopsis transiens n. sp. — Taf. X, Fig. 19. 

Diese Form stellt nur ein Uebergangsstadium der vorigen Art, mit der sie die wesentlichsten Eigen- 
schaften theilt, zu den folgenden, nur in Palästina vorkommenden Mutationen M. ovum Boure. und Jor- 
danica Ror# dar. Die letzten 1'/, Umgänge sind mit Querrippen verziert, die auf dem letzten Umgange 
aber nur von der oberen “Naht bis zur Mitte des Umgangs deutlich sind. 

Vorkommen: In der Dreissensiaschicht von Dschisr esch-Schurr (2 Ex.). 


Melanopsis Jordanica Roru. — Taf. X, Fig. 20—21. 
1839. Melanopsis costata var. Jordanica Ror#. Moll. spec. p. 25, Taf. 2, Fig. 12—13, 
1839. —_ — Rossmarsster, lIconogr. II, p. 41 (ex parte), Fig. 679 (non Otivıer). 
1853. — — var. Boursvienar. Cat. Mol. orient., p. 67. 
1861. —_ Jordanica Moussox. Cogq. Rora, p. 59. 
1865. _ _ Trısrrau. Moll. Palest. in: Proceed. zool. Soc. London, p. 542. 
1379. —_ costata Kogert. Iconogr. VII, p. 17, Taf. 188, Fig. 1905. 
1883. _ Jordanica Locarv. Malac. lacs Tiber., p. 236. 
1884. — —_ Trıstrau. Fauna and Flora of Pal. p. 199. 
1886. —_ — Nöruıns, p. 816, Taf. 23, Fig. 7. 


Im Gegensatz zu voriger Form laufen hier ebenso wie bei der verwandten M. ovum Bourg. 11—15 
dicke, knotenlose Rippen über die ganze Oberfläche aller Windungen. 

M. Jordamica ist häufig genug mit M. costata vereinigt oder verwechselt worden, obwohl sie mit 
dieser eigentlich wenig gemein hat. Es ist nicht nur die äussere Form, nämlich die viel bauchigere, eiförmige 


136 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Gestalt, die Beschaffenheit der einfachen, knotenlosen Rippen, welche sie beim ersten Blick von jener trennt. 
Trıstram hat darauf aufmerksam gemacht, dass auch in der Lebensweise ein grosser Unterschied besteht. 
M. costata wurde von ihm immer ansitzend gefunden an Stengeln und der untern Blattfläche von Wasser- 
pflanzen, M. Jordanica hingegen an Felsen und Geröllsteinen. Damit hängt es offenbar auch zusammen, 
dass letztere ebenso wie ihre nächsten Verwandten, die andern Mutationen der in Rede stehenden Formen- 
reihe, ein relativ widerstandsfähigeres, dickschaligeres Gehäuse besitzt als M. costata und deren schlanke, 
zierlicher gebaute Verwandte. Würde M. Jordanica und ovwum schon im Pliocän von Dschisr esch-Schurr 
vorkommen, so hätten wir sie sicher nicht in der Facies der Thonbänke mit den schlanken, dünnschaligen 
Melanopsiden, den Voreltern der heutigen M. costata, sondern in Gesellschaft der M. crassitesta und minor 
und anderer dickschaliger Schnecken in dem Conglomerat und dem Dreissensiakalk zu suchen. M. costata 
und Jordanica scheinen sich in der That in gewisser Weise gegenseitig auszuschliessen. So hat auch 
TRISTRAM erstere lebend nur im oberen Jordangebiet bis zum See Tiberias, letztere nur im See von Tiberias 
und unteren Jordan beobachtet. 

Von M. ovum, die ebenfalls im Tiberiassee vorkommt, unterscheidet sich M. Jordanica durch ihre 
eiförmige bis kegelförmige Gestalt und die deutlich treppenförmig abgesetzten Windungen, während M. ovum 
die gedrungene kugelige Ausbildungsweise ohne Stufen im Gewinde repräsentirt, auch kleiner bleibt. Beide 
können als die wohlgerippten Endformen unserer Reihe G gelten. 

Vorkommen: Fossil im altalluvialen Flussschotter des Jarmük zusammen mit M. ovum. 

Lebend im See von Tiberias (ca. 125 Ex.), unteren Jordan und Jarmük. 


H. Glatte oder berippte, dickschalige Melanopsiden mit ungleichem Wachsthum der 
Umgänge und wechselndem Gehäusewinkel, an der Spitze abgestumpft. Melanopsis cylin- 
drata n. sp., oblonga n». sp. und hemimorpha n. sp. 


Melanopsis eylindrata n. sp. — Taf. X, Fig. 22—24. 

Sehr dickschalig, länglich walzenförmig. Spira deutlich abgestumpft, ausserdem ausnahmslos an 
allen Exemplaren mehr oder weniger corrodirt. Umgänge 5, schnell zunehmend, von ungleichem Wachsthum. 
Die ersten bauchig aufgetrieben, daher Jugendexemplare bauchig eiförmig. Die letzten Umgänge abgeflacht. 
Naht vertieft, unten fadenförmig gerandet. Letzter Umgang oben flach, fast cylindrisch, unten allmählich 
zur Spindel abfallend. Mündung oval, am obern Ende gerundet ohne Canal infolge der starken Entwicklung 
des Callus, höher als die Spira, °/s der Gehäusehöhe einnehmend. Callus sehr kräftig, besonders unten, wo 
er die ganze Spindel bedeckt und oben, wo seine knotenförmige Anschwellung die Mündung abschliesst und 
zwischen sich und dem Aussenrand derselben keinen Canal lässt. 

Höhe des Gehäuses 18—20 mm. 
Dicke „ S 8—10 „ 
Höhe der Mündung 10—13 „ 

Verwandtschaft: Diese walzenförmige Melanopsidenform, deren Haupteigenthümlichkeit die un- 
gewöhnliche Dickschaligkeit, das ungleiche Wachsthum der Umgänge und die dadurch hervorgerufene Ab- 
stumpfung, die starke Corrosion und schliesslich der kräftige Callus bilden, nimmt, wie es scheint, eine 


Melanopsis oblonga n. sp. 137 


ziemlich isolirte Stellung ein. Relativ am nächsten steht sie vielleicht noch der M. laevigata Lam. speciell 
der corrodirten Form, welche Kogeurt 1880 in RossmazssLer’s Iconographie, VII. Bd., Taf. 188, Fig. 1897 
als M. praerosa abbildet (aus dem Dianenbad bei Smyrına), die aber BourGviGnAT zur M. laevigata zieht. 
Die grössere Höhe der Spira, die wenigen schneller zunehmenden Windungen, die schiefer aufsteigende Naht, 
die Dicke der Schale und speciell des Callus, das Fehlen des oberen Canals in der Mündung unterscheiden 
sie aber hinlänglich auch von dieser noch am meisten ähnlichen Form unter den glatten Melanopsiden. 


Vorkommen: Gemein (25 Ex.) im pliocänen Conglomerat im Räb zwischen Dschisr esch-Schurr und 
Kal‘at el-Mdik. Selten (1 Ex.) in der pliocänen Dreissensiaschicht von Dschisr esch-Schurr auf dem rechten 
Orontesufer. 

An diese ungewöhnliche Form möchte ich noch anschliessen die Formenreihe der M. oblonga n. sp. 
und hemimorpha n. sp., zweier fossiler Melanopsiden, die mit ihr zusammen vorkommen. 


Melanopsis oblonga n. sp. — Taf. X, Fig. 25. 

Oblong eiförmig, dickschalig. Gewinde kurz, stumpf, an der Spitze stets corrodirt. 4 Umgänge 
treppenförmig abgestuft, an der Seite flach, senkrecht abfallend. Oben unter der oberen Naht eine stumpfe 
Kante, oberhalb welcher die Windung zur Naht abfällt, die so in stumpfem Winkel eingesenkt erscheint. 
Oberfläche mit groben Anwachsstreifen. Letzter Umgang fast cylindrisch, in der Mitte der Seite, in der 
Fortsetzung der letzten Naht schwach eingeschnürt, unten langsam zur Columella abfallend. Mündung °/ 
der Gehäusehöhe einnehmend. Callus knotenförmig, sehr entwickelt. Höhe des grössten Exemplars 17 mm, 
Breite an der Mündung 9 mm. 


Verwandtschaft: Dieser fossilen Form steht unter den lebenden syrischen Melanopsiden wohl am 
nächsten M. callichroa Bourg.!, welche nach diesem Autor in der Höhle des Nahr el-Kelb bei Beirüt wohnt 
und sich ebenfalls von M. laevigata und variabilis durch ihre oblonge, oben abgestutzte Gestalt mit kurzer 
Spira und hoher Mündung (°/s der Gehäusehöhe) auszeichnet. Indessen sind hier die Umgänge wieder viel 
gewölbter und die Schale wird als dünn und durchscheinend bezeichnet. x 

In Bezug gerade auf diese Eigenschaften, Beschaffenheit der Umgänge und Dicke der Schale, möchte 
ich andererseits M. oblonga vergleichen mit der spanischen M. Guwiraoi Boure.” aus den süssen Gewässern 
der Provinz Murcia. Die wesentlichen Unterschiede, welche ich hier bemerke, sind die grössere Breite des 
Gehäuses und die relativ geringere Höhe des letzten Umgangs im Vergleich zur Gehäusehöhe bei der syri- 
schen Form. Bei der schlanken M. Gwraoi ist die Spira noch etwas kürzer, der letzte Umgang noch mehr 
ausgezogen. Weniger wichtig ist die geringere Gesammtgrösse der mir vorliegenden syrischen Exemplare, 
die aber auch weniger Umgänge zählen als die spanischen. Letztere haben bei 26—31 mm Gehäusehöhe 
5—6 Umgänge. M. Guiraoi gehört zu der Gruppe Scalariana Boursuıgnar’s, deren Vertreter man bisher 
nur aus Spanien, Marokko und Algerien kennt. 

Vorkommen: In der Dreissensiaschicht von Dschisr esch-Schurr (3 Ex.). 


! BoURGUIGNAT, Histoire des Melaniens 1884, p. 91. 
? Boursticnar, 1884 ]. c. p. 108 (= Melanopsis obesa GuıRAo ms. in Bror 1862, Mater., II, p. 57, Taf. 1, Fie. 14 
bis 15 und 1874 die Melaniaceen, p. 438, Taf. 47, Fig. 16—17, non M. praemorsa var. obesa Gassıes, Cog. Mayran 1856, p. 12, 
Fig. 11—12). 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 3 18 


138 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Melanopsis hemimorpha n. sp. — Taf. X, Fig. 26. 
Hier trägt der obere Theil der abgestuften Windungen oberhalb der Einschnürung an der Sutural- 
linie 10 kurze, dicke, gerundete Rippen, die ebenso breit sind als ihre Zwischenräume. Der untere Theil 
des letzten Umgangs ist glatt. Im übrigen ist kein Unterschied vorhanden. Durch Uebergänge ist sie mit 


der vorigen Art verbunden. 
Vorkommen: Pliocän von Dschisr esch-Schurr, Dreissensiaschicht (4 Ex.). 


Limnaeus palustris Mürr. var. Antilibanensis mihi. — Taf. X, Fig. 27. 


Gehäuse verlängert. Oberfläche mit Anwachsstreifen. Gewinde lang ausgezogen, thurm-kegelförmig. 
Umgänge 6'/;—7, langsam und gleichmässig zunehmend, flach gewölbt. Der letzte nicht aufgeblasen, nicht 
ganz ?/), der Gehäusehöhe erreichend. Mündung eiförmig, ebenso hoch oder ein wenig höher als das Gewinde. 

Die vorliegende Spielart der als variabel bekannten L. palustris weicht von dem Typus dieser Art 
wesentlich nur durch ein etwas weniger ausgezogenes Gehäuse ab, dessen letzte Windung und Mündung 
verhältnissmässig hoch erscheint (bei Z. palustris erreicht die Mündung sonst in der Regel nicht die Hälfte 
der Gehäusehöhe). Auf diese Weise nähert sich unsere Form etwas dem fossilen L. subpalustris 'THOMAE, 
einer seltenen und wenig bekannten Art in den oberoligocänen Süsswasserkalken Böhmens und des Mainzer 
Beckens und angeblich aus den pliocänen Süsswassermergeln Dalmatiens und den Schichten von Pikermi in 
Attika. Hier ist das Gehäuse freilich noch bedeutend gedrungener, der letzte Umgang erreicht ”/s—°/s der 
Gesammthöhe, ausserdem sind vor allem weniger (5'/.) Umgänge vorhanden. Eine Vereinigung mit Z. sub- 
palustris ist danach ausgeschlossen, vielmehr hat man es mit einem directen Vorläufer des lebenden Z. 
palustris zu thun, der wie in ganz Europa auch in Vorderasien zu den verbreitetsten Limnaeen gehört. 

Vorkommen: Fossil im Pliocänkalk des Harf Ram el-Kabsch im Antilibanon (3 Ex.). 

Auch lebend in Syrien nach GAILLARDOT. 


Planorbis (sbg. Coretus) major n. sp. — Taf. X, Fig. 28—30. 
1878. Planorbis cornu Fraas |. c. 


Schale dick, sehr gross und breit, flach scheibenförmig. Durchmesser bis 32 mm. Oberfläche mit 
deutlichen Zuwachsstreifen und undeutlichen Spirallinien. Oberseite vertieft. Unterseite flach concav. Um- 
gänge 5—5"s, von quer-eiförmigem Querschnitt, oben und unten fast gleich gewölbt, ohne Kiel. Die ein- 
zelnen Umgänge greifen über die vorhergehenden beträchtlich über. Der letzte erscheint oben wie unten 
dreimal so breit als der freiliegende Theil des vorhergehenden und nimmt an der eiförmigen Mündung °% 
des Schalendurchmessers ein. 

Diese Art nähert sich den als Planorbis cormuı BronGx., NOULET und NEUMAYR, solidus THOMAE 
und SANDBERGER und pseudammonius ZIETEN et Reuss non SCHLOTHEIM und Mantelli DunkEr bezeichneten 
häufigen Formen des Oligocäns, Miocäns und der Congerienschichten. Als unterscheidende Eigenheiten sind 
indess zu beachten der ungewöhnliche Breitendurchmesser des Gehäuses, die Flachheit der kantenlosen Um- 
gänge, sowie das schnellere Anwachsen und die Involubilität derselben. Im Gegensatz dazu übertrifft z. B. 
beim typischen Planorbis cormı der letzte Umgang nur zweimal den vorhergehenden an Breite. Unter den 


Planorbis (sg. Tropodiseus) umbilicatus Mürr. var. Antilibanensis n. 139 


vielen von NouLET' und NEUMAYR? zum P. cornu vereinigten, verschieden benannten Formen steht P. Man- 
telli Dusx.” jedenfalls unserer Art noch am nächsten, indem derselbe ebenfalls einen eiförmigen Querschnitt 
der Windungen aufweist und der letzte Umgang wenigstens auf der Unterseite das Dreifache der unbedeckten 
Zone des vorletzten an Breite erreicht. 

Vorkommen: Fossil im Pliocänkalk von Zahle im Libanon (1 Ex.) und Harf Räm el-Kabsch im 
Antilibanon (4 Ex.). 


Planorbis (sg. Coretus) corneus L. — Taf. X, Fig. 31. 


Eine Anzahl Exemplare von Planorbis, die von der eben beschriebenen Art scharf geschieden sind, 
dürfte auf den lebenden P. corneus L. zurückzuführen sein. Bei einem Vergleich mit Schalen dieses letzteren 
liess sich nicht der geringste Unterschied wahrnehmen. 

In Syrien ist diese über Mitteleuropa verbreitete Art lebend noch nicht gefunden worden. 

Vor dem sonst verwandten oligocänen P. erassus DE SERRES* zeichnen sich die vorliegenden Formen 
durch Mangel einer deutlichen Kante in der Nabelumgrenzung aus. 

Vorkommen: Im Pliocänkalk des Harf Räm el-Kabsch im Antilibanon (5 Ex.). 


Planorbis (sg. Tropodiscus) umbilicatus Müur. var. Antilibanensis n. 
Taf. IX, Fig. 15 und Taf. X, Fig. 32—35. 

1774. Planorbis umbilicatus MÜLLER, verm. hist. II, p. 160. 

1805. — marginatus DrArArnauD. Hist. moll. p. 45, Taf. 2, Fig. 11. 12, 15. ; 

1885. — — Cressin in: MArtını-Önensızz, I, 17, p. 73, Taf. 14, Fig. 17—20. 

Die Art heisst der Priorität nach besser umbilicatus MÜLL. 1774 als marginatus, die Namen MÜLLER’S 
verdienen sogar vor Linx#'s Namen den Vorrang, da er der erste wissenschaftliche Conchyliologe war, weit 
exakter als selbst Linnz. 

Klein, niedergedrückt scheibenförmig. Durchmesser 7 mm, Höhe 1,4 mm. 4'1.—5 Umgänge von 
ungefähr quer-eiförmigem Querschnitt, oberseits fiach gewölbt, unten fast eben, an der Seite stumpf gekantet, 
ohne fadenförmigen Kiel. Die Kante liegt im untersten Drittel der Höhe. Der letzte Umgang ist beider- 
seits ungefähr doppelt so breit als der freiliegende Theil des vorhergehenden. Die Oberfläche ist mit zahl- 
reichen Anwachsstreifen dicht besetzt. 

Ein Vergleich mit zahlreichen Exemplaren des lebenden P. umbilicatus zeigte, dass letzterer bei dem 
gleichen Breitendurchmesser ganz dieselbe Zahl von ebenso breiten Windungen besitzt. Man könnte daher 
die Formen wohl für Jugendexemplare von P. umbilicatus halten, von dessen Typus sie sich wesentlich nur 
durch das Fehlen des scharfen fadenförmigen Kieles unterscheiden. Da die geringere Grösse aber bei 
sämmtlichen syrischen Exemplaren constant ist (der typische P. umbilicatus erreicht im Gegensatz dazu 


! Novrer: Memoires sur les terrains d’eau douce du Sud-Quest de la France. 2. edition 1868, p. 72, 159. 

® Neumayr: Beiträge zur Kenntniss foss. Binnenfaunen. Jahrb. der k. k, geol. Reichsanst. Wien 1869, p. 369. 

° Dunser: Ueber die in der Molasse bei Günzburg unfern Ulm vorkommenden Conchylien- und Pflanzenreste. 
Palaeont. I. p. 159, Taf. 21, Fig. 21, Fig. 27—29. 

* SANDBERGER: Süsswasserconchylien der Vorwelt, p. 346, Taf. 18, Fig. 11. 


140 M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


14 mm im Durchmesser und 3,5 mm Höhe bei 6—7 Umgängen), kommt sie als weiteres Unterscheidungs- 
moment in Betracht. 

Unter den Varietäten aus der Verwandtschaft des P. umbilicatus stehen. die in Westasien weitver- 
breitete Spielart subangulata Priv. und der in Griechenland lebende P. Atticus Rorm!, die beide ebenfalls 
einfach gewinkelte Umgänge ohne Kiel aufweisen, nahe. Von letzterem unterscheidet sich die syrische Form 
durch bedeutendere Grösse und langsamere Zunahme der zahlreicheren Windungen. 

P. umbilicatus Mütn. wurde von GAILLARDOT lebend in Syrien beobachtet. 

Fossil liegt sie mir in zahlreichen Exemplaren aus dem Pliocän des Antilibanon (Diexer’sche 


Sammlung) vor. 


Planorbis (sg. Gyrorbis) spirorbis L. sp. 


1758. Helix spirorbis Linxü, Syst. nat. 

1801. Planorbis rotundatus PoırEr, Prod. p. 9. 

1384. —_ — Cuessim, Deutsche Exk. Moll. Fauna, p. 415, Fig. 275. 

Sehr häufig fossil im Pliocänkalk vom Harf Räm el-Kabsch im Antilibanon. 

Lebend aus Syrien noch nicht bekannt, sonst in ganz Europa und Theilen Asiens verbreitet. 


Planorbis (sg. Bathyomphalus) contortus L. sp. 


1758. Helix contortus Lınıt, Syst. nat. ed. X, I, p. 770. 
1784. Planorbis contortus Cvessis, Deutsch. Exk, Moll. Fauna. 
1786. Physa und Planorbis in: MArTını-CHEuNITzZ, p. 73, Taf. 14, Fig. 17—20. 


Fossil im quartären Schlamm bei el-“Amkije im Rab (3 Ex.). 
Lebend nur in Europa und Nordasien verbreitet. 


Planorbis (sg. Gyraulus) Rabensis n. sp. — Taf. X, Fig. 36. 

Durchmesser an der Mündung 4—5 mm. Höhe 1'/),—2 mm. Klein, glatt, sehr fein gestreift. 
Oben in der Mitte eingesenkt mit tiefen Nähten, unten concav. 3'/, Umgänge, oben mehr gewölbt als 
unten. Der letzte Umgang sehr erweitert, auf der Oberseite viermal, auf der Unterseite dreimal so breit 
als der vorhergehende. Der Querschnitt der Umgänge wechselt; er ist anfangs hoch rundlich, später wieder 
flacher quer-eiförmig. Der vorletzte Umgang mit abgestumpfter Kante, der letzte mit deutlichem Kiel, der 
nur sehr wenig unter der Mitte der Höhe liegt. Mündung schief, gedrückt eiförmig bis herzförmig. Mund- 
saum einfach scharf. 

Von Gyraulus albus Mün., G. piscinarum Bourg.” und Homsensis Daurz.° weicht diese zur selben 
Gruppe gehörige Art durch das Auftreten des deutlichen Kiels am letzten Umgang nicht unwesentlich ab. 


! Rorm: Spilic. moll. in Mal. Bl. 1855. — Bourcvisnar: Cat. rais. des Moll. rec. par SauLcy pendant son voyage en 
Orient, p. 55, Taf. 2, Fig. 35—37. — Cressin: Syst. Conch.-Cab. v. Marrısı und CHrmnItz,. I. Bd. 17, 1885, Die Familie der 
Limnaeiden, p. 81, Taf. 12, Fig. 4—6. 

2 Bourevisnan: Test. nov. 1852, p. 22, N. 2. — Idem, Cat. moll. SauLcy voy. autour Mer Morte, p. 56, Taf. 2, 
Fig. 32—34. — Cressis, Die Familie der Limnaeiden in MArrını-Cuensırz I, 17, 1886, p. 190, Taf. 29, Fig. 4. 

® DAUTZENBERG: Liste des Moll. rec. par Barroıs. Lille 1884, p. 9, Fig. 1. 


Ancylus (sg. Velletia) lacustris L. var. Moquinianus Bours. 141 


Nur der von diesen am nächsten verwandte P, Homsensis Daurz. hat auf seinem letzten Umgang einen 
schwachen Kiel an der Basis, aber dieser letzte Umgang ist nach DAUTZENBERG’s Abbildung relativ schmäler, 
nämlich nur 2—2'/,mal so breit als der vorletzte. Der gekielte, aus Dalmatien bekannte Gyraulus Stossichi 
Cress.‘ andererseits hat eine noch viel gedrücktere Form der Umgänge. Auch liegt dort der Kiel mehr 
der Unterseite genähert. Im Ganzen hält Planorbis Rabensis eine Zwischenstellung zwischen P. piscinarum, 
Homsensis und Stossichi ein. 

Sehr nahe verwandt scheint übrigens noch der in der Grösse vollkommen übereinstimmende, genau 
in der Mitte gekielte P. Ehrenbergi Becx”, der in Aegypten heimisch ist. Nach Cressin’s Beschreibung® 
zeichnet er sich im Gegensatz zu P. Rabensis durch gleichmässig auf beiden Seiten gewölbte Umgänge und 
tiefe Einsenkung des Centrums gerade auf der Unterseite aus. 

Fossil im Pleistocän des Räb bei el-"Amklje (25 Ex.). 


Planorbis (Hippeutis) complanatus L. sp. 


1758. Helix complanata Linse, Syst. nat. ed. X, p. 769. 

1886. Planorbis complanatus Cressin, Physa und Planorbis in: MArtını-CHenmsızz I, 17, p. 69, Taf. 15, Fig. 12, 
Fossil zusammen mit den beiden vorigen im Pleistocän von el-“Amkije (2 Ex.). 

Lebend in Europa und Nordasien bekannt. 


Aneylus (sg. Velletia) lacustris L. var. Moquinianus Bovre. 

1863. Ancylus lacustris BoURGUIGNAT, Cat. Ancyl. in Journ. Conch. IV, p. 197, Taf. 6, Fig. 9. 

1884. —_ — Crvzssis, Deutsch. Exk. Moll. Fauna, p. 443, Fig. 306. 

Gehäuse sehr verlängert eiförmig bis rechteckig. Länge 5—6 mm, Breite 2!/—3 mm. Wirbel 
sehr spitz, ausserhalb der Mittellinie gelegen, stark auf die Seite gerückt, nach der Seite überhängend. 

Fossil im pleistocänen Schlamm des Räb bei el-“Amkije (5 Ex.). Es ist dies das dritte bis jetzt 
erwähnte Vorkommen von Vertretern der Gattung Ancylus in Syrien. Die erste Beobachtung in dieser 
Hinsicht machte NörLme*, der Aneylus sp. ef. luviatilis MüLL. in einer altalluvialen Geröllschicht im Wadi 
Jarmük fand. Später erhielt Dautzengere° lebend ebenfalls Ancylus fluviatilis durch Barroıs von “Ain 
Afka (?im Libanon). 

Recent ist diese charakteristische Form nur aus Nordeuropa: Frankreich, England, Oldenburg und 
Böhmen bekannt. 


1 Cressıx: Familie der Limnaeiden, 1886, p. 103, Taf. 19, Fig. 3. 

® Index, p. 119. 

3 MARTINI-CHEMNITZ: S. C. C. I, 17, 1886, p. 201, Taf. 31, Fig. 3. 

* Ueber die Lagerung einer quartären Fauna im Gebiete des Jordanthals, p. 813, Taf. 23, Fig. 14. 

5 Liste des Moll. terr. et fluv. rec. par Barroıs en Palestine et en Syrie. Revue biolog. du Nord de la France VI, 
1893—1894, Lille, p. 6. 


Ill. Die heutige Süsswasserconchylienfauna von Syrien‘. 


A. Lamellibranchiata. 


Dreissensia Chantrei Loc. 1883. See von Antiochia. 
„ Bourguignati Loc. 83. " 
Unio Simonis Trıstr. 65. See von 
Leontes, Jordan. 
„ Zothi Bourc. 65. Jordan, See von Tiberias. 
„ Zuynesi Boure. 81. Jordan. 
„ Galilaei Loc. 80. See von Tiberias. 
„ timius Bourc. Sl. Jordan. 
„ rhomboidopsis Loc. 83. See von Tiberias. 
Emesaensis Lea 64. See von Antiochia, Orontes, 
See von Homs. 
„ Homsensis Les 64. Kara Su, See von Homs. 
„ Zaymondi Boure. 81. See von Tiberias. 


” ” 
Antiochia, ÖOrontes, 


„ Tristrami Loc. 83. Sechs a 
„ Pietri Loc. 80. a, ” 
„  ellipsoideus Boure. 80. „ „ rn 
„ Genezarethanus Lern. Sl. „ „ " 


Grelloisianus Bourg. 56. Jordan. 

„ lumulifer Boure. 56. Jordan. 

„ Zabulonicus „ > n 

axiacus Ler. Sl. See von Antiochia, Orontes. 
Hwueti Boure. 55. Kuweik ?, See von Antiochia. 
'eueirrus Boure. 57. See v. Antiochia, Nahr Beirüt. 


„ Antiochianus Loc. 83. , „ ki Orontes. 
„ Tripolitanus Boure. 52. Tripolis. 
Delesserti N „ Krokodilfluss, Jafta. 


Damascensis Lza 66. Damaskus. 

litoralis Drar. 05. See von Tiberias. 

„  episcopalis Trıstr. 65. Orontes, Leontes. 

„ Orontesensis Lea 64. Orontes. 

„ . Syriacus en " 

„  delicatus Le n 

„ Lorteti Loc. 80. See v. Antiochia, See Tiberias. 
„ Tiberiadensis Let. 81. See von Tiberias. 


Unio terminalis Bourg. 52. Leontes, See Tiberias. 
„ Jordanicus 56. Jordan, „ 5 
„ prosacrus 5 = = 
„ subtigridis Ler. 83. See von Antiochia. 
„ anemprosthus Bours. 83. See von Antiochia. 
„  Chantrei Loc. 83. See von Antiochia. 
„ Jauberti Boure. 8l., , 5 
Margaritana Sauleyi Bourc. 52. Jafia. 
„  Tripolitana n » Tripolis, 
„  Michoni n „  Krokodilfiuss, Jaffa. 
Leguminaia Mardinensis Lea sp. Kara Su, See von 
Antiochia und Homs, 
„ COhantrei Loc. 83. Orontes, 
„ BDourguignati Loc. 83. Kara Su, Seen v. Antiochia. 
„ Wheatleyi Iza sp. 63. Seen v. Antiochia u. Homs. 
Pseudodon Chantrei Loc. 83. See von Antiochia. 
Anodonta pseudodopsis Loc. 80. „  , 5 
Oorbieula fluminalis Münr. sp. 1774. Kuweik, See von 
Antiochia, Homs und Tiberias, Orontes, Leontes, 
Jordan, Sür, Jaffa. 
„ Sauleyi Bourg. 1868. Jordan bei Jericho. 
» ÖSyridcd 82. Seen v. Antiochia, Homs und 
Tiberias, im S. des Todten Meeres. 
„ Feliciani Boure. 82. See von Antiochia, Orontes. 
„. crassula Mouss. 54. ,„ » # P 
Adonisfluss, Leontes, Jaffa. 
„ Hebraica Bourc. 82. See von Antiochia. 
Pisidium Casertanum Por. 27. Wadi Kadischa, Ba‘albek, 
Damaskus. 
„ cedrorum Cuess. 79. Antilibanon. 
„ obliguatum ,„ 90. *Ain el-Musaieh, ‘Ain el-Kassah, 
‘Ain el-Dschaz (BARRoIS). 
? Sphaerium lacustre Müvrz. 74. ‘Ain el- Musaieh 
(BARROIS). 


! In diesem Verzeichniss sind bei den einzelnen Arten bezw. Varietäten nur deren bis jetzt bekannte Fundstellen 
innerhalb der Grenzen Syriens, also ausschliesslich Kleinasiens und Mesopotamiens angeführt. Die meisten Fundorte (mit Aus- 
nahme der südlichsten) sind auf der beifolgenden Karte von Syrien Taf. VII verzeichnet. 


B. Gastropoda. 


143 


B. Gastropoda. 


Neritina Syriaca Bours. 1552. Mär asch, Beirüt. 

„ Anatolica Rec. var. A) Bellardi Mouss. 54. Li- 
banon, Bekä‘“a, Damaskus, Jordanquellen, Tibe- 
rias, Nahr Jabbok, *Ajün Müsa. 

„ Anatolica Recr. var. B) Hausknechti Marr. 79. 
Aleppo, Beirüt, See Tiberias. 

„ Anatolica Reer. var. C) Olivieri Marr. 79. Saida, 
‘Ain el-Fidsche bei Damaskus. 

„ Anatolica Recr. var. D) Trojana Cmarr. Ale- 
xandrette. 

„ Karasuna Mouss. 74. Aleppo, Kara Su, Antäkijje, 
Selemije, Beirüt. 

„ Macrii Recı. 41. Haifa. 

„ Michoni Bourc. 52. See v. Antiochia, Sür, Jafta, 
‘Ain el-Min, Tell el-Kädi, Nahr el-Harün, Da- 
maskus, ‘Ain el-Melläha, et-Tell, Tiberias, See 
v. Tiberias, Räs el-Ain, Bir Dschalüd, Jericho, 
‘Ain Feschcha, “Ain Ruwer, “Ain Dschidi, Quellen 
am Todten Meer. 

„  Jordani Sow. 32. See Hüle u. See Tiberias, Jordan. 

„ Orontis Buanck. 96. Kara Su, Orontes bei Antä- 
kije, Selemije. 

VYalvata Sauleyi Boure. sp. 52. Antäkije, Homs, Bekä ‘a, 
Damaskus, Saida, See Tiberias. 

Bythinia Sidoniensis Mouss. 61. Saida, Baalbek, Damas- 
kus, Birket er-Räm, Hülesee, et-Tell (Jordanfurt). 

„  badiella Parr. 54. See v. Homs, Nahr el-Sebueh, 
Tell el-Kädi, Beirüt, Libanon, Damaskus. 

„ Hawadieriana Bourg. 53. Bafalbek, See Hüle, 
See von Tiberias. 

„ Hebraica Bourc. 53. Palästina. 

„ (2) Phialensis Con. sp. 52. Birket er-Räm. 

„ longiscata Bourc. 53. Syrien. 


„ Sauleyi n 52. Bekäfa. 

„ (sg. Amnicola) Gaillardoti Bours. 53. Saida. 

& 5 Putoni „ men, 

5 = Moquiniana , = 3 
Hebraeorum ‘Ain Fid- 


” ” 
scheh im Antilibanon. 
Bythinella contempta Daurz. 94. Nahr el-Harüm, Zeräfa, 
‘Ain el-Musaieh, Damaskus, et-Tell. 
„ FPalmyrae Daurz. 94. Palmyra. 
Pyrgula Barroisi Daurz. 94. See Tiberias. 
Melania tuberculata Mürn. 1784. Tyrus, See v. Tiberias 
und im Süden des Todten Meeres. 


Melania Judaica Rotu 1855. Bach am Todten Meer. 
Melanopsis Saharica Bours. 64. See von Antiochia, 


” 


Orontes. 

minutula Bourg. 84. Nahr Antelias. 

laevigata Lam. 22. Gemein in ganz Syrien, z. B. 
Kara Su, Seleucia Pieria, Orontes bei Antäkije, 
Beirüt, Libanon, Ba‘albek, Damaskus, Ebene 
des Bahr el-Hüle, See Tiberias, Dschenin, Jericho, 
Wadi Hesbän, “Ajün Musa, Umgebung d. Todten 
Meeres, 

buccinoidea Or. 04. Sadjür Su, Selemije, Nahr el- 
Kelb, Beirüt, Saida, Libanon, Wadi Baradä, Da- 
maskus, Jerusalem, 

eremita TRISTR. 65. 
Todten Meeres: 

Salomonis Bourg. 80. Sadjür Su, “Ain Fidschi, 
Wadi Baradä, Bäniäs, Libanon. 

Doriae Iss. 65. Beirüt. 

Ammonis Trısır. 65. Hesbon, Ammon. 

variabilis Prsın. 47. Beirüt, Nahr el-Kelb. 

callichroa Bours. 80. Nahr el-Kelb. 

Maroccana , 64. Damaskus, ‘Ain Plasa am 
Bahr el-Hüle. 

sphaeroidea Bours. 34. Orontes. 

microcolpia R 82. Jericho. 

minor Buanck. 91. See v. Antiochia, “Ain Fidschi, 
Ebene des Bahr el-Hüle, Jericho. 

prophetarum Bourc. 82. *Ain el-Melläha, Dsche- 
nin, Bäniäs, Jericho. 

Isseli Bourg. 84. Nahr el-Kelb. 

Olivieri „ »  Sadjür Su, Nahr el-Kelb, Liba- 
non, Wadi Baradä, Jericho. 

callista Bours. 84. Sadschür Su. 

Jebusitica Ler. 82. Jericho. 

faseolaria Parr. Nahr Na‘män (Belus) bei ‘Akka. 

Sauleyi Bourc. 53. See v. Homs, Brumäna (Liba- 
non), Ebene des Bahr el-Hüle, Artüz, Jericho. 

aterrima Bourc. 84. Jericho. 

cerithiopsis , „ Ebene des Bahr el-Hüle. 

sancta Ler. S2. Ebene des Bahr el-Hüle, Jordan, 
Jericho. 

Lortetiana Loc. 83. See von Antiochia. 

Tureica PArr. Kara Su, See v. Antiochia, Orontes. 

hiera Lrr. See von Antiochia, unterer Orontes, 
Ebene des Bahr el-Hüle. 


Wadi Mubarrak im SW des 


144 


M. Blanckenhorn, zur Kenntniss der Süsswasserablagerungen und Mollusken Syriens. 


Melanopsis stephanota Bourc. 1884. “Aintäb, Kara Su, 


unterer Örontes. 

Nötlingi Boure. 86. Jarmük. 

costata On. 04. Aleppo, Kara Su, mittlerer Orontes 
bei Dschisr esch-Schurr, See Hüle, oberer Jordan 
und See von Tiberias. 

Chantrei Loc. 83. Kara Su, See von Antiochia, 
unterer Orontes. 

insignis PArr. See von Antiochia. 

Sesteröi Bourg. 84. Sadschür Su, Ebene des Bahr 


el-Hüle. 
Aleppi Boure. 84. Aleppo. 
ovum " 82. See von Tiberias, Jarmük. 
Jordanica Rota 61. „ „ „ unterer Jor- 


dan, Jarmük. 
Hebraica Ler. 82. ‘Am Sa“äde bei Haifa. 
lampra Boure. 84. Belus. 
Phaeniciaca Bourg. 84. Belus. 
Belusi Let. 82. Belus. 
desertorum Boure. 84. Ebene des Bahr el-Hüle. 
Tanousi Ler. 83. DBelus. 


obligqua 5 „ 

Feliciani Boure. 84. Jordan. 

eumorpha „  Eb.d. Bahr el-Hüle, Jordan. 
egregia H „  Belus, Jordan. 


inngens truncatulus Müur. sp. 1774. Saida, Ba ‘albek, 


Damaskus, Bahr el-Hüle. 
palustris Mürn. 1774. Syrien. 
ovatus Drar. 1805. Syrien. 
Syriacus Mouss. 61. Baalbek, Damaskus. 
colpodius Bourg. 62. See von Homs. 
callopleurus Loc. 8. „ » m 


Limnaeus Reneanus Loc. 1883. See von Homs. 


Chantrei en 


er} b2] 7) 


Lagodeschinus Bourg. 81. „ „ 5 


Homsensis Loc. 83. 


lagotis SCHRANK 1803. 


lagotopsis Loc. 83. 


Tripolitanus Ler. 81. 


subpersicus Loc. 83. 
peregriformis „  „ 
ALTACUus N 
Antiochianus „, 


” ” ” 
5 AmtIochıas 


” bz] ” 


tener Parr. 61. Damaskus, Phiala-See, See Hüle, 
et-Tell im N. des Tiberias-Sees, Nahr el-Harün. 


pereger Drar. 1305. 


Im S. des Todten Meeres. 


en glutinosa Mürn. sp. 1774. Beirüt. 


Physa contorta MicH. 


Im S. des Todten Meeres. 


Planorbis (Tropodiscus) umbilicatus Mürn. 1774. Syrien. 
R submarginatus DE ÜHRIST. et 
Jan 1832. Damaskus. 
(Gyrorbis) vortex Linn. 1758. ? 
(Gyraulus) albus Mürn. 1774. Rör es-Säfije. 


” 


er) 


Pr piscinarum Bourg. 1852. Saida, Ba- 
‘albek, Zebdäni, Damaskus. 
1: Hebraicus Bourg. 52. Homs, Phiala- 


See, *Ain el-Musaieh, Damaskus, Saida, “Ain 
Melläha am Bahr Hüle, et-Tell am Tiberiassee. 
Homsensis Daurz. 94. See von Homs. 
(Armigerus) Alexandrinus RotH. ? 
heliciformis Rork 39. 
Antiochianus Loc. 83. 


Sauleyi Boure. 52. 


? 


Künetra im Dschölan. 
See von Antiochia. 


An ylus fluviatilis Möın. 1774. “Ain Afka (Libanon). 


Die mittelliasische Brachiopodenfauna der 


östlichen Nordalpen. 


Nebst einem Anhange 
über die Fauna des unteren Dogger im bayerischen Innthale. 
Von 
Emil Böse. 


Mit Tafel XI—XVI. 


Die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Buimallesittiuente: 


Schon seit einer längeren Reihe von Jahren sind ziemlich zahlreiche Arbeiten über die Brachiopoden 
des unteren Lias, des unteren, mittleren und oberen Dogger der deutsch-österreichischen Nordalpen ver- 
öffentlicht worden, ich erinnere an die Publicationen von OpreL, ROTHPLETZ, FINKELSTEIN, NEUMAYR, GEYER 
u. A. m.; die reichen Lias-Faunen des Hierlatz, der Vilser Alpen, des Hirschberges bei Hindelang, die Dogger- 
Faunen des Rothenstein und Laubenstein, der Klausalp bei Hallstatt, des Legam bei Vils, sowie die von 
Teissendorf und Stauffeneck sind in ausführlicher Weise beschrieben worden. Ganz spärliche Nachrichten 
liegen dagegen über den mittleren Lias vor, wenigstens über die Brachiopoden dieser Schicht. Während aus 
Sicilien, dem Appennin, sowie dem Südabhang der Ostalpen mittelliasische Brachiopodenfaunen von grossem 
Artenreichthum bekannt waren, wusste man von denjenigen der Nordalpen bisher so gut wie gar nichts, 
trotzdem diese jenen südlichen an Reichthum der Arten kaum nachstehen. Nur von wenigen Localitäten 
waren Fossillisten publieirt worden, so durch Roruprerz (Vilser Alpen, Karwendel). An palaeontologischen 
Arbeiten über die mittelliasischen Brachiopoden der Nordalpen lag dagegen fast nichts vor, nur RotupLaTz 
hatte einige Arten beschrieben und abgebildet, bei wichtigen Arten, wie Ter. Adnethensis Svzss, fehlte es 
sogar an ausführlichen Beschreibungen und guten Abbildungen. So erschien denn eine Bearbeitung dieser 
Fauna wohl am Platze. 

Die Hauptfundpunkte für die Brachiopoden des mittleren Lias sind der Hilariberg bei Kramsach 
(Unterinnthal) und der Hinterschafberg bei Ischl im Salzkammergut. Zwischen diesen beiden von einander 
weit entfernt liegenden Localitäten sind jedoch mehrere Fundpunkte vorhanden, welche allerdings eine weniger 
reiche Ausbeute geliefert haben. Von Westen nach Osten fortschreitend haben wir zu nennen: Vorderthiersee bei 
Kufstein, die Kammerkihr oder Steinplatte bei Waidring, die Ramsau bei Berchtesgaden, die Scharitzkehlalm, 

Palaeontographica. Bd. XLIV. 19 


146 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


den Fagstein und den Kallersberg, ebenfalls in der Umgegend von Berchtesgaden; ausserdem findet sich 
mittlerer Lias an der Rothen Wand bei Vallepp (Schliersee), am Gschöllkopf (Sonnwendjoch), Pfonsjoch (Kar- 
wendel), sowie in der Umgebung von Hohenschwangau und Vils. Diese Aufzählung macht keineswegs auf 
Vollständigkeit Anspruch; es ist mir nur darum zu thun, einige Punkte anzuführen, an denen sich mit Sicher- 
heit mittelliasische Brachiopoden nachweisen liessen. Die meisten dieser Fundpunkte sind recht arm an 
Brachiopoden; in dieser Arbeit sollen nur folgende Localitäten vorzugsweise berücksichtigt werden: der Hilari- 
berg bei Kramsach, der Fagstein, die Ramsau, Vorderthiersee und die Rothe Wand bei Vallepp. Reich sind 
nur die beiden zuerst genannten Plätze, alle übrigen haben wenige Arten geliefert, die Rothe Wand sogar 
nur eine einzige. Das Material befindet sich zu einem grossen Theile in der Münchener palaeontologischen 
Staatssammlung, zum andern in der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien und im Carolino-Augusteum 
in Salzburg. Alles was vom Hilariberg, Vorderthiersee, Fagstein, Ramsau, Rothe Wand stammt, liegt in 
München und wurde von verschiedenen Sammlern z. Th. von Herrn Geheimrath v. ZırreL selbst zusammen- 
gebracht; am Hilariberg sammelte bereits Graf Münster, später Dr. ScHLosser und ich; der grösste Theil 
wurde durch Dr. SchLosser gesammelt. Das Münchener Material vom Hinterschafberg sammelte seiner Zeit 
Herr Geheimrath v. Zırrer, der auch in neuester Zeit eine kleine Collection ankaufte; etwa ebensoviel wie 
die Münchener Sammlung besitzt die k. k. geologische Reichsanstalt, doch merkwürdiger Weise meistens 
andere Arten. Das reichste Material erhielt ich aus dem Museum von Salzburg, doch war nur Weniges 
präparirt und vorläufig bestimmt; aus den noch nicht zerschlagenen Blöcken präparirte ich eine grosse An- 
zahl von Arten heraus, wobei mir auffiel, dass auch hier wieder im Allgemeinen ganz andere Arten vorlagen, 
als in den übrigen mir zur Verfügung gestellten Suiten. Soviel über das Material, bei den Originalen werde 
ich in der Tafelerklärung stets anführen, wo sie zu finden sind. 

An dieser Stelle bleibt mir nur noch übrig, den Herren Geheimrath v. ZırTeL und Dr. ScHLoSsER 
in München, Director G. v. STAcHE und Dr. GEYER in Wien, sowie Prof. EB. FusgEr in Salzburg meinen 
verbindlichsten Dank auszusprechen für die liebenswürdige Bereitwilliskeit, mit welcher mir das gesammte 
Material der einzelnen Sammlungen zur Verfügung gestellt wurde. 


Ueber den mittleren Lias der nördlichen Östalpen. 


In den folgenden Zeilen handelt es sich natürlich nur um den mittleren Lias, soweit dieser als 
Brachiopoden führender Kalk ausgebildet ist. Fast stets ist dieser Kalk von rother Farbe und zwar von 
ziemlich dunkler, so am Fagstein, in der Ramsau, an der rothen Wand und an einigen Fundplätzen vom 
Hilariberg und Hinterschafberg; seltener ist ein blassrother oder weisser Kalk (Hinterschafberg, Hilariberg, 
Hohenschwangau, Gschöllkopf), noch seltener ein gelber, zäher Kalk (Hinterschafberg). Vielfach, ja meistens 
ist das Gestein von Crinoidenstielen erfüllt, seltener besteht es aus blossen Schalenresten; im Ganzen ist es 
wenig von dem des unteren Lias verschieden, doch sind manche Gesteinsvarietäten von dem Vilser Kalk, 
sowie von dem Dogger-Kalk an der Klausalp bei Hallstatt nicht zu unterscheiden. Bemerkenswerth ist, dass 
in den rein weissen Kalken sich gewöhnlich andere Arten als in den übrigen Gesteinsvarietäten finden; so 
z. B. kommt die Ter. ascia Gır. sowohl am Hilariberg wie am Schafberg meistens in einem schneeweissen 
Kalk vor, ohne dass sich andere Arten in diesem fänden, dagegen tritt 7. ascia im rothen Kalk beider 
Localitäten viel seltener auf. Aehnlich steht es mit Ter. gracilicostata. Andererseits findet sich Z. Adneth- 
ensis nur in dem rothen Kalk und ebenso die T. Gozzanensis. Diese Verhältnisse deuten darauf hin, dass 


Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen. Nordalpen. 147 


die weissen und rothen Kalke zuweilen wohl Stufen innerhalb des Mittellias darstellen, doch ist bisher noch 
nicht nachgewiesen, welche die höhere ist; auch können die Unterschiede nur geringe sein. 

Sehr merkwürdig ist es, dass in den verschiedenen Suiten auch verschiedene Fossilien vorherrschen. 
In der Münchener Sammlung befinden sich ausser zahlreichen Exemplaren der Terebratula Adnethensis SuEss 
nur einige wenige Terebrateln und Waldheimien aus dem mittleren Lias des Schafberg; so ist 7. Gozzanensis 
Par. nur durch zwei schlecht erhaltene Stücke vertreten; auch die Wiener k. k. geologische Reichsanstalt 
hat vom Fundpunkt Hinterschafberg nur wenige Stücke dieser Art; dagegen eine grosse Anzahl vom oberen 
Burgaugraben (Nordseite des Schafberg); die Arten, welche als vom Burgaugraben stammend im palaeonto- 
logischen Theile aufgeführt werden, hat man, soweit sich dies aus den Etiquetten erkennen lässt, aus einem 
grossen Findlingsblock erhalten, der sich vermuthlich von den höheren Theilen des Schafberges abgelöst hat. 
In der Salzburger Sammlung finden sich dagegen zahlreiche Exemplare der 7. Gozzanensis aus verschiedenen 
Fundpunkten des Schafberges; die Art erfüllt zuweilen das Gestein vollständig. Ebenso ist Ah. Stachei 
im Münchener und Wiener Material nur durch wenige Stücke vertreten, während sie sich unter dem Salz- 
burger Material sehr häufig findet. Ich könnte in dieser Weise noch eine ganze Reihe von Beispielen an- 
führen, begnüge mich aber darauf hinzuweisen, dass unter dem Münchener Material eine Spiriferinenart sehr 
häufig ist, welche in den andern Sammlungen fast ganz fehlt, im Uebrigen haben allerdings die Münchener 
und Wiener Sammlung nur wenige Spiriferinen, während zahlreiche Individuen dieser Gattung im Salzburger 
Material vorhanden sind. Diese eigenartige Vergesellschaftung der Species lässt sich wohl zum Theil darauf 
zurückführen, dass das Münchener und Wiener Material aus wenigen Fundpunkten stammt, während dasjenige 
des Carolino-Augusteum aus zahlreichen Localitäten gewonnen wurde. Andererseits ist aber auch die Wahr- 
scheinlichkeit vorhanden, dass im Salzburger Material viel mehr Bänke vertreten sind als in dem übrigen, 
und dass einige Arten nur in einzelnen Bänken abundiren, in anderen dagegen sehr selten sind. 

Dies ist natürlich nicht viel mehr als eine Vermuthung, welche sich bisher nicht beweisen lässt, da 
am Schafberg noch nicht bankweise gesammelt worden ist. Wollen wir zu einer einigermaassen sicheren 
Kenntniss der Vergesellschaftungsweise der Arten kommen, so müssen wir die Fossillisten der verschiedenen 
Fundpunkte getrennt anführen, wie dies zum Theil schon durch ScHrosser' für Kramsach geschehen ist. 


Ich beginne im Westen und zwar mit den einzelnen Fundpunkten bei Kramsach. Im sogenannten 


„weissen Bruch“ kommt nur 
Terebratula ascia GIR. 


vor; aus einzelnen Blöcken rothen Kalkes wurde gesammelt: 


Terebratula ascia GIR. Rhynchonella Sancti Hilarii mihi 
- ‚Schlosseri mihi _ Sordellii Par. 
_ punctata Sow. — Zitteli Gemm. 
—_ aspasia Men. — polyptycha Oper. 
n— Adnethensis SUESS — cfr. latifrons STUR 
— graeilicostata mihi = Caroli GEMM. 
Waldheimia -Mariae D’ORE. Spiriferina semieireularis mihi 
—_ numismalis Lam. — efr. Salomoni mihi 
— subnumismalis Dav. . —_ efr. obtusa Opr. 
— Waterhousi Dav. — angulata Oper. 
E= mutabilis Oper. _ cefr. sicula GEMM. 


! Scatosser, Zur Geologie von Nordtirol (Verh. der k. k. geolog. Reichsanstalt. 1895) p. 351 #. 


148 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Aus einem mächtigen weissen Block am Wege vom Glashaus nach Ladoi gewannen SCHLossER und 
ich durch Sprengung: 


Terebratula gracilicostata mihi Rhynchonella Sancti Hilarii mihi 
— Schlosseri mihi — sp. ind. 
Waldheimia Sarthacensis DEsL. Spiriferina Salomoni mihi 
n— mutabilis. Opp. —_ rostrata SCHLOTH. 
_ Thurwieseri mihi .— gryphoidea Unt. 


Ein riesiger Block aus dem rothen oder Hagauer Bruch lieferte: 


Terebratula Adnethensis Surss KRhynchonella Briseis GEuM. 

—_ Gozzanensis PAR. — Zitteli GEuM. 

2 Aspasia Mrx. n Paolü Can. 
Waldheimia apeninica Zimt. — fraudatriz mihi 

— furlana Zur. _ pseudo-scherina mihi 

— bicolor mihi —_ sejuncta mihi 

— oenana mihi _ inversa Orr. 

— subnumismalis Dav. — subpectiniformis mihi 

_ Waterhousi Dav. — sublatifrons mihi 
Rhrpnchonella flabellum Men. Spiriferina globosa mihi 

—_ Hagavwiensis mihi —_ semicircularis mihi 

_ triquetra GEMM. — sicula GEMM. 

—_ Greppini Ope. —_ angulata Oper. 

_ variabilis SCHLOTH. — cfr, alpina Orr. 


Die roth- und weissgefleckten Kalke des Hagauer Bruches lieferten: 


Terebratula Adnethensis Sunss Rhynchonella efr. Orsinii 
Rhynchonella Greppini Orr. Spiriferina Salomoni mihi 
—  flabellum Mex. - sicula GENM. 
_ variabilis SCHLOTH. _ _ angulata Opr. 
_ Zitteli GEMM. — cfr. alpina Opp. 
_ efr. polyptycha Op». — segregata DI STEF. 


Dass alle diese Fundpunkte zum mittler®n Lias gehören, beweisen schon die Untersuchungen 
ScHvosser’s; die später hinzugekommenen Arten bestätigen nur die Anschauung dieses Autors. Wir werden 
auf die Frage weiter unten noch zurückkommen. : 

In den weissen Kalken von Thiersee wurden gefunden: 


Terebratula punctata Sow. typ. Rhrnchonella Caroli Gen. 
— — var, ovatissima Qu. _ Sancti Hilarii mihi 
_ ascia GIR. _ Zitteli Gem. 
Waldheimia oenana mihi “ Spiriferina obtusa Orr. 
— Waterhousi Dav. — angulata Orr. 
_ subnumismalis Dav. — rostrata SCHLOTH. 


Rhynchonella Zugmayeri GEM. 
Die Rothe Wand bei Vallepp (Schliersee) lieferte nur 7. Adnethensis Suess; dieselbe Species allein 
auch die rothen Kalke zwischen Ramsau und Hintersee bei Berchtesgaden, von der Kammerkihr (Steinplatte) 
bei Waidring ist mir ausser dieser Art nur noch W. bicolor mihi zu Gesicht gekommen. 


Am Steinberg in der Ramsau und zwar am Weg zwischen Mitterkaser und Schärtenhütte fanden sich: 


Terebratula Aspasia Mex. 
— Adnethensis SuEss 
Spiriferina saximontana mihi 


Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 149 


Die rothen Kalke des Fagstein bei Berchtesgaden lieferten: 


Terebratula Adnethensis SuEss Rhpnchonella Paolii Can. 
_ Erbaönsis SuEss —_ altesinuata mihi 
—_ Aspasia Men. Spiriferina vostrata SCHLOTH. 
cfr. nimbata Opr. — obtusa Orr. 
Waldheimia subnumismalis Dav. Darwini Gem. 
_ Furlana Zum. Koninckodonta Fuggeri Bırın. 
— oenana mihi Amphielinodonta Bittneri mihi 
Rhynchonella Zitteli Ges. 


An unserer nächsten und letzten. Localität ist nun wieder eine ganze Reihe von Fundorten zu 
unterscheiden. Ich führe sie hier einzeln auf, doch mache ich darauf aufmerksam, dass der sogenannte 
Fundplatz „Hinterschafberg“ vielleicht mehrere Localitäten umfasst. Es lieferten die einzelnen Fundpunkte 


folgende Arten: 


1. Hinterschafberg: 


Terebratula punctata Sow. 
— Adnethensis SuEss — 
_ Salisburgensis mihi — 
— Gozzanensis Par. = 
—_ Aspasia Mes. — 
— ovimontana mihi — 
Waldheimia bicolor mihi — 
— subnumismalis Dav. — 
—_ Waterhousi Dav. = 
— Furlana Zım. — 
—_ oenana mihi — 
—_ apeninica ZLIT. — 


Rhynchonella quinqueplicata Zier. 


‚ptinoides DI STEF. 
pseudo-scherina mihi 
Glyeinna Gem. 
Scherina GEnn. 
serrata Sow. 
Stoppaniti Par. 
margaritati mihi 
atlaeformis mihi 
diptycha mihi 
altesinuata mihi 
sejuneta mihi 


_ ovimontana mihi y 

_ Fuggeri mihi — 
Rhynchonella variabilis SCHLOTH. —_ subfurcillata mihi 

— Briseis GENM. Spiriferina rostrata SCHLOTH. 

— subdiscoidalis mihi — Sylvia GENM. 

_ subpectiniformis mihi — oblusa Orr. 

— Paolü Can. — Darwini Geun. 

—_ Stachei mihi E= sicula GEMM. 

—_ subcostellata Geum. Koninckodonta Fuggeri Bınry. 

_ flabellum Men. = Geyeri Bırın. 

_ Greppini Opp. — Eberhardi Bırıy. 

_ polyptycha Opr. Amphielinodonta liasina Bırıy. 


triquetru GEM. 
Dalmasi Dvn. 


9. Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzensee: 


Terebratula Adnethensis SuEss Rhynchonella quingueplicata Zıer. 
—_ Gozzanensis PAR. —_ altesinuata mihi 
— ascia GIR. = Dalmasi Dvm. 
_ Aspasia Men. Spiriferina rostrata SchLoTH. 
Waldheimia bicolor mibi — eordiformis mihi 
— Fuggeri mihi — nov. sp. afl. alpina Orr. 
Rhnynchonella Paolii Can. — aft. capuliformis SEsv. 
_ Stachei mihi — semieircularis mihi 


150 


Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen, 


3. Feuchteneck: 


Terebratula Adnethensis Scess 
—_ Gozzanensis Par. 
Waldheimia bicolor mihi 
— subnumismalis Dav. 
— apeninica ZiTT. 
— ovimontana mihi 


Waldheimia Fuggeri mihi 

Rhynchonella Stachei mihi 
— triquetra GEMmM. 
— Dalmasi Dun. 

Spiriferina cordiformis mihi 


4. Oberer Burgaugraben: 


Terebratula sphenoidalis (Mex.) Can. 
— cerasulum ZITT, 
_ Adnethensis SuEss 
— Gozzanensis PAR. 
Waldheimia bicolor mihi 
u subnumismalis Dav. 
== apeninica Zum. 


5. Münichsee: 


Terebratula punctata Sow. 
_ ascia GIR. 
— Gozzanensis Par. 


6. Grünsee: 


Terebratula sphenoidalis (Mem.) Can. 
— cerasulum Zimt, 
= Adnethensis SuEss 
n_ Gozzanensis PAR. 
— ovimontana mihi 
Waldheimia bicolor mihi 
— subnumismalis Dav. 
— apeninica Zimt. 
— ovimontana mihi 
— Ewaldi Opr. 
— cefr. Furlana Zum. 
—_ Fuggeri mihi 
Rhynchonella Stachei mihi 
— atlaeformis mihi 
— altesinuata mihi 


Waldheimia ovimontana mihi 
Rhynchonella Paolü Can. 
— Glyeinna GEM. 
— serrata Sow. ? 
—_ Stoppanüi PAR. 
— margaritati mihi 


Waldheimia apeninica Zimr. 
Spüniferina obtusa Opr. 


Rhynchonella quinqueplicata Zıer,? 
— Hagaviensis mihi 
—_ Paolüi Can. 
_ cfr. variabilis SCHLOTH. 
_ Glyeinna GEMM. 
— pseudo-scherina mihi 
— triquetra GENM. 
—_ Scherina GEN“. 
— Dalmasi Dunu. 
— sejuncta mihi 
_ subfureillata mihi 
—_ diptycha mihi 
Spiriferina rostrata SCHLOTH. 
— Salomoni mihi 
— obtusa Opp. 


7. Nord- und Ostwand bei Hotel Schafberg: 


Terebratula Adnethensis SuEss 
—_ Gozzanensis Par. 
— Aspasia Men. 

Waldheimia bicolor mihi 


Waldheimia subnumismalis Dav. 
Rhynchonella subpectiniformis mihi 
— altesinuata mihi 

Spiriferina sicula GEMM. 


8. Schafberg Thörl und Schwarzensee: 


Waldheimia bicolor mihi 
Rhynchonella Paolii Can. 


‚Rhynchonella altesinuata mihi 
— atlaeformis mihi 


Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 1 


au 
Pi 


Aus diesen Listen geht aufs Deutlichste hervor, dass alle Fundplätze des Schafberges, soweit sie 
berücksichtigt sind, einem Horizont angehören und zwar, wie die von GEYER! beschriebenen Cephalopoden 
beweisen, dem mittleren Lias. Eine ganz ähnliche Ammonitenfauna weisen die Fundplätze bei Kramsach 
auf. Wie die Listen zeigen, haben die verschiedenen Brachiopoden-Fundplätze zahlreiche Arten gemeinsam; 
ich verzichte darauf diese aufzuführen und gebe hier nur diejenigen Species, welche nur an je einem Fund- 
punkte vorkommen; diese sind bei Kramsach: 


Terebratula gracilicostata mihi Rhynchonella cfr. latifrons STuR 

— Schlosseri mihi _ sublatifrons mihi 
Waldheimia Mariae D’ORB. 2 inversa OPP. 

— mutabilis Opp. — sp. indet. 

— numismalis Lam. Spiriferina globosa mihi 

— Thurwieseri mihi —_ gryphoidea UHr. 
Rhynchonella cfr. Orsinii GEuM. — efr. alpina Opp. 

—_ Sordellüi Par. — segregata DI ÖTFF. 


_ fraudatrix mihi 
Von den 17 hier aufgeführten Arten sind 7 neu, die Uebrigen sind fast ausschliesslich Formen des 
mittleren Lias, doch kommen manche davon auch im unteren Lias vor. 


Am Schafberg allein kommen. vor: 


Terebratula sphenoidalis (Mex.) Can. Rhynchonella serrata Sow. 
— cerasulum ZI. _ Stoppamü Par. 
_ Salisburgensis mihi —_ margaritati mihi 
— ovimontana mihi — atlaeformis mihi 
Waldheimia ovimontana mihi == diptycha mihi 
—_ Fuggeri mihi — Dalmasi Dvm. 
_ Ewaldi Opp. _ subfurcillata mihi 
Rhynchonella subdiscoidalis mihi Spiriferina cordiformis mihi 
== Stachei mihi _ Sylvia GEMM. 
subcostellata GEM. = aft. capuliformis Seen. 
— quinqueplicata ZIET. —_ n. sp. af. alpina Opr. 
—_ ptinoides DI STEF. Koninckodonta Geyeri Bırrn. 
_ Glycinna GEuN. —_ Eberhardi Bırrın. 
_ Scherina GEMM. Amphiclinodonta liasina Bırrn. 


Unter diesen 28 Arten sind 11 neue, und die anderen gehören bis auf die Koninckinen und die 
Amphiclinodonta fast ausschliesslich dem Mittellias an. 


Thiersee hat nur eine einzige Art, welche nicht an den andern Plätzen vorkommt, nämlich Rhyn- 
chonella Zugmayeri GEMM., diese gehört sowohl dem unteren wie dem mittleren Lias an, wurde in den Nord- 
alpen aber wohl noch nicht im unteren Lias gefunden. Der Steinberg bei Ramsau hat nur Spir, saximontana 
mihi für sich allein, eine neue Art, welche der Sper. rostrata ScHLorH. nahe steht. Der Fagstein hat vier 
Arten, welche ihm ausschliesslich zukommen, nämlich: 7. Erbaönsis Suzss, T. cf. nimbata Opr., Rh. cf. f£. 
ind. Par., Amphiel. Bittneri n. sp., also eine oberliasische und eine nicht sicher bestimmbare Terebratel, eine 
unterliasische Rhynchonella, welche nicht sicher zu bestimmen ist, und eine neue Amphielinodonta. 


! Geyer, Die mittelliasische Cephalopoden-Fauna des Hinterschafberges (Abh. der k. k. R.-A. 1893). 


152 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Nachdem wir so die Vergesellschaftung der Arten an den einzelnen Fundplätzen betrachtet und 
uns überzeugt haben, dass alle Localitäten im Grossen und Ganzen demselben Horizont angehören, können 
wir daran gehen eine vollständige Liste aller in dieser Arbeit beschriebenen Arten zu geben: 


1. Terebratula punctata Sow. 45. Rhynchonella polyptycha Oper. 

2. —_ sphenoidalis (Mes.) Cas. 46. n quinqueplicata Zıer. 

3. —_ cerasulum ZıtT. 47. — ‚ptinoides DI STEF, 

4. — Adnethensis Sunss 48. — pseudo-scherinanov.sp. 

5. —. Erbaönsis SuEss 49. _ Glyeinna GENMM. 

6. — Salisburgensis nov. SP. 50. _ Scherina GEuM. 

ls _ Gozzamensis PAR. 51. — serrata Sow. 

8. — ascia GIR. 52. —_ Stoppanüi Par. 

9. _ gracilicostata nov. Sp. 53. — margaritati nov. Sp. 
10. —_ Aspasia Men. 54. _ atlaeformis nov. Sp. 
uk _ cf. nimbata Opr. 55. _ diptycha nov. Sp. 
12. _ ovimontana nov. Sp. 56. — altesinuata nov. Sp. 
13. _ Schlosseri nov. Sp. 57. — sejuncta nov. SP. 
14. Waldheimia Mariae v’Ore. 58. — Hagaviensis nov. Sp. 
15. — bicolor nov. Sp. 59. — triquetra GEMM. 

16. _ Sarthacensis Dest. 60. - Caroli GEM. 

I7e — Ewaldi Opp. 61. — Dalmasi Den. 

18. — mutabilis Opp. 62. — inversa Opp. 

1E), — subnumismalis Dav. 63. — subfurcillata nov. Sp. 
20. _ numismalis Lam. 64. — ef. f. indet. ParoxA 
21. — Waterhousi Dav. 65. — sp. ind. 

22. _- Tharwieseri nov. Sp. 66. _ sp. nov. 

23. — Furlana Zur. 67. Spiriferina rostrata SCHLOTH. 

24, _ venana Nov. Sp. 68. — ceordiformis nov. Sp. 
25. _ apeninica ZımT. 69. — saximontana nov. Sp. 
26. — ovimontama nov. SP. 70. — globosa nov. Sp. 

27. _ Fuggeri nov. sp. 71. — Sylvia GEMM. 

28. Rhynchonella variabilis ScHLoTH. 72. = af. capuliformis SEst. 
29. — Briseis GeuM. 73. —_ Salomoni nov. Sp. 

lo); — Zitteli Geum. 74, _ gryphoidea UHt. 

öl. _ Zugmayeri GEUN. 75. — cfr. alpina Ope. 

32. — efr. Orsinii GEMM. 76. - nov. sp. aft. alpina Opp. 
33. — Saneti Hilarii nov. sp 77 semieircularis nov. Sp. 
34. — Sordellü Par. 78. _ obtusa Oper. 

Eh} _ subdiscoidalis nov. sp 79 — sicula GEMM. 

36. — subpectiniformisnov.sp 80. = angulata Op. 

37. _ fraudatrixz nov. sp. 31. —  Darwim Gem. 

38. — Paolii Can. 32. — segregata DI STEF. 
39. _ Stachei nov. Sp. S3. Koninckodonta Fuggeri Bırın. 
40. _ subeostellata Gem. 84. — Geyeri Bırın. 

41. — efr. latifrons Stur 85. — Eberhardi Bırzn. 
42, _ sublatifrons nov. Sp. 86. Amphiclinodonta liasina Bırın. 
43. — flabellum Men. 37. — Bittneri nov. Sp. 
44, _ Greppini Opp. 


Unter den 87 aufgezählten Arten befinden sich 29 neue, wobei ich die nicht benannten ausser Acht 
lasse. Um nun zu sehen, wie sich unsere nordalpine Brachiopodenfauna des mittleren Lias zu den Faunen 
anderer Localitäten verhält, stelle ich in der beigegebenen Tabelle sämmtliche bekannte Arten, sowie die neuen, 


Ueber den mittleren Lias der nördlichen Ostalpen. 153 


soweit sie aus anderen Fundplätzen beschrieben sind, zusammen, und gebe ihr Vorkommen im mittleren und 
unteren Lias Italiens und der Alpen an. Eine weitere Rubrik zeigt welche Arten auch im Lias der mittel- 
europäischen Provinz, also hauptsächlich in Deutschland, England und Frankreich, vorkommen, wobei ich nicht 
bloss die Litteratur, sondern auch die in der Münchener Sammlung vorhandenen Arten berücksichtigt habe. 


Unterer Lias Mittlerer Lias 
1: OT oe n a | © © Ar | © ii 
Mittlerer Lias deı S s |33 ee: | ir a es 
undilmen ass: > 
= 3 SZ S as FoE 3 2= = E58 
1. Terebratula punctata Sow.. . ö | + = ze + | —_ IE | —L = 4 
2, —_ sphenoidalis (Mex.) Can. _ = — = en en + ZI 
9. = cerasulum v. ZITTEL . . = _ —+ | —n2 = 
4. — Adnethensis SuEes . . — | +? _ _ = | 
ab — Erbaönsis Suss . . . — _ Ob.Lias — a, 
6. _ Gozzanensis Par. . 0 _ +? — |. — — — . — = | — 
7 _ Aspasia MEN... . . Er oe Au ıL AL ee ar 
8. — cf. nimbata Orr. . . .» _ — — — —ı Ze 
9. — ovimontana BösE . . . I — — — — ger 42 ı = | a 
10. Waldheimia Mariae D’ORe. . er: + — — _ | L 
il, — Sarthacensis DESL. . . — + u | — — — — | + 
12. _ Ewaldi Opr. Fe Al | L = 1 
13. — mutabilis Opp. . ; — — + N — — — Be a? | Z 
14. — subnumismalis Dav. . . — — | | | ? p) 2 I 
15; _ numismalis Lam. . | AR | | eu 
16. — Waterhousi Dav.. . . de) — . | = 
17% n— Furlana v. ZinTeL ? — | | — =+ w zn FR > 
18. — apeninica v. ZITTEL . — = — — 
19. Rhynchonella variabilis SCHLOTH. . | | eu + ? + en 
20 == Briseis GEM. . . . | | + 1.2 = | wie 
@ile — Zitteli GENM. 6 = —? u — _ le 0 |: 
22. n Zugmayerti GEMM. . . —- | — + + _ _ — — | Je I 
23. _ efr. Orsinüi GENM.. . —_ —_ | + =: 
24. = Sordellii Pan. . . . _ B| | ger en u % 
28. — fraudatrix BösE . . | | | | | | 
26. —_ BDaoliü Can. . 2.2. +? u En Dr 
27. — subcostellata GENM. — en) | | | >= = 
28. — efr. latifrons STUR + + — — — A - | 
29. _ flabellum Men. 6 — — a N — — | u AL | ar 
30. —_ Greppini Orr. . . . + | _ Ar — = — — El | 
3l. _ polyptycha Opr. + | + ? — = - | — zu 4 ar 
32. — quinqueplicata ZIET. . _ | + 
33. — ptimoides DI STEF... . = — | WE — = Ne + | — 
34. —_ Glyeinna Gew. . . — | | | —) | — + — 
35. — Scherina GENM.. . . = = ı | = — — + (| + > 
36. —_ SInatanSOWE — = = | = == AL — | — == 4 
37. —_ Stoppanü PAR. . . . = _=- | = — — — + | — — a 
38. — sejuncta BösE . . . = _-— 0 —_- ll — — en | (= de 
39, — triquetra GEMM. °. . | _ — u > — 


Palaeontographica. Bd. XLIV. 20 


154 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Unterer Lias Mittlerer Lias 

: eg & © | © 

Mittlerer Lias der 8 3 ee | a Ioceldaaı © 38 Eines 

Nordalpen € Zee = Bere = je 8 

z a sH 2 En en 3 (7) Ein | un el 
40. Rhynchonella Caroli Grun. + 1 + — — BEN |. == 
41. — Dalmasi Dvm. — | — — er AL U 
42. —_ inversa Orr. . a — = em Ri + ar 
43. — cf. £. ind. Par. . —_— | + — — er see Bu. | — 
44. Spiriferina rostrata SCHLOTH. . + + + 4 + + = a a ge 
45. — Sylvia GEMM. — _ — D| | — IL | — 
46. — aft. capuliformis SESU. . _ — = ul Sn es N 
47. — gryphoidea Uurie . — —? En —_ + A| + ne 
48. —_ cfr. alpina Orr. 4 A | es au N Er ir +). 
49. _ obtusa Orr. . SL + + _ zu — |, de — | #+ 
50. — sieula GEMM. = In ae | A 
51. _ angulata Oper. . g= Pr | sr ae — —-— | + ı | — 
52. u Darwini Gemm. + a — | | —. ee | 2 
53. — __ segregata DI STEF. . _ — — ln 
54. Koninckodonta Geyeri Bıtın.. . . — — + | = | = | = 
55. _ Eberhardi Bırın. + — | _ — — —a, | _—ı — 
56. Amphielinodonta liasina Bırrz. . Er | Seele — _ = | — | Zr — | = 


| 

Unter den aufgeführten Arten befindet sich eine grosse Anzahl, welche sowohl im unteren wie im 
mittleren Lias vorkommt. Zum Theil sind dies Formen, welche hauptsächlich dem unteren Lias angehören 
und nur in wenigen oder nicht sicher bestimmbaren Exemplaren vorhanden sind, dahin gehört Ter. punctata, 
T. efr. nimbata, Rhynch. cfv. latifrons, Rh. Greppini, Rh. polyptycha, Rh. Caroli, Spir. cfr. alpina, Spir. 
obtusa, Spir. angulata, Spir. Darwini, Koninckodonta Eberhardi, Amphiclinodonta liasina. Zu einem weiteren 
Theil sind es auch Formen, welche im Mittellias ihre Hauptentwicklung haben und aus dem unteren Lias 
nur spärlich bekannt sind, z. B. Ter. cerasulum, Ter. Aspasia, Waldh. Mariae, W. Sarthacensis, W. apeninica, 
Rh. Paolü, Rh. flabellum, Rh. Scherina, Spir. sicula. Wieder andere Formen finden sich sowohl im unteren 
wie im mittleren Lias häufiger: doch bleibt uns immerhin eine ganze Reihe von Formen, welche nur dem 
mittleren Lias angehören. Bevor ich auf diese, als die eigentlichen „Leitfossilien“ eingehe, muss ich eine 
kurze Bemerkung über die Fauna von Saltrio und Arzo machen. Ich habe schon vor einigen Jahren darauf 
hingewiesen, dass diese Brachiopodenfauna sehr viele unterliasische Formen enthält; daneben sind, wenn auch 
bedeutend in der Minderzahl, mittelliasische aufgezählt, wozu u. A. T. Adnethensis Surss gehört, welche 
bisher nur aus dem mittleren Lias bekannt geworden ist. Ich selbst habe im Museum von Pavia sowie in 
einer von Dr. Söstz gesammelten Collection nur unterliasische Arten gesehen; sollte da vielleicht eine Ver- 
mischung zweier Faunen durch den Sammler stattgefunden haben? Dergleichen ist ja nicht selten, habe 
ich doch selber in einer Collection vicentinischer Eocänfossilien Doggerbelemniten aus Franken gefunden! 
Bei Saltrio kommt nun auch sicher oberer Lias vor, wäre es da nicht wohl möglich, dass in dem rothen 
Kalk zwei Brachiopodenfaunen enthalten wären ? Ich muss einstweilen diese Fragen unentschieden lassen, 
doch habe ich in der Tabelle jedes Vorkommen im unteren und mittleren Lias, soweit es sich um Saltrio 
und Arzo handelt, stets als fraglich angegeben. 


Ueber die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den mittelliasischen Brachiopoden-Arten etc. 155 


Eine weitere Bemerkung verdienen die Faunen von Sospirolo und Set. Cassian. Man hat diese meistens 
als unteren Lias angesehen; im Allgemeinen fehlen dort jedoch die gewöhnlichen Formen des Hierlatzkalkes. 
Ein Theil des weissen Kalkes vom Piz Lavarella bei Set. Cassian ist aber sicher mittelliasisch; ich habe dort 
selber Zih. variabılis und Rh. Briseis in typischen Exemplaren gesammelt. Da nun die Fauna von Sospirolo 
fast ganz dieselben Arten aufweist wie die von Set. Cassian, so halte ich beide für mittelliasisch; die gleiche 
Anschauung hegt übrigens auch Canavarı. Nach dieser Abschweifung will ich zu der Aufzählung der für 
den Mittellias bezeichnenden Formen übergehen; es sind: Ter. Adnethensis, T, Gozzanensis, T. ovimontana, 
Waldh. numismalis, W. Furlana, Rh. variabilis, Rh. Briseis, Rh. Zitteli, Rh. Orsinii, Rh. Sordellü, Rh. frau- 
datriw, Rh. quinqueplicata, Rh. ptinoides, Rh. Glyeinna, Rh. serrata, Rh. Stoppanü, Rh. sejuncta, Rh. tri- 
quetra, Rh. Dalmasi, Spir. gryphoidea, Spir. segregata. Am häufigsten und an den meisten Localitäten, 
wenigstens der Nordalpen, vorkommend, sind 7. Adnethensis, T. Gozzanensis und Rh. variabilis, welche 
ausserdem sehr charakteristische Arten sind, und somit sich zu „Leitfossilien“ vortrefflich eigenen. Bei den 
beiden Hauptfundplätzen, Schafberg und Kramsach, der in dieser Arbeit beschriebenen Fauna ist ja ein Be- 
weis dafür, dass sie in den mittleren Lias gehören, unnöthig, weil dies bereits durch die Ammoniten gezeigt 
wird; aber die charakteristischen Brachiopoden sind als Leitfossilien desshalb wichtig, weil an den meisten 
ärmeren Localitäten Ammoniten selten oder gar nicht vorkommen und die Lamellibranchiaten sich kaum zur 
Altersbestimmung eienen. 


Ueber die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den mittelliasischen Brachiopoden-Arten 
und denjenigen älterer und jüngerer Schichten. 


Obgleich im folgenden Theil bei jeder Art darauf hingewiesen ist, welche andere ihr am nächsten 
steht, so ist eine Zusammenstellung von Formenreihen oder Sippen doch nicht überflüssig, da bei der grossen 
Anzahl der vorkommenden Arten nicht leicht eine Uebersicht gewonnen werden kann. Hierbei sind nun 
manche der von Rorupt£rz aufgestellten Reihen zu ergänzen oder zu berichtigen. Auch RoraprLerz’ System 
ist natürlich ein künstliches, da es sich nur auf äussere Formenähnlichkeit stützt; aber wie soll ein natürliches 
aufgestellt werden, da wir bei den meisten Arten das Innere nicht kennen? Nun findet sich allerdings bei 
den jurassischen Terebrateln und Waldheimien nur eine geringe Variabilität des Armgerüstes, und meistens 
lässt sich die Gestalt des Gerüstes aus der Gestalt des Gehäuses ableiten, es ist ja z.B. bekannt, dass die 
nucleaten Waldheimien ein bedeutend längeres und breiteres Gerüst haben als die uniplicaten oder eincten. 


Trotzdem ich die Mängel, welche dem System RorupL£rz’ vorgeworfen werden, sehr wohl erkenne, 
schliesse ich mich diesem doch an, weil es bisher, wenigstens für die Jura-Brachiopoden, das einzige prak- 
tische ist. Ich behalte also die grossen Gruppen bei und ändere nur an den Sippen, wo es nothwendig ist. 
Ausserdem will ich hier keineswegs ein allgemeines System aufstellen, sondern nur, wie schon der Titel dieses 
Abschnittes besagt, auf die Verwandtschaftsverhältnisse der mir vorliegenden mittelliasischen Brachiopoden 
hinweisen. 


Terebratula punctata Sow. und T. Salisburgensis mihi gehören in die Sippe der T. punctata, und 
finden in jüngeren Schichten ihre Verwandte in 7. Havesfieldiensis Dav. und T. trilineata Priwn. Auffallend 
ist jedoch die merkwürdig dünne Schale der 7. Salisburgensis, eine Schale, welche wir hauptsächlich in der 
Gruppe „Pygope“ beobachten. Trotzdem 7. sphenoidalis Mrx. nach Rorspuerz’ System in die Gruppe der 


156 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


„Cincten“ gehört, können wir sie doch nicht gut von 7. pumetata trennen, um so mehr als es nicht einmal 
sicher ist, ob sie nicht eine blosse Varietät der 7. pumectata darstellt. 

Zu der Sippe Ter. vitrea gehören T. ascia Gr. und T. gracikicostata mihi, doch dürfen wir nicht 
ausser Acht lassen, dass beide gestreift sind; sie sind desshalb wohl in eine Nebenreihe dieser Sippe zu 
bringen, falls es nicht angezeigt wäre für die gestreiften Terebrateln eine besondere Gruppe aufzustellen, 
welche sich als Gruppe der Striaten an die Gruppe der Costaten schliessen müsste; doch sind bisher zu 
wenige gestreifte Formen bekannt, als dass man Sippen für eine solche Gruppe schaffen könnte. 

Zur Gruppe der Cincten gehören 7. Adnethensis Surss, T. Erbaönsis Suzss und T. cerasulum Zırmr. 
Die beiden ersteren gehören einer Sippe an und haben im Dogger die T. laticora Orr. als nächste Formen- 
verwandte; vielleicht wäre es richtig die Triangwlus-Sippe als eine Nebenreihe der Adnethensis-Sippe zu 
betrachten, so dass der 7. Adnethensis Suess die 7. bilobata Zırr. beigeordnet würde. T. cerasulum hat 
ihre Verwandte im Dogger, nämlich T. Erycina Gemm., wobei ich mehr Gewicht auf die Gestalt des Schnabels 
als auf die kugelige Form des Gehäuses lege; nebengeordnet ist ihr im mittleren Lias 7. globulina Dav. 

Aus der Gruppe der Nucleaten haben zwei Sippen in unserem Material Vertreter. Der Nucleata- 
Sippe gehören T. Aspasia Mex. und T. cf. nimbata Opp. an; als Nebenreihe möchte ich die Vespertilio-Sippe 
abtrennen, welche sich durch den zungenförmig verlängerten Wulst der grossen Klappe auszeichnet; dahin 
gehören die mittelliasische 7. chrysilla Uur. und die T. vespertilio Bösz des unteren Doggers. Der Sphenoidea- 
Sippe sind 7. Gozzanensis und T. ovimontana zuzutheilen, welche im Dogger ihre Verwandte in 7. fylgia 
Orr. finden. 

Der Gruppe der Biplicaten ist 7. Schlosser mihi zuzutheilen; sie gehört in die Dorsoplana-Sippe 
und schliesst sich an 7. gregariaeformis Zug=m. im Rhät und 7. Euplasta Rot#pLerz im Dogger an. 

Unter den Waldheimien gehört W. Sarthacensis Desz. zur Sippe der W. elliptica der Gruppe der 
Uniplicaten. Zur Gruppe der Cincten gehören W. bicolor mihi und W. Mariae vD’Ore. und zwar beide zur 
Pentagonalis-Sippe. 

Zur Gruppe der Cornuten gehört eine ganze Reihe von Arten, und zwar zur Cornuta-Sippe: W. 
numismalis, W. submumismalis, W. mutabilis und W. T’hurwieseri mihi; zur Digona-Sippe: W. Waterhousi; 
diese Gruppe lässt sich schwer von derjenigen der Cincten trennen, weil bei den einzelnen Arten einete und 
cornute Varietäten vorkommen. 

Ebenfalls zur Gruppe der Nucleaten gehören mehrere Arten und zwar zur Impressa-Sippe: W. ape- 
ninica Zırr. und W. ovimontana mihi; zur Carinata-Sippe W. Fuggeri mihi. Eine weitere Sippe ist aufzu- 
stellen, dazu gehören W. Furlana Zırr. und W. oenana mihi, welche sich durch einen flachen, breiten Sinus 
der kleinen Klappe auszeichnen; vielleicht gehört auch W. Ewald: dazu. 

Bei den Rhynchonellen lässt sich RoTHPpLETZ Eintheilung kaum durchführen, wenn man nicht un- 
endlich viele Arten machen will. Semilaeves und Laeves kann man nicht trennen, weil an einer Art beide 
Berippungsweisen vorhanden sein können; gerade wie dies bei Spiriferina und Rhynchonellina der Fall ist. 
Vielleicht würde man am besten beide Gruppen zu einer Gruppe der Laeves-Semilaeves vereinigen und in 
dieser Sippen aufstellen. Zu dieser Gruppe haben wir nun eine ganze Reihe von Arten des Mittellias zu 
rechnen; nämlich zur Bipartita-Sippe: Rh. atlaeformis mihi, zur Acuta-Sippe: Rh. diptycha mihi und Rh. 
ptinoides vı Ser. Gar nicht unterzubringen sind Rh. Paolüi Can., Rh. Stachei mihi und Rh. altesinuata, 
Formen, welche einander nahe stehen. Zh. altesinuata liesse sich zur Noth an die Acuta-Sippe oder Triplicosa- 


Ueber die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den mittelliasischen Brachiopoden-Arten etc. 157 


Sippe anschliessen, je nachdem man die glatten oder die berippten Formen als Typus ansieht. Rh. Paolii 
ist jedoch sicherlich der Vertreter einer eigenen Sippe, zu welcher im mittleren Lias noch Rh. Stachei mihi 
und Rh. fraudatrix gehören; in der Trias hat sie ihren Vertreter in Rh. familiaris Bırıx. und Rh. Coulanti 
Bırın., im Dogger in Rh. brentoniaca Opp. R 

Sehr schwierig unterzubringen ist ferner der Formenkreis der Rh. Scherina Gemm. Dass ein Extrem 
dieser Gruppe die Ah. Stoppaniü Par., das andere aber Rh. pseudo-scherina mihi bildet, lässt sich kaum 
leugnen, weil diese Formen durch Rh. Glyeinna Gemm. und Rh. Scherina miteinander verbunden sind. Nach 
RoTHPLETZ' System aber ist Ah. Stoppanii zur Subundata-Sippe (Undata-Sippe RoturLerz), zu eben dieser 
auch Ah. margarıtati mihi zu stellen, Rh. Scherina Gemm. und Rh. pseudo-scherina mihi etwa zur Serrata- 
Sippe, und Rh. Glyeinna Gemm. findet überhaupt keinen Platz, wenn man sie nicht zu den Rimosen stellen 
will. In Wirklichkeit gehören aber diese Arten nebeneinander, da sie, wie im folgenden Theil auseinander 
gesetzt ist, durch Uebergänge miteinander verbunden sind. Die Gruppe der Rh. Scherina hat im unteren Lias 
ihre Vertreter in der Gruppe der Rh. Gümbeli Opp., wenigstens steht Rh. pseudo-scherina dieser Art sehr nahe. 

Uebrigens fehlt bei Rotuprerz in der Gruppe der Costaten mit seitlichen Areolen eine Sippe, bei 
welcher auf der kleinen Klappe ein deutlicher Wulst entwickelt ist; dahin gehören Rh. Biüseis, Rh. Zitteli 
und die von mir im Text citirte Form aus dem Lias von Ofterdingen; doch ist zu beachten, dass eine 
solche Sippe sich nur schwer von der Serrata-Sippe wird trennen lassen, da auch in dieser häufig ein un- 
deutlicher Wulst entwickelt ist. 

Rh. Greppini Orr. und Rh. polyptycha Orr. sind ebenfalls in die Serrata-Sippe einzureihen. 

Wiederum gar nicht unterbringen lassen sich Rh. flabellum Mex., Rh. Hagaviensis mihi und Rh. 
triquetra GEmM. Am besten würden sie sich wohl noch an Rh. Magni Rorkpı. anschliessen oder als be- 
sondere Sippe aufzufassen sein. In Wirklichkeit schliessen sie sich nahe an Rh. latifrons Stur und Rh. 
sublatifrons mihi an, trotzdem bei der ersteren die Lateralfelder fehlen und bei der letzteren diese sehr kurz 
sind. Ueberhaupt ist die Unterscheidung einer Untergruppe mit Areolen und einer ohne Areolen praktisch 
kaum durchzuführen, da zwischen Beiden Formen mit kurzen Areolen und solche mit mehr oder weniger 
langen Lateralfeldern stehen; ja es können sogar bei einer einzigen Art diese Verhältnisse sehr stark wechseln. 
RorHrLeErz hilft sich dadurch, dass er die kurzen Areolen, wie z. B. die der Rh. belemmitica ganz unbe- 
achtet lässt. 


Ich habe diese Bemerkungen hier nur gemacht, um zu rechtfertigen, dass ich in Beziehung auf die 
Eintheilung der Rhynchonellen ganz darauf verzichten muss, die in dieser Arbeit beschriebenen Arten in dem 
System ROTHPLETZ’ unterzubringen; erst sobald dieses System viel mehr Formen umfassen und bedeutend 
erweitert sein wird, wird sich eine Systematik der jurassischen Rhynchonellen durchführen lassen. Ich 
begnüge mich desshalb damit, hier kurz auf die Verwandten der uns vorliegenden Rhynchonellen, soweit 
sie bekannt sind, hinzuweisen. 

Rh. variabilis Schtota. schliesst sich nach unten an Rh. belemnitica Qu. und Rh. sp. innom. ex aft. 
varlabılis SCHLOTH. (BITTNER, Brach. des alpinen Trias 1890, p. 264, Taf. 127, Fig. 26) an, welche letztere 
Art sich der Ah. belenmitica viel mehr nähert als der Rh. variabilis ScaLor#. Im Dogger finden wir eine 
nahe Verwandte in der Rh. Vigilii Lers. Rh. Briseis Grmm. und Rh. Zitteli Gemm. sind wohl ebenfalls als 
nahe Verwandte der Rh. variabilis ScHLoTH. aufzufassen, nähern sich jedoch schon mehr der Rh. Fraasi Opr. 
Vertreter dieser Reihe im Dogger sind mir nicht bekannt. 


158 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Rh. Zugmayeri Gsmm., welche auch im unteren Lias vorkommt, darf wohl als Vorläuferin der Rh. 
prava Rorupr. angesehen werden. Rh. Sancti Hilarii mihi ist als Verwandte des Rh. concinna Sow. auf- 
zufassen, schliesst sich aber andererseits auch an Rh. plicatissima Qu. an. In die Reihe der Rh. coneinna Sow. 
gehört auch Rh. Sordellü; Rh. subdiscoidalis mihi und Rh. subpeetiniformis mihi dürften ebenfalls hierher 
gehören, sie schliessen sich in der Gestalt an die flache Varietät der Ah. Vilsensis Orr. an. Rh. fraudatris 
mihi, Rh. Paolii Can. und Rh. Stachei mihi schliessen sich an die triadische Rh. Coulanti Bırry. und Rh. 
familiaris Birrn. an, sie haben im Dogger die Rh. brentoniaca als Verwandte; im unteren Lias findet sich 
Rh. Paolii Cax. selbst und eine nahestehende Art, ausserdem ist Ah. laevicosta Stur formverwandt. Rh. 
subeostellata Gemm. ist innig verknüpft mit Rh. plicatissima Qu., doch ist mir aus dem Dogger keine 
nähere Verwandte als Rh. mutans Rorupr. und Rh. pugilla Rorupr. bekannt. Rh. latifrons Stur, Rh. sub- 
latifrons mihi, Rh. flabellum Men. gehören einer Formenreihe an, welche sich fast in allen Stufen des Jura 
findet, doch sind nur wenige dieser Formen aus höheren Schichten beschrieben worden; sicherlich gehört 
hierher Rh. Bösei Borro-MıccaA aus dem Unteroolith. 

Die Verwandtschaftsverhältnisse der Rh. Greppini Opr. und Rh. polyptycha Orr. sind bereits bei 
GeEyER und Roruprerz ausführlich behandelt worden, aus der Trias sind mir keine ähnlichen Formen be- 
kannt, mit Ausnahme vielleicht der Rh. Fuggeri Bırıy., welche der Rh. Fraasi Orr. verwandt ist, diese 
aber ist eng verbunden mit den beiden vorher erwähnten Arten des Hierlatzkalkes. Diese Formen treten 
auch, wie hier gezeigt worden, im mittleren Lias auf; auf die nahe Verwandtschaft mit Rh. serrata hat 
Rorseuerz bereits hingewiesen. 

Rh. quinqueplicata Zier. findet in der Trias ihre Verwandte in der Rh. austriaca Suzss, im Dogger 
und oberen Jura sind verschiedene Vertreter dieser Sippe vorhanden. Eine grössere Anzahl von Formen 
umfasst die Gruppe der Rh. Glyeinna; die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Rh. Glycinna Gemm., Rh. 
pseudo-scherina mihi, Rh. Scherina Gemm., Rh. Stoppanüi Par. und Rh. margaritati mihi sind im beschreibenden 
Theile bereits ausführlicher besprochen worden. Rh. margaritati mihi findet ihre Verwandte in der Rh. 
subundata Rortzer. des unteren Lias; der Rh. pseudo-scherina mihi steht die Rh. Gümbeli Oprsn und der 
Rh. Glyeinna die Rh. forticostata BorckH nahe; nahe Verwandte aus der Trias sind mir nicht bekannt, eine 
oberflächliche Aehnlichkeit besteht zwischen den besprochenen Formen und der Rh. alteplecta BoEcKkH aus 
- dem Muschelkalk, ferner ist etwa eine Varietät der Rh. Concordiae Brrrx. aus dem Dachsteinkalk anzuführen. 
Aeusserlich würden sich einige Halorellenarten der Rh. pseudo-scherina nähern, aber der Cruralapparat sowie 
die Schnabelbildung sind verschieden. 

Rh. margaritati mihi leitet über zur Gruppe der Rh. altesinuata mihi. Diese umfasst Eh. atlae- 
formis mihi, Rh. altesinuata mihi, Rh. diptycha mihi und vielleicht noch Rh. ptinoides pı Ster., d. h. glatte 
Formen, welche zuweilen an der Stirn Falten haben, die man jedoch nicht als Rippen bezeichnen kann. Im 
mittleren Lias ist die Rh. Mariottüi Zırr. der Rh. diptycha mihi nahestehend. In der Trias sind ähnliche 
Formen nicht sehr selten, so gehört z. B. schon Rh. trinodosi Bırry. aus dem Muschelkalk hierher; diese 
Reihe repräsentirt die Formen mit regelmässiger Faltenbildung, auf der andern Seite aber ist den glatten 
Formen kaum eine triadische Art sehr nahestehend, allenfalls könnte man Rh. angulifrons Brrrn. und Rh. 
assoeiata Bırrs. aus dem Hallstätterkalk zum Vergleich heranziehen. Dagegen finden wir in höheren Schichten 
sehr ähnliche Formen und zwar ist von Rh. atlaeformis mihi die Rh. Atla Orr. kaum zu unterscheiden; an 
Rh. diptycha schliesst sich Rh. cynocephala BucH. aus dem unteren Dogger an. B 


Ueber die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den mittelliasischen Brachiopoden-Arten etc. 159 


Eine ganz isolirt dastehende Form ist die Rh. sejuneta mihi; verwandte Formen in tieferen oder 
höheren Schichten sind mir nicht bekannt. 

Rh. triquetra Gem. und Rh. Hagaviensis mihi gehören einer Gruppe an, welche im unteren Lias 
vielleicht durch Rh. palmata Opp. vertreten wird; nahestehende triadische Arten sind mir nicht bekannt. 
Aus alpinem Dogger liegt mir dagegen eine noch unbeschriebene Species vor, welche der Rh. Hagaviensis 
recht nahe steht. 

Rh. Caroli Gemm. und Rh. Dalmasi Dum. gehören zur Gruppe der Rh. retusifrons Opp.; diese Reihe 
hat in der Trias einen typischen Vertreter: die Ah. misella aus dem Hallstätter Kalk. Auch in höheren 
Schichten finden sich verwandte Formen, so z. B. im Dogger die Rh. Etalloni Opr. 

Von der Gruppe der Fr. inversa Orr. scheint in der Trias keine berippte Form bekannt zu sein, 
da die von RorTHpLETZz mit Rh. inversa verglichene Rh. retrocita Svess nach Birtser ein Terebratulide 
(Nucleatula) ist. Dagegen ist die im Text als RA. nov. sp. beschriebene Form, welche zur Gruppe der 
glatten nucleaten Formen gehört, nahe verwandt mit einer Reihe von triadischen Formen, ganz besonders 
mit Rh. Serajevana Bırry. aus dem Hallstätter Kalk von Bosnien. In höheren Schichten finden wir Ver- 
wandte von beiden Formenkreisen der nucleaten Rhynchonellen; im Dogger z. B. Rh. micula Orr. und Rh. 
supinifrons Rorupr., Rh. retrosinuata Vao., Rh. Benacensis RoturL. 

Aus der Gruppe der Rimosen,- zu welcher auch Rh. subfureillata mihi gehört, hat bereits Roturuerz 
zahlreiche Arten aufgeführt, so dass weitere Bemerkungen über diese Gruppe kaum nöthig sind; erwähnen 
will ich jedoch, dass man, wenn man rein künstlich abtheilen wollte, auch Rh. Glyeinna und Rh. Scherina 
hierherziehen müsste. Diese Formen sind jedoch mit Rh. pseudo-scherina etc. so nahe verwandt, dass man sie 
von diesen Arten nicht zu Gunsten eines Eintheilungsprinzips loslösen und in eine andere Gruppe stellen kann. 

Es bliebe uns nun noch übrig die Verwandtschaftsverhältnisse der Spiriferinen und der Koninckiniden 
zu besprechen. Leider kennen wir aber von dem inneren Bau der meisten Spiriferinen so gut wie nichts, so 
dass ich es heute für unmöglich halte, einigermaassen richtige Sippen zusammenzustellen. Im Uebrigen ist über 
die meisten der im Text beschriebenen Arten schon Vieles durch GEYER und Rorupr£rz beigebracht worden. 

Die Koninckiniden sind von BiTTner so genau untersucht worden, dass ich mich auf die im folgenden 
Theil gemachten Bemerkungen beschränken kann. 

Sehr auffallend ist der Umstand, dass eine grosse Reihe von Formen des mittleren Lias ganz ähnlich 
solchen des mittleren Doggers ist, ja manchmal sind die Brachiopoden der beiden Horizonte fast gar nicht 
zu unterscheiden, wie z. B. Kih. atla und Rh. atlaeformis. Dieses Verhältniss ist um so merkwürdiger, 
als vermittelnde Formen im unteren Dogger im Allgemeinen nicht bekannt sind. Dabei ist die Aehnlichkeit 
z. B. zwischen einer Reihe von Formen der Klausalp mit solchen des Schafberges so frappant, dass man 
zuweilen glauben möchte, es lägen falsche Fundortsangaben vor, wenn nicht die Aufsammlungen von der 
Klausalp und vom Schafberg beide sehr sorgfältig ausgeführt und die meisten Arten nicht auch von anderen 
Orten bekannt geworden wären. Diese ähnlichen Arten sind durchaus nicht indifferente Formen von langer 
Lebensdauer, sondern charakteristische Gestalten, wie Rh. Paolii, Rh. Stachei, Rh. atlaeformis, T. Adenthensis, 
T. Gozzamensis etc. Man sollte Mittelformen um so eher für bekannt halten, als ja die Brachiopodenfauna 
des unteren Doggers viel artenreicher als die des mittleren ist. In Wirklichkeit fehlen jedoch solche Mittel- 
formen vollkommen. 


Palaeontologischer Theil. 


— 


. Veber die mittelliasischen Brachiopoden der östlichen Nordalpen. 


Terebratula Krem. 


Terebratula punctata Sowerer. — 12 Exempl. 


1884. Terebratula punctata Paroxa, I brachiop. di Saltıio e Arzo etc. p. 249, Taf. III, Fig. 16—25, Taf. IV, Fig. 1—14 
(17, 18, 19?; non 15, 16). 


1889. — — GEYER, Ueber die lias. Brachiopoden des Hierlatz (Abh. der k. k. geolog. Reichsanstalt) 
p- 111, Fig. 1—3, 6—10, 12—16 cum syn. 
1392. _ —  Bösrz, Die Fauna der lias. Brachiopodenschichten bei Hindelang (Jahrb. der k. k. geol. 


Reichsanstalt), p. 632, Taf. XIV, Fig. 4, 5. 


Von dieser Art liegt mir, ausser einigen Exemplaren des Typus und der Varietät Andleri Orr. die 
Varietät ovatissima QuExst. vor, allerdings in sehr mangelhaft erhaltenen Exemplaren. Ferner fand sich 
bei Kramsach ein Stück, welches auffallend mit der von Parona (l. e.) Taf. 3, Fig. 24 abgebildeten Form 
übereinstimmt. Beide Schalen sind ziemlich stark gewölbt, sie berühren sich, sowohl auf den Seiten wie an 
der Stirn, unter einem sehr stumpfen Winkel; in der Stirnregion treten kräftige Anwachsstreifen auf. Der 
Schnabel hat deutliche Kanten; in der Schlossregion liegt die Commissur in einer Einsenkung, so dass eine 
Art von Areole entsteht. 

Auffallend ist, dass 7. pumctata Sow. im mittleren Lias der Nordostalpen äusserst selten vorkommt, 
während sie doch in der Hierlatzfacies des unteren Lias dominirt. Vielleicht ist 7. punctata die Stammform 
für mehrere Arten des Mittellias, welche weiter verbreitet und durch eine grössere Anzahl von Individuen 
vertreten sind, während der Typus sich nur noch in wenigen Nachkommen erhielt. 


Fundorte: Mariathal und Hilariberg bei Rattenberg; Vorderthiersee bei Kufstein; Hinterschafberg 


bei Ischl, Münichsee. 


Terebratula sphenoidalis (Mey.) Cavavarı. — 3 Exempl. 


1880. Terebratula sphenoidalis (Mex.) Cawavarı, I brach. d. strati a T. Aspasia Me. nell’ Apennino centrale (Mem, 
R. Accad. dei Lincei Roma), p. 14, Taf. I, Fig. 5, 6. 


Die drei vorliegenden Exemplare zeigen einen ovalen Umriss, in einer Ebene liegende Commissuren, 
ziemlich gleichmässig gewölbte Klappen, eine stärkere Aufwölbung in der Wirbelgegend der kleinen Klappe 
und einen sehr kleinen Schnabel, der keine Kanten aufweist. Durch diese Eigenschaften nähern sie sich 
der T. sphenoidalis (Mxn.) CavAvarı so sehr, dass eine Identität beider Formen ziemlich sicher ist. Anderer- 
seits muss allerdings bemerkt werden, dass man diese Art kaum von jugendlichen Exemplaren der 7. punetata 


Terebratula Adnethensis Suess. 161 


Sow. unterscheiden kann, so dass ihre Selbständigkeit nicht ganz ausser Zweifel steht. Was GEMMELLARO ! 
und Pırona° als 7. sphenoidalis Mex. abbilden gehört zu ganz anderen Formen; ich stütze mich auf die 
Abbildungen Canavarr's, weil diesem die Originale Mexecninr's vorlagen (siehe auch 7. orimontana mihi). 


Fundorte: Oberer Burgaugraben am Attersee; Grünsee am Schafberg. 


Terebratula cerasulum Zırrer. — (Ca. 50 Exempl. 


1869. Terebratula cerasulum Zırtet, Geol. Beobachtungen aus den Centralapenninen (Geognostisch-palaeontologische 


Beiträge, herausgegeben von Benxecke 11°), p. 125, Taf. 14, Fig. 5, 6. 


1894, — —  .Fucısı, Fauna dei Calcari bianchi ceroidi con Phylloceras cylindricum del Mte. Pisano 
(Atti Soc. tosc. di Scienze nat.), p. 72, Taf. VII, Fig. 17. 
1894. = —_ PHiLıppson und Sıeıyuann, Ueber das Auftreten von Lias in Epirus (Zeitschrift der 


Deutschen geologischen Gesellschaft), p. 124, Taf. XI, Fig. 6. 


Diese kleine charakteristische Art ist durch zahlreiche Exemplare vertreten. Sie weisen den cha- 
rakteristischen Schnabel auf, welcher vollkommen auf die kleine Klappe herabgebogen ist, so dass das Foramen 
verdeckt wird. Die Stirnlinie ist bei einem grösseren Exemplar etwas gegen die Klappe eingekrümmt. Die 
kleine Schale ist bedeutend schwächer gewölbt als die grosse und zeigt am Wirbel eine kleine Aufblähung. 

Vom Grünsee (Schafberg) liegen mir einige Blöcke rothen Kalkes vor, welche grössere Mengen von 
typischen Exemplaren der 7. cerasulum enthalten; dies ist bisher der einzige bekannte reichere Fundplatz. 

T. cerasulum kommt nach Fucısı schon im unteren Lias Italiens vor; nach seinen Abbildungen liegt 
ihm thatsächlich entweder die ächte 7. cerasulum oder eine nahe verwandte Art vor. Auch in jüngeren 
Schichten finden sich ähnliche Arten; so beschreibt z. B. GEMMELLARO® eine 7. Erycina, welche in der Ge- 
stalt und in der Schnabelbildung der 7. cerasulum äusserst nahe steht; als Unterschiede sind hervorzuheben 
die bedeutend grössere Gestalt, die weniger starke Wölbung der grossen Klappe, womit die weniger kugelige 
Form zusammenhängt, und der kleinere Schnabel der 7. Erycina; diese Art wurde aus dem mittleren Dosger 
(Schichten mit Posidonomya alpina Gras) beschrieben. 


Fundorte: Grünsee am Schafberg; oberer Burgaugraben am Attersee. 


Terebratula Adnethensis Surss. — Mehrere 100 Exempl. 
Taf. XI, Fig. 1—6, 9. 


1855. Terebratula Adnethensis Suess, Die Brachiopoden der Hallstätter Schichten (Denkschrift der K. Academie 
Wien, Bd. IX), p. 31. 


1858. — prumus Storpans, Studij geologici e paleontol. sulla Lombardia. Appendice, p. 405 (nach ParonA). 

1869. — adnethica GÜNBEL, Geognostische Beschreibung des bayerischen Alpengebirges, p. 171. 

1884. _ _ Haus, Beiträge zur Kenntniss der liasischen Brachiopodenfauna von Südtirol und Venetien, 
p- 23, Taf. 3, Fig. 2. 

1884. _ _ PAronA, I brachiop. di Saltrio e Arzo etc. p, 252, Taf. 5, Fig. 3—6. 


! GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liassiche 1874, p. 62, Taf. X, Fig. 16—19. 
® Parona, Revisione della Fauna liasica di Gozzano 1892, p. 41, Taf. II, Fig. 13. 
® GEMMELLARO, Sopra aleune faune giuresi e liasiche della Sicilia 1874, p. 152, Taf. XX, Fig. 8, 9. 


Palaeontographica. Bd. XLIV. al 


162 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfanna der östlichen Nordalpen. 


Diese Art kommt bei Rattenberg nur in wenigen Exemplaren vor, abundirt jedoch am Schafberg. 
Da eine genaue Beschreibung bisher nicht existirt, gebe ich hier eine solche, um so mehr als die Species 
einen grossen Formenreichthum aufweist, und in meinem Material alle Altersstadien vertreten sind. 
Umriss: breit dreiseitig bis hoch dreiseitig, die Stirnseite ist zuweilen in einem 
I 1 Bogen mit grossem, zuweilen in einem solchen mit kleinem Radius ge- 
krümmt, manchmal ist die Form gegen den Schnabel hin flaschenhals- 
artig ausgezogen. 
Commissur: auf der Seite mehr oder weniger stark geschweift, an der Stirn 
gerade oder gegen die kleine Klappe schwach eingekrümmt. 
Grosse Klappe: kräftig gewölbt bis ziemlich flach, die stärkste Krümmung 
liegt in oder etwas über der Schalenmitte. Sinus oder Wulst fehlen. 
Kleine Klappe: flach bis mässig gewölbt, die stärkste Krümmung liegt über 
der Schalenmitte; zuweilen zeigt sich eine Aufblähung am Wirbel. Wulst 
Brachialapparat von oder Sinus fehlen. 
NETTER AUNEIODERS: Areolen: zuweilen vorhanden, häufiger sind solche Stücke, bei denen sie fehlen; 
nicht selten sind Lateralfelder vorhanden. 

Schnabel: kräftig aber schmal, nicht sehr hoch, stark gekrümmt und auf die kleine Klappe herabgezogen, 
so dass das Deltidium fast ganz oder vollständig verdeckt ist. Das Foramen ist gross und rund. 
Innere Merkmale: Zahnstützen der grossen Klappe und Medianseptum der kleinen fehlen; das Armgerüst ist 

die gewöhnliche, kurze Terebratelschleife. 


Wie bereits bemerkt variirt die Art ausserordentlich, so auch besonders in der Weise, wie die Schalen 
aneinander stossen; zuweilen ist der Winkel stumpf, dies geht so weit, dass die Schalen unter mehr als 
180° zusammenkommen, so dass sie eingebogen erscheinen, wie dies besonders auch bei 7. Erbaönsis SuEss 
vorkommt. Ferner sind die Gehäuse oft hoch und flach, hoch und dick, breit und flach, breit und dick. 
Um derartige Variationen in den Grössenverhältnissen übersichtlich darzustellen, gebe ich hier einige Maasse: 

I DI TTV EV, al ne NAT IDX x 
Höhe: 41,7 46,7 34,9 40,0 34,0 44,9 43,0 35,0 37,2 36,3 mm. 
Breite: 43,7 45,3 35,8 37,7 33,7 36,17 32,8 833,7 30,8 40,2 
Dicke: 26,0 27,0 24,5 205 16,0 184 20,9 16,0 22,5 245 

Diese Tabelle gibt natürlich nur eine kleine Reihe der in Wirklichkeit vorhandenen Varietäten und 
kann auch nicht ausdrücken, wie der Umriss in anderer Hinsicht wechselt. Ein solches Variiren findet vor- 
zugsweise im oberen Drittel des Gehäuses statt, welches bald flaschenhalsartig zusammengedrückt, bald breit ist. 


” 


” 


Eine ganz eigenartige Varietät fand sich unter dem Material von Rattenberg, leider aber nur in 
einem einzigen Exemplar, Immerhin ist das Stück so abweichend gestaltet, dass ich eine besondere Be- 
schreibung davon zu geben nicht unterlassen kann: 


Umriss: breit dreiseitig, die Breite ist fast doppelt so gross wie die Höhe. 

Commissur: an den Seiten geschwungen, an der Stirn gerade, die Seiten weisen tiefe Areolen auf. 
Grosse Klappe: ziemlich gewölbt. 

Kleine Klappe: weniger gewölbt als die grosse. 


L- 


Terebratula Adnethensis Stuess. 163 


Schnabel: nicht vollständig erhalten, doch, wie man aus dem Rest sehen kann, kräftig und mit zwei Kanten 
versehen, welche sich bis zur Stirn herabziehen. 

Innere Merkmale: unbekannt. 

Dimensionen: Höhe 15 mm, Breite 20,4 mm, Dicke 9,5 mm. 

Dass die Varietät wirklich zu 7. Adnethensis zu stellen ist, beweist der Umstand, dass sie in allen 
Einzelheiten mit Ausnahme des Umrisses gut mit dieser Art übereinstimmt; übrigens sind uns ja auch ähnliche 
Variationen der 7. triangulus und T. diphya bekamnt. 

T, Adnethensis wurde von Suess in seiner Arbeit über die Brachiopoden der Hallstätter Schichten 
aufgestellt und zwar gelegentlich der Beschreibung der Rhynchonella longicollis. Im Schlussabsatz vergleicht 
er diese mit anderen Arten und bemerkt an jener Stelle: „..... und endlich erinnere ich an die merk- 
würdige Terebratula, in welcher ich einst irrthümlich eine blosse Missgestaltung von 7. diphiya vermuthete 
(Sitzungsbericht der k. Acad. VII, Taf. XXXI, Fig. 18, 19), die ich jedoch jetzt, nachdem mir ein zweites 
Exemplar aus dem Lias von Adneth zugekommen ist, für eine selbständige Art halte und 7. Adnethensis 
nenne.“ Die Art, auf welche Suzss hier anspielt, ist aber 7. Brbaönsis Suess!, so dass er diese für identisch 
mit 7. Adnethensis hält. 1858 gab Sropranı der mittelliasischen Art den Namen 7. prumus (nach PArona). 
1861 führte GÜMBEL sie unter dem Namen 7. adnethica auf, in welcher Namengebung ihm Zırreu 1869 
(l. e.), Parona und Haas 1884 (l. c.), Rorteprerz 1886 (Vilser Alpen, p. 28, 73, 78) folgten; letzterer setzt 
aber als Autornamen „GÜmßEL“ hinzu. Die Stelle bei Surss scheint sehr wenig bekannt zu sein, da sie 
meines Wissens bisher niemals eitirt wurde; alle Autoren berufen sich vielmehr auf Gümgen. Da kein Grund 
besteht, den ursprünglichen Namen 7‘. Adnethensis in T. adnethica umzuwandeln, so führe ich die Art hier 
wieder unter dem richtigen Namen auf, welcher übrigens auch nicht, wie Parona (l. c.) meint, jünger als 
der von Srtoppanı gegebene (7. prumaus) ist. 


Was nun die 7. Erbaönsis Surss betrifft, so lässt sich diese Art nur äusserst schwer von T. Adne- 
thensis unterscheiden; in dem grossen mir vorliegenden Material sind alle Uebergänge zwischen den beiden 
Arten vorhanden, so dass man vielleicht gut thäte zu der ursprünglichen Anschauung Suess’ zurückzukehren, 
und 7. Erbaönsis etwa als Varietät von 7. Adnethensis aufzufassen. 

T. Adnethensis ist nahe verwandt mit 7. Euganeensis Pıcrter?, welche sich hauptsächlich durch die 
Gestalt des Schnabels, sowie die Einschnürung der Stirn unterscheidet; doch ist zu bemerken, dass ähnliche 
Verhältnisse der Schnabelregion auch bei jungen Exemplaren der 7. Adnethensis vorkommen. Ferner ähneln 
manche der jugendlichen Individuen der vorliegenden Art auffallend der 7. gerda Orp., wesshalb RoTHPLETZ 
(Vilser Alpen, p. 7, 8) solche jungen Exemplare als 7. n. sp. aft. gerda Opp. aufführt. 

Auch in älteren Schichten kommen Formen vor, welche der 7. Adnethensis sehr nahe stehen, dahin 
gehört z. B. T. Bittneri GEYER?, welche möglicherweise als Vorfahre unserer Art aufzufassen ist. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Rothe Wand bei Vallepp, Ramsau, Fagstein, Kammerkihr 
(Steinplatte), Hinterschafberg, Oberer Burgaugraben am Attersee, Nordwand bei Hotel Schafberg, Ostwand 
bei Hotel Schafberg, Grünsee, Feuchteneck, Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzensee, 


* Zırret, Geol. Beobachtungen aus den Central-Apenninen 1886, p. 135, Taf. 15, Fig. 5—10. 

2 Pıorer, Melanges paleontologiques 1863—1868, III. Etudes mon. des Terebr. de la groupe de la T. diphya, p. 182, 
Taf. 34, Fie. 5—10. 

® Geyer, Lias. Brachiopoden des Hierlatz, p. 11, Taf. I, Fig. 36; Taf. II, Fig. 1—2. 


164 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Terebratula Erbaönsis Suess. — 3 Exempl. 


1567. Terebratula Erbaönsis Pıcıer, Melanges pal&ontologiques IH. Etudes monogr. des Terebratules de la groupe 
de la 7. diphya, p. 184, Taf. 33, Fig. 8. 
1869. _ E= Zırıev, Geol. Beobachtungen aus den Central-Apenninen, p. 135, Taf. 15, Fig. 5—10. 
1867—81. — — MexzsHint, Mon. des Fossiles du calcaire rouge ammonitique (Lias superieur) de Lom- 
bardie et de l’Apennin central (in Stopranı Paleontologie lombarde IV), p. 165, Taf. 
XXIX, Fig. 6—8. 
Mir liegen drei typische Exemplare vor; sie lassen sich durch die seitlich comprimirte, langhalsige 
Form von der nahestehenden 7. Adnethensis Swess unterscheiden. Ob nun die drei Exemplare thatsächlich 
aus dem mittleren Lias stammen, lässt sich nicht mit Sicherheit nachweisen; sie wurden zusammen mit den 
meisten übrigen Fossilien des Fagsteins von einem früheren Präparator des Münchener Museums gesammelt. 
Das Gestein unterscheidet sich etwas von demjenigen, aus welchem z. B. T. Adnethensis stammt. 
Fundort: Fagstein bei Berchtesgaden. 


Terebratula Salisburgensis nov. sp. — 7 Exempl. 
MafoxT, Bio Te 
Eine schöne, grosse Art, welche in einigen wohlerhaltenen Gehäusen vorliegt, liess sich mit keiner 
bekannten Species vereinigen. Die Formenverhältnisse sind folgende: 

Umriss: hochoval. 

Commissur: auf der Seite gerade, an der Stirn durch zwei laterale Knickungen gegen die kleine Schale 
gehoben. 

Grosse Klappe: kräftig gewölbt, in einer medianen, ziemlich breiten Fläche fast eben, von dort ab nach den 
Seiten hin steil abfallend. 

Kleine Klappe: weniger gewölbt als die grosse; auch hier findet sich eine mediane, ebenere Fläche, welche, 
vom Wirbel ausgehend, sich zur Stirn hinabzieht und dort die Breite des zwischen den Knickungs- 
stellen liegenden Theiles der Stirnlinie einnimmt; von dieser Fläche fällt die Schale gegen die Seiten 
steil ab. > 

Anwachsstreifen:: kräftig, besonders in der Stirnregion. 

Areolen: fehlen. 

Schnabel: gross, kräftig, stark gekrümmt, ohne Schnabelkanten. Deltidium verdeckt, Foramen gross und rund. 

Innere Merkmale: bei einem zersprungenen Exemplare zeigte sich eine grosse Terebratelschleife. 

I u 
Dimensionen: Elohee 2 25 a7.6Emm: 
Breiter 12 s2 7 ale 
Dicker syn 5 DDr 
Von T. Gozzanensis Par. unterscheidet sich unsere Art durch die Gestaltung der kleinen Klappe 
sowie des Stirnrandes, durch dieselben Merkmale auch von 7. punctata Sow. Am nächsten stehen 7. trr- 
lineata Youxe and Bırp! und 7. Havesfieldiensis Dav.”, von denen sich unsere Art durch den kleinen Schnabel 


! Davıpsox, Mon. of fossil Brachiopoda 1876, Bd. IV, p. 128, Taf. XVI, Fie. 1, 2; Bd. I 1851, Taf. VII, Fig. 6, 7. 
2 Davınson, 1. c. Bd. IV, p. 132, Taf. XVI, Fig. 3—5. 


Terebratula Gozzanensis PARONA. 165 


sowie den weniger elliptischen Umriss unterscheidet; übrigens hat 7. Havesfieldiensis auch scharfe Schnabel- 
kanten. Diese letztere Art möchte ich nicht wie Davınsox als Varietät der 7. pimetata auffassen, sondern 
als eigene Art, da sie sich gut durch die Gestalt der kleinen Klappe, sowie der Stirnlinie unterscheidet. 


Fundort: Hinterschafberg. 


Terebratula Gozzanensis Parona. — Mehrere 100 Exempl. 
Taf. XI, Fig. 8, 10—12. 
1880. Terebratula Gozzanensis Parona, Il calcare liassico di Gozzano e i suoi fossili (R. Accad. dei Lincei), p. 12, 
Taf. I, Fig. 8. 
— Sismondai idem, p. 13, Taf. I, Fig. 9. 


1834. —_ Gozzanensis ParoxA, I brachiopodi liassiei di Saltrio e Arzo (R. Accad. dei Lincei), p. 252, Taf. V, 
Fig. 12. 
1392. —_ = ParoxA, Revisione della fauna liassica di Gozzano (R. Accad. dei Lincei di Torino), 


p. 42, Taf. II, Fig. 14—17. 


Diese von ParonAa beschriebene, wohl charakterisirte Art findet sich bei Kramsach in einigen 
Exemplaren, welche vollkommen mit denjenigen von Gozzano übereinstimmen. Die kleineren Formen stehen 
derjenigen Varietät, welche Paroxa früher als 7. Sismondai abtrennte, sehr nahe, die grössere bildet den 
Uebergang zum Typus der Art. Die feinen, weit stehenden radialen Streifen sind auf sämmtlichen Stücken 
nd zwar sowohl auf der Schale wie auf dem Steinkern sichtbar. 


Am Schafberg ist 7. Gozzanensis sehr häufig, doch sind seltener ganz vollständig erhaltene Stücke 
zu finden; auch ist die Streifung meistens nicht so deutlich sichtbar wie an den von Kramsach stammenden 
Exemplaren, was mit der schlecht erhaltenen Schalenoberfläche zusammenhängt. 


Immerhin aber lässt sich durch die grosse Anzahl von Individuen eine noch Fig. 2. 
grössere Variabilität der Art erkennen, als aus den Abbildungen und Beschrei- 
bungen Parona’s zu entnehmen ist. Nicht nur wechselt der Umriss zwischen N 


subpentagonal und suborbicular, sondern auch Stirnlinie und Seitencommissuren 
sind in ihrer Gestalt veränderlich. An einigen Exemplaren ist die Stirneommissur 
in einfacher Curve gegen die grosse Klappe eingesenkt, bei anderen wird diese 


: Se 3 ur Brachialapparat von 
Einsenkung durch scharfe seitliche Knickungen hervorgebracht. Bei jungen In- 


Terebratula Gozzanensis. 
dividuen ist die Einsenkung zuweilen nur angedeutet, zuweilen aber auch sehr 


deutlich; selbstverständlich wechselt auch in allen Stadien die Tiefe der Einsenkung. Die Seitencommissuren 
sind vielfach geschweift, in anderen Fällen aber ganz gerade. Unter den jungen Individuen finden sich auch 
ganz flache Gehäuse mit kreisförmigem oder querelliptischem Umriss, welche man fast zu eimer anderen 
Species stellen möchte, wenn sich nicht alle Uebergänge zum Typus fänden. 


T. Gozzanensis Par. schliesst sich nahe an 7. F'ylgia Opr.! aus dem mittleren Dogger der Klaus- 
schichten an, so nahe, dass sich manche Stücke der beiden Arten kaum von einander unterscheiden lassen. 
Verschieden ist hauptsächlich der Schnabel, welcher bei 7. Fylgia weiter vorgezogen und schlanker ist, auch 


! Orrer, Ueber das Vorkommen von jurassischen Posidonomyengesteinen in den Alpen 1863 (Zeitschr. der Deutschen 
geologischen Gesellschaft), p. 205, Taf. V, Fig. 5, 4. 


166 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


kräftigere Kanten besitzt, ausserdem neigt diese Art mehr zu einem dreiseitigen Umriss; auch hat sie im 
Allgemeinen bedeutend geringere Grösse. 


Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Hinterschafberg, oberer Burgaugraben, Grünsee, Höhe zwischen 
Feuchteneck und Schwarzensee, Feuchteneck '/« Stunde von Schwarzensee, Ostwand bei Hotel Schafberg. 


Terebratula ascia Gırarp. — Mehrere 100 Exempl. 
Taf. XII, Fig. 3—8, 10—13. 
1843. Terebratula ascia GirarD, Briefliche Mittheilung im Neuen Jahrb. für Min. p. 479, Taf. II, Fig. 5. 


In Uebereinstimmung mit ScHLosser beziehe ich den Namen 7. ascia auf eine bei Kramsach in 
grossen Mengen vorkommende Form. Ist auch Beschreibung und Abbildung bei GırRArD äusserst mangelhaft, 
so lässt sich doch aus einzelnen Angaben über die Commissur, Wölbungsverhältnisse ete., sowie die Aufführung 
des Fundortes Schwaz schliessen, dass unsere Form mit der von 
GIRARD beschriebenen identisch ist. Auch Münster bestimmte Exem- 
plare vom Hilariberg als 7. ascia GIR. Die Gestalt dieser Art ist 
eine sehr wechselnde, doch sind auch die extremsten Formen durch 
Uebergänge verbunden. Ich fand folgende Merkmale: 


Fig. 3a. 


Fiünfmalige Ver- 


_ grösserung der Umriss: bei ausgewachsenen Exemplaren fünfseitig, bei jüngeren hoch- 
Schalenverzierung. L el Nest en, : a sk; 
i 2 x 
Brachialapparat von Terebratula ascia. oval, doch besitzen einzelne Varietäten eine fast dreiseitige 
Gestalt. 


Commissur: an den Seiten bogenförmig gekrümmt und in scharfer Curve in die Schlosslinie verlaufend; an 
der Stirn gehoben und nach jeder Seite mit scharfem. Knicke in die Seitencommissuren übergehend; 
zwischen den Knickungsstellen ist die Stirncommissur geradlinig. Bei jungen Exemplaren ist die Seiten- 
commissur ganz schwach gekrümmt, die Stirncommissur fast gar nicht gehoben, so dass die Knickungs- 
stellen ganz wegfallen. 

Grosse Klappe: meist ziemlich stark gewölbt, am Schnabel stärker, in der Mitte und gegen die Stirn hin 
gleichmässig sanft gegen die Seiten abfallend, eine Wulst- oder First-ähnliche Medianerhöhung fehlt. 

Kleine Klappe: fasf ebenso stark gekrümmt wie die grosse Klappe. In der Nähe der Stirn sind zwei laterale 
Falten angedeutet, so dass dort ein schwacher Wulst entsteht. Bei jungen Exemplaren ist die kleine 
Schale bedeutend flacher als die grosse, auch fehlt dort der Wulst. 

Ornamentirung: auf beiden Klappen zeigen sich unter der Loupe sehr feine radiale Streifen, welche sowohl 
auf Steinkernen wie auf beschalten Exemplaren sichtbar sind. Sie lassen sich leicht von den viel 
weiter stehenden und kräftigeren Gefässeindrücken des Steinkernes unterscheiden. Die Anwachsstreifen 
sind sehr eng und zart. 

Schnabel: sehr kräftig, stark gekrümmt, vorgezogen und nie breit gedrückt erscheinend; auf den Seiten mit 
kräftigen Kanten versehen, so dass fast eine falsche Area entsteht. Die Schlosslinie ist stark gebogen 
und zeigt, von oben gesehen, eine auffallend starke Ausbuchtung. 

Innere Merkmale: in der kleinen Klappe ist ein ganz feines Medianseptum sichtbar; das Armgerüst ist von 
der gewöhnlichen Terebratelschleife in keiner Weise abweichend. 


Terebratula gracilicostata nov. sp. 167 


I II III IV V VI 


Dimensionen: Höhesps > ES O6 A 295mm: 
Breite: KOT 1A 1 Aero 
Dicke: 12,7 a 7,5 O0 3, 


T. ascia GIR. hat eine gewisse äussere Aehnlichkeit mit 7. Jauberti Desr.!, welche wahrscheinlich 
auch aus dem mittleren Lias stammt. 7. Jauberti ist aber breiter, der Schnabel ist kürzer und kleiner, 
die Ausbuchtung an der Schlosslinie fehlt, die Commissur ist weniger geschwungen und vor Allem fehlt die 
feine radiale Streifung der Schalenoberfläche. Eine gewisse Aehnlichkeit mit einigen Varietäten der 7. punc- 
tata, so vor allem mit der var. subpunetata Dav., lässt sich ebenfalls nicht verkennen; letztere Terebratel 
zeigt auch einen auffallend grossen und nach vorn gezogenen Schnabel, sowie die aufgebogene Stirn, doch 
ist der Umriss ein anderer und die feine radiale Streifung fehlt, was ich an zahlreichen deutschen, englischen 
und französischen Exemplaren zu constatiren im Stande war. 

Wie bereits Scauosser (Verh. der k k. geol. Reichsanst. 1895, p. 351) bemerkt hat, kommt die 
T. ascia bei Rattenberg hauptsächlich in einem weissen Gestein vor, welches nur diese Art enthält. Da ist 
es denn sehr auffallend, dass auch am Schafberg die T. ascia in einem ganz gleichen Gestein, und zwar 
ebenfalls mit keiner anderen Art vergesellschaftet, vorkommt. Die Stücke vom Schafberg lassen sich durch 
nichts von jenen aus den Steinbrüchen bei Kramsach unterscheiden, es sind sogar alle Varietäten vorhanden. 
Ferner fanden sich einzelne Stücke unserer Art zusammen mit Rh. Paolii Can. und T. Gozzanensis Par. 
in einem hellrothen Kalk vom Schafberg. Siehe den Nachtrag. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Thiersee bei Kufstein; Höhe zwischen Feuchteneck und 
Schwarzensee am Schafberg (weisser Kalk); Münichsee am Schafberg (rother Kalk). 


Terebratula gracilicostata nov. sp. — Mehrere 100 Exempl. 
Taf. XII, Fig. 9, 14—24. 


Die hier zu besprechende neue Form erfüllt das Gestein eines einzigen Blockes bei Kramsach, neben 
ihr kommen dort hauptsächlich Waldheimien vor. 


Umriss: dreiseitig bis subpentagonal. Fig. 4a. Fig. 4b. 
Commissur: an der Seite wenig geschwungen, an der Stirn etwas r N III 
gegen die kleine Klappe eingekrümmt oder geradlinig; selten © / 
ein wenig gegen die grosse Schale eingebogen. k EEE 
Grosse Klappe: ziemlich flach, ohne Sinus oder Wulst. en a a 
Kleine Klappe: ziemlich flach, meistens etwas weniger gekrümmt als costata. Schalenverzierung. 
die grosse. 


ÖOrnamentirung: die Schalenoberfläche weist eine feine radiale Streifung auf, diese ist gröber als bei 7. ascia 
Gır., man kann sie mit blossem Auge noch erkennen. Die Streifen sind so angeordnet, dass zwischen 
zwei stärkeren je ein schwächerer steht. Gegen Stirn und Seiten hin treten kräftige, dichtstehende 
Anwachsstreifen auf. 


" DestoxscHamps, Paleont. frangaise, Terr. jur., Brachiopodos 1883—64, p. 176, Taf. 45, Fig. S—11, Taf. 46, Fig. 1—4, 
Taf. 47, Fig. 14. 


168 Fmil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Schnabel: ziemlich gross, spitz, hoch, wenig gekrümmt, mit zwei kräftigen Kanten versehen. Die Schloss- 
linie ist gebogen, die kleine Schale spitzt sich gegen das Schloss hin stark zu. 
Innere Merkmale: Ein Medianseptum der kleinen Klappe konnte ich nicht beobachten; das Armgerüst ist 
eine kurze Terebratelschleife. 
I 0 III 


Dimensionen: Höher no sg pen 199mm: 
Breite: D14 SPS 0 
Dicker oO oe 


Diese Art unterscheidet sich von der vorhergehenden durch ihre geringere Grösse, den weniger hohen 
und weniger übergebogenen Schnabel, durch die weniger geschweifte Seitencommissur, sowie die gröbere 
radiale Streifung. 7. gracilicostata steht im übrigen sehr isolirt da, wenn sie auch in der Gestalt eine ge- 
wisse Aehnlichkeit mit jungen Individuen der 7. Edwardsi Dav. aufweist. Sehr auffallend ist das starke 
Hervortreten der Anwachsstreifen in der Stirnregion, wodurch auch bewirkt wird, dass die Schalen meistens 
unter sehr stumpfem Winkel aneinanderstossen. Wenn man auf die Berippung nicht achtet, so kann man 
T. graeilicostata leicht mit Waldh. Hertzi Hass verwechseln, doch beweist die kurze Schleife unserer Art 
die Zugehörigkeit zum Genus Terebratula. 


Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


Terebratula Aspasia Men. — 15 Exemp!. 
1889. Terebratula Aspasia Gever, Liasische Brachiopodenfauna des Hierlatz bei Hallstatt (Abh. der k. k. geolog. 
Reichsanstalt Wien), p. 14, Taf. I, Fig. 13—15. 

Bei einigen der mir vorliegenden Stücke lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden, ob sie zu Tere- 
bratula Aspasia oder zu T. nimbata gehören, welche letztere Art auch im mittleren Lias vorkommt. Von 
Rattenberg lässt sich nur ein einziges, allerdings sehr schön erhaltenes Exemplar mit völliger Gewissheit als 
T. Aspasia bestimmen, es weicht in keiner Beziehung vom Typus dieser Art ab. 

Vom Schafberg liegen dagegen mehrere gut bestimmbare Stücke vor, ebenso einige vom Fagstein 
und aus der Ramsau (Steinberg). 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Fagstein bei Berchtesgaden, Mitterkaser am Steinberg bei 
Ramsau, Hinterschafberg, Ostwand bei Hotel Schafberg, Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzensee. 


Terebratula cf. nimbata Orper. — 1 Exempl. 
1889. Terebratula ef. nimbata GEYER, Lias. Brach. des Hierlatz etc. p. 13, Taf. II, Fig. 9—13. 


Ein einziges, nicht vollständig erhaltenes Exemplar nähert sich in Folge seiner gedrungenen, schmalen 
Gestalt sehr der T. nimbata Opr. Leider ist das Stück zu unvollständig, als dass es sich sicher bestimmen liesse. 


Fundort: Fagstein bei Berchtesgaden. 


Terebratula ovimontana nov. sp. 169 


Terebratula ovimontana nov. sp. — 12 Exempl. 
Taf. XII, Fig. 1—2. 
Einige Gehäuse, welche gewissen Jugendformen der 7. Gozzanensis nicht unähnlich sehen, sich aber 
gut von ihnen unterscheiden lassen, mussten als eine neue Art aufgefasst werden. 

Umriss: hochoval, stets höher als breit. 

Commissur: an der Seite gerade, an der Stirn in mehr oder weniger starker Curve gegen die grosse Klappe 
zurückgezogen, an einigen Exemplaren ist die Stirnlinie durch zweimalige 
Knickung gegen die grosse Klappe eingesenkt. Fig. 5. 

Grosse Klappe: mässig gewölbt, am stärksten in der Mitte, von der Medianlinie 
aus gegen die Seiten hin steiler abfallend. Vom Schnabel bis zur Stirn zieht 
sich eine breiter werdende, mediane Verdickung gegen die Stirn, welche man 
Kedoaı nad nieht Dis welt bezeichnen kann; gegen die Stirn hin löst sich an 
diese Verdickung in zwei sehr schwach angedeutete laterale Falten auf; bei Terebratula ovimontana. 
einem kleineren Exemplar fehlt jedoch diese wulstartige Verdickung fast ganz. 

Kleine Klappe: sehr flach, sie zeigt eine Aufblähung in der Nähe des Wirbels. Eine sehr breite, undeutlich 
begrenzte, mediane Einsenkung zieht sich von der Mitte bis zur Stirn, ausserdem zeigen sich entsprechend 
den Falten auf der grossen Klappe zwei sehr schwache laterale Einsenkungen, zwischen denen die 
Schale äusserst wenig aufgewölbt ist, doch können die Einsenkungen auch fehlen, so dass nur ein sehr 
breiter und sehr flacher Sinus vorhanden ist. 

Ornamentirung: die Schalen sind mit sehr feinen, eng stehenden radialen Streifen verziert. 

Schnabel: hoch, spitz, gekrümmt, aber nicht auf die kleine Klappe herabgebogen, so dass das Deltidium frei 
liest. Mässig lange, nicht sehr scharfe Schnabelkanten sind vorhanden. Das mässig grosse Foramen 
ist rund. 

Innere Merkmale: in der kleinen Klappe sind zwei schwache Septen oder Leisten, welche wenig divergiren, 
vorhanden, doch lässt sich nicht sicher bestimmen, ob diese Leisten nicht blosse Verdickungen neben 
den Muskeleindrücken sind. In der grossen Klappe scheinen sich schwache Zahnstützen zu befinden. 
Das Armgerüst ist eine kurze Terebratelschleife. 

I 01 III 
Dimensionen: IHöhers 2 >10 OKT EoNOEmImE 
Breiter AT 0 On Te 
Dicke: 9,6 ON 
Diese neue Art ist vielleicht identisch mit derjenigen, welche Paroxa! neuerdings als 7. sphenoidalis 

Men. abgebildet hat, doch hat nach Parona der Schnabel keine Kanten, auch scheint der Schnabel etwas 

grösser und breiter als bei unserer Art zu sein. Doch dürfte die Art Parona’s auch nicht zu T. sphenoidalis 

Men. gehören, denn die auffallenden Falten, sowie der Sinus mit der medianen Erhöhung auf der kleinen 

Klappe sind bei den Originalen Mexeeninr’s? nicht zu sehen. Ganz anders sehen auch wieder die Stücke 

aus, welche GEmMELGARO ’ abbildet. Von diesen stimmt nur Fig. 16 mit den Abbildungen bei Cawavarı 


" Parona, Revisione della Fauna liasica di Gozzano etc. 1892, p. 41, Taf. II, Fig. 13. 
° Cawavarı, I brachiop. d. strati a T. Aspasia Men. nell’ Appennino centr. 1880, p. 14, Taf. II, Fig. 5, 6. 
° GEMMELLARO, Sopra alcune faune giur. e lias. etc. 1874, p. 62, Taf. X, Fig. 16—19. 


Palaeontographica. Bd. XLIV. 22 


170 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


überein, welche allerdings kaum von jungen Exemplaren der 7. punetata zu unterscheiden sind. Hingegen 
zeigen Fig. 18, 19 in der Stirnregion der kleinen Klappe kräftige, laterale Einsenkungen, welche jedoch 
ganz anders gestaltet sind als bei der Art Paroxa’s. Soweit man nach blossen Abbildungen urtheilen kann, 
haben wir es hier mit 3 Arten zu thun, nämlich: 7. sphenoidalis Mes. (Canavarı), 7. n. sp. (GEMMELLARO) 
und T. cf. ovimontana Böse (PAaronA). 

Bei T. ovimontana liess sich das Genus nicht ganz leicht bestimmen; die scharfen Schnabelkanten, 
das Vorhandensein eines scheinbar sehr kräftigen Medianseptums (in Wirklichkeit zweier Septen oder Muskel- 
leisten), sowie das von Zahnstützen deutete auf Waldheimia, erst beim Anschleifen stellte sich heraus, dass 
eine kurze Schleife vorhanden ist. Alle inneren Merkmale, so vor Allem die Beschaffenheit der Septen oder 
Leisten der kleinen Klappe, sowie der Zahnstützen bedürfen noch einer genaueren Untersuchung, welche 
aber erst unternommen werden kann, wenn ein grösseres Material vorliegt. 

- Man könnte versucht sein 7. ovimontana als Jugendform der 7. Gozzanensis anzusehen, doch spricht 
dagegen die Gestalt des Schnabels und der grossen Klappe; allerdings tritt unter den jungen 7. Gozzanensis 
eine flache Varietät auf, welche grosse Aehnlichkeit mit 7. ovimontana hat, doch sind immerhin genügende 
Unterscheidungsmerkmale vorhanden. 

Der Form nach schliesst sich unsere neue Art an 7. Finkelsteini Böse! aus dem unteren Dogger 
von Cles an, unterscheidet sich jedoch durch die länglichere Gestalt, sowie die weniger kräftigen Falten auf 
der grossen Klappe, auch ist die kleine Klappe nicht so flach wie bei der Doggerform. 

Fundorte: Hinterschafberg, Grünsee. 


Terebratula Schlosseri nov. sp. — 30 Exempl. 
Taf. XII, Fig. 25, 27—29. 
Mir liegen 30 Exemplare einer ächten, biplicaten Terebratel vor, welche sich mit keiner bekannten 
Art identificiren liess. 
Umriss: pentagonal bis hochoval. 
Commissur: an den Seiten geschweift, an der Stimm zweimal gefaltet und gegen die kleine Klappe vorgezogen. 
Grosse Klappe: ziemlich flach; ungefähr in der Mitte beginnen zwei Lateralfalten, welche sich, stärker wer- 
dend, bis zur Stirn hinabziehen. Zwischen den Falten befindet sich eine mehr oder weniger kräftige 
mediane Einsenkung. 
Schalenoberfläche: punktirt und ohne Verzierungen. 
Schnabel: ziemlich hoch, gekrümmt, mit grossem Foramen versehen. Deutliche Schnabelkanten begrenzen 
eine falsche Area. 
Innere Merkmale: in der kleinen Klappe ist ein deutliches Medianseptum sichtbar, welches aber nicht so 
kräftig wie bei Waldheimia ist. Zahnstützen fehlen. Das Armgerüst besteht aus einer kurzen Schleife. 
I Il Ill IV 
Dimensionen: Höhe: 218,3, 0157322215 05552122 Emm: 
Breite: loss 31 A 
Dicke: 8,9 1m. 12 Ds 


! s. den Anhang zu dieser Arbeit. 


2 


Waldheimia bicolor nov. sp. 1lzAl 


Ich war Anfangs im Zweifel, ob diese Art nicht mit Waldh. Vernewili Dest. zu identificiren sei, da 
jedoch Dovvırır ' angibt, dass bei dieser Species eine lange Schleife vorhanden ist, so lässt sich wohl die 
generische Verschiedenheit nicht bezweifeln; übrigens sind auch bei W. Vernewli 
die Schnabelkanten schärfer und das Septum kräftiger. RoTHPLETZ? rechnet aller- » ug 
dings W. Verneuili noch zu Zerebratula, führt aber als Grund nur die äussere Aehn- 
lichkeit mit 7. vulgaris an, was meiner Anschauung nach nicht genügt. Dı STEFANo° 
beschreibt aus dem mittleren Lias Sieiliens W. Verneuili und hält sie für eine 
ächte Waldheimia. en 

T. Schlosseri ist insofern von besonderem Interesse, als sie eine der wenigen orale SWEIDESEIER. 
ächten Biplicaten im Lias ist. Sie schliesst sich auch ihrem inneren Bau nach viel 
mehr an die Biplicaten des Dogger’s als an die Reihe der 7. gregaria an, so dass wir in ihr wohl eine der 
ältesten Jurabiplicaten zu sehen haben, während 7. Zugmayeri, T. gregaria als die letzten Vertreter der 
Triasbiplicaten anzusehen sind. T. gregariaeformis schliesst sich an unsere Form an, sie hat schon ganz den 
inneren Bau der Jurabiplicaten. 

Verwandt mit unserer Art ist jedenfalls 7. faucensis Rorupr.*, doch unterscheidet sie sich durch 
den Mangel an Schnabelkanten, sowie durch die geringere Grösse des Schnabels. 

Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


Waldheimia (Kınc) Davınson. 


Waldheimia Mariae p’Org. — 3 Exempl. 

1892. Waldheimia Mariae Böse, Lias. Brachiopodenschichten bei Hindelang, p. 638. 

Die kugelige Form mit den stark gewölbten, unter äusserst stumpfem Winkel zusammenstossenden 
Klappen ist sehr charakteristisch. Die mir vorliegenden Exemplare sind nicht ganz so gross wie die von 
DesLonscHAmps abgebildeten, aber sie zeigen alle charakteristischen Merkmale. Der Schnabel ist klein und 
breit, sehr gekrümmt, spitzig, die Stirn ist abgestutzt und zeigt eine leichte Einschnürung; kräftige Anwachs- 
streifen treten in der Nähe der Seiten- und Stirneommissur auf. 

Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


Waldheimia bicoler nov. sp.” — Ca. 20 Exempl. 
15 2A 11, 1, 
Eine Waldheimia von ziemlich aufgeblähter Gestalt liess sich mit keiner bekannten Art identificiren; 
da schon die wenigen vorliegenden vollständigen Exemplare mehrere Varietäten zeigen, und der Typus recht 
charakteristisch ist, so halte ich es für angezeigt, die Form mit einem neuen Namen zu belegen. 


! Douvırı#, Note sur quelques genres de brachiopodes (Terebratulidae et Waldheimidae) (Bull. soc. g&ol. de France) 
1879, p. 275. 

® Rorurrerz, Geol.-palaeont. Mon. der Vilser Alpen (Palaeontographica Bd. XXXIII) 1886, p. 106. 

® Dı Sterano, Il lias medio d. Mte. San Giuliano etc. (Atti d. Soc. Gioenia d. Sc. Nat. in Catania) 1891, p. 135, 
Taf. IV, Fig. 17—18. 

* RoturLerz, Vilser Alpen etc. 1886, p. 105, Taf. XIV, Fig. 8. 

° Diese Art wurde von mir zuerst als W. faba n. sp. bezeichnet (siehe SchLosser, Verh. der R.-A. 1895, p. 352), 


179 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Umriss: hochoval bis subpentagonal. 

Commissur: auf der Seite und an der Stirn gerade und in einer Ebene liegend. Nur an einem einzigen 
Exemplar zeigt die Stirnlinie eine ganz geringe Einbuchtung gegen die grosse Klappe, doch bin ich 
geneigt diesen Umstand für unerheblich zu halten. 

Grosse Klappe: kräftig gewölbt, ohne Sinus oder Wulst. 

Kleine Klappe: bedeutend flacher als die grosse Klappe, bei zwei Exemplaren ist eine ganz geringe, fast 
nicht wahrnehmbare Andeutung von lateralen Wülsten vorhanden. 

Schnabel: breit, wenig hoch, nicht nach vorn übergekrümmt. Schnabelkanten kurz und nicht sehr scharf. 
Schlosslinie in einer Ebene mit den Seitencommissuren; Foramen klein. 

Innere Merkmale: in der kleinen Klappe befindet sich ein nicht sehr langes, kräftiges Medianseptum. Zahn- 
stützen vorhanden. Armgerüst unbekannt. 

I I III IV V VI 
Dimensionen: ek ae ler. ar 1 er ULB In, 
Breiter 130] ls Toro 
Dicken Se rs OLE SS ee 
Die vorliegende Form hat eine gewisse Aehnlichkeit mit einigen Varietäten von W. Cadomensis Des. 

und W. Mariae »’Orz., doch ist bei diesen Arten der Schnabel viel stärker gekrümmt, auch fehlen bei W. 

bicolor n. sp. die kräftigen Anwachsstreifen. Die Varietät mit der abgestutzten Stirn hat entfernte Aehn- 

lichkeit mit einer Form, welche Gryer! zu W. stapia Orr. rechnet, doch ist auch hier die Schnabelbildung 
eine ganz verschiedene. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, oberer Burgaugraben am Attersee, Hinterschafberg, Feuchten- 
eck, Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzensee, Ostwand bei Hotel Schafberg, Schwarzensee, Grünsee 
am Schafberg, Kammerkihr bei Waidring. 


Waldheimia Sarthacensis Des.. — 7 Exenp!. 

1892. Waldheinia Sarthacensis Böse, Lias Brachiopodenschichten bei Hindelang etc. p. 638. 

Die vorliegenden Exemplare sind typisch; sie zeigen den hohen Schnabel und die Aufbiegung der 
Seitencommissur in der Stirnregion. Die Stücke unterscheiden sich nicht von denjenigen, welche ich seiner 
Zeit aus dem unteren Lias von Hindelang eitirt habe. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Grünsee am Schafberg. 


Waldheimia mutabilis Orrer. — 57 Exenp). 
1889. Waldheimia mutabilis Geyer, Brachiop. d. Hierlatz, p. 18, Taf. II, Fig. 31—36, Taf. III, Fig. 1, 3—7 (Fig. 2°). 
1892. — — Böse, Lias. Brachiopodenschichten bei Hindelang, p. 639. 
Eine in auffalllender Menge auftretende Waldheimia lässt sich von W. mutabilis nicht unterscheiden; 
fast alle Varietäten, welche Geyer abbildet, finden sich auch unter den mir vorliegenden Stücken. Der 


da ich annahm, dass die von Sowsrgy aufgestellte T. faba als Jugendexemplar der T. biplicata zu betrachten sei; mittlerweile 
jedoch fand ich, dass Davınsox die von D’Orzısny auf die Sowergy’sche Art bezogene Form als besondere Species auffasst und 
zu Waldheimia stellt, so dass eine W. faba v’Ore. existirt; infolge dessen habe ich die mittelliasische Art umgenannt. 

! Geyer, Lias. Brachiopoden des Hierlatz etc. 1889, Taf. II, Fig. 28. 


Waldheimia Ewaldi Orper. 173 


Umriss wechselt zwischen fünfseitig und dreiseitig-schaufelförmig, der Schnabel ist hoch und spitzig. Zu- 
weilen zeigen beide Klappen mediane Depressionen, zuweilen keine, manchmal sind laterale Falten angedeutet. 
Gryer’s (l. c.) Fig. 2 auf Taf. III möchte ich für W. cornuta halten; sie weicht durch die eckige 
Stirn sehr von der W. mutabelis ab. Dagegen möchte ich alle (bis vielleicht auf Fig. 10) von: demselben 
Autor als W. Choffati Haas abgebildeten Exemplare zu W. mutabilis stellen. Ueberhaupt dürfte ja wohl, 
wie schon RorHprerz (Vilser Alpen, p. 125) bemerkt hat, die Selbständigkeit der W. Choffati nicht ganz 
unanfechtbar sein, jedenfalls würde ich den Namen höchstens für die unterliasische W. cor aufrecht erhalten. 
In Fig. 12 auf Taf. III bildet Geyer ein radial gestreiftes Exemplar ab. Leider wird nicht angegeben, ob 
diese Streifung auf der Schale oder auf dem Steinkern sichtbar ist; sollte sie sich auf der Schale befinden, 
so würde ich das für ein gutes Artmerkwal halten und das Exemplar jedenfalls nicht zu W. mutabilis stellen; 
wären allerdings die Streifen nur auf dem Steinkern vorhanden, so könnte sie auch als Gefässeindrücke auf- 
gefasst werden, worüber aber nur nach einer Untersuchung des Originals entschieden werden könnte. 
Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


Waldheimia Ewaldi Oprer. — 28 Exempl. 
1889. Waldheimia Ewaldi Geyer, Ueber die lias. Brachiop. des Hierlatz bei Hallstatt, p. 31, Taf. IV, Fig. 3-7. 


Diese im unteren Lias der Alpen so häufige Form hat sich unter dem mir vorliegenden Material 
in einer grösseren Anzahl von Exemplaren gefunden. Wir finden unter diesen fast alle bisher beschriebenen 
Varietäten. Zuweilen übertrifft die Länge die Breite, manchmal ist das Verhältniss umgekehrt. Die beiden 
Klappen sind meistens ziemlich gleichmässig stark gewölbt, bei der kleinen Klappe liegt die stärkste Auf- 
blähung gewöhnlich etwas oberhalb der Mitte, bei der grossen genau in der Mitte. Der Sinus der Brachial- 
schale beginnt häufig erst etwas unterhalb der Schlosslinie, er ist breit, wenig scharf begrenzt und weist 
nur selten eine scharfe mediane Tiefenlinie auf. Die Gestalt des Fossils ist breit schaufelförmig, darin sich 
der W. mutabilis Opp. nähernd. Der Schnabel ist ziemlich stark gekrümmt und nach vorn gezogen, die Kanten 
sind scharf aber kurz, sie verschwinden bereits im zweiten Drittel der Schnabelhöhe. Das Foramen ist klein; 
dass es sich spaltartig in das Deltium fortsetzt ist bei allen mir vorliegenden Stücken darauf zurückzuführen, 
dass das äusserste Ende des Schnabels fast immer ein wenig zerbrochen ist. Die radiale Streifung, welche 
Geyer erwähnt, habe ich bei keinem der gut erhaltenen Exemplare entdecken können, immerhin mag das 
darauf zurückzuführen sein, dass gewöhnlich die oberste Schicht der Schale bereits fehlt; solche radiale Strei- 
fung ist bei den mittelliasischen Waldheimien und Terebrateln ja im Allgemeinen nicht selten vorhanden. 

Merkwürdig ist das Vorkommen der W. Ewaldi im mittleren Lias; die gefundenen 28 Exemplare 
stammen aus einem einzigen Block, welcher nur wenige weitere Fossilien enthielt; diese aber waren typisch 
mittelliasische, so dass kein Zweifel über das Alter der Schicht besteht. Aber in dem ganzen grossen Ma- 
terial, welches mir ausser diesem Blocke vorliegt, ist kein einziges typisches Exemplar der W. Ewaldi zu finden, 
ja die Waldheimien sind, am Schafberg wenigstens, überhaupt nicht häufig. Dass W. Ewaldi im mittleren 
Lias auftritt ist schon von verschiedenen Seiten berichtet worden, so z.B. von GEMMELLARO! und ParoxA°. 

Fundort: Grünsee am Schafberg bei Ischl. 


! GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sicilia 1874, p. 69, Taf. X, Fig. 7—8. 
® Parona, Il calcare liassico di Gozzaxo e i suoi fossili 1880, p. 16, Taf. II, Fie. 3. 


174 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Waldheimia subnumismalis Davınsox. — Ca. S0 Exempl. 


1892. Waldheimia subnumismalis Böse, Lias. Brachiopodenschichten bei Hindelang, p. 639. 


Die mir vorliegenden Exemplare stimmen zum grössten Theile genau mit den bei DESLONGCHAMPS 
(Pal. franc. terr. jur. Taf. 27—29) abgebildeten überein. Der Umriss wechselt zwischen queroval und sub- 
pentagonal, die Klappen sind zuweilen ganz flach, zuweilen sehr stark gewölbt. Diejenigen Varietäten, welche 
an der Hierlatzalm und bei Hindelang vorwiegend vertreten sind, nämlich die kreisrunden bis ovalen, flachen 
Gehäuse (wozu auch vielleicht W. alpina Geyer |. c. Taf. III, Fig. 33—38 gehört), treten an unseren Locali- 
täten ganz in den Hintergrund; es dominiren vielmehr grössere Formen mit stärker gewölbten Klappen, 
schwach abgestutzter Stirn und leichter Depression in der Frontalregion der grossen Klappe (siehe DesLong- 
cHAMPS |. c. Taf. 28, Fig. 3—6, Taf. 29, Fig. 1, 2), doch fehlen solche Formen wie DESLONGCHAMES |. c. 
Taf. 29, Fig. 3—8 sie abbildet. Dem was ich an anderer Stelle bereits über die Synonymie gesagt habe, 
möchte ich noch hinzufügen, dass wohl auch W. Baldacci Gemm.! und W. Cossae GEmm.? zu W. subnumis- 
malis zu rechnen sind; ich kann wenigstens keinen Unterschied finden. Wer einmal die zahlreichen, in so 
verschiedener Weise variirenden Exemplare aus dem französischen, englischen und deutschen Lias gesehen 
hat, wird an der Zusammengehörigkeit jener Formen kaum zweifeln können; ob allerdings die von Fucmt° 
als W. Cossae abgebildete Art auch hierher zu ziehen ist, kann ich nicht entscheiden, da das Exemplar 
zu klein und die Abbildung nicht als gelungen zu bezeichnen ist. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Vorderthiersee bei Kufstein, Fagstein bei Berchtesgaden, 
Hinterschafberg, oberer Burgaugraben, Feuchteneck, Grünsee, Ostwand bei Hotel Schafberg. 


Waldheimia numismalis Lamarck. — 1 Exempl. 
TarexTi Hi: 


1819. Terebratula numismalis LANARcK, Animaux sans vertebres, Bd. 6, No. 22. 
1863. Waldheimia _ DestoxGcHAuPs, Pal. franc. terr. jur. brachiop. p. 83, Taf. 5, Fig. 14; Taf. 9, Fig. 5; 
Taf. 12, Fig. 4; Taf. 13, Taf. 14, Fig. 15. 

Ein einziges, aber typisches Exemplar dieser Art liegt mir vor. Es hat einen fast kreisrunden Um- 
riss, ist aber an der Stirn ein wenig abgestumpft. Der Schnabel ist sehr niedrig und breit, kräftige Zahn- 
stützen sind vorhanden. Die kleine Klappe flacht sich gegen die Stirn hin in der Medianregion ab. Die 
grosse Klappe ist gleichmässig schwach gewölbt. Von W. subnumismalis unterscheidet sich das vorliegende 
Exemplar hauptsächlich durch die auffallend geringe Höhe des Schnabels. 

Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


Waldheimia Waterhousi Davınsox. — 47 Exempl. 
1892. Waldheimia Waterhousi Böse, Lias. Brachiopodenschichten bei Hindelang, p. 637. 
Auch in den hier beschriebenen Localitäten treten dieselben Varietäten wie bei Hindelang auf, 
nämlich solche mit einer Depression auf der kleinen Klappe und solche mit Depressionen auf beiden Schalen. 


! GEMMELLARO, Sopra ale. faune giuresi e liasiche della Sicilia, p. 416, Taf. XXXI, Fig. S—12. 

® Ibidem, p. 415, Taf. XXX, Fig. 13—17. 

3 Fucısı, Fauna dei Calcari bianchi ceroidi con Phyll. eylindricum del Mte. Pisano (Atti Soc. tosc. di Sc. Nat.) 1894 
p. 86, Taf. VII, Fig. 28. 


Waldheimia Thurwieseri nov. Sp. 175 


Im Allgemeinen stehen die Exemplare, welche ich zu W. Waterhousi rechne, denjenigen, welche zur nächst- 
folgenden Art gehören, sehr nahe. Wir haben es hier mit einem Formenkreis zu thun, der im Lias auf- 
fallend viele Vertreter hat. Die einzelnen, ihm angehörenden Arten lassen sich oft nur schwer voneinander 
unterscheiden, doch zeigt sich auch bei grösserem Material eine so starke Constanz des Habitus, sowie 
einzelner Merkmale, dass ich mich nicht entschliessen kann, mehrere Arten zu vereinigen. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Vorderthiersee bei Kufstein, Hinterschafberg. 


Waldheimia Thurwieseri nov. sp. — 107 Exempl. 
Taf. XII, Fig. 2—10. 


Diese Art, welche durch zahlreiche Exemplare vertreten ist, weist zwei Hauptvarietäten auf, nämlich 
eine hohe, ziemlich schlanke Form und eine breite fast fünfseitige.e In der folgenden Beschreibung sollen 
möglichst alle Abweichungen berücksichtigt werden. 

Umriss: subpentagonal bis hoch dreiseitig; Stirnecken oft ziemlich weit ausgezogen. 

Commissur: auf der Seite und an der Stirn in einer Ebene liegend. Die Stirneommissur ist im Bogen gegen 
den Schnabel hin eingesenkt, die Seitencommissur vollkommen gerade. 

Grosse Klappe: mässig gewölbt; in der Schnabelregion beginnt eine sich ver- Fig. 7. 
breiternde und zur Stirn sich hinabziehende mediane Einsenkung, welche 
häufig seitlich von zwei Wülsten begrenzt wird; der Anfang der Einsenkung 
wechselt zwischen Schnabelregion und Mitte der Klappe. 

Kleine Klappe: etwas schwächer gewölbt als die grosse Klappe, sie weist eine Brachialapparat von 
mediane Einsenkung auf, welche derjenigen der grossen Klappe entspricht; Waldheimia Thurwieseri. 
auch entsprechende Lateralwülste sind öfters vorhanden. 

Schnabel: schmal, hoch, spitz, wenig gebogen, mit sehr scharfen Kanten versehen; Schlosslinie mit der Seiten- 
commissur fast in einer Ebene liegend. 

Innere Merkmale: ein kräftiges Medianseptum befindet sich in der kleinen Klappe; Zahnstützen sind vor- 
handen. Das Armgerüst ist eine lange und breite Waldheimienschleife. 

I 1 IN W VIvn 

Dimensionen: Sons 105 aD AB 12 1 15,0 a 

Breiter lo A 1151 
Dicke: 9,1 82 8. GA Te STEG 

W. Thurwieseri nov. sp. steht zwischen W. cornuta Sow. und W. Waterhousi Dav. Von der ersteren 
unterscheidet sie sich durch den höheren und gestreckteren Schnabel, von der zweiten durch die geringere 
Breite des Schnabels, sowie durch die geraden Commissuren. Auch mit W. mutabilis Orr. und W. stapia 
Opr. hat sie eine gewisse Aehnlichkeit. Die breitere Form unserer Art, welche ich als den Typus ansehe, 
unterscheidet sich von W. mutabilis hauptsächlich durch den gestreckteren Schnabel; auch fehlen bei W. 
mutabilis die ausgezogenen Stirnecken. Letzteres Merkmal ist auch das, durch welches sich unsere Art, und 
zwar die gestrecktere Varietät, welche ich als var. elongata bezeichne, von W. stapia hauptsächlich unter- 
scheidet, doch ist auch die Schnabelbildung eine verschiedene; die Armgerüste weichen in der Gestalt sehr ab. 

Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


1 
6 


’ 
I 


176 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Waldheimia furlana Zırre. — 14 Exemp). 


1869. Waldheimia Furlana ZirteL, Geol. Beobacht. der Central-Apenninen (Geogn. pal. Beitr. herausgeg, v. BENEckE 
Bd. II), p- 128, Taf. 14, Fig. 8. 


21880. — —  Canavarı, I brach. d. strati a Ter. Aspasia Men. nell’ Appennino centrale (Mem. R. 
Accad. dei Lincei, Roma), p. 22, Taf. III, Fig. 1—3. 
21889. _ cf — Geyer, Lias. Brach. des Hierlatz, p. 34, Taf. IV. Fig. 13. 


Von dieser Art liegt mir ein auffallend grosses Exemplar vor, welches aber in allen wesentlichen 
Einzelheiten mit dem Original Zırrer’s so übereinstimmt, dass man es kaum als besondere Art auffassen 
kann. Der Schnabel ist allerdings etwas mehr übergebogen, aber die Verschiedenheit ist so gering, dass 
ich sie nicht für ein Speciesmerkmal erachten kann. Die übrigen Exemplare sind zwar sehr klein, stimmen 
aber in allen Einzelheiten gut mit dem Zırtev’schen Original überein. Bezeichnend ist die Form des Sinus, 
er beginnt auch bei ausgewachsenen Individuen erst kurz vor der Stirn, ist sehr breit, nicht scharf seitlich 
begrenzt, und geht unmerklich in den oberen Theil der kleinen Klappe über. 


CANAvARI hat eine Reihe von Formen abgebildet, welche er mit W. furlana identifieirt; sie stimmen 
jedoch mit dem Zrrrev’schen Original in Hinsicht auf den Schnabel nicht überein, denn bei dem Exemplar 
von Furlo ist der Schnabel grösser, nicht auf die kleine Klappe herabgebogen, und auch bei weitem nicht 
so stark gekrümmt, wie dies bei den von Monticelli stammenden Individuen der Fall ist. Auch die Wölbungs- 
verhältnisse, besonders der kleinen Klappe, sind etwas verschieden, so dass es vielleicht nicht ungerechtfertigt 
wäre, wenn man die von Canavarı abgebildete Form als W. labellum Mex. (Manuscriptname MENEGHINTs) 
abtrennte, wobei es noch zu untersuchen wäre, ob diese Art thatsächlich zu Waldheimia gehört, wofür die 
Gestalt des Schnabels nicht gerade spricht. 


Die von Gever als W. cf. furlana abgebildete und beschriebene Art aus dem Hierlatzkalk gehört 
jedenfalls nicht hieher; sie unterscheidet sich leicht durch den viel grösseren und kräftigeren Schnabel, sowie 
durch die Gestalt des Sinus; dieser ist bei der Grver’schen Form ganz dem der W. pala v. Buc# ähnlich, 
er beginnt schon am Wirbel und ist besonders in der medianen Längslinie sehr scharf markirt, während er 
nach den Seiten hin flacher wird. | 


Canavarı vergleicht W. Furlana mit W. florella v’Ore. und sogar mit W. amygdaloides Men.; diese 
beiden Formen unterscheiden sich aber sehr bedeutend von der hier besprochenen, erstere durch den tiefen, 
langen Sinus, die andere durch den vollständigen Mangel an einem Sinus. Eher wäre vielleicht auf W. 
curvifrons Opp.! zu verweisen, welche allerdings durch den kräftigen Schnabel abweicht. W. furlana Zırr. 
steht sehr isolirt da, vor Allem durch die Gestalt des Sinus, welcher an den der W. Gefion Op.” erinnert, 
und durch den sehr kleinen Schnabel, so dass sie sich in keine der von Rorkpierz aufgestellten Sippen 
recht einfügen lässt. 


Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Hinterschafberg, Feuchteneck, Fagstein bei Berchtesgaden. 


1 DesLosscHaues, Pal. franc. terr. jur. brachiop. Taf. 49, Fig. 1—8. 
2 Opper, Ueber jur. Posidonomyengesteine in den Alpen (Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft) 1863, 


p- 205, Taf. 5, Fig. 5. 


Waldheimia apeninica Zırr. 17 


I 


Waldheimia oenana nov. sp. — 15 Exempl. 
Taf. XIII, Fie. 13, 14. 


Eine fast an allen Fundpunkten des mittleren Lias der Nordalpen vorkommende nucleate Wald- 
heimia, liess sich mit keiner bekannten Art identificiren; die Speciesdiagnose ist folgende: 

Umriss: breitoval bis kreisförmie. 

Commissur: auf der Seite geschweift, an der Stirn in einer flachen Curve gegen die grosse Klappe einge- 
krümmt; bei ganz jugendlichen Individuen fehlt die Krümmung der Stirnlinie nahezu vollständig. 
Grosse Klappe: mässig gewölbt, von der Medianlinie fällt die Schale gegen die Seiten hin gleichmässig steil 
ab, so dass eine firstähnliche Erhebung angedeutet wird; auf der Medianlinie zwischen Schnabel und 

Stirn ist die Krümmung eine ziemlich gleichmässige. 

Kleine Klappe: ziemlich flach, die stärkste Krümmung liegt in der Wirbelgegend; zwischen dem Wirbel und 
der Mitte der Schale beginnt ein undeutlich begrenzter Mediansinus, welcher sich, breiter werdend, 
bis zur Stirn hinabzieht. Bei ganz jungen Individuen fehlt der Sinus zuweilen. 

Schnabel: niedrig, breit, spitzig, nicht nach vorn übergezogen; mit sehr scharfen Kanten versehen. Foramen 
sehr klein. 

Innere Merkmale: in der kleinen Klappe befindet sich ein nicht sehr langes aber kräftiges Medianseptum. 
Armgerüst unbekannt. 


I II 
Dimensionen: Höhe: 13,0 12,3 mm. 
Breite: 14737 ale 
Dicke: 6,2 Oo 


Waldh. oenana unterscheidet sich von den übrigen nucleaten Waldheimien recht gut. Am nächsten 
steht sie wohl einigen Varietäten der W. Heyseana Dest.' (non Duncker) und zwar besonders der in Fig. 5 
auf Taf. 24 bei DesLongcHaumrs abgebildeten Form, doch ist bei W. Heyseana Dest. der Schnabel stärker 
gekrümmt, die Wölbungsverhältnisse der Klappen verschieden und die Stirn meistens etwas eingeschnürt. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Fagstein bei Berchtesgaden, Hinterschafberg, Vorderthiersee 
bei Kufstein. 


Waldheimia apeninica Zırnen. — 23 Exempl. 
Taf XII oRie37A 

1869. Waldheimia apeninica ZirieL, Geo]. Beobacht. aus den Central-Apenninen, p. 127, Taf. 14, Fig. 9. 

1869. — _ GEYER, Brachiop. des Hierlatz, p. 33, Taf. IV, Fig. 8—12. 

Die meisten der bei Kramsach gefundenen Exemplare stimmen gut mit dem Zirrer’schen Original 
überein; einzelne weichen in der Breite des Mediansinus etwas ab, aber doch nicht genug, als dass man sie 
specifisch abtrennen könnte. 

Bei den Stücken, welche vom Schafberg stammen, zeigt sich dasselbe, doch herrscht dort die Varietät 
mit dem breiteren Sinus vor. Sobald überhaupt grössere Individuen der Art vorliegen, ist eine erhebliche 
Abweichung von dem bei Zırten abgebildeten Exemplar zu constatiren; die Form wird aufgeblähter, der 


! DEsLoNGcHAMmPs, Pal. franc. terr. jur. Brachiop. p. 115, Taf. 28, Fig. 1—5. 
Palaeontographica. Pd. XLIV. 


19 
> 


178 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Sinus sehr breit, am Wirbel der kleinen Klappe zeigt sich öfters eine starke Aufwölbung; nur die Gestalt 
des Schnabels bleibt constant, wodurch sich denn auch die Art gut von W. ovimontana mihi unterscheidet. 
Uebrigens kommt auch bei Cagli, wie die Originale v. Zırrev’s beweisen, die Varietät mit dem breiten 
Sinus vor. 


W. apeninica Zırr. ist mit W. Gefion Orr. verwandt, doch unterscheidet sich diese durch die Ein- 
senkung an den Seitencommissuren, sowie dadurch, dass der Sinus erst in der Nähe der Stirn beginnt. 
Ferner steht der W. apeninica auch die W. Finkelsteini Böse! aus dem unterliasischen Fleckenmergel recht 
nahe, sowie eine noch unbeschriebene Form aus dem Hierlatzkalk von Hindelang (im Besitz des Strassburger 
Museums), doch weichen diese beiden Formen schon durch die auffallend flache Gestalt, sowie durch die 
Schnabelform ab. 


Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Hinterschafberg, oberer Burgaugraben, Münichsee, Feuchten- 
eck, Grünsee. 


Waldheimia ovimontana nov. sp. — 40 Exempl. 
Ateh DSUDE Ir IL, 112, 


Eine kleine nucleate Form ist von mehreren Fundpunkten vorhanden; da sie sich mit keiner be- 
kannten Form identifieiren liess, so gebe ich ihr einen neuen Namen. Die Speciesdiagnose ist folgende: 


Umriss: breitoval oder subpentagonal, meistens breiter als hoch. 

Commissur: auf der Seite gerade, an der Stirn m kräftigem Bogen gegen die grosse Klappe eingesenkt. 

Grosse Klappe: mässig gekrümmt; bei ausgewachsenen Individuen zeigt sich häufig ein breiter, wenig deut- 
licher Medianwulst, dessen oberer Theil eben ist. Von dem Wulst fällt die Schale nach beiden Seiten 
steil ab. Bei den jüngeren Individuen ist die Schale gleichmässig gekrümmt. 

Kleine Klappe: wenig gewölbt, am Wirbel etwas aufgebläht; ein sich schnell verbreiternder Mediansinus be- 
ginnt oberhalb der Mitte und zieht sich bis zur Stirn. 

Schnabel: breit, sehr niedrig, spitzig, mit scharfen Kanten versehen; Foramen sehr klein und rund. 

Innere Merkmale: in der kleinen Klappe befindet sich ein kräftiges Medianseptum, im Schnabel der grossen 
Klappe zwei Zahmstützen. Der Brachialapparat ist eine lange Waldheimienschleife. 

I 1 II 


Dimensionen: eoıae 1a RS. 1ER em, 
Breiter dee AR orgee 
Dicke: 8,5 8,3 So 


Diese zierliche Art steht der W. apeninica Zırt. am nächsten; sie unterscheidet sich von dieser 
hauptsächlich durch den bedeutend kleineren Schnabel, sowie durch die Gestalt der kleinen Klappe; auch 
ist sie breiter als W. apeninica. 


Fundorte: Hinterschafberg, oberer Burgaugraben, Grünsee, Feuchteneck. 


1 Böse, Liasische und mitteljur. Fleckenmergel der bayerischen Alpen (Zeitschrift der Deutsch. geolog. Ges. 1895, 
p. 762, Taf. LVI, Fig. 7, 8). 


Waldheimia Fuggeri nov. sp. 179 


Waldheimia Fuggeri nov. sp. — 13 Exempl. 
NafsoxIBi038739: 


Zusammen mit den schon beschriebenen nucleaten Waldheimien fand ich eine weitere, zu dieser 

Gruppe gehörige längliche Form, welche sich mit keiner bekannten Art vereinigen liess. 

Umriss: hoch dreiseitig zum subpentagonalen neigend, stets höher als breit. 

Commissur: auf der Seite mehr oder weniger geschweift, an der Stirn in starker Curve gegen die grosse 
Klappe eingebogen; meistens weist diese Curve in der Mitte einen Knick auf. 

Grosse Klappe: sehr kräftig gewölbt; eine Art von Wulst ist bei ausgewachsenen Individuen schwach an- 
gedeutet, er zieht sich vom Schnabel zur Stirn, deren ganze Breite er nahezu einnimmt. Dieser Wulst 
ist abgeflacht, von seinen beiden Längsstreifen fällt die Schale steil zu den Seiten ab; bei jüngeren 
Individuen ist nur dieser steile Abfall von der Medianlinie aus vorhanden. 

Kleine Klappe: sehr flach, von dem Wirbel zieht sich ein breiter, undeutlich begrenzter Sinus zur Stirn 
hinab, welcher in seinem medianen Theil eine schärfer abfallende Einsenkung trägt, so dass die Mitte 
des Sinus sich kräftig von den Flügeln abhebt. In der Wirbelregion zeigt sich vielfach eine schwache 
Aufblähung. 

Schnabel: breit, hoch, spitz, stark gekrümmt, aber nicht auf die kleine Klappe herabgebogen, mit scharfen 
Kanten versehen. Deltidium niedrig und sehr breit, Foramen klein, oval. 

Innere Merkmale: in der kleinen Klappe ist ein kräftiges Medianseptum vorhanden, in der grossen Zahn- 
stützen. Armgerüst unbekannt. 

I II III IV V 


Dimensionen : enge eu 1OU 10T 358 1A 
Breiter: 116,60 15 Asa go Oro 
Dede: Ing na aa an. on, 


Am nächsten steht unserer Art die Hierlatzform, welche Geyer! als W. cf. Furlana Zırr. bezeichnet, 
doch sind bei dieser die Seitencommissuren stärker geschweift; die kleine Klappe hat etwas andere Wölbungs- 
verhältnisse, die Stirnlinie ist stärker gekrümmt, der Schnabel etwas kleiner und stärker vorgezogen. Noch 
mehr ist dies letztere der Fall bei W. resupinata Sow.”, mit welcher Geyer sein Exemplar vergleicht, auch 
weicht diese Art im Umriss stark ab. Näher steht fast noch W. pala v. Buch.’ aus dem Callovien, unter- 
scheidet sich jedoch schon durch den Umriss, von anderen Merkmalen ganz abgesehen. Weniger nahe steht 
W. Furlana Zırr., bei dieser Art ist die Gestalt des Sinus eine ganz verschiedene, ausserdem ist der 
Schnabel viel kleiner und gekrümmter. Aus demselben Grunde weicht auch W. Furlana Zırr. von der oben 
eitirten Art ab, welche Geyer als W. cf. Furlana beschrieb. 


Fundorte: Hinterschafberg, Feuchteneck, Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzensee. 


! GEvER, Lias. Brachiop. des Hierlatz 1889, p. 34, Taf. IV, Fig. 13. 
* DestoxacHaups, Pal. france. terr. jur. Brachiop. p. 118, Taf. 24, Fig. 6-10; Taf. 25, Fig. 1--5. 
® v. Buch, Ueber Terebrateln 1834, p. 114, Taf. 3, Fig. 14. 


180 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Rhynchonella Fischer. 
Rhynchonella variabilis SchLoruzm. — Ca. 50 Exempl. 
Taf. XIII, Fig. 17—19. 


1813. Terebratula variabilis SCHLOTHEIM, Beiträge zur Naturgeschichte der Versteinerungen (LEoxHARD’s Mineral, 
Taschenb. Bd. VII, p. 59, Taf. I, Fig. 4). 


1854. Bhynchonella — v. BucH, Ueber Terebrateln (Ak. d. Wiss., Berlin, p. 207)\. 
_ triplicata ibidem, p. 206. 
1849. — variabilis (triplicata) D’ORBIGNY, Prodrome Bd. I, p. 239. 
1851. E= — Davınpson, Mon. of the british oolit. a. lias. Brachiopoda, p. 78, Taf. XV, Fig. 8-10. 
1358. Terebratula — QueEsstept, Jura, p. 151, Taf. 17, Fig. 27—29; Taf. 22, Fig. 10. 
1369. Bhynchonella —_ Dvsorrier, Fitudes paldont. sur les depöts jurass. du bassin du Rhöne Part III, 


p. 150, Taf. XXII, Fig. 13—14. 
1571. Terebratula triplicata QUENSTEDT, Brachiopoden, p. 70, Taf. 37, Fig. 176—183; Taf. 33, Fig. 1—22. 
1876. Rhynchonella variabilis Davıvson, Suppl. to the brit. jur. and triass. Brachiopoda, p. 208. 


1882. _ triplicata Haas u. Perrı, Brachiop. d. Juraformat. v. Elsass-Lothringen (Abh. z. geol. Specialkarte 
von Els.-Lothr., p. 184, Taf. I, Fig. 22—24, 26—31; Taf. III, Fig. 32, 34, 36, 37). 
1386. — variabilis RorHpLerz, Vilser Alpen, p. 143. 


Die hier vorangestellte Synonymenliste ist keineswegs vollständig, es handelt sich einstweilen auch 
nur darum einzelne Werke zu citiren, in denen die ächte Rh. variabilis SckLortr. behandelt wird. Diese 
Art ist bekanntlich vielfach mit anderen und vor Allem mit der unterliasischen Rh. belemnitica QUEnsT. 
vereinigt worden, sogar auch zuweilen umgenannt worden. Ueber Ah. belemmnitica habe ich mich vor einigen 
Jahren ausführlich ausgesprochen? und gedenke hier eine Ergänzung zu jenen Ausführungen zu geben, indem 
ich meine Anschauung über Ah. variabilis darlege und begründe. 

Die Art wurde 1813 durch Sc#tLortHzım aufgestellt, welcher neben den liasischen Formen auch 
Rhynchonellen aus dem Devon und Zechstein mit dem Namen Terebratula variabilis bezeichnete, als Haupt- 
fundort wurde jedoch Lothringen angegeben, und in dem „Verzeichniss der Petrefakten-Sammlung des Freih. 
VON SCHLOTHEIM“ (Gotha 1832), welches nach ScHLotHEım's eigenen Bestimmungen angefertigt worden ist, 
wird auf p. 63 nur noch Lothringen als Fundort für die 7. variabilis angegeben, und auch-angedeutet, dass 
viele Exemplare vorhanden seien. 1834 eitirte v. Buck die Art aus dem Lias von Aınberg, jedenfalls kannte 
er die Originale ScarLormem's. 1851 beschreibt Davıpsox die Rh. variabilis sehr genau und bildet sie gut 
ab, vereinigt aber damit Rh. lineata Young and Bırp® (— Rh. triplicata und bidens PriwLırs‘), sowie deren 
Varietät, welche er später var. Radstockiensis? nannte, ferner auch die Rh. triplicata juvenis Qu. 1876 wies 
Tıare” die Identität der Rh. lineata Youns and Bien mit Ah. triplicata und bidens Prauuıps nach, und 
Davınson beschränkte den Namen Rh. variabilis SchLore. auf Formen, welche er 1851 auf Taf. XV, Fig. 
8—10 abgebildet hatte. Damit war die Art genau begrenzt, so dass kaum noch Zweifel darüber entstehen 


! Citirt nach der Ausgabe von EwArp, RorH und Dauss, Bd. IV, Berlin 1885. 

® Böse, Lias. Brachiopodenschichten bei Hindelang, 1893, p. 640. 

? Youss and Bırv, Geol. Survey of Yorkshire-Coast 1828, p. 232, Taf. VIII, Fig. 10. 

* Paıcvıps, Geology of Yorkshire 1829, Taf. XIII, Fig. 22—24. 

5 Davıoson, Suppl. to the Brit. jur. and triass. Brachiop. 1876, p. 210. 

% Quesseepr, Handbuch der Petrefaktenkunde 1851, p. 451, Taf. 36, Fig. 2; Jura 1858, p. 74, Taf. 8, Fig. 16—23. 
” Tate, The Yorkshire Lias 1876, p. 421, Taf. XV, Fig. 21, 22. 


Rhynchonella variabilis ScHLoTHa. 181 


können, was als Ah. variabilis zu bezeichnen ist und was nicht. Qvexstepr hat nun mehrfach versucht, 
für den Namen Ah. variabilis den Namen Rh. triplicata PuıtL. einzuführen und Haas ist in seiner ersten 
Arbeit (1882) ihm darin gefolgt; diese Art der Bezeichnung ist natürlich jetzt nach den Untersuchungen 
TAareE's nicht mehr anwendbar. Aber sowohl QuEnsTtEDT wie auch Haas (1882) hielten Zeh. belemnitica Qu. 
von Rh. triplicata Qu. (= variabilis ScHLoTa.) getrennt. 1884 schlägt Haas! vor, den Namen Rh. varia- 
bilis Schuore. durch den andern Rh. Briseis GEMM. zu ersetzen. Die von ihm als Rh. Briseis Gemm. be- 
zeichneten Formen gehören aber sehr verschiedenen Arten an: Fig. 3 ist vielleicht Ih. variabilis SCHLOTH.., 
Fig. 5 Rh. Vigilüi Lers., Fig. 6 eine Art, welche vermuthlich noch unbenannt ist. 1356 wies ROTHPLETZ 
darauf hin, dass durch Davınsox die Ah. variabilis gut begrenzt sei, so dass ein Zweifel an dem, was dieser 
Name bedeute, nicht mehr möglich sei. Trotzdem erklärte Haas? 1887, dass er den Namen Rh. Briseis 
GEMmM. annehme, doch trennte er die grossen Rhynchonellen von Saltrio und Arzo, welche Paroxa° abbildet 
und als Rh. Briseis bezeichnet, von dieser Art ab und stellte sie zu seiner Rh. Delmensis*. Unter den von 
Haas als Rh. Briseis abgebildeten Figuren befindet sich wieder eine Ah. Vigilii Leps. (Fig. 5), dagegen 
scheinen die übrigen zum grossen Theil typische Zeh. variabilis zu sein. Der Synonymenliste und dem ersten 
Theil der Arbeit nach will Haas? hier noch die Ah. belemnitica Qu. von der Rh. variabilis SCHLOTH. (= Briseis 
Haas) getrennt halten. Ah. belemmitica wird als besondere Species von demselben Autor auch noch im 
Jahre 1889° aufgeführt. Im selben Jahre benutzte GEYER’ den Namen Ah. variabilis für die in den Hierlatz- 
schichten vorkommende Rh. belemnitica und vereinigte diese beiden Arten sowie Rh. lineata Youxs and BIRD 
(= triplicata Paıwn.) und Rh. Briseis GEMM zu einer Species, welche er, wie gesagt, als Ah. variabilis 
ScHrorH. bezeichnete. Damit wäre der Knoten durchgehauen und die Sache erledigt, wenn GEYER nicht 
ganz die ausgezeichneten Untersuchungen Davınson’s (1876) über Rh. variabilis SCHLOTH., Rh. lineata YounG 
and Bırp und Rh. triplicata juvenis Qu. ausser Acht liesse; auch wird diese Arbeit des englischen Brachio- 
podenkenners in der Synonymenliste nicht aufgeführt; Davınsox hat die Unterschiede der drei zuletzt ge- 
nannten Arten so vorzüglich dargestellt, dass weitere Bemerkungen darüber unnöthig sind. Das Verhältniss 
der Rh. Briseis GEmMm. zu Rh. variabilis SchnLotH. werde ich weiter unten besprechen. 1891 führt nı STE- 
FANO® die Rh. variabilis unter dem Namen Rh. briseis GEMM. auf, resp. er vereinigt diese beiden Arten 
mit einander und zieht den jüngeren Namen vor, doch gehören die von ihm abgebildeten Exemplare jeden- 
falls zum grössten Theil nicht zu Rh. variabilis, da der Schnabel zu gerade und die Frontalregion des Wulstes 
abgerundet ist, auch sind auf den Seiten Areolen oder Lateralfelder vorhanden (siehe auch den Absatz über 
Rh. Briseis). Schon GEYER hatte vermuthet, dass Zrh. Calderinii Par.’ zu Rh. variabilis SCHLOTH. gehöre; 


! Haas, Beiträge zur Kenntniss der liasischen Brachiopodenfauna von Südtirol ete. 1884. p. 4, Taf. I, Fig. 3—6. 

2 Haas, Etude monogr. et crit. des brach. rhetiens et jurass. des Alpes Vandoises ete. (M&m. Soc. pal. Suisse Bd. II, 
1887, p. 17, Taf. V, Fig. 16, 18; Taf. VI, Fig. 1-11). 

3 Paroxa,- I brach. liass. di Saltrio et Arzo etc. 1884, Taf. 2, Fig. 10—20; Taf. 3, Fig. 1—2 pp. 

* In Wirklichkeit gehören aber die von Parona abgebildeten Stücke zu Rh. belemnitica Qu., worauf ich schon in 
meiner Monographie des Genus Rhynchonellina (Palaeontographica XLI, p. 57) hinwies. : 

5 Haas, Etude monogr. ete. I Part. 1885, p. 29. 

6 Haas, Krit. Beiträge zur Kenntniss der jurass. Brachiopodenfauna des schweizerischen Juragebirges und seiner 
angrenzenden Landestheile (Abh. d. schweiz. pal. Gesellsch. Vol. XVI, 1889, p. 1). 

? Geyer, Lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz, 1889, p. 36 ft. 

® pr Sterano, Il Lias medio d. M. S. Giuliano etc. 1891, p. SS fi. 

® Parona, Il calec. lias. di Gozzano etc. 1880, p. 21, Taf. III, Fie. 2. 


182 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


DI STEFANO stellt dies als gewiss hin. Zu Rh. varıabilis SCHLOTH. gehört diese Art jedoch sicherlich nicht, 
schon weil sie auf den Seiten abgeflacht ist, auch ist der Wulst verschieden; ebensowenig gehören natürlich 
Rh. belemnitica Qu. und Rh. Alberti Gzxzr (Orren?) vom Hierlatz hierher, welche pDı STEFANo in seiner 
Synonymenliste aufführt. Im selben Jahr (1891) schliesst sich Haas! der Meinung Geyer’s an und vereinigt 
Rh. belemmnitica Qu. mit Rh. variabilis SCHLOTH., für welche er wieder den Namen Ah. Briseis GEmm. be- 
nutzt. Auch zieht er Ah. Calderinii Par. hierher, bildet aber unter diesem Namen eine Art ab, welche 
sicherlich nichts mit Ah. variabilis zu thun hat. 1892 eitirt Paroxa” die Rh. Briseis von Gozzano und 
vereinigt sie mit /rh. Zitteli Par. (non Grmm.) und Ah. Calderinii Par., unrichtiger Weise aber auch mit 
der Arh. belemnitica Qu. vom Hierlatz. 1893 publieirte ich? meine Untersuchungen über Ah. belemmitica Qu. 
und kam zu dem Resultat, dass erstens Rh. belemmitica Qu. von Rh. variabilis SCHLOTH. zu trennen sei, und 
dass zweitens der Name Rh. variabilis Scauotk. aufrecht zu erhalten sei. 
Es handelt sich nun darum folgende Fragen zu beantworten: 
1) Ist Rh. variabilis Schvore#. mit Rh. belemnitica Qu. zu vereinigen? 
2) Ist Ah. variabilis ScHLorH. mit Ph. Briseis GEMM. identisch ? 
3) Ist der Name Ah. variabilis ScHhLoTe. aufrecht zu erhalten? 
ad 1. Schon in meiner oben eitirten Beschreibung der Brachiopodenfauna von Hindelang habe ich 
4 Merkmale angegeben, durch welche sich Rh. belemnitica Qu. von Rh. variabilis SCHLOTH. unterscheidet. 
Diese 4 Merkmale sind: erstens wird die Rh. belemnitica im Allgemeinen grösser als die Ah. variabilis, doch 
ist hinzuzusetzen, dass sich unter den alpinen Exemplaren der zuletzt genannten Art Exemplare finden, welche 
die Rh. belemmitica an Grösse fast erreichen, doch wird im Allgemeinen in den Alpen die Ah. belemnitica 
grösser als Ark. variabilis. Zweitens springt der Wulst der kleinen Klappe bei der Frh. variabilis scharf vor, 
während bei der Ah. belemmitica dies nicht der Fall ist. Drittens sind bei der Zrh. belemnitica die Schalen 
an der Seitencommissur stets etwas eingesenkt, so dass eine Art von schwacher Areole entsteht; an der 
Rh. variabilis ist dergleichen nicht zu bemerken: die Schalen treffen vielmehr an der Seite unter einem 
stumpfen Winkel zusammen. Viertens ist das Medianseptum der kleinen Klappe bei der Ah. variabilis länger 
als bei der Rh. belemnitica. Dazu liesse sich wohl als fünftes Merkmal hinzufügen, dass Ah. belemmnitica 
stets flachere Schalen hat als Rh. variabilis. Hieraus ergibt sich, dass sich ih. belemnitica und Rh. variabilis 
gut von einander unterscheiden lassen. Die Münchener Sammlung besitzt ein ausserordentlich reiches Material 
beider Arten, viele Hunderte von Exemplaren liegen aus den verschiedensten Localitäten vor, und doch kommt 
man nur selten in Zweifel, wohin die Stücke zu stellen sind. 
ad 2. Dass Rh. Briseis Gemm.* mit der mittelliasischen Ah. variabilis SCHLOTH. identisch sei, ist 
wohl von den meisten Autoren als gewiss angenommen worden, nachdem Haas beide Arten identifieirt hatte. 
Schon GEMMELLARO hatte auf die nahe Verwandtschaft hingewiesen, aber auch Unterschiede hervorgehoben; 
diese bestehen in dem Fehlen der Schnabelkanten und der falschen Area bei Rh. Briseis; aus den Abbil- 
dungen aber ergibt sich, dass Rh. Briseis meistens einen wenig hervorspringenden und in der Frontalregion 
gegen die Stirnlinie hin abgekrümmten Wulst besitzt, auch müssen den Abbildungen nach zuweilen Lateral- 


' Haas, Etude erit. ete. Part III. 1891, p. 132 £. 

® Paroxa, Revisione de fauna lias. di Gozzano etc. 1892, p. 29, Taf. II, Fig. 1—8. 

” Böse, Die Fauna der lias. Brachiopodenschichten bei Hindelang 1893, p. 639, Taf. XV, Fig. 5, 6. 
* GEMMELLARO, Sopra ale. faune giuresi e liasiche etc. 1874, p. 77, Taf. XI, Fig. 19—22. 


Vu 


Rhynchonella variabilis ScuLorn. 18 


felder oder Areolen vorhanden sein. Auch Haas bildet 1887 (l. c. Taf. VI, Fig. 1, 2) zwei Exemplare der 
Rh. Briseis aus Sicilien ab, von diesen stimmt Fig. 1 am besten mit den Abbildungen GEMMELLARo’S überein, 
Fig. 2 weicht dagegen durch die Gestalt des Wulstes ab; beide Stücke scheinen an der Seitencommissur 
etwas eingesenkt zu sein. Weitere Abbildungen hat pı Srerano (l. c. 1591) gegeben. Diese Stücke weichen 
jedoch ganz erheblich von der Rh. variabilis und, wie mir scheint, zum Theil wohl auch von den Originalen 
GEMMELLARO'S ab, Sie zeigen alle sehr deutliche Lateralfelder. Aus den Abbildungen schloss ich schon früher, 
dass mit dem Namen Zth. Driseis zwei verschiedene Arten bezeichnet wurden, von denen die eine Rh. variabilis 
sei. Diese Vermuthung wurde bestätigt, als Herr Prof. GEmmELLARO die Liebenswürdigkeit hatte, dem 
Münchener Museum drei Exemplare der Rh. Briseis einzusenden. Von diesen drei Exemplaren gehörten zwei 
zu Ih. variabilis SCHLOTH., eines zu einer eigenen Art; dieses Exemplar sehe ich somit als den Typus der 
Rh. Briseis an. Es kommt aiso auf Sieilien die ächte Ah. variabilis SchLorta. vor (die betreffenden Stücke 
unterscheiden sich von den Amberger Formen nur durch die Farbe), daneben eine Art, welche als Rh. Briseis 
GEmM. zu bezeichnen ist, sie weicht durch die Gestalt des Schnabels, den an der Stirn abgerundeten Wulst, 
eine Aufblähung am Wirbel der kleinen Klappe und durch das Vorhandensein von Lateralfeldern von Rh. 
variabilis ScHLoTH. ab". 

ad 3. Wie schon RorHprerz (l. c. 1586) auseinandergesetzt hat, wissen wir seit Davınsox’s Unter- 
suchungen (1876), dass als Rh. variabilis ScHLotH. jene der Ah. belemmitica Qu. nahestehende Form aus 
dem Mittellias zu bezeichnen ist. Mag nun ScHLoTHEIM zu seiner Art ursprünglich auch Formen aus dem 
Zechstein und Devon gerechnet haben, so haben ihm doch jedenfalls auch typische Exemplare von Amberg 
und aus Lothringen vorgelegen. Davınson hat dann (und eigentlich vor ihm schon Zırrex) den Namen auf 
die mittelliasische Form beschränkt und die Grenzen der Art festgestellt. Auch L. v. Buck citirt Rh. varia- 
bilis als wahrscheinlich aus dem Lias von Amberg stammend, und in einer 1824 anonym erschienenen Ab- 
handlung, welche vermuthlich von Sraun”? geschrieben ist, wird Terebratulithes variabilis von Boll, Gammels- 
hausen, Mezingen und Gross-Eislingen eitirt, was es doch recht wahrscheinlich macht, dass schon hier der 
Name auf die mittelliasische Form beschränkt wird. Auch die erste Abbildung bei Schroruzm bezieht sich 
sicherlich auf die Ah. variabilis des mittleren Lias. Quensteor hat verschiedentlich versucht, den Namen 
Rh. variabilis auszumerzen und dafür die Bezeichnung Rh. triplicata Purwr. vorgeschlagen, ist aber nicht 
damit durchgedrungen, ja seine Ah. triplicata ist mit derjenigen Form, welche Prıwrırs mit diesem Namen 
belegte, nicht identisch. Ich sehe also keinen Grund, wesshalb der Name Ah. variabilis SchLotH. aufgegeben 
werden sollte, da wir genau wissen, was damit gemeint ist; erst sehr spät ist durch unnöthige Vereinigung 
dieser Art mit Ah. belenmitica Qu. und Ih. Briseis GEMM. einige. Verwirrung entstanden. 

Was nun die aus den Nordalpen vorliegenden Exemplare der Rh. variabilis Schvorn. angeht, so 
ist zu bemerken, dass zwei Varietäten vorkommen: Am Schafberg findet sich hauptsächlich die typische, 
dicke Form, welche von der bei Amberg vorkommenden absolut nicht zu unterscheiden ist. Wir beobachten 
hier den spitzen, etwas nach vorn gebogenen Schnabel, den kräftig vorspringenden Wulst, der an der Stirn 
scharf abgeschnitten ist; auch fehlen Areolen und Lateralfelder. Die Zahl der Rippen auf dem Wulst schwankt 


! Weiteres über Rh. Briseis findet sich in dem dieser Form gewidmeten Abschnitt. 

® Uebersicht über die Versteinerungen Württembergs nach dem gegenwärtigen Standpunkt der Petrefaktenkunde 
(Correspondenzblatt des Württemb. Landwirthschaftl. Vereins 1824). Auf dem Titel des Exemplars der Münchener Sammlung 
ist als Verfasser Staat (handschriftlich) angegeben. 


154 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


zwischen 3 und 6. Bei Kramsach dagegen herrscht eine breitere und meistens auch etwas flachere Varietät 
vor, welche bedeutend grösser als der Typus wird. Die Zahl der Wulstrippen schwankt hier zwischen 4 
und 6, die Form ist stärker geflügelt als der Typus und nähert sich der Figur 14—16 bei QUENSTEDT 
(Brachiopoden 1871, Taf. 38). Aber auch hier zeigt sich wieder ein vollkommenes Fehlen der Areolen und 
Lateralfelder, auch ist der vorspringende Wulst sogar bei flachen Formen auffallend scharf abgestutzt. Die 
Stücke nähern sich der Rh. triplicata ö Qu., welche mir von Zell vorliegt, sowie einigen Exemplaren der 
Rh. variabilis aus dem mittleren Lias von Geronville. Grössere Formen erinnern auffallend an eine Form, 
welche Haas! als Ah. Delmensis abgebildet hat, so z. B. an seine Fig. 9. Aehnliche Stücke haben bereits 
CHapuvıs und Dewargur? abgebildet und zu Rh. variabilis gestellt. Roruprerz® giebt an, dass bei den 
meisten der ihm aus dem mittleren Lias von Hohenschwangau vorliegenden Exemplaren die vordere Schale 
am Wirbel anschwillt, was bei den ausseralpinen Exemplaren seltener vorkommt. Auch bei den von Kramsach 
und dem Hinterschafberg stammenden Individuen ist ein solches Anschwellen äusserst selten zu beobachten. 
Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Hinterschafberg, Grünsee, Ostwand bei Hotel Schafberg. 


Rhynchonella Briseis Gruwmerzaro. — 4 Exempl. 
Taf. XII, Fig. 20. 
1874. Rhynchonella Briseis GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sicilia, p. 77, Taf. XI. Fig. 19—22. 
1391. — — DI SteraAxo, Il Lias medio del M. San Giuliano etc. p. 88, Taf. III, Fig. 9—13. 
?— — var. öphimedia ibidem, p. 99, Taf. III, Fig. 14—17. 

Herr Professor GEMMELLARO hatte die Liebenswürdigkeit, auf Ansuchen des Herrn Geheimrath vox 
Zırrer dem Münchener Museum drei Exemplare seiner Ah. Briseis zu schenken. Die Stücke stammen aus 
dem mittleren Lias von Chiusa Sclafani in Sieilien. Schon bei Gelegenheit der Besprechung der Rh. varia- 
bilis habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass Rh. Briseis als eigene Art anzusehen ist. Unter den mir 
vorliegenden sicilianischen Exemplaren befinden sich allerdings zwei Stücke, welche typische Rh. variabılıs 
sind, das eine gleicht ganz den Amberger Stücken der Rh. variabilis, das andere gehört zu der im germa- 
nischen Lias selteneren, bei Kramsach häufigeren, flachen Varietät. Das dritte Exemplar gehört dagegen 
nicht zu Rh. variabilis ScHLoTH., sondern ist eine eigene Art und somit wohl als Typus der Rh. Briseis 
Genm. anzusehen. Es unterscheidet sich von Rh. variabilis durch die abgeflachten Seiten (Lateralfelder mit 
theilweise eingesenkter Commissur), durch die Aufblähung der kleinen Klappe in der Wirbelgegend und durch 
den an der Stirn eher abgerundeten als energisch vorspringenden Wulst. Diese Form schliesst sich eng an 
Rh. Zitteli Gemm. an, sie unterscheidet sich wohl nur durch die geringere Anzahl der Rippen. Dr STEFANo's 
Ich. Briseis var. iphimedia ist vielleicht sogar identisch mit Rh. Zitteli Gems. oder eine Varietät dieser 
Art und leitet zu Rh. Briseis hinüber. Von Rh. belemnitica Qu. entfernt sich Rh. Briseis GEmMm. sehr weit, 
der ganze Habitus ist sehr verschieden. Ah. belemnitica Qu. hat einen kräftigeren Schnabel, die Commissuren 
sind an der Seite tiefer eingesenkt, das Gehäuse ist weniger aufgebläht, der Stirnrand des Wulstes noch 
mehr abgerundet als bei Rh. Briseis Grmm. Von Rh. Zitteli Gemm. unterscheidet sich Rh. Briseis GEMM. 


' Haas und Perrı, Brachiop. der Juraformat. von Elsass-Lothringen 1882, p. 791, Taf. IV, Fig. 1—9 (in der Tafel- 
Erklärung als Rh. Beneckei aufgeführt). 
® CHaruıs et DewaALgque, Terrains second. du Luxembourg 1851—1855, p. 248, Taf. 36, Fig. 5a—k. 
® Rorupterz, Vilser Alpen 1886, p. 144. 


D 


7 


Rhynchonella Zitteli Geun. 18 


or 


hauptsächlich. durch das stärker aufgeblähte Gehäuse und die geringere Anzahl der Rippen. Mir scheint 
diese Gruppe der Rh. Zitteli — Rh. Briseis eine für sich bestehende Entwicklungsreihe darzustellen, welche 
im unteren alpinen Lias ihre Vertreter im Formenkreis der Rh. Fraasi Orr. findet. Aus dem Lias @ von 
Offterdingen (Württemberg) liegt mir eine Rhynchonella vor, welche sich an Rh. Briseis durch ihre Gestalt, 
an Rh. Zitteli durch die zierlichen Rippen anschliesst; durch diese Form, welche, soviel ich weiss, bisher 
nicht besonders benannt wurde, ist die erwähnte Gruppe also auch im untersten germanischen Lias vertreten: 

Aus dem mittleren Lias des Schafberges und von Kramsach liegen mir einige Gehäuse vor, welche 
sich von dem sicilianischen Exemplar der Rh. Briseis wenig oder gar nicht unterscheiden. Sie besitzen die 
Aufblähung am Wirbel der kleinen Klappe, deutliche Lateralfelder, den vorspringenden, aber an seinem 
unteren Theile abgerundeten Wulst. Die Zahl der Rippen auf dem Wulst schwankt zwischen 3 und 6. Mit 
den von DI STEFAnO abgebildeten Exemplaren der Rh. Briseis haben die wenigen, bisher in den Nordalpen 
gefundenen grosse Aehnlichkeit, doch ist es natürlich nicht sicher, und aus den Abbildungen schwer zu er- 
kennen, ob nicht viele der Stücke, welche vom Mte. S. Giuliano etc. stammen, ächte Rh. variabilis sind; 
ich habe selbst dort Ah. variabilis neben Rh. Briseis vı Ster. (Gem. ?) gesammelt. 

Ausser den vier vollständigen Exemplaren der Ah. Briseis liest mir noch eine Anzahl einzelner 
Klappen vor, welche vermuthlich hierher zu rechnen sind, doch ist eine sichere Bestimmung nicht möglich. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Hinterschafberge. 


Rhynchonella Zitteli GemmeLLARo. — 12 Exempl. 
ax Riesa 22: 


1874. Bhynchonella Zitteli GENMELLARo, Sopra aleune faune giur. e liasiche della Sicilia, p. 18, Taf. XI, Fig. 23. 


1380. — — Parona, Il cale. lias. di Gozzano, p. 20, Taf. III, Fie. 1. 
1554. —_ — Haas, Beitr. z. Kenntn. d. lias. Brachiopodenfauna v. Südtirol, p. 6. 
1854. — cfr. — Parona, I brach. liass. di Saltrio e Arzo, p. 243, Taf. II, Fig. 6—8. 


Rh. Zitteli ist eine wenig charakteristische Form, sie hat, wie schon GEmMELtARo bemerkte, eine 
gewisse Aehnlichkeit mit einigen Varietäten der Rh. serrata Sow., von der sie sich aber durch den kleineren 
Schnabel sowie das Fehlen der scharfen Schnabelkanten unterscheidet, auch sind bei der Rh. serrata Sow. 
die Areolen kürzer, sowie der Umriss eher rundlich als dreiseitig. Rh. Zitteli varürt nach verschiedenen Rich- 
tungen; die Zahl der Rippen wechselt auf dem Sinus zwischen 4 und 7, auf dem Wulst zwischen 5 und 8; doch 


net ein einziges Exemplar, welches vielleicht hierher zu ziehen ist, aber 
schon den Uebergang zu Rh. Briseis vermittelt, hat auf dem Wulst nur 4 Rippen. Ferner wechselt die 
Tiefe des Sinus; bei einigen Exemplaren ist er kaum sichtbar, bei anderen ziemlich tief. Der Wulst ist 
meistens wenig hervortretend, weil gerundet. ö 

Dass Rh. Zitteli nahe verwandt mit Rh. Briseis ist, wurde bereits bei der Besprechung der letzteren 
Art hervorgehoben, ebenso, dass Rh. Briseis var. iphimedia pı Ster. möglicherweise zu Rh. Zitteli gehört. 

GEMMELLARO zieht zu Rh. Zitteli auch Rh. cfr. Fraasi, welche Zırren! abbildet; aber diese Form 
ist sicherlich von der bei GEMmMELLARO abgebildeten verschieden; der Wulst ist viel kräftiger, ebenso der 
Sinus, auch sind die Rippen wohl noch schärfer. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Vorderthiersee bei Kufstein, Fagstein bei Berchtesgaden. 


sind die gewöhnlichen Zahlen 


* Zırter, Geo]. Beobachtungen aus den Central-Apenninen 1896, p. 130, Taf. 14, Fie. 18. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 24 


1S6 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Rhyncehonella Zugmayeri GEMMELLARo. — 8 Exempl. 
1878, Rhynchonella Zugmayeri GEMMELNARO, Sopra ale. faune giur. e lias. della Sicilia, p. 420, Taf. 31, Fig. 50—60. 
1591. E= — DI STEFANO, Il Lias medio del M. S. Giulano, p. 103, Taf. III, Fig. 18; Taf. IV, Fig. 1, 2. 
1894. _ — Fucısı, Fauna dei calc, bianchi ceroidi etc. p. 44, Taf. VI, Fig. 23. 


Mir liegen nur wenige gut erhaltene Exemplare dieser Form vor. Rh. Zugmayeri ist meistens 
asymmetrisch, hat auf der grossen Klappe einen gewöhnlich schiefliegenden Sinus, während dem entsprechend 
sich ein schwach entwickelter Wulst auf der kleinen Klappe zeigt. Eigentliche Areolen sind nicht vorhanden, 
doch sind zuweilen kurze Lateralfelder angedeutet. Der Schnabel ist hoch, spitz und nicht auf die kleine 
Klappe herabgezogen. Die Commissur ist auf der Seite fast gerade, an der Stirn stark gefaltet und etwas 
gegen die kleine Schale gehoben. 

Die Art hat eine gewisse Aehnlichkeit mit Rh. fissicostata SUESS, WAS GEMMELLARO, DI STEFANO, 
Fucısı und Geyer! bereits hervorgehoben haben. Fucıı gibt an, dass GEYER die Form mit Rh. fissicostata 
vereinigen wolle, das ist jedoch nicht der Fall: GEvEr sagt nur: „Die Abbildungen, welche GEMMELLARO 
von dieser Art (Rh. Zugmayeri d. Ref.) gibt, sind leider so verschwommen, dass sich nicht mit Sicherheit 
erkennen lässt, durch welche Unterschiede dieselbe von den hier beschriebenen Exemplaren vom Hierlatz 
abweicht,“ ein Satz, der für jeden, welcher Deutsch versteht, ganz klar ist. 


Fundort: Vorderthiersee bei Kufstein. 


Rhynchonella cfr. Orsinii GEMMELLARO. — 1 Exempl. 
1874. Rhynchonella Orsinii GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sicilia, p. 76, Taf. XI, Fig. 18. 


Nur ein einziges nicht gut erhaltenes Exemplar möchte ich auf Rh. Orsinii beziehen. Es stimmt, 
was den Sinus der grossen Klappe, den Wulst der kleinen, die Lateralfelder und die Wölbungsverhältnisse 
betrifft, recht gut mit der von GEMMELLARO gegebenen Abbildung überein. Etwas abweichend verläuft die 
Seitencommissur; während sie bei Rh. Orsinii ziemlich in der Mitte des Lateralfeldes liegt, ist sie bei unserem 
Exemplar ganz nahe an der Kante der grossen Klappe gelegen, ja in der halben Länge des Lateralfeldes 
geht sie vollständig auf die Kante über. i 


Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


Rhynchonella Saneti-Hilarii n. sp. — ca. 100 Exempl. 
Taf. XIII, Fig. 23—32. 

Eine bei Kramsach in zahlreichen Exemplaren vorkommende Art nähert sich der Ah. plicatissima, 
unterscheidet sich jedoch besonders durch die Art und Weise ihres Variirens. Die Speciesdiagnose ist folgende: 
Umriss: breit dreiseitig bis hoch dreiseitig. 

Commissur: auf der Seite ziemlich gerade, doch schon vor der Stirn gefältelt, an der Stirn gefältelt oder 
gezackt, gegen die kleine Klappe in regelmässiger oder unregelmässiger Curve oder unter scharfen 
seitlichen Knickungen gehoben. 


! GExER, Lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz 1839, p. 57. 


— 


Rhynchonella Sordellii Parona. 18 


Grosse Klappe: mässig bis kräftig gewölbt, selten ein deutlicher, oft asymmetrischer Mediansinus vorhanden, 
meistens zeigt sich nur eine schwache Depression der Frontalregion. 

Kleine Klappe: kräftig gewölbt, mit schwachem, meist undeutlich begrenztem, oft asymmetrischem Wulst versehen. 

Rippen: auf der grossen Klappe 12—28, auf der kleinen 9—26; auf dem Wulst 6—9, auf dem Sinus 5—8. 
Gewöhnlich sind die Rippen sehr fein, doch können sie auch in selteneren Fällen recht kräftig werden. 

Lateralfelder: bei einer Varietät sind ganz kurze flache Lateralfelder bemerkbar, auf deren unterem Theil 
sich aber schon schwache Andeutungen von Rippen zeigen; bei einer anderen Varietät fehlen diese 
Felder jedoch vollkommen; zwischen beiden Varietäten sind alle Uebergänge vorhanden. 

Schnabel: kräftig, hoch, spitz, wenig gekrümmt und nicht auf die kleine Klappe herabgezogen, die Schnabel- 
kanten sind meistens nicht sonderlich scharf. 


Innere Merkmale: unbekannt. 
I 1 III IV V VI 


Dimensionen: Höher A120 AN EEE enmE 
Breite: 13,4 12,5 14,8 144 124 107 „, 
Dieakae O9 TO ONE. 
Wir können diese Art in eine Anzahl Varietäten zerlegen und zwar nach dem Vorkommen von 
Lateralfeldern, nach der Anzahl der Rippen und dem Auftreten eines regelmässigen Wulstes; die Art der 


Zerlegung sei durch folgendes Schema dargestellt. 


A. Gruppe mit Lateralfeldern B. Gruppe ohne Lateralfelder 
stets feinrippig, ohne deutlichen Wulst, a) grobrippig b) feinrippig 
meist asymmetrisch : 6 
a 172 a. var. crassicostat« a. multicostata 1, VI 
127232008110. (asymmetrisch). (meist asymmetrisch). 
8. var. symmetrica III ß. plana V 
(mit deutlichem symmetr. Wulst). (sehr flache Form). 


y. var. applanata IV 
(sehr flache Form). 

Rhynchonella Sancti-Hilarii n. sp. ist eine mit Rh. plicatissima Qu. sehr nahe verwandte Form; sie 
unterscheidet sich von ihr hauptsächlich durch die grössere Anzahl der Rippen, die meist asymmetrische 
Form, den mehr dreiseitigen Umriss, den grösseren Schnabel, sowie durch das seltene Auftreten von scharf 
begrenztem Sinus und Wulst. Eines der vorliegenden Exemplare ist von Rh. plicatissöma fast nicht mehr 
zu unterscheiden. Trotzdem also ein Uebergang vorhanden ist, habe ich doch einen neuen Namen gegeben, 
weil die Art des mittleren Lias einen eigenen Habitus hat und auch anders variirt als Rh. plicatissima. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Vorderthiersee bei Kufstein. 


Rhynchonella Sordellii Paroxa. — 3 Exempl. 
NDR O0, II 388, 
1880. Rhynchonella Sordellii ParoxA, Il calcare liasico di Gozzano e i suoi fossili, p. 23, Taf. III, Fig. 4. 
1380. — _ Canavarı, I brachiopodi d. strati a Ter. Aspasia Men. nell’ Apennino centrale, p. 30, 
Taf. IV, Fig. 10. 


! Die römischen Ziffern beziehen sich auf die Tabelle der Dimensionen. 


188 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


1885. Rhynchonella Sordellii Parona, Contrib. allo studio della fauna liassica dell’ Apennino centrale, p. 103, T. IV, F.7. 


1834. — _ — I brachiopodi liassici di Saltrio e Arzo nelle prealpi lomb. p. 16, T. II, F. 3—4. 
1392. = —_ —  Revisione della fauna liasica di Gozzano, p. 28. 
1894. — —_ Puıtıppsox u. Sorınmans, Ueb. d. Auftreten von Lias in Epirus, p. 124, Taf. XI, Fig. 1. 


Eine ziemlich charakteristische, asymmetrische Form lässt sich gut mit Ah. Sordellöi Par. identificiren. 
Die Stirnregion, der Schnabel und die Art der Berippung stimmt ausgezeichnet mit der von CAnavart (l. €.) 
abgebildeten Varietät überein, der Umriss dagegen eher mit demjenigen der von ParoxAa (1883, 1884 |. c.) 
abgebildeten Stücke. Auch in den Wölbungsverhältnissen weicht unsere Art nicht von Rh. Sordelli ab, 
wesshalb ich eine Identifieirung für richtig halte. 

Parona vergleicht die Form mit Rh. Orsinii Gemm. und Rh. tetraödra; von diesen beiden lässt sie 
sich aber leicht durch die Beschaffenheit der Stirnregion unterscheiden. Eher erinnert Zeh. Sordellii wohl 
an Rh. serrata Sow., welche jedoch weniger und kräftigere Rippen hat. 


Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


Rhynehonella subdiscoidalis nov. sp. — 4 Exempl. 
Taf. XIII, Fig. 34. 


Die mir vorliegenden Gehäuse dieser neuen Species sind durch die Art der Berippung recht cha- 
rakteristisch. Sie weisen folgende Merkmale auf: 


Umriss: subpentagonal, zuweilen asymmetrisch. 

Commissur: auf der Seite gerade oder etwas geschweift, an der Stirn in einer zuweilen asymmetrischen Curve 
gegen die kleine Klappe vorgezogen, doch ohne dass seitliche Knickungen vorhanden wären. 

Grosse Klappe: mässig gewölbt, die stärkste Wölbung liegt in der Schalenmitte. Ein eigentlicher Sinus ist 
gewöhnlich nicht vorhanden, doch ist die Klappe in der Stirnregion ein wenig eingesenkt und springt 
gegen die andere Schale zungenförmig vor. An einem Exemplar ist jedoch ein wirklicher Sinus in der 
Stirnregeion ausgebildet, aber undeutlich begrenzt. 

Kleine Klappe: stärker gewölbt als die grosse, die grösste Dicke liegt in der Mitte. Ein Wulst ist nur in 
der Stirnregion angedeutet, doch setzt er auch hier niemals scharf gegen die Flügel ab. 

Lateralfelder: sind nicht vorhanden. 

Berippung: auf jeder Klappe stehen 15—18 Rippen, die mittleren sind die kräftigsten, gegen die Seiten hin 
werden sie schwächer, so dass nahe vor der Commissur keine mehr zu sehen sind, ohne dass jedoch 
Lateralfelder entständen. Die Rippen sind sehr breit, etwa so wie bei Rh. subpectiniformis n. sp., Sie 
sind sehr flach und wellig, die Zwischenräume sehr schmal, fast linienförmig. 

Schnabel: spitz, klein, nicht sehr breit, aufrechtstehend, ohne Kanten. 

Innere Merkmale: in der grossen Klappe zwei Zahnstützen, in der kleinen Klappe ein mässig langes, nicht 
sehr kräftiges Medianseptum vorhanden. Cruralapparat unbekannt. 

li II Il 

Dimensionen: Höhe: 2 MI62 ZA IE ShlEmm: 

Breite: 17,9 160 123,9 
Dicker 21078255210,5 9,0 


” 


Rhynchonella subpectiniformis nov. Sp. 189 


Die Art steht der Rh. Orsinii Gemm. ziemlich nahe, unterscheidet sich jedoch durch den aufrecht 
stehenden Schnabel, die breitere Form, sowie die breiteren und flacheren Rippen. Durch die Art der Be- 
rippung tritt die Art in Beziehung zur Rh. subpectiniformis nov. sp., von der sie sich jedoch durch die 
stärkere Wölbung der Klappen, sowie durch die gröbere Berippung unterscheidet, auch ist Ih. subpectiniformis 
breiter und ihr Schnabel ist von dem der Rh. subdiscoidalis etwas verschieden. 

Mit Rh. discoidalis Par.! hat unsere Art in der Form ziemlich grosse Aehnlichkeit, doch ist der 
Stirmrand stärker gekrümmt und die Areolen fehlen, auch ist der Schnabel weniger stark gekrümmt. 


Fundort: Hinterschafberg. 


Rhynchonella subpectiniformis nov. sp. — 5 Exempl. 
la DAL INS, 38: 


Diese zierliche Art stimmt in allen Theilen mit Ausnahme des Schnabels ziemlich gut mit Ah. pee- 
tiniformis Can.” überein; die Speciesdiagnose ist folgende: 

Umriss: queroval, zum subpentagonalen neigend. 

Commissur: auf der Seite gerade oder leicht geschweift, an der Stirn in eleganter Curve gegen die kleine 
Klappe eingekrümmt, Knickungen nicht vorhanden. Dass bei einem Exemplar die Curve etwas asym- 
metrisch ist, dürfte auf Krankheit zurückzuführen sein, da an der asymmetrischen Stelle auch die 
Rippen abnormal schwach sind. 

Grosse Klappe: wenig gewölbt; etwa in der Mitte der Klappe beginnt ein undeutlich begrenzter Mediansinus, 
welcher sich bis zur Stirn hinabzieht und fast deren ganze Breite einnimmt. Bei jungen Individuen 
ist der Sinus beinahe nur noch an der Biegung der Stirnlinie erkennbar. 

Kleine Klappe: ungefähr ebenso stark gewölbt wie die grosse, ein eigentlicher Wulst ist nicht vorhanden, 
doch ist in der Stirnregion eine schwache mediane Erhebung erkennbar. 

Lateralfelder: fehlen vollständig, die Schalen stossen an der Seite unter stumpfem, an der Stirn unter spitzem 
Winkel zusammen. 

Berippung: bei dem grössten Exemplar stehen auf jeder Klappe 15 Rippen, welche wohl zum Theil durch 
Dichotomie entstehen, doch lassen sie sich in der Wirbel- und Schnabelregion nicht deutlich erkennen. 
Bei den kleineren Exemplaren ist es unmöglich die Rippen zu zählen, weil sie sich schon zu sehr ver- 
flachen. Die Rippen sind breit aber nicht hoch und scharf, sondern flach wellig, auf der oberen Seite 
abgerundet, die Zwischenräume sind sehr schmal, fast linienartig. 

Schnabel: sehr klein, schmal, spitz, aufrecht stehend, wenig gekrümmt, Kanten sind nicht vorhanden oder 
doch so stark abgerundet, dass sie fast nicht mehr zu erkennen sind. 

I Il III 
Dimensionen: Enge 15,65 1m 1,2 om, 
Breiter Sr 
Dicke: 8,7 6,3 5,5 


” 


” 


! Parona, Il calcare liasico di Gozzano 1880, p. 23, Taf. III, Fig. 5. 
® Canavarı, Contrib. III alla conosc. d. brachiopodi d. strati a Ter. Aspasia Men. nell’ Apennino centrale (Atti Soc. 
Tose. Sc. Nat. Vol. VI. 1884, p. 97, Taf. XI, Fig. 5). 


190 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Diese Art steht der Rh. pectiniformis Can., wie schon oben bemerkt, sehr nahe, unterscheidet sich 
jedoch durch den kleinen, zierlichen Schnabel; derjenige der Rh. pectiniformis Caxavarı ist nach dem Autor 
sehr kräftig und gekrümmt. Eine gewisse allgemeine Aehnlichkeit hat die Form mit Ah. discoidalis Par.", 
doch fehlen ihr die Areolen, auch ist die Berippung eine verschiedene. 

Fundorte: Hinterschafberg, Ostwand bei Hotel Schafberg, Kramsach bei Rattenberg. 


Rhynchonella fraudatrix nov. sp. — 2 Exempl. 
Par XI 9Ri02 36,37: 
1880. Rhynchonella variabilis var. plicata Canavarı, I brachiop. d. strati a Ter. Aspasia Men. nell’ Apennino centr. 
p. 31, Taf. IV, Fig. 12 (non 11). 
Diese Form ist wohl mit der von Caxavarı als Varietät plicata der Rh. variabilis SCHLOTH. be- 
schriebenen identisch; sie weist folgende Merkmale auf: 

Umriss: niedrig _fünfseitig. 

Commissur: auf der Seite wenig gekrümmt, an der Stirn mit zwei scharfen Eckknicken gehoben, gefältelt. 

Grosse Klappe: ziemlich gewölbt, ein nicht immer ganz symmetrischer Mediansinus zieht sich von der 
Schnabelregion bis zur Stirn hinab. 

Kleine Klappe: stark gewölbt, ein wenig deutlicher Medianwulst zieht sich von der Wirbelregion bis zur Stirn. 

Lateralfelder: eigentliche Lateralfelder sind nicht vorhanden, doch treffen die Klappen an der Seite unter 
einem sehr stumpfen Winkel (fast 150°) zusammen. 

Rippen: diese sind auf der Mitte der Schale fast nicht zu erkennen, deutlich ja kräftig werden sie erst in 
der Stirnregion; es sind 6 auf der kleinen, wovon 4 auf dem Wulst, 2 auf den Seiten, und 5 auf der 
grossen Klappe, wovon 3 auf dem Sinus, 2 auf den Seiten stehen. 

Schnabel: klein, spitz, wenig gekrümmt, fast ohne Kanten. 


Innere Merkmale: unbekannt. 
Diese hübsche Art ist ziemlich sicher identisch mit der von Canavarr (l. ec.) als Rh. variabilıs 


ScHLoTH. var. plicata abgebildeten Form; als einzigen Unterschied könnte man die grössere Stärke der 
Rippen, sowie die Verschiedenheit der Seitencommissur bei dem Exemplare Canavarrs anführen. GEYER” 
will die von Caxavarı beschriebene Form zusammen mit dessen Rh. variabilis var. luevis (CANAVARI |. C. 
Taf. IV, Fig. 11) zu Rh. Paolii Cax. stellen, was aber Fucrsı® für unrichtig hält. Auch ich muss Fucır's 
Anschauung beipflichten, da Cavavarrs Fig. 12 sich von Rh..Paoliü durch die besondere Stärke der Rippen 
gut unterscheidet; auch Fig. 11 möchte ich mit Fucısı von Fig. 12 als besondere Art abtrennen und sie, 
im Gegensatz zu Fucıı, mit Rh. Paolii vereinigen, da mir zahlreiche Uebergänge zwischen den beiden 
Formen vorliegen. 

Rh. fraudatrix steht der Rh. Paoli Ca. nahe, unterscheidet sich jedoch durch die Stärke der 
Rippen und die Gestalt der Stirnregion. 

Fundort: Kramsach bei Rattenberg, Hinterschafberg ?. 


i Pıroxa, II cale. liass. di Gozzano 1880, p. 25, Taf. III, Fig. 5. 
? Geyer, Lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz 1889, p. 68. 
3 Fucısı, Cale. bianchi ceroidi von Phyll. cylindricum etc. 1894, p. 62. 


Rhynchonella Paolii Can. : 191 


Rhynchonella Paolii Canavarı. — Ca. 100 Exemp!. 
Taf. XIV, Fig. 1—4. 


1880. Rhymchonella Paolii Caxavarı, La montagna del Suavicino (Boll. d. R. Comitato geol. d’Italia, p. 69,. T. I, F. 1). 
1880. I brachiop. d. strati a Ter. Aspasia Mrx. nell’ Apennino centrale, p. 30. 
_ nov. f. ibidem, p. 31, Taf. IV, Fig. 13. 
— variabilis var. Taevis ibidem, p. 51, Taf. IV, Fig. 11. 
21889, = Paolii Geyer, Ueb. d. lias. Brachiopodenfauna d. Hierlatz b. Hallstatt, p. 67, Taf. VIl, Fig. 22—23. 
1594. —_ —  Fvemı, Fauna dei calcari bianchi ceroidi con Phyll. eylindricum etc. p. 61, Taf. VII, Fig. 6. 


Während bei Kramsach Rh. Paolii sehr selten ist, kommt sie am Schafberg an fast allen Fundpunkten 
des mittleren Lias sehr häufig vor. Sie variirt in Hinsicht auf die Stärke der Rippen, sowie auf die Tiefe 
des Sinus. Eine grosse Anzahl von Exemplaren ist vollkommen glatt, hat aber mit Ah. Paolii typ. den 
charakteristischen dütenförmigen, vollständig kantenlosen Schnabel gemeinsam. Daran schliessen sich Formen 
mit ganz schwacher Berippung, welche dann zu Gehäusen hinüberleiten, die eine ziemlich kräftige Berippung 
aufweisen. Ferner finden sich einzelne Stücke, welche kaum eine Andeutung eines Wulstes auf der kleinen 
Klappe haben, andere dagegen, welche einen sehr scharf ausgeprägten Wulst aufweisen, womit sich meistens 
auch eine Vertiefung des Sinus auf der grossen Klappe verbindet. Diese Extreme sind ebenfalls durch 
Uebergänge miteinander verknüpft. Ferner kommt es vor, dass der Wulst verlängert ist, so dass er sich 
etwas über die übrigen Theile der Stirnlinie hinauszieht. Auch verschmälern sich Wulst und Sinus zuweilen. 
Alle solche Verschiedenheiten treten aber nicht isolirt und constant auf, dass man Varietäten abtrennen könnte. 

Am nächsten steht der ächten Rh. Paolii Caw. diejenige Form, welche GEYER (l. c.) aus dem Hier- 
latzkalk beschreibt und auf unsere Art bezieht. Geyer’s Fig. 23 halte auch ich für identisch mit Ah. 
Paolö, dagegen unterscheidet sich die Fig. 23 durch das starke Zurücktreten der Flügel, sowie das Vor- 
handensein von Schnabelkanten beträchtlich vom Typus der Art Canwavarrs. Ferner ist zu Rh. Paoli wohl 
auch Rh. variabilis var. laevis Can. (l. c. 1880) zu rechnen, wenigstens ist eine Verschiedenheit von den 
glatten Gehäusen der Rh. Paolii vom Schafberg nicht zu entdecken. Weiter möchte ich auf eine Form auf- 
merksam machen, welche möglicherweise zu Rh. Paolii gehört, leider aber bisher nicht abgebildet ist, ich 
meine die von Haas! als Rh. Piceininüi Zırreu beschriebene Art. Haas identifieirt seine Art mit der 7. 
Piceininiü ZirtEu?, die aber eine ächte Terebratel ist, woran auch weder GEMMELLARO® noch MENEGHINI“ 
noch Canavarı* gezweifelt haben, welche diese Art ebenfalls anführen. Nun hat allerdings 7. Piceininii 
Zırten bei flüchtiger Betrachtung eine grosse Aehnlichkeit mit Rh. Paolüi Can., und zwar mit kleineren 
Exemplaren dieser Art, ja das von GEMMELGARO abgebildete Exemplar sieht der glatten Varietät der Ah. 
Paolii Can. zum Verwechseln ähnlich; deshalb ist es auch nicht unmöglich, dass die Prhynchnonella vom 
Piz Stern bei St. Cassian, welche Haas mit 7. Piceininii Zirz. identificirt, zu Zrh. Paolii Can. gehört; dazu 
stimmt auch die Bemerkung des Autors, dass manche Stücke breiter und weniger gewölbt seien als der 
Typus der 7. Piceinimii Zırr.; da jedoch Haas weder eine genaue Beschreibung noch Abbildungen gibt, so 


Haas, Beitr, zur Kenntniss der lias. Brachiopodenfauna von Südtyrol, 1884, pag. 16. 

Zırzer, Geol. Beobacht. aus den Central-Appenninen, 1869, pag. 125, Taf. 14, Fig, 7. 
GEMMELGARO, Sopra ale. faune giur. e lias. della Sicilia, 1374, pag. 64, Taf. XI, Fig. 4. 

* CAnavarı, I brachiop. d. strati a Ter. Aspasia Men. nell’ Appennino centrale, 1380, pag. 19. 


3 


199 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


kann ich die Zugehörigkeit seiner Art zu Zeh. Paolii nur vermuthen, um so mehr, als auch von dieser Art 
die Originale nicht mehr aufzufinden sind. 

Die Rh. Paolii Can. steht. der Rh. Taevicosta Stur' sehr nahe, doch hat diese stärkere und gleich- 
mässigere Rippen, zeigt keinen so scharf begrenzten Wulst wie die erstere, und ausserdem liess sich unter 
dem grossen mir vorliegenden Material der Rh. Paolii kein Uebergang zur Rh. Iaevicosta auffinden, so dass 


beide Arten getrennt aufrecht zu erhalten sind. 
Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Fagstein bei Berchtesgaden; Hinterschafberg, Oberer Burgau- 


graben, Thörlklamm am Schafberg. 


Rhynchonella Stachei nov. sp. — ca. 80 Exempl. 
‚Taf. XIV, Fig. 5—8. 


Eine der Rh. Paolöi nahe verwandte Art, welche aber immerhin gut von ihr zu unterscheiden ist, 
liegt in einer grossen Anzahl von Gehäusen vor; diese haben folgende Merkmale: 

Umriss: gerundet fünfseitig. 

Commissur: auf der Seite gerade und nahe an der grossen Klappe liegend; an der Stirn kräftig gegen die 
kleine Klappe gehoben und im mittleren Theil der Stirn mehr oder weniger kräftig gefaltet; doch 
kommt auch eine Varietät vor, bei welcher die Stirncommissur nicht gefaltet ist. 

Grosse Klappe: sehr flach; von der Mitte der Schaale bis zur Stirn zieht sich ein undeutlich begrenzter, 
mehr oder weniger tiefer Sinus, der häufig etwas asymmetrisch liegt. In der Wirbelgegend sind 
gewöhnlich einige kräftige Anwachsstreifen vorhanden. 

Kleine Klappe: gleichmässig kräftig gewölbt; meistens ist am Sinus der grossen Klappe entsprechend ein 
Wulst mehr oder weniger stark angedeutet, doch stets nur in der Frontalregion. In der Wirbelgegend 
sind meistens kräftige Anwachsstreifen sichtbar. 

Lateralfelder: sind nicht eigentlich vorhanden, doch sind sie in selteneren Fällen angedeutet, häufiger stossen 
die Klappen an der Seite unter fast 150° zusammen; zuweilen aber ist die Commissur etwas eingesenkt. 

Berippung: meistens sind Rippen nur in der Frontalregion auf dem Wulst sichtbar und zwar stehen dort 
3—6, um je eine Rippe weniger im Sinus; oft aber ist die Berippung nur durch eine Faltung oder 
Fältelung der Stirnlinie angedeutet, einige Exemplare sind ganz glatt. 

Schnabel: klein, sehr spitz, aufrecht stehend, nicht gekrümmt, mit ziemlich scharfen, niedern, faltenartigen 
Kanten versehen, welche mit der Commissur divergirend nach rückwärts in der grossen Schaale verlaufen. 

Innere Merkmale: in der grossen Klappe Zahnstützen, in der kleinen Klappe ein sehr kurzes, kräftiges 
Medianseptum vorhanden. Cruren unbekannt. 


I II II 
Dimensionen: Höhe: 16,3 15,4 14,0 mm, 
Breite:me1l)> 16,1 al 
Dicke: 11,9 9,5 Im, 


! Geyer, Ueber die lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz bei Hallstatt, 1889, pag. 66, Taf. VII, Fig. 20, 21. 


Rhynchonella subcostellata Genua. 193 


Diese Art variirt gerade so stark wie die vorhergehende, hauptsächlich in der Stärke der Berippung, 
sowie in der Höhe des Wulstes und der Tiefe des Sinus, auch sind die Wölbungsverbältnisse der kleinen 
Klappe sehr wechselnd, sie kann zuweilen ganz flach werden. Constant bleibt die flache grosse Schaale und 
der Schnabel mit den nach rückwärts verlaufenden Kanten. 

Rh. Stachel ist eine Mittelform zwischen Rh. Paolii Can. und Rh. Dalmasi Dvm. Von ersterer 
unterscheidet sie sich durch die starken Schnabelkanten und die auffallend flache grosse Klappe, sowie durch 
die verschiedene Lage der Seitencommissur. Bei Ah. Dalmasi Dum. sind dagegen die Schnabelkanten 
schärfer und länger, auch verlaufen sie etwas anders, und der Wulst der kleinen Klappe trägt eine mediane 
Einsenkung. 

Eine auffallende Aehnlichkeit hat Rh. Stachei mit einer Varietät der Rh. brentoniaca Orr. aus dem 
mittleren Dogger, doch fehlen dieser die nach rückwärts verlaufenden Schnabelkanten. 

Fundorte: Hinterschafberg, Feuchteneck, Grünsee, Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzensee. 


” 


Rhynchonella subcostellata GEMmMELLARO. — 1 Exempl. 
Taf. XIV, Eie. 9. 
1878. Rh. subcostellat« GEMMELLARO, Sopra ale. faune giuresi e liasiche della Sicilia, pag. 422, Taf. XXXI, Fig. 75—78, 


Ein zierliches Gehäuse, welches vom Hinterschafberg stammt, gehört wohl sicher zu Rh. subcostellata 
Gemum. Der Umriss ist pentagonal und breiter als hoch. Die Commissur ist auf der Seite gerade, aber 
gegen die Stirn hin gefältelt, an der Stirn ist sie gefaltet und in scharfen seitlichen Knickungen gegen die 
kleine Klappe gehoben. Lateralfelder fehlen gänzlich. Die beiden Klappen sind ziemlich gleichmässig 
schwach gewölbt, auf der grossen Klappe ist ein Mediansinus vorhanden, der aber erst in der Frontalregion 
sich etwas deutlicher abhebt, Ebenso wenig deutlich ist der Medianwulst der kleinen Klappe, welcher gleich- 
falls erst in der Stirngegend deutlicher begrenzt ist. Auf jeder Schaale befinden sich ungefähr 14—15 
deutliche Rippen, welche durch Theilung entstehen und zwar so, dass jede am Wirbel resp. Schnabel auf- 
tretende Rippe sich gegen die Stirn hin bündelförmig in 2—4 Rippen zerspaltet, doch konnte ich eine 
Regelmässigkeit in der Art der Zerspaltung, so wie das bei Rh. fascicostata Us.” der Fall ist, nicht wahr- 
nehmen. Auf dem Wulst stehen 6 Rippen, auf dem Sinus. 5. Der Schnabel ist kräftig, an der Basis breit, 
stark zugespitzt, aufrechtstehend, wenig gekrümmt, ziemlich hoch. Scharfe Schnabelkanten begrenzen eine 
falsche Area, welche eine fast horizontale Anwachsstreifung aufweist; das Deltidium ist ziemlich gross und 
scheint ganz feine, schräg gegen die Schnabelspitze gerichtete Anwachsstreifen zu besitzen. Das Foramen 
ist nicht vollständig erhalten, scheint aber ziemlich klein gewesen zu sein. Die Dimensionen sind: Höhe 
13,7 mm, Breite 16,5 mm, Dicke 9,2 mm, 

Von dem bei Germmertaro abgebildeten Exemplar weicht unser Exemplar dadurch ab, dass es auf 
Wulst und Sinus je eine Rippe mehr hat, und dass es verhältnissmässig etwas dicker ist, in allen andern 
Theilen stimmt es vollkommen mit GEMMELLARO'Ss Original überein. 


! Orper, Ueber d. Vorkommen v. jurass. Posidonomymsestein in d. Alpen, 1863, pag. 215, Taf. VII, Fie. 12—14. 
® UrrısG, Lias. Brachiopodenfauna v. Sospirolo bei Belluno (Sitzber. d. k. Akad. d. Wiss. Wien), 1879, pag. 42, 
Taf. V, Fig. 1—3. 


Palaeontographica. Bd. XLIV. 25 


194 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Die Art steht der Rh. plicatissima Qu. nahe, unterscheidet sich von dieser Species jedoch durch 
ihre mehr in die Breite gestreckte Form, durch die geringere Wölbung der Klappen, die verschiedene 
Schnabelbildung, und dadurch, dass die Kanten in der Ebene der Seitencommissur liegen. 

Fundort: Hinterschafberg. 


Rhynchonella cfr. latifrons Srtur. — 3 Exempl. 
1889. Geyer, Lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz bei Hallstatt, pag. 54, Taf. VI, Fig. 25—31. 


Mir liegen nur drei schlecht erhaltene Exemplare vor, welche man allenfalls mit Ah. latifrons Stur 
vergleichen kann; eines davon nähert sich in seinem Aussehen der Fig. 29 bei Geyer (l. c.), doch ist bei 
der schlechten Erhaltung an eine sichere Bestimmung nicht zu denken. 

Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


Rhynchonella sublatifrons nov. sp. — 7 Exempl. 
Taf. XIV, Fig. 10—12. 


An Rh. latifrons Stur schliesst sich eine Art aus dem mittleren Lias eng an, welche andererseits 
auch Beziehungen zu Rh. flabellum Men. aufweist. Sie hat folgende Merkmale: 
Umriss: abgerundet dreiseitig, meist breiter als hoch, seltener höher als breit. 
Commissur: auf der Seite gerade, gegen die Stirn hin meistens etwas gefältelt, an der Stirn gefaltet und 
gegen die kleine Klappe in zwei lateralen Knicken gehoben. 
Grosse Klappe: schwach gewölbt, in oder unter der Mitte beginnt ein breiter, flacher Mediansinus, der sich 
bis zur Stirn hinabzieht. 
Kleine Klappe: noch flacher als die grosse; in der Stirngegend ist ein breiter, flacher Wulst vorhanden. 
Lateralfelder: angedeutet, hauptsächlich bei grösseren Exemplaren, aber sehr kurz. 
Rippen: Die Zahl der Rippen schwankt auf beiden Klappen zwischen 11 und 15, auf dem Wulste stehen 
4—5 Rippen, auf dem Sinus immer je eine weniger. Die Rippen sind sehr flach und breit. 
Schnabel: sehr hoch, ziemlich breit, kräftig, wenig gekrümmt, aufrechtstehend. Die Kanten sind stark ab- 


gerundet. 
Innere Merkmale: unbekannt. 
: I II II IV 
Dimensionen: | Höhe: 14,1 13,2 10.1 10,4 
Breite: 14,8 14,4 11,4 9,9 
Dicker 155 6,1 5,7 5,6 


Mit Rh. flabellum Mex. hat unsere Art die dreiseitige Gestalt, sowie die breiten, flachen, wellen- 
förmigen Rippen gemeinsam; sie unterscheidet sich aber von ihr durch den hohen, kräftigen Schnabel und 
den Mangel an grossen, langen Lateralfeldern. Mit Ah. sublatifrons Sur hat Rh. latifrrons n. sp. den hohen, 
kräftigen Schnabel, sowie die dreieckige Form und den Mangel an eigentlichen Lateralfeldern gemeinsam, 
doch unterscheidet sie sich durch die breite, wellige Form der Rippen und durch das Fehlen der scharfen 
Schnabelkanten; übrigens ist unsere Art auch flacher und kleiner als Ah. latifrons Stur. Eine gewisse 


Rlyynchonella flabellum Mexeskint. 195 


Aehnlichkeit mit Rh. sublatifrons nov. sp. haben auch die jugendlichen Individuen der Ah. margaritati mihi, 
doch unterscheiden diese sich durch den kleinen, zierlichen Schnabel, sowie durch die meist asymmetrische 
Form. Als Verwandte der Latifrons-Reihe finden wir im Dogger Rh. bösei Borro-MıccA '; ähnliche, unbe- 
schriebene Formen findet man im Jura nicht selten. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg. 


Rhynehonella flabellum Menzcumm — 23 Expl. 

1874. Rh. flabellum GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sieilia, pag. 85, Taf. XI, Fig. 14, 25—27 

1880. — — Parona, Il calcare liass. di Gozzano, pag. 18, Taf. II, Fig. 7, 8. 

1880. — — CAnAvarı, I brachiop. d. strati a Ter. Aspasia Men nell’ Appennino centrale, pag. 28, Taf. IV, 
Fig. 4—7. 

21854. — —_ PaAroxa, I brachiop. liass. di Saltrio ed Arzo, pag. 15, Taf. I, Fig. 13; Taf. II, Fig. 1, 2. 

1892. — — Nerr, Monografia dei fossili del calc. bianco ceroide di Mte. S. Giuliano (Atti d. Soc. tose. di 
Sc. nat.; Processi verb.), pag. 46. 

1892, — —  Parona, Revisione della fauna liasica di Gozzano, pag. 36, Taf. II, Fig. 9, 10. 

1894. — — Fucını, Fauna dei calc. bianchi ceroidi con Phyll. cylindricum ete., pag. 40, Taf. VI, Fig. 18. 


Die mir vorliegenden Exemplare variiren in ihrem Aussehen sehr stark. Die Stirn ist bald nahezu 
gerade, bald im Bogen gehoben, bald unter scharfen Eckknicken gegen die kleine Klappe einspringend, so 
dass eine Art von Sinus auf der grossen und ein Wulst auf der kleinen Schale entsteht. Auch der Umriss 
wechselt sehr, einige Formen sind sehr breit und niedrig, andere hoch und schmal. Dasjenige, was ziemlich 
eonstant bleibt, ist die Grösse und Gestalt des Schnabels und der Lateralfelder, sowie die wellenförmige 
Gestalt der Rippen. Rh. flabellum ähnelt einer Varietät von Ah. latifrons Stur”, unterscheidet sich aber 
durch den Mangel an scharfen Schnabelkanten und durch den Besitz von Lateralfeldern, auch ist der 
Schnabel weniger hoch. Solche hohen Schnäbel und scharfen Schnabelkanten finden wir auch in der Ab- 
bildung der von Parona (l. c. 1884) als Ah. flabellum bezeichneten Form. In der Beschreibnng MEnEGHINT'S 
(siehe Canavarı 1880 1. c.) heisst es: „Apice pochissimo sporgente, incurvo, contiguo all’ umbone“ und 
GEMMELLARO (l. c.) sagt: „L’apice & piü 0 meno corto, acuto e alquanti carenato allati....“ Mit diesen 
Angaben vergleiche man aber den Schnabel der erwähnten Stücke Paroxa’s und zwar besonders der Fig. 13 
auf Taf. I, auf welche ja auch Fucmtr sich beruft. Ich muss auch heute noch bei meiner Anschauung 
beharren, dass die von ParonA als Rh. flabellum bezeichneten und von Arzo stammenden Exemplare zu 
Rh. latifrons Stur gehören, wenigstens soweit ich solche Stücke selbst gesehen habe; dass die ächte Rh. 
flabellum auch bei Saltrio und Arzo vorkomme, will ich nicht leugnen, doch hat Paroxa weder eine solche 
abgebildet, noch ist mir ein Stück davon zu Gesicht gekommen, unwahrscheinlich ist ja das Vorkommen 
schon deshalb nicht, weil ja auch Andere (Fucısm) Ah. flabellum aus dem untern Lias eitiren. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg, Hinterschafberg. 


! Borro-Micca, Fossili degli strati A Zioceras opalinum Reın. e Ludwigia Murchisonae Sow. della Croce di Valpore 
(M. Grapa) Prov. di Treviso. (Boll. Soc. geol. ital. 1593), pag. 51, Taf. I, Fig. 11. 
? Geyer, Lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz, 1889, pag. 59, Taf. VI, Fig. 25—31. 


196 Emil Böse, die mittelliasische Brachipodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Rhynchonella Greppini Orrer. — 15 Exempl. 
1892. Böse, Lias. Brachiopodenschichten bei Hindelang, pag. 642. 


Unter den vorliegenden Stücken sind leider nur wenige so gut erhalten, dass man sie mit Sicherheit 
bestimmen kann. Diese aber stimmen vollständig mit Rh. Greppini Typus überein. Bei den kleineren 
Exemplaren beginnt allerdings die Fältelung der Seitencommissur nicht auf der Areole, sondern am Ende 
derselben. Bei einigen Exemplaren vereinigen sich zwei Rippen vor der Stirn zu einer, ohne dass aber 
eine regelmässige rimose Berippung vorhanden wäre. Vom Schafberg liegen mir nur zwei sicher bestimm- 
bare Stücke aus dem Mittellias vor. Das eine davon ist typisch, das andere unterscheidet sich von der 
gewöhnlichen Hierlatzform durch seine schmälere Gestalt. Bei diesen Stücken sind die Rippen sehr scharf- 
kantig, während die Kramsacher Formen mehr gerundete Rippen haben. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Hinterschafberg. 


Rhyncehonella polyptycha Orren. — 6 Exemp!. 
1892. Böse, Fauna der lias. Brachiopodensch bei Hindelang, pag. 642. 


Nur wenige, nicht besonders gut erhaltene Gehäuse liegen mir von Kramsach vor, welche sich mit 
ziemlicher Sicherheit mit Rh. polyptycha Orreu identificiren lassen. Sie ähneln hauptsächlich Geyer's! 
Fig. 16 auf Taf. VI, doch ist der eine Unterschied vorhanden, dass bei unsern Exemplaren die Seiten- 
commissur sehr nahe an den Kanten der grossen Klappe liegt, so dass der grösste Theil der Lateralfelder 
auf die kleine Klappe fällt; auch sind die Lateralfelder wohl etwas tiefer eingesenkt als bei den typischen 
Exemplaren. Am Schafberg hat sich bisher nur ein einziges, aber typisches Exemplar im Mittellias gefunden; 
es gleicht vollkommen der Fig. 15 bei GEYER (. c.). 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Hinterschafberg. 


Rhynchonella quinqueplicata Zıerzx. — 2 Exempl. 


1830—34. Terebr. quinqueplicata ZiETEn, Versteinerungen Württemberss, pag. 55, Taf. XLI, Fig. 2. 
— _ triplicata, ibidem, pag. 55, Taf. XLI, Fig. 4. 

1871. — quinqueplicata QUENSTEDT, Die Brochiopoden, pag. 67, Taf. 37, Fig. 167—175. 

Von den beiden mir vorliegenden Exemplaren ist nur das eine ziemlich gut erhalten. Es zeigt den 
charakteristischen, vorgestreckten Wulst, stimmt überhaupt ganz mit Exemplaren aus dem bekannten Fund- 
platz Zell bei Boll (Lias 6) überein, welche mir vorliegen. Auf dem Wulst hat es nur zwei Rippen, wäre 
also mit Fig. 167 bei QuEnsTEnT zu vergleichen, wenn es nicht im Umrisse so auffallend an Fig. 169 
erinnerte. Solche Exemplare kommen auch bei Zell vor. 

Schon QuEsstepr hat ganz richtig erkannt, dass auch Ter. triplicata ZieTEn (non Pre.) hierher 
gehört; die Zahl der Wulstrippen wechselt eben sehr, und zwar sind die vielrippigeren Exemplare durchaus 
nicht die häufigeren, sondern jene mit 3 und 4 Rippen auf dem Wulst. 

Das zweite mir vorliegende Gehäuse hat 3 Rippen auf dem Wulst, doch fehlt der ganze obere Theil 


1 Geyer, Lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz, 1889, pag. 51, Taf. VI, Fig. 15—19. 


Rlıynchonella ptinoides Dr STEFANO. 197 


der beiden Klappen und das Uebrige ist verdrückt. Nur die auffallend starken Rippen und der vorspringende 
Wulst deuten auf eine Zugehörigkeit zu Rh. quingueplicata hin. 
Die kleine Klappe eines dritten Exemplars ist vielleicht ebenfalls hierher zu stellen; es ähnelt 
Fig. 172 und Fig. 174 bei Quensteor, doch ist eine auch nur annähernd sichere Bestimmung nicht möglich. 
Fundorte: Hinterschafberg; Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzensee, (?) Grünsee am Schafberg. 


Rhynchonella ptinoides pı Sterano. — 2 Exenmpl. 
1891. Rh. ptinoides DI STEFANO, Il lias medio del Mte San Giuliano etc., pag. S6, Taf. II, Fig. 13, Taf. III, Fig. 1. 


Von den beiden mir vorliegenden Exemplanen dieser charakteristischen grossen Art ist leider nur 
. das eine gut erhalten, dieses ist jedoch typisch. Der Umriss ist subpentagonal, fast quadratisch, die Com- 
missur ist auf der Seite gegen die kleine Klappe hineingekrümmt, wodurch das Exemplar etwas von den- 
jenigen »Dı Sterano's abweicht; an der Stirn ist die Commissur in zwei scharfen seitlichen Knickungen gegen 
die kleine Klappe sehr stark gehoben und im mittleren Theile scharf gezackt. Die grosse Klappe ist wenig 
gewölbt, springt jedoch im unteren Theile weit gegen die kleine vor, von der Schnabelregion bis zur Stirn 
zieht sich ein breiter, undeutlich begrenzter Sinus, welcher fast die ganze Schaalenbreite einnimmt. Die 
kleine Klappe ist äusserst kräftig gewölbt, von der Wirbelgegend bis zur Stirn zieht sich ein Wulst, welcher 
mehr als zwei Drittel der Gehäusebreite einnimmt; von dem Wulst fällt die Schaale zur Seiteneommissur 
sehr steil ab, so dass seitliche Flügel ganz fehlen. Eigentliche Lateralfelder sind nicht vorhanden, doch 
stossen die Klappen an den Seiten unter einem Winkel von fast 150° zusammen. Auf der kleinen Klappe, 
und zwar auf dem Wulst, befinden sich 3 kräftige Rippen, welche sich jedoch (von der Stirn aus gerechnet) 
schon auf dem zweiten Drittel der Schaalenlänge verflachen und gegen den Wirbel hin ganz verschwinden. 
Auf den Seiten befinden sich noch 2 sehr undeutliche Rippen. Auf der grossen Klappe befinden sich nur 
zwei kräftige Rippen im Sinus, welche sich von der Mitte der Schaale an zum Schnabel hin stark ver- 
flachen. Der Schnabel ist klein, niedrig, stark gekrümmt, auf die kleine Klappe herabgedrückt, mit 
gerundeten Kanten versehen. Zahnstützen sind vorhanden, ebenso ein Medianseptum in der kleinen Klappe, 
der Cruralapparat ist unbekannt. Die Dimensionen des vollständigen Exemplars sind folgende: Höhe 
23 mm, Breite 21,5 mm, Dicke 19,5 mm. 

DI STEFANO vergleicht Rh. ptinoides mit Rh. lubrica Umt.‘, von welcher sie sich durch den kleinen 
Schnabel und die bedeutend aufgeblähtere Gestalt unterscheidet. Ferner vergleicht pı Sterano seine Art 
mit Rh. Delmensis Haas’, und giebt die Unterschiede, welche hauptsächlich in den gerundeten Schnabel- 
kanten und der geringen Entwicklung lateraler Flügel bei Ah. ptinoides zu finden sind, recht gut an. 

Diese Species, welche auch in Sieilien recht selten ist, liegt mir bisher aus den Nordalpen nur in 
2 Exemplaren vor, welche sich in der Münchener Staatssammlung befinden. 

Fundort Hinterschafberg. 


" Untıs, Lias. Brachiopodenfauna von Sospirolo, 1879, pag. 39, Taf. V, Fig. 5—7. 

°® Haas und Perrt, Die Brachiopoden der Juraformation von Elsass-Lothringen, 1882, pag. 191, Taf. IV, Fig. 1—9 
(in der Tafelerklärung, sowie in dem ersten bereits 1881 von Haas publieirten Theil als Ah. Beneckei nov. sp. bezeichnet, 
welcher Name schon früher durch Nevmaver vergeben ist). 


198 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Rhynchonella pseudo-scherina nov. sp. — 10 Exempl. 
Mat. RIV-ERies 3,014 


Eine recht charakteristische Art, welche sich der Rh. Scherina GEmMm. nähert, liess sich mit keiner 
bekannten Form vereinigen. Sie lässt sich folgendermassen charakterisiren: 

Umriss: dreiseitig, zum fünfseitigen neigend. 

Commissur: auf der Seite gefältelt und gezackt (noch innerhalb der Areole), an der Stirn kräftig gezackt 
und unter scharfen seitlichen Knickungen gegen die kleine Klappe gehoben. 

Grosse Klappe: ziemlich gewölbt, mit ausgesprochenem sehr breitem Mediansinus versehen, welcher sich vom 
Schnabel bis zur Stirn zieht. 

Kleine Klappe: stark gewölbt, dem Sinus der grossen Klappe entsprechend ist ein breiter Wulst vorhanden. 

Areolen: tief, breit, mehr als zwei Drittel der. Schaalenlänge einnehmend. 

Rippen: auf der klemen Klappe 6—7, auf der grossen 5—6; auf dem Wulst 3—4, auf dem Sinus 2—3. 
Die Rippen, welche seitlich des Wulstes und des Sinus stehen, sind vielfach nur noch als Kanten der 
Areolen ausgeprägt. Zuweilen verlieren sich einzelne Rippen vor dem Stirnende. 

Schnabel: klein, auf die Brachialschaale herabgedrückt, mit langen, scharfen Kanten versehen. 

Innere Merkmale: kurzes Medianseptum in der kleinen und Zahnstützen in der grossen Klappe vorhanden; 
Form der Cruren unbekannt. 


I II 
Dimensionen: Höher 229355 19,2 mm, 
Breite: 25,7 Do 


Dicke: 16,9 18:0, 

Wie schon bemerkt, steht die hier beschriebene Art der Ah. Scherina GEmm. sehr nahe. Sie unter- 
scheidet sich von ihr durch die schärferen Rippen, den kleimeren und weniger nach vorn gezogenen Schnabel, 
sowie durch den mehr dreieckigen Umriss; auch ;st Rh. Scherina Gem. stets stärker geflügelt auf den 
Seiten als Rh. pseudo-scherina. 

Rh. pseudo-scherina ist als das Extrem einer Gruppe zu betrachten, zu welcher ausserdem Ah. 
Scherina GEum., Rh. Glycinna GEmM. und Ih. Stoppamü Par. gehören. Alle 4 Arten sind einander in der 
Gestalt ziemlich ähnlich, auch sind bei allen die Areolen vorhanden, nur sind die Rippen sehr verschieden. 
Während Rh. pseudo-scherina sehr scharfe Rippen (an diejenigen der Ah. forticostata BOECKH erinnernd) 
hat, sind diejenigen der Ah. Glyeinna (besonders auf dem obern Schaalendrittel) schon gerundeter, bei Ah. 
Seherina werden sie flach und wellig und bei Zth. Stoppanii verschwinden sie oft ganz, weshalb Ror#puerz ! 
diese (Rh. Stoppamii unter dem Namen Ih. undata) auch schon zu seinen „Laeves“ rechnet. Wir werden 
auf das Verhältniss der vier Arten zu einander noch in den nächsten Abschnitten weiter einzugehen haben. 
Im Hierlatzkalk ist Rh. Guembeli Orr.” eine nahe Verwandte unserer Art, unterscheidet sich jedoch durch 
den mangelnden Wulst und die schmalere Gestalt. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Hinterschafberg; Grünsee. 


1 RorHpLerz, Vilser Alpen, 1886, pag. 88. 
2 Geyer, Lias. Brachiop. des Hierlatz, 1889, pag. 46, Taf. V, Fig. 19—23, 


Rhynchonella Glycinna GEMMELLARO. 199 


Rhynchonella Glycinna GrumELLARo. — ca. 50 Exemp). 
tn D2ONY, Jule, 118), 1laE 


1874. Rh. Glyeinna GEMNELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sicilia, pag. S2, Taf. X, Fig. 25. 

1891. — _ Di Sreraxo, Il Lias medio del Mte. San Giuliano, pag. 74, Taf. II, Fig. 6. 

Rehynchonella Glyeinna Gemn. ist eine im mittleren Lias der Nordalpen sehr häufige Art. Gen- 
MELLARO, der sie beschrieb, bildete nur ein einziges, symmetrisches Exemplar ab, aber die Art variirt so 
bedeutend, dass man, wenn man kein grösseres Material kennt, kaum glaubt, dass das von pı StErano 
abgebildete ebenfalls hierher gehört. Ich gebe desshalb hier eine neue, ausführliche Diagnose: 

Umriss: breit dreiseitig bis hoch dreiseitig und subpentagonal. 

Commissur: auf der Seite gerade oder etwas geschwungen, an der Stirn grob gefältelt, oft asymmetrisch in 
zwei scharfen Knickungen gegen die kleine Klappe kräftig gehoben. 

Grosse Klappe: ziemlich gewölbt; oberhalb der Schaalenmitte beginnt ein breiter, oft asymmetrischer, deut- 
licher Mediansinus, welcher sich bis zur Stirn hinabzieht. 

Kleine Klappe: ziemlich gewölbt; von der Schaalenmitte zieht sich ein kräftiger, oft asymmetrischer Wulst 
bis zur Stirn. 

Lateralfelder: auf der Seite befinden sich lange und breite, meist flache Felder, zuweilen sind sie jedoch 
auch eingesenkt. 

Berippung: auf jeder Klappe befinden sich 5—S in der Wirbel- und Schnabelregion sehr flache, an der 
Stirn sehr kräftig werdende Rippen, von denen sich häufig je zwei vor der Stirn vereinigen; auf dem 
Wulst stehen meistens 3, im Sinus 2 Rippen, doch ändert sich dies bei dichterer Berippung. 

Schnabel: sehr klein, sehr gekrümmt, spitz, bis auf die kleine Klappe herabgedrückt. 

Innere Merkmale: ein Medianseptum liess sich nicht mit Sicherheit erkennen, wohl aber die beiden Zahn- 
stützen in der grossen Klappe. 


I II II IV 
Dimensionen: Höhe: 26,4 2465 20,9 19,7 mm, 
Breite: 22,8 29,4 29,4 UT 5, 

Dicke: 16,1 14,5 13,6 TEE, 


Wie ich schon bei der Besprechung der vorhergehenden Art bemerkte, besteht eine nahe Form- 
verwandtschaft zwischen Rh. pseudo-scherina, Rh. Glycinna, Rh. Scherina und Rh. Stoppaniü, so dass man 
fast in die Versuchung geriethe, alle diese Arten in eine einzige, aber äusserst variabele, zusammenzuziehen; 
da jedoch schliesslich jede dieser Species einen ihr eigenen Habitus besitzt, so lassen alle sich aufrecht 
erhalten und von einander trennen. Während Ah. pseudo-scherina äusserst scharfe Rippen hat, sind die- 
jenigen der Rh. Glycinna schon bedeutend flacher, und nur gegen die Stirn hin werden sie schärfer, oft 
aber ist auch nur die Stirnlinie sehr scharf gezackt. Wird diese Faltung unregelmässig, so entsteht ein 
Uebergang zu Rh. Stoppanii, doch kann auch Rh. Scherina durch asymmetrische Form der Stirn und Ver- 
schwinden der Fältelung in Z%h. Stoppamii übergehen. Diejenigen Exemplare der Rh. Glycinna, welche 
keine Areolen, sondern nur wenig deutliche Arealfelder aufweisen, nähern sich der Rn. margarztati wmihi, 
wenigstens den gerippten Formen dieser Art. Man ersieht aus allen diesen Umständen, dass es sehr schwer 


200 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


ist, Rh. Glycinna scharf zu begrenzen; ich sehe als charakterisirend an: die Lateralfelder (oder Areolen) 
und die scharf gezackte Stirn bei welligen Rippen. 
Fundorte: Hinterschafberg; oberer Burgaugraben am Attersee. 


Rhynchonella Scherina GEuMELLARo. — 7 Exempl. 
a, DIN, Be, ST 


1874. Rh. Scherina GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sicilia, pag. 81, Taf. X, Fig. 24, 
1891. — — DI StErANo, Il Lias medio del Mte. San Giuliano, pag. 73. 
non Eh. Scherina Parona, 1] calc. liass. di Gozzano, 1880, pag. 19, Taf. II, Fig. 9—11. 
_ — _Parona, Revisione della fauna liasica dl Gozzano, 1892, pag. 31, Taf. I, Fig. 17, 19, 20 
(Fig. 16, 18?). 

GEMMELLARO hat von dieser Art eine ausgezeichnete Beschreibung gegeben, welche durchaus auch 
auf die vom Schafberg stammenden Exemplare passt. Charakterisirend sind die Areolen und die zahl- 
reichen, flachen, breiten, erst gegen die Stirn hin schärfer werdenden Rippen und der kleine niedergedrückte 
Schnabel. Auch diese Form ist zuweilen asymmetrisch, wie schon -das von GEMMELLARO abgebildete Exem- 
plar beweist. Was nun Parona (l. c.) zu Ph. Scherina rechnet, kann ich nicht als zu dieser Art gehörig 
ansehen. Die im Jahre 1880 von ihm beschriebenen Formen gehören, wenn die Zeichnung richtig ist, 
vielleicht zu Ah. pseudo-scherina oder Rh. serrata Sow. oder stellen eine neue Art dar, zu welcher dann 
auch Fig. 19, 20 (1892) gehören würden. Fig. 17 (1892) ist vielleicht Ah. Glyeinna, dagegen können 
Fig. 16, 15 (1592) möglicherweise noch zu Rh. Scherina gehören. Dass alle diese Arten schwer zu trennen 
sind, habe ich schon bei der Besprechung der vorhergehenden Species angegeben. 

Fundorte: Hinterschafberg; Grünsee. 


Rhynchonella serrata Sowergey. — 5 Exempl. 
1525. Ter. serrata SOWERBY, Mineral conchology of Great Britain, Bd. V, pag. 168, Taf. 503, Fig. 2. 
1851. Rn. —  Daviıpsos, A monogr. of brit. oolit and liass. Brachiopoda, pag. 35, Taf. XV, Fig. 1, 2. 
1574. — —  GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sicilia, pag. 80, Taf. XI, Fig. 24. 
1891. — — DI Steraxo, Il Lias medio del Mte. San Giuliano, pag. 71, Taf. U, Fig. 4, 5. 


Diese Art ist oft und gut beschrieben worden; sie ähnelt der vorigen Species, unterscheidet sich 
jedoch durch die gleichartig über die ganze Schaale verlaufenden Rippen und die kürzeren Areolen. Die 
mir vorliegenden Stücke nähern sich der sicilianischen Varietät. Ob auch Parona’s Rh. discoidalis hierher 
gehört, kann ich nicht entscheiden, DI STEFANO nimmt es an, und allerdings hat die Art grosse Aehnlichkeit 
mit dem englischen Typus. 

Fundorte: Hinterschafberg; Oberer Burgaugraben am Attersee‘. 


{ Die von diesem letzteren Fundorte stammenden beiden Exemplare sind nicht ganz sicher bestimmt, die Areolen, 
resp. Lateralfelder, scheinen mir für Rh. serrata zu lang zu sein, doch stimmt ein Stück dieser Localität sonst recht gut mit 
Exemplaren aus England überein, das andere bildet einen Uebergang zu Rh. Scherina. 


Rhynchonella margaritati nov. sp. 301 


Rhynchonella Stoppanii Paroxa. — ca. 30 Exeml. 
Nat XIV Rioal sell: 


1880. Rh. Stoppanii Paroxa, Il caleare liassico di Gozzano, pag. 17, Taf. II, Fig. 6. 
— undata ibidem, pag. 16, Taf. II, Fie. 5. 

18866. — — Rorspterz, Vilser Alpen, pag. 136. 

1892. — Stoppanü ParoxA, Revisione della fauna liasica di Gozzano, pag. 38. Taf. II, Fig, 12. 

Dass diese Art ursprünglich unter zwei verschiedenen Namen aufgeführt wurde, spricht schon für 
ihre grosse Variabilität; diese zeigt sich auch an den mir vorliegenden Stücken. Der Typus ist unsymme- 
trisch und weist deutliche eingesenkte Areolen auf; daneben kommen Formen vor, welche flache Lateral- 
felder haben, ja selbst solche, bei denen die Lateralfelder undeutlich werden; diese bilden den Uebergang 
. zu Rh. margaritati mihi. 

PAroxa giebt an, dass der Schnabel wenig hoch, wenig gekrümmt sei und schwache Kanten habe; 
dazu ist zu bemerken, dass der Schnabel häufig fast bis auf die kleine Klappe herabgedrückt ist, dann aber 
auch ziemlich gekrümmt, stets aber sehr klein und spitz ist. Die Stirnlinie ist oft regelmässig wellig 
gefaltet, häufig unregelmässig gekrümmt, zuweilen stark unregelmässig gezackt. Die Rippen sind bei vielen 
Exemplaren sehr deutlich sichtbar, bei andern ganz verschwunden. 

ParonA hat, als er Rh. Stoppanii und Rh. undata zu einer Art vereinigte, leider den nicht bezeich- 
nenden Namen beibehalten, so dass der von Roruprerz ' für eine nahestehende Art gewählte Name Rh. 
subumdata bedeutungslos geworden ist. Uebrigens steht Ah. subundata Rorkrr. der Rh. Stoppanii Par. 
weniger nahe als der Rh. margaritati mihi, da ihr ebenfalls die Areolen fehlen. 

Fundorte: Hinterschafberg; oberer Burgaugraben am Attersee. 


Rhynchonella margaritati nov. sp. — 24 Exempl. 
Ta RIVA Bier OEL Tat XoVE Bien 1. 


Diese Art schliesst sich eng an die vorige an. Leider liegen mir nur zwei vollkommen ausgewach- 
sene Exemplare vor, die übrigen sind jugendliche Individuen, welche sich nur sehr schwer von den Jugend- 
formen der Rh. Stoppanii Par. trennen lassen. Unsere Art hat folgende Merkmale: 

Umriss: dreiseitig bis subpentagonal, Höhe gleich Breite, oder Breite grösser als Höhe, oder Höhe grösser 
als Breite. 

Commissur: auf der Seite gerade oder schwach gekrümmt, an der Stirn in unregelmässiger Curve gegen die 
kleine Klappe gehoben und gewellt, doch liegen auch jugendliche Individuen vor, deren Stirnlinie in 
vollkommen regelmässiger Curve gegen die kleine Klappe gehoben ist. 

Grosse Klappe: mässig gewölbt, ein asymmetrischer Sinus zieht sich von der Mitte der Schaale bis zum 
Stirnrand; bei jugendlichen Individuen ist jedoch dieser Sinus häufig nur angedeutet und selten 
symmetrisch. 

Kleine Klappe: ebenso stark gewölbt wie die grosse Klappe, ein Wulst ist nicht vorhanden. 


! Rorarıerz, Vilser Alpen, 1886, pag. 135, Taf. XIV, Fig. 12, 13. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 26 


3023 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Lateralfelder: fehlen vollständig. 

Berippung: meistens sind die Rippen so schwach, dass sie kaum noch sichtbar sind und sich nicht zählen 
lassen. Wo sie stärker hervortreten, sind sie flach wellig, niemals gekielt oder zugeschärft, ähnlich 
wie bei Rh. flabellum. Meistens verschwinden die Rippen in der Stirngegend. 

Schnabel: ziemlich hoch, spitz, schmal, wenig gekrümmt, Kanten fehlen. Bei den Jugendexemplaren ist der 
Schnabel gewöhnlich sehr klein. 

Innere Merkmale unbekannt. 


ji II III IV 
Dimensionen: Höhe: 23,2 14,2 10,2 13,0 mm, 
Breite: 24,5 16,4 12,8 13:40%, 

Dicke: 12,0 6,4 4,5 U En 


Wie schon bemerkt, steht diese Art der Rh. Stoppanü Par. nahe, unterscheidet sich jedoch durch 
den ziemlich hohen, spitzen Schnabel, sowie durch das Fehlen der Lateralfelder von ihr. Von Ih. sub- 
undata Rorapr.! unterscheidet sich Rh. margaritati nov. sp. durch den höheren und schmäleren Schnabel 
sowie durch die vollkommen verschieden gestaltete Stirnlinie. 

Fundorte: Hinterer Schafberg; oberer Burgaugraben am Attersee. 


Rhynchonella atlaeformis nov. sp. — 14 Exempl. 
Taf. XV, Fig. 2—4. 


Diese schöne grosse Art liegt in verhältnissmässig wenigen Stücken vor. Sie unterscheidet sich 
von den schon bekannten Arten ihrer Gruppe sehr scharf, so dass sie als neue Art aufgeführt werden 
musste. Die Speciesdiagnose ist folgende: 

Umriss: gerundet fünfseitig, zum dreiseitigen neigend. 

Commissur: auf der Seite gegen die kleine Klappe eingekrümmt, an der Stirn in einem Bogen mit sehr 
kurzem Radius gegen die kleine Klappe kräftig eingekrümmt, zuweilen in der Nähe der Mitte un- 
regelmässig ein bis zwei Mal gefaltet. 

Grosse Klappe: kräftig gewölbt, oberhalb der Schaalenmitte beginnt ein breiter, tiefer Sinus, der sich bis 
zur Stirn herabzieht; meistens ist er asymmetrisch. 

Kleine Klappe: kräftig gewölbt, in der Nähe der Stirn tritt meistens ein Wulst auf, der in seinem Verlauf 
dem Sinus der grossen Klappe entspricht, doch treten auch in der grössten Breite der Klappe die 
Seiten flügelartig zurück. 

Lateralfelder: fehlen vollkommen; die Schaalen stossen unter einem Winkel von ca. 90° auf der Seite 
zusammen. 

Rippen: fehlen vollständig; die zuweilen an der Stirn auftretende Falte lässt sich nicht mehr als Rippe bezeichnen. 

Schnabel: niedrig, breit, kurz, bis zur kleinen Klappe vorgebogen, ohne Kanten. Deltidium und Foramen 
sind an keinem Stück vollkommen sichtbar. 


ı Rorapuerz, Vilser Alpen, 1886, pag. 135, Taf. XIV, Fig. 12, 13. 


Rhynchonella diptycha nov. sp. 903 


Innere Merkmale: ia der kleinen Klappe fehlt das Medianseptum; in der grossen sind Zahnstützen vor- 
handen. Cruren unbekannt. 


I II III 
Dimensionen: Höhe: 23,0 DO) 19,7 mm, 
Breite: 25,1 94,5 SE 5 

Dicke: 16,9 16,1 195 


Die Art ist fast nicht von Rh. atla Opren! aus den Klausschichten zu unterscheiden. Die Unter- 
schiede sind folgende: Zh. atla hat einen etwas schlankeren Schnabel, der Wirbel der kleinen Klappe springt 
mehr vor, der Wulst auf der kleinen Klappe ist etwas deutlicher abgegrenzt, der Sinus der grossen Klappe 
tiefer und schärfer begrenzt; ausserdem ist die ganze Form mehr in Jie Breite gezogen, und in der kleinen 
Klappe befindet sich ein Medianseptum. 

Dass die mir vorliegenden Stücke aus dem mittleren Lias stammen, ist nicht zu bezweifeln, sie 
liegen übrigens auch von mehreren Fundpunkten vor. Damit träte nun die Frage auf, ob die von Haas? 
beschriebene Ah. atla nicht auch zu unserer Art gehört, was aber nur durch Besichtigung der Originalia 
festzustellen wäre; diese sind jedoch in der Sammlung der Wiener Universität, wie alle übrigen Brachio- 
poden von St. Cassian, nicht aufzufinden, trotzdem Herr Prof. WaAGen und Herr Dr. von ARTHABER sich 
mehrfach bemüht haben, die betreffenden Stücke wieder zu entdecken; sie sind vermuthlich schon unter der 
Leitung NEUMAYR’s verloren gegangen. Immerhin ist es möglich, dass thatsächlich RAR. atla bei St. Cassian 
vorkommt, da ja mittlerer Dogger vorhanden ist. 

Mir liegt ein Bruchstück einer Rhynchonella vor, welche vielleicht noch als Varietät der Rh. atlae- 
formis nov. sp. aufzufassen ist, doch hat sie auch grosse Aehnlichkeit mit Ah. acuta Sow.° und zwar 
mit der Form, welche Davıoson (l. c.) Fig. 9 und Haas“ Fig. 23 abbilden. Eine sichere Bestimmung lässt 
sich nicht vornehmen, weil ein Theil der kleinen Klappe fehlt; das Stück stammt vom Hinterschafberg. 

Fundorte: Hinterschafberg; Schafbergthörl; Grünsee. 


Rhynchonella diptycha nov. sp. — 11 Exempl. 
HafoxVE Ries 29: NarıSVaaRio? 5. 
Eine äusserst zierliche kleine Art, welche sehr charakteristisch ist, liess sich mit keiner bekannten 
Form bisher vereinigen; sie hat folgende Merkmale: 


Umriss: rundlich fünfseitig, zum dreiseitigen neigend. 
Commissur: auf der Seite schwach gegen die kleine Klappe eingekrümmt; an der Stirn kräftig gegen die 
kleine Klappe vorgezogen und in der Mitte zweimal deutlich gefaltet. 


" Opper, Ueber das Vorkommen von jurassischem Posidonomyengesteinen in den Alpen (Zeitschr. d. Deutsch. geol. 
Ges., 1863, pag. 208, Taf. 6, Fie. 1, 3). 

* Haas, Beiträge z. Kenntniss d. lias. Brachiopodenfauna v. Südtyrol, 1884, pag. 12, Taf. IV, Fig. 13, 14. 

® Davıoson, Mon. of brit. ool. a. liass. Brachiopoda, 1852, pag. 76, Taf. XIV, Fig. S—9, 

* Haas, Die Rhynehonellen d. Juraformation v. Elsass-Lothr. (Abh. d. geol. Specialkarte v. Elsass-Lothr , 1881 
pag. 39, Taf. III, Fig. 23). 


204 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Grosse Klappe: stark gekrümmt; von der Schnabelregion bis zur Stirn zieht sich ein tiefer, in der Frontal- 
gegend deutlich begrenzter Sinus, in welchem an der Stirn eine kurze, scharfe, mediane Falte auftritt. 

Kleine Klappe: kräftig gewölbt, in der Wirbelgegend aufgebläht; an der Stirn befindet sich ein vorspringender 
Wulst, welcher durch einen kurzen medianen Einschnitt in zwei kräftige Falten zerlegt wird. 

Rippen: fehlen vollkommen. 

Lateralfelder: fehlen. 

Schnabel: zierlich, klein, spitz, aufrechtstehend und wenig gekrümmt. 

Innere Merkmale: unbekannt. 


Il I III 
Dimensionen: Höhe: 13,7 12,9 13,4 mm 
Breite: 13,3 13,0 Na 

Dicke: 9,5 8,7 rasen 


Diese Art steht der Rh. Mariottii Zırr.! sehr nahe, unterscheidet sich jedoch durch den höheren und 
spitzeren Schnabel, sowie durch das Fehlen von Rippen. Bei Rh. Mariottii finden sich auf den Seiten stets 
Rippen, der Schnabel ist ziemlich breit und ganz auf die kleine Schaale herabgebogen (siehe den Nachtrag). 

Fundorte: Hinterschafberg; Grünsee. 


Rhynchonella altesinuata nov. sp. — 13 Exempl. 
Tat XV. Bier 6,7. 
Aus der Gruppe der sich an Zh. atla OrpeL anschliessenden Formen liegt mir eine weitere neue 

Art vor, welche durch eine Anzahl von grösseren und kleineren Individuen aus verschiedenen Fundplätzen 

gut vertreten ist. Als Merkmale sind anzuführen: 

Umriss: subpentagonal, meist asymmetrisch. 

Commissur: auf der Seite in mehr oder weniger starker Curve gegen die kleine Klappe hin eingekrümmt, 
an der Stirn in zwei scharfen Knicken gegen die kleine Klappe gehoben und in der Mitte kräftig 
gefaltet; nur bei Jugendexemplaren ist diese Faltung weniger energisch. - 

Grosse Klappe: sehr mässig gewölbt; von der Schnabelregion bis zur Stirn zieht sich ein ziemlich tiefer, 
undeutlich begrenzter Sinus, der sehr häufig asymmetrisch ist. Die grosse Klappe springt au der 
Stirn gegen die kleine zungenförmig vor. 

Kleine Klappe: sehr kräftig gewölbt; von der Mitte bis zur Stirn zieht sich ein meistens nicht sehr deut- 
licher Wulst. 

Lateralfelder: Die Seiten sind abgeflacht, so dass meistens deutliche Lateralfelder entstehen, doch erhebt 
sich die Commissur vielfach nathförmig, wodurch dann ein Mittelding zwischen Lateralfeld und ab- 
gerundeter Seite hervorgebracht wird. 

Berippung: nur bei jüngeren Individuen sind die Rippen schärfer, bei älteren Exemplaren obliteriren sie; 
häufig verschwinden (auch bei jüngeren Individuen) einzelne Rippen, besonders diejenigen auf den 
Flügeln, in der Mitte der Schaalenhöhe, während andere, besonders diejenigen auf dem Wulst und im 


ee ee 5 
1 Zırmer, Geol. Beobacht. aus den Central-Appenninen, 1869, pag. 129, Taf. 14, Fig. 7. 


Rıhynchonella sejuncta nov. sp. 905 


Sinus, sich von dem Wirbel bis zur Stirn ziehen und hier sehr kräftig werden. Zählen lassen sich 


5 e 5 7 i R 1—3 Sinus 
nur die Rippen auf dem Sinus und dem Wulst; die Zahl schwankt zwischen Sm 
2 D 


Die Rippen sind auf der Klappenfläche sehr flach und breit, an der Stirn ‚treten sie 


am häufig- 

2 Sinus 

3 Wulst 
jedoch stets als scharfe Faltungen auf. 

Schnabel: breit, kräftig, niedrig, fast auf die kleine Klappe herabgebogen, mit sehr gerundeten Kanten 
versehen. 

Innere Merkmale: Zahnstützen vorhanden; in der kleinen Klappe befindet sich ein kurzes, kräftiges Median- 
septum. Cruralapparat unbekannt. 


sten ist 


I I II IV VW VI VII VII IX 
Dimensionen: Höhe: 23,8 23 23,4 DR 18,7 18,1 17,8 14,6 12mm: 
Breite: 27,6 99,8 97,4 19,8 19,2 To > oe 15:3 oa 
Dicke: 19,0 17,5 23,8 16,3 14,9 TOT ORT 9,6 „ 


Die grössten Exemplare unserer Art nähern sich der Rh. atlaeformis mihi, weichen allerdings durch 
die deutliche Berippung, die flachen Seiten, sowie durch die grössere Länge des Sinus ab. Andererseits 
nähern sich die jugendlichen Individuen der Gruppe der Z2h. Glycinna Gemm., von der sie durch ihre auf- 
geblähte Form, den Mangel an Areolen, sowie den verschieden geformten Schnabel abweichen. Allerdings 
halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass sich bei grossem Material noch innigere Verbindungen zwischen 
den einzelnen Arten werden nachweisen lassen, so dass vielleicht einige unserer Arten zu Varietäten anderer 
werden müssen, bisher aber lässt sich eine Trennung gut durchführen. 

Fundorte: Fagstein; Hinterschafberg; Nordwand des Hinterschafberg; Höhe zwischen Feuchteneck 
und Schwarzensee; Schafbergthörl; Grünsee. 


Rhynchonella sejuncta nov. sp. — 3 Exenpl. 
1a 2% 19 EL, © 


1883. Rh. sp. ind. Paroxa, Contributo allo studio della fauna liassica dell’ Appennino centrale (R. Acc. dei Lincei, 
Roma), pag. 106, Taf. IV, Fig. 12. 

Die vorliegende, äusserst charakteristische Art ist nur durch drei Exemplare vertreten, doch stehe 
ich nicht an, ihr einen Namen zu geben, weil sie bereits durch Paroxa aus dem mittleren Lias von Papigno 
eitirt wird. Die Speciesdiagnose ist folgende: 

Umriss: abgerundet dreiseitig. 

Commissur: auf der Seite gerade, auf der Stirn gefältelt, aber weder gehoben noch eingesenkt. 

Grosse Klappe: mässig gewölbt, Sinus und Wulst fehlen. 

Kleine Klappe: sehr flach, Sinus oder Wulst fehlen. 

Lateralfelder: fehlen vollkommen, die Klappen treffen in der Schlossregion unter stumpfem, auf der Seite 
und an der Stirn unter spitzem Winkel zusammen. 

Berippung: auf jeder Klappe befinden sich 11—13 sehr flache Rippen, von denen sich nur die 2—3 in der 
Mitte befindlichen bis zum Schnabel verfolgen lassen. Diese mittleren Rippen (auf der grossen Klappe 


206 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


3, auf der kleinen 2) sind bedeutend kräftiger als die seitlichen, ausserdem zeigt sich an ihnen eine 
charakteristische Eigenthümlichkeit: auf der kleinen Klappe liegt nämlich in der Medianlinie ein 
Zwischenraum zwischen zwei Rippen, welcher auffallend breit und tief ist, so dass die Klappe zwei- 
getheilt erscheint; auf der grossen Klappe liegt an der gleichen Stelle eine kräftige Rippe, welche 
von zwei tiefer eingesenkten Zwischenräumen begrenzt wird. 

Schnabel: nicht sehr gross, breit, stark gekrümmt und gegen die kleine Klappe vor- und herabgezogen, 
Schnabelkanten kurz, aber sehr scharf. 

Innere Merkmale: unbekannt. 


I 101 
Dimensionen: Höhe: 11,2 12,8 mm, 
Breiter 2167 N 
Dicke; 5,4 Hionses 


Die eigenartige Berippung, der breitgedrückt erscheinende, stark übergebogene Schnabel, die flache 
kleine Klappe lassen die vorliegende Art so charakteristisch erscheinen, dass man wohl kaum in den Fall 
kommt, sie mit einer andern Art zu verwechseln. Paroxa giebt von der merkwürdigen Zweitheilung durch 
die Rippenbildung nichts an, doch kann dies wohl auf einem Uebersehen beruhen, aber er bemerkt, dass 
die mittleren Rippen kräftiger sind als die seitlichen, sowie dass die Rippen, vom Wirbel aus gerechnet, 
auf dem ersten Drittel der Klappe nicht sichtbar sind. Auch alles Uebrige, was Paroxa über seine Art 
sagt, passt auch ausgezeichnet auf unsere Form, und wenn man schliesslich noch die Abbildung vergleicht, 
so kann man kaum einen Unterschied entdecken. 

Eine gewisse Aehnlichkeit mit Rh. sejuncta nov. sp. weisen die Jugendexemplare von Rh. triquetra 
Geum. auf, doch lassen sie sich leicht an der stärkeren Wölbung der kleinen Klappe, sowie an den Lateral- 
feldern erkennen; andere Arten sind wohl kaum zu einer Vergleichung heranzuziehen. 


Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Hinterschafberg. 


Rhynchonella Hagaviensis nov. sp. — 9 Exempl. 
Taf. XV, Fig. 10—13. 


Umriss: dreiseitig, meistens breiter als hoch, selten höher als breit. 

Commissur: auf der Seite fast gerade, an der Stirn gerade oder etwas gegen die kleine Klappe aufgebogen 
und stets gefältelt. 

Grosse Klappe: ziemlich kräftig gewölbt; zuweilen ist in der Stirnregion ein breiter Mediansinus angedeutet. 

Kleine Klappe: kräftig gewölbt, ohne Wulst. 

Areolen: vom Schnabel bis an die Stirnecken reichend, besonders in der Schaalenmitte sehr breit, manchmal 
ziemlich tief eingesenkt. 

Rippen: auf jeder Klappe stehen 5—7 mehr oder weniger flache, oft fast wellenförmige Rippen. 

Schnabel: sehr klein, auf die kleine Klappe hinuntergedrückt, mit deutlichen Kanten versehen. 

Innere Merkmale: in der kleinen Klappe ein kräftiges, langes Medianseptum; Zahnstützen vorhanden, Cruren 
unbekannt. 


Rhynchonella triquetra Gemm. 907 


I II III 1V 
Dimensionen: Höhe: 12,5 11355 12,4 11,5 mm 
Breite: 14,3 14,2 1la,7 1022, 

Dicker an 8,9 7,8 I ge 


Diese recht charakteristische Art nähert sich der Rh. dolabriformis MENEGHINT!, unterscheidet sich 
von ihr, sowie auch von Rh. flabellum Mxx. durch die langen Areolen, auch verläuft die Seitencommissur 
anders als bei Rh. dolabriformis Men. 

Recht nahe steht auch Rh. triquetra GEmMm., von welcher sie sich hauptsächlich durch die breiteren 
und auch kräftigeren Rippen, sowie durch den viel stärker übergebogenen Schnabel unterscheidet. Man 
könnte versucht sein zu glauben, dass Rh. Hagaviensis nov. sp. nur eine locale Varietät der Rh. triquetra 
GEMM. sei, wenn nicht auch bei Kramsach einige Exemplare der Rh. triquetra vorkämen, welche sich eben- 
falls durch die schmäleren und schwächeren Rippen, sowie durch den gestreckteren Schnabel von Rh. Haga- 
viensis nov. Sp. unterscheiden. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Grünsee am Schafberg bei Ischl. 


Rhynchonella triquetra GEMmMELLARo. — 13 Exempl. 
Ita 29%, Jue, Jla 15; 
1374. Rh. tıiguetra GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sicilia, pag. 74, Taf. XI, Fig. 13. 


Von dieser Art hat GEMMELLARO nur ein ziemlich kleines Exemplar abgebildet, mir liegen neben 
solchen, welche ganz mit GEMMERLARo’s Abbildung übereinstimmen, auch grössere Gehäuse vor. Meine 
Exemplare weisen folgende Merkmale auf: 

Umriss: dreiseitig, bei älteren Exemplaren breiter als hoch, bei jüngeren höher als breit. 

Commissur: auf der Seite gerade oder wenig gebogen, an der Stirn gefältelt, aber weder gegen die grosse 
noch gegen die kleine Schaale eingekrümmt. 

Grosse Klappe: mässig gewölbt, am stärksten in der Mitte; Wulst oder Sinus fehlen. 

Kleine Klappe: meistens ebenso stark gewölbt wie die grosse; Wulst oder Sinus fehlen. 

Areolen: vorhanden; sie ziehen sich vom Wirbel bis zu den Stirnecken, zuweilen sind sie ziemlich tief, meist 
seicht, an einigen Exemplaren ganz flach (Lateralfelder). 

Berippung: auf jeder Klappe stehen S—10 Rippen, welche breit und wellig sind. 

Schnabel: sehr klein, sehr schmal, spitz, gegen die kleine Klappe herabgebogen. Kanten sehr stark ab- 
gerundet. 

Innere Merkmale: in der kleinen Klappe befindet sich ein kurzes, sehr kräftiges Medianseptum; Zahnstützen 
vorhanden; Cruren unbekannt. 


I II II IV V VI 
Dimensionen: Höhe: 13,5 13,8 13,2 11,0 9,5 6,6 mm, 
Breite: 14,7 14,9 13,0 1) 10,5 Bull 

Dicke: 7,4 8,5 AAs 6,4 5,6 ln 


[6 


1 Casavarr, I brachiopodi d. strati a Ter. Aspasia Mes. nell’ Appennino centr., 1880, pag. 29, Taf. IV, Fie. 


208 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Rh. triquetra Gemm. lässt sich ausser mit Rh. Hagaviensis mihi (siehe diese) wohl nur mit einer 
Varietät der Rh. flabellum Mexx. vergleichen; solche Stücke werden abgebildet bei GEMMELLARO" und 
Paroya”, doch scheint es mir noch zweifelhaft zu sein, ob man diese Varietäten nicht besser zu Ah. trz- 
quetra GEMM. stellt. Zu Rh. subeoncinna, womit GEMMELLARO die Art vergleicht, lassen sich wohl kaum 
nähere Beziehungen auffinden. Auf die Merkmale, durch welche sich Rh. Hagaviensis mihi unterscheidet, 
habe ich bei Besprechung dieser Form schon hingewiesen. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Hinterschafberg; Feuchteneck; Grünsee. 


Rhynchonella Caroli Geumervaro. — 11 Exempl. 
1878. Rh. Caroli GENMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sicilia, pag. 423, Taf. XXXI. Fig. 79—87 


Diese Art zeichnet sich durch eine mediane Einsenkung im Wulst der kleinen Klappe aus. Da- 
durch schliesst sie sich nahe an Rh. retusifrons Orr.? und Rh. Dalmasi Dum.* an. Von beiden unterscheidet 
sie sich durch die weniger scharfen Schnabelkanten. RorurLerz? und nach ihm GEyYER® und Fucısı ? ver- 
einigen Rh. Caroli GEmm. mit Rh. Cartieri Orpen°. Diese letztere Form kennen wir eigentlich nur aus 
den Abbildungen bei GEYER, und nach ihm unterscheidet sie sich von Rh. retusifrons durch die noch schär- 
feren Schnabelkanten. Bei GEmmRLLARO aber, auf den wir doch zurückgehen müssen, sind die abgebildeten 
Formen mit wenig scharfen Schnabelkanten versehen. Dadurch ist uns, soweit man nach Abbildungen 
urtheilen kann, ein gutes Unterscheidungsmerkmal gegeben. Die Schnabelkanten bei Ah. retusifrons (und bei 
Rh. Cartieri sollen sie ja noch schärfer sein) sind so charakteristisch, dass man meistens die Stücke schon 
nach dem Schnabel allein bestimmen kann. Ausserdem sind die mir vorliegenden Exemplare grobrippiger 
als Rh. Cartieri, sie nähern sich dadurch schon mehr der Rh. Dalmasi Dvm., welche sich jedoch durch die 
äusserst scharfen Schnabelkanten unterscheidet. 

GEMMELLARO ‚und Fucısı vergleichen Rh. Caroli mit Rh. Fraasi; das ist jedoch wohl kaum zu- 
lässig, da die Einsenkung im Wulst der kleinen Klappe Rh. Caroli in eine ganz andere Gruppe verweist. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Vorder-Thiersee bei Kufstein. 


Rhynchonella Dalmasi Dumorrier. — ca. SO Exempl. 
Taf. XV, Fig. 16—18. 
1869. Rh. Dalmasi Dunortıer, Etudes palsont. sur les depöts jurass. du bassin du Rhöne, Bd. III, pag. 531, Taf. XLII, 


Fig. 3—5. 

1889. — —  Kırıan, Et. paleont. sur les terrains second. et tert. de l’Andalousie (Mission d’Andalousie, Mem. 
de l’Acad. des Sciences, Bd. XXX), pag. 612, Taf. XXIV, Fig. 6. 

189. — — Dı Serrano, Il lias medio del Mte. San Giuliano, pag. 78, Taf. II, Fig. 8—12. 


! GEmMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche, 1874, Taf. XI, Fig. 14. 

2 Pıroxa, I] calcare liassico di Gozzano e i suoi fossili, 1880, Taf. II, Fig. 7, 8. 

3 Opper, Brachiopoden des unteren Lias (Zeitschrift d. Deutsch. geol. Gesellsch., 1861, pag. 544, Taf. XII, Fig. 5). 
* DUMORTIER, Etudes pal6ont. sur les depöts jurass. du bassin du Rhöne. III. 1869, pag. 331, Taf. XLII, Fig. 35. 
5 Rorarterz, Vilser Alpen, 1886, pag. 26. 

% Geyer, Lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz, 1889, pag. 64. 

° Fverst, Calcari bianchi e ceroidi con Phylloceras cylindricum etc., 1894, pag. 46. 

® Orper, Brachiopoden des unteren Lias, 1861, pag. 545. 


Rhynchonella Damasi Dun. 909 


Diese Art ist am Schafberg sehr häufig und zwar in grösseren Exemplaren und viel mehr Varie- 
täten, als sie bisher abgebildet wurde. 

Umriss: subpentagonal bis dreiseitig, meistens breiter als hoch. 

Commissur: auf der Seite gerade, auf der Stirn in scharfen Knickungen gegen die kleine Klappe gehoben; 
der mittlere Theil ist wieder gegen die grosse Klappe eingesenkt, die Stirncommissur ist meistens 
gefältelt. 

Grosse Klappe: sehr flach, in der Schnabelregion meistens etwas aufgebläht. Von der Schaalenmitte bis 
zur Stirn reicht ein breiter, nur im unteren Theile deutlich begrenzter Sinus, der im mittleren Theile 
meistens eine schwache Aufwölbung zeigt. 

Kleine Klappe: gleichmässig kräftig gewölbt, in der Stirnregion zeigt sich ein deutlicher Wulst, welcher 
eine mediane Einsenkung trägt, in der Weise, dass alle Rippen etwas tiefer liegen als die zwei seitlich 
begrenzenden. Die Wölbungsverhältnisse der kleinen Klappe wechseln sehr stark, oft kann diese 
Schaale ziemlich flach werden. 

Lateralfelder: sind meistens vorhanden, zuweilen sogar etwas eingesenkt. Die Lateralfelder liegen zum aller- 
grössten Theile auf der kleinen Klappe, so dass sie, wenn diese flach ist, sehr undeutlich sind. 
Berippung: Die Form gehört zu den „semälaeves“ RorurtLerz, die Rippen treten nur in der Frontalregion 
auf und verschwinden in der Mitte der Schaale. Auf den Flügeln ist meistens nur eine Rippe vor- 
handen, auf dem Wulst 2—6, von denen immer die mittleren tiefer stehen als die Grenzrippe auf 
jeder Seite. Da wo nur 2 Rippen vorhanden sind, ist in der Mitte eine Einsenkung. Auf dem Sinus 

stehen stets 1—2 Rippen weniger als auf dem Wulst. 

Schnabel: spitz, aufrechtstehend, wenig gekrümmt, breit, niedrig. Die äusserst kräftigen Kanten verlaufen 
entweder parallel der Seitencommissur, oder sie nähern sich dieser, oder vereinigen sich mit ihr. 
Innere Merkmale: Zahnstützen sind vorhanden; in der kleinen Klappe befindet sich ein ziemlich langes, 

schwaches Medianseptum. Cruralapparat unbekannt. 


I II III IV V VI 
Dimensionen: Höhe: 14,7 14,5 14,1 12,1 16,0 13,5 mm, 
Breite 13,70 80116 O1 Os To 

Dicke: 10,1 GR 9,6 a 9,7 1) 


Rh. Dalmasi Dum. wechselt in ihrer Gestalt, wie aus der vorhergehenden Beschreibung und aus 
der Tabelle der Dimensionen hervorgeht, sehr stark. Von ziemlich flachen Exemplaren sind Uebergänge 
zu ganz kugeligen vorhanden. Der Wulst ist manchmal fast nicht sichtbar, manchmal sehr kräftig u. s. w. 

Nahe verwandt ist Ah. Dalmasi mit Rh. retusifrons Orpzn!, welche sich von ihr hauptsächlich 
durch geringere Grösse, schärfere Rippen, tiefere Areolen und stärkere Wölbung der grossen Klappe unter- 
scheidet. Auch Rh. Caroli ist nahe verwandt, unterscheidet sich jedoch durch die schwachen Schnabel- 
kanten und die schärferen Rippen. 

Eine Verwandtschaft mit Rh. dolabriformis Men.”, auf welche pı Sterano (l. c.) hinweist, kann ich 
nicht entdecken, diese gehört offenbar in eine ganz andere Verwandtschaft, schon des Verlaufs der Stirn- 


! Geyer, Lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz, 1889, pag. 62, Taf. VII, Fig. 8—12. 
® Canavarı, I brachiopodi d. strati a Ter. Aspasia Mex. nell’ Appennino centr., 1880, pag. 29, Taf. IV, Fig. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 27 


[>] 


310 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


commissur und der Berippung wegen. Auch Rh. Desori Haas! hat mit Rh. Dalmasi Dum. nur geringe 
Aehnlichkeit, da sich bei den Originalen eine wirkliche Einsenkung in der kleinen Klappe nicht entdecken 
lässt; ich werde an anderer Stelle über diese Art Genaueres beibringen. 

Fundorte: Hinterschafberg; Grünsee; Feuchteneck; Höhe zwischen Heschiäteen und Schwarzensee. 


Rhynchonella inversa Orrern. — 5 Exemp). 


1861. Rh. inversa Orpret, Ueber die Brachiopoden des unteren Lias, pag. 546, Taf. XIII, Fig. 5. 
— Kraussi ibidem, pag. 547, Taf. XIII, Fig. 6. 


1874. — —  GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sicilia, pag. 74, Taf. XI, Fig. 15—16. 
— inversa ibidem, pag. 75. 
1889. — —  Gever, Lias. Brachipodenfauna des Hierlatz, pag. 69, Taf. VII, Fig. 26—28; Taf. VII, Fis. 1. 


Mir liegen 5 Exemplare vor, welche sämtlich der dichter berippten Varietät angehören. Nach 
GEYER sind Rh. inwersa und Rh. Kraussi zu einer Art zu vereinigen, da alle Uebergänge vorhanden sind. 
Die hier erwähnten Exemplare gehören alle der eigentlichen Ah. inversa an. Von OPpEL aus dem unteren 
Lias beschrieben, wurde Rh. inversa schon von GEMMELLARO aus dem mittleren Lias eitirt. 

Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


Rhynchonella subfurecillata nov. sp. — 3 Exempl. 
TafoxXV, Bien 19% 


21892. Rh. Briseis var. rimata Paroxa, Revisione della fauna liasica di Gozzano, Taf. II, Fig. 6. 


» 


Drei Gehäuse zeichnen sich durch eine sehr deutliche rimose Berippung aus, unterscheiden sich aber 
von den bekannten Arten durch verschiedene Merkmale. Da die Art vermuthlich auch in Italien vorkommt, 
so habe ich ihr einen Namen gegeben, trotzdem nur wenige Stücke vorhanden sind. Die Speciesdiagnose 
ist folgende: 

Umriss: breit fünfseitig, breiter als hoch. 

Commissur: auf der Seite gerade, auf der Stirn kräftig gezackt und in zwei lateralen Knickungen gegen 
die kleine Klappe gehoben. 

Grosse Klappe: wenig gewölbt; oberhalb der Schaalenmitte beginnt ein deutlicher tiefer Sinus, der sich bis 

zur Stirn hinabzieht. 

Kleine Klappe: kräftig gewölbt: in der Stirngegend tritt ein wenig deutlicher Wulst auf. 

Lateralfelder: fehlen, doch stossen die Klappen unter sehr stumpfem Winkel aneinander; ganz nahe am 
Schnabel ist die Commissur ein wenig eingesenkt. 

Rippen: am Wirbel der kleinen Klappe entspringen ca. 12 feine Rippen, von denen sich im oberen Drittel 
der Klappe durchschnittlich je zwei miteinander vereinigen; am Stirnrand zählt man nur 5 deutliche 
und 2 lateral stehende, schwach angedeutete Rippen. Auf der grossen Klappe entspringen am 
Schnabel ca. 14 feine Rippen, von welchen sich ebenfalls je zwei im oberen Drittel der Klappe mit- 
einander vereinigen; am Stirnrand sind nur 6 deutliche und 2 wenig kräftige Rippen sichtbar. Die 


ı Haas, Beitr. zur Kenntn. der lias. Brachiopodenfauna von Südtyrol, 1884, pag. 14, Taf. I, Fig. 1. 


Rhynchonella (Norella) sp. nov. 911 


vorhergehenden Zahlen beziehen sich auf das abgebildete Exemplar, doch lassen sich die Rippen am 
Wirbel resp. Schnabel nicht mit Sicherheit zählen; an einem anderen Exemplar zählte ich in der 
Wirbelregion «der kleinen Klappe mehr als 17 feine Rippen, während an der Stirn nur noch 7 sichtbar 
sind. Die Rippen sind am Wirbel resp. Schnabel sehr fein, an der Stirn grob. Auf dem Wulst stehen 
3, im Sinus 2 Rippen (in der Stirngegend). Die beiden Rippen, welche zu beiden Seiten des Sinus 
stehen, sind auffallend nach hinten ausgezogen. 

Schnabel: breit, zugespitzt, niedrig, wenig gekrümmt, aufrechtstehend. Die Schnabelkanten sind sehr kurz 
und äusserst stumpf. 

Innere Merkmale: in der kleinen Klappe ist kein Medianseptum vorhanden; Zahnstützen sind in der grossen 
Klappe wahrnehmbar. Cruren unbekannt. 

Dimensionen: Höhe: 15.85 mm, Breite: 19,2 mm, Dicke: 13,2 mm. 


Bei dem abgebildeten Exemplar springt der Wulst ziemlich stark vor und ist an der Stirn einiger- 
massen scharf abgeschnitten. Bei den anderen Exemplaren ist der Wulst an der Stirn stark abgerundet. 

Parona bildet eine Rhynchonella mit rimoser Berippung ab, welche der unsrigen sehr ähnlich ist, 
leider lässt sich nicht entscheiden, ob wir es mit derselben Art zu thun haben, da nur eine Abbildung 
von vorn gegeben ist. 

Von der Rh. furcillat« 'TuEoDorı! unterscheidet sich unsere Art gut; Rh. fureillata« hat scharfe, 
lange Schnabelkanten, schwächere Rippen und einen stärker gebogenen und wohl auch grösseren Schnabel. 
Andere Arten mit rimoser Berippung, wie Ah. rimata Opp., Rh. Wrighti FıscH. stehen noch weniger nahe. 
Als charakteristisch für unsere Form ist das Merkmal anzusehen, dass die Vereinigung der feinen Rippen 
bereits im oberen Drittel der Schaalenlänge stattfindet; bei Rh. furcillata z. B. erfolgt sie erst kurz vor 
der Stirn. 

Fundorte: Hinterschafberg; Grünsee. 


Rhynchonella cfr. f. ind. Paroxa. — 1 Exempl. 
1854. Rh. f. ind. ParonxA, I brachiopodi liass. di Saltrio e Arzo, pag. 247, Taf. III, Fig. 3, 4. 


Ein Bruchstück emer Rhynchonella stimmt, der Gestalt des Schnabels und der Rippen nach zu 
urtheilen, am ehesten mit einer der beiden von Parona (l. c.) abgebildeten Stücke überein, doch ist eine 
sichere Bestimmung unmöglich. 


Fundort: Fagstein bei Berchtesgaden. 


Rhynchonella (Norella) sp. nov. — 1 Exempl. 
Taf, XIV, Fig. 20. 


Der Vollständigkeit halber soll hier eine Arhynchonella beschrieben werden, von der leider nur ein 
einziges sehr kleines Exemplar vorhanden ist; die Art wird dem von Bırrner aufgestellten Subgenus No- 


! Geyer, Lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz, 1889, pag. 60, Taf. VII, Fig. 16, 17. Daselbst auch weitere Literatur. 


219 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


rella angehören, welches in der alpinen Trias weit verbreitet ist. Die Hauptmerkmale des vorliegenden 
Exemplars sind folgende: 


Umriss: pentagonal, Höhe ungefähr der Breite gleich. 

Commissur: auf der Seite geschweift, an der Stirn gegen die grosse Klappe hin kräftig eingesenkt. 

Grosse Klappe: ziemlich gewölbt; von der Mitte zieht sich bis zur Stirn ein breiter, abgeflachter, wenig 
hervortretender Wulst; dieser hebt sich von den Flügeln nicht sehr scharf ab. 

Kleine Klappe: flacher als die grosse; die stärkste Aufblähung liegt unter dem Wirbel; ungefähr in der 
Mitte beginnt ein Sinus, welcher, deutlicher werdend, sich zur Stirn hinabzieht. In der Frontalregion 
sind in dem Sinus Fältchen ganz schwach angedeutet. 

Schaalenoberfläche: glatt; die Schaalenstruktur ist faserig; Punktirung fehlt. 

Schnabel: ist an dem vorliegenden Exemplar abgebrochen, jedenfalls aber ausserordentlich klein gewesen. 

Innere Merkmale: unbekannt. 

Dimensionen: Höhe: 6,1 mm (?), Breite: 6,4 mm; Dicke: 3,7 mm. 

Die hier beschriebene merkwürdige Form schliesst sich, wie schon oben bemerkt, enge an die tria- 
dischen Vertreter des Subgenus Norella Brrrx. an; am nächsten steht vielleicht Rh. (Norella) Serajevana 
Biırrx.! aus dem Hallstätter Kalk von Bosnien, welche von unserer Form kaum zu unterscheiden ist. In 
der Trias sind ja im Allgemeinen solche glatten, inversen Rhynchonellen ziemlich häufig, doch verschwinden 
sie im Lias bereits fast vollständig. Mir liegt ein von mir gesammeltes Stück aus dem unteren Lias von 
Hindelang vor, welches eine nahe Formenverwandtschaft mit dem oben beschriebenen aufweist, ohne dass 
an eine Identificirung zu denken wäre. Aus dem mittleren Dogger habe ich eine neue Rhynchonella® be- 
schrieben, welche ebenfalls in das Subgenus Norella zu stellen wäre; sie unterscheidet sich von vorliegender 
Art durch geringere Wölbung und grössere Breite der Schaalen. 

Fundort: Grünsee am Schafberg bei Ischl. 


Rhynchonella sp. indet. — 2 Exempl. 
Taf. XV, Fig. 20, 21: 
Umriss: oval bis kreisrund. 
Commissur: auf der Seite geschweift und im unteren Theil gefältelt; an der Stirn gegen die kleine Klappe 
gehoben und gezackt. : 
Grosse Klappe: stark gewölbt, in der Stirnregion mit schwachem Mediansinus versehen. 
Kleine Klappe: sehr stark gewölbt, mit wenig deutlichem Medianwulst versehen. 
Areolen: kurze, aber tief eingesenkte, die Hälfte der Schaalenlänge einnehmende Areolen sind vorhanden. 
Rippen: das eine Stück hat auf der grossen Klappe 11, das andere 7 Rippen, diesen entsprechen auf der 
kleinen Klappe 10 und 7 Rippen, wovon auf den Wulst 7 und 4 Rippen, auf den Sinus 6 und 3 
Rippen fallen. 
Schnabel: sehr klein und sehr stark gekrümmt. 


1 Bırrxer, Brach. der alpinen Trias, Nachtrag I pag. 25, Taf. III, Fig. 1, 2 (1892). 
° Bösz und Fısketsteis, Die mitteljurass. Brachiopodensch. v. Castel Tesino, 1892 (Zeitschr. d. Deutsch. geol. Ges., 
pag. 287, Taf. XVII, Fig. 2). 


Dimensionen: 


Spiriferina rostrata SCHLOTH. 913 


Höhe: 9,9 S,6 mm, 
Breite: 10,3 Sm, 
Dicke: 9,1 TO 5 


Die beiden hier beschriebenen kugeligen Formen liessen sich nicht specifisch bestimmen, und da wir 
es vermutlich mit Jugendexemplaren zu thun haben, wäre es unthunlich, ihnen einen Namen zu geben. Ich 
will nicht unterlassen zu bemerken, dass mir ein weiteres zu dieser Art gehöriges kleines Exemplar aus der 
Umgegend von Ettal bei Oberammergau vorliegt. 

Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


1822. 
1832. 
1840. 
1845. 


1847. 
1551. 


1852. 
1558. 
1562. 
1863. 
1871. 
1874. 
1876. 
1880. 
1880. 
1882. 
1884. 
1884. 


1885. 


1885. 


Spiriferina »’Orzıcnv. 


Spiriferina rostrata SchLoru. — Ca. 40 Exempl. 
Tat XV Rice 


Terebratulites rostratus SCHLOTHEIM, Nachträge zur Petrefaktenkunde, Taf. XVI, Fig. 4. 
Spirifer rostratus Zieren, Württembergs Versteinerungen, Taf. 38, Fig. 3. 
Delthyris rostratus v. Buch, Olassif. et deseription des Delthyris (Mem. soc. geol. de France), Taf. X, Fig. 24. 
Spirifer punctatus Buckman, Geology of Cheltenham, Taf. X, Fig. 7. 

—  rostratus Davıpson, London geol. Journal, Vol. I, pag. 109, Taf. XVII, Fig. 1—10. 

_ — Davıoson, Mon. ool. and lias. Brach., pag. 20, Taf. II, Fig. 1-6, 13—21 (non 7—12, 

En 200, ale, Al) 

_ = Qusxsteor, Handbuch der Petrefaktenkunde, pag. 483, Taf. XXXVIH, Fig. 56—38. 

_ —  Qusssteor, Jura, pag. 182, Taf. 22, Fig. 25. 
Spiriferina rostrata DESLONGCHANPS, Etudes critiques sur des brachiop. nouy. ou peu conzus, pae. 10, Taf. II, 

Fig. 7—9. 
—_ — ibidem, pag. 67, Taf. XII, Fig. 1. 

Spirifer rostratus Quensteps, Brachiopoden, pag. 522, 527, Taf. 54, Fig. 62, 96—107. 
Spiriferina rostrata GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche, pag. 58, Taf. X, Fig. 4. 

— _ Davıoson, Suppl. to the brit. jur. and trias. brachiop., pag, 95, Taf. XI, Fig. 6. 

—_ — Parona, Il calcare liassico di Gozzano, pag. 8, Taf. I, Fig. 1, 2. 

_ — CaAnavarı, I brachiopodi degli strati a Ter. Aspasia Men. nell’ Appennino centrale, 
pag. 8. 

_ — Haas und Perkı, Brachiopoden der Juraformation von Elsass-Lothr., pag. 298, Taf. XVI, 
Fig. 4, 6, 8, 10,11 (Fie. 79). 

—_ —  Canavarı, Contrib. III alla conosc. dei brachiop. degli strati a Ter. Aspasia MxcH. nell’ 
Appennino centrale, pag. 75, Taf. IX, Fie. 1, 2. 

_ _ DestoxcHaurs, Btudes critiques sur des brachiopodes nouveaux ou peu connus, Art XII, 
pag. 354, Taf. XXVII, Fig. 7, 8. 

_ E= SesvenzA, Le spiriferina dei varii piani del Lias messinese (Boll. soc. geol. ital. pag. 32). 
Ferner ist Spir. rostrata ScHLoTH. in derselben Arbeit unter folgenden Namen auf- 
geführt: Sp. rostrataeformis, pag. 19, Taf. XIX, Fig. 2; Sp. macromorphe, 
pag. 21, Taf. XIX, Fig. 3; Sp. omoeomorpha, pag. 23, Taf. XIX, Fig. 4; Sp. 
micromorpha, pag. 25, Taf. XIX, Fig. 5; Sp. conglobata, pag. 26, Taf. XIX, 
Fig. 6; Sp. rethica, pag. 27, Taf. XIX, Fig. 7; Sp. palaeomorpha, pag. 28, 
Taf. XIX, Fig. 8; Sp. tauromenitana, pag. 50, Taf. XIX, Fig. 9; Sp. parvi- 
rostris, pag. 86, Taf. XX, Fig. 8; Sp. subguadrata, pag. 87, Taf. XXI, Fig. 1. 

Spirifer rostratus Quexsteor, Handb. der Petrefaktenkunde, 3. Aufl., pag. 734, Taf. 57, Fig. 5—7. 


214 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


1886. Spiriferina rostrata vı Srerano, Sul lias inferiore di Taormina e dei suoi dintorni (Giorn. d. Soc. di Sc. Nat. 
ed Econ. di Palermo), pag. 78, Taf. I, Fig. 1—8. 


1856. — —_ Rorurterz, Monographie der Vilser Alpen, pag. 159 und 172. 

1887. — — Haas, Etude mon. et cerit. des brach. rhetiens et jurass. du Alpes vaudoises, pag. 73, 
Taf. VII, Fig. 27. 

1889. —_ _ Geyer, Lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz, pag. 73, Taf. VIII, Fie. 3. 

1891. — —  pı Srerano, Il lias medio d. Mte. San Giuliano, pag. 34. 

1892. _ — Parona, Revisione della fauna liasica di Gozzano, pag. 22, Taf. I, Fig. 10, 11. 

1894. — — Fucısı, Fauna dei calcari bianchi ceroidi con Phyll. eylindricum, pag. 26, Taf. VI, Fig. 6. 


Schon Quzxsteor (l. c. 1871, Taf. 54, Fig. 62) hat vom Schafberg einen „Spirifer rostratus“ 
eitirt und abgebildet; allerdings liegt nicht die normale Form vor, wenn man bei dieser Species überhaupt 
von einer solchen reden kann. Die Schafberg-Varietät hat einen rundlichen, querelliptischen, fast kreis- 
runden Umriss; die Commissur ist auf den Seiten meistens gerade, seltener stark geschweift, an der Stirn 
ist sie im Bogen gegen die kleine Klappe eingekrümmt. Beide Klappen sind kräftig gewölbt, die grosse 
etwas stärker als die kleine. Auf der grossen Klappe befindet sich ein sehr seichter, undeutlich begrenzter 

| Sinus, der meistens etwas oberhalb der Mitte beginnt; auf der kleinen Klappe 
Fig. 8. ist kein eigentlicher Wulst vorhanden, doch erscheinen grössere Individuen 
etwas geflügelt. Der Schnabel ist sehr kräftig, nicht sehr lang, aber breit 
und dick, die Area ist ziemlich schmal, concav, von mehr oder weniger deut- 
lichen Kanten seitlich begrenzt. Die Schlosslinie ist kurz und fast gerade, 
geht aber ohne Knickung in die Seitencommissur über. Das Septum im 
Schnabel der grossen Klappe ist ziemlich lang, die Zahnstützen sind kräftie. 
Brachialapparat von Die Spiralkegel haben eine sehr breite Basis und geringe Höhe, sie sind mit 
Spiriferina rostrata. der Spitze gegen die Seiten des Gehäuses gerichtet, die Linie, welche die 
Axe des Doppelkegels darstellt, liegt senkrecht zur Medianlinie des Gehäuses. 
Die Spiralkegel gehen von zwei Cruren aus, welche zwischen den Zahngruben angeheftet sind. 

Die oben gegebene Synonymenliste ist durchaus nicht vollständig, sie zählt nur die wichtigste Litte- 
ratur über Spör. rostrata auf, und die Arbeiten über die mediterrane Facies des Lias sind besonders berück- 
sichtigt worden. Die hier zu besprechende Species müsste, wie DesLoxacHamps 1884 (l. ce.) nachwies, 
eigentlich Spir. Sauvagei DEFRANCE heissen, doch würde man es demjenigen wohl kaum Dank wissen, der 
versuchte, den bekannten Namen Sp. rostrata durch den eben genannten älteren zu ersetzen. Uns liegt 
allerdings bereits ein ganz ähnliches Beispiel in der Spir. uncinata ScHArH, aus den Koessener Schichten 
vor; Prrzuorn hat schon früher für diese oder eine nahestehende Form den Namen Spir. Jungbrunnensis 
geschaffen; Bırrxer hat nun diesen letzteren Namen als Gruppennamen für Spir. uncinata SCHAFH., Spir. 
Koessenensis Zucm. und Spir,. austriaca Zum. angewendet, vielleicht wird ein ähnliches Vorgehen auch 
später bei Spir. rostrata möglich sein. 

ROTHPLETZ rechnet zu Spir. rostrata auch Spir. Cantiamensis Can.'!, doch hat diese Species schräg 
aufwärts gerichtete Spiralkegel, wodurch sie sich gut von Spir. rostrata unterscheidet. 

Ob die von Haas und Perrı (1882 ]. c.) auf Taf. XVI Fig. 7 abgebildete Form thatsächlich zu 


1 Canavarı, Alc. nuovi brachiop. degli strati a Ter. Aspasia Mex. nell’ Appenino centrale (Atti soc. Tosc. Sc. Nat., 
pag. 2, Taf. IX. Fig. 1—4). 


Spiriferina cordiformis nov. Sp. 915 


Spir. rostrata gehört, erscheint mir sehr zweifelhaft; man würde sie vielleicht besser zu Spir. pinguwis oder 
Spir. verrucosa stellen. Ich vermuthe, dass in der Tafelerklärung Fig. 7 und S miteinander verwechselt 
worden sind, denn Fig. S kann doch unmöglich eine Mittelform zwischen Spir. verrucosa und Spir. rostrata 
sein. Allerdings gehört auch die auf derselben Tafel Fig. 9 abgebildete Form schwerlich zu Spir. verru- 
cosa, wenigstens ist auf der Abbildung keine Spur von Rippen zu sehen; übrigens müsste es auch Spir. 
verrucosa Buck und nicht Spir. verrucosa ScHuLorTH. heissen. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Hinterschafberg; Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzen- 
see; Grünsee; Fagstein bei Berchtesgaden. 


Spiriferina cordiformis nov. sp. — 3 Exenmpl. 
In SON I, 2 8% 
Eine sehr charakteristische neue Form liegt mir in drei ganz vollständigen Exemplaren vor. Sie 
hat folgende Merkmale: 

Umriss: hochoval, stets höher als breit. 

Commissur: auf der Seite gerade oder geschweift, an der Stirn in einer Curve stark gegen die kleine Klappe 
gehoben. 

Grosse Klappe: kräftig gewölbt; ein Mediansinus ist nicht vorhanden, doch zieht sich vom Schnabel bis zur 
Stirn eine abgeflachte, mediane Partie. Die grosse Klappe springt an der Stirn zungenförmig gegen 
die kleine vor. 

Kleine Klappe: kräftig gewölbt; in der Wirbelregion zeigt sich eine Aufblähung der Schaale; ein Wulst 
fehlt vollständig. 

Schnabel: ziemlich klein, aber kräftig, stark gekrümmt, an der Spitze fast hakenförmig. Die Area ist nicht 
sehr gross, stark gekrümmt, durch ganz schwache seitliche Kanten begrenzt. Die Schlosskante ist 
gerade und ziemlich kurz, sie nimmt ungefähr die Hälfte der Gehäusebreite ein und geht in einer 
Curve in die Seitencommissur über. 


I II III 
Dimensionen: Höhe: 22,7 14,9 13,3 mn, 
Breite:21.9%5 119,2 124 „ 

Dicke: 16,1 15) ID. 


Unsere Art nähert sich der Varietät der Spir. rostrata, welche Sesvexza! als Spir. subguadrata 
bezeichnet hat; doch weicht diese durch den kleineren Schnabel, die flache kleine Klappe und das geringe 
Vorspringen der grossen Klappe gegen die kleine ganz erheblich ab. Auch eine andere Form, welche 
SEGUENZA” als Spir. pyriformis bezeichnet, hat in der Gestalt Aehnlichkeit mit Spir. cordiformis nov. Sp., 
weicht jedoch durch die in Ecken absetzende Schlosslinie, sowie durch die Form des Schnabels ab, auch 
springt die grosse Klappe nicht zungenförmig gegen die kleine vor. 

Fundorte: Feuchteneck, Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzensee am Schafbere. 


! Sesvexza, Mon. delle Spiriferina dei varii piani del lias meninese, 1885, pag. 87, Taf. XXI, Fig. 1, 1a, 1b. 
° SEGUENZA, ibid., pag. 68, Taf. XX, Fig. 1. 


216 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


‚Spiriferina saximontana nov. sp. — 12 Exempl. 


Taf. XV], Fig. 4. 
Umriss : kreisförmig bis querelliptisch. 
Commissur: auf der Seite gerade, an der Stirn gegen die kleine Klappe eingekrümmt und zwar asymmetrisch. 
Grosse Klappe: kräftig gewölbt, mit einem asymmetrisch liegenden seichten Sinus versehen, welcher sich vom 
Schnabel bis zur Stirn zieht. 
Kleine Klappe: ziemlich flach, ohne Wulst. 
Schnabel: hoch, spitz, meist stark gekrümmt. Die Area ist ziemlich breit, concav und durch stumpfe Kanten 


begrenzt. 
I 1 II 
Dimensionen: Höhe: 17,6 20,1 21,5 mm, ) N 
Be eo 21,5 Dr Bei II und III konnte nur die grosse 
Dicke ale 5 a Klappe gemessen werden. 


Wir haben es hier mit einer ziemlich indifferenten Art zu thun, welche der Form nach in die Nähe 
der Spir. rostrata Schuoru. zu stellen ist, doch unterscheidet sie sich durch den stets asymmetrischen Sinus 
der grossen Klappe, sowie durch die anscheinend viel feineren Warzen. 

Fundort: Weg vom Mitterkaser zur Schärtenhütte an den Abhängen des Steinbergs gegenüber 
Ramsau (Berchtesgaden). 


Spiriferina globosa nov. sp. — 12 Exempl. 
Taf. XVI, Fig. 5—7. 


Umriss: kreisrund, höher als breit oder gleich breit und hoch. 

Commissur: auf der Seite und an der Stirn gerade und in einer Ebene liegend oder an der Stirn etwas 
gegen die grosse Klappe eingesenkt; nur bei einem Exemplar ist die Stirn etwas schief gegen die 
kleine Klappe gehoben, doch dürfte das zufällig sein. 

Grosse Klappe: sehr kräftig gewölbt, ohne Wulst oder Sinus. 

Kleine Klappe: kräftig gewölbt, ohne Wulst oder Sinus. 

Schnabel: ziemlich gross, gekrümmt, spitz. Die Area ist gross, gekrümmt, von sehr stumpfen seitlichen 
Kanten begrenzt. Die Schlosskante ist gerade und erreicht nicht ganz die Breite des Gehäuses; sie 
setzt gegen die Seitencommissur in einer scharfen Ecke ab. 


I II 
Dimensionen: Höhe: 20,1 16,7 mm, 
Breite: 17,7 lloNS2Er, 


Dicke: 16,0 loser, 

Unsere Form hat eine gewisse Aehnlichkeit mit Spir. rostrata ScHLoTH., doch weicht sie durch den 
weniger gekrümmten Schnabel, sowie durch den gänzlichen Mangel an Wulst und Sinus und die Gestalt der 
Stirnlinie ab. Von dem Typus der Spir. alpina Opr. unterscheidet sie sich durch die weniger breite Form 
und den stärker gekrümmten Schnabel. 

Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


Spiriferina af. capuliformis Sesv. 917 


Spiriferina Sylvia GEMMELLARo. — 1 Exempl. 
1878. Sp. Sylvia GEMNELLARO, Sopra aleune faune giuresi e liasiche della Sicilia, pag. 410, Taf. NXXI, Fig. 27—33. 
1885. — depressa SEGuENnzA, Le Spiriferina dei varii piani del lias messinese, pag. 94, Taf. XXI, Fig. 3. 
1886. — Sylvia Rorupıerz, Vilser Alpen, pag. 159. 
1891. — Zignoi pı Steranxo, I] lias medio del Mte. San Giuliano, pag. 5l, Taf. I, Fig. 7. 
1894. — Sylvia Fucını, Fauna dei calcari bianchi ceroidi con Phyll. eylindricum, pag. 36, Taf. VI, Fig. 11—17. 


: Nach den Untersuchungen Fucıxt's ist wohl nicht daran zu zweifeln, dass die drei als Sp. Sylvia, 
Sp. depressa und Sp. Zignoi unterschiedenen Typen zu einer einzigen Species gehören, es müsste sich denn 
ein Unterschied im Armgerüst nachweisen lassen, doch sind die Spiralkegel bei keiner dieser Formen unter- 
sucht worden. 

Mir liest nur eine grosse Klappe dieser Art vor. Ein Sinus fehlt vollständig, doch ist eine mediane 
Abflachung bemerkbar, an der Stirn ist die Commissur gerade. Der Schnabel ist gross, spitz, weit ab- 
stehend, die Area breit, fast ganz eben und durch scharfe Kanten begrenzt. Zahnstützen und Septum sind 
sehr kräftig. Unser Exemplar gleicht in allen Einzelheiten dem bei Fucısı in Fig. 12 abgebildeten. 


Fundort: Hinterschafberg. 


Spiriferina af. capuliformis Sesurnza. — 1 Exempl. 
1885. Spir. capuliformis SEGUENZA, Monogr. d. Spiriferina dei varii piani del lias messinese, pag. 97, Taf. XXI, 
Fig. 43, b, ce. 

Mir liegt die grosse Klappe einer sehr eigenartig geformten Spirferina vor; vermuthlich haben wir 
es mit einer neuen Art oder Varietät zu thun. Ich habe das Stück aus einem Block herauspräparirt, 
welcher zahlreiche Exemplare von Ah. Paolöi Can. enthielt; es stammt also ganz sicher aus dem mitt- 
leren Lias. 

Der Umriss ist fast kreisförmig; die Commissur ist auf der Seite gerade, auf der Stirn zungen- 
förmig gegen die kleine Klappe vorspringend. Ein eigentlicher Sinus ist nicht vorhanden, doch ist der 
mediane Theil der Klappe deutlich abgeflacht. Der Schnabel ist weit abstehend, die Area sehr hoch, sehr 
schmal, nicht scharf begrenzt und fast ganz eben, nur an der äussersten Spitze etwas concav. 

Ich habe das Exemplar als Spir. afl. capuliformis Sesu. bezeichnet, doch sind verschiedene Ab- 
weichungen von der typischen Spir. capuliformis hervorzuheben. Diese Art ist viel breiter als das Exemplar 
vom Schafberg, ausserdem ist ein Sinus bei der italienischen Form angedeutet (Fig. 4a bei SEGUENZA), 
ferner ist die Area breiter. Dass Seeurnza’s Fig. 4 mit Fig. 4a, Ab, 4c zu einer Art gehöre, halte ich 
für unwahrscheinlich; Fig. 4a, b, c erhält durch die ausserordentlich starken Anwachsstreifen, welche auch 
bei der Art vom Schafberg vorhanden sind, ein eigenartiges Aussehen, wesshalb sie auch wohl als besondere 
Species aufzufassen ist, während Fig. 4 vielleicht zu Spir. Darwin: Gemm. gehört. 


RoTHPLETZ vermuthete in Spir. depressa Sesv.! eine Jugendform der Spör. capuliformis. Ich halte 


! SEGUENZA, Mon. delle Spiriferina etc., 1885, pag. 94, Taf. XXI, Fig. 3. 


Palaeontographica, Bd, XLIV. 28 


318 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


jedoch die von pr StErAno und Fucını ausgesprochene Ansicht für richtiger, welche Spir. depressa mit 
Spir. Sylvia GEMM. vereinigt. 
Fundort: Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzensee am Schafberg. 


Spiriferina Salomoni nov. sp. — 34 Exempl. 
Taf. XVI, Fig. sS—11. 
Umriss: hochoval bis queroval. 
Commissur: auf der Seite gerade, an der. Stirn häufig etwas gegen die kleine Klappe hineingekrümmt. 
Grosse Klappe: kräftig gewölbt, oft etwas in die kleine Klappe eingreifend, doch ohne eigentlichen Sinus. 
Kleine Klappe: sehr flach und ohne Wulst. 
Schnabel: kurz, spitz, gekrümmt, aufrechtstehend. Area klein, concav, ohne scharfe Kanten. Schlosslinie 
gerade, meistens nicht sehr lang, im Bogen in die Seitencommissur übergehend. 


I II III 
Dimensionen: Höhe: 16,6 14,5 12,4 mm, 
Breite: 14,9 12,9 12 

Dicke: = 955 8,7 SI0mr 


Man kann bei dieser Art eine Varietät abtrennen. Als Typus sehe ich die kräftigeren breiten 
Formen an; als Varietät wären somit die hochovalen abzutrennen, welche ich als var. elongata bezeichnen möchte. 

Unsere Art steht zwischen Sp. brevirostris Opp.! und Sp. gryphoide« Urt. Von beiden unter- 
scheidet sie sich durch den aufrechtstehenden Schnabel, die geringe Grösse, die gewöhnlich sehr breite Form 
und den wenig gekrümmten Schnabel. Sp. brevirostris steht der Rh. Salomoni wohl am nächsten, ist aber 
gut zu unterscheiden. Sp. gryphoidea, welche ebenfalls bei Kramsach vorkommt, lässt sich schon an der 
anders gestalteten kleinen Klappe unterscheiden. 

Sp. Salomoni nov. Sp. ist bei Kramsach nicht selten; am Schafberg wurde sie bisher in einem ein- 
zigen Exemplar gefunden. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Grünsee am Schafberg. 


Spiriferina gryphoidea Unuie. — 2 Exempl. 

1879. Sp. gryphoidea Uurıs, Ueber die liasische Brachiopodenfauna von Sospirolo, pag. 15, Taf. I, Fig. 1-3. 

Mir liegt von Kramsach nur eine einzige grosse Klappe dieser Art vor. Das Stück zeichnet sich 
durch den grösseren und weniger gekrümmten Schnabel, sowie durch die hochovale Form vor der Spör. 
brevirostris Oper. aus. Mir ist bisher nur ein einziges vollständiges Exemplar dieser Art bekannt geworden, 
es stammt aus dem (mittleren) Lias der Alp Alla Stuva bei St. Cassian. Ein zweites fast vollständiges 
Exemplar stammt vom Schafberg. Die kleine Klappe dieser Gehäuse ist etwas gewölbt und die ganze Form 
weicht im Habitus von Spör, brevirostris Opp. durchaus ab. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Grünsee am Schafberg. 


! Geyer, Ueber die lias. Brachiopoden des Hierlatz, 1889, pag. 73, Taf. VIII, Fig. 9—12. 


Spiriferina nov. sp. innom. afl. Sp. alpina Opr. 919 


Spiriferina cfr. alpina Orrer. — 4 Exempl. 
1892. Sp. alpina Paronxa, Revisione della fauna lias. di Gozzano, pag. 21, Taf. I, Fig. 9. 


Vier grosse Klappen einer Spiriferina liegen mir vor, welche in ihrem Habitus ganz an Sp. alpina 
Opp. erinnern, doch sind die Stücke zu schlecht erhalten, als dass man eine sichere Bestimmung vor- 
nehmen könnte. 

Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


Spiriferina nov. sp. innom. aff. Sp. alpina Opp. — 4 Exempl. 
Taf. XVI, Fig. 14. 

Mir liegen vier Exemplare einer asymmetrisch gebildeten Spiriferina vor, welche zu der Gruppe der 
„Asinuosae“ (ROTHPLETZ) gehört und sich der Spir. alpina noch am meisten nähert. Ich habe dieser Art 
keinen Namen gegeben, weil nur wenige Exemplare vorliegen, welche aus einem einzigen Block stammen. 
Umriss: breitoval, zum kreisförmigen neigend, meistens breiter als hoch. 

Commissur: auf der Seite gerade, auf der Stirn gerade oder (in Folge der asymmetrischen Gestalt) ein 
wenig geschweift. 

Grosse Klappe: kräftig gewölbt, am unteren Theile mit sehr kräftigen Anwachsstreifen versehen. Ein eigent- 
licher Sinus ist nicht vorhanden, doch ist ein solcher durch eine abgeflachte Partie der Schaale an- 
gedeutet; diese Abflachung zieht sich vom Schnabel bis zu dem am weitesten nach links liegenden 
Theile der Stirn (links: wenn man die grosse Klappe gegen den Beschauer gedreht hat). 

Kleine Klappe: bedeutend weniger gewölbt als die grosse, ohne Wulst oder Sinus; auf der ganzen Klappe 
befinden sich zahlreiche, kräftige Anwachsstreifen. 

Schnabel: klein, ziemlich kräftig, mehr aufrecht als nach hinten abstehend, mässig gekrümmt. Area breit, 
niedrig, schwach concav. Schlosslinie gerade, in einer Curve in die Seitencommissur übergehend. 
Innere Merkmale: im Schnabel der grossen Klappe sind ein Medianseptum und zwei Zahnstützen vorhanden. 

Spiralkegel unbekannt. 


I I 
Dimensionen: Höhe: 20,2 21,5 mm, 
Breite: 21,8 UN 
Dicke: 10,2 2 


Wie schon bemerkt, hat Spir. nov. sp. innom. sehr viel Aehnlichkeit mit Spör. alpina Opr., doch 
ist der Schnabel bei unserer Art kleiner und weniger zierlich, die Area ist niedriger, die Schlosslinie setzt 
nicht in Ecken gegen die Seitencommissuren ab, und die Gestalt ist stets asymmetrisch. Immerhin ist es 
nicht ausgeschlossen, dass diese Art nur eine Varietät der Sp. alpina Opp. sei. 

Fundort: Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzensee am Schafbere. 


Spiriferina semicircularis nov. sp. — 6 Exempl. 
Taf, XV]. Big. 15, 16: 
Umriss: querelliptisch. 
Commissur: an der Seite gerade, an der Stirn gegen die kleine Klappe asymmetrisch ausgebuchtet. 


320 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Grosse Klappe: kräftig gewölbt; vom Schnabel zur Stirn zieht sich ein sehr seichter, asymmetrischer Sinus. 

Kleine Klappe: ziemlich flach; in der Stirnregion ist ein asymmetrischer Wulst, der dem Sinus der grossen 
Klappe entspricht, angedeutet. 

Schnabel: ziemlich gross, spitz, gekrümmt, von der kleinen Klappe weit abstehend. Schlosskante gerade, 
fast die ganze Breite des Gehäuses einnehmend; mit scharf abgesetzten Ecken in die Seitencommissur 
übergehend. (An den abgebildeten Stücken sind die seitlichen Theile der Schlosskante abgebrochen, 
doch waren sie beim Präpariren der Stücke noch vorhanden.) Area breit, ziemlich hoch, concav, durch 
ziemlich scharfe Kanten begrenzt. 


Innere Merkmale: unbekannt. 
I Il 


Dimensionen: Höhe: 24,1 23,7 mm, 
Breite: 31,0 SO 
Dicke: 16,7 AO, 


Bei dem Genus Spiriferina ist es im Allgemeinen sehr schwer, gut begrenzte Arten zu unterscheiden; 
zwischen den meisten Species finden sich Uebergänge, selbst zwischen denjenigen, welche in Schichten von 
verschiedenem Alter vorkommen. Die Spiriferinen des Mittellias und. Unterlias weisen bei weitem nicht 
solche Verschiedenheiten auf, wie die Rhynchonellen, Terebrateln u. s. w. dieser Straten. Ich halte es 
daher für angezeigt, selbst auf feinere Unterschiede noch Gewicht zu legen, wenn diese constant bleiben. 
Spir. semicircularis nov. sp. ist nahe verwandt mit Spir. alpina, unterscheidet sich jedoch durch die stets 
grössere Breite des Gehäuses und das Vorhandensein des Sinus. Die vom Schafberg stammenden Exem- 
plare sind etwas weniger in die Breite gezogen, als die von Kramsach stammenden. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Höhe zwischen Feuchteneck und Schwarzensee am Schafberg. 


Spiriferina obtusa Orrzn. — 10 Exempl. 


1861. Sp. obtusa Orpru, Ueb. die Brachiopoden d. unteren Lias (Zeitschr. d. Deutsch. geol. Gesellsch., pag. 542, 
Taf. XI, Fig. 8). 


1879. — -— Uuris, Ueb. die liasische Brachiopodenfauna v. Sospirolo bei Belluno, pag. 13, Taf. I, Fig. 5. 

1850. — -— Casavarı, I brachiop. degli strati a Ter. Aspasia Mes. nell’ Appennino centrale, pag. 9, 
Taf. III, Fig. 9. 

1336. — — Rorspierz, Vilser Alpen, pag. 160. 

1889. — — Geyer, Lias. Brachiopodenfauna des Hierlatz, pag. 75, Taf. VIII, Fig. 13—15, Taf. IX, Fig. 1—5. 

1892. — —  Parona, Revisione della fauna liasica di Gozzano iu Piemonte, pag. 23, Taf. I, Fig. 12. 

1895. — — Böse, Lias. Brachiopodenschichten bei Hindelang, pag. 647. 

1894. — — Fvcısı, Fauna dei cale. bianchi ceroidi con Phyll. eylindrieum, pag. 29, Taf. VI, Fig. 8,9. 


Von Kramsach liegen nur zwei unvollständig erhaltene grosse Klappen vor, welche vermuthlich zu 
Spir. obtusa zu stellen sind; nicht viel häufiger ist diese Art am Schafberg, und hier ist es nicht sicher, 
ob die betreffenden Stücke nicht aus dem unteren Lias stammen, da sie nicht im rothem, sondern in einem 
weissen Kalk liegen. 

Die Form, welche Fucıst (l. ce.) in Fig. 8 abbildet, dürfte schwerlich zu Spir. obtusa gehören, auch 
seine Fig. 9 ist nicht mit Gewissheit hierher zu stellen. Als Normalform dürfen wir wohl Gever's Fig. 13, 
15 auf Taf. VIII und Fig. 5 auf Taf. IX betrachten, allerdings ist Fig. 13 schon ziemlich gestreckt, die 


Spiriferina sicula Gem. 9 


[So] 
en 


gewöhnliche Form ist etwas weniger breit. Selten finden sich sehr stark gekrümmte Schnäbel, gewöhnlich 
sind diese vielmehr ziemlich schwach gebogen, wenn auch nicht so stark gestreckt wie in GryEr’s Fig. 5 
auf Taf. IX. Einige ziemlich typische Exemplare liegen mir aus dem oberen Lias ö von Zell in Württem- 
berg vor und ein weiteres aus einem unbekannten Fundort des germanischen Lias (dem Gestein nach viel- 
leicht Amberg), jedenfalls ist die Form aber im germanischen Lias sehr selten. 

Die Art ist von Sp. sicula Gemm. in der Begrenzung, welche RorkpLEerz dieser Art giebt, sehr 
schwierig zu unterscheiden; die Hauptunterschiede bestehen wohl in der geringeren Breite und der stärkeren 
Wulst- und Sinusbildung der Sp. obtusa Orr. Wenn man allerdings die zahlreichen Varietäten berücksichtigt, 
welche bei anderen Spiriferinen z. B. Sp. rostrata ScHLoTH. vorkommen, so muss man zu der Auschauung 
gelangen, dass Sp. sicula und Sp. obtusa zu einer Art gehören. Da mir jedoch keine Exemplare der Sp. 
sicula GEMmM. aus Sicilien vorliegen, so halte ich vorläufig beide Arten von einander getrennt. 

Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Vorderthiersee bei Kufstein; Fagstein bei Berchtesgaden; 
Hinterschafberg, Münichsee, 


Spiriferina sicula GemmeLGARo. — Ca. 30 Exemp!. 
1874. Sp. sicule GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sicilia, pag. 55, Taf. X, Fig. 5. 
— cf. angulata, ibidem, pag. 56, Taf. X, Fig. 6, 7. 

1886. — sicula Roruprerz, Vilser Alpen, pag. 161, Taf. XIII, Fig. 7—8. 

Herr Professor RoTHPLETZ hatte die Liebenswürdigkeit, mir seine Notizen mitzutheilen, welche er 
sich im Museum von Palermo bei der Besichtigung der Originale Grmmernaro’s machte. Darnach ist Sp. 
sicula von der Sp. obtusa nur durch die bedeutendere Grösse und Breite zu unterscheiden. Wenn wir diese 
beiden Dinge überhaupt als Artenmerkmal gelten lassen, wozu die ausserordentliche Variabilität der Spiri- 
ferinen nicht gerade aufmuntert, so kommt bei Kramsach und am Schafberg die typische Sp. sicula GEum. 
vor. Diese Exemplare unterscheiden sich durch grössere Breite von der typischen Sp. obtusa Opr., unter- 
scheiden sich aber auch durch den weniger gestreckten Schnabel von den bei GEemmELARo abgebildeten 
Exemplaren. 

DI STEFANO ! fasst die Art ganz anders als RorupLerz, er bildet ziemlich schmale, dicke Gehäuse 
mit äusserst kräftigem Wulst und Sinus als Sp. sicula Gem. ab, doch stimmen seine Abbildungen mit den- 
jenigen GEMMELLARO’S nicht überein. Dr STEFANO giebt an, dass sich Sp. sicula von der Sp. obtusa durch 
die weniger breite und weniger gekrümmte Area, durch den stärkeren Wulst und Sinus, sowie durch die 
gebogene Schlosslinie unterscheide. Breite und Krümmung der Area wechselt bei allen Spiriferinen, ebenso 
die Stärke des Wulstes und Sinus. Ziemlich constant ist bei Spir. obtusa Orr. die gerade Schlosslinie, doch 
ist auch bei vielen sonst typischen Exemplaren die Schlosslinie gekrümmt; zu beachten ist aber, dass bei 
den Originalabbildungen der Sp. sicula eine ganz gerade Schlosslinie vorhanden ist. Da mir kein sicilia- 
nisches Exemplar der ächten Sp. sicula Gemm. vorliegt und die Originale RortarLerz’ sich noch am meisten 
den Abbildungen bei GEMMELLARO zu nähern scheinen, so schliesse ich mich einstweilen der Auffassung 
RoTHPLETZ’ an, ohne jedoch mit Sicherheit behaupten zu können, dass die von mir als Sp. sicula Gem. 
bezeichnete Form thatsächlich mit der italienischen Form identisch sei. nı Sterano glaubt, dass Rorpuerz’ 


1 pı StErAno, Il Lias medio d. Mte. San Giuliano, 1891, pag. 39, Taf. I, Fie. 1-3. 
$) > 2 7 {=} 


[%6) 
DD 
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Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


Sp. sicula zu Sp. rostrata gehöre, das ist jedoch sicherlich nicht der Fall, eher halte ich es für wahr- 
scheinlich, dass unsere Form eine blosse Varietät der Sp. obtusa Opp. sei. 


Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Hinterschafberg, Nordwand beim Hotel Schafberg. 


Spiriferina angulata Orren. — 7 Exempl. 
1894. Fuvcmı, Fauna dei calc. bianchi ceroidi con. Phyll. eylindricum, pag. 26, Taf. VI, Fig. 7, cum syn. 
Eine Anzahl einzelner Klappen lässt sich mit Sicherheit zu 8». angulata Orr. stellen. Neues ist 
über diese Art nicht hinzuzufügen. 


Fundorte: Kramsach bei Rattenberg; Vorderthiersee bei Kufstein. 


Spiriferina Darwini GEMMELLARo. — 3 Exempl. 


1878. Sp. Darwini GEMMELLARO, Sopra alcune faune giuresi e liasiche della Sicilia, pag. 409, Taf. XXXI, Fig. 22—26. 

1891. — — pı Sterano, Il lias medio del Mte. San Giuliano, pag. 43, Taf. I, Fig. 4. 

Diese Art zeichnet sich durch eine hohe, breite und fast ganz flache Area aus. Mir liegen 3 grosse 
Klappen vor; diese zeigen die charakteristische Area, die gerade Schlosslinie und einen flachen Mediansinus. 
Die grosse Klappe springt an der Stirn etwas gegen die kleine vor. Auch die radialen Streifen, auf welche 
pr Srterano aufmerksam macht, sind auf unseren Exemplaren sichtbar. pı Sterano deutet sie als Gefäss- 
eindrücke, doch halte ich es für möglich, dass wir es mit einer radialen Ornamentirung zu thun haben, weil 
die Streifen sich auch auf beschaalten Exemplaren zeigen, Sp. Darwini mit Sp. obtusa Opp. zu vereinigen, 
wie Fucını! dies will, halte ich für unrichtig. 


Fundorte: Fagstein bei Berchtesgaden; Hinterschafberg. 


Spiriferina segregata pı Stzrano. — 1 Exempl. 
1891. Sp. segregata vı StErANo, Il Lias medio del Mte. San Giuliano, pag. 53, Taf. I, Fig. S—12. 


Diese äusserst charakteristische Art ist leider nur durch eine einzige grosse Klappe vertreten, welche 
aber ganz und gar mit den Abbildungen bei pı Srzrano übereinstimmt. Im Sinus befindet sich 1 Rippe 
auf den Seiten je 3; die Area ist hoch und fast nicht gekrümmt. 


Fundort: Kramsach bei Rattenberg. 


! Focını, Fauna dei cale. bianchi ceroidi con Phyll. eylindrieum, 1894, pag. 29. 


Amphiclinodonta Bittneri nov. sp. 


10) 
= 


Koninckina Susss. 


Koninckodonta Bitter. 


Koninckodonta Fuggeri Bırrner. — 5 Exempl. 


1893. Koninckodonta Fuggeri Bırrner, Neue Koninckiniden des alpinen Lias (Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst.), 
pag. 137, Taf. IV, Fig. 4—9. 

Das Gehäuse dieser interessanten Art ist etwas breiter als hoch, besitzt gerundete Ecken, so dass 
es oft fast kreisförmig erscheint; es ist stark gewölbt, oft halbkugelartig und weist in der Nähe des 
Wirbels der grossen Klappe eine auffallende mediane Verdickung auf. Die Schlosslinie ist gerade und nimmt 
fast die ganze Breite des Gehäuses ein; der Wirbel ist klein, aber kräftiger hervortretend als bei Koninckina 
Eberhardi BiTTNER; er setzt sich ziemlich deutlich gegen die Flügel ab. Die grosse Klappe ist convex, die 
kleine concav. Wenn man herauspräparirte Stücke bei durchscheinendem Licht untersucht, eventuell durch 
Anätzen einer der beiden Klappen nachhilft, so zeigt sich bei den vorliegenden 
Exemplaren in der Mitte eine fast kreisrunde, nach oben sich zuspitzende, undurch- 
sichtige Partie; sie wird seitwärts und gegen die Stirn hin von einem hellen Saum 
umgeben. In diesem zeigt sich wieder eine dunklere Linie, welche dem Seitenrand 
ungefähr parallel läuft. Die dunkle Masse ist der ausgefüllte hohle Raum, der 
helle Saum der verdickte Klappenrand. Aetzt man diesen letzteren an, so zeigt 
sich eine grosse Anzahl dunkler Flecke, welche netzförmig ineinander greifen; be- Brachialapparat von 
sonders eng stehen diese da, wo sich bei auffallendem Licht zwischen Rand und rinckodonta Fuggeri. 
Ausfüllungsmasse eine dunkle dem Rand fast parallele Linie zeigt. An der Stirn 
reichen diese Flecken, welche sich hier beim Aetzen als Schaalenverdickungen erweisen, ziemlich hoch hinauf. 
Ueber diese Verhältnisse geben Bırrxer’s Abbildungen besseren Aufschluss, als ich ihn mit Worten zu geben 
vermag. Bittner hat nachgewiesen, dass wir es hier mit einer ziemlich complieirten Verschlussvorrichtung 
der Schaalenseitenwände zu thun haben. Durch Anätzen gelang es mir bei einem Exemplar, die freistehenden 
Armspiralen nachzuweisen. Meine Exemplare weisen eine doppelte Area auf, doch lassen sich die Einzelheiten 
daran nicht sehr deutlich erkennen. Die Schaale hat eine grobe Faserstruktur. Die hier beschriebenen 
Exemplare sind die von Zırreu bereits 1876 im Handbuch der Palaeontologie Bd. I erwähnten Liasleptaenen. 

Fundorte: Fagstein bei Berchtesgaden; Hinterschafberg. 


Fig. 9. 


Amphiclina Lause. 


Amphiclinodonta Bırrxer. 
Amphiclinodonta Bittneri nov. sp. — 5 Exempl. 
Taf. XVI, Fig. 12, 13. 


Das Gehäuse ist breit dreiseitig, meistens breiter als hoch, die Ecken an der Stirn sind abgerundet. 
Die grosse Klappe ist schwach convex, fällt aber von der Medianlinie aus, und zwar besonders in der Nähe 


994 Emil Böse, die mittelliasische Brachiopodenfauna der östlichen Nordalpen. 


des Schnabels, steil gegen den Rand ab, welcher selbst wieder ganz flach ist. Die kleine Klappe ist schwach 
concav, ihre beiden Flügel fallen gegen die Medianlinie hin gleichmässig ab, und zwar so, dass eine Art von 
Medianvertiefung entsteht, welche am deutlichsten in der Nähe der Schlosslinie ist. Auf der grossen Klappe 
befindet sich eine sehr schmale Area, welche in der Mitte das Pseudodeltidium zeigt; auf der kleinen Klappe 
ist eine noch niedrigere Area ausgebildet, in deren Mitte sich eine erhöhte, dreieckige Fläche zeigt, welche 
mit ihrer Basis an die des Pseudodeltiniums der grossen Klappe stösst. Bitter! giebt an, dass diese 
Partie bei Koninckella dreiseitig, sowie dass sie nach BoucHArp als Schlossfortsatz der kleinen Klappe 
aufzufassen sei. Eine genaue Beobachtung wird bei den mir vorliegenden Exemplaren leider durch die 
ausserordentlich geringe Grösse der Area sehr erschwert. 

Die Schlosslinie ist sehr kurz. Die Seitenwände zeigen die durch Bırrner beschriebene Zähnelung, 
während an der Stirn im durchfallenden Licht eine mehr gitterförmige Anordnung der Flecken (Schaalen- 
erhöhungen) auftritt. Die Schaale ist grobfaserig; von den Armspiralen habe ich nur Theile beobachten können. 

Durch das Vorhandensein einer ausserordentlich kleinen Doppelarea, sowie der Zähnelung der Seiten 
und Stirnränder ist die Zugehörigkeit zu Amphiclinodonta sichergestellt. 

Amph. Bittneri nov. sp. unterscheidet sich von A. liasina Bırrn. und A. adnetica Bırrn. gut durch 
die niedrig dreiseitige Gestalt, den geraden oder eingesenkten Stirnrand, sowie durch die scharfe mediane 
Einsenkung der kleinen Klappe. Sie schliesst sich fast noch mehr an A. amphitoma Zuem.” aus der Trias 
an; ferner sind nahestehend Amph. Manzavimi Bırın.’ und A. Zugmayeri Bırrn. ?: 

Fundort: Fagstein bei Berchtesgaden. 


Zeussgantız: 


Bırrner’ hat aus dem Lias des Schafbergs noch folgende Formen beschrieben und abgebildet: 
Koninckina (Koninckodonta2) Eberhardi Brrrn., Koninckina (Koninckodonta) Geyeri BiErN., Amphiclinodonta 
liasina Bırry. Eine weitere Beschreibung und Abbildung dieser Arten war also unnöthig und ist desshalb 
aus dieser Arbeit fortgelassen. 


1 Birrser, Ueber Koninckiniden des alpinen Lias (Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst.), 1857, pag. 291. 

2 Birrser, Brachip. der alpinen Trias (Abh. d. k. k, geol. Reichsanst.), 1890, pag. 240, Taf. XVI, Fig. 24, 25. 

3 Bırrxer, Neue Brachiopoden und eine neue Halobia der Trias von Balia in Kleinasien (Jahrb. d. k. k. Reichsanst.), 
1895, pag. 252, Taf. XI, Fig. 7. 

* ibidem Taf. XI, Fig. 9. 

5 Birtxer, Neue Koninckiniden des alpinen Lias (Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst.), 1895. 


Anhang. 


Die Brachiopoden des unteren Dogger im bayerischen Innthale. 


Stratigraphisches. 


Die geologischen Verhältnisse des untersten Innthales, wenigstens der Theile, um welche es sich hier 
handelt, nämlich Heuberg und Riesenkopf, hat bereits SchLosser ! auf das Ausführlichste geschildert, so dass 
uns nur noch übrig bleibt, kurz auf den Charakter der Fauna einzugehen. Terebrateln und Waldheimien 
herrschen vor, Rhynchonellen treten zurück, ganz wie das am Laubenstein der Fall ist; auch am Rothenstein 
sind mehr Terebrateln als Rhynchonellen vorhanden, wenn dies auch nicht so auffallend hervortritt, wie am 
Laubenstein. Dadurch unterscheiden sich alle diese Lokalitäten auffallend von denjenigen Südtyrols (Cles 
und Castel Tesino), an welchen die Rhynchonellen bei weitem vorherrschen. Dies wird besonders deutlich, 
wenn wir alle im unteren Innthal gefundenen Arten in einer Tabelle zusammenstellen und mit denjenigen 
anderer Fundorte vergleichen. 


Ei = ® - E = I | & EI 8 
| 8 = = 3% | 8% ga genen = E 
I 62 4 Se] SEE 
Terebratula punctata Sow. var. oolitica | | | | | 
RoTapL. — + | Ale ie D) Eur 
— Finkelsteini n. Sp. a = A| = u | | 
_ cfr. rubrisazensis ROTHPL. + | — — | 4 Er eh == Zi ae 
— OEeNOnaaT STE 4 | + — | — | zei 
— cir. pantoioptycha Fink... . | + | I | | il 
—_ cefr. perovalis Sow. . | + — — | + 
—_ infraoolitica DesL. : } I | de a ii, ge: 
— An Romano 55 ol — | = — a ee er ar > 
— nepos CANAv. . u — | a BE AL IE 
— bifida RornpL. Ton — | + _ nn P= Pr = Se Zu 
Waldheimia Waltoni Dov. . ». . ... —+ + + == | | 
— truncatella RoTapt. . + — — er =r | [re SL 
— inaudita EINE. . 2. 22... + + - an — | 


! Schvosser, Geologische Notizen aus dem Innthale (N. Jahrb. f. Min. ete.. 1895, Bd. D, pag. 75—96. 
® In der vorliegenden Beschreibung der Arten sind einige aufgeführt worden, welche sich in Schrosser’s Listen noch 
nicht finden; diese Species wurden von Dr. Schtosser und mir erst im vorigen Jahre gesammelt. 
Palaeontographiea. Bd. XLIV. : 29 


226 Emil Böse, die Brachiopoden des unteren Dogger im bayerischen Innthale. 


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I Eee Sl ‚S an 123< & 
Eu ee | 
Waldheimia angustipectus RoTHPL. . = = + + + — — _ — 
= supinifrons ROTHPL. | — | — + ee = = 
Rhynchonella mutans RonueL. . : 2... + E- — | + —— = 
1 depressicosta FisK. | 1 | +) - < 
—_ Aschaviensis FINk. I == — + a en — — 
_ Vigilii Lypsius . : | — | + Sl ee LA ie a 
= cymatophora RonHeL. . . - | — I + | e 
_ cfr. infirma RozteeL. . . » . | + | _ — | + | | | 
= rubrisawensis ROTHPL. I en + | + En 


Von den 22 Arten, welche bisher aus dem unteren Dogger des Innthales bekannt geworden sind, 
finden sich also 20 auch am Laubenstein, 16 am Rothenstein, dagegen nur 4 (5?) bei Cles, 2 bei Castel 
Tesino und 6 am Mte Grappa. Wir erkennen aber auch hier wieder die Aehnlichkeit der nordalpinen 
Opalinus-Murchisonae-Schichten untereinander, sowie den auffallenden Gegensatz, in welchem sie zu den süd- 
alpinen gleichalterigen oder fast gleichalterigen Ablagerungen stehen. 

Sehr merkwürdig ist es, dass im unteren Innthale sich wohl oberer, aber kein mittlerer Dogger 
findet, wenigstens ist letzterer nicht durch Fossilien vertreten. Allerdings ist der mittlere Dogger auch am 
Rothenstein sehr schwach entwickelt, so dass er erst nachträglich (1892) durch Herrn Dr. ULricH SöHLE ent- 
deckt wurde. Vielleicht haben wir den mittleren Dogger in den Hornsteinkalken des Riesenkopfes zu suchen. 


Palaeontologischer Theil. 


Terebratula Kırm. 


Terebratula punctata Sow. var oolitica Rorupr. — 15 Exemp!. 

1886. Rornprerz, Vilser Alpen, pag. 110, Taf. IV, Fig. 7—11. 

Drei der vorliegenden Exemplare lassen sich von 7. punetata nicht unterscheiden, besonders sind 
die beiden kleineren und besser erhaltenen Exemplare typisch. Roruprerz (l. c.) giebt an, dass bei den 
Stücken vom Rothenstein der Schlosskantenwinkel der kleinen Kante auffallend stumpf sei. Das ist bei den 
hier zu besprechenden Stücken nicht der Fall; der Schlosskantenwinkel der kleinen Schaale beträgt ca. 90 
bis 100°. Die grosse Menge der weiteren Exemplare besteht aus einzelnen Klappen und Gehäuse- 
bruchstücken. 

Fundort: Riesenkopf. 


Terebratula Finkelsteini n. sp. 997 


Terebratula Finkelsteini n. sp. — 5 Exenpl. 
Taf. XII, Fig- 30, 33—36. 


1889. Waldheimia ? n. sp. aft. angustipectus FinKELstEin, Ueber ein Vorkommen der Opalinus- (und Murchisonae ?- 
Zone im westl. Südtyrol (Zeitschr. der Deutsch. geol. Gssellsch.), pag. 67, Taf. VII, Fig. 1—3. 

Von dieser Art, welche FiskeLstein bei Cles gesammelt und mit einigem Zweifel zu Waldheimia 
gestellt hatte, konnte ich durch Anschleifen feststellen, dass sie zu Terebratula gehört. Ich gebe hier der 
Vollständigkeit halber eine neue Beschreibung und zwar nach den Exemplaren aus Südtyrol, von welchen 
ich selber mehrere Hundert Stück gesammelt habe. 

Umriss: meist kreisrund, seltener hochoval. 

Commissur: auf der Seite gerade, in leichtem Bogen in die Schlosskanten übergehend; an der Stirn gerade 
(nur bei jungen Exemplaren) oder im Bogen gegen die grosse Schaale zurückgezogen, bei ganz aus- 
gewachsenen Stücken gegen die grosse Klappe stark zurückgezogen und zweimal geknickt; der Theil 
zwischen den Knickungsstellen ist wieder gegen die kleine Klappe eingekrümmt. 

Grosse Klappe: ziemlich kräftig gewölbt, am stärksten über der Mitte gegen den Schnabel hin; im Jugend- 
stadium von einem breiten medianen First ziemlich steil gegen die Seitenränder abfallend; im Alter 
stellen sich zwei Lateralwülste ein, welche etwa in der Mitte der Schaale beginnen und durch eine 
seichte Einbuchtung getrennt sind. 

Kleine Klappe: ganz flach, in der Wirbelgegend etwas aufgetrieben; von der Mitte 
ab geht eine sehr breite und sehr flache Einsenkung bis zur Stirn, bei ganz 
alten Individuen zeigt die Einsenkung wieder eine ganz schwache mediane 
Aufwölbung, welche der medianen Einsenkung der grossen Klappe entspricht. 

Schnabel: kurz, breit, spitz, wenig gebogen, mit mässig scharfen Kanten versehen. 
Foramen mässig gross, Deltidium sichtbar Brachialapparat von 

Innere Merkmale: in der kleinen Klappe befindet sich ein schwaches Medianseptum ne 
und eine kurze Terebratelschleife, 

I II 0 V 

Dimensionen: ! Höhe: 2 26,5, I Asa, 85mm: 

Breite 25,3 116, Sn AN seo ar 
Dicke: — VD DU Bi Bi 

Wie schon FInk£ustein bemerkt hat, ist die nächststehende Art 7. Bentleyiformis Fısk.?, auch sie 
weist die flache kleine Klappe und die Falten auf der grossen Klappe auf; immerhin sind die beiden Arten 
doch beträchtlich verschieden. Vor Allem ist die Faltung der grossen Klappe ungemein viel stärker, ebenso 
die Stirn ganz anders gestaltet. 

Ich fand die Art bei Cles in zahlreichen Exemplaren sowohl in dem von FinLELTTEm bereits be- 
schriebenen Fundort Malga Cavai, sowie auch an einem neuen Platz der Val Sorda, wo sie zusammen mit 
Tausenden von Exemplaren der Rh. retrosinuata Vac., mehreren Exemplaren der Waldh. anmgustipectus 
Rorpr. und Zer. Rossii Can. vorkommt. Trotzdem auch mir ganz ausgewachsene Exemplare nur in ein- 


‘1, DO, III, IV von Cles, V vom Riesenkopf. 
® FinketsTEin, Der Laubenstein bei Hohenaschau (N. Jahrb. f. Min., 1888, Beilagebd. VI), pag. 87, Taf. III, Fig. 4—6. 


2398 Emil Böse, die Brachiopoden des unteren Dosger im bayerischen Innthale. 


zelnen Klappen vorliegen, so habe ich es doch vorgezogen, die Art zu benennen, weil sie jetzt schon aus 
mehreren Fundplätzen bekannt und auch im Jugendstadium so charakeristisch ist, dass man sie nicht leicht 
mit einer andern Art verwechseln wird. Ob alle 8 Exemplare aus den Nordalpen hierher gehören, erscheint 
mir zweifelhaft, 7 sind Jugendexemplare, welche möglicher Weise zu Waldheimia gehören, doch ist das achte 
ziemlich gross und ein typisches Exemplar. 

Fundort: Riesenkopf (Bauer am Berg). 


Terebratula cfr. rubrisaxensis Rorupn. — 2 Exemyl. 
1886. Roruprerz, Vilser Alpen, pag. 117, Taf. VI Fig. 1—24, Taf. VIII Fig. 8-14, 18—21, Taf. V Fig 1-8, 
Taf. VII Fig. 8-11. 
Zwei ganz schlecht erhaltene Gehäuse lassen sich noch am ehesten mit 7. rubrisawensis vereinigen, 
doch ist eine sichere Bestimmung unmöglich. 
Fundort: Höllwand am Heuberg. 


Terebratula oenana n. sp. — 44 Exemp!. 
arsoX1]9810026,0315,32: 


In Schuosser’s Aufsatz! „Geologische Notizen aus dem Innthale“ wird diese Art noch als 7. Rossiv 
var oenana Böse (Manuscriptname) aufgeführt; ich bin aber seitdem doch zu der Ansicht gelangt, dass hier 
eine besondere Art vorliegt, welche sich durch einige wichtige, constant auftretende Merkmale von 7. Rossiö 
Can. unterscheidet. Bevor ich diese Unterschiede auseinandersetze, soll die neue Art beschrieben werden. 


Umriss: hoch fünfseitig, oft sich dem dreiseitigen nähernd. 

Commissur: auf der Seite kräftig geschwungen, an der Stirn stark gegen die grosse Schaale eingekrümmt 
und zweimal gefaltet; die Stärke der Faltungen oder Knickungen ist sehr variabel. 

Grosse Klappe: kräftig gewölbt; von der Schnabelregion ziehen sich zwei mehr oder weniger kräftige Lateral- 
wülste, welche durch eine mediane Einsenkung getrennt werden, bis zur Stirn hinab. Zuweilen fehlt 
die mediane Einsenkung fast ganz, so dass die Wülste sehr undeutlich werden. Von den Lateral- 
wülsten fällt die Schaale sehr steil gegen den Seitenrand ab. 

Kleine Klappe: meist kräftig gekrümmt, doch bedeutend mehr der Länge als der Breite nach. Zwei meist 
recht flache laterale Einsenkungen, welche den Wülsten der grossen Klappe entsprechen, ziehen sich 
von der Mitte der Schaale bis zur Stirn; zwischen ihnen liegt ein undeutlicher Medianwulst; bei einem 
Exemplar jedoch fehlen diese Einsenkungen und der Wulst nahezu vollständig. Der Winkel, den die 
Seitenkanten miteinander bilden, ist auffallend spitz (ca. 45°). 

Schalenoberfläche: punktirt und vollständig glatt. 

Schnabel: spitz, wenig gekrümmt, ziemlich hoch; ganz kurze, wenig deutliche Schnabelkanten vorhanden; 
Schiosslinie auffallend kurz. 

Innere Merkmale: unbekannt. 


ı N. Jahrb. f. Min., 1895, Bd. I, pag. 82—89. 


Terebratula elliptica. Rocker. 999 


Wie schon oben angedeutet, steht die 7. oenana n. sp. der 7. Rossöi Can.! sehr nahe; sie unter- 
scheiden sich jedoch durch die Bildung des Schnabels; während dieser bei 7. oenana gestreckt ist, weist er 
bei 7. Rossii eine starke Krümmung auf; ein weiterer sehr auffallender Unterschied zeigt sich in der Länge 
der Schlosslinie; diese ist bei 7. oenana auffallend kurz, bei 7. Rossii stets sehr breit, wodurch dann auch 
die Umrisse der kleinen Klappe bei beiden Arten ein sehr verschiedenes Aussehen gewinnen. 

Fundorte: Heuberg; Riesenkopf (zwei Fundplätze). 


Terebratula cfr. pantoioptycha Finkeistein. — 4 Exempl. 
1888. Fınketstein, Der Laubenstein bei Hohenaschau etc., pag. 78, Taf. II, Fig. 1—3. 


1893. Borro-MıccA, Fossili degli strati & Lioceras opalinum Rein. e Ludwigia Murchisonae Sow. del Croce di Valpore 
(Mte. Grapa) Boll. Soc. geol. ital., pag. 38. 

Sechs mangelhaft erhaltene Gehäuse lassen sich mit ziemlicher Sicherheit auf 7. pantoioptycha Fink. 
beziehen. Besonders stimmt ein Exemplar, an welchem leider die Schnabelregion fehlt, in der Frontalgegend 
sehr genau mit dem bei FINkELsTEI (]. ce.) auf Taf. II Fig. 3 abgebildeten Exemplar überein, während ein 
anderes Stück sich mehr der Fig. 2 nähert. 

Fundorte: Riesenkopf; Heuberg. 


Terebratula cfr. perovalis Sow. — 10 Exempl. 

1886. Rornpterz, Vilser Alpen, pag. 100, Taf. I Fig. 11, Taf. II Fig. 9, 11—19. 

Die Stücke, welche sich auf 7. perovalis beziehen lassen, sind leider so schlecht erhalten, dass an 
eine sichere Bestimmung nicht zu denken ist; immerhin nähern sich der Umriss, der Schlosskantenwinkel, 
die Gestaltung der Falten den entsprechenden Verhältnissen bei 7. perovalis soweit, dass die Stücke wohl 
zu dieser Art gestellt werden können. 

Fundort: Heuberg. 


Terebratula infraoolitica Drston@ecHaups. — 4 Exempl. 

1886. Rorurrerz, Vilser Alpen, pag. 95, Taf. III, Fig. 1—6, 19a—d. 

Ausser 4 gut erhaltenen und sicher bestimmbaren Formen liegt noch eine grössere Anzahl von 
mangelhaften Exemplaren vor, welche wahrscheinlich auch zu Z. infraoolitica zu stellen sind. Einige würden, 
in Folge der stark gewölbten kleinen Klappe, dann zur var. concamerata RorpL. gehören. 

Fundort: Riesenkopf. 


Terebratula eiliptica Rorupz. — 2 Exempl. 

1886. Rorsererz, Vilser Alpen, pag. 98, Taf. III Fig. 7—12, 16, 27—29. 

Diese von 7. infraoolitieca oft nicht leicht zu unterscheidende Art ist durch 2 typische Gehäuse von 
elliptischer Gestalt vertreten. Sie zeichnen sich durch gleichmässige Biegung der Schlossinie aus und sind 
weniger scharf gefaltet als 7. infraoolitica. 

Fundort: Riesenkopf. 


! PaAroNA e Canavarı, Brachiopodi oolitiei di aleune localitä dell’ Italia settentrionale, pag. 16, Taf. X, Fig. 6—10, 


230 Emil Böse, ie Brachiopoden des unteren Dogger im bayerischen Innthale. 


Terebratula nepos Canavarı. — 1 Exempl. 


1886. Rorurrerz, Vilser Alpen, pag. 116, Taf. V, Fig. 20, 22, 24. 
1893. Borro-MıccaA, Foss. d. str. & Lioc. opalinum e Ludw. Murchisonae etc., pag. 39. 


Ein einziges Exemplar lässt sich mit ziemlicher Sicherheit zu T. nepos stellen. Der kräftige, stark 
übergebogene Schnabel, sowie der schmale Wulst sind bezeichnend. 


Fundort: Heuberg. 


Terebratula bifida Rornruerz. — 2 Exempl. 


1886. RorurLerz, Vilser Alpen, pag. 114, Taf. V, Fig. 17—19, 21, 23, 25—27; Taf. VIII, Fig. 29. 

1893. Borro-MıccA, Foss. d. str. & Lioc. opalinum e Ludw. Murchisonae ete., pag. 38. 

Unter dem vorliegenden Material fanden sich zwei nucleate Formen, welche sich durch den breiten 
Wulst, den gestreckteren Schnabel und die mässig scharfen Schnabelkanten von 7. nepos unterscheiden. In 
den angeführten Merkmalen stimmen sie dagegen ganz mit 7. bifida Rorupr., von denen sie nur in der 
Grösse verschieden sind; wahrscheinlich haben wir es mit jugendlichen Exemplaren zu thun. 

Fundort: Riesenkopf. 


Waldheimia (Kınc) Davınson. 


Waldheimia Waltoni Dav. — 15 Exempl. 

1886. Rorupuerz, Vilser Alpen, pag. 123, Taf. VII, Fig. 20-31; Taf. VIII, Fig. 52—35. 

Die Gehäuse, welche ich’ zu dieser Art rechne, sind fast alle Jugendexemplare, die grösseren Stücke 
sind meist derartig zerdrückt, dass eine sichere Bestimmung nicht möglich ist. Die übrigen Gehäuse stimmen 
recht gut mit den Exemplaren der W. Waltoni vom Rothenstein überein, doch lässt sich bei so kleinen 
Formen natürlich nicht mit Sicherheit sagen, ob nicht einzelne eher zu W. subbuceulenta Cuar. et Dew. zu 


rechnen seien. 
Fundorte: Höllwand am Heuberg; Riesenkopf (Bauer am Berg); Feichteck bei Nussdorf. 


Waldheimia truncatella RorurLetz. — 2 Exempl. 


1886. Rorkpıerz, Vilser Alpen, pag. 124, Taf. VIII, Fig. 38; Taf. XVI, Fig. 16—22, 

1893. Borro-MıccA, Foss. d. str. & Lioc. opalinum e Ludw. Murchisonae ete., pag. 42. 

Diese recht charakteristische Art tritt uns hier in der Varietät mit rundlich pentagonalem Umriss 
entgegen. Von Waldh. Hertzi Haas! unterscheidet sich W. truncatella durch die rundlichere Gestalt; die 
erstere Art ist stets gestreckter, auch ist bei letzterer die kleine Klappe flacher, der Schnabel stärker ge- 
krümmt, sowie die Schnabelkanten gerundeter. 


ı Haas, Beitr. z. Kenntn. d. lias. Brach.-Fauna von Südtyrol und Venetien, 1884, pag. 24, Taf. 4, Fig. 3—4. 


Waldheimia angustipectus Roruer. 251 


Die von Bortro-Mıcca als W. truncatella var. minor beschriebene Form (loc. eit. pag. 43, Taf. I, 
Fig. 4) ist sicherlich nichts anderes als Waldh. Hertzi Haas. 
Fundort: Höllwand am Heuberg. 


Waldheimia inaudita FınkeLstem. — 29 Exempl. 


1888. Fınkeistein, Der Laubenstein bei Hohenaschau, pag. 90, Taf. III, Fig. 7. 


Diese ungemein charakteristische Form ist im Dogger des unteren Innthales nicht selten, auch sind 
die Gehäuse vielfach ausgezeichnet erhalten. Die Art hat in der Form eine auffallende Aehnlichkeit mit 
Ter. oenana, von der sie sich jedoch natürlich generisch unterscheidet. Unter den Waldheimien giebt es 
kaum eine Art, mit welcher sich W. inaudita vergleichen liesse, in Folge dessen diese Art als ein aus- 
gezeichnetes Leitfossil anzusehen ist. Der Beschreibung, welche FinkELsteın gegeben hat, ist nichts 
hinzuzusetzen. 

Fundorte: Höllwand am Heuberg; Riesenkopf. 


Waldheimia angustipectus Rorupn. — 2 Exempl. 
1886. Rornrrerz, Vilser Alpen, pag. 131, Taf. VII, Fig. 1—7 (non 12, 14—19). 
1889. — Nachträgliches zu der geol.-pal. Monogr. d. Vilser Alpen (N. Jahrb. f. Min. 1889, Bd. II), pag. 146. 


Nur zwei kleine Exemplare liegen vor, von denen jedoch eines mit Sicherheit hierherzustellen ist. 
ROTHPLETZ hat von dieser Art zwei Reihen unterschieden, nämlich eine, zu denen die Formen mit einem 
Medianwulst im Sinus der kleinen Klappe und eine andere, zu denen die Stücke gehören, bei welchen dieser 
Medianwulst fehlt. Nun hat jedoch Davımsoxn im V. Bande seines Monograph of the British fossil Brachio- 
poda (1882—84) und zwar im Capitel „Appendix to the Supplements“ auf pag. 265 Taf. XIX Fig. 11, 12 
eine Waldheimia Haasi Buckman (Manuscriptname) beschrieben und abgebildet, welche RorkpLerz (1889 
l. ce.) für identisch mit einem Theil der Waldh. angustipectus RoTurLEerz hält, nämlich mit der Reihe von 
Formen, welche bei RotupLerz auf Taf. VII Fig. 12, 14—19 abgebildet sind. Ferner rechnet RoTHPLETZ 
hierher die von Davıpson im gleichen Werk pag. 267 Taf. XIX Fig. 13, Taf. XX Fig. 13 abgebildete 
W. reversa Buckman (Manuscriptname). Somit wäre jetzt zu unterscheiden Waldh. angustipectus: Gehäuse 
mit schwach angedeutetem oder fehlendem Medianwulst im Sinus der kleinen Klappe; Waldh. Haasi: Ge- 
häuse mit kräftigem Medianwulst im Sinus der kleinen Klappe. 

Was nun vor Allem die W. reversa Buckm. angeht, so dürfte diese doch wohl als besondere Art 
aufzufassen sein, da der Wulst im Sinus der kleinen Klappe so auffallend ist, dass sich die Frontalansicht 
vollständig ändert. Allerdings scheint auch Davıpsox nicht ganz von der Selbstständiskeit der Art über- 
zeugt gewesen zu sein, worauf wenigstens seine Worte deuten: „Mr. S. S. Buckman considers it new, and 
I desceribe it as such on his authority. It appears to me to be closely related to Waldh. Haasi and aspe- 
cially to those specimens of the last named species which present a rounded elevation along the middle of 
the medial depression in the dorsal valve.“ 

Will man W. reversa zu W. Haasi ziehen, so sehe ich nicht ein, wesshalb nicht auch W. angusti- 
pectus mit W. Haasi zu vereinigen sei, denn diese beiden Arten stehen einander sicherlich näher als der 
W. reversa. Ja, Davınson scheint die neuerdings von RoTHPLETZ getrennten W. Haas? und W. angusti- 


23323 Emil Böse, die Brachiopoden des unteren Dogger im bayerischen Innthale. 


pectus selbst als eine Art anzusehen, wenigstens kann ich Fig. 12 auf Taf. XIX bei Davıpsov nicht von 
W. angustipectus trennen, da auch bei dieser Form ja der Wulst in dem Sinus der Dorsalklappe vollkommen 
fehlt, auch heisst es im Text Davıpsox’s: „median sinus (of the dorsal valve d. Ref.) concave, commencing 
at the umbo, widening and deepening as it reaches the front, with sometimes a longitudinal rounded 
elevation along the middle.“ 

Die Verhältnisse werden übrigens noch complieirter, wenn man sich daran erinnert, dass ROTHPLETZ 
selbst eine Art als W. Haasi Rorupr. bezeichnet hat, welche noch dazu der Waldh. angustipectus sehr nahe 
steht, es ist die Form, welche Hass! als Waldh. linguata BoEcKH var. major beschrieben hat. Diese Art 
wurde jedoch neuerdings von pı Srerano? Waldh. Rothpletzi genannt, so dass damit einer Verwirrung vor- 
gebeugt ist. 

Ich halte einstweilen Waldh. angustipectus RorurL., Waldh. Haasi Buckm. und Waldh. reversa 
Bucrm. als besondere Arten auseinander, gedenke jedoch bei einer andern Gelegenheit auf diese Art zurück- 
zukommen. 

Fundort: Feichteck bei Nussdorf. 


Waldheimia supinifrons RorurLerz. — 1 Exempl. 
1886. Rorurrerz, Vilser Alpen, pag. 130, Taf. VIII, Fig. 37, 39—40, Taf. IX, Fig. -18, 22—23, 30. 
Zu dieser Art gehört ein ziemlich sicher bestimmbares Exemplar, ausserdem vermuthlich noch eine 


Anzahl von sehr kleinen Gehäusen. 
Fundort: Feuchteck bei Nussdorf. 


Rhynchonella Fischer. 


Rhynchonella mutans Rornrr. — 7 Exempl. 
1886. Rornpuerz, Vilser Alpen, pag. 140, Taf. IX, Fig. 19—21, 29, 31-32, 34—46. 
1893. Borro-Mıcca, Foss. d. str. & Lioc. opalinum e Ludw. Murchisonae etc., pag. 49. 
Die meisten Exemplare sind typisch, eines gehört zur var. depressa. 
Fundorte: Heuberg: Riesenkopf (Bauer am Berg). 


Rhynchonella depressicosta FInKkELsteiın. — 1 Exempl. 

1888. Finkerstem, Der Laubenstein, pag. 99, Taf. V, Fig. 2. 

Das mir vorliegende Exemplar unterscheidet sich von dem Typus der Art nur durch einen etwas 
höheren Schnabel; eine solche Abweichung kommt jedoch bei jugendlichen Gehäusen nicht selten vor. Im 
Uebrigen stimmt das Stück mit Rh. depressicosta Fısk. vollkommen überein; vor Allem zeigt sich auch hier 
die gerade Commissur, sowie die charakteristische Form der Rippen; diese sind „äusserst flach, oben eben, 


r. 


! Haas, Beiträge z. Kenntn. d. lias. Brachiopodenfauna von Südtyrol u. Venetien, 1884, pag. 25, Taf. IV, Fig. 5. 
2 pı Srerano, Il Lias med. d. Mte. San Giuliano, 1891, pag. 141, Taf. IV, Fig. 20—23. 


Rhynchonella Vigilii Lersrous. 233 


breit, und lassen zwischen sich nur einen um vieles hinter ihrer eigenen Breite zurückstehenden schmalen, 
linienartigen Raum“ (FiskEusteis). 
Fundort: Riesenkopf (Bauer am Berg). 


Rhynchonella Aschaviensis FinkELstein. — Ca. 50 Exempl. 
1888. FiInketstein, Der Laubenstein, pag. 102, Taf. IV, Fig. 8S—10, 


Diese kleine, zierliche Art ist durch eine grosse Anzahl von Exemplaren vertreten. Die Gehäuse 
zeigen die stark aufgewölbte kleine Klappe, mit der auffallenden Aufblähung in der Wirbelgegend, von wo 
aus die Schaale gerade zum Stirnrand abfällt, den deutlichen unsymmetrischen Wulst der kleinen und den 
entsprechenden Sinus der grossen Klappe. Die Rippen sind scharf und oft grob, zwei bis fünf befinden sich 
auf dem Wulst, im Ganzen sind niemals mehr als zehn vorhanden. Auch der auffallend nach hinten ab- 
stehende Schnabel gleicht ganz demjenigen, welchen die Originale von FINKELSTEIN aufweisen. 

Auffallend ist die ausserordentliche Häufigkeit dieser Form an dem einen der Fundplätze; nur an 
einer einzigen weiteren Lokalität des Innthales ist sie bisher im einem Exemplar gefunden, 

Fundort: gesteinserfüllend am Feichteck bei Nussdorf; 1 Stück vom Riesenkopf (Bauer am Berg). 


Rhynchonella Vigilii Lersıus. — 3 Exempl. 


1886. Rh. Erycina RorupLerz, Vilser Alpen, pag. 150, Taf. XI, Fig. 16, 17. 


1886. — Vigilii Vacex, Oolithe v. Cap S. Vigiljo (Abh. d. k. k. R.-A.), pag. 60, Taf. 20, Fig. 10—16. 

1888. — Erycina FinkEuLstein, Der Laubenstein, pag. 103. 

1889. — Vigilii Fiskeustein, Ueb. e. Vorkommen der Opalinus- (und Murchisonai-?) Zone im westl. Südtyrol, pag 74. 

1892. — — Böse und Finketstein, Ueber die mitteljurassischen Brachiopodenschichten von Castel Tesino 
(Zeitschr. d. Deutsch. geol. Ges.), pag. 296. 

1893. — — Borro-Micca, Fossili degli str. & Lioceras opalinum Rein. e Ludw. Murchisonae Sow., pag. 46, 46. 


Alle drei vorliegenden Exemplare sind typisch, auch hier lässt sich die wechselnde Zahl der Rippen, 
welche auf dem Wulst stehen, wahrnehmen. Ein Exemplar erinnert stark an die grossen Formen, welche 
auf Malga Tasula bei Cles vorkommen, es zeigt auch den stark vorgezogenen Stirntheil des Wulstes, auf 
dem nur 3 Rippen stehen. Ein anderes Gehäuse hat mehr die flachere Form, welche sich bei vielen Exem- 
plaren von Castel Tesino findet; das dritte Stück ist von den am Cap S. Vigilio vorherrschenden Formen 
nicht zu unterscheiden. 

Fundort: Riesenkopf (Bauer am Berg). 


Rhynchonella cfr. infirma Roraprerz. — 2 Exempl. 
1886. Roruprerz, Vilser Alpen, pag. 149, Taf. IX, Fig. 14, Taf. XI, Fig. 6, 7, 10, 11. 


Leider sind beide vorliegenden Gehäuse nicht vollständig erhalten, doch ist das eine mit ziemlicher 


Sicherheit zu Rh. infirma zu stellen, wofür der hohe spitze, ziemlich breite, wenig gebogene Schnabel, sowie 


Palaeontographica. Bd. XLIV. 30 


234 Nachtrag. 


die verhältnissmässig feinen Rippen sprechen. Das andere Stück könnte dagegen auch vielleicht zu Rh. 
prava RotHpL. gehören. 


Fundort: Höllwand am Heuberg. 


Rhynchonella rubrisaxensis RotkrLerz. — Ca. 20 Exempl. 

1886. Rorupuerz, Vilser Alpen, pag. 151, Taf. VIII, Fig. 75—91, Taf. X, Fig. 1—15, 17—20. 

Diese schöne und grosse Species ist an allen Fundorten des unteren Dogger im. unteren Innthale 
ziemlich häufig. Wenn auch vielfach die Schaalen stark verdrückt sind, so lassen sich doch an allen Lokali- 
täten einige Exemplare sicher bestimmen. Auch sind verschiedene Varietäten, darunter die var. crassico- 
stata, vertreten. 

Fundorte: Feichteck bei Nussdorf; Huberg (Höllwand); Riesenkopf. 


Nachtrag. 


Zu pag. 146 ff, 


“ Leider war das Manuscript zu der vorliegenden Abhandlung bereits abgeschlossen und der Druck 
begonnen, als die Arbeit A. v. Krarrr's „Ueber den Lias des Hagengebirges“ (Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 
1597) erschien. Diese enthält mancherlei Ergänzungen zu meinen Ausführungen, sie giebt vor allem über 
die Lagerungsverhältnisse des mittleren Lias Details, welche mit meinen eigenen Beobachtungen, die ich 
gelegentlich an anderer Stelle zu publieiren gedenke, zum grössten Theile übereinstimmen. Für uns sind 
hier aber besonders die Fossillisten wichtig, welche der Autor giebt; ausser den Petrefakten der Kratz-Alm, 
über welche v. KrArrr später genauer berichten wird, ist eine Reihe vom Fagstein erwähnt, welche zeigen, 
dass auch die Ammoniten mittelliasischen Arten angehören; v. Krarrr führt Brachiopoden vom Fagstein nicht 
an, seine Liste wäre also durch die von mir auf pag. 149 gegebene zu ergänzen. 


Zu pag. 154. 

Ebenfalls während des Druckes vorliegender Abhandlung erschien eine Arbeit rarona’s „‚Contri- 
buzione alla conoscenza delle Ammoniti liasiche di Lombardia. I. Ammoniti del Lias inferiore del „Saltrio“ 
(Abhand). d. schweiz. palaeontol. Gesellsch. Bd. 1896). Der Autor wendet sich pag. 7 gegen die von mir 
seiner Zeit in meiner Monographie des Genus Rhynchonellina ausgesprochene und in vorliegender Abhandlung 
aufrecht erhaltene Anschauung üder das Alter der Brachiopodenfauna von Saltrioe. Bisher hat allerdings 
ParonA nichts vorgebracht, wodurch meine Ansicht, dass die Fauna unterliasisch sei, widerlegt wird, doch 
stellt er eine eingehende Revision des Materials in Aussicht. Ich glaube einstweilen jedoch nicht, dass sich 


Nachtrag. 935 


thatsächlich wird nachweisen lassen, dass die Fauna dem mittleren Lias angehöre (es sei denn, dass sich, wie 
pag. 154 angedeutet, zwei Faunen bei Saltrio finden). Gegen Parona’s Anschauung spricht Manches; bisher 
hat sich z. B. in keiner sicher mittelliasischen Fauna Ter. punctata var. Andleri‘ in solchen Mengen 
sefunden, wie das bei Saltrio der Fall ist, vielmehr ist ein solches Massenvorkommen nur aus Hierlatzkalken 
bekannt geworden. Ferner sind die unterliasischen Formen so überwiegend, die ganze Fauna auch von der 
bisher beschriebenen mittelliasischen so adweichend, dass man kaum die Anschauung PArona’s wird aufrecht 
erhalten können; ich wiederhole, dass alle Formen von Saltrio, die mir bisher zu Gesicht gekommen sind, 
mit Arten des Hierlatzkalkes bis in die kleinste Einzelheit übereinstimmen. 


Zu pag. 167. { 
Kürzlich fand ich in der Sammlung des Karlsruher Polytechnicums mehrere Exemplare der 7. ascia 


und zwar mit der Fundortsbezeichnung ‚Trient‘. Schon Gırarp giebt an, dass er in Oberitalien 7. ascia 
gesehen habe; diese Notiz würde also durch die in Karlsruhe aufbewahrten Stücke bestätigt werden, 


Zu pag. 204. 
Durch ein Versehen wurde aus dem Texte ausgelassen, dass mit Rh. diptycha eine von NERI? zuerst 
erwähnte Form Rh. juliana nahe verwandt ist. Nach Fucısr's Abbildung und Beschreibung hat jedoch Rh. 


juliana seitliche Falten, auch scheint der Schnabel stärker übergebogen zu sein, wodurch sich specifische 
Unterschiede von Rh. diptycha ergeben. 


1 Wenn ich übrigens seiner Zeit bemerkte, dass dle von ParonA als Ter. Andleri citirte Form zum Theil zu Ter 
basilica gehöre, so ist das natürlich nur ein lapsus calami, es sollte heissen „die von Parona als Ter. punctata citirte Form“ 
was sich übrigens wohl Jeder beim Lesen der Stelle selber sagen wird; an der Sache wird dadurch nichts geändert, nämlich 
dass die Art theils zu Ter. punctata var. Andleri, theils zu Ter. basilica gehört. 

2 Nerr, Monografia dei fossili del calcare bianco ceroide di Mte. S. Giuliano (Atti Soc. tosc. di Sc. nat. Proc. vert 
1893) pag. 97. 

3 Fucını, Fauna dei calcari bianchi ceroidi con Phyll. eylindricum ete., pag. 66, Taf. VI, Fig. 19. 


JUL 15 1398 


Die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Von 


Ernst Schellwien. 


Theil I: Foraminifera. 


Mit Taf. XNVII—XXIV und 7 Textfiguren. 


Vorwort. 


Der vorliegende zweite Theil der Fauna des karnischen Obercarbons enthält die Bearbeitung der 
Foraminiferen, deren wichtigste Gruppe durch die Fusulininen gebildet wird. 

Von der Wiedergabe eines Literaturverzeichnisses glaubte ich in diesem Falle absehen zu dürfen, 
da ausführliche Verzeichnisse, welche bis zum Jahre 1879 bezw. 1884 durchgeführt sind, in den Werken 
von Mörter und Brapy vorhanden sind; die neuere Literatur soll in einer begonnenen Bearbeitung der 
gesammten Endothyriden zusammengestellt werden. 

Ursprünglich hatte der durch seine gründlichen Untersuchungen auf diesem Gebiete ausgezeichnete 
Dr. Coxr. SchwAGER auf meine Bitte die Beschreibung der von mir gesammelten Foraminiferen übernommen, 
aber leider hinderte ihn sein frühzeitiger Tod an der Ausführung dieser Arbeit. 

Herrn Geheimrath von Zırrer bin ich zu aufrichtigem Danke verpflichtet, dass er mir das reiche 
von SCHWAGER hinterlassene Material an carbonischen Foraminiferen zur Bearbeitung bezw. zum Vergleich 
überwiesen hat, ebenso Herrn Professor BENEcKE, von dem ein grosser Theil der Formen aus der Uggo- 
witzer Breceie stammt. Herr Dr. Gorrsche in Hamburg hatte die Güte, mir die zahlreichen Fusulinenkalke 
zu überlassen, welche er in Japan zusammengebracht hat. 

Die Herstellung der Tafeln war in Folge der geringen Grösse und des verwickelten Aufbaus der 
meisten Gehäuse eine sehr schwierige: die Herren Pürz und Omwann in Berlin haben sich durch die sorg- 
fältige Ausführung dieser mühsamen Arbeit ein entschiedenes Verdienst erworben. 


30* 


238 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Foraminifera. 


I. Endothyridae RıungLer. 


Fusulininae RHUMBLER. 


Die Fusulininen bilden eine Foraminiferen-Gruppe, welche sich mit ziemlicher Sicherheit auf die 
Gattung Endothyra zurückführen lässt (vgl. S. 281). Man unterscheidet bei dieser Gruppe gewöhnlich vier 
Gattungen: Fusulina, Schwagerina, Hemifusulina und Fusulinella. 

Von diesen Gattungen muss aber Hemifusulina ganz getilgt werden, da sie nur einer falschen 
Beobachtung ihre Aufstellung verdankt, wie in der Zusammenfassung am Schlusse dieser Arbeit ausgeführt 
ist (8. 281 Fussnote). Die Gattung Fusulinella ist gut charakterisirt durch ihre dichten Kammerwandungen, 
dagegen sind Kanäle bei ihr nicht vorhanden ' und sie tritt durch den im folgenden dargestellten Septal- 
bau der Fusulinen diesen sehr nahe. 

Die beiden letzten Gattungen stellen Fusulina und Schwagerina dar; diese aber bilden eine ganz 
continuirliche Reihe und sind durch kein einziges Merkmal scharf von einander geschieden, wie die von 
Krorow aus dem Ural beschriebene Schwagerina fusiformis® und die hier aufgestellte noch mehr Fusulinen- 
ähnliche Schwagerina fusulinoides beweisen. Und ebenso eng ist die Verknüpfung dieser primıtiven Schwa- 
gerinen-Formen mit jenen von Schwager aus China und Japan beschriebenen Gestalten, die ein complicirtes 
Basalskelet aufweisen, durch die Uebergangsformen vom Typus der Schwagerina Verbeeki. Es erscheint 
daher unberechtigt, hier zwei Gattungen zu unterscheiden, eine natürlichere Gruppirung erhält man dagegen, 
wenn man die Gattung Fusulina in drei Untergattungen zerlegt und zwar: 

I. Aechte Fusulinen vom Typus der Fusulina cylindrica mit mehr oder weniger spindelförmiger 
Gestalt und stark eingefalteten Septen = Fusulina s. str. 

II. Schwagerinen vom Typus der Schwagerina princeps mit spindelförmiger oder kugeliger Gestalt, 
schwach hin und her gebogenen oder geraden Septen und unvollkommenem oder ganz fehlen- 
dem Basalskelet —= Schwagerina. 

III. Schwagerinen vom Typus der Schwagerina lepida mit deutlich entwickeltem Basalskelet —= nov. 
subgenus. 

Da die Gattung Schwagerina ursprünglich für die typische Art der zweiten Formengruppe aufgestellt 
ist, müssen die bis jetzt auf Japan, China und Sumatra beschränkten Vertreter der letzten Abtheilung eine 
neue Bezeichnung erhalten. Für diese Formen schlage ich den Namen Möllerina vor, nach Herrn 
V. v. Mörver, dem wir die erste ausführliche Darstellung der Fusulininen verdanken. 


Fusulina s. str. 


Ueber die Gattung Fusulina liegen eine Reihe von Arbeiten vor, unter denen die Darstellung der 
russischen Fusulinen von V. v. Mörter® und diejenige der japanischen und chinesischen Formen von 


! Vgl. die Diagnose der Gattung, welche der Beschreibung der karnischen Fusulinellen vorausgeschickt ist. 

® Memoires du Comite geologique. St. Petersbourg 1388, T. VI. 

® Die spiral gewundenen Foraminiferen des russischen Kohlenkalks. (Me&moires de l’Acad. Imp. des Sc. de St. Peters- 
bourg, Bd. XXV, Nro. 9, 1878.) 


Fusulina s. str. 939 


©. Schwager! für die richtige Erkenntniss des Aufbaus der Schale weitaus die bedeutendsten sind. Es 
ist aber notwendig, die dort gegebene Gattungsdiagnose in einigen wesentlichen Dingen zu ändern, resp. zu 
ergänzen. 

Der wichtigste Punkt betrifit die Bildungsweise der Septen. Diese Bildung soll immer so erfolgen, 
dass sich das Septum keilförmig zwischen die das Dach bildende Kammerwand einschiebt: „Nach ihrer 
Bildungsart stellen die Septen keine inneren Fortsetzungen der eigentlichen Schalenwand dar, sondern ent- 
wickeln sich ganz unabhängig von derselben und erscheinen wie eingeklemmt zwischen den Ueberdachungen 
je zweier benachbarter Kammern; je nachdem die Septa in Verbindung mit der äusseren Schalenwand 
getreten sind, keilen sie sich zur Oberfläche der Schale vollkommen aus, und in Folge dessen kommen die 
mehr weniger convexen Kammerüberdachungen in der Tiefe der die Schale bedeckenden und oft sehr aus- 
gesprochenen Längsfurchen miteinander in Berührung (s. Taf. 6, Fig. 2c).“ Mörver (l. ec. S. 45 f.). Die 
gleiche Anschauungsweise wird besonders deutlich durch die Abbildungen Schwacer’s illustrirt, hier tritt 
aber ein neues Moment hinzu, von dem Schwager allerdings nicht angiebt, ob es ein isolirtes Merkmal der 
Fus. japonica bildet oder allen Fusulinen zukommen soll. Während Mörtzr behauptet, dass die Septen 
aus „einer einzigen vollkommen dichten Lamelle“ bestehen, sollen die von Schwager wiedergegebenen 
Schnitte (l. ec. Taf. 15, Fig. 8 u. Fig. 10) zur Anschauung bringen, dass die Septen aus zwei Blättern 
zusammengesetzt sind. 


Nach diesen Untersuchungen werden also die Septen der Fusulinen (und Schwagerinen) auf eine 
ganz andere Weise gebildet, als diejenigen der verwandten Gattungen, der Endothyra und Fusulinella, bei 
denen die Septen eine einfache Umbiegung der äusseren Kammerwandung darstellen. Nach meinen Beobach- 
tungen ist das keineswegs der Fall, sondern die Bildung der Scheidewände erfolgt auch bei den Fusulinen 
in der gleichen Weise?, wenn auch eine Reihe von Complicationen dabei auftreten, die im Folgenden klar- 
gestellt werden sollen. 

Im wesentlichen ist der Vorgang immer® derselbe: Die das Dach bildende Kammerwand biegt sich 
allmählig um und wächst nach unten weiter, indem sie auf diese Weise in 
das Septum übergeht, wie die schematische Zeichnung (Fig. 1) andeutet. 

Am deutlichsten tritt diese Erscheinung zu Tage, wenn die Schale 
verdrückt ist und die einzelnen Kammern gegen einander verschoben sind, 
wie der Querschnitt von Fus. multiseptata Taf. XVII, Fig. 4 erkennen lässt‘. 
In diesem Falle lösen sich die Kammern einzeln ab und zeigen, dass von 
einer Einkeilung der Septen keine Rede sein kann. 

Die Complicationen, welche hierbei eintreten können, werden meist 
durch den Ansatz der neuen Kammer hervorgerufen. Den häufigsten Fall stellt hierbei die vorstehende 
Abbildung Fig. 1 dar, wo die neue Dachwand sich am oberen Theile des Septums anheftet. Nicht selten 


Fig. 1. 


! Carbonische Foraminiferen aus China und Japan, aus v. Rıc#tuoren, China, Bd. IV, S. 106, Berlin 1833. 

° Mörter’s Abbildungen stehen übrigens z. Th. nicht im Einklang mit seinen Angaben, der Querschnitt von Fus. 
longissima, Taf. 8, Fig. 1b, zeigt durch Umbiesung entstandene Septen mit voller Deutlichkeit und Aehnliches lässt sich 
an einzelnen Stellen seiner Aus. cylindrica, Taf. VIII, Fig. 1b, erkennen. 

3 Vgl. die Erörterung über das Vorkommen von eingekeilten Septen auf Seite 241. 

* Vgl. auch den stark vergrösserten Querschnitt von Fusulina incisa, Taf. NXI, Fig. 2. 


240 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


beobachtet man aber, dass die neue Wand ziemlich tief an dem vorher gebildeten Septum ansetzt, wie 
Fig. 2 erläutern mag. 

Im dritten, am wenigsten häufigen Falle, setzt die spätere Kammer so tief am vorigen Septum an, 
dass dieses aus zwei Blättern gebildet erscheint (Fig. 3). 

In diesem Falle bleibt meist eine dunkle Trennungslinie zwischen den beiden Blättern bestehen, 
welche auch SchwAGEr, wie vorhin erwähnt, bei Fus. japonica festgestellt hat. Ob es hierbei vorkommt, 


Fig. 4. 


dass sich die beiden Blätter nicht fest aneinander legen, vermag ich nicht mit Sicherheit anzugeben; bei 
einigen wenigen Exemplaren war anscheinend ein kleiner Zwischenraum vorhanden, aber immer nur an 
einzelnen Stellen von Exemplaren, deren Septen sonst normal gebildet waren'. 

Eine zweite Art von Complicationen wird durch eine Verstärkung der einmal gebildeten Septen 
hervorgerufen, eine Erscheinung, welche hauptsächlich zu der falschen Deutung der Septalbildung Anlass 
gegeben hat. Es tritt nämlich sehr häufig eine Verdickung der zum Septum umgebogenen Kammerwand 


ein, indem sich auf einer oder beiden Seiten der Septallamelle Kalksubstanz absetzt, welche in der Regel 
dunkler gefärbt ist, wie nebenstehende Zeichnung (Fig. 4) schematisch erläutern soll. Besonders deutlich 
lässt sich diese Verdiekung, welche am stärksten in der Region der Mundspalte aufzutreten pflegt, bei Fus. 
regularis beobachten?. Sie wird in der Regel erst nach der Bildung der neuen Kammerwand ausgeschieden, 
zuweilen aber auch schon, ehe die Bildung der späteren Dachwand erfolgt ist, wie eine Beobachtung bei 


Fus. japonica lehrt. Hier schiebt sich nämlich (Fig. 5) die dunklere Substanz der verstärkenden Masse 


zwischen das Septum und die nachfolgende Kammerwand ein. 


! Vgl. dazu die Septalbildung bei der sog. Hemifusulina. S. 281 Fussnote. 
2 Vgl. den medianen Querschnitt auf Taf. XIX, Fig. 4, vor Allem aber den stark vergrösserten medianen Querschnitt 


der amerikanischen Fusuline, Taf. XXI, Fig. 1. 


Fusulina s. str. 941 


In seltenen Fällen kommt es auch vor, dass das Septum nur ganz kurz ist und die dunkle Kalk- 
substanz die Fortsetzung desselben nach unten bildet, wie Fig. 6 darstellt'. 


Ob neben der hier beschriebenen Art der Septalbildung durch Umbiegung der Kammerwand, welche 
entschieden der Regel entspricht, eine Einkeilung der Septen überhaupt vorkommt, wage ich nicht zu ent- 
scheiden, zum mindesten ist sie sehr selten, da ich sie trotz des reichen mir vorliegenden Materiales nirgends 
mit Sicherheit habe nachweisen können. Die mikroskopischen Bilder machen allerdings häufig den Eindruck, 
als ob die Septen eingekeilt wären, bei genauerer Betrachtung lässt sich aber in der Regel mit Bestimmtheit 
sagen, dass die Septen durch Umbiegung entstanden sind und nur in wenigen Fällen muss die Entscheidung 
unsicher bleiben. Die Täuschung wird besonders durch zwei Momente hervorgerufen, das ist einmal die 
besprochene Verdickung der Septen und zweitens der Umstand, dass die Poren, welche die Kammerwände 
durchziehen, in der Nähe der Septen sich schräg stellen und dadurch den Eindruck erwecken, als ob das 
Septum hier keilförmig zugestutzt wäre. Das Material, aus welchem die Septen bestehen, soll nach den 
Angaben ScHwAGer's eine besonders dichte Kalkmasse sein. Diese Anschauung muss natürlich aufgegeben 
werden, wenn man annimmt, dass die Septen eine einfache Umbiegung der Kammerwand sind’, die 
Septen müssen dann auch aus derselben Substanz bestehen wie diese; wenn sie trotzdem zuweilen viel 
dunkler erscheinen, so wird dies durch die Verdickungen hervorgerufen, die namentlich bei dünnen Septen 
häufig ein täuschendes Bild geben. Etwas dunkler können sie aber auch durch den Mangel an Poren 
werden, welche anscheinend den Septen in der Mehrzahl der Fälle fehlen, nur an wenigen Exemplaren liess 


sich das Vorhandensein von Poren gleich denen der Kammerwand nachweisen’. 
Die übrigen Punkte, in welchen die Gattungsdiagnose zu ergänzen ist, sind von geringerer Bedeutung. 
Dahin gehört: 
3) Die Beobachtung SchwaAger’s bei Fus. Kattaensis*, dass die Poren der Kammerwand sich nach 


! Wenn man die Bilder betrachtet, welche durch die Verdickung der Septen entstehen, erscheint es begreiflich, dass 
man zu Anschauungen gelangen kann, wie sie Ronanowsky (Materialien zur Geologie des Turkestans) bei der Beschreibung 
seiner Fus. Mölleri entwickelt. Er beobachtete, dass die Septen von hellen Streifen durchzogen waren, „welche keilförmig in 
den poröseu Wandungen der Schale wurzeln und entsprechend den Biegungen der sie einschliessenden dunkeln Plättchen 
gebogen sind“. R. vergleicht diese „fremdartig zweischichtige Zusammensetzung“ der Septen mit denjenigen der Mörter’schen 
Hemifusulina und meint, dass die hier scheinbar vorkommenden Kanäle wohl durch Zerstörung der von ihm beobachteten hellen 
Streifen entstanden sein könnten. Vgl. dazu S. 281 und S. 260 dieser Abhandluns. 


® Bei manchen Schwagerinen ist es schwer zu erkennen, ob nicht einzelne Septen doch aus dichterer Materie bestehen 
und zwischen die Kammerwände eingekeilt sind. Wenn es wirklich der Fall ist, dass einzelne Septen eingekeilt sind, liesse 
sich diese Thatsache übrigens dadurch erklären, dass hier ein zeitweiliger Stillstand im Wachsthum des 'Thieres eingetreten 
ist. Dass derartige Zustände ab und zu eintreten, ist eine bekannte Thatsache. Nach den Untersuchungen ScHaupinx’s an 
Calcituba polymorpha (Zoolog. Centralblatt 1894, p. 671) bilden sich die Septen dadurch, dass das Thier sich bisweilen in die 
Schale zurückzieht und einige Zeit ohne Nahrungsaufnahme lebt; hierbei bildet sich ein Deckelhäutchen, dessen Centrum bei 
der Wiederaufnahme der Ernährungsthätigkeit durchbrochen wird, während die seitlichen Theile als unregelmässige Septen 
zurückbleiben. Möglicherweise trat ein derartiger Stillstand bei den Fusulinen nach Abscheidung einer jeden Kammer ein; 
wenn die meisten Septen durch einfache Umbiegung entstehen und nur einige dichtere Septen eingekeilt sind, so würde dies 
auf einen zweiten ab und zu eintretenden Stillstand deuten, welcher nach der Ausbildung der porösen Dachwand und vor der 
Abscheidung des Septums sich einstellte. 

° Vgl. den Querschnitt von us. incisa, Taf. XXII, Fig.2. Ebenso den Längsschnitt von Schwagerina princeps auf 
derselben Tafel. 

* Palaeontologia Indica, Ser. XIII, vol. I, S. 986, Taf. CXXVI, Fig. 10 u. 11, 

Palaeontographica. Bd. XLIV. Sl 


349 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


aussen hin verzweigen, trifft für alle Fusulinen zu. Diese Poren sind auf der Innenseite der Kammer in 
der Regel nicht unerheblich breiter als die sie einschliessenden Kalkstreifen, wie man aus dem auf Taf. XXII, 
Fig. 5 abgebildeten Horizontalschliffe ersehen kann, der die Kammerwand in der Nähe der Innenseite 
schneidet. Auf der Aussenseite sind dagegen in Folge der Verzweigung viel mehr und engere Poren vor- 
handen, so dass ein bedeutend feineres Netzwerk entsteht, wie sich auf dem ebenso stark vergrösserten 
Schliff Taf. XXIL, Fig. 6 erkennen lässt. Am deutlichsten tritt die Verzweigung in dem Querschnitt einer 
amerikanischen Fusulinidenform auf, die auf Taf. XXII, Fig. 3 wiedergegeben ist. 

3) Ein drittes Merkmal scheint nur bei einem Theile der Fusulinen entwickelt zu sein: es besteht 
in einer Abscheidung von Kalk auf dem Boden der inneren Umgänge. Diese Kalkmasse liegt meist als ein 
dünner Belag auf den inneren Windungen und füllt zuweilen die Rinnen, welche durch die Umbiegung der 
Kammerwand entstehen, völlig aus”. 

4) Die Zahl der Septen, die bei Mörner im Maximum auf 30; bei Schwager auf 35 angegeben 
ist, erreicht bei manchen Formen eine stärkere Vermehrung, bei Zus. complicata beispielsweise 42. 

Die Begrenzung der Arten bei der Gattung Fusulina ist eine sehr schwierige, da die Variabilität 
der Formen eine grosse ist und die Entwicklung selten in einer leicht erkennbaren Richtung erfolgt; wie 
ScHWAGER richtig hervorgehoben hat, ändern sich häufig genug scheinbar constante Merkmale sehr schnell, 
während wieder andere, die vorher sehr variabel erschienen, zeitweise als constante, wohl verwendbare Merk- 
male auftreten. Dieser stetige Wechsel in der Entwicklungsrichtung bringt oft bei ganz verschiedenen 
Gruppen einander sehr ähnliche Typen hervor und erschwert es sehr, den Zusammenhang der einzelnen 
Formen zu erkennen; die Eintheilung in grössere Gruppen, die durch constante Merkmale characterisirt 
sind, wird dadurch zur völligen Unmöglichkeit, dagegen lassen sich kleinere Abtheilungen aussondern, welche 
sich durch mehr oder weniger constante Merkmale auszeichnen und hier in der üblichen Weise als Arten 
bezeichnet sind. Nach den von Mörter vertretenen Anschauungen würde man allerdings ein vortreffliches 
Mittel zur Unterscheidung der Arten haben, da er annimmt, dass sich die Spirale, welche die einzelnen 
Windungen der Fusulinen beschreiben, mathematisch bestimmen und durch eine Formel ausdrücken lässt. 
Diese Spirale soll bei den Individuen derselben Art sich so gleichen, „dass einige Verschiedenheiten im 
Verlaufe derselben nur an beschädigten Exemplaren zu bemerken waren“ (l. c. S. 29). Es ist unzweifelhaft 
das Verdienst der gründlichen Untersuchungen MörLEr's, zuerst den Aufbau der Fusulinenschale genauer 
kennen gelehrt und den Collectivtypus der Fusulina eylindrica in eine Reihe von Arten aufgelöst zu haben, 
aber die von ihm zu Grunde gelegte Anschauungsweise über das Wachsthum der Schaale erweist sich bei 
Untersuchung eines grösseren Materiales als unhaltbar. Die karnischen Fusulinen lassen nichts von einer solchen 
Einrollungsart erkennen, sie variirt wesentlich bei verschiedenen Exemplaren, die unbedingt zu derselben Art 
zu rechnen sind und auch die Messungen an den mir vorliegenden Formen anderer Gebiete, selbst Russ- 
lands, lassen nichts von einer solchen Regelmässigkeit erkennen, dass man die Spirale durch einen constanten 
Windungsquotienten ausdrücken könnte. Dabei muss aber andererseits betont werden, dass die Aufrollung 


! Das betr. Exemplar stammt nach der beiliegenden Etiquette aus Illinois und scheint der Schwagerina robusta 
anzugehören, es wurde abgebildet, weil es die Erscheinung besonders deutlich zeigt, jedoch lässt sich die Verzweigung bald 
mehr, bald weniger deutlich bei allen Fusuliniden erkennen. 


® Vgl. den Querschnitt von Fus. regularis, Taf. XIX, Fig. 4. 


Fusulina alpina nov. sp. 943 


der Fusulinen innerhalb gewisser Grenzen bei ein und derselben Form wohl eine gewisse Constanz erkennen 
ässt und daher als Merkmal bei der Artunterscheidung in Betracht zu ziehen ist!. 

Was die Beschreibung der einzelnen Formen angeht, so ist MÖLLER darin unbedingt Recht zu geben, 
dass nur mediane Längs- und Querschnitte bei der Vergleichung verwendet werden dürfen, während seit- 
liche Schliffe allein dazu nicht genügen. Die medianen Längsschliffe sollen vor Allem die Entwicklung 
der Schalenform von den Jugendstadien an zur Anschauung bringen, während in den Querschliffen die Art 
der Aufrollung und die Form der Septen am deutlichsten zu Tage tritt. 

Die Messungen wurden so vorgenommen, dass nur mediane Querschliffe benützt wurden, die von 
der Ansatzstelle der ersten Windung an gemessen wurden. Wenn hierbei die Ausdrücke „weit“ oder „eng 
gewunden“ von der Spirale gebraucht sind, so geht wohl schon aus den obigen Ausführungen hervor, dass 
sich diese Bezeichnungen nicht auf den Mörver’schen Windungsquotienten beziehen; sie sollen lediglich aus- 
drücken, dass auf einem bestimmten Raume mehr oder weniger Windungen vorhanden sind. 

Schliesslich ist noch zu bemerken, dass zum leichteren Vergleich der verschiedenen Formen überall 
in den Abbildungen dieselbe Vergrösserung angewendet wurde und zwar: 

bei ganzen Exemplaren: 6 mal, 

bei Längsschliffen: 10 mal, 

bei Querschliffen: 20 mal. 
Ausgenommen sind hiervon allein die stärker vergrösserten Schnitte auf Taf. XXII, welche die Bildungsweise 
der Septen u. s. w. erläutern sollen, und die Querschnitte von Schwagerina princeps, Taf. XXII, Fig. 7 und 
Taf. XXI, Fig. 7. 

Der lithographischen Darstellung wurden bei den Fusulininen fast durchweg mikrophotographische 
Aufnahmen zu Grunde gelegt, um möglichst genaue Bilder geben zu können. 


Fusulina alpina nov. sp. 


Fusulina alpina ist die häufigste unter den karnischen Fusulinen, sowohl der Individuenzahl wie 
der Verbreitung nach, aber sie ist auch die veränderlichste von allen, wenn auch eine bestimmte Form 
unbedingt vorherrscht. Es war mir zweifelhaft, ob man die in ihrer extremen Ausbildung recht verschie- 
denen drei Varietäten, welche ich hier unter dem Namen der Fus. alpina zusammenfasse, wirklich als eine 
Art auffassen dürfte, aber dieselben sind durch Uebergänge so völlig miteinander verbunden, dass eine 
Trennung in Arten unzweckmässig sein würde, um so mehr sich die Abänderung der nicht constanten Merk- 
male in den verschiedenen geologischen Niveaux verfolgen lässt (vgl. S. 278 f.). 

Ich unterscheide 3 Formen, von welchen die eine — var. antiqua — dem tiefsten Fusulinen 
führenden Horizont, den ich beobachtet habe, der Schicht g des Auernigprofils angehört, während die beiden 
andern erst in der Schicht 7 und s desselben Profils und in Geröllen vorkommen, welche vermuthlich den- 
selben Niveaux entstammen. 

Die gemeinsamen constanten Merkmale der drei Varietäten bestehen vor Allem in der ausser- 
ordentlich weiten Aufrollung der Spirale, die für die Gruppe der Fus. eylindrica charakteristisch ist, hier 
aber besonders stark auftritt, und in der geringen Stärke der Septen. 


1 Vgl. auch die Beobachtungen von Krorow bei Schwagerina robusta über den Einfluss, welchen der wechselnde 
Durchmesser der Centralkammer auf die Entwicklung der Spirale ausübt. Mem. d. Comite geolog. St. Petersbourg, vol. VI, S. 437. 


244 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


I. Fusulina alpina var. antiqua. 
Taf. XVII, Fig. 1—4. 

Gehäuse cylindrisch, ohne oder nur mit ganz schwacher Einsenkung in der Mitte, Seiten kurz ab- 
gestutzt und sehr wenig gedreht. 

Grösse der Schale ziemlich erheblich, das grösste messbare Exemplar 12 mm lang und 3 mm hoch. 
Das Verhältniss der Höhe zur Länge betrug im Durchschnitt 1:4, wodurch sich die charakteristische 
gestreckte Form der Längsschnitte ergiebt. In der Jugend sind die Umgänge, wie bei allen Fusulinen, 
relativ höher, so beobachtet man im zweiten Umgang durchschnittlich das Verhältniss von 1: 2,7, im dritten 
Umgang sind aber schon annähernd die oben angegebenen Dimensionen der ausgewachsenen Form vorhanden. 

Die Oberfläche ist mit ziemlich groben, runzeligen Längsfalten bedeckt. 

Die einzelnen Umgänge beschreiben eine weite, nicht sehr regelmässige Spirale, deren Windungs- 
höhen ' im Durchschnitt betragen: 


im I. Umgang — 0,5 mm, 
>eelil: n — 0: 
IH. s — 266 
AV: h — OH 
NN N — a en 


Die grösste Anzahl von Windungen, welche zur Beobachtung kam, war 5. 

Die kugelige Centralkammer ist zuweilen etwas deformirt, ihr Durchmesser beträgt im Durchschnitt 
0,26 mm. Die Kammerwandungen nehmen nur sehr allmählig an Stärke zu, im vierten Umgange erreichen 
sie die Dicke von 0,09 mm. 

Der Durchmesser der Poren wechselt nicht unerheblich, man zählt im vierten Umgange zwischen je 
2 Septen durchschnittlich S—10 Kanäle, deren lichte Weite auf der Innenseite der Wandungen etwa 0,015 mm 
beträgt, während die Zwischenräume höchstens die Hälfte an Durchmesser haben. Nach der Aussenseite 
hin tritt die pag. 242 besprochene Theilung der Poren ein, wodurch das Netzwerk ein dichteres wird 
(vgl. Taf. XXIL, Fig. 5 resp. Fig. 7). 

Die Septen, die sich in sehr unregelmässigen Abständen zwichen die Kammerwandungen einkeilen, 
haben eine ziemlich gleichmässige stabförmige Gestalt und zeigen nur eine geringe Dicke, sie erreichen in 
der Medianebene eine Stärke von 0,04 mm. Im mittleren Theile der Schaale sind dieselben wenig gefaltet; 
während auf den Seiten die Einfaltung so stark wird, dass ein unregelmässiges Netzwerk entsteht, welches 
im Gegensatz zu der verhältnissmässig leeren Mittelpartie dem Längsschnitt sein charakteristisches Gepräge 
verleiht. Die Zahl der Septen beträgt in den ersten vier Windungen durchschnittlich: I= 13, U = 21, 
II = 25, IV = 30. 

Die Mundspalte, die schon im zweiten Umgang zuweilen nach der Seite rückt, verschiebt sich in 
den späteren Umgängen sehr häufig, ebenso schwankt auch ihre relative Breite — im Verhältniss zur Länge 
der Form — sehr erheblich. 


! Hier wie überall ist der Durchmesser der Centralkammer hinzugerechnet, das betr. Maass giebt daher die Dicke der 
Form in dem entsprechenden Umgange an. 


Fusulina alpina var. fragilis. 245 


Die Höhe der Mundspalte ist gering, auch erreichen einzelne Septen, aber nie in der ganzen Breite 
derselben, den Boden. 
Vorkommen: Auernig-Schicht g'. 


II. Fusulina alpina var. fragilis. 
Taf. XVII, Fig. S—). 
Diese Varietät unterscheidet sich in ihren extremen Formen von der eben beschriebenen geologisch 
älteren durch folgende Merkmale: 


Kurze, in der Mitte aufgeblähte, nach den Seiten rasch abfallende Form von geringer Grösse. Ver- 
hältniss der Höhe zur Länge im Durchschnitt 1:3; grösstes Exemplar 6,5 mm lang und 2,2 mm hoch. 


Durchmesser der Embryonalkammer ca. 0,25 mm. 
Die Spirale, welche die einzelnen Umgänge bilden, ist ein wenig enger gewunden als diejenige der 
Stammform, die Windungshöhen betragen im Mittel: 


im I. Umgang: 0,5 mm, 


BAT: ? ee 
„ I » 14 „ 
» INK ” 2,1 » 


Das grösste beobachtete Exemplar hatte 4'/s Umgänge. 

Die dicken Kammerwandungen sind von Kanälen durchsetzt, welche auf der Innenseite nur wenig 
stärker sind als die Zwischenwände: im 3. Umgang erreichen sie die Stärke von ca. 0,01 mm; sie lassen 
die besprochene (vgl. S. 242) Theilung der Kanäle besonders gut erkennen. 

Die Septen sind gegenüber den dicken Kammerwänden sehr dünn, sie biegen sich ausserordentlich 
stark hin und her und verleihen namentlich dem Längsschnitt dadurch ein sehr complieirtes Aussehen, an 
den Seiten verwirren sie sich zu einem dichten Netzwerk. Die Zahl der Septen beträgt in den ersten drei 
Umgängen durchschnittlich: I= 12, 1 = 20, II = 22. 

In Folge der geringen Stärke der Septen besitzt die Schale nur wenig Widerstandskraft, man findet 
daher häufig zerbrochene oder stark deformirte Exemplare. 

In den übrigen Merkmalen herrscht Uebereinstimmurg mit der Stammform, jedoch entfernt sich 
gerade diese Varietät in ihrer extremen Form, zu der die grosse Mehrzahl der Individuen zu rechnen ist, 
sehr von ihr. Hierher gehören die Vorkommnisse von der Ofenalpe und aus dem Vogelbachgraben, während 
am Auernig zum Theil auch noch Gestalten vorkommen, die den Uebergang zwischen unserer Varietät und 
der Stammform vermitteln. 

Vorkommen: Im Geröll des Vogelbachgrabens bei Pontafel, ebenso in der Nähe der ÖOfenalpe 
unter der Krone, Auernig-Schicht $ (vereinzelt). 


! Aus Schicht 7 liegt Material nicht vor. 


946 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


III. Fusulina alpina var. communis. 
Taf. XVII, Big, 5—7. 

Diese bei weitem am häufigsten vorkommende Varietät unterscheidet sich durch verhältnissmässig 
geringe Abänderungen von der älteren Form. 

Die äussere Gestalt ist wenig .characteristisch, sie ist nicht so gestreckt wie bei der var. antiqua, 
in der Regel einfach ceylindrisch, schwach gebogen und mit allmählig sich rundenden Seitentheilen, es kommen 
aber auch Formen vor, welche denselben Umriss zeigen wie die nächstbeschriebene Fusulina multiseptata, 
der sie an Grösse nahezu gleichkommt. Das Verhältniss der Höhe zur Länge beträgt bei grossen Individuen 
im Durchschnitt 1: 3,2, die ersten Windungen sind etwas höher, im 2. Umgang verhält sich die Höhe zur 
Länge etwa wie 1: 2,7. 

Die Spirale ist noch weiter gewunden als bei der Stammform, namentlich das rasche Anwachsen 
des 2. bis 4., vor allem des 3. Umgangs giebt dem Querschnitt eine leicht kenntliche Form. Die Höhe der 
einzelnen Umgänge beträgt im Durchschnitt: 

im I. Umgang: 0,5 mm, 


” 106 ”„ 0,9 ”„ 
TIT. & I 
IV. R a. 


Die Septen sind bei der grossen Mehrzahl der Exemplare dünner als bei der var. antigua, sie haben 
im 4. Umgang durchschnittlich eine Breite von 0,03 mm. 

Die Mundspalte hat eine sehr unregelmässige Lage und ist so niedrig, dass sie in den Längsschliffen 
kaum hervortritt: 

In den übrigen Merkmalen stimmt unsere Varietät völlig mit der var. antigua überein. 

Vorkommen: Auernig-Schicht !—s, vielleicht auch schon in Schicht z, aus der mir kein Material 
vorliegt; in Schicht s mit den selteneren Individuen das Fusulina maultiseptata und Fusulina regularis 
gesteinsbildend. Ausserdem in der Conocardienschicht der Krone zusammen mit Fusulina tenwissima und 
im Geröll des Vogelbach- und Bombaschgrabens. In den aller Wahrscheinlichkeit nach ein höheres Niveau 
darstellenden rothen Kalken oberhalb der Rudniker Alm! fand sich eine Fusuline, die vermuthlich ebenfalls 
hierher gehört, doch liegen mir leider nur einige nicht sicher zu bestimmende Bruchstücke dieser Form vor. 

Beziehungen der Fasulina alpina und ihrer Varietäten. Sämmtliche Abarten der vorliegenden 
Form sind charakterisirt durch die weite Aufrollung der Spirale? und durch die geringe Stärke der Septen, 
welche dadurch an die Scheidewände der sich an Schwagerina princeps anschliessenden Formengruppe 
erinnern. Nahe verwandt ist Zus. alpina mit der sie begleitenden us. multiseptata, von der sie sich 
aber durch die dort angegebenen Merkmale unterscheidet, und ebenso dürfte die vermuthlich geologisch 
jüngere Fus. complicata von Neumarktl, die sich eng an Fus. multiseptata anschliesst, auf die Stammform 


! Vgl, Palaeontographica Bd. XXXIX S. 14 (dort als Fus. aff. cylindrrica bezeichnet) und Jahrbuch der k. k. geol. 
Reichsanstalt Bd 46 S. 147 ff. (Geyer: Ueber die geolog. Verhältn. im Pontafler Abschnitt der karnischen Alpen), ebenso Ver- 
handlungen der k. k. Reichsanstalt 1895, Nr. 15, S. 397. 

° Die Bezeichnungen: weit, eng, gewunden u. s. w., die überall bei der Beschreibung gebraucht sind, beziehen sich 
nicht auf den Mörtrter’schen Windungsquotienten, sondern sollen allein ausdrücken, dass auf einem bestimmten Raum mehr oder 
weniger Windungen enthalten sind. 


Fusulina multiseptata nov. sp. 24 


— 


der Fus. alpina zurückzuführen sein, wenn sie auch in den extremen Formen mit der starken Einfaltung 
der Septen von ihr weit getrennt erscheint. 

Unter dem Namen Fus. Tietzei findet sich bei Haver' die Abbildung einer karnischen Fusuline, 
deren Original möglicherweise mit der in Rede stehenden häufigsten Form der karnischen Alpen ident sein 
könnte; die betreffende Abbildung ist aber so schematisch gehalten, dass es unmöglich ist, eine Identificirung 
vorzunehmen’. 

Von den Fusulinen anderer Gebiete kommt vor Allem die russische Fus. cylindrica in Frage, die 
aber stets kleiner zu bleiben scheint, enger aufgerollt ist und dickere Septen besitzt. Das letztere scheint 
dagegen bei Fus. Bocki Mört. nicht der Fall zu sein, wohl aber sind hier auch die Kammerwandungen so 
dünn, dass die Art ein ganz anderes Aussehen erhält. . 


Fusulina multiseptata nov. sp. 
Taf. XVII, Rig. 14. 


Aeussere Form gestreckt, Mitteltheil meist stark aufgetrieben und mit einer medianen Einsenkung 
versehen, die bei jungen Individuen sehr wenig oder gar nicht ausgeprägt ist, Seiten nur sehr allmählig 
abfallend, an den Enden sanft gerundet. 

Oberfläche mit mässig starken, eng aneinander liegenden Furchen bedeckt, die an den äussersten 
Seiten kräftig gedreht sind. 

An Grösse übertrifft die in Rede stehende Form alle anderen karnischen Fusulinen, das grösste 
Exemplar hatte eine Länge von 13 mm bei einer Höhe von 3,8 mm. Im Durchschnitt steigt das Verhältniss 
der Höhe zur Länge vom 2. bis zum 6. Umgang von 1:2,7 auf 1: 3,5. 

Die Windungshöhen in den einzelnen Umgängen zeigten recht verschiedene Grösse: ein Exemplar, 
dessen Centralkammer 0,4 mm Durchmesser hatte, wies folgende Höhen auf: 


im I. Umgang: = 0,7 mm, 
4 JG 5 = 
Sl: a = 1) 5 
10% R — ro 
EN. 5 — 32 „ 
„NR 5 — 
während ein zweites Individuum, dessen Centralkammer nur 0,24 mm mass, folgende Durchmesser hatte: 
im I. Umgang: = 0,5 mm, 
„ 6 a — 089 
„. 100 R — lo 
„ 18% n = 18, 
\ 5 =25 5, 


! Geologie von Oesterreich-Ungarn S. 241. 

® Fusulina Tietzei ist ein von STACHE gegebener Name, und ebenso stammt eine Reihe von anderen neuen Bezeich- 
nungen für karnische Fusulinen von demselben Autor (Die paläozoischen Gebiete der Ostalpen, in: Jahrbuch der k. k. geolog. 
Reichsanstalt, Wien 1874, Bd. XXIV, S. 135 ff.). Zu meinem Bedauern ist es mir nicht möglich, diese Namen hier zu ver- 
wenden, da weder Abbildungen noch ausführliche Beschreibungen beigegeben sind. 


248 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Die verschieden gewundenen Exemplare stimmen in allen übrigen Merkmalen völlig überein. Ob 
die Spirale der mit kleiner Centralkammer versehenen Formen stets enger gewunden ist, liess sich nicht 
feststellen , da man nie mit Sicherheit bestimmen kann, ob ein Schnitt auch wirklich genau die Mitte und 
damit den grössten Durchmesser der Centralkammer getroffen hat. Die letztere ist anscheinend stets regel- 
mässig kugelig und misst zuweilen noch ein wenig mehr als 0,4 mm. 

Die grösste Zahl von Windungen, die zur Beobachtung kam, war 6. 

Die Kammerwandungen sind dick, sie messen im 4. Umgang durchschnittlich 0,12 mm, während die 
Poren, deren Zahl zwischen je zwei Septen sehr wechselt, auf der Innenseite des gleichen Umgangs eine 
Stärke von etwa 0,01 haben; die Zwischenräume zwischen denselben sind nur wenig schmäler. 

Die Zahl der Septen ist eine ausserordentlich grosse, sie beträgt im Mittel im zweiten bis fünften 
Umgang: 26, 36, 38, 40. Ebenso characteristisch ist die Stellung der Septen in der Medianebene, fast regelmässig 
neigen sich zwei der sehr schrägen Scheidewände einander zu und vereinigen sich häufig etwa in der Mitte 
der Kammer, an manchen Stellen kommt es auch zur Vereinigung von drei solchen Septen, während einzelne 
Septen verhältnissmässig in geringer Zahl vorhanden sind. Sie erreichen im vierten Umgang eine Breite 
von 0,05 mm. Die Eindrehung der Septen auf den Seiten führt hier zur Bildung eines dichten Netzwerks. 

Die Mundspalte hat eine ziemlich regelmässige Lage, sie ist mässig breit und, da die Septen bis 
in die untere Hälfte der Kammer hinabreichen, sehr niedrig. 

Vorkommen: Häufig in Schicht s am Auernig, ob auch in tieferen Schichten desselben Profils, 
ist zweifelhaft. Ausserdem im Greröll des Bombaschgrabens. 

Beziehungen: Unter den karnischen Fusulinen steht Fus. multiseptata in enger Beziehung zu Fus. 
alpina und Fus. complicata. Sie unterscheidet sich aber von der ersteren Form durch die grössere Zahl 
der Septen und die engere Aufrollung. Bei einzelnen Exemplaren der Fus. alpina tritt allerdings eine 
Vermehrung der Septen in den späteren Umgängen ein, doch lässt sich nach den bisherigen Funden kein 
völliger Uebergang von der einen Form zu der anderen constatiren, wenn auch an einer engen Verbindung 
beider nicht zu zweifeln ist. Und ebenso steht es mit Zrusulina complicata von Neumarktl, bei der jedoch 
die Einfaltung der Septen stets viel kräftiger ist und die Formverhältnisse in den verschiedenen Umgängen 
ein unterscheidendes Merkmal bilden. So ist Fus. multiseptata trotz ihrer engen Beziehungen zu anderen 
karnischen Formen doch — bis jetzt — eine gut begrenzte Art. 

Unter den Fusulinen anderer Gegenden zeigen diejenigen des östlichen Carbongebietes die meiste 
Aehnlichkeit mit unserer Form, vor Allem Fus. japonica GümBEL? und Fus. Richthofeni SCHWAGER, beide sind 
aber stets erheblich enger gewunden und haben dünnere Kammerwandungen, die erstere Art ist ausserdem ver- 
hältnissmässig viel höher und hat dickere Septen, während die zweite häufig eine recht unregelmässige Form 
zeigt. Nicht minder eng scheinen die Beziehungen zu Fus. granuım avenae Rön.® aus dem Carbon von 
Sumatra zu sein, aber diese Fusuline erreicht bei engerer Aufrollung erheblich höhere Dimensionen, die Central- 
kammer ist viel grösser und meist auch sehr unregelmässig geformt, die Septen sind kürzer und weniger zahlreich. 

Von allen hier angeführten Formen, die der Fus. multiseptata nahe kommen, unterscheidet sie sich 
durch die ihr eigene weite Aufrollung des Gehäuses. 


! Vgl. dazu Krorow, Mem. d. com. geolog. St. Petersbourg, vol. VI, S. 437. 
2 Bei SchwaGer in Rıcatnoren, China, Bd. IV, S. 121. 
® Palaeontographica Bd. XXVII, S. 4, Taf. I, Fig. 2. 


Fusulina complicata nov. sp. 949 


Fusulina complicata nov. sp. 
Taf. XX, Fig. 1—7. 


Die ausgewachsenen Individuen haben stets eine sehr schmale, langgestreckte Form, während die 
jüngeren eine stark aufgeblähte, nach den Seiten sich schnell zuspitzende Gestalt besitzen, wie die abgebil- 
deten beiden Exemplare und vor allem die Längsschnitte deutlich erkennen lassen. Das Verhältniss der 
Höhe zur Länge ist im 2. Umgang höchstens 1:2, im 3. Umgang beginnt sich die Form dann meist etwas 
zu streckeu und schon im 4. Umgang beträgt das Verhältniss der Höhe zur Länge durchschnittlich 1:4. 


Das grösste gemessene Exemplar war 2,7 mm hoch und 11 mm lang. 
Die Spirale zeigt eine mässig weite Aufrollung, die Windungshöhen betragen im Durchschnitt: 


im I. Umgang: = 0,6 mm, 
„ol: n — Al, 
„ J00t E =+46 
UV“ r I 


Die Embryonalkammer erreichte zumeist einen Durchmesser von 0,35 mm, bei einem Exemplar 0,4 mm. 


Die Kammerwandungen haben im 4. Umgang eine durchschnittliche Stärke von 0,1 mm, die Poren 
auf der Innenseite derselben etwa 0,01 mm oder ein wenig mehr, die dazwischen gelegenen Kalkpfeiler sind 
meist ebenso breit. 

Die Septen zeigen im Querschnitt eine ganz ähnliche Biegung und Vereinigung, wie bei Fus. multi- 
septata beschrieben, sie sind jedoch dünner und in zahlreicheren und längeren Falten hin und her gewunden, 
wodurch die characteristische Erscheinung des Längsschnittes hervorgerufen wird, den namentlich der etwas 
aus der Mitte gerückte Längsschnitt Taf. XX Fig. 4.zeigt. Das Netzwerk auf den Seiten erreicht hier 
eine Dichtigkeit, wie ich sie bei keiner andern Fusuline beobachtet habe. 

Die Zahl der unregelmässig vertheilten Septen wechselt bei den verschiedenen Exemplaren sehr, sie 
ist aber immer eine sehr erhebliche, es wurden gezählt: im 2. Umgang 25—28, im 3.: 27—35, im 4.: 36 
bis 42 Septen. Ihre Stärke im 4. Umgang beträgt im Durchschnitt 0,04 mm. 

Die Mundspalte ist so niedrig und vor allem so schmal, dass sie in manchen Längsschnitten nur 
mit Mühe beobachtet werden kann. 

Vorkommen: Bei Neumarktl in Oberkrain. Da mir der Fundort nicht aus eigener Anschauung 
bekannt ist, vermag ich die Schichten nicht genauer anzugeben. us. complicata kommt dort theils in 
losen, aus dem Gestein ausgewitterten Exemplaren vor, die häufig verdrückt und oberflächlich corrodirt sind, 
theils in einem grauen, stellenweise etwas gelblichem Kalke, zusammen mit Fus. regularis und Fus. tenuis- 
sima, vielleicht auch in den Kalken mit Schwagerina princeps, in denen ich die Form aber nicht mit Sicher- 
heit constatiren Konnte. 

Beziehungen. Unter den karnischen Fusulinen steht unserer Form die vorbeschriebene Art am 
nächsten, so ist z. B. die Zahl der Septen und ihre Neigung gegen einander bei beiden fast die gleiche, 
wohingegen die Faltung der Septen bei Fus. complicata immer eine viel stärkere ist, vor Allem aber bedingt 
das characteristische Verhältniss der Höhe zur Länge in den verschiedenen Umgängen einen Unterschied 


beider Formen. 
Palaeontographica. Bd. XLIV. 32 


350 Ernst Schellwien. die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


e Dasselbe Merkmal in Verbindung mit der starken Einfaltung der Septen trennt Fus. complicata 
auch von us. japonica Güms. und von der sumatranischen Fus. granum avenae Rön. 

Am nächsten verwandt mit der karnischen Form ist Fus. uralica Kror.‘, welche dieselbe starke 
Einbiegung der Septen und die dadurch hervorgerufene kräftige Entwicklung des „filet cloissonere“ zeigt, 
aber Fus. uralica behält zeitlebens die hohe, kurze Gestalt, die Fus. complicata nur in den Jugendwindungen 
aufweist. Bei den längsten Exemplaren der russischen Form beträgt nach Krorow das Verhältnis der Höhe 


zur Länge nur 1: 2,17. 


Fusulina regularis nov. sp. 
Taf. XIX, Fig. 1—6. 

Da es nicht gelungen ist, einzelne Exemplare aus dem Gestein herauszulösen, ist man bei der 
Bestimmung der äusseren Form auf die zahlreichen gut getroffenen Längsschnitte angewiesen. Dieselben 
ermöglichen es hier aber leicht, ein Bild von der Gestalt zu erlangen, da sie äusserst gleichmässig aus- 
gebildet sind. Sie zeigen überall eine ausserordentlich regelmässige Form, die in dem Verhältniss ihrer 
Dimensionen von den ersten Umgängen an ziemlich constant bleibt. Diese Form ist eine typisch spindel- 
förmige, in der Mitte hoch gewölbt und von da aus gleichmässig nach den schwach zugespitzten Seiten 
abfallend, deren äusserste Enden durch ihre Eindrehung bei grossen Individuen ein wenig von der regel- 
mässigen Form abweichen. 

Das grösste Exemplar, welches sich messen liess, war 8 mm lang und 2,8 mm hoch, doch zeigten 
einzelne @Querschnitte und schräg getroffene Längsschnitte eine Höhe von 3,1 mm. 

Das Verhältniss der Höhe zur Länge beträgt bei ausgewachsenen Exemplaren ca. 1: 2,8, die 


Anfangswindungen sind nur wenig höher, im 2. Umgange ist das Verhältniss etwa = 1:2,3. 
Die Spirale ist ziemlich eng gewunden und zeigt im medianen Querschnitt ein recht regelmässiges 
Aussehen, sie schwankt aber — ebenso wie die Grösse der Centralkammer — doch nicht so wenig in der 


Weite der Aufrollung, ich gebe daher die Windungshöhen zweier Exemplare wieder, die als Extreme 


gelten können. 


I. 1. 
Gentralkammer —= 0,22 mm, Centralkammer — 0,30 mm. 
im I. Umgang: = 0,36 „ | im I Umgang: = 0,57 
1. “ — 060,5 FETTE s — HNO 0 
II. R — 1,0 „ "00L, E — 1,33 „ 
IV. —E or > 1% & =. 1,90. 
ya — 220 „ | By 2 — 2,60 „ 
Die grösste Zahl der Windungen betrug 6. 
Die Centralkammer schwankte in ihrem Durchmesser zwischen 0,21 und 0,30 mm. 
Die Kammerwandungen sind in den ersten Umgängen dünn, verstärken sich in den späteren Win- 


dungen sehr erheblich und erreichen im 4. Umgange einen Durchmesser von 0,09—0,1 mm. Sie sind von 


! M&moires du Comite G£olog., St. Petersbourg, vol. VI. 1888, p. 551, Taf. II, Fig. 2—6. 


Fusulina regularis nov. Sp. 9 


oO 
je 


Poren durchsetzt, deren Durchmesser auf der Innenseite des 4. Umgangs ca. 0,015 mm beträgt, während 
die Zwischenräume etwa 0,010 mm stark sind. Die Poren sind in der Nähe der Septen häufig stark 
gebogen (vgl. z. B. Taf. XIX, Fig. 4). 

Die Septen lassen hier besonders deutlich erkennen, dass sie durch einfache Umbiegung der Kammer- 
wände entstehen, wie dies bei der Betrachtung der Gattung Fusulina dargestellt ist. Ebenso verdickt sich 
die grösste Zahl der Septen in der ebendort angegebenen Weise mehr oder weniger durch Ansatz von Kalk- 
substanz auf beiden Seiten des Septums. Die einzelnen Septen sind kurz und annähernd gerade. Sie sind 
auf den Seiten ziemlich regelmässig und nicht sehr stark gefaltet, das „filet eloissonere“ ist mässig entwickelt. 
Die Zahl der Septen beträgt im 2. bis 5. Umgang durchschnittlich 15, 17, 19, 24. 

Die Mundspalte rückt nur wenig zur Seite, sie ist sehr breit und nimmt zuweilen ein Viertel oder 
sogar fast ein Drittel der. ganzen Schalenlänge ein, was sich im Aussehen des Längsschnittes sehr bemerk- 
bar macht. 


Vorkommen: Fusulina regularis kommt vereinzelt in Schicht s am Auernig vor, massenhaft tritt 
sie in den gelblich-grauen Gesteinsstücken der Uggowitzer Breccie auf, welche neben ihr in wenigen Exem- 
plaren Fusulina pusilla und Schwagerina princeps führen, selten dagegen in den rothen Stücken mit Schwa- 
gerina fusulinoides. Bei Neumarktl in Oberkrain findet sie sich in einem grauen Kalke, der einzelne gelbliche 
Parthien aufweist, recht häufig und zwar zusammen mit Fusulina complicata und Fus. tenwissima , ebenso 
in den meist etwas dunkleren Kalken mit der letztgenannten Form und der hier sehr häufigen Schwa- 
gerina princeps. 

Beziehungen. Fus. regularis ist characterisirt durch ihre regelmässige Form, durch die verhältniss- 
mässig grosse Dicke der Wandungen und Septa und durch die Bildungsweise und häufig eintretende Ver- 
diekung der letzteren. Unter den karnischen Fusulinen gehören Fus. ineisa und Fus. pusilla derselben 
Gruppe an, sie unterscheiden sich aber wesentlich durch die bei ihrer Beschreibung hervorgehobenen 
Merkmale. 

Anders verhält es sich mit den Formen fremder Carbongebiete. Aus Russland hat MÖLLER eine 
Fusilina unter dem Namen Fus. prisca Eures. beschrieben‘, die nach der dort gegebenen Abbildung nicht 
mit der in Rede stehenden Art identificirt werden kann, wohl aber kommen an manchen von MörtER 
angegebenen Fundpunkten Formen vor, welche der Fus. regularis ausserordentlich ähnlich und von ihr 
specifisch schwer zu trennen sind, wenn sie sich auch in mancher Hinsicht mehr der von Mörver abgebil- 
deten Fus. prisca nähern. Diese Formen stammen nach den beiliegenden Etiquetten von Bachtina im 
Gouvernement Wladimir und von Tzarew-Kurgan bei Samara. Wenn ich der vorliegenden Fusuline einen 
eigenen Namen gebe, so geschieht es, weil die immer sehr gleichartig ausgebildete karnische Fusuline sich 
von der von Möruer beschriebenen extremen Form weit entfernt und weil mir zu wenig russisches Material 
vorliegt, um den Zusammenhang beider Formen sicher festlegen zu können. 

In Amerika kommt in Jowa, Indiana und Nebraska eine Fusuline vor, welche von dort unter dem 
Namen Fus. eylindrica beschrieben ist und so wenig von Zus. regularis abweicht, dass sie wohl mit ihr 
wird vereinigt werden müssen. 


!]. c. p. 56, Taf. II, Fig. 1 und Taf. VI, Fig. 2. 


252 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Fusulina incisa nov. sp. 
Taf. XVIII, Fig. 5—9 und Taf. XXIL, Fig. 2. 


Kleine, gedrungene Form, deren Mitte nur schwach gewölbt ist, Seiten sehr wenig abfallend und 
an den deutlich eingedrehten Enden entweder stumpf zugespitzt oder abgerundet. 

Oberfläche mit tiefen Einschnitten versehen, welche dem Verlaufe der Septen entsprechen und 
namentlich an herausgewitterten Exemplaren auffallend hervortreten und die Form kennzeichnen. In ihrem 
Verlauf schlängeln sich diese Rinnen ein wenig hin und her und sind namentlich in der Mitte der Schale 
stets etwas nach vorn gebogen. 

Die Grösse der Form ist eine geringe, die meisten Exemplare waren ca. 6 mm lang und 1,3 mm 
hoch, das umfangreichste Gehäuse war 8,7 mm lang und 2,5 mm hoch. Das Verhältniss der Höhe zur 
Länge beträgt in den ersten Windungen nur 1:2, in den späteren Umgängen schwankt es von 1: 3,2 
bısıa73,9. 

Die Spirale ist etwas enger gewunden, als bei der vorher beschriebenen Art!. 

Die Centralkammer ist sehr klein, ihr Durchmesser ist anscheinend meist geringer als 0,2 mm, das 
grösste Maass war 0,23 mm. 

Die höchste Zahl von Windungen, die beobachtet wurde, war 6. 

Die Kammerwandungen sind im Verhältniss zu der geringen Höhe der Windungen ausserordentlich 
dick, sie erreichen bei den meisten Exemplaren im 4. Umgange die Stärke von 0,1 mm. Sie werden von 
Poren durchsetzt, die ebenso wie ihre Zwischenräume auf der Innenseite der 4. Windung ca. 0,01 mm 
breit sind. 

Die Septen bilden sich meist durch eine allmählige Umbiegung der Kammerwände, in andern Fällen 
ist diese Umbiegung eine ziemlich plötzliche. Durch die allmählige Biegung der Wand entsteht die gerundete 
Form, welche die meisten Kammern zeigen und ebenso entstehen dadurch die breiten Rinnen an der Aussen- 
fläche, um so mehr, wenn die Wand der neuen Kammer wieder mit einer allmähligen Krümmung be- 
ginnt. Diese setzt oft ziemlich tief an dem letzten Septum an oder es kommt zur Ausbildung einer 
zweiten Septallamelle. Die kurzen anfangs nach vorn gebogenen Septen der Medianebene biegen sich in 


* Trotz der zahlreich vorliegenden Exemplare war es nicht möglich, einen ganz medianen Querschnitt herzustellen, 
ich kann daher hier nur die Windungshöhen, die bei den medianen Längsschnitten gemessen wurden, wiedergeben. Sıe waren 
bei vier Exemplaren fast gleich und betrugen im Durchschnitt: 


Centralkammer: — 0,17 mm, 
ims sl. Umcano-2—2.0:3082% 
„. I 5 — or 
SEITE = — Nas 
ev = Al 
Ein fünftes Exemplar mit relativ grosser Centralkammer wies folgende Maasse auf: 
Centralkammer: = 0,23 mm, 
im2 1.2 Umgang; =—20,3527, 
Sale e — 20:55, 
„ 0, s — a 
le. » = 133 „ 


Von = 180 „ 


Fusulina pusilla nov. sp. 


DD 
oa 
oo 


ihrem unteren Theile dann häufig wieder ein wenig nach rückwärts. Die bei Zus. regularis ausführlich beschrie- 
benen Verdickungen der Scheidewände kommen hier nicht ganz so oft vor, an den Seiten, wo die Septen 
den Boden erreichen, scheinen sie ganz zu fehlen. An einzelnen Stellen liess sich das Vorkommen von Poren 
in den Septen nachweisen ‘. Die Zahl der Septen betrug im 2. bis 5. Umgang durchschnittlich: 12, 15, 18, 
21. Die Einfaltung ist auch auf den Seiten keine sehr starke, das Netzwerk an den Enden weitmaschie. 

Die Mundspalte hat zumeist eine regelmässige Lage und nimmt etwa den sechsten Theil der 
Schalenlänge ein, die Septen beugen sich in ihrem Bereich nnr wenig über die Mitte der Umgangshöhe herab. 

Vorkommen: Ganz vereinzelt in Schicht s des Auernig, sehr häufig dagegen und ohne Begleitung 
anderer Arten in den festen, tiefschwarzen Kalken des Rattendorfer Riegels; hier stets verkieselt und oft 
schön herausgewittert. 

Beziehungen. Fus. incisa zeichnet sich äusserlich durch die tiefen Rinnen auf der Oberfläche 
aus, welche durch die allmählige Umbiegung der Kammerwände hervorgerufen werden. Dieses Verhältniss 
ebenso wie die Rückwärtsbiegung der Septen und die Dicke der Kammerwände lassen den Querschnitt 
gut erkennen. 

Unter den karnischen Fusulinen kann allein Fus. regularis zum Vergleich herangezogen werden, aber 
die in Rede stehende Form unterscheidet sich von ihr wohl durch die eben erwähnten characteristischen 
Merkmale und die unregelmässigere, gestrecktere Gestalt, die engere Aufrollung und die etwas geringere 
Zahl der Septen. 

Aus anderen Gebieten nähern sich unserer Form manche Abarten der Zus. Verneuili, die aber schon 
durch ihre Grösse und Art der Aufrollung abweicht, ebenso durch die Art der Septalfaltung, die bei Fus. 
ineisa am ehesten noch an diejenige der Fus. montipara EHRBG. erinnert. 


Fusulina pusilla nov. sp. 
Taf. XX, Fig. S—14. 

Die vorliegende Art ist die kleinste unter den karnischen Fusulinen. Ihr Gehäuse hat meist eine 
schlanke, leicht kenntliche Form, selten kommen in der Mitte gewölbte Schalen vor. Die typische Form 
ist in Fig. 8 dargestellt: eine fast regelmässige Walze mit kurz abgestumpften, sehr wenig zugespitzten 
Enden. Fig. 9 zeigt im wesentlichen denselben Character und ist nur in der Mitte ein wenig aufgetrieben. 
Fig. 10 zeigt die seltener vorkommende, in der Mitte gewölbte und nach den Seiten allmählig abfallende 
Form. Die beiden abgebildeten Längsschnitte lassen dieselben Verhältnisse erkennen. 

Die Oberfläche ist mit flachen Längsfurchen versehen, die entweder annähernd geradlinig über die 
Schale verlaufen oder in der Mitte eine schwache Vorwärtsbiegung zeigen. Die äussersten Enden sind eingedreht. 

Die Grösse des Gehäuses ist ausserordentlich gering, die meisten Exemplare waren ca. 6 mm lang 
und 1,6 mm hoch, das Verhältniss der Höhe zur Länge betrug durchschnittlich 1: 3,7. Dieses Verhältniss 
ändert sich von den ersten beiden Umgängen, in denen es ca. 1:2 beträgt, bis zu 1:3,5 im 3. und 4. 


Umgange, bei manchen Individuen sogar schon hier bis zu 1: 4,2. Das grösste Exemplar war 7,6 mm lang 
und 1,99 mm hoch. 


‘ Vgl. den stark vergrösserten Querschnitt auf Taf. XXII, Fig. 2, bei welchem die Poren einige Septen quer durchsetzen. 
® Mötter, ]. c. Taf. VIII, Fig. 2. 


254 Einst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Die Spirale ist so eng gewunden wie bei keiner anderen mir bekannten Fusuline!, trotz der geringen 
Grösse beobachtet man meist 5—6 Umgänge, und wenn der ganz winzige (Querschnitt aus dem gelblich 
grauen Gestein der Uggowitzer Breceie (Taf. XX, Fig. 15) wirklich hierher gehört, so sind hier bei einer 
Dicke von 1,3 mm fast sieben Umgänge entwickelt. Durchschnittlich haben die Umgangshöhen folgende Maasse: 


im I. Umgang: — 0,35 mm, 
u a 7 
JUNE, ei, 
INT a or 
ESRRNS Rd N, 


Die grösste Anzahl der Windungen, die beobachtet wurde, war 6, nach der Beschaffenheit seitlicher 
Schnitte ist es aber wahrscheinlich, dass zuweilen noch ein 7. Umgang vorkommt. 

Die Anfangskammer weicht häufig von der kugeligen Gestalt ab und erscheint dann meist etwas in 
die Länge gezogen. Ihr Durchmesser beträgt ca. 0,18 bis 0,2 mm. 

Die Kammerwandungen sind von mässiger Stärke, sie sind im 4. Umgang ca. 0,04 mm dick, im 5. 
steigt die Dicke bis auf 0,06 mm. Die Poren sind von unregelmässiger Breite und meist ziemlich schmal, 
sie erreichen jedoch zuweilen in den äusseren Umgängen die Breite von 0,01 mm; die Zwischenräume 
bleiben in ihrem Durchmesser etwas hinter ihnen zurück. 

Die Septen sind in der Medianebene sehr kurz, sie erstrecken sich kaum bis zur Mitte der Kam- 
mern und sind stets ein wenig nach vorn geneigt. Sie haben einen beträchtlichen Durchmesser, dagegen 
sind die eingangs besprochenen Verdickungen bei ihnen verhältnissmässig selten und nie so stark entwickelt 
wie bei Fusulina regularis. Auch die seitlichen Schliffe zeigen die angegebene Beschaffenheit der Septen 
und lassen sich daher leicht von denen der anderen karnischen Fusulinen unterscheiden, bei denen die 
Septen auf den Seiten immer dünn sind ?”. Die Zahl der Septen schwankt etwas, sie betrug im Durchschnitt 
im 2. bis 6. Umgang: 15, 17, 20, 21, 23. Characteristisch für die Art ist die geringe Zunahme der Zahl 
in den letzten Umgängen, in denen die Septen weit auseinander treten, wie bei dem abgebildeten medianen 
Querschnitt”. Die Einfaltung der Septen erfolgt in einer sehr gleichmässigen Weise und da auch die 
Mundspalte ihre Lage in der Mitte fast immer streng elnhält, so erhält der Längsschnitt dadurch ein sehr 
regelmässiges Gepräge. 

Die Mundspalte ist in Folge der Kürze der Septen hoch und nimmt etwa den fünften Theil der 
Länge des entsprechenden Umganges ein. 

Vorkommen: In den schwarzen Kalken der Uggowitzer Breccie zusammen mit Schwagerina fusu- 
linoides, stets verkieselt. 

Beziehungen: Die unterscheidenden Merkmale unserer Form bestehen in der gestreckten walzen- 
förmigen Gestalt, der grossen Zahl der Windungen im Verhältniss zu der geringen Grösse des ganzen Ge- 
häuses, in dem langsamen Anwachsen der Septenzahl und in der regelmässigen Einfaltung derselben. 


! Abgesehen von der von Mörıer beschriebenen (Hemi-) Fusulina Bocki. 
: Vgl. den Seitenschliff von Fus. regularis, deren Septen in der Medianebene meist sehr dick sind. 


® Taf. XX, Fig. 13. Hier ist die Zahl der Septen im 5. und 6. Umgang eine besonders geringe, sogar geringer als 
im 4. Umgang. 


Fusulina tenuissima nov. sp. 955 


Unter den karnischen Fusulinen nähert sie sich am meisten der Fus. regularis und der Fus. incisa, 
aber die gleichmässige Ausbildung der eben erwähnten Merkmale machen sie leicht kenntlich; Uebergangs- 
formen sind mir nicht bekannt. 

Von den Fusulinen fremder Gebiete kommen unter den bekannten Formen nur diejenigen der Salt- 
Range in Frage. Es ist nicht zu leugnen, dass Fus. Kattaensis Scmwac.! und noch mehr die enger gewun- 
dene Fus. Pailensis? sowohl in der äusseren Form wie vor Allem in der Septalbildung eine grosse Aehnlich- 
keit zeigen, aber neben der stets geringeren Grösse und engeren Aufrollung unterscheidet sich die karnische 
Fusuline auch durch die immer verhältnissmässig kürzere Form von den sehr lang gestreckten indischen 
Fusulinen, die sämmtlich eine extreme Ausbildung der Schale in dieser Richtung zeigen. 


Anhangsweise mag hier der mediane Querschnitt Taf. XX, Fig. 15 aus den gelblichgrauen Kalken der 
Uggowitzer Breccie besprochen werden. In den meisten Merkmalen gleicht dieser Schnitt der Fusulina pusilla, 
aber er zeigt trotz der erheblich geringeren Dimensionen fast 7 Umgänge. Die Höhen derselben betrugen: 


Centralkammer: = 0,15 mm, 
imsslalmsang:2— 090977, 
en Sal, & = VE 5 
„ 1005 5 —= 0,42 
allV. n = MH > 
UV. n = VM 
ONE a = 108 5 


Die Zahl der Septen ist auch etwas geringer, sie betrug im 2.—6. Umgang: 13, ler, Ale, NEL EL DU. 
Da nur dieser eine mediane Querschnitt vorliegt, muss es zweifelhaft bleiben, ob die in Rede 
stehende Form mit us. pusilla vereinigt werden darf. 


Fusulina tenuissima nov. sp. 
Taf. XX, Fig. 7—9. 


Vom Gestein befreite Exemplare liegen nicht vor, doch lässt sich die Gestalt der Art durch die 
zahlreichen Längsschnitte gut bestimmen. Sie ist ziemlich ungleichmässig (vgl. die im Folgenden angege- 
benen Maasse), stets langgestreckt, aber bei einem Theil der Formen nahezu eylindrisch, bei anderen in 
der Mitte aufgebläht, wie es bei dem abgebildeten Längsschnitt (Taf. XIX, Fig. 7) der Fall ist, Die 
Enden sind stumpf abgerundet. 

Die Gehäuse ausgewachsener Exemplare sind sehr gross, die beträchtlichste Länge zeigte ein Exem- 
plar, welches 12,2 mm lang, aber nur 2,7 mm hoch war, während andere Exemplare bei einer Länge von 
1l mm eine Höhe von 3,3 mm erreichten. Im Durchschnitt ist das Verhältniss der Höhe zur Länge = 
1:4, in den Jugendwindungen ist die Schale, wie bei den meisten Fusulinen, verhältnissmässig kürzer, 

Die Umgänge nehmen in allen Richtungen einen ziemlich grossen Raum ein, obwohl die Höhen- 
zunahme namentlich in den späteren Windungen eine geringe ist; der Grund dieser Erscheinung lieet in der 


! Palaeontologia Indica Ser. XII, vol. I, S. 985, Taf. OXXVI, Fig. 1-11 und Taf. OXVIII, Fig. 4. 
? Ebenda, S. 987, Taf. CXXVII, Fig. 1—7. 


956 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


ganz abnormen Grösse der Centralkammer. Die Aufrollung erfolgt in einer ziemlich unregelmässigen Art und 
Weise, so dass die Umgänge, besonders im Anfang, beinahe eckig erscheinen. Die Umgangshöhen betrugen 


im Durchschnitt: im I. Umgang: 0,85 mm, 
ll er DE cn 
100% ” Lo 
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” 


Die grösste Zahl der Windungen war 7. 

Die Centralkammer ist aussergewöhnlich gross, sie erreicht Dimensionen, die ich bei keiner andern 
Fusuline beobachtet habe. Ihr Durchmesser ist durchschnittlich länger als 0,5 mm. Sie ist fast nie 
kugelig, sondern unregelmässig geformt und mehr oder weniger in die Länge gezogen; so ist beispielsweise 
die Centralkammer des abgebildeten Querschnitts 0,62 mm lang und 0,45 mm breit. 

Die Wandungen zeichnen sich durch ihre merkwürdig geringe Stärke aus, welche von 0,02 mm in 
den ersten bis zu 0,03 mm in den letzten Umgängen schwankt; die äusserste Dicke der Wand, die im 
6. Umgang eines sehr grossen Exemplares beobachtet wurde, betrug 0,04 mm. Die Poren sind schmal, in 
den letzten Windungen nur ca. 0,006 mm breit, die etwas breiteren Zwischenstücke erreichen einen Durch- 
messer von 0,008—0,009 mm. 

Die zahlreichen Septen, die auch in der Region der Mundspalte meist bis in das untere Drittel der 
Kammern hinabreichen, sind beinahe ebenso breit wie die Kammerwandungen und fast regelmässig auf den 
Seiten durch Kalkansatz verstärkt. Sie neigen sich in ähnlicher Weise zu einander wie die Septen bei 
Fusul. multiseptata und Fus. complicata und verwachsen zuweilen schon in der Mitte der Kammer mit ein 
ander. Die Faltung ist eine kräftige, erfolgt aber in einer merkwürdig regelmässigen Weise, so dass man 
im Längsschliff stets die gleichmässigen runden Oeffnungen der unten eingebogenen Septen erkennt. Das 
Netzwerk auf den Enden ist ein ziemlich dichtes. Die Zahl der Septen beträgt im 2.—6. Umgang ungefähr: 
3073436, 37040: 

Die Mundspalte ist niedrig und sehr schmal, sie tritt daher auf den Längsschliffen fast gar nicht hervor. 

Vorkommen: Am häufigsten wurde Fus. tenwissima in den dunkeln Kalken mit Schwagerina prin- 
ceps beobachtet, die sich als Geröll im Bombaschgraben fanden. Vereinzelt fand sie sich im Geröll des 
Vogelbachgrabens mit Fusul. alpina var. fragelis, ferner in der Conocardienschicht der Krone und in einer 
andern Schicht desselben Profiles, deren Höhenlage mir aber nicht bekannt ist?. Bei Neumarktl kommt sie 
zusammen mit Fusulina regularis und Fus. complicata vor. 

Beziehungen: Fus. tenuissima ist mit so eigenthümlichen Merkmalen ausgestattet, dass auch seit- 
liche oder schräg getroffene Schnitte immer leicht zu erkennen sind. Dieselben bestehen in den ausser- 
ordentlich dünnen Kammerwandungen, ‚der grossen Centralkammer und den beinahe eckigen Windungen. 

Unter den karnischen Fusulinen steht Fus. tenuissima dadurch völlig isolirt da. 


1 Bei dem Längsschnitt Taf. XIX, Fig. 7 ist die Centralkammer nicht median getroffen und erscheint daher relativ klein. 
Bei Fus. yranım avenae erreicht die Centralkammer auch erhebliche Dimensionen, bleibt aber doch hinter unserer Form zurück. 
2 Die betreffenden Exemplare stammen aus einem schwarzen, sehr festen Fusulinenkalk, den Herr Prof. Benecke an 


der Krone gesammelt hat. 


Schwagerina MÖöLtEr. 9% 


ou 
— 


In anderen Gegenden finden sich dagegen zwei Formen, die unter einander wenig Aehnlichkeit zu 
haben scheinen, aber beide sich der karnischen Fusuline nähern. Das ist Frs. ventricosa MEEX einerseits 
und Fus. granum avenae Röm. andererseits. Mit der ersteren hat Fus. tenwissima die dünnen Kammer- 
wände und die regelmässige Septalfaltung gemeinsam, während die immer kurze, hohe Form der amerika- 
nischen Fusuline sie scharf von ihr trennt. Die sumatranische us. granum avenae, die ihr wohl näher 
steht, zeigt in ihrer gesammten Erscheinung eine grosse Aehnlichkeit, aber sie besitzt etwas dickere Wände, 
welche die Stärke von 0,0S—0,1 mm erreichen; sie ist nicht ganz so regelmässig gefaltet und hat eine Central- 
kammer, welche zwar bis zu 0,4 mm Durchmesser aufweist, aber doch nicht die Dimensionen erreicht, die 
sie gewöhnlich bei Fus. temwissima hat‘. 


Schwagerina, MÖLLER. 


Wie schon bei der Besprechung von Fusulina hervorgehoben wurde, ist eine scharfe Scheidung 
zwischen der Gattung Fusulina und Schwagerina nicht durchführbar, da Zwischenformen vorhanden sind, 
welche die Merkmale beider Gattungen in sich vereinigen und nur nach dem Vorherrschen des einen oder 
des anderen Typus einer der beiden Gattungen zugewiesen werden können, die andererseits in den aus- 
geprägten Formen recht verschiedene Gestalten aufweisen. Ebenso wurde schon betont, dass sich innerhalb 
der Gattung Schwagerina wieder zwei sehr differente Formenkreise scheiden lassen, die aber auch durch 
Uebergänge mit einander verbunden sind. Die karnischen Schwagerinen gehören dem ersten dieser beiden 
Formenkreise an, welcher sich von den echten Fusulinen dadurch unterscheidet, dass die Septen gerad- 
linig verlaufen oder — bei den Uebergangsformen zu Fusulina — nicht sehr stark und vor allem nur in 
ihrem unteren Theile hin- und hergebogen sind, während andererseits das Basalskelet der zweiten Gruppe 
ihnen fehlt oder nur unvollkommen entwickelt ist?. Den Typus dieser Gruppe bildet Schwagerina princeps. 

Die Diagnose der Gattung ist von SCHWAGER in vortreftlicher Weise gegeben worden?, es bedarf 
daher nur einer Bemerkung über die Bildungsweise der Septen. Begreift man unter dem Namen Schwage- 
rina die beiden oben erwähnten Gruppen (Schwagerina und Möllerina), so lassen sich drei verschiedene 
Fälle der Septalbildung feststellen, die aber alle drei im Princip auf eine einfache Umbiegung der Kammer- 
wand wie bei den Fusulinen zurückzuführen sind. Der erste Fall stellt die einfache Umbiegung der Wand 
dar, die ebenso, wie bei den Fusulinen, bei der Gruppe der Schwagerina. princeps und Schw. fusulinoides 
die Regel bildet. Auch die besprochene Verdickung der Septen lässt sich des öfteren beobachten. Die 
von SCHWAGER überall abgebildete Einkeilung der Septen entspricht auch hier keinesfalls der Regel*, da- 


“ Die Maassangaben bei Fus. granum avenae sind nach den zahlreichen Exemplaren gemacht worden, welche mir 
vorliegen. Erst während des Druckes dieser Abhandlung erhielt ich die kürzlich erschienene ausführliche Beschreibung der 
Form (VERBEER u. FEnnema: Description geologique de Java et Madoura, Amsterdam 1896, S. 1131 ff.). Danach soll die Stärke 
der Kammerwand sogar 0,10—0,15 mm erreichen, während der Durchmesser der Centralkammer auf 0,35 mm im Maximum 
angegeben ist. 

° ScHwaAger deutet die untere Begrenzung der Mundspalte an den Seiten bei Schw. princeps als erste Anlage eines 
Basalskelets, jedoch wohl mit Unrecht, da diese Erscheinung nur durch die Biegung des Septums zu Stande kommt und sich 
bei vielen Fusulinen auch findet. 

? China Bd. IV, S. 129. 

* Ich wage auch bei den Schwagerinen nicht zu entscheiden, ob eine Einkeilung überhaupt vorkommt. 

Palaeontographica. Bd. XLIY. 33 


358 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Füsulinenkalks. 


gegen tritt bei der Gruppe der Möllerina Verbeeki zuweilen ein zweiter Fal ein, der ähnliche Bilder hervor- 
rufen kann und den wir schon bei Fusulina japonica kennen gelernt haben. Es tritt nämlich häufig eine 
Verdickung des Septums ein, ehe die neue Kammerwand gebildet wird, wodurch bei der geringen Stärke des 
Septums leicht der Anschein erweckt werden kann, dass die Scheidewand eingekeilt wäre. Diese Verdickung 
lest sich als ein dünner Belag über das Septum, wie die untenstehende schematische Zeichnung (Fig. 7) darstellt. 

Den dritten Fall endlich bilden die mit starkem Basalskelet ver- 
sehenen Formen vom Typus der Möllerina lepida und Möllerina era- 
tieulifera. Auch hier bildet sich das Septum zunächst durch eine Um- 
biegung der Kammerwand, aber dann tritt eine Verdickung ein, welche 
sich mehr oder weniger keilförmig zwischen die beiden durch Umbiegung 
gebildeten und auseinander tretenden Septen einschiebt, wie die Abbildungen 

Fig. 7. bei SchwaGer, 1. c. Taf. XVII, Fig. 6, 11 und 13 gut erkennen lassen. 
An manchen Stellen erreichen aber auch hier die durch Umbiegung 
entstandenen Septen beinahe den Boden der Kammer. 

Schliesslich ist noch hinzuzufügen, dass sich auch hier bei manchen Septen eine poröse Beschaften- 
heit nachweisen liess, wie die längs getroffenen Septen in dem Längsschnitt von Schwagerina princeps zeigen 
(Taf. XXIL, Fig. 4), bei welchen die Poren die Septalwand quer durchsetzen. Dieselbe Erscheinung trat bei 
vielen Schliffen von Schwag. fusulinoides und Schwag. princeps auf, während andere Stellen völlig dicht zu 
sein schienen. 


Schwagerina princeps Eurgc. 
Taf. XXI, Fig. 5—7, 9 u. Taf. XXIL, Fig. 4—7. 
Fusulina Hoeferi Sracnz bei Gümsgern: Kurze Anleitung zu geolog. Beobachtungen in den Alpen, S.. 103, Fig. 23, 
Nr. 10a und b. 


Weitere Synon. siehe bei SchwAGEr in RıcarHoren, China, Bd. IV, S. 132. ! 


Die karnischen Exemplare stimmen mit den von MÖLLER” und SchwAGer ? eingehend beschriebenen 
russischen und chinesischen Typen so gut überein, dass eine ausführliche Beschreibung überflüssig erscheint. 
Wie die Abbildungen zeigen, schliesst sich namentlich die Form von Neumarktl der chinesischen so eng an, 
dass es unmöglich erscheint, beide auseinander zu halten, vor Allem ist der einen wie der andern das un- 
verhältnissmässig rasche Anwachsen der mittleren Umgänge eigen. Die Exemplare aus dem Bombaschgraben 
nähern sich hierin mehr der von Möuver beschriebenen Form, bei welcher das Wachsthum etwas gleich- 
mässiger erfolgt. Dagegen zeichnen sich die Individuen aus dem Bombaschgraben durch ihre bedeutende 
Grösse aus‘, da sie eine Höhe von 9,5 mm erreichen. Die äussere Gestalt ist meist kugelig, daneben 
kommen aber Exemplare vor, die deutlich in die Länge gezogen sind; hier beträgt das Verhältniss der 
Höhe zur Länge bei den extremsten Exemplaren etwa 1: 1,3. 


! Mörter führt irrthümlich auch Schwag. robust« Meek unter den Synonymen an. 

22]. ec. 8.71, Taf. V, Big, I und War. IX hie 

®]. c. S. 132, Taf. XVI, Fig. 15 und 16, Taf. XVII, Fig. 1—8. 

* Bei der Abbildung Taf. XXI, Fig. 7 ist zu berücksichtigen, dass dieser Querschliff wegen seiner Grösse nur 
10 mal, nicht wie die übrigen 20 mal vergrössert ist, ebenso der seitliche Querschliff Taf. XXII, Fig. 7. 


Schwagerina fusulinoides nov. sp. 959 


Vorkommen: Sehr häufig in grau-schwarzen Kalkgeröllen des Bombaschgrabens und in etwas 
helleren Kalken bei Neumarktl in Oberkrain, an beiden Fundorten zusammen mit Fusulina tenuissima, bei 
Neumarktl auch mit Fusulina regularis. Ausserdem vereinzelt in der rothen Uggowitzer Breccie, zusammen 
mit der letztgenannten Form. 


Schwagerina fusulinoides nov. sp. 
Taf. XXI, Fig. 1—4 und Fig. 8. 

Die vorliegende Form schliesst sich von allen bis jetzt bekannten Schwagerinen am engsten an die 
Fusulinen an. 

Gestalt spindelförmig, von der gewölbten Mitte gleichmässig nach den deutlich zugespitzten Seiten 
abfallend, welche mässig eingedreht sind. Oberfläche mit nicht sehr tiefen Längsfurchen versehen, die sich 
in der Mitte nach vorn biegen. 

Die Dimensionen der verschiedenen Individuen wechseln auch bei gleichen Altersstadien recht er- 
heblich, die meisten Exemplare sind ca. 5 mm hoch und 6 mm breit, es kommen aber auch Schaalen vor, 
welche eine Höhe von beinahe 4 mm und eine Länge von 9,5 mm erreichen. Das Verhältniss der Höhe 
zur Länge beträgt, wie die ersten Zahlen zeigen, in der Regel 1:2, es schwankt aber bei den gemessenen 
Individuen von 1:1, bis 1: 2,8. 

Die Spirale unserer Form wechselt ebenfalls in ihren Windungshöhen bei verschiedenen Schaalen 
sc, dass es zwecklos erscheint, die mittleren Umgangshöhen anzugeben, sie ist ebenso wie Schwagerina prin- 
ceps durch die enge Aufrollung der Anfangswindungen, das schnelle Anschwellen der mittleren Windungs- 
höhen und die geringe Zunahme derselben in den letzten Umgängen characterisirt, jedoch längst nicht in 
dem Maasse, wie es namentlich die karnischen Exemplare von Schwag. princeps zeigen. 

Die Centralkammer ist regelmässig kugelig' und verhältnissmässig gross, sie erreicht einen Durch- 
messer von 0,25 mm. 

Die Septen, deren Bildung ebenso erfolgt, wie bei den Fusulinen, sind in den ersten Umgängen 
kurz und dick, dann werden sie so dünn wie bei Schwag. princeps, so dass sie etwa 0,02 mm stark 
erscheinen, während sie in den letzten Umgängen wieder eine Dicke von ca. 0,07 mm aufweisen. Sie 
sind stets mehr oder weniger nach vorn gebogen. In der mittleren Parthie der Schaale erstrecken sie sich 
nie bis zum Boden. Verdickungen der Sepien treten namentlich in den letzten Windungen nicht selten auf. 
Die Zahl der Septen betrug durchschnittlich im 2. bis 6. Umgang: 14, 15, 16, 21,-25. Die Septen sind 
erheblich stärker hin und her gebogen, wie bei allen andern Schwagerinen, jedoch erreicht diese Einfaltung 
nicht den Grad wie bei den echten Fusulinen, namentlich reicht sie nicht so weit nach oben am Septum 
hinauf. Die Ausbildung des seitlichen Netzwerkes ist eine recht kräftige. 

Die grösste Zahl von Umgängen, die beobachtet wurde, betrug 6 !),. 

Die Stärke der Kammerwandungen schwankt weniger als bei Schwag. princeps, sie erreichte im 3. 


* Die Angabe von .Krorow, dass die Centralkammer der nahe verwandten Schwagerina fusiformis elliptisch wäre 
(Memoires du Com. Geolog. St. P&tersbourg vol. VI, S. 439 des russischen Textes), beruht, wie die Abbildungen andeuten, wahr- 
scheinlich auf einer irrigen Beobachtung, ebenso wie die entsprechende Angabe Mörrter’s bei Schwagerina princeps, worauf 
schon ScHWAGER (China, Bd. IV, S. 133) hingewiesen hat. 


260 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Umgange etwa 0,05 mm, im 6. dagegen 0,11—0,12 mm. Die Poren sind ebenso ausgebildet wie bei 
Schwag. princeps. 

Die Mundspalte lässt sich namentlich an den Jugendwindungen gut erkennen, während sie in den 
späteren Umgängen zuweilen undeutlich wird. Wo sie hier auftritt, ist sie breit und nimmt nahezu die 
Hälfte der Umgangshöhe ein. 

Vorkommen: In der Uggowitzer Breccie, und zwar in den rothen und grauschwarzen Stücken der- 
selben, zusammen mit Fusulina pusilla das Gestein ganz erfüllend. 

Beziehungen: Schwagerina fusulinoides steht in den engsten Beziehungen zu Schwag. fusiformis 
Krorow. Leider sind die von Krorow gegebenen Abbildungen * nicht sehr deutlich und stellen auch keine 
medianen Schnitte dar, so dass ein Vergleich beider Formen daraufhin zu nicht ganz gesicherten Resultaten 
führen muss; ebenso ist es recht wohl möglich, dass sich bald Exemplare finden, welche beweisen, dass der 
uralische Typus eine grössere Variationsfähigkeit besitzt, als das von Krorow bearbeitete Material erkennen 
lässt, und dass derselbe Formen einschliesst, welche die Aufstellung einer besonderen Art für die karnische 
Schwagerina nicht mehr gerechtfertigt erscheinen lassen. Nach dem vorliegenden Materiale, das für die 
karnische Form ein sehr reichliches ist, besteht ein durchgreifender Unterschied in den Dimensionen der 
Schaale: bei den von Krorow gemessenen Exemplaren von Schwag. fusiformis schwankt das Verhältniss der 
Höhe zur Länge zwischen 1:1,4 und 1:1,7, bei Schwagerina fusulinoides dagegen zwischen 1:1, und 
1:2,8, die Letztere ist also verhältnissmässig sehr viel länger. Ein zweiter Unterschied beruht auf dem 
verschiedenen Verhalten in den Altersstadien: bei Schw. fusiformis erscheinen nach Krorow die jugendlichen 
Exemplare mehr in die Länge gezogen als die älteren, bei Schw. fusulinoides dagegen herrscht wie bei den 
echten Fusulinen das umgekehrte Verhältniss, die Jugendwindungen sind relativ kürzer oder höchstens ebenso 
länglich wie die späteren Umgänge. Jedenfalls haben wir in Schwagerina fusulinoides eine Form, welche 
sich als typische Zwischenform zwischen den Fusulinen und Schwagerinen darstellt und in noch engerer Be- 
ziehung zu den echten Fusulinen steht als die uralische Schw. fusiformis, die sich etwas mehr der für die 
Gruppe typischen Schw. princeps nähert. Man kann bei der karnischen Form in der That schwanken, ob 
man sie den Fusulinen oder Schwagerinen zuweisen soll: die langgestreckte Gestalt, die grosse Central- 
kammer, die Hin- und Herbiegung der Septen, die in der Medianebene nie den Boden erreichen, sind Merk- 
male, welche den Fusulinen zukommen, während die stark wechselnde Aufrollungsart, die theilweise sehr 
dünnen Septen und doch auch die Art der Septalfaltung, welche nicht den Grad wie bei den echten Fusu- 
linen erreicht, den Anschluss an die Untergattung Schwagerina bedingen. 


Fusulinella, Mörter. 


Nach MÖLLER zeigt das Gehäuse der Gattung Fusulinella einen ausserordentlich complieirten Aufbau, 
der sich durch das Vorhandensein von doppelten Wandungen und „Interseptalräumen“ weit von den Fusu- 
linen entfernt. Ich halte es aber nach einer Durchsicht der Mörter’schen Originale für wahrscheinlich, dass 
der Unterschied kein so einschneidender ist. Die von Mörver als Interseptalräume gedeuteten Stellen halte 
ich in den meisten Fällen für das eigentliche Skelett der Fusulinellen, d. h. für die Kammerwand und die 


! Mem. d. Comite Geologique, St. Pötersbourg, Vol. VI, Taf. II, Fig. 13—15. 


Fusulinella laevis n. sp. 961 


aus ihr durch Umbiegung hervorgegangenen Septen. Die dunkleren Lagen, welche beide umgeben, sind 
dann auf Verdickungen zurückzuführen, wie sie bei den Fusulinen ausführlich beschrieben wurden, die aber 
hier viel stärker auftreten und ebenso die ganzen Kammern bekleiden, wie sie den Boden des vorhergehenden 
Umgangs bedecken. An gut erhaltenen Fusulinellen aus Asturien liess sich beobachten, dass scheinbare 
Interseptalräume auch durch den tiefen Ansatz des neuen Septums (vgl. S. 240 Fig. 3) hervorgernfen werden 
können, während andererseits die ersten drei bis vier Windungen einfache — nicht verstärkte — Kammer- 
wände zeigten, die sich ebenso in die Septen fortsetzten. 


Fusulinella laevis n. sp. 
Taf. XXIII, Fig. 1 und 2. 


Schaale klein und annähernd kugelig, jedoch immer mehr oder weniger seitlich comprimirt, wenn 
auch selten in dem Maasse, wie dies Fig. 2 der Taf. XXIII zeigt. 

Die Oberfläche ist bei gut erhaltenen Gehäusen völlig glatt, nur bei corrodirten Exemplaren treten 
die Scheidewände zu Tage (Fig. 2), welche in gerader Linie quer über den mittleren Theil der Schaale 
verlaufen. 

Die Grösse der Schaalen ist eine geringe. Da das Verhältniss der Höhe zur Breite bei den ver- 
schiedenen Exemplaren in ziemlich hohem Grade wechselt, gebe ich im Folgenden die Dimensionen mehrerer 
Gehäuse wieder und füge, soweit die Messungen an Schliffen vorgenommen sind, die Zahl der Umgänge hinzu: 


Expl. Höhe Breite Zahl der Umgänge 
a 2,0 mm 1,5 mm _ 
b 1,6 mm — 6!» 
@ 1.5 mm 1,4 mm 5 
d 15 mm 1,0 mm — 
e 1,5 mm = B) 


Die Centralkammer ist in keinem Schliffe getroffen worden. 

Die Spirale ist eng und anscheinend sehr regelmässig gewunden, genauere Messungen konnten jedoch 
nicht ausgeführt werden, da sämmtliche Schliffe® nicht ganz median getroffen waren. Die höchste Zahl der 
Umgänge, die beobachtet wurde, betrug 6'. 

Die Bildungsweise der Septen liess sich in Folge des nicht sehr günstigen Erhaltungszustandes nicht 
mit Sicherheit feststellen®. Ihre Zahl war eine recht beträchtliche, sie betrug im sechsten Umgange 24. 

Das Schaalenmaterial war durchweg kieselig, schien aber erst durch spätere Umwandlung von 
kalkigen Schalen gebildet, da in dem betreffenden Gestein auch ein grosser Theil der Fusulinen verkieselt 
waren. Die Gehäuse liessen sich durch verdünnte Salzsäure gut aus dem Gestein herausätzen, jedoch wurde 


" Expl. a und d sind ganze Gehäuse, b und e Längsschnitte, ce ein Querschnitt, wobei die Ausdrücke längs und quer 
in dem von MÖLLER gebrauchten Sinne angewendet sind, der Querschnitt ist daher in der Richtung der Windungsachse geführt. 


® Diese Schlitfe wurden erst nach Fertigstellung der Tafeln angefertigt und konnten daher leider nicht mehr ab- 
sebildet werden. 


® Vgl. darüber die Angaben bei der Diagnose der Gattung. 


262 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


dabei stets ein Theil der inneren Windungen zerstört, während die äusseren Umgänge vollkommen er- 
halten blieben. 

Vorkommen: Auernig Schicht s. 

Beziehungen. Fusulinella laevis unterscheidet sich von den verwandten Formen der Fus. sphae- 
roidea Eures. und Fus. sphaeroidea AgıcH* vor Allem durch ihre völlig glatte Oberfläche. 


Fusulinella sp. 


In Dünnschliffen des rothen Gesteins der Uggowitzer Breceie fanden sich häufig Schnitte durch eine 
kleine dünnwandige Fusulinella, die in ihrer Erscheinung sehr der Fusulinella Strwvei Möut. gleicht. Sie 
ist ebenso wie diese stark zusammengedrückt und mit einem deutlichen, aussen etwas gerundeten Kiel ver- 
sehen. Die Zahl der Umgänge betrug fünf. Da zwar gut getroffene Längsschnitte vorliegen, aber kein 
einziger brauchbarer Querschnitt, ist eine specifische Bestimmung der Form unmöglich. 


Vorkommen: Nur in den rothen Gesteinsstücken der Uggowitzer Breceie, zusammen mit Fusulina 
regularis und Schwagerina princeps. 


Endothyrinae. 


Endothyra, Purtuıps. 


Die karnischen Exemplare sind wenig geeignet, um Beobachtungen über die Schaalenstruktur zu 
machen, da die Schaalen anscheinend stark verändert sind. Ein Theil besitzt dichte, aus feinen Körnern 
zusammengesetzte Gehäuse, während andere aus einer Kalkmasse bestehen, die meist strahlig angeordnet 
und anscheinend von ziemlich unregelmässigen Poren durchzogen ist. Uebrigens liegen mir gut erhaltene 
Exemplare aus Russland und Amerika vor, welche die Anschauung Schwacer’s ? bestätigen, dass bei E’indo- 
thyra sowohl agglutinirende wie porös-kalkige Gehäuse vorkommen. 


Endothyra aff. Bowmani Par. 
Taf. XXI, Fig. 3 u. 4. 
Vgl. V. v. Möuter, 1. c. S. 96, Taf. IV, Fig. 3 und Taf. XII, Fig. 2. 


Grosse, dickschaalige Gehäuse, welche deutlich ungleichseitig sind. Aus dem Gestein losgelöste 
Exemplare liegen nicht vor, da die kalkigen Schaalen beim Aetzen mit Salzsäure immer zerstört werden, 
dagegen eine Reihe von Schnitten, welche die äussere Gestalt genügend erkennen lassen. Dieselbe schliesst 
sich durch ihre relative Höhe und die geringe Symmetrie am ehesten der Endothyra Bowmani an, doch ist 
die Ungleichseitigkeit nicht so stark entwickelt wie bei der letzteren, so dass die karnische Form sich hierin 
ebenso wie in ihrer erheblichen Grösse wieder mehr der Endothyra crassa Mörn. nähert und eine Zwischen- 
stellung zwischen den beiden russischen Formen einnimmt. Sie erreicht eine Höhe von 1,35 mm und eine 


* Möuter, 1. c. S. 107 Taf. V, Fig. 4 und Taf. XV, Fig. 1 resp. S. 114, Taf. V, Fig. 6 und Taf. XV, Fig. 3. 
2 In Bronw’s Klassen und Ordnungen des Thierreichs, Bd. I, S. 244. 


Endothyra cf. parva Mörr. 36 


os 


Breite von 1,12 mm, im Durchschnitt aber beträgt das Verhältniss der Breite zur Höhe etwa 1: 1,55. 
Die Schaalen sind anscheinend stark verändert und erscheinen theilweise ganz dunkel, an anderen Stücken 
erkennt man eine strahlige Anordnung, die möglicherweise durch das Vorhandensein von Poren hervor- 
gebracht ist, wenigstens glaube ich an dem abgebildeten Querschliff (Taf. XXIII, Fig. 3) dieselben deutlich 
unterscheiden zu können; es ist aber dabei zu bemerken, dass diese Poren dann bei den einzelnen Indivi- 
duen recht verschiedenartig ausgebildet sein müssen, da sie bei manchen Exemplaren nur eine mässige Stärke 
zeigen, während sie bei anderen sehr grob sind, und noch mehr schwankt der Durchmesser der sie trennenden 
Kalkparthien. 

Vorkommen: In den harten dunkeln Fusulinenkalken der Krone und in Schicht s des Auernig, 
überall nicht gerade häufig. 


Endothyra cf. parva Mörr. 
Taf. XXIII, Eige. 5 u. 6. 
Vgl.: V. v. Mörter, ]. c. Nachtrag S. 18, Taf. I, Fig. 4 und Taf. V, Fig. 1. 


Eine sehr kleine Endothyra, die sich ziemlich häufig in den Schnitten beobachten liess, scheint mir 
am besten mit der von MÖLLER aus dem unteren Carbon beschriebenen E. parva übereinzustimmen, vor 
Allem mit Exemplaren, die mir aus dem Kohlenkalk von Gerna bei Krakau! vorliegen. Abweichend von 
der russischen Form scheinen die karnischen Gehäuse etwas schmaler und höher und ebenso scheinen etwas 
weniger Septen bei ihnen vorhanden zu sein, dagegen stimmen sie in dem winzigen Maasse der Dimensionen 
völlig überein. Die Mehrzahl der Schnitte zeigte eine Höhe von ca. 0,3 mm und eine Breite von 0,14 mm. 
Die Schaalenwandungen erscheinen völlig dicht und aus feinkörnig-agglutinirendem Material gebildet, während 
die russischen Exemplare nach MÖLLER eine von Poren durchzogene Kalkschaale besitzen. 


Vorkommen: An der Krone, zusammen mit Znd. aff. Bowmani, bei Neumarktl mit Schwag. 
princeps, vereinzelt auch in Schicht s am Auernig. 


Stacheia, Brapy. 


Die von Brapy aufgestellte Gattung” umfasst unregelmässig geformte Körper, die meist auf Fremd- 
körpern aufgewachsen und aus einer grossen Anzahl von kleinen Kammern aufgebaut sind. Es entsteht 
dadurch ein merkwürdiger Contrast zwischen der unregelmässigen äusseren Form, welche sich der Gestalt 
des Fremdkörpers anpasst und dem complieirten Aufbau des Innern, aber namentlich die Betrachtung der 
zahlreichen Durchschnitte in den karnischen Fusulinenkalken lässt es mir auch 'gar nicht so ganz sicher 
erscheinen, dass diese eigenthümlichen Formen wirklich den Foraminiferen angehören. Leider ist es mir 
nicht gelungen, einzelne Exemplare aus dem festen Gestein herauszulösen, aber die Schliffe zeigen, dass die 


i Die betreffenden Schliffe sind von Schwager angefertigt, ich verdanke sie, wie sehr viel anderes Vergleichsmaterial 
der Güte des Herrn Geheimrath v. Zirter. 


2 Vergleiche dazu die Untersuchungen Steısmann’s (Zeitschr. d. d. geol. Ges. Bd. XXXI, S. 399) an End. Bowmani 
und End. crassa und seine Bemerkungen über das Vorkommen agglutinirender resp.kalkiger Gehäuse bei ein und derselben Form. 


3 A Monograph of Carboniferous and Permian Foraminifera. (Palaeontographical Society, Bd. XXX, S. 107 fi.) 


964 Ernst Schellwien. die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


in Rede stehenden Formen in mannigfaltigen Gestalten im karnischen Obercarbon vertreten sind. Diese 
verschiedenen Gestalten zu fixiren, erscheint unter den dargelegten Verhältnissen ebenso schwierig wie un- 
nöthig, umsomehr eine Uebereinstimmung mit den von Brapy abgebildeten Arten sich nur bei der unten 
genannten Form feststellen liess. 


Stacheia polytrematoides Brapy. 

Brıpr: 1. c. S. 118, Taf. IX. Fig. 10—13. 

Mehrere Schnitte meist auf Bryozoen oder Crinoiden festgewachsener Körper zeigen die ausgebrei- 
tete Gestalt der englischen Form und die zahlreichen meist sechseckigen Kammern, die immer in Reihen an- 
geordnet erschienen. 

Vorkommen: Auernig-Schicht s und in den etwas tieferen Fusulinenkalken der Krone, zusammen 
mit anderen Formen von Stacheia, die sich auch in den grauen Schwagerinenkalken von Neumarktl zeigten. 


II. Cornuspiridae. 


Ammodiscus, Russ. 


Der Umfang dieser Gattung hat seit ihrer Begründung mancherlei Veränderungen erfahren. Ursprüng- 
lich auf die sandschaaligen nicht gekammerten Gehäuse von der Form der Cornuspira angewendet, ging sie 
zu einer Zeit, in welcher man alle Formen vereinigte, zwischen denen sich Uebergänge constatiren liessen, 
völlig in der umfangreichen Gattung Trochammina' auf. So finden wir sie auch bei Branpy in seiner schon 
mehrfach eitirten Monographie der carbonischen und permischen Foraminiferen® unter den Synonymen von 
Trochammina aufgeführt, aber derselbe Autor stellte in seinem grossen Werke über die Foraminiferen der 
Challenger-Expedition die Gattung wieder in ihrem ursprünglichen Umfange her®, d. h. er trennte unter 
dem Namen Ammodiscus die einfachen, nicht gelkammerten Gehäuse wieder von Trochammina, die aber 
immer noch eine Vereinigung von sehr heterogenen Formen bildete. 

Fassen wir die Gattung Ammodiscus in dem von Brapy gegebenen Sinne, so erkennen wir auch 
bei ihr recht verschiedenartige Gestalten, die sich ungezwungen in eine Reihe von Gruppen zerlegen lassen, 
unbeschadet der Würdigung des von Häuster* stark betonten Umstandes, dass nicht nur die verschie- 
denen Formen der Gattung Ammodiscus untereinander durch Uebergänge verbunden sind, sondern ebenso 
allmählig in gekammerte Formen übergehen, welche demnach zur Gattung Trochammina (resp. Agathammina 
NEUMAYR°’) gehören. 


I z. B. bei Parker & Jones. 

2 Palaeontogr. Society 1876, Bd. XXX, 

3 Report on the Sc. Results of the Voyage of H. M. S. Challenger, Zoology, vol. IX, S. 329. 

* U. a. in: Monographie der Foraminiferenfauna der schweizerischen Transversarius-Zone. (Abhandlungen der schweiz. 
pal. Ges., Bd. XVII, Zürich 1890.) 

5 Neumayr, Die natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse der schaalentragenden Foraminiferen. (Sitzungsber. der math. 
naturw. Classe der Akademie der Wiss. zu Wien, Bd. XCV, 1. Abth. 1887, S. 171 Fussnote.) 


Ammodiscus Reuss. 965 


Diese Gruppen, welche die Uebersicht über die formenreiche Gattung erleichtern, sind: 


I. Gruppe des Amm. incertus d’Orsısny — Formen mit regelmässig spiraler Aufrollung, zu- 
weilen etwas deformirt und dann meist elliptisch gestaltet —= Ammodiscus s. str. 


II. Gruppe des Amm. film Schmp = nur in den allerersten Windungen spiral eingerollte 
Formen ', sich später streckend und in Gestalt einer einfachen Röhre weiterwachsend. 


III. Gruppe des Amm. inversus n. sp. —= Formen, welche Anfangs spiral aufgerollt sind, sich 
später aber in unregelmässigen Windungen, jedoch stets im derselben Ebene, weiter- 
entwickeln. 


IV. Gruppe des Amm. carnicus n. sp. — Gehäuse mit zahlreichen planospiralen Umgängen 
(o) oO ’ 
welche erst im Alter unregelmässig werden und sich in mannigfachen Windungen 

über der Scheibe der früheren Umgänge hin und her schlängeln. 


V. Gruppe des Amm. gordialis Joxes & PARKER — Formen von unregelmässig knäuelförmiger 
Aufrollung, den Uebergang zu den milioliden Gestalten der Gattung Agathammina 
NEum. vermittelnd. 


VI. Gruppe des Amm. shoneanus SWALL — spiral aufgerollte Formen, die, ähnlich den Win- 
; dungen einer Wendeltreppe, in die Höhe wachsen. 


Neuerdings hat nun Ruunsrer” die Ammodisciden in eine Reihe von Gattungen zerlegt, welche 
sich zum Theil mit den hier aufgestellten Gruppen decken; demnach gehören die Vertreter der zweiten 
Gruppe zur Gattung Zituotuba, diejenigen der fünften zu Gordiammina, während die Angehörigen der 
sechsten Abtheilung den Namen Turitellopsis erhalten®. Diese Eintheilung ermöglicht die Unterscheidung 
von deutlich erkennbaren Formenkreisen unter den vielgestaltigen, bisher als Ammodiscus bezeichneten 
Formen, aber ich glaube kaum, dass es bei einer so engen Verknüpfung der verschiedenen Typen und den 
verhältnissmässig doch nicht so schwerwiegenden Unterschieden zweckmässig ist, diese eng zusammengehörigen 
Formen in verschiedene Gattungen zu trennen, welche denn doch zu wenig gleichwerthig den übrigen Fora- 
miniferen-Gattungen gegenüber stehen würden. Dagegen lässt es sich wohl vertheidigen, wenn man zur 
Erleichterung der Uebersicht die Ruumkrer’schen Namen als Bezeichnung für Untergattungen von Ammo- 
discus verwendet. Dann müssen aber auch die dritte und vierte der oben aufgeführten Abtheilungen eine 
geeignete Bezeichnung erhalten: ich schlage daher für die Gruppe des Amm. inversus das Subgenus Psam- 
mophis und für die Gruppe des Amm. carnicus das Subgenus Hemidiscus vor. Zu der Untergattung 
Psammophis, deren typischste Gestalt durch den karnischen Psammophis inversus gebildet wird, müssen dann 
auch einzelne der bisher zu Amm. gordialis gerechneten Formen gezogen werden, wie beispielsweise das bei 


! Vgl. auch die von Häuster, ]. c. Taf. IX, Fig. 48 abgebildete Form, welche überhaupt nicht eingerollt ist, sondern 
von der Embryonalkammer an in Form einer ziemlich geraden Röhre gebaut erscheint. 

® Nachrichten von der Königl. Ges. der Wiss. zu Göttingen. Mathem.-physik. Classe, 1895: Entwurf eines natürlichen 
Systems der Foraminiferen. Vgl. dazu die Angaben am Schlusse dieser Abhandlung. 

® Die von RHumBLER ebenfalls hierher gerechnete Gattung Psammonyz DÖöDErLEıN entfernt sich ausser durch ihre 
abnorme Grösse durch die Unregelmässigkeit der Gestalt und die flache Form der Röhre weit von Ammodiscus und darf keines- 
falls in so enge Beziehungen zu diesem gebracht werden, wie die übrigen hier erwähnten Formen. Leider lagen mir nur Bruch- 
stücke von Psammonyz vor. 

Palaeontographica. Bd, XLIV. 34 


266 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Häuster, l. c. Taf. IX, Fig. 27 abgebildete Exemplar aus den schweizerischen Transversarius-Schichten. 
Zu Hemidiscus ist ausser dem hier dargestellten Hemidiscus carnicus der von BrapyY beschriebene Amm. 
tenuis' zu rechnen. 

Die Schaale der alpinen Ammodisciden ist sehr dünn und, wie sich namentlich im polarisirten Licht 
deutlich erkennen lässt, aus kieseligen Bruchstücken aufgebaut. Ihre Gehäuse konnten daher leicht aus dem 
Gestein isolirt werden. 


Subgenus: Psammophis nov. subg. 


Psammophis inversus n. sp. 
Taf. XXIII, Fig. 10. 
Vgl.: Ammodiscus gordialis PARKER & Jones bei Hävster: Monogr. der Foraminiferenfauna der schweiz. Trans- 
versarius-Zone, Taf. IX, Fig. 27.) 

Sehr kleine Gehäuse mit 2—3 spiralen Umgängen? und einer oder mehreren nicht-spiralen Win- 
dungen. Die letzteren biegen sich beim Verlassen der ursprünglichen Wachsthumsrichtung plötzlich um und 
wachsen in der entgegengesetzten Richtung weiter, indem sie sich dabei ebenso wie im spiralen Theil eng an 
die vorhergehenden Umgänge anlegen. Dieser spirale Theil ist meist von sehr viel geringerem Umfange 
als das spätere unregelmässige Gehäuse, so misst er bei dem abgebildeten Exemplar ca. 0,06 mm, während 
die ganze Schale eine Länge von 0,28 mm erreicht; dies Verhältniss erklärt sich durch das schnelle An- 
wachsen des Durchmessers der Röhre, welcher von 0,01 mm in den ersten bis 0,08 in den letzten 
Windungen steigt. i 

Die Oberfläche ist bei manchen Exemplaren mit deutlichen Anwachsstreifen versehen, welche sehr 
dicht bei einander stehen und auf dem äusseren Theil der Röhre nach vorn gebogen sind. 

Das Material der Schaale ist ein kieseliges, aus feinem Trümmermaterial gebildet, dessen Theile 
sich im polarisirten Licht scharf von einander abheben. 


Vorkommen: Häufig in der Schicht s des Auernigprofils. 


Subgenus: Hemidiscus nov. subg. 


Hemidiscus carnicus n. Sp. 
Taf. XXI, Fig. 7—9. 


Die vorliegende ebenfalls sehr kleine Form besitzt bis auf die letzte Windung ein sehr regelmässiges 
spirales Gehäuse. Diese Spirale besteht, wenn man von den innersten sehr undeutlichen und häufig ganz zer- 
störten Windungen absieht, aus 6—7 deutlich erkennbaren Umgängen, die nur wenig an Stärke zunehmen 
und in den äussersten Umgängen ca. 0,05 mm Durchmesser haben. Die ganze Höhe des Gehäuses beträgt 


! Challenger-Bericht, S. 332, Taf. XXX VIII, Fig. 4—6. 
® Die innersten Windungen sind meist, so auch bei dem abgebildeten Exemplar, zerstört, vgl. darüber: StEınuann, 
Die Foraminiferengattung Nummoloculina N. Jahrb. f. Min. etc. 1881, I, S. 38. 


Textularia DEFRANCE. 96 


— 


bei ausgewachsenen Exemplaren etwa 0,45—0,5 mm. Im Alter ändert sich die spirale Gestalt des Gehäuses; 
die letzte Windung schlingt sich in unregelmässigen Biegungen auf dem spiralen Theile hin und her. Leider 
fehlt diese Windung bei den isolirten Exemplaren überall, da diese kleiner sind und nur 4—5 Umgänge 
aufweisen, dagegen tritt sie deutlich auf den Querschliffen der im Gestein liegenden Exemplare auf. Man 
beobachtet nämlich hier bei grösseren Exemplaren stets unregelmässig vertheilte Anhänge, welche offenbar 
den Durchschnitten dieser letzten Windung entsprechen (vgl. Taf. XXIII, Fig. S u. 9). Dieselben treten 
in veränderter Form bei allen Schnitten auf. 
Die Schalenstruktur ist dieselbe wie bei der vorbeschriebenen Art. 


Vorkommen: Häufig am Auernig, Schicht s, ausserdem in dem dunkeln Kalk der Krone, der eben- 
falls Fusulina alpina enthält. 


Beziehungen. Die zahlreichen flach spiralen Umgänge nähern die karnische Form dem Ammo- 
discus incertus d’Ore., von dem sie andererseits das unregelmässige Wachsthum der letzten Windung scheidet. 
Dagegen theilt sie dies Merkmal mit Ammod, (Hemidiscus) tenuis Brapy', der aber von Anfang an breitere 
Umgänge aufweist und eine viel erheblichere Grösse (etwa das 7fache) erreicht. Die Annahme, dass das 
Umschlagen des letzten Umgangs nur eine Alterserscheinung bildet und die karnische Form somit zu Amm. 
incertus zu stellen wäre, mit dem sie im übrigen übereinstimmt, hat wenig Wahrscheinlichkeit für sich, da 
aus jüngeren — namentlich jurassischen — Schichten genug Exemplare dieser Art bekannt sind, die viel 
mehr Umgänge aufweisen als die alpine Form, ohne das erwähnte Merkmal zu zeigen. 


Il. Textularidae. 


Textularia DEFRANcE. 


Die hierher gehörigen palaeozoischen Typen bilden einen Theil der von Mörter als Oribrostomum ? 
bezeichneten Formen, während Brapy die ihnen entsprechenden biformen ® Gehäuse mit dem Namen Clima- 
cammina belegt hatte. Die von Textularia (vesp. Digenerina) abweichenden Merkmale sollten in der eigen- 
thümlichen Form der Mündung, die aus einer siebartig durchlöcherten Platte gebildet wird, und der halb 
sandigen, halb kalkig-porösen Schaalenstructur bestehen. Nachdem aber bei den geologisch jüngeren und 
den lebenden Textularien festgestellt ist, dass eine verschiedenartige Struktur der Schaale auch bei dem- 
selben Individuum häufig auftritt und ebenso der Wechsel zwischen einer einfachen Mündung und einer 
siebartig durchlöcherten Endplatte sich beobachten lässt‘, erscheint die Aufstellung einer besonderen Gattung 
für die palaeozoischen Formen ungerechtfertigt und Brany führt daher im Challenger-Bericht mit Recht 
Oribrostomum und Olimacammina unter den Synonymen von Textularia und Bigenerina an. 


! Challenger Report S. 332, Taf. XXXVIII, Fig. 4—6. 5 

2]. c. S. 39, Die Gattung umfasst sowohl die hier als Textularia wie die als Bigenerina bezeichneten Formen. 

3 Vgl. Raumster: Nachr, der k. Ges. der Wiss. zu Göttingen, 1895, S. 63. 

* Challenger Report S. 371, Bigenerina rvobusta, Taf. XLV, Fig. 9—16. Bei den palaeozoischen Textulariden scheint 
die mit groben Poren versehene Endplatte die häufigste Art der Mündung zu sein, dagegen sind weiter unten auch karnische 
Typen (Textularia und Bigenerina) beschrieben, welche eine einfache Mündung zeigen. 

5], c. S. 356, resp. 368, übrigens ohne eine Besründuug im Text. 


268 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Unter den alpinen Exemplaren der Gattung Textularia zeigt die eine die erwähnte doppelte Schalen- 
structur, die andere dagegen besitzt nur eine agglutinirende kieselige Schaale ohne inneren Kalkansatz und 
ohne Poren. 


Textularia cf. Bradyi MöLt. sp. 
Taf. XXIII, Fig. 14. 

Vgl. V. v. Möuter: ]. c. S. 53, Taf. III, Fig. 1, Taf. VI, Fig. 1 und Textfiguren. 

Es liegt ausser schräg getroffenen Schnitten nur ein einziger grosser Längsschliff dieser Form vor, 
welche daher specifisch nicht mit völliger Sicherheit bestimmt werden kann, während die bis zum Schluss 
wechselständig angeordneten Kammern die Zutheilung zur Gattung Textularia sichern. Das Gehäuse ist 
schlank und gleicht in hohem Grade der Tewtulara Bradyi Mörr., mit der es auch das Fehlen der inneren 
porösen Kalkschicht gemein hat. Dagegen kann ich das Vorhandensein von Poren nicht beobachten, die 
agglutinirende Schaalenwand enthält zwar hellere und dunklere Partieen, die ich aber nicht als Poren zu 
erkennen vermag. Obwohl das Gehäuse aus sechszehn (auf jeder Seite S) Kammern besteht, ist von einem 
durchlöcherten Aperturschilde nichts zu sehen, die Mündung ist eine einfache. Die Höhe des erwähnten 
Schnittes beträgt 0,95 mm, die grösste Breite 0,35. mm. 

Bemerkenswerth ist die Aehnlichkeit unserer Form, bezw. der Textularia Bradyi Mörz. mit der 
tertiären und lebenden Text. agglutinans d’ORB." 

Vorkommen: Neumarktl in Oberkrain, zusammen mit Fusulina maultiseptata. 


Textularia textulariformis MöLL. sp. 
196, ZOO ale ler 

Cribrostomum textulariforme V. v. MÖLLER: 1. c. 8. 62, Taf. III, Fig. 5, Taf. VI Fig. 5 und Textfigur. 

Textularia gibbosa (d’Ore.) Brapr: 1. c. S. 131, Taf. X, Fig. 26. 

Zwei vom Gestein befreite Exemplare zeigen übereinstimmend ein seitlich stark zusammengedrücktes 
Gehäuse und einen sehr weiten Scheitelwinkel. Die Anfangskammern sind bei beiden abgebrochen, das 
Gehäuse beginnt mit der zweiten bezw. dritten Kammer. Die Zahl derjenigen, welche beobachtet werden 
konnten, betrug bei dem einen Exemplar 9, bei dem andern 8 (abgebildet auf Taf. XXIH, Fig. 11). Die 
Dimensionen des grösseren Individuums betrugen: Höhe 0,5 mm, Breite 1,0 mm, diejenigen des kleineren: 
Höhe 0,6 mm, Breite 0,6 mm. Die einzelnen Kammern sind durch tiefe Nähte von einander getrennt und 
mit einer ziemlich deutlichen Längsskulptur versehen. Die Mündung ist bei beiden eine einfache und wird 
durch eine Schalenverdickung begrenzt, wie es auf Taf. XXIII, Fig. 11a dargestellt ist. Die äussere Schalen- 
struetur ist sandig, ob eine innere poröse Kalkschicht vorhanden ist, lässt sich nicht feststellen. 


Vorkommen: Auernig, Schicht s. 


Beziehungen: Die vorliegende Form stimmt völlig mit der unter den Synonymen aufgeführten 
Textularia gibbosa d’Orz. des englischen Untercarbons in der Brany’schen Darstellung überein. Leider war 


! Brapy, Challenger-Bericht, S. 363, Taf. XLII, Fig. 1—5. 


Bigenerina d’Orz. 269 


mir das Werk d’Orsıcny’s, in welchem die Art aufgestellt ist, nicht zugänglich, und so muss ich mich auf 
die Angabe Mörter’s verlassen, welcher die Gruppe der carbonischen Textularien so gründlich untersucht 
hat und nach dem die Form des englischen Carbons wesentlich von Textularia gibbosa d’OrB. abweicht. 
Mörver hat daher bei der Beschreibung der russischen Textularien der in Rede stehenden Art einen neuen 
Namen gegeben, Oribrostomum textulariforme, und sieht die Brany’schen Exemplare als Jugendstadien seiner 
Art an. Und in der That sind ebenso wie die englischen auch die karnischen Exemplare von den Jugend- 
windungen des Orib. textulariforme in ihrer äusseren Gestalt nicht zu unterscheiden, es bleibt nur die 
Schwierigkeit, dass dies letztere in den untersuchten ausgewachsenen Individuen stets ein poröses Apertur- 
schild besitzt, während die — allerdings viel kleineren — englischen und karnischen Exemplare eine einfache 
röhrenförmige Mündung besitzen!; wenn man daher mit Mörser die fraglichen Formen für jugendliche 
Windungen von Chrib. textulariforme ansieht, ist man zu der Annahme gezwungen, dass die Gestalt der 
Mündung im Laufe der individuellen Entwicklung wechseln kann. 


Bigenerina d’Orr. 


Diese Gattung unterscheidet sich von der vorhergehenden nur durch eine andere Anordnung der 
Endkammern: während bei Textularia die sämmtlichen Kammern zweireihig angeordnet sind, ist dies bei 
Bigenerina nur im älteren Theile der Schaale der Fall; in dem später gebildeten liegen die Kammern wie 
bei Nodosinella in einer Reihe übereinander. Die Mündung wird in diesem Theile bei den palaeozoischen 
Typen gewöhnlich 2 durch ein siebartig durchlöchertes Aperturschild gebildet, bei den geologisch jüngeren 
Formen zeigen dagegen nur sehr wenige diese Erscheinung, die Mehrzahl ist mit einer einfachen, gewöhnlich 
schlitzförmigen Mündung versehen. Die Schaalenstructur ist dieselbe wie bei den palaeozoischen Textularien. 


Hiernach umfasst die Gattung Bigenerina sowohl die Branr’sche Olimacammina” wie die mit Nodo- 
sinellen-ähnlichem Endtheil versehenen Formen von Cribrostomum MÖLLER. 


Zwei von den drei karnischen Arten liegen sowohl in isolirten Exemplaren wie in Schliffen vor und 
zeigen eine vortreffliche Erhaltung. Was ein besonderes Interesse bei ihnen bietet, ist die Structur der 
Schaale. Dieselbe entspricht vollkommen der Mörver’schen Darstellung: ein äusseres sandiges Gehäuse, das 
übrigens, nach der Widerstandsfähigkeit gegen Salzsäure zu urtheilen, aus kieseligem* Material besteht und 
eine innere kalkige, von feinen Poren durchzogene Schicht. Diese kalkige Schicht ist nun nach den An- 
schauungen SchwAcer’s die ursprüngliche: „Gerade bei diesen Formen tritt ausserdem meist besonders 
deutlich die Trennung der anfänglich rein kalkig abgesetzten fein- und dichtporigen Schaale auf, welche 


1 Dieselbe kann, wie die Abbildung Taf. XXIII, Fie. 11a zeigt, in diesem Falle nicht durch Schwund des Apertur- 
schildes entstanden- sein. (Vgl. Mörter ]. c. S. 42.) 

2 Die einzigen abweichenden Formen, die bis jetzt bekannt sind, sind die beiden weiter unten beschriebenen neuen Arten. 

3 Brapy, Monogr. Carb. and Perm. Foram. $. 67. Im Challenger-Bericht findet sich Climacammina, wie schon bei 
Textularia hervorgehoben wurde, richtig unter den Synonymen von Bigenerina, dagegen ist weiter unten (S. 369), bei der Fest- 
stellung des geologischen Alters, wohl durch ein Versehen angegeben, dass Bigenerina erst vom Eocän an auftritt. 

4 Nach MöLter ist bei den russischen Exemplaren auch die äussere Schicht vorwiegend aus kalkigem Trümmer- 
material aufgebaut. 


Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


[Ss] 
— 
oO 


erst bei der späteren Verdickung sandige Bestandtheile aufnimmt und damit einen agglutinirten, von weit 
weniger Poren durchsetzten Ueberzug erhält‘.“ Mörver ” hebt im Gegensatz hierzu die beständigere Ent- 
wicklung der sandigen Schicht hervor, welche sich nach ihm „etwas später“ entwickelte ®. Die letztere 
Ansicht wird durch den im Folgenden dargestellten Aufbau der karnischen Bigenerinen-Schalen bestätigt. 
Bei den zahlreichen Schnitten, welche untersucht wurden, zeigte sich nämlich überall die gleiche Er- 
scheinung: während die Stärke der sandigen Aussenwand im Wesentlichen die gleiche blieb, traten bei 
der kalkigen inneren Lage sehr wesentliche Veränderungen in der Entwicklung auf und zwar liess sich deut- 
lich eine gewisse Regelmässigkeit dabei beobachten. Man erkennt überall, dass die allerersten Kammern 
entweder ganz der kalkigen Schicht entbehren oder doch nur einen ganz schwachen Ueberzug aufweisen, 
der erst in den späteren Kammern dicker und dicker wird, um schliesslich in den Endkammern wieder 
abzunehmen und in der letzten wieder wie am Anfang nur als dünner Ueberzug zu erscheinen oder gar 
ganz zu verschwinden‘. Diese Thatsache lässt sich wohl kaum anders als in dem angedeuteten Sinne aus- 
legen: Das Thier baut sich zuerst durch Aufnahme von sandigem oder kalkigem Trümmermaterial ein agglu- 
tinirendes Gehäuse auf, welches bei fortschreitendem Wachsthum dnrch Abscheidung von Kalksubstanz von 
innen verstärkt wird. Dafür spricht das Fehlen der Kalkschicht in den ersten Kammern, vor Allem aber 
der noch unfertige Bau der Endkammern. Mag auch bei lebenden Formen eine äusserliche Aufnahme von 
sandigen Partikeln in die kalkige Schale festgestellt sein, bei den palaeozoischen Gehäusen haben wir es 
mit einer fortschreitenden Entwicklung zu thun, mit einer Umbildung der agglutinirenden Sandschaale in 
eine von Poren durchzogene Kalkschaale. 


Bigenerina elegans MÖLLER Sp. 
Taf. XXIV, Fig. 1—4. 


Cribrostomum elegans Möuter: M&m,. de l’Acad. Imp. St. Petersbourg, VII. Ser., Tome XXVII, Nr. V, S. 64, Taf. IV, 
Fig. 2—5 und Textfigur. 

Das Gehäuse besteht aus einem kurzen, gedrungenen zweireihigen Theile und dem sehr langen 
eylindrisch geformten Endtheile, welcher durch die einreihig angeordneten Kammern gebildet wird. 

Die Oberfläche ist an einigen Exemplaren mit deutlichen Längsstreifen versehen. 

Die Zahl der wechselständigen Kammern beträgt jederseits 4—5, diejenige der einfachen bei sehr 
grossen Individuen 6. 

Die gesammte Höhe des Gehäuses betrug bei den grössten Exemplaren 3,5 mm, wovon etwa zwei 
Drittel auf den zweiten Abschnitt der Schaale entfallen. Die Breite der letzten Kammer steigt bis auf 1,5 mm. 

Die Septen sind in dem zweireihigen Gehäuse ziemlich lang und erstrecken sich ungefähr bis zur 
Mitte der Schaale, in dem einfachen Abschnitt sind sie sehr kurz und nach unten zu umgebogen. 

Die Aperturschilder treten mit dem Beginn dieses Schaalentheiles auf, sie sind in den älteren , 


! In Rıca#tHoren, China, Bd. IV, S. 150. 

271..0.21879,,8.748: 

3 Ebenda, S. 45. 

* Vgl. Taf. XXIV, Fig. 1a. Uebrigens lässt sich das gleiche, wenn auch nicht mit solcher Deutlichkeit an den 
betr. Abbildungen von Mörter erkennen, s. z. B. Taf. VI, Fig. 2 und 5. 


Bigenerina Geyeri n. sp. 971 


Kammern desselben mit verhältnissmässig wenigen (vgl. Taf. XXIV, Fig. 1a), sehr unregelmässig gestal- 
teten und ebenso vertheilten Oeffnungen versehen, in den jüngeren steigt dagegen ihre Zahl erheblich 
Auch bei den Aperturschildern nimmt die kalkige Schicht an dem Aufbau wesentlichen Antheil, wie sich 
namentlich deutlich an einem Durchschnitt eines solchen Schildes aus den hellrothen Kalken des Trogkofel- 
Massivs beobachten liess. 

Die Dicke der Schaalenwand ist bei der sandigen Schicht eine sehr geringe und ändert sich im 
Laufe der individuellen Entwicklung nur wenig, wohingegen dies bei der kalkigen Lage, wie schon hervor- 
gehoben, in hohem Maasse der Fall ist. Während die sandige Schicht eine Stärke von höchstens 0,03 mm 
erreicht, wird die letztere über 0,1 mm dick. 

Die Poren sind von sehr geringem Durchmesser. 


Vorkommen: Schicht s des Auernigprofils. Ausserdem in den Geröllen des hellrothen Kalkes der 
Trogkofelmasse, die in der Nähe der Rattendorfer Alm gesammelt wurden. 


Beziehungen. Die vorliegende Form stimmt, wie die Beschreibung und die Abbildungen zeigen, 
völlig mit dem Mörter’schen Oribrostomum elegans überein, dagegen ist es mir nicht ganz sicher, ob nicht 
auch die von Brapy beschriebene Climacammina antigua” derselben Art angehört, in welchem Falle dem 
Brapy’schen Namen als dem älteren der Vorzug zu geben wäre. Doch weicht die äussere Gestalt der eng- 
lischen Foraminifere etwas ab und die Darstellung des Schaaleninneren bei Brapy ist zu ungenau, um eine 
Identifieirung vornehmen zu können. 


Bigenerina Geyeri n. sp. 
Taf. XXIII, Fig. 12 und 13. 


Ausser Bruchstücken besitze ich von dieser Art nur ein Exemplar, dessen vortreffliche Erhaltung 
aber eine genaue Bestimmung ebenso ermöglicht, wie der eigentliche Aufbau des Gehäuses. 

Dieses Gehäuse besteht in seinem unteren zweireihigen Theile aus der rundlichen Anfangskammer 
und etwa 6 weiteren Kammern auf jeder Seite, darüber folgen bei unserem Exemplar noch vier einreihige 
Endkammern. Die äussere Gestalt entspricht also dem Aufbau der meisten palaeozoischen Bigenerinen, von 
denen die karnische Form sich jedoch durch ein anderes Merkmal entfernt. Während nämlich bei allen bis 
Jetzt bekannten Bigenerinen des Palaeozoicums die Mündung — zum Mindesten im einreihigen Theil — durch 
ein perforirtes Aperturschild gebildet wird®, stellt die Mündung unserer Form* eine einfache runde Oeff- 
nung dar, welche sich von der ersten bis zur letzten Kammer verfolgen lässt’. 

Das schlanke Gehäuse des abgebildeten Exemplares hat eine Höhe von 2,4 mm und eine Breite 
von 0,5 mm. 

Die Schaale besteht aus den beiden besprochenen Schaalenschichten, von welchen die innere poröse 
meist stärker entwickelt ist. 


! Vgl. dagegen MöLtER, 1. c. S. 48. 

l. ce. S. 68, Taf. II, Fig. 1—9. Mötter bestreitet die Identität der russischen und der englischen Art, 

® Nach Mörrer überall schon von der 4. oder 5. Kammer an, soll aber in den älteren Kammern später aufgelöst werden. 
* Vgl. auch die nächstbeschriebene, specifisch nicht näher bestimmte Form. 

° Vgl. die Abbildung einer Endkammer, Taf. XXI, Fig. 13. 


to 


[50] 
— 
[50] 


Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Vorkommen: Selten in Schicht s am Auernig. 

Beziehungen. In der äusseren Gestalt der Schaale und in der starken Entwicklung des Textu- 
larien-Theiles nähert sich unsere Form dem Cribrostomum gracile Möruer!, aber neben anderem trennt 
sie die auch im ausgewachsenen Stadium einfache runde Mundöffnung von dieser Art ebenso wie von den 
übrigen ähnlich geformten palaeozoischen Bigenerinen ? und stellt sie an die Seite der tertiären und recenten 
Formen vom Aufbau der Dig. nodosaria d’ORB. 


Bigenerina sp. 
Taf XXI Biel. 


Der einzige Längsschnitt, welcher vorliegt, ermöglicht eine specifische Bestimmung nicht, der Aufbau 
ist im Wesentlichen derselbe wie bei der vorigen Art, jedoch sind die Dimensionen geringere: ebenso beträgt 
die Anzahl der zweireihigen Kammern nur vier jederseits und schliesslich ist auch die Schaalenwandung eine 
viel dünnere. Sie enthält die beiden vorerwähnten Schichten, die im mittleren Theile etwa gleich stark 
entwickelt sind. Ob diese Form daher als Abart der vorigen aufgefasst werden darf, ist zweifelhaft. Ich 
erwähne sie hauptsächlich wegen der eigenthümlichen Ausbildung der Mündung, welche die Abbildung auf 
Taf. XXIIL, Fig. 15 gut erkennen lässt. Diese Mündung besteht in einer kurzen, oben verengten Röhre, welche 
sich auf der centralen Oeffnung aufbaut, ähnlich wie bei manchen Nodosariden; eine Erscheinung, welche 
bisher nur bei jüngeren Textilariden beobachtet ist?. 

Die Höhe des Gehäuses betrug 1,24 mm, die Breite 0,48 mm bis 0,52 mm. 

Vorkommen: Geröll des Bombaschgrabens, in emem Gestein, das vorwiegend Fusulina tenwissima 
und Schwagerina princeps enthielt. 


Tetrataxis EHrgre. 


Die von EHRENBERG aufgestellte Gattung wird von Brapy entsprechend seiner früher dargelegten 
Ansicht* auch in seinem letzten grossen Werke über die Foraminiferen der Challenger-Expedition nicht 
als selbstständige Formengruppe aufgefasst, sondern bei der umfangreichen Gattung Valvulina untergebracht, 
obwohl MÖLLER? inzwischen die hierher gehörigen Formen vortrefflich dargestellt und ihre Trennung von 
Valvulina ausführlich begründet hatte. Wenn noch irgend ein Zweifel daran sein kann, dass wir es hier 
mit einer sehr eigenthümlichen, von Valvulina leicht zu scheidenden Formengruppe zu thun haben, welche 
anscheinend auf das Palaeozoicum beschränkt ist, so wird es durch die Betrachtung der alpinen Typen gänzlich 
beseitigt; die weiter unten beschriebenen Formen ergänzen das Bild der Gattung Tetrataxis wesentlich und 
rechtfertigen ihre Trennung von der monströsen Gattung Valvulina völlig, eine Scheidung, welche übrigens 


!]. c. S. 59, Taf, III, Fig. 4 und Textfigur. 

® Auch von der sonst sehr ähnlichen lebenden Big. obusta Brapy, die ebenfalls ein durchlöchertes Aperturschild besitzt. 
® Vgl. aber die Mündung der karnischen Text. textulariformis. 

* Palaeont. Society 1876, S. S1 ff. 

° Mem. St. Petersbourg 1879, S. 68 ff. 


Tetrataxis EHRBs. 973 


schon durch die ausgezeichnete Gattungsdiagnose Mörrer’s zur Genüge begründet war. Diese Diagnose ist 
auch nur in einem Punkte abzuändern, resp. zu ergänzen. Das Eigenthümliche in dem Aufbau von Tetra- 
taxwis besteht darin, dass die einzelnen, spiral angeordneten Kammern oder Segmente sich gegen einander 
völlig abschliessen, dagegen alle durch eine innere Oeffnung mit einem centralen Hohlraume in Verbindung 
stehen. ScHwAGER bestreitet zwar, dass stets ein solcher Centralraum vorhanden sei, ohne jedoch diese 
Behauptung irgendwie zu belegen‘; das Vorhandensein eines solchen Raumes erscheint auch nothwendig 
bedingt, wenn man nicht zu der merkwürdigen Annahme greifen will, dass nur die letzte Kammer des 
Gehäuses mit Sarkode erfüllt war, denn bei dem Fehlen eines centralen Hohlraumes würde die Sarkode- 
masse der früheren Kammern völlig abgeschnürt werden, da diese bis auf die inneren ÖOeffnungen ganz 
abgeschlossen sind, eine Communication durch Poren aber ist wenigstens bei den ausgewachsenen Exem- 
plaren in Folge der starken Aufnahme von Sandkörnern unwahrscheinlich. Ein Austreten von Pseudopodien 
durch die äussere Schaalenwand ist vollends unmöglich, da diese bei grösseren Individuen durch Sandauf- 
nahme ganz der Poren verlustig gehen. Dass der centrale Hohlraum von der aus den Kammern austretenden 
Sarkode (zeitweilig) erfüllt war, dafür spricht übrigens auch der Umstand, dass sich bei älteren Individuen 
häufig am Boden desselben? über den ersten Kammern ein blasiges Gewebe von Kammern beobachten lässt, 
welches vermuthlich nach einer im späteren Lebensstadium eintretenden Aufgabe der Anfangskammern aus- 
geschieden wurde. 

Die erwähnte Ergänzung der Möuter’schen Diagnose betrifft die Zahl der Segmente eines spiralen 
Umganges. Die Zahl dieser Segmente beträgt nämlich bei manchen Formen nicht 4 oder höchstens 5, wie 
MörtErR angiebt, sondern sie steigt in den letzten Umgängen bis auf 12. So wenig das Gehäuse in seiner 
äusseren Erscheinung durch diese Vermehrung der Segmente geändert wird, so ändert sich dadurch doch 
der Aufbau der Form erheblich, wie namentlich die Fig. 6 und 10 der Taf. XXIV erkennen lassen. 

Die Schaalenstructur ist nach MöLLer eine porös-kalkige, durch Aufnahme von Sand wird aber 
eine zweite innere Sandschicht in den Kammern abgelagert, so dass zwei deutlich getrennte Lagen vorhanden 
sind, während die nach aussen gekehrten Theile der Kammerwand häufig völlig mit Sand imprägnirt werden, 
so dass die Poren ganz verloren gehen. Dies stimmt im Wesentlichen mit den Beobachtungen an den 
karnischen Exemplaren überein, jedenfalls darin, dass die äusseren Kammerwände bei grösseren Individuen 
immer ganz dicht und sandig erschienen, bei den inneren Wandungen liessen sich zum Theil beide Schaalen- 
schichten beobachten, bei anderen dagegen erschienen diese Wände ganz durchsichtig und von Poren 
durchzogen‘. 

Auf manchen Exemplaren lässt sich eine zarte Radialsculptur auf der Aussenfläche beobachten. 


1 China, Bd. IV, S. 147: „Glücklich getroffene Durchschnitte haben mir gerade bei dieser Art gezeigt, wie die oben 
angeführte Central- oder, wie ich es nennen möchte, Nabelhöhlung, welche dadurch zu Stande kommt, dass die Kammern an 
der Unterseite nicht bis zum Centrum reichen, hier oft sehr stark entwickelt vorkommt, so dass die letzten Kammern nicht 
selten kaum zwei Dritttheile der Länge des Radius erreichen; doch ebenso gut scheint diese Höhlung auch ganz fehlen zu 
können, was jedenfalls gegen die systematische Verwendbarkeit dieses Merkmals spricht.“ 

2 Ich orientire hier das Gehäuse ebenso, wie man es bei den übrigen Textulariden gewohnt ist, d. h. mit der Mündung 
nach oben. 

3 Z.B. bei dem abgebildeten Exemplar Taf. XXIV, Fig. 5. Die Poren sind meist sehr undeutlich, an manchen Stellen 
in den jüngeren Kammern erscheinen sie als rundliche, ziemlich unregelmässige Oeffinungen in der Kammerwand. Wenn dies 
wirklich Poren sind, müssen sie demnach hier in schräger Richtung verlaufen. 

Palaeontographica. Bd. XLIY. 35 


974 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Nach der Ansicht Schuwacer’s! kommen Vertreter von Tefrataxis zwar in weiter Verbreitung, aber 
immer nur in geringer Individuenzahl vor, im karnischen Carbon sind sie dagegen so zahlreich vertreten, 
dass sich aus einem einzigen Gesteinsstück über hundert Exemplare herauslösen liessen. 


Tetrataxis maxima nov. sp. 
Taf. XXIV, Fig. 5—10. 


Die jugendlichen Schaalen dieser Art gleichen in ihrer äusseren Erscheinung völlig der bekannten 
Tetrataxis conica FHRBRG., während ausgewachsene Individuen sich leicht von der EHRENBERG@’schen Art 
trennen lassen. Aber auch die Jugendform ist unschwer von ihr zu unterscheiden, wenn man einen medianen 
Längsschnitt derselben betrachtet: er enthält auf dem gleichen Raume sehr viel weniger Kammern als Tef. 
conica, wie sich durch Vergleichung einiger Exemplare, die hier als Beispiele angeführt seinmögen, leicht ergiebt. 


Tetrataxis conica : 


Zahl der Kammern an einer Seite 


Durchmesser Bone (ohne die Anfangskammer) 
152 0,5 mm 0,37 mm 6 bezw. 7 
2. Ve OA 6 bezw. 7. 
38 LT. IL) 13 

Tetrataxis mazıma: 
Durchmesser Höhe Zahl der Kammern an einer Seite, 
(ohne die Anfangsskammer) 

ige 1.04 mm 0,72 mm Da 
2 Io ME 4 bezw. 5 
3 DET 1.0°,22,, 10 


Wie sich schon aus der geringen Zahl der in einer Reihe übereinander liegenden Kammern ergiebt, 
sind die einzelnen Umgänge verhältnissmässig hoch. Trotzdem haben die Kammern auch in den letzten 
Windungen keinen wesentlich grösseren Rauminhalt als bei 7et. conica, da jeder Umgang in eine viel 
grössere Anzahl von Kammern abgetheilt wird. Diese Vermehrung der Kammern tritt etwa mit dem 5. bis 
6. Umgange ein, vorher sind ebenso wie bei Tef. conica meist 4 Kammern in jeder Windung vorhanden, 
dann aber steigt ihre Zahl allmählig bis auf 12. Diese Kammern treten in den späteren Stadien weit aus- 
einander und lassen einen breiten centralen Hohlraum frei, in welchen die kurzen verengten Mündungen der 
Kammern von allen Seiten hineinragen. An den auf Taf. XXIV abgebildeten ganzen Exemplaren erkennt man 
bei den älteren Individuen leicht mehrere übereinander liegende Reihen von solchen Mündungen. Ebenso 


{ In RıcuTHoren, China, Bd. IV, S. 146. 
* Russische Exemplare. 

> Untercarbon von Cerna bei Krakau. 
Bombaschgraben. 

° Auernig, Schicht s. 


4 


Tetrataxis maxima var. depressa, 275 


lässt sich hier wie an dem Durchschnitt Fig. 5 beobachten, dass die Kammern der ersten Gewinde im Alter 
häufig von neu ausgeschiedenen, unregelmässigen Zellen bedeckt werden. 

Der Scheitelwinkel schwankt bei den einzelnen Individuen sehr erheblich, etwa zwischen S0° und 
115°, allmäblig zu der als var. depressa bezeichneten Abart hinüberleitend. 

Betreffs der Schaalenstructur gilt das oben bei Besprechung der Gattung Gesaste. 

Die Dimensionen der ausgewachsenen Exemplare sind sehr erheblich und gehen weit über das Maass 
der übrigen Tetrataxis-Arten hinaus, sie erreichen einen Durchmesser von 3.3 mm und eine Höhe von 
1,5 mm. 

Manche Exemplare lassen die erwähnte feine Radialsculptur deutlich erkennen. 

Vorkommen: Sehr häufig in Schicht s des Auernigprofils, ausserdem nur vereinzelt in den Geröllen 
des Bombaschgrabens mit Fusulina tenuissima und Schwagerina princeps. 

Beziehungen. Die Beziehungen der alpinen Form ergeben sich leicht aus dem oben durch- 
geführten Vergleich mit Tetr. conica. Es lassen sich hiernach bei Tetrataxis zwei Entwicklungsrichtungen 
erkennen: die eine, bei welcher die Tendenz hervortritt, zahlreiche Windungen zu bilden, und eine zweite, 
bei welcher die Zahl der Windungen trotz der Grösse der Formen gering bleibt, dagegen eine viel inten- 
sivere Segmentirung der Windungen eintritt. Der Typus der ersteren Gruppe wird durch Zetr. conica ! 
dargestellt und dahin gehören allem Anscheine nach die von Brapy beschriebenen Arten des englischen 
Untercarbons?, die zweite Gruppe dagegen findet ihre Vertreter bis jetzt nur in der alpinen Tetrataxis 
maxima und der mit ihr zusammen vorkommenden flachen Varietät. Uebrigens kommen vereinzelt auch 
seitlich verdrückte Individuen vor, wie sie ebenso bei Zefr. conica beobachtet und von Brapy als var. 
compressa beschrieben wurden, von MÖLLER aber mit Recht als verdrückte Exemplare gedeutet sind. 


Tetrataxis maxima var. depressa. 
1a SON, 19 Il. 


Extreme Formen dieser Varietät werden ganz flach, aber immer erkennt man, dass die allerersten 
Umgänge sich in der Form eines Kegels über der schwach geneigten oder ganz flachen Schaale erheben. 
Diese Varietät, welche übrigens durch zahlreiche Mittelglieder mit der Hauptform verbunden ist, unter- 
scheidet sich daher von dieser nur durch die verschiedenartige Richtung, in welcher die späteren Umgänge 
sich an die früheren anlegen. In den übrigen Merkmalen, vor Allem in der Zahl der Kammern. stimmt 
unsere Varietät völlig mit der typischen Tetratawis maxima überein. 

Vorkommen: zusammen mit der vorbeschriebenen Form. 

Beziehungen. Derartige flache Abarten scheinen bei der Gattung Tetrataxis öfter vorzukommen, 
wenigstens beschreibt Brapy unter dem Namen Valvulina decurrens? eine Tetratweis, welche zu Tetr. conica 
in demselben Verhältniss steht, wie unsere Varietät zu Tetr. mazxima. 


‘ In der Mörver’schen Auffassung, vgl. namentlich den Durchschnitt auf Taf. VII, Fig. 1 der citirten MÖöLLERr’- 
schen Arbeit. 

® Von der in Secundärkammern getheilten Yalv. Young: und der von Mörzer ebenfalls zu Teetrataxis gezogenen 
Valv. plicata sehe ich hier ganz ab. 

® 1. ce. S. 87, Taf. III, Fig. 17 und 18. 


9276 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Die verticale Verbreitung der Foraminiferen im karnischen Obercarbon; die 
Entwicklung und systematische Stellung der Fusulinen. 


Die Fauna des karnischen Obercarbons! enthält nach den obigen Beschreibungen fünfundzwanzig 
Foraminiferen-Formen, die nebenstehend noch einmal nach ihren Fundpunkten zusammengestellt sein mögen: 


Tl] n 
: E Uggowitzer | Neu- 
Auerni Krone | 2 | 8 = : 
5 | 23 | & |< |. Breeeie marktl. 
| | [7 Fe &n 
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allen | ea | 5 <= 15 are 2a | 
| = © 3 - Se EI © 2 
Hr = | E © [ee © B=) e|=s 
a | © ala || tes) Bea ner Ele 
2 oO E->} | [®) z 
ER. Ba | | 
Fusulina alpina n. Sp. var. anliua. . .». 2... +|- | -| —- | — | 
_ —_ — var. fragilis . — | -  +/1-| -|-|\- | +|- | — | — | BE 
| | | | 
_ — 0 van commumis . 2... | - | ++) - | +)? |) + a — | — 
—mnultiseptatann spe ee | ee 2 IE te je a [re] ER 
— complicata n. Sp. | — — | —-—|ı-|—- | —- | —- | 2 |9 
. | | | 
— u regulanesenusp»r De ee: | | | -—|i- | +1 ++ 
aan el ea. il || — 
— EEE YUSIUORD SD ES a. | ie I-Il-|—-|+|- | — I 
— ben UiSSUM EN Sp Er a | +1-| | +|-|-—- — || — 
Schwagerina fusulinoides n. BP. » » » 2 2... —|-|-| - | -|- | -| -| - |) +) +|— 
_ DrINGenSDEHRBG EN: Zelle | oje ||| se| ar) = | 
. . | | | | | | 
Husulimellanlaevisuna Sy-RE re | + +!1!-|-— I" | | — 
_ SEE N I RUE: -|-|-| -— |\-\- | - | - | - | —- | +|—-|— 
Endothyra af. Bowmani Pau. . . . 2... | - + +1 -|-|-— | Zi Ziele | )|- 
— ef para Möun a een ne Eee En ee 
Stacheia polytrematoides BRADY . . . 2... — | | + I Ste | | — | —-ı+ 
IEsammophiskinvyersusunvasp Pr -|- | +J- | -|- | -|- | - | — — | 
ang h | | | | 
Hemidiscus carnicus n. SP. © » 2. 2.0. —\ı-|\+|J+\|—- | - | —- ||| — | | | 
Textularia ct. Bradyi MöLL. sp 2: | al ala er a er ee ee + | = 
_ textulariformis MöLL, pP. . -» ... | +7 | |. 
Bigenerinw.elegans MöLL. sp 2 ne ul ar > + -|-|- | 
| | 
= GEYER V AD SP —-|-ı +1 -ı--|\-|-|- | | — —- || 
| | 
., ’o 377 er wa ILL Er N Er En 1 h Sen Se 7 ES I zer N a} en 
TetrataxisEmaLtIm ann. Sp er + | IS | | | 
= ZEVarfdenness an | -I|+!|-|-|-ı1+1|1-|-|- |- |. 


Aus den hier angeführten Fundpunkten ergiebt sich zum Theil von selbst der Horizont, in welchem 
die betreffende Form innerhalb der Schichtenfolge des karnischen Obercarbons vorkommt, zum andern Theile 
aber stammen die Exemplare aus Geröllen, so dass wir nur durch Vergleichung mit anstehendem Gestein 
hier einen Anhalt über das genauere geologische Alter der betreffenden Form erhalten können. Wenn wir 
versuchen, die verschiedenen Niveaux genauer zu bestimmen, stossen wir bei einigen der oben angegebenen 
Fundorte auf Schwierigkeiten, welche die Einreihung einstweilen unmöglich machen, dahin gehören die 


! Einschliesslich der gleichalterigen Schichten von Neumarktl in Oberkrain. 


Die verticale Verbreitung der Foraminiferen im karnischen Obercarbon. 


[So] 
| 
| 


Gerölle des Vogelbachgrabens und die losen Gesteinsstücke vom Rattendorfer Riegel, die allein Fusulina 
ineisa enthielten, ferner die schwarzen Kalkstücke aus der Uggowitzer Breccie mit Schwagerina fusulinoides 
und Fusulina pusilla‘ und schliesslich die Gesteine von Neumarktl, in welchen Fusulina complicata und 
Fus. tenuissima vorherrschen, Schwagerina princeps aber fehlt. Dagegen lässt sich bei den übrigen Fora- 
miniferen-führenden Gesteinen das gegenseitige Altersverhältniss mit ziemlicher Sicherheit festlegen. Am 
einfachsten ergiebt sich dies bei den Schichten des Auernig- und Kronenprofils, deren Altersbeziehungen 
schon im ersten Theil dieser Arbeit? dargelegt wurden, und ebenso dürfen wir die an der Rudniker Alm 
anstehenden hellrothen Kalke nach den Untersuchungen von GEYER ® ohne Weiteres in ein höheres Niveau 
stellen. Ebenso ist es nach den Arbeiten GevYEr’s in hohem Grade wahrscheinlich, dass die Uggowitzer 
Breceie ein Aequivalent der von ihm am Trogkofel beobachteten hochcarbonischen Breccie* ist und die in 
ihr enthaltenen Stücke heller oder dunkler gefärbten röthlichen Kalkes mit Fusulinen und Schwagerinen 
können wohl nur aus den unterlagernden, ebenso ausgebildeten Schichten entstammen, die ebenfalls jenem 
höchsten Niveau des karnischen Obercarbons angehören. Hierher dürfen wir wohl demnach mit einiger 
Sicherheit unsere röthlichen Gesteinsstücke aus der Uggowitzer Breccie rechnen. 

Aus dem Liegenden der eben genannten höchsten Schichten des Trogkofels erwähnte GEYEr fernerhin 
„diekbankige, graue, weissgeaderte Schwagerinenkalke“®. Ich glaube kaum falsch zu gehen, wenn ich diese 
Schichten als Ursprungsort der weiter unten im Geröll des Bombaschgraben von mir gesammelten Kalke 
mit Schwagerina princeps ansehe, da sie genau den angegebenen Habitus zeigen und sich im ganzen Pon- 
tafler Theile der karnischen Alpen kein ähnliches Gestein mit Schwagerina princeps gefunden hat. Ob die 
ebenso ausgebildeten Gesteine von Neumarktl, welche ebenfalls Schwagerina princeps führen, demselben 
Horizont angehören, mag zweifelhaft bleiben, da in ihnen die in den Geröllen des Bombaschgrabens so 
häufige Fusulina temuissima zu fehlen scheint. 

Wir werden hiernach, wenn wir die Entwicklung der Foraminiferen-Fauna betrachten wollen, zweck- 
mässig vier verschiedene Niveaux unterscheiden und zwar: 


1) Die tiefsten® Fusulinen-führenden Schichten, welche die Bänke 9g—n” des Auernigprofils und 
die ihnen entsprechenden gesammten Schichten des Kronenprofils, die hier in Betracht kommen 
können, umfassen ®. 


! Die betreffenden Stücke wurden von Herın Professor BENECKE gesammelt. 

® Palaeontographica Bd. XXXIX, S. 16. 

” G. Geyer, Ueber die geologischen Verhältnisse im Pontafler Abschnitt der karnischen Alpen. Jahrb. der k. k. geolog. 
Reichsanstalt 1896, Bd. 46, S. 127. Derselbe: Ueber die marinen Aequivalente der Permformation zwischen dem Gailthal und 
dem Kanalthal in Kärnten. Verhandlgn. der k. k. geolog. Reichsanstalt 1895, S. 3. 

*] c. Jahrbuch der Reichsanstalt, Bd. 46, S. 153. — ® Ebenda, S. 151. 

° In der geologischen Einleitung zu dem ersten Theile dieser Abhandlung (Palaentogr. Bd. XXXIX, S. 10) wird eine 
Schichtenfolge erwähnt, welche nach Geyer (Jahrbuch der k. k. Reichsanstalt, Bd. 46, S. 164) das Liegende des Kronenprofils 
darstellt. Hier wird von mir auch eine Bank von Fusulinenkalk angeführt, doch scheint die Bezeichnung eine irrige zu sein, 
da ich in den mitgebrachten Stücken keine Fusulinen habe constatiren können und auch Geyer anscheinend keine Fusulinen 
darin gefunden hat. — ? Aus Schicht p liegt Material nicht vor. 

® Bei den Foraminiferen des Kronenprofils fehlt ausser bei den Stücken aus der Conocardienschicht leider die 
genauere Fundortsbezeichnung, daher wurden die Horizonte g—n des Auernig hier mit den entsprechenden Kronenschichten, 
12—23, unter der obigen Bezeichnung zusammengefasst, bei der Betrachtung der Entwicklung der Fus. alpina wurden dagegen 
die Schichten des Auernig auseinandergehalten, da hier nach Schichten gesammeltes Material vorlag, und die Kronenschichten 
unberücksichtigt gelassen. 


278 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


2) Die Hauptfusulinenschicht, welche durch die fast nur aus Fusulinen und kleineren Foramini- 
feren bestehende Schicht s des Auernigprofils repräsentirt wird. 
3) Die dunkeln Schwagerinen-Kalke des Bombaschgrabens. 


4) Die höchsten Schichten des karnischen Carbons, welchen die röthlichen Kalke des Trogkofels ! 
und die ihnen entsprechenden Stücke der Uggowitzer Breccie angehören. 


Auf diese vier Niveaux vertheilen sich die beschriebenen Foraminiferen folgendermassen : 
1) Tiefste Fusulinen-führende Schichten: 

Fusulina alpina n. sp. var. antiqua”. 
— _ — var commumis. 
— tenuissima n. SP. 

Fusulinella laevis n. Sp. 

Endothyra aff. Bowmani PsiıtL. 
— cf. parva MöLn. 

Stacheia polytrematoides BRADY 

z Hemidiscus carnicus n. Sg. n. Sp. 


2) Haupt-Fusulinenschicht: 


Fusulina alpina n. sp. var. fragilis. 
— En — var. commumis. 
— multiseptata n. Sp. 
—  regularis n. Sp. 
— incisa n. SP. 
Fusulinella laevis n. Sp. 
Endothyra af. Bowmani BRADY 
— ef. parva MÖLL. 
Stacheia polytrematoides BRADY. 
Psammophis inversus n. Sg. n. Sp. 
Hemidiscus carnicus n. Sg. n. SP. 
Textularia textulariformis MöLL. Sp. 
Bigenerina elegans MÖLL. Sp. 
— Geyeri n. Sp. 
Tetrataxis mazxima n. Sp. 
— — — var. depressa. 


3) Dunkle Schwagerinen-Kalke: 


Fusulina alpina n. Sp. var. communis. 
— multiseptata n. Sp. 


' Hierher gehört auch der in der Tabelle angegebene Fundort: Rudniker Alm. 
? In Schicht g des Auernig findet sich nur diese Form. 


Die verticale Verbreitung der Foraminiferen im karnischen Obercarbon. 979 


- Fusulina tenwissima n. Sp. 
Schwagerina princeps EHRBG. 
Bigenerina sp. 
Tetratazxis maxima n. Sp. 
—_ —— — var. depressa. 


4) Höchste Schichten (= obere Troskofelschichten): 


Fusulina alpina n. sp. var. commumis ? 
—  regularis n. Sp. 
Schwagerina fusulinoides n. sp. 
— princeps EHRBG. 
Fusulinella sp. 
Bigenerina elegans MöLL. Sp. 


Wenn wir hiernach zunächst die Entwicklung der Fusulinen in den aufeinander folgenden Niveaux 
in's Auge fassen, so können wir nur bei einer Gruppe diese Entwicklung verfolgen, nämlich bei Fus. alpina 
mit ihren Varietäten, und der ihr nahestehenden Fus. multiseptata; auch Fus. complicata lässt sich wohl 
trotz des unsicheren Horizontes bier anfügen. Dagegen stehen Aus. regularis, Fus. ineisa, Fus. pusilla und 
noch mehr die eigenartige Fus. tenuissima ganz isolirt da und können nach dem vorliegenden Material 
weder unter sich, noch mit der Gruppe der Fus. alpina verbunden werden. Bei dieser letzteren hingegen 
finden wir schon in der tiefsten Fusulinenlage, der Schicht 9 des Auernig, eine Form, welche alle characte- 
ristischen Merkmale der Gruppe aufweist, Fusulina alpina var. antigua. Diese Merkmale bestehen im 
Wesentlichen in einer ausserordentlich weiten Aufrollung der Spirale und der sehr geringen Stärke der 
Septen. Die erwähnte Form tritt in der Schicht g als einziger Vertreter der Gruppe auf, aber schon in Schicht 7 
und den gleichalterigen Lagen der Krone findet sich die Abart, welche in der Hauptfusulinenschicht zur 
herrschenden wird, Fus. alpina var. commumis. Die letztere Varietät zeigt den einen Typus der Gruppe in noch 
stärkerer Entwicklung: die Spirale ist noch weiter gewunden als bei der geologisch älteren Form. Daneben 
findet sich aber ebenfalls in der Hauptfusulinenschicht eine zweite Abart, us. alpina var. fragilis, welche 
den andern Typus der Gruppe in der stärksten Entfaltung zeigt: die geringe Stärke der Septen, die hier 
so dünn werden, dass sie bei der Mehrzahl der Exemplare nur in mehr oder weniger zertrümmertem Zustande 
vorhanden sind, wohingegen die Einrollung dieser Abart ein wenig enger ist. Die hier angeführten geoloeisch 
Jüngeren Varietäten, von welchen wir die var. commumis bis in die dunkeln Schwagerinenkalke und vielleicht 
(vgl. 8. 246) sogar bis in die höchsten Lagen, die hellen Trogkofelkalke, verfolgen können, sind durch Ueber- 
gangsformen in Schicht / bis s, die sich mehr der Stammform anschliessen, eng mit dieser verbunden. Bei 
einer andern Art der Hauptfusulinenschicht wird die Spirale etwas enger und es tritt eine starke Vermehrung 
der Septen ein, aber auch diese, Fus. multiseptata, trägt im übrigen so sehr den Character der Gruppe, 
dass sie ebenfalls als ein jüngeres Glied derselben anzusehen ist. Eine geschlossene Reihe von Mittelformen 
lässt sich zwar nicht nachweisen, immerhin aber kommen bei Fus. alpina Formen vor, bei welchen die Septen 
in grösserer Zahl auftreten, als bei den typischen Exemplaren. us. multiseptata geht bis in die dunkeln 
Schwagerinenkalke hinauf. Die letzte Art, welche in enger Beziehung zu der Gruppe der Fus. alpina und 
vor Allem zu Fus. multiseptata steht, ist die durch die starke Einfaltung ihrer Septen characterisirte Fus. 


2380 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


complicata, leider ist aber einstweilen nicht möglich, diese Beziehungen näher zu ergründen, da das geo- 
logische Alter der Fus. complicata nicht genügend festgestellt ist. 

So lässt sich die Entwicklung der Fusulinen innerhalb des karnischen Schichtencomplexes wenigstens 
theilweise verfolgen, viel schwieriger und einstweilen ganz unmöglich wird es dagegen, wenn wir versuchen 
wollen, die verwandtschaftlichen Verhältnisse zu den Formen anderer Gebiete festzulegen und womöglich 
daraus einen Rückschluss auf das Alter der karnischen Carbonserie zu machen. Zwei Momente sind es 
vorwiegend, welche hier hindernd eingreifen. Das erstere beruht auf einer Erscheinung, welche bei den 
Fusulinen in viel stärkerem Maasse auftritt, als man es sonst bei den Foraminiferen gewohnt ist. Während 
die Mehrzahl der Foraminiferen-Arten, auch im Carbon, durch eine sehr weite horizontale Verbreitung ausge- 
zeichnet ist!, lässt sich bei den Fusulinen das Gegentheil beobachten. Die Verbreitung der Arten scheint auf 
einen verhältnissmässig kleinen Raum beschränkt und die locale oder wohl richtiger provinzielle Ausbildung 
der Formen erreicht einen wesentlichen Einfluss auf den Character der Fusulinen-Fauna. Das beste Beispiel 
bieten die indischen Formen aus der Salt-Range, die sämmtlich den gleichen Character tragen: merkwürdig 
langgestreckte Gehäuse mit kurzen Septen, ähnlich der russischen Zus. longissima, die zwar selbst dem 
indischen Carbon fehlt?, aber doch die nächste Verwandte derselben darstellt. Ebenso deutlich lässt sich 
diese provinzielle Ausbildung bei den amerikanischen Fusulinen erkennen® und ähnlich steht es mit den 
japanischen und chinesischen Typen, die sich allerdings ziemlich eng an die Sumatraner Formen anzu- 
schliessen scheinen. In Russland und den karnischen Alpen trägt die Fauna einen etwas mannigfaltigeren 
Character, aber auch hier ist es nicht gelungen, irgend welche ächte Fusulinen der beiden Gebiete mit- 
einander zu identificiren. Ganz anders liegen die Verhältnisse, wenn wir uns der Untergattung Schwagerina 
zuwenden: die mit deutlichem Basalskelett versehenen Formen, die gewöhnlich hierher gerechnet werden 
(vgl. 8. 238), sind allerdings bisher ebenfalls nur in dem erwähnten Gebiete von Japan und China 
resp. Sumatra nachgewiesen, aber andererseits bietet sich uns gerade unter den typischen Vertretern 
der Untergattung in Schwagerina princeps eine Form, welche sich mit kaum merklichen Abänderungen in 
Russland, den karnischen Alpen, in China und, wenn auch nicht mit völliger Sicherheit, auch in Persien * 
gefunden hat. 

Bei den ächten Fusulinen spielt dagegen die provinzielle Entwicklung eine wichtige Rolle und diese 
Thatsache erklärt es auch, dass unter den hier beschriebenen sieben Arten keine einzige mit einer aus 
anderen Gebieten beschriebenen identifieirt werden konnte. 


Man darf aber hierbei ein zweites Moment nicht ausser Acht lassen, dass nämlich gerade von den 
Fusulinen bis jetzt doch nur ein kleiner Theil der erhaltenen Typen genügend bekannt ist; so sind z. B. 
die ganzen Fusulinen des amerikanischen Carbons so gut wie unbekannt und selbst unter den verhältniss- 


1 Vgl. beispielsweise die Arten von Fusulinella, Endothyra, Tewtularia u. Ss. W. 

® Durch Vergleich der Scuwager’schen Originale mit der russischen Fus. longissima ergiebt sich eine ausgesprochene 
Verschiedenheit beider Formen. 

3 Die so oft citirte Fus. eylindrica kommt aller Wahrscheinlichkeit nach in Amerika gar nicht vor, die mir vorliegen- 
den ächten Fusulinen aus Jowa, Illinois, Indiana, Missouri und Nebraska gehören alle ein und derselben Gruppe an, doch 
stellen diese Formen nur einen kleinen Theil der amerikanischen Fusulinen dar. 

% Nach MÖLLER, Jahrb. der k. k. geolog. Reichsanstalt 1880, Bd. XXX, S. 577. 


Die verticale Verbreitung der Foraminiferen im karnischen Obercarbon. 981 


mässig so genau untersuchten russischen Formen sind, wie das mir vorliegende Material zeigt, nur einige 
besonders markante Typen als Arten herausgehoben worden". 

Während so der Vergleich der kleineren Formenkreise zu keinem sicheren Resultate führt, tritt 
doch die Entwicklung der grossen Gruppen deutlich heraus: die drei Untergattungen, welche wir eingangs 
unterschieden hatten, bilden eine deutlich erkennbare Entwicklungsreihe: von Fusulina s. str. leitet die 
hier aufgestellte Schwag. fusulinoides und weiterhin Schwag. fusiformis Kror. zu den typischen Schwagerinen 
hinüber, während andererseits die Sumatraform zu den mit deutlichem Basalskelett versehenen chinesischen 
und japanischen Formen (Möllerina) die Brücke bildet. 

Es bedarf noch einer kurzen Rechtfertigung der systematischen Eintheilung, welche zu Grunde gelegt 
wurde. Auch hier betrifft der wesentlichste Punkt die Fusulinen. Dieselben wurden den Zndothyridae 
zugewiesen, bei welchen zwei Unterfamilien, die Frusulininae und die Endothyrinae zu unterscheiden waren. 
Diese Eintheilung ist im Princip schon von Neumayr” befürwortet worden, aber wie die systematische Zu- 
sammenstellung am Schlusse seiner Arbeit zeigt, nicht weiter durchgeführt, was sich zur Genüge aus der 
herrschenden irrigen Auffassung über den Bau des Gehäuses der Fusulinen erklärt, die sich theils durch 
die Einkeilung der Septen (Fusulina, Schwagerina), theils durch das Vorhandensein von Kanälen (Hemi- 
fusulina, Fusulinella) von Endothyra weit entfernen sollten. Dagegen hat neuerdings REUMBLER in einem von 
ihm vorgeschlagenen System die oben angegebene Eintheilung® angewendet, welche in Uebereinstimmung mit 
der von NEUMAYR ausgesprochenen Vermuthung auf einer Abstammung der Fusulinen von Endothyra beruht. 
Neue Gründe für diese Ableitung und die darauf basirte systematische Eintheilung giebt Ruumsrer nicht 
an; ebenso sind Uebergangsformen zwischen beiden Gruppen noch nicht mit Sicherheit nachgewiesen. Wenn 
ich trotzdem die in Rede stehende Eintheilung zu Grunde lege, so geschieht es, weil die hier dargelegten 
Organisationsverhältnisse der Fusulininen sie der Gattung Endothyra erheblich näher rücken. 

Von den in Frage kommenden Einzelheiten im Schalenaufbau der Fusulininen seien hier noch einmal 
kurz die wichtigsten Punkte hervorgehoben. 

1) Die Septalbildung der Fusulinen erfolgt nicht durch Einkeilung, sondern ebenso wie bei Fusu- 
linella und Endothyra durch eine einfache Umbiegung der Kammerwand. 

2) Kanäle kommen bei den Fusulinen nicht vor; was Möuuer und andere bei Fusulinella und Hemi- 
fusulina als solche angesehen haben, bildet in der That den eigentlichen Körper des durch Umbiegung ent- 
standenen Septums (vgl. S. 260). Die Gattung Hemifusulina, welche sich durch nichts von Fusulina unter- 
scheidet, ist daher zu streichen‘. 


! Der Vergleich wird übrigens auch dadurch erschwert, dass bei der sonst so vortrefflichen Mörzer’schen Arbeit einige 
sehr erhebliche Irrthümer vorgekommen sind, so ergab sich z. B. bei der Durchsicht der Originale im Petersburger Bersinstitut, 
dass sowohl bei Fus. Vernewli wie bei Fus. montipara je 2 Septen als eins gezeichnet sind, so dass die Zahl derselben zu 
verdoppeln ist, wodurch natürlich eine ganz andere Form entsteht. 

® Stämme des Thierreichs, S. 192, vgl. dazu die Tabelle S. 198, sodann: Sitzungsber. der Acad. der Wiss. Wien, 
math.-naturw. Classe, 1887, Bd. XCV, Abth. I, S. 186. 

3 Die betreffende Arbeit von RuuusgLer (Nachrichten der k. Ges. der Wiss., Göttingen 1395, Heft I) kam mir erst 
zu Gesicht, als ich die erwähnte Eintheilung, genau in der gleichen Form, schon niedergeschrieben hatte. 

* Bei der Untersuchung der Mörrter’schen Originale ergab sich hier dasselbe Resultat wie bei Fusulinella, die als 
Kanäle gedeuteten Stellen entsprachen den eigentlichen Septen, welche allerdings an manchen Stellen zerstört zu sein schienen, 
während die dunkleren als Septen gezeichneten Parthien sich als Verdickungen herausstellten, in anderen Fällen wurde der Anschein, 
dass Kanäle zwischen den Septen vorhanden seien, durch den tiefen Ansatz des neuen Septums hervorgerufen, wobei die Ränder 
etwas dunkler erscheinen. 

Palaeontographica. Bd. XLIV. 36 


282 Ernst Schellwien, die Fauna des karnischen Fusulinenkalks. 


Im übrigen entspricht die hier angewendete Eintheilung den yon Neumayr zuerst aufgestellten 
Grundsätzen, bezw. dem von RHUMBLER vorgeschlagenen System. Die Arbeiten NeumAarr's auf diesem 
Gebiete! sind von den Palaeontogen fast gar nicht berücksichtigt worden und haben beispielsweise auf die 
Darstellung der Foraminiferen in den palaeontologischen Lehrbüchern gar keinen Einfluss ausgeübt. Dagegen 
haben die Nrumayr’schen Anschauungen bei den Zoologen viel mehr Anerkennung gefunden. Das beweisen 
vor Allem die ausgezeichneten Abhandlungen von RuumBLer?, der durch eigene Beobachtungen im 
Wesentlichen auf denselben Weg geführt wurde, den NEUMAYR vor ihm eingeschlagen. Und dieser Weg 
führt uns zu weit befriedigenderen Resultaten, als die in der Palaeontologie übliche Eintheilung nach der 
Schaalenstructur oder die von Brany vorgeschlagene Zerlegung in eine Reihe von theilweise recht heterogen 
zusammengesetzten Familien, welche in keine Beziehungen zu einander gebracht werden. Die Bedeutung 
der beiden mehrfach ceitirten NeumAyr'schen Arbeiten beruht aber keineswegs bloss in dem meisterhaften 
Ueberblick über die vielgestaltige Abtheilung der Foraminiferen, sondern ebenso in der gründlichen Unter- 
suchung einzelner Formen, deren Resultate in jenen Abhandlungen niedergelegt sind. Dies tritt besonders 
bei den palaeozoischen Typen zu Tage, bei deren weiterer Untersuchung die zahlreichen Beobachtungen 
und Anregungen Neumayr's ein wichtiges Material bilden müssen. 


! Die natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse der schaalentragenden Foraminiferen. Sitzungsber. der Acad. der Wiss. 
Wien, math.-phys. Classe, Bd. XCV, I, 1887, S. 156 und: Die Stämme des Thierreichs, I, 1889, S. 158. 

” Ausser in kleineren Mittheilungen und Referaten besonders in: Entwurf eines natürlichen Systems der Thalamo- 
phoren. Nachrichten der k. Ges. der Wiss. zu Göttingen, mathem.-phys. Classe, 1895, Heft I, S. 15. 


Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 


Von 


Dr. Franz Bauer. 


Einleitung. 


Das palaeontologische Staatsmuseum in München besitzt ein im Jahr 1894 im lithographischen 
Schiefer Solnhofens aufgefundenes Exemplar eines Ichthyosauriers, sowie eine prachtvolle Schwanzflosse 
derselben Art, die mir von Herrn Geheimrath Dr. v. ZırteL zur Bearbeitung anvertraut wurden. 

Da diese Stücke ganz unerwartete osteologisch und systematisch wichtige Details darbieten und 
andererseits in engster Beziehung zu den bereits vorhandenen und von Wagner beschriebenen Funden 
stehen, und da ferner, wie bereits Fraas bemerkte, die Systematik der Weissjura-Ichthyosaurier eine sehr 
verworrene ist, so ergab es sich von selbst, dass bei der ungenauen und vielfach unrichtigen Beschreibung 
der früheren Funde durch A. WAGNER die Arbeit sich auch auf diese ausdehnen musste. 

E. Fraas war es, der auf die Verwandtschaft der bayrischen Arten mit Ophthalmosaurus SEELEY 
hinwies und als entscheidendes Merkmal hiefür die Beschaffenheit des clavicularen Gürtels und der Flossen 
bezeichnete; ebenso hatte LYDERKER bereits eine theilweise Synonymie englischer und Kelheimer Arten 
konstatirt. 

Aus diesen Gründen mussten auch diese Beziehungen näher untersucht und erörtert werden. 

Zweck und Aufgabe der vorliegenden Arbeit musste es demnach sein: 

I. die Beschreibungen A. Wacner’s richtig zu stellen und zu ergänzen (pag. 284—300); 
II. die neuen Funde einer eingehenden Untersuchung zu unterstellen, da sie gerade in den wichtig- 
sten Punkten werthvolle Aufschlüsse bieten (pag. 300—317); 
III. durch Vergleichung des gesammten bayrischen Materials mit den gleichalterigen englischen und 
französischen Funden die Beziehungen der aufgestellten Arten zu prüfen und ihre systematische 
Stellung klarzulegen (pag. 317—327). 

Es drängt mich, an dieser Stelle meinem hochverehrten Lehrer, Herrn Geheimrath v. ZITTEL, 
meinen Dank auszusprechen nicht nur für die gütige Ueberlassung des Materials, sondern mehr noch für 
die anregenden Winke, die er mir gerade in Deutung der wichtigsten Skelettheile in so zuvorkommender 
und liebenswürdiger Weise zu Theil werden liess. 

Als Resultat meiner Arbeit glaube ich das erwiesen zu haben, was schon im Handbuche der Palaeon- 
tologie ausgesprochen ist, nämlich dass die bisherigen Funde von Ichthyosauriern aus dem weissen Jura 
sich unter das alte Genus Ichthyosaurus unterbringen lassen und dass die Aufstellung neuer mit Möxosaurus 
Baur und Ichthyosaurus‘ KoenıG gleichwerthiger Genera nicht aufrecht zu halten ist. 


984 Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 


Die erste Erwähnung des Vorkommens von Ichthyosauriern im weissen Jura finden wir bei QuEx- 
stepr (Petrefaktenkunde 1852 pag. 129), welcher ein Fossil „mit Polygonalknochen in den Finnen und 
damenbrettförmigen Wirbelkörpern“ aufführt, das sich in der Sammlung des Landarztes HÄBERLEIN zu 
Pappenheim befinde. 

Desselben Stückes gedenkt er ferner in einem Aufsatze „über Gaviale und Ichthyosauren des 
schwäbischen Jura“ (Neues Jahrbuch für Mineralogie ete. 1855 pag. 428). 

Durch Quexstepr’s Bemerkungen ward auch A. WaAcner auf das HäÄpertein’sche Exemplar auf- 
merksam und machte davon in einem Vortrage in der Sitzung der kgl. bayrischen Akademie der Wissen- 
schaften vorübergehend Mitteilung, ohne indess eine nähere Beschreibung zu geben (Gelehrte Anzeigen 
XXXVI Nr. 3). 

Erwähnt wird dasselbe noch in seiner 1858 erschienenen „Geschichte der Urwelt“ (Bd. II. pag. 450), 
beschrieben aber erst 1861 in den Abhandlungen der bayrischen Akademie der Wissenschaften, math.- 
physik. Classe (Bd. IX. pag. 119 und tab. VD). Daselbst wurden abgebildet der Abdruck eines Wirbels, 
ein Theil des Skleroticaringes, 7 Zähne, die beiden Schulterblätter mit dem Rabenschnabelbein, sowie der 
Oberarm und einige Rippenfragmente. Die beiden letzteren deutete er indess irrigerweise als Basisphenoid 
und dessen schwertförmigen Fortsatz als Praesphenoid; ausserdem sind noch gegen hundert Polygonal- 
täfelchen der Vorderflosse wiedergegeben. Fast sämmtliche Abbildungen sind jedoch ungenau, so dass sie 
kein gutes Bild des Originals zu geben vermögen, wie dies H. v. Meyer schon, namentlich mit Bezug auf 
die Zähne, erklärte (Palaeontographica Bd. XI. pag. 223). Von späteren Bemerkungen über das gedachte 
Exemplar, welches von WAGNER zu der von ihm 1852 aufgestellten Art „Ichthyosaurus leptospondylus“ ge- 
stellt wurde, sei noch erwähnt: 

Zırten, Handbuch der Palaeontologie, Bd. III. pag. 471, sowie der bezügliche Abschnitt bei Fraas, 
die Ichthyosaurier der süddeutschen Trias und Juraablagerungen, 1891, pag. 74. Es befindet sich gegen- 
wärtig in der Münchener palaeontologischen Staatssammlung. 

Im nämlichen Jahre, da Quenstepr das Hägertein’sche Exemplar erwähnte, beschrieb A. WAGNER 
einen Zahn aus dem Diceraskalke von Kelheim und begründete auf demselben die Species „Ichthyosaurus 
posthumus“. Die Beschreibung findet sich in den Abhandlungen der bayrischen Akademie der Wissen- 
schaften 1850—1852. Bd. VI. pag. 702 und tab. IV. Fig. 4 und 5. cf. Zırren, ]. c. III. pag. 470 und 
Fraas, ]. c. pag. 73. Das Original befindet sich ebenfalls in der Münchener Staatssam mlung. 

1852 gab A. Wagner Nachricht von Ichthyosaurierresten aus dem lithographischen Schiefer von 
Kehlheim, dem sog. ÖBERNDORFER’schen Exemplar, und begründete darauf die Species des „Ichthyosaurus 
leptospondylus WAGNER“ (Gelehrte Anzeigen XXXVI, Nr. 3. pag. 25). 

Er beschreibt einige Schädelbruchstücke, sechs Zähne, ein Schulterblatt, einige Wirbel und Rippen. 
Die Beschreibung umfasst zwar die vorhandenen Knochenreste in ziemlicher Vollständigkeit; gleichwohl sind 
— wie später gezeigt werden soll — ein paar Beobachtungsfehler gemacht worden; auch dürfte die Ein- 
lässlichkeit ziemlich vermisst werden. 

Abbildungen wurden hiezu nicht gegeben; nur zwei Zähne werden anderenorts abgebildet (Abhand- 
lungen der bayr. Akademie der Wissenschaften, Bd. VII. pag. 264 und tab. Ill. Fig. 14 und 15). 


Qu 


Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 28 


E. Fraas stellt dieses Stück, auf welchem — wie erwähnt — die Species „Ichthyosaurus lepto- 
spondylus“ errichtet wurde, zu Ichthyosaurus posthumus auf Grund der Zähne. 

Das Exemplar befindet sich gleichfalls in der Münchener Staatssammlung. 

Ebenda findet sich noch ein Zahn aus dem weissen Jura von Mörnsheim (Fraas, l. c. tab. XI. 
Fig. 18), sowie zwei Zähne aus dem oberen weissen Jura von Kelheim, welche von Frass ebenfalls zu 
Ichthyosaurus posthumus gestellt werden. 

1863 beschrieb Hermann v. Meyer (Palaeontographica Bd. XI. pag. 222 und tab. XXIII) ein 
Schädelbruchstück aus dem lithographischen Schiefer von Eichstätt und stellte es — allerdings wegen Un- 
genauigkeit der Wagxer’schen Abbildungen fraglicherweise — zu Ichthyosaurus leptospondylus Wacn. ?; 
er gab von dem Schädel sowohl als von den Zähnen genaue Abbildungen. 

Fraas rechnet auch diesen Fund auf Grund der Zähne zu Ichthyosaurus posthumus, so dass für die 
Species Ichthyosaurus leptospondylus nur das eine, 1861 von Wagner beschriebene und aus der HÄBERLEIN- 
schen Sammlung stammende Exemplar übrig bleibt. 

Das H. v. Meyer’sche Exemplar befindet sich im British Museum zu London (Catalogue of the 
fossil Reptilia and Amphibia in the British Museum, part II. by R. Lyverker. London 1889. pag. 31). 

Zu den bisher aufgeführten Funden kommt noch das 1594 auf dem Maxbruch bei Solnhofen auf- 
gefundene Exemplar, das als das best erhaltene bezeichnet werden muss, weniger mit Bezug auf den all- 
gemeinen Habitus, als vielmehr wegen der Menge genauer osteologischer Einzelheiten, die es bietet, so dass 
auf Grund dieses neuen Beobachtungsmaterials die früheren Beschreibungen ergänzt werden können und eine 
sichere specifische Umgrenzung der Weissjura-Ichthyosaurier ermöglicht wird. 

Es erscheint dies um so mehr wünschenswerth, als die Wagxer’schen Arbeiten vielfache Ungenauig- 
keiten in Beschreibung und Abbildungen und manche Fehler in der Deutung der einzelnen Theile — wie 
die Folge zeigen wird — aufweisen. Sodann liegt aber auch der Gedanke nahe, die neuen Aufstellungen 
FraAs’ an der Hand des reichlich vermehrten Materials zu berücksichtigen. 

Kommt der letztgenannte Forscher doch selbst zu dem Resultate, dass sich „aus den bisherigen 
dürftigen Ueberresten keine sicheren Schlüsse über die systematische Stellung der Weissjura-Ichthyosaurier 
ziehen lassen“ (l. c. pag. 74). 

Um eine Uebersicht über vorstehend kurz erwähnte Funde und deren Systematisirung zu geben, 
mögen dieselben tabellarisch unter Berücksichtigung der zeitlichen Aufeinanderfolge kurz aufgeführt werden. 
Dabei sollen keine Berücksichtigung zwei dünne Schieferplatten finden, welche in der hiesigen Staatssamm- 
lung aufbewahrt werden, aber keinerlei Interesse verdienen, indem die eine derselben — aus dem litho- 
graphischen Schiefer von Kelheim stammend — Rippenfragmente und zerbrochene Wirbel aufweist, die 
andere — von Solnhofen — Polygonaltäfelchen in buntem, regellosem Durcheinander enthält, ohne dass 
eine von beiden irgend welche wichtigere Aufschlüsse zu bieten geeignet wäre. 


1852  Ichthyosaurus posthumus WAGNER. 
Zahn aus dem Diceraskalk Kelheims. 

1853 Ichthyosaurus leptospondylus WAGNER. — I. posthumus Fraas. 
ÖBERNDORFER’Sches Exemplar. 

1861 ZI. leptospondylus WAGNER. 
HäÄBErtEıIn’sches Exemplar- 


2386 Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 


1863 1. leptospondylus WAGNER ?. — I. posthumus FrRaAas. 
H. v. Meyer’sches Exemplar. 
1894 I. posthumus WAGNER. 
Neuer Fund. 
? fi I. posthumus Fraas. 
Zähne von Mörnsheim und Kelheim. 


Wie aus vorstehender Zusammenstellung ersichtlich ist, stellt E. Fraas alles, was sich an Ichthyo- 
saurierresten im lithographischen Schiefer von Kelheim, Solnhofen und Eichstätt bis jetzt vorfand, zur 
Species des Ichthyosaurus posthumus, mit einziger Ausnahme des HÄBERLEIN’'schen Exemplares. Da seine 
Begründung lediglich auf Form und Ausbildung der Zähne basiert, so sind vor Allem die Angaben hierüber 
zusammenzustellen und sodann zu untersuchen, inwieweit die Species Ichthyosaurus leptospondylus auszu- 
dehnen bezw. einzuschränken ist, oder ob sie überhaupt aufrecht erhalten werden kann. 


Wagner gibt von dem Ichthyosaurus posthumus folgende Beschreibung: „Der Zahn ist, zumal gegen 
die Spitze hin, gekrümmt; die eigentliche Krone stellt einen sehr kurzen, merklich gekrümmten, im Umfange 
rundlichen, schwarzgefärbten Kegel dar, der seiner Länge nach mit ziemlich feinen, geraden, sehr zahlreichen 
Längsrippen besetzt ist. Die gerippte Krone setzt plötzlich ab und legt sich mit ihrem unteren Rande über 
den glatten, glänzenden Ring, der sie vom Wurzeltheile trennt, über welchen letzterer mit seinem unteren 
Ende hinübergreift. Schon an ihm wird der seitliche Durchmesser von aussen nach innen grösser, als der 
von vorn nach hinten d. h. nach der Richtung der Zahnkrümmung gehende. Noch mehr ist dies am Wurzel- 
theile der Fall, der unterhalb des Ringes in seiner Breite schnell anschwillt, dann in dieser fast bis zum 
Ende anhält, während er an Dicke abwärts immer mehr abnimmt. Seine ganze Oberfläche ist der Länge 
nach unregelmässig und fein gefurcht. Seine Vorderfläche von der hinteren durch eine stumpfe Längs- 
kante geschieden.“ (Abhandlungen der bayr. Akademie der Wissensch. 1852. Bd. VI. pag. 703.) 


Vom ÖBERNDORFER’schen Exemplare sagt er: „Der mit Schmelz belegte Kronentheil ist der Länge 
nach regelmässig und deutlich gefurcht. Der Wurzeltheil ist durch unregelmässige und unterbrochene Längs- 
furchen mehr grubig ausgehöhlt.“ (Gelehrte Anzeigen Bd. XXXVI. 1851. pag. 29.) 

H. v. Meyer hebt hervor, dass „die rund kegelförmige, schwach gekrümmte, gut beschmelzte Krone 
gewöhnlich deutlich gestreift ist, aber auch ganz glatt sein kann.“ (Palaeontographica Bd. XI. pag. 225.) 

Von den Zähnen des HÄgerzem’schen Exemplares bemerkt WAGNER, dass sie „von geringer Grösse, 
höchstens 61/2” lang, dabei etwas gekrümmt, am Wurzeltheile stark gefurcht, an der Krone fast ganz glatt, 
nur einige mit sehr feinen Längsstreifen“ versehen seien. (Abhandl. der bayr. Akademie der Wissensch. 
Bd. IX. pag. 120.) 

Dagegen notirt Fraas: „Die Zähne sind klein, scharf gekrümmt und mit grosser, aber vollständig 
glatter Zahnkrone versehen; die Zahnwurzel, wie der ganze Zahn, ist bedeutend schlanker als bei Ichthyo- 
saurus posthumus“ (l. ec. pag. 74). 

Eine Vergleichung der Angaben Wacner’s über den isolirten Zahn aus den Diceraskalken und die 
Zähne des ÖBERNDORFER’schen Exemplares zeigt, dass die Beschreibung des letzteren ungenau ist, dass aber 
die angegebenen Merkmale nichts weniger als eine Artverschiedenheit zu begründen vermögen, im Gegen- 
theile in der Hauptsache vollkommen im Einklang stehen. Unbedenklich würden wir dasselbe auch mit 


Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 987 


Bezug auf die H. v. Meyer’schen Exemplare zu sagen berechtigt sein, würden nicht seine Angaben über 
das Vorhandensein auch ganz glatter Zahnkronen eine gewisse Zurückhaltung des Urtheils nahe legen. 

Hält man aber die zuletzt aufgeführten Bemerkungen über ein und dasselbe HÄBErreım’sche Exem- 
plar einander gegenüber, so springt sofort in die Augen, dass bei widersprechender Beschreibung von einer 
Seite Beobachtungsfehler gemacht sein müssen. Fraas spricht von „vollständig glatten Zahnkronen“, während 
WAGNER „einige Zähne mit feinen Längsstreifen versehen“ sein lässt und damit das Exemplar dem von 
H. v. Mxryer beschriebenen nahe rückt. 

Da weiterhin aus dem Gesagten feststeht, dass bei ein und demselben Exemplare (H. v. Merer’- 
schen nach dessen Angaben und Abbildungen; HäBErreın’schen nach Combination der Wacner’schen und 
Fraas’schen Notizen) gerippte bezw. gestreifte Kronentheile sowohl als ganz glatte zu beobachten sind, so 
ist vor allem diese Thatsache näher zu beleuchten. 

KiIPrRIJAnoFF, welcher über Zähne und deren Structur und Bildungsverhältnisse die ausgedehntesten 
Untersuchungen gemacht hat, stellt die Behauptung auf, „dass bei jungen Zähnen die Krone aus Dentin- 
schichten bestehe, die mit Schmelzschichten bedeckt sind, deren Rippen noch nicht vollständig ausgebildet“. 
Diese auf reiches empirisches Beweismaterial gestützte Aufstellung findet denn auch ihre Bestätigung durch 
die Beschaffenheit der Zähne an dem Hägerreis’schen Exemplare, das wir nach den Gesammtgrössenverhält- 
nissen als ein junges Tier zu bezeichnen genöthigt sind, und ist im Stande, die, trotz des nicht umfang- 
reichen Materials, in der Literatur entstandene Verwirrung zu heben. 

Denn nach dem Vergleiche mit dem Original sind die Angaben Wacner’s und Fra4As’ miteinander 
zu combiniren, indem die Kronen bei einigen Zähnen glatt, bei anderen dagegen mit deutlichen Längs- 
streifen versehen sind, ganz so wie es H. v. Meyer angibt. Zwei von mir angefertigte Querschliffe lassen 
die Furchen bei ganz kleinen Exemplaren bereits 0,003 bezw. 0,002 m unter der Spitze deutlichst erkennen. 


Wo dies — wie an einem 0,008 m langen Zahne — äusserlich noch nicht hervortritt, heben sich die Rippen- 
anlagen doch schon durch dunkle, bräunliche Tönung von den dazwischen gelegenen Furchenfeldern ab. 
„Ging ja — nach Kıpkisanorr ]. c. pag. 60 — die Bildung der Schmelzschicht von dem schwachen Cement 


aus, und zwar in Form von Rippen, die sich allmählig von oben herabsenkten, während die Furchen zwischen 
denselben später durch neu entstandene Schmelztheile ausgefüllt wurden.“ 

Diese Zusammengehörigkeit erscheint noch mehr begründet, wenn man die Grössenverhältnisse ins 
Auge fasst. Das Hägerrein’sche Exemplar erreichte eine Länge von ungefähr 1,50 m, während das zu dem 
Zahne aus den Diceraskalken gehörige Thier wohl 3—4 mal so lang war. Dass bei einer so gewaltigen 
Grössendifferenz dieselben Merkmale und Eigenschaften in ihrer bezüglichen Ausbildung innerhalb gewisser 
Grenzen auch Abweichungen aufweisen werden, ist wohl selbstverständlich. Lässt man aber diese Thatsache 
der verschiedenartigen Gestaltung je nach den verschiedenen Altersstufen völlig unberücksichtigt, so sieht 
man sich wohl genöthigt, junge und alte Thiere derselben Species auseinander zu reissen und unter ganz 
verschiedene Arten zu subsumiren. 

Dasselbe ist man gezwungen zu thun, falls man in Anbetracht des raschen Zahnwechsels gerade bei 
unseren Thieren die verschiedenen simultan auftretenden Entwickelungsphasen ausser Acht lässt, indem ganz 
junge und halbausgebildete in bunter Abwechslung mit alten vorhanden sein können, ja wo selbst nach der 
Stellung im Kiefer die Maass- und Entwickelungsverhältnisse von Krone und Wurzel die manniefaltigste 
Abwechslung aufweisen. 


288 Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura, 


Unter Berücksichtigung alles dessen muss wohl vom Hägervem’'schen Exemplar dasselbe gelten, 
was H. v. Meyer von den Zähnen des von ihm beschriebenen und mit Recht von Fraas zu Ichthyosaurus 
posthumus gestellten Exemplare sagt: „dass die gut beschmelzte Krone gewöhnlich deutlich gestreift, aber 
auch ganz glatt sein kann.“ (Palaeontographica Bd. XI. pag. 225.) 

Immerhin steht soviel fest, dass ein mehr oder weniger in der Ausbildung eines Merkmals keinen 
specifischen, haltbaren Unterschied zu begründen im Stande ist — Plus vel minus non specificat! 


Nach dem Vorgange Fraas’ stelle ich daher nicht nur das OBErNnDorFEr’sche Exemplar zur Art 
des Ichthyosaurus posthumus, das ihm nach Grösse und Ausbildung am nächsten steht, sondern auf Grund 
der eben geschilderten Verhältnisse auch das HÄperreiv’sche. 

H. v. Meyer hat „über die Identität der Species wegen Ungenauigkeit der Abbildungen bei WAGNER“ 
nichts sicheres — wie er selbst sagt — entnehmen können und desshalb die Richtigkeit seiner Bestimmung 
offen gelassen. Fraas hat denn auch mit vollem Rechte das fragliche Exemplar zu Ichthyosaurus posthumus 
gestellt und hätte konsequenterweise dasselbe auch mit dem Hägerzeiv’schen Stücke thun müssen. 


Fügen wir dem noch hinzu, dass das neu aufgefundene und unten näher zu beschreibende Exemplar 
ebenfalls die Merkmale der Art des Ichthyosaurus posthumus in Bezug auf die Zähne aufweist, so dürfte 
als feststehend anzunehmen sein, dass sämmtliche bisher im weissen Jura Bayerns aufgefundenen Ichthyo- 
saurierreste unter einer Species zu begreifen sind, welcher unter Wahrung der Priorität der Name 


Ichthyosaurus posthumus WAGNER 


beizulegen ist und die — wie sich am Schlusse der Arbeit zeigen wird — als synonym mit Ichthyo- 
saurus trigonus OwEN zu betrachten ist. Im Anschlusse hieran mögen die mikroskopisch-anatomischen 
Verhältnisse der Zähne eingehender erörtert werden, während in Bezug auf Grössenverhältnisse, Stellung 
der Zähne in den Kieferknochen und Zahnwechsel auf das im Vorhergehenden Gesagte, sowie auf die bezüg- 
lichen Angaben bei Beschreibung der einzelnen Theile verwiesen sein mag. 

Der Zahn zerfällt im ausgewachsenen Zustande in deutlich unterschiedene drei Theile: Krone, Hals 
und Wurzel. 


An der Bildung derselben nehmen gleichfalls drei verschiedenartige und leicht zu trennende Sub- 
stanzen Theil: Schmelz, Dentin und Cement oder Osteodentin. 


Von einem Kronencement, wie ihn R. Owen und PAnper (De dentium structura. Dissertat. inaug. 
St. Petersburg 1856) angeben, konnte ich gleich Fraas an meinen Präparaten nichts wahrnehmen; die 
Angaben Kırrisanorr’s hierüber sollen weiter unten Berücksichtigung finden. 


Der Schmelz legt sich von der Spitze des Zahnes aus über das Dentin und besteht aus doppelt- 
brechender Substanz, welche aus einzelnen Prismen gebildet wird, deren Längsachsen senkrecht zur Zahn- 
oberfläche gestellt sind. Nach aussen und innen ist er in scharfen Linien abgegrenzt. 

In unregelmässiger Weise ist er von geradlinig verlaufenden Querrissen durchsetzt, welche sich zum 
Theil bis ins Dentin erstrecken. Sie sind rein mechanischen Ursprungs, theilweise hohl, zum Theil aber 


von dem später eingedrungenen Nebengestein ausgefüllt worden, das an einigen Stellen meiner Querschliffe 
äusserlich noch angelagert ist. 


Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 989 


Seine bedeutendste Dicke erreicht der Zahnschmelz an der Spitze, wo er eine glatte Oberfläche 
besitzt, die indess bald regelmässige Faltung zeigt, indem sie sich der Faltung des darunter gelegenen 
Dentins anschliesst. 

Als eine Alterserscheinung muss es angesehen werden, was Koken von Ichthyosaurus hildesiensis 
anführt, dass nämlich die stärkeren Rippen ihrerseits 2—4 unregelmässige Längsstreifen tragen, die durch 
ihre dunklere Färbung im Relief gar nicht oder kaum merklich hervortreten, sowie dass der ganze Schmelz 
— mit Ausnahme der Spitze — fein höckerig granuliert sei. Diese Erscheinungen treten an dem ältesten 
Zahne von Ichthyosaurus posthumus aus dem Diceraskalke Kelheims deutlich hervor. (Siehe Zeitschrift der 
deutschen geolog. Gesellschaft 1883. Bd. 35. pag. 773.) 

Die Schmelzrippen sind gegen den meist etwas eingeschnürten Halstheil scharf abgesetzt, indem an 
dieser Stelle auch die darunter liegenden Dentinfalten in kurzen Ausläufen endigen. 

KıIPrIJANoFF gibt nun an, dass „der Zahnhals d. h. derjenige Theil, durch welchen der Zahn im 
Gaumen befestigt ist, nie mit Schmelz überzogen sei, sondern ganz aus Dentin bestehe, welches von einer 
dünnen Cementschicht bedeckt sei, in der jedoch keine Knochenzellen vorhanden sein sollen“. 1. ec. pag. 47 u. 54. 

Im Gegensatze hiezu setzt an Ichthyosaurus posthumus der Schmelz sich auch über den Zahnhals 
fort, wobei er eine glatte Oberfläche besitzt. Beim Beginne der Wurzel wird er vom Cemente bedeckt, 
unter welchem er dem Verlaufe des Zahnbeines oder Dentins folgend sich allmählig und unregelmässig aus- 
keilt. Diese Verhältnisse treten an einer Serie von Präparaten deutlich zu Tage, wobei der Schmelz wegen 
des Vermögens der Doppeltbrechung in seinem Verlaufe leicht nachgewiesen werden konnte. 

Unterhalb der dicken Schmelzlage der Zahnspitze beginnt das Dentin, welches sich bald in ober- 
flächlich verlaufende Falten legt und damit auch die Rippung und Furchung des Schmelzes verursacht. Die 
Dentinrippen verschwinden kurz nach Beginn des glatten Zahnhalses. Im Innern des Dentins liegt die 
ziemlich grosse Pulpahöhle, welche sich in einem dünnen Kanälchen bis nahe an die Zahnspitze fortsetzt. 

Nach unten wird es vom Cemente aufgenommen und erreicht somit nicht jenen Umfang, wie wir 
ihn an liassischen Arten wahrnehmen; auch fehlt hier die dort durch Einfaltung des Dentins erzielte eigen- 
thümliche labyrinthische Structur. 

Das Dentin setzt sich aus feinen radial verlaufenden dünnwandigen Kanälchen zusammen, welche 
sich nach aussen mehrfach verzweigen, dabei immer enger werden und schliesslich in einer körnig aussehenden 
Interglobularsubstanz endigen. Ein Eindringen dieser Kanälchen in den Schmelz konnte ich nicht beöbachten. 
Das Dentin zeigt — auch am Schmelze tritt dies, wenn auch weniger deutlich, hervor — concentrisch 
schaalige Anwachsstreifen, 

Die dritte an der Zusammensetzung des Zahnes betheiligte Substanz ist das Cement, welches die 
Wurzel der Hauptsache nach bildet und aufbaut. Es beginnt, wie wir oben gesehen haben, am unteren 
Ende des glatten Halses und erweitert sich von da an rasch nach unten, indem es bauchig anschwillt, jedoch 
verläuft es nicht gleichmässig, sondern wird von aussen nach innen zu etwas eingeengt, so dass die Form 
der Wurzel subquadratisch wird. 

An der Aussenseite ist es glatt, an seiner unteren Endigung dagegen besitzt es eine rauhe Ober- 
fläche — ein Umstand, der vielleicht auf eine synostotische Verbindung mit der Zahnrinne hinweist. 


Nach innen springt das Wurzelcement unregelmässig kegelförmig in die Pulpahöhle vor und endigt 
Palaeontographica. Bd. XLIYV. 37 


390 Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 


nicht, wie Fraas angibt — 1. c. tab. XI. Fig. 22 — bei Beginn derselben. Ueberhaupt gibt diese Abbildung 
ein unrichtiges Bild von der Vertheilung des Cements und Dentins, da es von einem nach unten noch nicht 
geschlossenen Zahne genommen ist. Auch Hurke gibt von Ichthyosaurus enthekiodon dieses Vorspringen 
des Cements in die Pulpahöhle an (The base of the .cavity contains a small plug of osteodentin. Quart. 
Journal 1871. Bd. 27. pag. 440.). (Siehe Taf. XXVI. Fig. 27.) 

Nach PAnper ist an dem äusseren Rande des Schmelzes eine Schicht regelmässig verbundener Zellen 
sichtbar, welche sich an der Cementbildung betheiligen. Kıprısanorr nimmt nun an, dass diese „Kronen- 
cement“ genannte Substanz durch die Querrisse des Schmelzes in das Dentin eindringt und dasselbe zerstört, 
wobei die von ihm abgebildeten, stark schematisirten Verästelungen im Dentin entstehen sollen. (cf. Kıprı- 
JANOFF, ]. c. pag. 5l und tab. IV. Fig. 2—5 und 10.) 

Nun wurde aber bereits hervorgehoben, dass an unseren Zähnen von einem Kronencement nichts 
beobachtet wird, während andererseits u. d. M. bei schwacher Vergrösserung dieselben dendritischen Bil- 
dungen beobachtet werden. Andererseits bieten meine Querschliffe durch den Hals eines Zahnes, welche 
von Voısr und HocHszsang in Göttingen angefertigt wurden, u. d. M. bei starker Vergrösserung dasselbe 
Bild, welches Kıprısanorr (Th. I. tab. V. Fig. 1 und 2) gibt. Wir sehen den Verlauf der Dentinkanälchen 
mit ihren feinen Endigungen, die Interglobularsubstanz und eine kleine Parthie von Zahnschmelz. Der übrige 
Theil des Schmelzes fehlt; seine Stelle wird eingenommen von theils im Querschnitte, theils im Längsschnitte 
getroffenen breiten wurmförmig verlaufenden Kanälen, deren Durchmesser bedeutend grösser ist als jener der 
Dentinkanälchen. KiPrRIsAnorrF bezeichnet sie als „Reihen verlängerter primärer Zellen, die in Kanälchen 
und Kalk- oder Dentinröhrchen übergehen, wo auch ihre Wandungen und ihr kalkiger Inhalt zu sehen ist“. 


Dementsprechend lässt er in den erwähnten Abbildungen einen Theil dieser wurmförmigen Röhren 
in die viel engeren zarten Dentinkanälchen verlaufen, während ein anderer Theil blind endigt, wieder andere 
im Querschnitt getroffen sind. Letztere spricht er theils als Haversische Kanäle, theils als Odonto- bezw. 
Östeoblasten an. 

Diese Deutungen, sowie die darauf gegründeten Ausführungen über die Entstehung der Zähne müssen 
jedoch als unrichtig bezeichnet werden; denn wir haben es hier nicht mit primären Bildungen zu thun, 
sondern mit secundären Krankheitserscheinungen, welche das Produkt kalkfressender Algen sind. 

Dass dem wirklich so ist, geht aus meinen Schliffen deutlich hervor (Taf. XXVI. Fig. 25—31), wo 
diese wurmförmigen Durchbohrungen des Schmelzes und Dentins nicht nur an der Grenze des Schmelzes, 
sondern von der Spitze bis zum Wurzelcement beobachtet werden. An manchen Stellen ist der Schmelz 
dadurch vollständig zerstört, während er an anderen erhalten geblieben ist. Daraus ferner, dass an den 
Kiprisanorr' schen Präparaten diese Algen besonders in der Gegend des Zahnhalses auftreten, erklärt sich 
auch die Angabe, der Halstheil entbehre des Schmelzes. Denn die Th. I. Taf. V. Fig. 1 und 2 abge- 
bildeten Schliffe gehen durch den Th. I. Taf. II. Fig. 4 a und b abgebildeten Zahn bezw. den Hals desselben. 

Aehnliche Gebilde wurden namentlich in den Schaalen von Acephalen und Gastropoden von WEDL, 
LAGERHEIM u. a. nachgewiesen und auf parasitische, den Conferven angehörige Algen zurückgeführt (WEDL); 
LAGERHEIM begründete darauf ein neues Genus „Mastigocoleus“, welches er in die Ordnung der Phycochro- 
maceen stellte. 


Roux beobachtete dieselben Erscheinungen in Knochen und Knorpeln von Fischen und Sauriern der 


Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 991 


verschiedensten Formationen (Muschelkalk-Pliocaen) und erklärte sie als Mycelfäden von Pilzen, welchen er 
den Namen „Miycelites ossifragus“ beilegte. 

Es liegt indess nicht im Sinne dieser Arbeit, diesen Fragen näher zu treten, und es mag genügen, 
hier auf ihre Gleichartigkeit mit den eben erwähnten Bildungen hingewiesen zu haben. !) 


Nachdem wir durch Betrachtung der Zähne bereits eines der „wichtigsten Kennzeichen zur Species- 
bestimmung“ als bei sämmtlichen Exemplaren übereinstimmend gefunden haben, wird es nunmehr Aufgabe 
des Folgenden sein, sowohl durch eingehende Untersuchung des alten, aber vielfach mangelhaft bearbeiteten 
Materials, als durch Beschreibung des neuen Fundes die Art des Ichthyosaurus posthumus genau zu um- 
grenzen. „Sind ja, wie THEoDoRL richtig bemerkt, zur Unterscheidung der Species die bemerkbaren Unter- 
schiede eines einzelnen Theiles nicht von solcher Wichtigkeit wie eine Anzahl solcher in Verbindung stehender 
Unterschiede, zumal da bisweilen ganze Schädel und Zähne zu einer solchen Bestimmung nicht hinreichend 
sind.“ (Bei KIPRIJANorFF, ]. c. pag. 6.) 

. Am besten mag auch hierin die historische Reihenfolge eingehalten werden, wobei zuerst das OBERN- 
DORFER’Sche und HÄBErtEIN sche Exemplar zu betrachten und schliesslich zur Beschreibung des neuen Soln- 
hofer Stückes überzugehen ist. _ 

Das H. v. Meyer’sche Exemplar kann hiebei füglich übergangen werden, da es einerseits nur wenige 
Details zeigt und andererseits bereits eingehendst beschrieben wurde. Wenden wir uns zunächst zur Betrach- 
tung des von A. Wagner (Gelehrte Anzeigen Bd. XXXVI, Nr. 3 pag. 25. cf. Abhandlungen der bayr. Akad. 
der Wissenschaften Bd. VII. pag. 264 und tab. III. Fig. 14 und 15) im Jahre 1852 beschriebenen 


Oberndorfer’schen Exemplares. 


Es wurde bereits in der Einleitung hervorgehoben, dass auf diesem Funde aus dem lithographischen 
Schiefer von Kelheim die Species „Ichthyosaurus leptospondylus“ errichtet wurde. Diese Aufstellung wurde 
bereits von Eb. Fraas (l. ce. pag. 73) umgestossen, und WaGner konnte sich lediglich durch die Grössen- 
unterschiede der Zähne dazu verleiten lassen, eine neue Art auf diesem Funde zu basiren. 

Von den Schädelknochen macht WAsner eine kurze Erwähnung, ohne sie indess näher zu beschreiben, 
wesswegen dies hier, soweit es der Erhaltungszustand gestattet, geschehen soll. 

Das Intermaxillare (Taf. XXV. Fig. 1) ist in einer Länge von 0,144 m erhalten und hat eine 
Breite von 0,0155—0,019 m. Dabei steht die hintere Alveolarseite um 0,0040—0,0057 m über die vordere 
vor und zeigt deutlich elliptisch grubige Einbuchtungen, zur Aufnahme der einzelnen Zähne beziehungsweise 
Zahnwurzeln. 


1) Vergl. Zeitschrift für wissenschaftl. Zoologie 1887. Bd. 45. (W. Roux, Ueber eine im Knochen 
lebende Gruppe von Fadenpilzen — Mycelites ossifragus.) Notarisia, commentarium phycologicum. Anno 
1. Aprile 1886. Nr. 2. G. Lacerneım, Note sur le Mastigocoleus, nouveau genre des algues marines 
de l’ordre des Phycochromacees. 

Sitzungsberichte der kais. Akad. der Wiss., math.-naturwiss. Classe. 1858. Bd. 33. Nr. 28. 
Prof. Dr. C. Wepr, Ueber die Bedeutung der in den Schaalen von manchen Acephalen und 
Gasteropoden vorkommenden Kanäle. 


292 Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 


Da nur der vordere Theil dieser vorspringenden Leiste erhalten ist, lassen sich nur sechs solcher 
Einsenkungen wahrnehmen, welche regelmässig aufeinander folgen und auf eine gedrängt stehende Bezahnung 
schliessen lassen. 

Korn (Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft Bd. 35. 1883. pag. 739) hat dieses Vor- 
stehen der inneren Zahnleisten am rechten Unterkieferaste von „Ichthyosaurus polyptychodon n. sp.“ beob- 
achtet, wenn auch nicht in der typischen Weise, wie an vorliegendem Stücke. 

KIPRIJANOFF (]. c. pag. 62 und Th. I. tab. VI. Fig. 1A, 2A und, 4A) gibt auch das Vorhandensein 
von Alveolen bezw. dazwischenliegenden Septen an, die jedoch am Oberkiefer „kaum zu unterscheiden sind“, 
während sie am Unterkiefer deutlicher hervortreten. 

Die von hinten nach vorne verlaufende Gefässlängsrinne setzt sich nach vorne (nach KIPRIJANOFF’S 
Angaben zwischen dem 13. und 12. Zahne, cf. 1. ec. Fig. 1 B und 2 B) in spaltenförmigen bezw. grubigen 
Eintiefungen fort. 

Unter dieser linken Praemaxilla ragt die rechte zerbrochene vor. Vom Unterkiefer sind zwei 
Bestandtheile erhalten geblieben in einer Länge von 0,15 m. 

Nach Copz (on the homologies of some of the cranial bones of the reptilia ete. Natural history 
pag. 194 und Abb. pag. 200) sind sie als Angulare und Supraangulare zu deuten. 

Das Angulare (Taf. XXV. Fig. 2) ist ein starker, kräftig gebauter Rinnenknochen, der nach hinten 
sich etwas verbreitert und sich über das (darunterliegende) Supraangulare legt. Ungefähr 0,055 m vor 
seiner hinteren Endigung greift er mit einem dünnen Knochenblatte über das Supraangulare über. 

Auf der Innenseite sendet das Winkelbein einen dinnen 0,013 m hohen Fortsatz nach oben. In 
die hiedurch sich bildende Vertiefung wird das Ueberwinkelbein aufgenommen, welches in seinem Verlaufe 
an Breite zunimmt und an seinem hinteren Ende sich schuppenförmig auskeilt. 

Auf der Aussenseite sind zwei Gefässöffnungen, deren vordere in eine kurze (0,02 m), breite 
(0,005 m) Rinne ausgezogen ist. Die von Kıprısanorr (l.c. Th. 1. tab. IX. Fig. 1) gegebene Reconstruction 
gibt auf den Querschnitten 2—5 den inneren Fortsatz des Winkelbeins, der an unserem natürlichen Quer- 
schnitte beobachtet wird, nicht an. Gerade durch das Ineinandergreifen der beiden kräftigen Knochen aber 
wurde eine grosse Festigkeit des Unterkiefers erzeugt und seine Widerstandsfähigkeit bei den gewaltigen 
Kaubewegungen des Thieres um ein Bedeutendes gesteigert. 

Unterhalb des Kieferastes liegt noch ein dünner lamellarer Knochen, der ein deutliches Ossifications- 
centrum besitzt. Er erreicht, den Abdruck des abgebrochenen Stückes miteinbezogen, eine Länge von ca. 
0,095 m, eine vordere Breite von 0,015 m, eine mittlere von 0,024 m und eine hintere von 0,011 m. 
WAGner macht davon — wie auch von Angulare und Supraangulare — keinerlei Erwähnung. Die Deutung 
desselben bietet aber seiner isolirten Lage halber einige Schwierigkeiten. Zwei Dinge erleichtern indess 
diese Aufgabe — einesmals der Umstand, dass er nach den bisher an Ichthyosauriern zu beobachtenden 
Formen lediglich dem Unterkiefer angehören kann, und zweitens, dass er auf der Innenseite desselben 
befestigt gewesen sein muss. Unterkiefer und Oberkiefer sind nämlich bei der Fossilisation gewaltsam aus- 
einandergerissen worden und haben eine Drehung von 90 ° von innen nach aussen erfahren, wobei ein so 
dünner plattiger Knochen wie der vorliegende nach Auflösung der ligamentösen Theile leicht weggespült 
werden konnte. 

Da aber von den Unterkiefenknochen nur Spleniale Owzx (Opereulaire Cuvıer) und Complementare 


Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 393 


CuvIer (Coronoid Owen) in Frage kommen, andererseits das Spleniale — wie wir am Hägerrrıv’schen Exem- 
plare sehen werden — ein dünner langgestreckter Knochen ist, muss das fragliche Stück wohl als Com- 
plementare oder Schliessbein (Taf. XXV. Fig. 3) bezw. Coronoid angesprochen werden. 

Hawsıns und Cuvier geben in ihren Abbildungen das Aequivalent des Knochens an und bringen 
ihn zu Dentale, Spleniale und Supraangulare in Beziehung. !) 

WAGNER erwähnt ferner noch das eine Postorbitale, welches eine Höhe von 0,06 m hat und einen 
Schluss auf die nicht unbedeutende Grösse des Auges gestattet. 


Von den Skleroticaplatten haben sich mehrere erhalten; sie haben die gewöhnliche Form und 
erreichen eine Höhe von 0,035 m. 


Besonderes Interesse beansprucht ein Schädelknochen, welchen WAcxer richtig als Quadratbein 
(Taf. XXV. Fig. 4) deutete und mit Ichthyosaurus tenwirostris in Verbindung bringt. Es ist ein flacher, ohr- 
förmig gestalteter Knochen, 0,055 m hoch; an der Stelle der grössten Breite misst er ca. 0,040 m, an der 
Stelle der Einschnürung 0,028 m. Ebenda zeigt er eine bedeutende Verdickung, hinter welcher sich eine 
grubenförmige Eintiefung befindet. Von den an Ichthyosaurus quadriscissus (Fraas 1. c. tab. V. Fig. 5), 
crassicostatus (Münchener Sammlung) und tenwirostris (Banzer, Localsammlung) beobachteten unterscheidet 
sich unser Exemplar durch die weniger verdickte untere Gelenkfläche, die weniger tief eingeschnittene Bucht 
für das ovale Foramen opticum, sowie die breitere Entwickelung des oberen Theiles. 

Dadurch gewinnen wir ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber den liassischen Arten. 


Von Zähnen haben sich sechs erhalten; von zweien derselben hat WAGNER sehr schlechte Ab- 
bildungen gegeben (Abhandlungen der bayr. Akad. der Wissensch. Bd. VII. tab. II. Fig. 14 u. 15). Er 
findet sie für klein im Verhältniss zur Stärke und Breite der Kinnladen. Dieses anscheinende Missverhält- 
niss erklärt sich jedoch daraus, dass WAGNER das gequetschte und vorstehende Stück der rechten Praemaxilla 
noch als zur Zahnrinne der linken Oberkieferhälfte gehörig betrachtete, was jedoch nach unserer oben 
gegebenen Auseinandersetzung falsch ist. Ueberdem stimmen die Breiten der Alveolen genau mit der Breite 
der darunter gelegenen Zähne. 


Ihre Grösse schwankt zwischen 0,012 und 0,019 m. Durch den Gesteinsdruck sind sie sehr gepresst 
worden, wodurch auch die an ein paar gut erhaltenen Stücken deutlich zu sehende Krümmung etwas gelitten 
hat; ein Umstand, der A. WAcner mit veranlasst haben mag, sie von Ichthyosaurus posthumus zu trennen. 
Die Zahnkrone ist 0,004—0,01 m lang, deutlich gekrümmt und kräftig berippt. Die Schmelzrippen ver- 
laufen unregelmässig gegen die glatte Spitze hin, während sie gegen den Zahnhals scharf absetzen bezw. 
unter das Dentin des Halses tauchen. 

Die Länge desselben schwankt zwischen 0,003 und 0,006 m; er ist glänzend und an den nicht 
gedrückten Exemplaren in der Mitte etwas aufgewölbt bezw. oben und unten eingeschnürt. Auch die an 
Ichthyosaurus posthumus auftretenden Farbentönungen lassen sich beobachten. 

Der Wurzeltheil ist nach unten zu konisch erweitert; er zeigt keinerlei Rippung und Furchung, 


1) cf. Anatom. Anzeiger 1895. Bd. XI. Nr. 13. G. Baur, Ueber die Morphologie des Unterkiefers 
der Reptilien, pag. 410 ft. 
Cuvıer, Recherches sur les ossements fossiles. Atlas II. Paris 1836. Pl. 257. Fig. 15 u. 16. 
Hawxıns, Memoirs of Ichthyosauri and Plesiosauri. London 1834. Plate 2. Fig. 1. 


294 Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 


sondern ist glatt. Da jedoch das Cementgewebe der Wurzel lockerer und spongiöser ist als am Halse, so 
erscheint dieselbe mit schwammigen, unregelmässigen Rissen bedeckt. 

Nach unten zu schliesst die Wurzel nicht glatt ab, sondern zeigt eine unregelmässige Endfläche, mit 
der sie zweifellos in Verbindung mit dem Zahnbeine stand und zwar nicht bloss häutig, sondern synostotisch. 

Der Querschnitt bietet nichts wesentlich Neues: er zeigt die starke Beschmelzung, sowie die sich 
ihm anschliessende Furchung des Dentins. Die Pulpahöhle ist rundlich und reicht, in einer dünnen Röhre 
sich fortsetzend, bis nahe unter die Spitze. An einem von mir angefertigten Präparate hat diese Rinne 
elliptische Gestalt, was als Folge der starken Pressung zu bezeichnen ist, da der Zahn nahezu plattgedrückt 
war. Dementsprechend sind auch die Anwachszonen des Dentins elliptisch ausgebildet. Hier ist, auch bereits 
an dem kleinsten Zahne eine Aushöhlung bemerkbar, welche von dem Eindringen des Ersatzzahnes herrührt. 
Krone, Hals und Wurzel zeigen hier überdies ungefähr die gleiche Längenerstreckung. 

Die Wirbelkörper (Taf. XXV. Fig. 5) zeigen eine flach-scheibenförmige Gestalt, deren Höhe zwischen 
0,025—0,029 m, deren Dicke bezw. Länge zwischen 0,006—0,011 m schwankt. Die Form der Wirbel- 
körper ist rundlich oval und oben durch den sehr breiten Neuralkanal abgeplattet. Die Diapophysen sind 
von den Ansatzstellen für die Neuralbogen noch nicht abgetrennt, sondern mit ihm zu einem kuppigen 
Vorsprunge vereinigt. Durch eine seitliche Einbuchtung von ihnen getrennt liegen die Parapophysen, welche, 
soweit es sich beobachten lässt, randständig liegen. 

Die Wirbel, von denen nur einer diese Contouren deutlich zeist, nähern sich dadurch sehr den von 
SEELEY zu dem Genus Ophthalmosaurus gestellten (cf. LYDERKER, Catalogue of the fossil reptilia and am- 
phibia ete. part. II. Fig. 7). 

Die Rippen zeigen deutliche Längsfurchen, sowie Capitulum und Tuberceulum zur gelenkigen Ver- 
bindung mit Di- und Parapophyse der Wirbelkörper. Wasser scheint diese Eigenthümlichkeit übersehen 
zu haben. 

Von dem Extremitätengürtel ist lediglich das Schulterblatt (Scapula) erhalten geblieben, dessen 
oberer und unterer Theil jedoch verletzt ist. Das Stück zeigt die typischen Formen — ein beiderseits 
verbreiterter Knochen, der gegen die Mitte zu sich verjüngt, auf der einen Seite geradlinig, auf der anderen 
dagegen etwas gebogen verläuft. Länge, sowie proximale und distale Breite können leider nicht an- 
gegeben werden. 

Ausser einigen Flossentäfelchen und mehreren Bauchrippen ist an dem Stücke weiter nichts zu beobachten. 

So gering diese Reste auch sind, so sind sie doch im Stande, uns ein Bild des Thieres in groben 
Umrissen zu geben. 

Vor allem fällt die vorwiegend kräftige Ausbildung des Unterkiefers gegenüber dem Intermaxillare 
auf. Diese Theile, sowie die nahe bei einander liegenden Alveolenvertiefungen weisen auf ein Thier mit 
starker, langgezogener, reich bezahnter Schnauze hin. 

Die Grösse der Skleroticaplatten, sowie des Postorbitale lassen einen hohen, ziemlich steil ansteigen- 
den Gesichtsschädel vermuthen, dessen Augenhöhlen fast ganz mit dem Skleroticapflaster erfüllt waren. 

Das gut erhaltene hohe Quadratbein deutet einen gewaltigen Hinterschädel an. 

Wirbel und Rippen legen ferner nahe, dass wir es mit einem mittelgrossen, nicht alten Thiere zu 
thun haben, das wohl etwas grösser wie das HäsBeruerw’sche Exemplar gewesen sein mag, zu dessen 
Beschreibung ich jetzt übergehen will. 


Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 395 


Zuvor möge hier noch kurze Erwähnung finden eine dünne Platte aus dem Kelheimer litho- 
graphischen Schiefer, welche ein buntes Durcheinander von Knochenresten aufweist. Zum grossen Theile 
besteht es aus ächten und Bauch-Rippen. Ebenso befindet sich auf der Platte etwa ein Dutzend Wirbel von 
der Form am ÖBERDORFF’schen Exemplare, sowie zahlreiche Bruchstücke der oberen Bogen und Dorn- 
fortsätze, welch letztere mit den am Hägerveiv’schen Exemplare beobachteten in seitlicher Ansicht sowohl 
wie im Querschnitte übereinstimmen; namentlich ist das an den Dornfortsätzen der Fall. 

Trotz dieser Dürftigkeit des Fundes ist das Stück von Interesse, insoferne es uns zeigt, dass das 
Vorkommen von Ichthyosaurierresten ein nicht gerade so seltenes ist, wie man es im lithographischen 
Schiefer anzunehmen gewöhnt ist. 

Wacner scheint davon keine Kenntniss besessen zu haben. 


Häberlein’sches Exemplar. ') 


Dieser älteste Fund von Ichthyosaurierresten im lithographischen Schiefer Bayerns wurde 1861 von 
A. WAGNER zu der von ihm aufgestellten Art Ichthyosaurus leptospondylus gestellt, da er „nach Vergleichung 
mit dem Kehlheimer Exemplar fand, dass sich sowohl nach Form als Maassverhältnissen eine vollständige 
Uebereinstimmung ergebe“. 

Fraas dagegen erkannte diese Uebereinstimmung nicht an und hielt für das HÄBErLeın’sche Exem- 
plar die Species Ichthyosaurus leptospondylus aufrecht und zwar hauptsächlich auf Grund der Verschiedenheit 
der Zähne. 

Nach genauer Untersuchung derselben wurde jedoch Eingangs festgestellt, dass eine specifische 
Differenz zwischen beiden Exemplaren nicht vorhanden sei und der oben citirten Behauptung WAGNEr’s von 
„einer vollständigen Uebereinstimmung nach Form und Maassverhältnissen“ stattgegeben werden müsse. 

Da die Beschreibung WAsnxer’s von diesem Stücke ziemlich vollständig ist, möge nur dasjenige hier 
Berücksichtigung finden, was er entweder übergangen oder falsch gedeutet hat. 

Die Gesammtlänge des Exemplares, welches bis hinter das Becken erhalten ist, beträgt ungefähr 
0,90 m, wovon ca. 0,35 m auf den Schädel entfallen. Genaue Maasszahlen anzugeben, ist leider der stark 
gestörten Lagerungsverhältnisse halber nicht möglich. 

„Der Schädel ist mit seiner oberen Parthie in das Gestein eingesenkt, so dass nur die Aeste des 
Unterkiefers deutlich hervortreten“, und von den übrigen Knochen ausser der Praemaxilla nichts zu bestimmen 
möglich ist. 

Die beiden Unterkieferäste sind an ihrer langgezogenen Form, sowie an der nach hinten zu- 
nehmenden Verbreiterung leicht zu erkennen. Am rechten lassen sich sogar — WAGNER scheinen diese 
osteologischen Details entgangen zu sein — sehr deutlich die Grenzlinien der Knochen erkennen, die an 
seiner Zusammensetzung betheiligt sind. ‘) 

Das langgestreckte (0,26 m), nach hinten und oben zulaufende Zahnbein zeigt eine tiefe, nach 
rückwärts sich verlierende Rinne, welche dem Verlaufe von Gefässen diente. 


1) cf. Cuvıer, 1. c. Planche 257. Fig. 15 u. 16; Kıpkısanorr, l.c. Th. I. Taf. IX. Fig. 1; Anatom. 
Anzeiger 1895. Bd. XI. Nr. 13. pag. 410; A. A. A. S. Vol. XIX. Core, on the homology of some of 
the cranial bones of the reptilia etc. pag. 194 ff. 


296 Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 


An dasselbe legt sich an der Unterseite ein spangenförmiger Knochen an — das Gaumenbein 
(Operculare Cuvıer; Spleniale Owen und Baur), welches Zahnbein und Winkelbein miteinander verbindet. 
Es ist nach vorne und hinten zugespitzt und in der Mitte verbreitert; seine Länge ist ca. 0,11 m; indess 
hindert die theilweise Ueberdeckung durch den linken Unterkieferast die Angabe genauer Maasszahlen. Auf 
dasselbe legt sich, von vorne nach hinten sich verbreiternd, das Angulare (0,145 m. lang), welches die 
blattförmige Anschwellung zeigt, wie sie am ÖBERNDORFER’schen Exemplare beobachtet wurde. Dass diese 
schuppenförmige Fortsetzung sehr dünn war, zeigt der Umstand, dass es von dem massiveren Theile des 
Knochens ab- und eingesunken ist. 

Theilweise bedeckt davon ist das Ueberwinkelbein, welches sich zwischen Dentale und Angulare 
mit einem langen Fortsatze einkeilt und nach hinten unter das Gestein sinkt, so dass die Umgrenzungs- 
linien hier fehlen. 

Die Breite des Unterkieferastes kann nicht genau angegeben werden, da er nicht in gerader, sondern 
etwas gewundener Lage eingebettet ist. 

Der linke Unterkiefer liest unterhalb des eben beschriebenen, ist in seiner Mitte gebrochen und 
gewaltsam gedreht worden, so dass er mit der Innenseite nach aussen gekehrt vor uns ist. Freilich sind 
dadurch auch die Lagebeziehungen der einzelnen Theile vielfach gestört worden. 

Erkennbar sind Dentale, Angulare und Supraangulare; an letzterem tritt der Kronenfortsatz, 
sowie die Gefässhöhlung, die wir auch am OBERNDORFER’schen Exemplare beobachteten, deutlich hervor. 
Ferner findet sich hier die Bestätigung des an letztgenanntem Exemplare gegebenen Querschnittes, indem 
das Angulare nach innen und aufwärts wie dort einen rinnenförmigen Fortsatz entsendet. 

Nach hinten zu ist der Unterkiefer sanft aufgerundet und erinnert hier an die von Fraas (l. c. 
tab. VI. Fig. 5) abgebildete Form, wenn gleich dort die Linien weniger fein verlaufen, wie überhaupt der 
allgemeine Bau der Knochen ein massiverer zu sein scheint. 

Von dem am ÖBERNDORFER’schen Exemplare beobachteten Complementare lässt sich — wie bei der 
gestörten Lagerung zu erwarten war — nichts bemerken. 

Unterhalb des Schädels liegt der von WAcxer beschriebene Augenring mit sehr schön erhaltenen 
Skleroticaplatten. Aus den erhaltenen Bruchstücken desselben lässt sich ein Schluss ziehen auf die namhafte 
Grösse des Auges bezw. der Augenhöhle; aus dem Umstande ferner, dass die Skleroticaplatten ganz enge 
an die Orbitalknochen angepasst sind, darf wohl nicht ohne Grund gefolgert werden, dass die Augenhöhle 
randlich fast ganz von ihnen bedeckt gewesen ist. 

Der eigenthümliche Erhaltungszustand, sowie die Thatsache, dass die Platten in zwei concentrischen 
Reihen übereinander liegen, lässt vielleicht vermuthen, dass nicht nur eine, sondern zwei Reihen der Sklero- 
ticaplatten an der Bildung des Augenhöhlenpanzers sich betheiligten. Es würde dadurch die Ansicht Fraas’ 
eine neue Bestätigung finden, wonach „sich in seltenen Fällen ausser dem Sklerotica-Ring auch noch Spuren 
eines Skleroticapflasters, bestehend aus kleinen rundlichen Schuppen, beobachten lassen, welche sich an den 
Aussenrand des Ringes anlegen“. (l. c. pag. 10.) Dass wir eine ähnliche Erscheinung wenigstens an unserem 
Stücke haben, scheint auch das OBErnDorFER’sche Exemplar nahe zu legen, wo dieselbe doppelt-concentrische 
Anlagerung der Platten bemerkt wird. 

A. WAGNER erwähnt ferner einen unterhalb der Augenhöhle liegenden Knochen, „der aus einem 
keilförmig abgestutzten Theile und zwei langen stabförmigen Knochen bestehe“, und deutet denselben 


Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 397 


als Zungenbein mit seinen beiden Hörnern. Es wäre ja gewiss interessant, über diesen Theil des 
Skeletes etwas Sicheres erfahren zu können, allein die gestörte Erhaltung des Schädels macht dies schon 
von vornherein höchst unwahrscheinlich. In der That ist die Beschreibung WAGxer’s derartig ungenau, dass 
es unmöglich erscheint festzustellen, welche Theile er mit seinen Angaben getroffen wissen wollte. Die 
Maasse, welche er für den Körper des Zungenbeins angibt, können nur auf zwei Stücke in der Nähe des 
Augenringes bezogen werden: das eine davon ist ein etwas verdrückter Aptychus, das andere aber eine 


Skleroticaplatte. 
In der Nähe des letzteren liegen die beiden problematischen Zungenbeinhörner weichen jedoch 
in ihrer Gestalt wesentlich von einander ab. Der längere (0,07 m — 2“ 11° [2'/s“ WAsnEr]) hat das 


typische Aussehen der Interclavicula (Taf. XXV. Fig. 6); der andere 0,023 m (1°) lange Knochen ist als 
Bruchstück nicht mit Sicherheit zu deuten. 

Abgesehen davon, dass demnach die Wacxer’schen Angaben gänzlich falsch sind, würde ja ohnehin 
die Form der fraglichen Theile in keiner Weise mit den bei anderen Arten beobachteten Verhältnissen im 
Einklang stehen (Fraas, 1. c. tab. VI. Fig. 3 und tab. X. Fig. 1). 

Die Zähne liegen in grosser Anzahl regellos durcheinander; nur wenige finden sich in natürlicher 
Lage. Wacner beschreibt sie als „von geringer Grösse bis zu 6'/s‘ lang (0,012 m), etwas gekrümmt, am 
Wurzelteile stark gefurcht, an der Krone fast ganz glatt, nur einige mit sehr feinen Längsstreifen“. (Abhand- 
lungen der bayr. Akad. der Wissensch. Bd. IX. pag. 121.) 

Wie bereits einleitungsweise ausführlicher erörtert wurde, zeigen dieselben den Typus von Ichthyo- 
saurus posthumus in jugendlicher Ausbildung: der Schmelz beginnt eben erst sich in Falten zu legen, die 
an ganz kleinen Exemplaren kaum bemerkbar sind, an mittelgrossen als tiefbräunliche Streifen bis zu dem 
kaum differeneirten Zahnhalse ziehen, zum Theil aber bereits als Furchen ausgebildet sind, die namentlich 
auf Querschnitten deutlich zu Tage treten. Ein Beweis dafür, dass die Furchungszone auch an den kleinsten 
Zähnen bereits angelegt ist, ist die Thatsache, dass die Krone immer deutlich bemerkbar gegen den voll- 
ständig glatten Hals abgesetzt erscheint. 

Die Zahnwurzel ist bauchig erweitert und zeigt eine von der Knochenstructur herrührende unregel- 
mässige Furchung. Die Pulpa ist gut entwickelt und reicht bis in die Krone; von ihrer Endigung aus ent- 
sendet sie einen feinen runden Kanal fast bis zur Spitze. An der Basis der Zahnhöhlung tritt das Cement- 
gewebe in Form eines unregelmässig gestalteten, niederen Kegels in dieselbe vor. 

Die Wirbelkörper sind in grosser Anzahl zwar vorhanden, aber alle in so schlechtem Zustande, 
dass es schwer ist, genaue Maasse anzugeben. Nur in der Beckengegend ist dies einigermassen möglich, 
und man erhält hier einen wenig genauen Durchmesser von 0,025 m und eine Dicke bezw. Länge von 
0,09 m, welche Maasse den Wirbeln in der vorderen Rückengegend am OBERNDORFER’schen Exemplare ent- 
sprechen, das im Verhältniss zu dem vorliegenden Stücke ein älteres genannt werden muss. WAGNER hat 
einen der besterhaltenen Wirbelabdrücke abgebildet; man kann jedoch daraus nur folgern, dass ihre Form 
eine stark amphicoele gewesen sein muss. 

Ein guter Querschnitt eines oberen Bogens gibt die Verhältnisse wieder, wie wir sie an unserem 
neuen Exemplare finden werden. Aus dem Abstande der beiden Neuralbögen kann die Breite des Neural- 
kanals auf ca. 0,015 m berechnet werden. Die Höhe der Processus spinosi nahm nach hinten zu an Grösse ab. 

Die Rippen sind schlank, je nach Lage und Länge geschweift und am vorderen Ende deutlich 


Palaeontographica,. Bd, XLIV. =s 


298 Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 


zweiköpfig, entsprechend den beiden Gelenkhöckern am Wirbelkörper. Wie alle Rippen der Ichthyosaurier 
aus dem lithographischen Schiefer zeigen sie eine wohlentwickelte Längsfurche, die offenbar ein primäres 
Merkmal genannt werden muss und nicht etwa nur als Folge des Gebirgsdruckes — wie WAGNER annahm 
— betrachtet werden kann. 

Bauchrippen waren wohl vorhanden, lassen sich aber nicht sicher erkennen. 

Vom Schultergürtel beschreibt WAGxErR ein Coracoid und zwei Scapulae, welche in der Nähe des 
Schädels liegen. 

Vom Rabenschnabelbein ist indess so wenig erhalten, und was vorhanden ist, derartig gestört, 
dass es wohl unmöglich sein dürfte, aus den überlieferten Bruchstücken — wie FrAas und vor ihm WAGNER 
gethan haben — Schlüsse auf die ursprüngliche Form zu machen, ohne fürchten zu müssen, durch spätere 
Funde korrigirt zu werden. 

WAGNER sagt, dass es „an seinem äusseren Rande nur eine geringe Ausschweifung und an seinem 
oberen Rande keinen Ausschnitt zeige“. Fraas beschreibt die Coracoide als „klein, abgerundet quadratisch, 
ohne ausgesprochene vordere und hintere Bucht“. 

Diese Angaben sind jedoch zu sehr Conjeeturen, als dass ihnen wirkliche Genauigkeit beigemessen 
werden könnte. Denn einerseits ist kaum die hintere Hälfte des flachen Knochens vorhanden, andererseits 
ist auch von diesem wenigen noch ein Theil von dem Humerus verdeckt, so dass es in gleicher Weise un- 
begründet erscheint — wie WAGNER es thut — von dem Vorhandensein oder Fehlen von Scissen zu reden, 
oder wie Fraas Angaben über Form und Ausbildung zu machen. 

In ähnlicher Weise berücksichtigen auch die Angaben über die Scapulae nicht den Erhaltungs- 
zustand. „Die Scapula, schreibt Fraas, ist schlank gebaut und unten in zwei Flügel ausgezogen“, während 
WAGNER sie „am unteren Ende stark erweitert sein lässt“. Die Angabe FraAas’ ist richtig, wenn statt 
„ausgezogen“ „ausgefressen“ gesetzt d. h. die nunmehr vorliegende Form nicht als die ursprüngliche 
betrachtet wird, sondern als durch theilweise Zerstörung entstanden. 

Die messbare Länge beträgt 0,069 m; die proximale Breite d. i. an den Gelenkungen 0,035 m, 
an den Gelenkflächen 0,026 m und 0,019 m; gegen die Mitte wird der Knochen dünner (0,0127 m), um 
sich distal wieder auf ungefähr 0,02 m zu erweitern. ; 

Die Ausbildung der beiden Gelenkflächen am proximalen Ende, zur Verbindung mit Coracoid und 
Humerus, lässt sich am Exemplare, das nach rechts und vorn gelegen ist, mit Hilfe des Abdruckes im 
Gestein ziemlich gut erkennen. Der Verlauf der Längslinien ist der typische d. h. auf der einen Seite 
geradlinig, auf der anderen dagegen schwach bogenförmig geschweift. An dem einen Stücke findet sich 
eine Gefässdurchtrittsstelle. 

Von der Clavicula ist nichts erhalten geblieben; dagegen ist das von WAGner als Zungenbeinhorn 
gedeutete 0,07 m lange Knochenstück als Interelavicula hieher zu beziehen. Von dem oberen Ende ab 
schnürt sie sich ein wenig ein, um rasch in die Dicke zu wachsen und sich dann keilförmig zuzuspitzen. 
(Siehe Taf. XXV. Fig. 6.) 

Neben den soeben aufgeführten clavicularen Theilen liegt ein Knochen, den A. Wacker als Basis- 
phenoid (Taf. XXV. Fig. 7) oder Keilbein mit einem schwertförmigen Fortsatz beschrieb und abbildete, 
freilich sehr schlecht und unrichtig. 

Dass er in Deutung derselben entschieden das Unrichtige getroffen hat, macht ein Blick auf den 


Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 399 


angeblichen Fortsatz klar, der nichts anderes ist als ein Bündel von Rippenfragmenten, die deutliche 
Furchung zeigen, aber keineswegs eine basale Ansatzstelle erkennen lassen — wie die Wacner’sche Ab- 
bildung supponirt — und ausserdem oberhalb der vermeintlichen Basisphenoide ihre natürliche Fort- 
setzung finden. 

Dass auch das letztere nicht das ist, wofür es gehalten wurde, legt ein Vergleich mit gut erhal- 
tenen Exemplaren nahe. Das Keilbein zeigt stets symmetrische Ausbildung und ist natürlich frei von 
Gelenkflächen. Beide Merkmale fehlen. 

Der Knochen ist kurz und stämmig gebaut, mit einem kleinen vorspringenden Trochanter, distal 
deutlich gelenkig ausgebildet in ungefährem Winkel von 131°, während der proximale Theil kuppig auf- 
gewölbt ist — unzweifelhafte Kennzeichen des Humerus. Die Höhe beträgt 0,032 m (die Gelenk- 
wölbung mit inbegriffen 0,038 m); die distale Breite 0,032 m, die proximale 0,024; an den beiden Gelenk- 
flächen erhalten wir 0,016 bezw. 0,020 m. In der Mitte ist der Knochen nur mässig eingeengt. 

Ist bereits bei Betrachtung des OBERNDORFER’schen Exemplars eine Aehnlichkeit aufgefallen mit 
Ophthalmosaurus SEELEY in Bezug auf die Ausbildung der Diapophysen, so bietet auch der vorliegende 
Humerus eine solche Beziehung in Anbetracht der Gelenkungen dar. Neben den beiden grossen Gelenk- 
flächen sehen wir nämlich eine dritte, wenige Millimeter grosse nach aufwärts abbiegen, welche wohl mit 
einer pisiformalen Reihe der Polygonaltäfelchen in Verbindung gebracht werden darf. Jedoch bieten unsere 
Verhältnisse weniger Aehnlichkeit mit Ophthalmosaurus cantabrigiensis LYDERKER als vielmehr mit Ophthal- 
mosaurus icenicus SBELEY.!) 

Die Polygonaltäfelchen der Vorderflosse liegen in grosser Anzahl zerstreut umher und zeigen die 
gewöhnlichen runden bezw. polygonalen Formen, deren Durchmesser zwischen 0,003—0,015 m wechselt. Die 
gänzliche Regellosigkeit der Anordnung gestattet leider keinen Schluss auf Form und Ausbildung der 
Gesammtiflosse. 

Vom Becken gibt Wacner keinerlei Nachricht, während Fraas einen „langen Knochen von der 
Gestalt des Os pubis“ erwähnt. Der als Schambein angesprochene Knochen hat eine Länge von 0,035 m 
und eine grösste distale Breite von 0,01 m. 

Der Knochen ist paarig vorhanden: einmal fast vollständig (der fehlende Theil wird durch den 
Abdruck im Gesteine ergänzt), sodann etwas nach unten ein vollständiger Abdruck im Gestein — die Maasse 
sind bei beiden die oben angegebenen. (Taf. XXV. Fig. 8.) 

Die Vergleichung des Knochens mit dem vollständigen Becken des neuen Solnhofer Exemplares 
ergibt für die Deutung, dass wir es nicht mit einem Pubis, sondern mit dem Heum oder Darmbein zu thun. 

Von den sonstigen Bestandtheilen des Beckengürtels ist nichts erhalten geblieben. 

Ziemlich weit abgerückt von der Gesammtknochenmasse ist noch der bisher unerwähnte, deutliche 
Abdruck eines Femur leicht erkenntlich. Er hat eine kurze gedrungene Form, ist 0,019 m hoch, proxi- 
mal 0,01 m breit, distal 0,015 m; diese letztere Breite vertheilt sich auf die Gelenkflächen im Verhältnisse 
von 0,009 und 0,007 m. Seine geringe Grösse, bezogen auf die bedeutend stärkere Ausbildung des Humerus, 


1) cf. Lyperker, Catalogue of the fossil reptilia and amphibia ete. part. II. pag. 9 u. Abbildung 6; 
sowie SEELEY, On the pectoral arch and Fore-Limb of Ophthalmosaurus, a new Ichthyosaurian genus 
from the Oxford Clay, — Quarterly journal of the geologieal Society of London. 30. 1874. pag. 696 ft. 
u. Pl. 46 Fig. 3. 


300 Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 


gestattet einen sicheren und wichtigen Schluss auf die fast minimal zu nennende und stark reduzirte Form 
der hinteren Extremität bei den oberjurassischen Ichthyosauriern. (Taf. XXV. Fig. 9.) 

Sonst ist von den Elementen der Hinterflosse nichts vorhanden. 

Anzuführen ist hier noch eine Platte aus dem lithographischen Schiefer von Solnhofen, 
welche eine grosse Anzahl von Polygonaltäfelchen enthält und für die Bestimmung der systematischen 
Stellung der Weiss-Jura-Ichthyosaurier von Belang zu sein scheint. 

Wenn nämlich FraAs aus der grossen Anzahl von Flossentäfelchen am HÄBErLEIN’schen Exemplare 
folgern zu dürfen glaubt, dass wir in demselben einen Vertreter der latipinnaten Formen vor uns haben, so 
kann diese Aufstellung durch das Vorhandensein dieser Platte nur gewinnen. Sind nämlich diese einzelnen 
Täfelchen auch nicht in ursprünglicher und ungestörter Lagerung nebeneinander, so lässt sich doch eine 
gewisse Regelmässigkeit der Anlagerung nicht verkennen — ein Umstand, der zu dem Schlusse berechtigt, 
dass wir wenigstens vier primäre Strahlen — radiale, ulnare, intermediäre und pisiformale Reihe — vor 
uns haben d. h. in der That den Vertreter einer latipinnaten Form. 

Hat schon die Voruntersuchung über die Zähne ergeben, dass die bisherigen Funde alle zur Species 
Ichthyosaurus posthumus gehören, und haben die bisherigen Beschreibungen eine Fülle neuer, sich ergänzender 
Merkmale geboten, so geschieht dies doch noch mehr und in vollständigerer Weise durch das neu auf- 
gefundene 


Solnhofener Exemplar, 


welches in ganz besonderer Weise dazu geeignet ist, die bisherigen Lücken auszufüllen, weil gerade an ihm 
Brust und Beckengürtel in so schöner und selten guter Erhaltung vor uns liegen, dass dadurch genügendes 
Material zu einer genauen und umfassenden Artbegründung geboten zu sein scheint. 

Der Erhaltungszustand entspricht, unerachtet vieler Störungen namentlich im Verlaufe der Rücken- 
linie, noch ziemlich der regelmässigen und natürlichen Lagebeziehung der einzelnen Theile. 

Die zu beobachtende Gesammtlänge beträgt ungefähr 1,45 m, wobei ein Bruchstück der Wirbel- 
säule, sowie die Schwanzregion, als fehlend, nicht mit inbegriffen sind, so dass unter Hinzurechnung der 
Maasse dieser Theile eine Länge des Thieres von 2—2,5 m sich ergeben dürfte, 

0,41 m derselben entfallen auf den nach vorne spitz zulaufenden Schädel, welcher seitlich zusammen- 
gedrückt erscheint, so dass nur die eine Hälfte sichtbar ist; die linke Seite des Gesichtsschädels liegt nach 
oben, während die rechte in den harten Kalkstein eingebettet ist. 

Die Knochen, welche die Unterseite des Schädels zusammensetzen, sowie die linke Unterkieferhälfte 
erscheinen seitlich und nach unten herausgepresst und überdecken sich gegenseitig, so dass ihre Umgrenz- 
ungen schwer zu erkennen sind. 

Fast unmittelbar an die verworrene Maasse der Hinterhaupttheile schliesst sich der Brustgürtel mit 
wenigen Resten der vorderen linken Extremität. Die vorderen Wirbel sind grossentheils aus ihrem natür- 
lichen Verbande losgerissen; doch lässt sich die stark gebogene Rückenlinie ziemlich gut erkennen. Von 
der Beckengegend ab liegen die Wirbelkörper einander an, sind aber stark zerfressen und lassen nichts 
(Genaues über Maass- und Formverhältnisse erkennen. Von den Schwanzwirbeln und der hinteren Extremität 
ist nichts erhalten. 

Unter den Durchbrüchen auf der Oberseite des Schädels fällt zunächst die linke Augenhöhle auf 


Dr. Franz Bauer. Die Ichthyosaurier des oberen weissen Jura. 301 


mit einem ungefähren Durchmesser von 0,07 m; die Skleroticaplatten scheinen dieselbe ziemlich vollständig 
erfüllt zu haben: ihre Höhe beträgt 0,035 m, ihre Breite 0,015 bezw. 0,029 m. Ein Theil derselben ist 
ausserhalb der Augenhöhle zerstreut. 

Die Umgrenzungslinien des linken Nasenloches sind nach hinten durch eingestreute Zähne ziemlich 
verwischt: immerhin aber lässt sich aus der ihren Verlauf bezeichnenden Eintiefung erkennen, dass sich das- 
selbe nach hinten stark erweiterte, nach vorne dagegen schmäler wurde und sich spitz auskeilte — die- 
selben Verhältnisse, welche H. v. Meyer am Exemplar des British Museum beschrieben und abgebildet hat. 
(cf. Palaeontographica Bd. XI. pag. 224 u. tab. XXXIIL.) 

Von den Schläfenlöchern ist nichts zu sehen, da die Oberseite des Hinterschädels unter dem 
starken seitlichen Drucke derart gelitten hat, dass hier die Knochen zu einer unentwirrbaren mehligen 
Maasse zusammengedrückt wurden. 

Bevor ich an die Beschreibung der einzelnen Knochenstücke gehe, möchte ich ein Situationsbild 
der langen Schädelknochen entwerfen. Die auf der Vorderseite deutlich erkennbaren Stücke sind die 
linke Praemaxilla, welche in situ erhalten ist; unter ihr liegt die rechte, welche eine Verschiebung nach 
unten und eine starke Drehung erfahren hat. Sie setzt mit dem Maxillare und Jugale unter dem linken 
Zwischenkiefer durch und erscheint in der Augenhöhle als kantiger Knochen nach aussen, auf der entgegen- 
gesetzten Gesteinsseite als stark nach innen ausgebuchtet. 

Nach unten schliesst an die Praemaxilla ein Bruchstück des Dentale an, von welchem in spitzem 
Winkel der übrige Theil des linken Unterkieferastes abbiegt und seiner ganzen Breite nach flach gedrückt ist. 
Der rechte Unterkiefer ist bei der Fossilisation ebenfalls gedreht worden, doch ist er seiner typi- 
schen Form halber leicht zu erkennen. Nach vorne ist er aufwärts gebogen und legt sich an die rechte 
Praemaxilla, dieselbe umfassend vom Nasale aus an. 

Auf den Bruchstücken des nach vorn gelegenen linken Unterkieferastes liegen theilweise die Knochen 
der Unterseite des Schädels (Pterygoidea, Os. transversum, sphenoideum). 

Aus dem Gesagten ist ersichtlich, dass der Fossilisationsprozess ein sehr bewegter war — trotzdem 
aber lassen uns die erhaltenen Reste den allgemeinen Habitus des stark zugespitzten, in seiner hinteren 
Parthie steil ansteigenden Schädels erkennen und sind sogar im Stande, mehrere werthvolle Details zu bieten. 

Das Intermaxillare ist ein schmaler, lang ausgezogener Knochen; an seinem vorderen Ende ist 
er abgebrochen, am hinteren Ende leider etwas mit Gesteinsmasse und Zähnen bedeckt, so dass die Länge 
von 0,24 m nur als approximative angegeben werden kann. 

Typische Merkmale sind die grössere Breite der inneren Alveolarwand und der Verlauf einer deut- 
lichen Gefässrinne. 

Die Höhe beträgt im Mittel 0,0167 (bezw. 0,0142) m und wächst bis zu 0,0198 m an, um von dem 
Eintreten der Nasalia an nach hinten langsam abzunehmen, indem es oben vom Nasenbein, unten von dem 
bereits hier beginnenden Maxillare eingeengt wird. V